Indiana Tribüne, Volume 30, Number 94, Indianapolis, Marion County, 11 December 1906 — Page 6

vv

Jndiana: Tribüne, II. Dezember 1900 o

X

STxPSxSHVP M H D XV n $ WUM i ÄW i t WlMxs. t is K T X St t vJl

t Jakobs Odt $ S $ $ K S S K bekannt auf der gan,e (Prtt, als das groß, Schmerzendeilniittel heilt Rheumatismus, Neuralgie, Hüftenschmerzen, Ruckenschmerzen, Verrenkungen, Kopfschmerzen, Steifheit. Schmerzen. und alle Schmerzen M'be ein äufterlirfx Mitl benöthigen. Preis, 25c und 50c. SxSxZxSchxSxZS" Br. A. H. aciö Teutscher rhier.vr! Off! I EchelNzouse'SLellStli 338 Oft abasd Ot Ie!eph,ae: Neu, 2328 Wohnung: 1131 Züt Merldl. träfe. Neuer 'Vdoae 9685 lt. Prospekt, osi. Karstadt Bros. Wampf-Farberei nn& Reinigungsanftlt. Haupt. 0sste:e: 1435 N. JllinoiS CtT. B c a n 4 1 1 : 49 Virginia Lve. 205 Jndiana ve. 218R. JllinoiS. Vetde V1)ontt. OH.&B Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden k A Züge zwischen Indianapolis und It Cincinnati. 10 Züge zwischen JndianapoltS und XL Davton. 6 Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. 6 Züge zwischen JndlanapoliS und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis uns Springsield, JllinoiS. fort WagzonI an allen lagel und Eölas oai9ni an alle Nacht-ZSzen. Indianapolis Office : Union Bahnhof und S Nord JllinoiS St. R. P. Algeo, D. P. A. I Dr. Paul F. Martin, rakUstöer rzt nd hirnrg. Eprechstnnven: 11.00 n.30 M 4.00 tägkl Sonntag: uf Verabred. Willoughbu SebSude, 31 Kor erldla träfe Tel.. Mal 441.' ,hnvg : 1106 9?rft Re Jersey Str. Telköhon: Main' ; Sl,w ECl. ' jp Dr. J. A. Sutcliffe. Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectu Krankheiten, Ossice : 155 Ost Market St. Tel 941 OsKa.etundtn: 9 bis 10 lNzr vm.; I lil 4 Uhr Ka 9 Dr. Carl Q. Winter ' Deutscher Arzt. hudelt alle akute und chronisch rangen Sveziell RöeuattSuS, Recwv und Frauen'ttrankheiten. Dfflcc: 14 weft Ohio Stra Ofstce.SUtnden : 1011 Vm. 34 N snntazS: 9.30 10.30 Lm. Tel. neu 41 Wohs: 1250 Nadisou Vvenm elePhone : SU, 2025. Neu, 9232.

V5

Europäische Nachrichten.

Provinz 'Nrandenburg. Berlin. Das 50jährige Jubiläum des Armeemusik - Jnsspizienten Professor Roßberg wurde in seiner. Wohnung auf's Glänzendste gefeiert., Auf zweifache Weife hat der 33-' jährige Gelegenheitsarbeiter Hermann Teßmer aus der Kochhamstraße No. 18 Selbstmord verübt. Während der Abwesenheit seiner Zrau trank er Gift ui?d erhängte sich dann in der Küche an einer alten Waschleine. Von einem Privatautomobil überfahren und . getödtet wurde auf der Kreuzung der Frankfurter Allee und der Proskauer Straße die 7jähriqe Tochter Hertha des Milchhändlers Liefeld. Dieser Tage feierte die im Jahre 1856 !- gründete Firma Otto Schulz, vorm. A. Lichterfeld, hier, Potsdamer Straße 37, ihr 50jähriqes Geschäftsjubiläum. Der Begründer der Firma, Lichterfeld, nimmt mit regem Interesse noch heute, lebhaften Antheil an dem Aufschwung ' der Firma. Der jetzige Inhaber. Hugo Ochlert.. übernahm das Geschäft 1889 und hat es seitdem bedeutend erweitert. Letztens ist der 23jährige Schlächtergeselle Stanislaus Nowak, der in ! der Fleischwaaren- und Wurstfabrik von A. Müller. Neue Königstraße 65 bis 66, beschäftigt war, im Fahrstuhl umgekommen. Er hatte größere Postet Fleischwaaren auf dem Lastenaufzug befördert und war dabei auf nicht aufgeklärte Weise zwischen den Fahrstuhl und die Schachtwand gerathen. Der Körper wurde vollständig zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Durch einen Sprung aus dem fünften Stock hat die 29 Jahre alte Frau des Omnibuskutschers Franz Haase, Helene, geb. Lubitz, in der Putbuser Straße 43 einer Unglücklichen Ehe und ihrem Leben ein Ende gemacht. Der Historiker Prof. Dr. E. Klchs, Privatdozent an der hiesigen Universität, ist als a. o. Professor nach Marburg berufen worden. Auf 50 Jahre im Dienste der Sprachwissenschaft konnte unlängst die Langenscheidt'sche Verlagsbuchhandlung Berlin - Schöneberg zurückblicken. Einen Selbstmordversuch durch Erschießen machte in einem hiesigen Hotel der Fähnrich Wolf von der Mittelsbach. Was ihn zu dem Schritt veranlaßte. ist nicht bekannt. 5harlottenburg. Der Regrerungssekretär Karl Probst beging kürzlich sein 25jähriges Dienstjubiläum. Eberöwalde. Ein Doppelselbstmord ist hier vorgekommen. Die Frau Rentner Rehfeldt und ihre 23 Jahre alte nervenkranke Tochter wurden zusammengebunden als Leichen aus dem Finowkanal gelandet. Görlsdorf. Der frühere Kossäth Aug. Schmäck und seine Ehefrau feierten vor Kurzem das Fest der goldenen Hochzeit. Der Kaiser hatte dazu ein Gnadengeschenk von 50 Mark bewilligt. K ö p e n i ck. Ein tragischer Vorfall hat sich kürzlich hier zugetragen. In der Grünauer Straße 13 wohnt der Maschinist Steiler mit feiner 25 jährigen Frau und einem kleinen Knaden. Seit einiger Zeit lag -die junge Frau an Gelenkrheumatismus danieder und hatte viele Schmerzen auszustehen. Letztens verschlimmerte sich ihr Zustand wieder derartig, daß der Mann schleunigst zum Arzt eilte. Als er wieder zurückkehrte, wurde ihm eine furchtbare Ueberraschung zutheil. Er mußte seine Frau als zerschmetterten Leichnam wiedersehen. Die Unglückliche war in ihrem Schmerz aus dem Fenster gesprungen und hatte sich auf die Straße hinabgestürzt. Mit gebrochenen Gliedern blieb sie todt liegen. S ch w e d t. Sein 60jähriges Geschäftsjubiläum beging kürzlich der Fabrikbesitzer Hermann . Rosendorff hier. Er hat im Oktober 1856 die Tabakfabrik Gebrüder Rosendorff" gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder gegründet. S p a n d a u. Der wc&ttt Mordversuchs verhaftete Arbeiter Meyer hat seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. 'Irsvinz Hstpreußen. Königsberg. Dieser Tage bezing hier das ffest dr goldenen Hochzeit das Wilhelm Katzke'sche Ehepaar. wohnhaft Friedmannstraße No. 14. Alex Wangen. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit konnien un längst in seltener Frische und Rüstigkeit der frühere Bäckermeister, jetzige Nentler tsoümv August Korn und seine Ehefrau, geb. Hermenau, begehen. Garbassen. Bei einem Brande um's Leben gekommen ist dieser Tage der 15 Jahre alte Bruder des hiesigen Wirths Kannenberg, dessen Wohnhaus nächtlicherweile niederbrannte. Jüdischen. Kürzlich erschoß sich hier der Händler Wilhelm Camplair, der im Alter von 57 Jahren stand. Er lebte in sehr geordneten Verhält nissen. L Y ck. Der frühere Breirnereiführer Ditjurgies erhängte sich in einem Wort an der Hauptstraße. . Ditjurgies konnte keine Wohnung erhalten und kampirte mit Frau und sechs Kindern seit eimger'Zeit in einem Stalle. Ortelsburg. Letztens war der Brunnenmacher AbramowSki aus Beutnerdorf auf einem Abbaugrund stück mit der Anlage eines Brunnens beschäftigt. AIS er im tiefen Schacht

die Brunnenumtranzung legte, fi:l plötzlich infolge von Unvorsichtigkeit ein Eimer herab und traf den Mann derart unglücklich auf den Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach. Mit großer Mühe wurde der Verunglückte hinaufgeschafft und in's hiesige Krankenhaus gebracht. P i l l a u. Das 25jährige Innungsmeister - Jubiläum feierten hier vor Kurzem die Fleifchermeister Nautsch und Federmann. Von Seiten der hiesigen Fleischer - Innung wurde den Jubilaren durch eine Deputation ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom überreicht. Springborn. Ein bedauerlieher Unglücks fall ereignete sich letztens bei dem hiesigen Besitzer Cornelius Austen. Sein Zweitältester Sohn, der mit dem Füttern der Pferde beschäftigt war, erhielt von einem Fohlen einen so schweren Schlag gegen den Unterleib, daß er nach kurzer Zeit infolge der schweren inneren Verletzungen, gestorden ist. Tilsit. Ertrunken ist. im Memelstrom bei Krakonischken der Terrainarbeiter Johann Rudat von hier. T?rcvi,iz ZSeltpreulzen. D a n z i q. In erfreulicher körperlicher Rüstigkeit und voller Geistesfrische blickte kürzlich der hiesige Ehrenbürger Geheimer Kommerzienrath Damme auf ein gesegnetes Leben von 80 Jahren zurück. Reichlich drei Viertel davon waren der Heimathstadt Danzig gewidmet. V u k o w i tz. Kürzlich hatte sich der Besitzersohn Notzoll einen geladenen Revolver in die Tasche gesteckt und dann Holz gehauen. Während des Arbeiten entlud sich die Waffe und der Schuß qina ibm in den Leib; nach kurzer Zeit starb Rotzoll. D i r s ch a u. Der Bahnmeister erster Klasse, Peters, feierte unlängst sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlasse versammelten sich die Kollegen und Freunde des Jubilars mit dem Stationsvorsteher im Amtszrmmer der Bahnmeisterei, um ihre Glückwünsche darzubringen. G r a u d e n z. Von der elektris chen Straßenbahn wurde in der MarienWerderstraße die drei Jahre alte Tochter Marie des Gasanstaltsarbeiters Kosziemski von hier überfahren und tödtlich verletzt in das städtische Krankenhaus gebracht. Dem Kinde ist der Leib völlig aufgerissen worden, auch hatte es sich einen Schädel- und Armbruch zugezogen. Junkertroyl. Ein mächtiges Feuer wüthete kürzlich auf dem Gehöft des hiesigen Gutsbesitzers Schulz. Bei dem orkanartigen Sturme griffen die Flammen derartia scb:cell um sich, daß in kurzer Zeit Wohnhaus, Stall, Scheune und Schweinestall eingeäschert waren. Da eine Rettung der Thiere unmöglich war. verbrannten 24 werthvolle Pferde. 5 Füllen. 40 Schweine, 100 Gänse und sämmtliche Hühner, sowie ein Dampfdreschapparat.

Klein-Tromnau. Letztens entwickelte sich in der Nähe eines hier aufgestellten Karussells ein Streit. Hierbei schlug der Arbeiter Fritz Hantel aus Friedrichshain mit einem Stock (er soll mit Stahleinlage versehen gewesen sein) in so roher Weise auf den Arbeiter Bernatzki ein, daß dieser nach kurzer Zeit an den Folgen der erlittenen Verletzungen Parb. M a i b a u m. In dem hohen Alter von fast 98 Jahren verstarb hier der Altsitzer Gottfried Schick. R i e s e n b u r a. Direktor Müller, der 36 Jahre die hiesige Realschule geleitet und lange Jahre als Stadtverordnete? und Stadtverordnetenvorsteher in unserer Stadt gewirkt hat, ist zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt worn. Ein von früheren Schülern der Anstalt gesammelter Betraq von 1620 Mark 'soll zur Gründung einer Direktor Müller - Stifhing" verwandt werden. Tiegen Hagen. Dem Rentner und Prediger Abraham Regier der hiesigen Mennoniten - Gemeinde ist der Kronenorden vierter Klasse mit der Zahl 50 verliehen worden. IN Paris werden alljährlich über 300,000.000 Pfund Fleisch konsumirt. Die Theeplantagen auf Ceylon beziehen ihren Dünger aus Deutschland. Ein ausgewachsener E?ephant hat durchschnittlich ein Gewicht von 7000 Pfund. Genügende Entschulv igung. Der Professor Sucher hat mich ein Mondkalb genannt! 9 ... Das lass' i mir nicht gefallen!" 0, das darfst du ihm nicht übelnehmen. er ist ja Astronom!" Schmieren-Publikum. Wie ist denn der Kunstgeschmack des hiesigen Theaterpublikums?" Na, wissen Sie, wenn zum Beispiel ein Lustspiel gefallen soll, müssen erst ein paar Morde eingeschoben werden." Der Zerstreute. Köchin: Gnä' Frau, es ist ein Bub da, der soll einen Hut holen für Herrn Professor; der andere ist zerbrochen." Frau: Was, zerbrochen? Jetzt hat er gewiß wieder die Lampenalocke aufgesetzt!" Protest. Logiswirthin (in einem Luftkurort): 's wird Ihnen schon gefallen bei uns: Sie sollen sich fühlen wie zu Hause." Ehemann: Nee, danke schön: den Hausschlüssel möcht' ich doch haben!" '

t George Ellwanger in Rochcstcr, I

N.J. In Rochestcr, N. Y., ist am Dicnstag in seinem 90. Lebensjahre der Gärtnern- und Baumschulen-Bcsitzer Geo. Ellwanger gestorben, welcher, seit langen Jahren in Rochestcr angesessen, sich in seinem Fache einen gewaltigen Ruf erworben hatte. In Groß-Heppach in der Weingegend des Rcmsthales in Württemberg am 2. Dczembn 1816 geboren, widmete er sich zunächst der Rebenkultur, machte dann eingehende Fachstudien in Stuttgart durch und wanderte im Jahre 1835 nach den Ver. Staaten aus, wo er sich bald in Roehester niederließ, da ihm Klima und Bodenverhältnisse für gärtnerische Untcrnehmungen daselbst besonders geeignct erschienen. Er trat zuerst in die Vlumengärtnerei von Reynolds & Batham ein, etablirte sich im Jahre 1839 selbst und erwarb den Besitz der erwähnten Firma, wozu er bald noch weiteres Gebiet hinzu erwarb, welches allmählich sich auf Hunderte von Ackern ausdehnte und sich unter dem Namen der Mount Hope Nurseries mit der Zeit einen Weltruf erwarb. Im Jahre 1840 vereinigte er sich mit dem im Jahre 1890 verstorbenen Patrick Barry zu der Firma Ellwanger & Barry und sein Einfluß auf Gartenbau und Blumenzucht hat sich lange Jahre hindurch in den gesummten Vcr. Staaten geltend gemacht. Ihm ist die Einführung des Zwergobstes und des Northern Spy-Apfcls, sowie vieler japanischer Neuheiten zu danken, und auf dem Gebiet der Pfröpfung von Obstbäumen entwickelte er eh ganz neues Verfahren, welches jccht allgemein befolgt wird. Baumschulen legte er mit großem Erfolge später auch an verschiedcnen anderen Punkten, wie namentlich in Toronto und Columbus, O., an und alle die Unternehmungen wurden mit vorzüglichster Sachkenntnlß und der strengsten Reellltat geleitet. Unter solchen Umständen fehlte auch der pekuniäre Erfolg nicht und Ellwanger spielte bei vielen Finanzinstituten und anderen Unternehmungen eine hervorragende Rolle. Auch an Gemeinsinn fehlte es dem Verstorbenen nicht, er gehörte zu den Gründern der ersten Straßenbahn der Stadt Röchester und seiner Freigebigkeit hatten diele wohlthätige Institute bedeutende Spenden zu verdanken. Im Jahre 1893 baute Ellwanger in seinem Geburtsort die alte Kirche neu auf und im Jahre 1900 stiftete er ein geräumiges Gebäude nebst acht Ackern Land an der South Avcnue in Röchester als ein Heim für bejahrte Deutsche. Seiner Firma hat die Stadt Nochester auch den Highland Park nebst scinemPavillon. einem herrlichen Erholungsplatz, zu danken. Der Vcrstorbene gehörte der St. Andrews Epis-kopal-Kirche als thätiges Mitglied an. Im Jahre 1846 führte er die Tochter des Generals Micah Brooks, eines der Pioniere des westlichen New Jork, als Gattin heim. Sie ging ihm vor zwei Jahren im Tode vorauf, und von den vier aus dieser Ehe hervorgegangenen Söhnen überlebt ihn nur einer, der in Rochester angesessene William D. Ellwanger. m W i e Heinrich Seidel über Heinrich Heine dachte, das hat er einmal in einer Gelegenheits-Dichtung offenbart. Für die Festzeitung eines Theaterabends im Verein Berliner Journalisten", im Dezember 1899, lieferte der Dichter folgenden Beitrag: Heinrich Heine. O Heinrich Heine! Noch heut bekämpft, geliebt, geschmäht, bewundert. Weil Du das Hohe mischtest und Gemeine. Gleich der AkazieWttgt sich Dein Wipfel voller Liederblüthen, Bon reinem Schimmer und von holder Grazie. Doch auch in losen Unart'gcn Liedern seltsam sich verbindet Ein Dust von Patschuli und wilden Rosen. Du warst kein Goethe! Doch leuchtend standest Du, ein euer Astern Von selt'nem Glanz, in seiner Abendröthe. WaZ Du aewesen. Das kann man heut noch in der Spra che spuren -Und aus den Versen junger Dichter lesen. AuSlättdischc Nachrichten. : Die Wurde dcsHauses. Ganz besonders fein ist es, wie schon berichtet, wieder kürzlich im österreichischen Abgeordnetenhause zugegangen. In der Generaldebatte über die Wahlreform kam es aus einer Ursache, die hier glelchglltlg ist, zu folgendem trau lichm Gespräch zwischen den Sozialde mokraten Daszynski. Schuhmeier und Scitz, sowie dem Alldeuischen" Herzog : Abg. Daszynski : Gerichtlich Überwiesen Denunziant !" Abg. Herzog : Ich gib Ihnen a Watschen, S:e Lausbua !" Abg. Schuhmeier : Kommen S' herüber ! Ich gib's Jh nen !" Abg. Herzog : Sorgen S:e lieber für Ihre Maitressen !" Abg. Daszynskl : So em Schurke, ein ge richtlich überwiesen Lump !" Abg. Seitz : .ES giebt keinen Gerichtshof. der ihn nicht gebrandmarkt' hat ! Ehrloser Lump !" Abg. Herzog verläßt unter llgemeinen Pfuirufen den Saal.

Bei einer spateren Wendung der Debatte ruft der Alldeutsche" Berger den Sozialdemokratcn zu: Gekaufte Lumpen ! Haderlumpen ! Käufliche Schurkcn, die von der Hofburg gekauft und bezahlt sind !" Hierauf fühlt sich Abg. Malik gedrängt, dem Abg. Prochazka mitzutheilen : Es ist gerichtsordnungsmäßig festgestellt, daß Sie ein Vermittler für Bordelle sind !" Abg. Prochazka (erregt aufspringend): Sie sind ein ganz gemeiner Kerl ! Nur die Würde des Hauses hält mich davon ab, Ihnen eine Ohreige zu geben !" (Großer Lärm.) Den Rekord aber leistet nach alledem in dieser bewegten Sitzung der Vertreter des Alldeutschthums" Herr V erger, der den Sozialdemokraten zuruft : Das sind schöne Leute ! Von denen läßt sich die Regierung unterstützen. ' Da bleibt einem nichts übrig, als das bekannte Zitat aus Götz von Berlichingen"." Abg. Seitz : Sie sind ein wllrdiges Mitglied der Denunzianten-Par-tei." Abg. Berger- zitiert das berühmte Zitat! Stürmische Entrllstungsrufe im ganzen Hause ! Abg. Berger, der sich zur Thür begeben hat, wendet sich dort nochmals um, wiederholt die frühere Unfläthigkeit und fügt hinzu : Jetzt wissen Sie wenigstens, was Sie zu thun haben !" Rufe : Das ist doch eine unerhörte Gemeinheit !" (Andauernder Lärm.) Pariser Kirchen zur Zeit der französichen Revolution. Die französische Zeitschrift Lecture pour tous" erinnert an das Schicksal einer Anzahl Pariser Kirchen zur Zeit der französischen Revolution. Bis zum Ende des Jahres 1793 durchzigen noch religiöse Prozessionen die Straßen von Paris, und auch die Mitternachtsmessen konnten zu Weihnachten dieses Jahres noch abgehalten werden. Erst dann gab die Regierung den. Befehl, die Kirchen zu schließen. Viele wurden für den republikanischen Gottesdienst bestimmt und in heidnische Tempel umgewandelt: Saint-Gervais wurde der Tempel der Jugend, SaintLaurent der des Alters, Saint-Jac-ques-du-Haut-Pas der der Freiheit. Saint-Sulpice der Tempel des Sieges und Saint-Thomas d'Aquin der des Friedens. Mehrere Kirchen wurden zum öffentlichen Verkauf auögeboten. So die Kirche der Theatiner am Quai Voltaire, die, wie ein Anschlagzettel besagte, sich zu einer Reitbahn eignen würde. Saint-Andr6-des-Arts wurde für 30.000 Livres zum Kauf angeboten und für die Kirche der Blancs - Manteaux wurden 56.000 Livres gefordert. Andere Kirchen wieder erfuhren die merkwürdigsten UmWandlungen : In der Kirche der Grands-Augustins wurde der,,Geflügelmarkt untergebracht, die Kirche Saint-Beno!t in ein Theater umgewandelt, in der Kapuzinerkirche errichtete Robertson sein Zaubertheater, und in der Kirche der Cölestiner wurde eine Schmiede untergebracht. In der berühmten Sainte - Chapelle eröffnete man ein Papiergeschäft, und nach Saint-Germain-des-Pr6s, wo sich die Gruft der.Merovinger befindet, wurde eine Posthalterci verlegt. In der Kirche zum Heiligen Grabe installirte man einen großen Verkaufsbazar u. s. w. Ende Februar 1794 konnte man b:reits nirgends mehr öffentlichen Gottesdienst abhalten. Der falsche Oberstabsarzt. Aus München meldet man: Der Schuster Voigt, der den brav:n Köpenickern den lustigen Streich spielte, findet jetzt in den verschiedensten Weltgegenden gelehrige Schüler. Aber nicht alle seine Nachahmer können auf einen gleich großen Erfolg hinweisen wie der falsche Hauplmann. Heute lacht ganz München über einen Fall, der sick nach dem berühmten Muster hier zugetragen hat. Im Militärlazarcth bewarb sich ein Mann um eine freigewordcne Stelle. Er fiel einem Lazarethgehilfen in die Hände, der sich mit ihm ein sonderbares Vergnügen leistete. Der Gehilfe hatt sich in die Uniform eines Oberstabsarztes geworfen und verhandelte als solcher mit dem BeWerber. Nach kurzem Gespräch befahl kr ihm' barsch, ihm seine. Frau, sein: Schwester und eine Schwägerin vorzuführen. Die Verwandten des Peten ten müßten ärztlich untersucht werden, ehe über die Vergebung der Stelle cntschieden werden könne. Der Mann, dem die Uniform sehr imponirte, li:ß sich dies nicht zweimal sagen und scnbete Frau, Schwester und Schwägerin ins Lazareth. Die Frauen, die angblich alle jung und hübsch sind, kamen denn auch wirkllch und würden . von dem falschen Oberstabsarzt empfangen. Mit ihnen war er weniger barsch als mit dem Manne. Er ließ die Frauen, eine nach der anderen, sich vollkommen entkleiden und untersuchte sie in seine: Art. Diese Untersuchung war ohn.' Zweifel sehr oründlieb aedacht, denn sie forderte 'schon die energische Opposition der Frau heraus, die als Erste vorgenommen wurde. Durch den Lärm, den die Frau schlug, wurde die Komödie aufgedeckt .und der Lazarethgchilfe festgenommen. . Ein romisches KulturDenkmal in Gefahr. Die lange Pfeilerreihe der einstigen römischen Wasserleitung westlich vor den Thoren von Mainz ist mit ihren 60 Pylonen eines der merkwürdigsten Kulturdcnkmäler römischer Herrschaft am Rhein. Ihr Ursprung fällt in das zweite oder in den Anfang, des dritten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung. Noch haben 24 der Pfeiler eine Höhe vonetz

wa 7 Meter;12 bis zu 4z Meter; andere ragen aus dem hügeligen Boden weniger hoch hervor. Mit Ausnahme des 20. Pfeilers haben sie ihre Verkleidung mit sorgfältig gerichteten Kalk-Steinen von kleiner Abmessung verloren und zeigen bloß den rauhen, zum Theil mit Ziegclbrocken untermischten Kern unregelmäßigen MauerWerks. Bisher' war das Gelände, worauf von der Höhe nach dem Thal die Pfeilerreihe in dichter Folge sich zieht, ungepflegt. Der Fuß der rauhen Mauerklötze war von Gesträuch umwuchert, Bäume wurzelten dazwischen; aber das Ganze machte einen stim mungsvollen Eindruck: es war wie ein Stück römischer Kampagna. Keine störende Hand griff in den Frieden dieser uralten Kulturzeugen. Nun aber naht der moderne Ingenieur und plant um die Pfeilerflucht eine GeländeAuftheilung. Das könnte geschehen, sei gleich bemerkt, wenn nur in der rechten Weise. Es soll aber die Pylo-nen-Reihe in eine Straße einbezogen und die Folge der altersgrauen Pfeiler von einem korrekten Straßen-Perron umgeben werden. Diese rauhen Riesen auf einen modernen Untersatz zu stellen, ist ein wahrhaft monströser Gedanke. Daß in eine neuzeitliche Straßenanlage solch mächtige Berkehrshindernisse einbezogen werden, ist nicht minder unverständlich. Was endlich soll man dazu sagen, daß man mit einem so gewaltigen, auf deutscher Erde einzigen Kulturdenkmal so umzuspringen gedenkt? Hat es bisher an einer würdigen Pflege jener erinnerungsreichen, hochpoetischen Stätte gefehlt, so darf daraus nicht abgeleitet werden, ' daß in Narrenfreiheit nunmehr damit verfahren werden dürfe. Es fehlt in Mainz zur Zeit wahrlich nicht an offenen und weitgeeigneteren Baugründen als an dieser Stelle, in nächster Nähe der Friedhöfe, so daß weder von einer Nothwendigkeit, noch von besonderer Annehmlichkeit der Lage die Rede sein kann. Ein energischer Widerspruch hat in der Öffentlichkeit bereits aus den Kreisen der Bürgerschaft eingesetzt; die Denkmalpflege wird hoffentlich hier auch nicht versagen. Die weitesten Kreise nicht bloß m der deutschen Heimath, sondern der gebildeten Welt aber ' haben ein Recht daran, daß an einer so ehrwürdigen, geschichtlichen Stätte eine Versündigung nicht eintrete, die allem gesunden Sinn und aller wahren Pflege großer Geschichtsdenkmäler Hohn sprechen würde. Au8 den Witzblättern. Die neue Generation. Nachjerade bin ich der Ueberzeujung, daß der janze Bismarck für Deutschland 'n jroßes Unjlück jewesen is!" Bismarck in Spandau. Festungskommandant (zum Aufseher): Auf den da Passen Sie besonders auf. der. hat das Reich gegründet und schmeißt mit Tintenfässern, der -ist zu allem fähig!" (Lustige Blätter".) Zeitgemäß. Sie können bei mir als. Köchin eintreten ab;r einen Soldaten als Liebhaber dulde ich nicht!" Ja glauben Sie denn, ich werde. Ihretwegen abrüsten!?" GerechteEntrüstun g.Bote: Hier ist der gereinigte Anzug kostet fünf Mark!" Studiosus: Fünf' Mark? Mensch' Sie sind wohl verrückt! . . . Wenn? ich meinem Schneider eine ü. conto -.Zahlung von fünf Mark mache,- krieg' ich ja einen neuen!" NeueGattung. Höre 'mal,, liebe Frau die Gastfreundschaft in Ehren wie wir aber seit unsrer Verheirathung in Anspruch genommen werden von unseren Verwandten, das paßt mir nickt mehr das . ist geradezu schrecklich! Wir sind ja die reinsten Besuchskaninchen!" Unbescheiden. Onkel: Hör' mal, Karl, das izt denn doch ine starke Zumuthung! . . . Ich soll mir also Geld'ausborgen, um Dir welches zu leihen?! ... Ich meine. Du bist doch alt genug, um selbst Schulden machen zu können!" (Fliegende Blätter".) Schlag gegen eingeführte Eisenbahn - Arbeiter. Ein Agent von Süd-Carolina sicherte sicö in Europa 50 wünschenLwerthe Einwanderer zur Eisenbahnarbeit, aber das (5inwanderungs-De-partement hat f schlossert, sie als Kontraktarbeiter zurückzuschicken. Die Leiter der westlichen Eisenbahnen erklären, daß ein .derartiges Vorgehen der Einwanderungsbehörd: für ihre Bahnen sehr schädlich sein würde. Gene-ral-Passagieragent Sebastian von der foock Island Bahn hat die Behörden in Washington ersucht, die Angelegenheit zu erwägen. Die Rock Island & Frisco, die Southern Pacific, Die Atchison und andere Eisenbahnlinien haben Auswanderungsagenten im Europa, die jährlich Tausende wünschenswerther Einwanderer - anwerben. Die beiden erstgenannten Bahnen haben durch Herrn Sebastian Vorbereitungen getroffen, die Agenturen auf alle kontincntalen Hauptstädte auszudehnen, und befürchten, daß das Projekt durch die Entscheidung der EinwanderungSBehörde in die Brüche geht; sie sollten aber jeden direkten Verstoß gegen das seit Jahren-bestehende,- die Einfuhr von Kontraktarbeitern verbietende Cesetz vermeiden. . Auf jede Tonne echter. Elfenbeins, welche Eroßbritannien importirt. kommen drei Tonnen Pflanzen - Elfenbein. Letzteres kommt hauptsächlich aus der Republik Colombia- und wird' vom Samen der Elfenbcinnuß-Palme gewonnen. '

i

i