Indiana Tribüne, Volume 30, Number 93, Indianapolis, Marion County, 10 December 1906 — Page 6
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S. G. Sponstl
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Europäische Nachrichten.
Schweiz. Bern. Vor ewiger Zeit siarb hier, 72 Jahre alt, Karl.Haaf, Inhcrber eines Engros - Drogueriegeschäftes nebst Apotheke. D e l s b e qr g. Während eines heftigen Gewitters, das sich kürzlich yier entlud, schlug der Blitz in einen Schuppen der von Roll'schen Eisenwerke ein, in dem ein junger Mann, Namens Julius Paupe, Schutz gesucht hatte. Der junge Mann wurde getödtet. La Coudre. Die Schwestern Aebi von hier, 13 und 15 Jahre alt, sind beim Baden im See unweit Moruz, wo sie sich zu weit hinausgewagt hatten, ertrunken. Alle Wiederbeledungsversuche blieben erfolglos. Die betreffende Stelle war vor Kurzem ausgebaggert worden. Pully. Ein Schnellzug überfuhr unweit der hiesigen Station die in der Nähe wohnende Frau ForneyDugay, die das Geleise überschreiten wollte. Die Unglückliche wurde furchtbar verstümmelt. Rorschach. Bezirksrichter Egli, der Führer der hiesigen Demokraten und langjähriger Beamter der frühe ren Vereinigten Schweizerbahnen, ist gestorben. Schwenvi. Unser Dorf wurde kürzlich durch eine Feuersbrunst fast vollständig eingeäschert. Sieben Wohnhäuser und vier Speicher sind abgebrannt. Es stehen noch drei Häuser, darunter das Schulhaus. Der Brand brach in der Schreinerei Hofstetter infolge Warmlaufens eines Motors aus. Ein starker Westwind begünstigte den Brand. Mobiliar wurde nur wenig gerettet, es war jedoch zum großen Theile versichert. Hestcrrich''Zlngarn. Wien. Letztens fand in Simmering das Fest einer diamantenen Hochzeit des Ehepaares Wenzel und Barbara Hofbauer statt. Die neuerliche Trauung erfolgte in der Simmeringer Pfarrkirche durch den Hofkaplan Pfarrer Raab von Fünfhaus, einem Verwandten des Ehepaares. Kürzlich hat sich der Bankgeschäftsinhaber Julius Bergstein, Chef des Bank- und Conimissionsgefchäfies gleichen Namens, in seinem Comptoir, Alsergrund, Hörlgafse No. 9, eine Kugel in die rechte Schlafe gejagt. Die Ursache des Selbstmordes ist in verunglückten Börsenspekulationen zu suchen. Der vor kurzem verstorbene Bankier Siegmund Reitzes hat testamentarisch 400,000 Kronen für wohlthätige Zwecke hinterlassen. Der 41jährige PerwlUtterdrechsler Josef Walhoda hat sich in seiner Wohnung, in Nudolss'heim, an der Thürschnalle erhängt. Hier hat sich der Oberstarbsarzt zweiter Klasse und Garnisonschefarzt in Krems Dr. Franz Glaßl erschossen. Dr. Glaßl ist nach hier gekommen, um den Selbstmord zu verüben. Was ihn in den Tod getrieben hat, ist unbekannt. Er war früher Regimentsarzt beim 49. 'Infanterieregiment in St. Pölten. Bergen. , Vor Kurzem begab sich der Insasse Matthias Schmied in den ihm gehörigen Gährkeller, wo er, durch die in dem Raume angesammelten Gase betäubt, zu Boden stürzte und den Erstickungstod fand. Brunn. Der außerordentliche Professor für Straßen-, Eisenbahnund Tunnelbau an der hiesigen tschechischen Technischen Hochschule Gustav Cervinka wurde zum ordentlichen Professor dieser Fächer an der genannten Hochschule ernannt. B u d w e i s. Hier wurde durch einen Brand das Maschinenhaus, Kesselhaus und der Dachstuhl dn Dampfbrettfäge Wenzel Kopatschek eingeäschert. Der übrige Theil wurde gerettet. Friedland. Der Monteur Julius Gerstl aus Wien, welcher mit der Aichung der Apparate in der elekirischen Anlage der hiesigen Fabriksfirma Rolffs & Co. beschäftigt war, ist bei dieser Beschäftigung vom. elekirischen Strome getödtet worden. Groß L u k o w. Hier hat der 16jährige Student Milosch Heyduschek, als er mit einem geladenen Gwehre unvorsichtig hantirte, den 11jährigen Ludwig Kresta erschossen. I g l a u. Unlängst wurde von dem Bürgermeister Jnderka den beiden hiesigen Volksschullehrern Sal. Spielmann und Simon Stiasny die ihnen vom Statthalter zuerkannte Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienstleistung überreicht. Trebitsch. Vor einiger Zeit siel dem in einem hiesigen Fabriketablissement beschäftigten Arbeiter Karl Horak die Druckplatte einer Lcderpreßmaschine auf den Kopf. Horak wurde sofort getödtet. Freie Städte. Hamburg. Pfarrer Dr. BittHorn beging vor Kurzem das 25jährige Jubiläum seiner fegensreichen Wirksamkeit an der St. Andreas-Ge-meinde. Im Oberhafenkanal wurde von einem Oberländerkahn, der sich im Schlepptau des Schleppdampfers H. Lindemann" befand, die Jolle des Kohlenarbeiters F. Hebel, der sich mit dem Fischen von Kohlen beschäftigte, überrannt. Das kleine Fahrzeug sank sofort und riß den Arbeiter m in die Tiefe, der ertrank. -7- Ein
fcywerer Unglücksfall ereignete na; auf einer im Hansahafen liegenden norwegischen Bark. Der Arbeiter W. Köhn stürzte in den Raum und wurde so schwer verletzt, daß er nach dem Hafenkrankenhause gebracht werden mußte. Der seit einiger Zeit dermißte Kaufmann Grabowski aus der Freiligrathstraße von hier wurde in einem Teiche des Ohlsdorfer Centralfriedhofes als Leiche aufgefunden. Er war an dem Tage vor seiner Hochzeit in den Tod gegangen. Sein 25jähriges Amtsjubilänm 0! Pastor in der Landgemeinde Kirchwärder beging letztens Pastor Sophus Lau. Bremen. In Bremerhaven hat sich auf dem Weser - Außendeich der 18jährige Primaner unseres Gymnasiums Crauel, Sohn eines Lehrers an derselben Anstalt, erschossen. Ein Motiv für den Selbstmord des jungen Mannes ist nicht bekannt. Letztens ereignete sich auf der Hasiedter Chaussee nahe der Fahrstraße ein Zusammenstoß zweier elektrischer Straßenbahnwagen. Infolge eines stark aufgetretenen Nebels fuhr der von hier nach Hasiedt fahrende Motorwagen über die Weiche hinaus und prallte mit dem ihm entgegenkommenden Straßenbahnwagen zusammen. Die Collision war furchtbar. Der gerade zum Dienst fahrende Schaffner Hartjen wurde von dem Vorderperron heruntergeschleudert und ihm beide Beine abgefahren. Ein Maurer erlitt Quetschwunden an den Armen und Beinen. Ein Wagenführer wurde im Gesicht verletzt. Lübeck. Dem Gefreiten Gehrt vom hiesigen Infanterie - Regiment No. 162 wurde für die von ihm mit eigener Lebensgefahr ausgeführte Rettung eines Knaben vom Tode des Ertrinkens in der alten Trave am Finkenberge die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierten kürzlich das frühere Fischereipächter Lanaloh'sche Ehepaar in dem nahen Schultup. Der Jubelbräutigam steht im 92. Lebensjahre, die Jubelbraut ist 80 Jahre alt. Luxemöurg. Differdingen. Der achtzehn Jhre alte Arbeiter Julius Bernard aus Hollerich wurde auf dem Hüttenwerk von einem Zuge erfaßt und überfahren. Dem Unglücklichen wurde dtö rechte Bein vollständig abgetrennt. E f ch a. d. A l z. Auf den Hochöfen Metz wurde der Arbeiter Ernst Bathelmy durch glühende Erzmaffen erreicht. Der Unglückliche erlitt so schwere Verletzungen, daß sein Leben in Gefahr steht. Wecker. Der Eisendreher H. aus Manternach gerieth auf hiesiger Eisenhütte mit einer Hand in das Kammrad einer Dreschmaschine und wurde erheblich verletzt Wie T lesen m es sung ?m Meere ist bei beträchtlichen Tiefen schwierig. Deshalb ist der Erfindung des norwegisch? Ingenieurs Berggraf große Beachtung zu schenken, die es ermöglicht, in sehr sinnreicher und dabei einfacher Weise Meerestiefen vom fahrenden Schiffe aus anzuzeiaen, ohne daß eine Verbindung zwischen Schiff und Meeresboden besteht. Der Grundgedanke ist derselbe, der e5 gestattet, die Tiefe eines Schachtes durch die Zeit zu messen, die zwischen der Entsendung eines Taues und dem Wahrnehmen seines Widerhalles dergeht. An jeder Seite des Schiffes ist ein Sprachrohr angebracht, durch das Schallwellen in die Tiefe gesandt werden. Diese Schallwellen Pflanzen sich bis zum Meeresboden fort, werden zurückgeworfen und von dem Sprachrohr wieder aufgenommen. Die zwischen Tongebung und Tonempfang verflossene Zeit wird an einem Uhrwerk gemessen und so die Tiefe des Meeres bestimmt. Rußansatz in Oesen zu vermindern. Als ein probates Mittel, der häufig so lästigen Rußabsetzu?:g in Oeftn und Herden entgegenzuarbeiten, hat sich daS folgende nicht allgemein bekannte Versahren erwiesen. Man nehme eine Hand voll frischer Kartofselschalen und werfe dieselben auf das im Ofen brennende Feuer, wobei man jedoch die Thüren des Ofens sofort fest zuschließen muß. Die sich aus den Kartoffelschalen entwickelnden Dämpfe lösen den Ruß, welcher sich in den Zügen festgesetzt hat, und entführen denselben durch den Schornstein in's Freie. Haarwäsche und Reinigungsmittel für die Kopfhaut. Häufigeres gründliches Waschen mit lauwarmem Wasser oder schwachem Kamillenthee, dem man etwas Pottasche oder Soda und zum Parfümiren Eau de Cologne zusetzt, hält Haar und Kopf rein. Da der Soda- und Pottaschezusatz dem Haar den natürlichen Fettgehalt entzieht, ist der Haarboden von Zeit zu Zeit mit einigen Tropfen fettem Mandelöl oder mit einer Pomade aus gleichen Theilen Vaselincreme und Vaselin ejnzufetten. Auch eine schwache Abkochung von Quillayarinde, in der man wenig Lorax auflöst und etwas Spiritus zufetzt, ist ein empfehlenswerthes Waschmittel für Haar und Kopf. ' Verschnappt. Braut (zum Bräutigam): Aber, Paul, machen wir doch schon endlich Hochzeit solange w'.e mit Dir war ich mein Lebtag noch nicht verlobtl"
Am Rande der Zlitterwochen. Eine kurze Ehehumoreske in drn kurzen Kapiteln von Adolf Oppenheim. Die Frauen sind zu allem fähig. Sie sind sogar im stände sich in ihre Männer zu verlieben. Diese herrliche Zeit tritt allerdings gewöhnlich erst ein, wenn der gewisse tote Punkt" in der Ehe überwunden ist. Einen leitn Punkt gibt es sowohl in der Liebc, wie in der Ehe. Deshalb kann es geschehen, daß eine Frau einen Mann erst lieben lernt, wenn dieser Punkt überschritten ist. Wann der Zeitpunkt da ist? Gewöhnlich einige Wochen bei vielen einige Monate, in denen der Mensch ein Gott zu sein glaubt, weil er glücklich ist wie ein Gott und ein Schöpfer wie Gott. Bei Oskar und Gabriele von Immenberg machte sich der gewisse Punkt in der Liebe auf den Tag, drei Monate nach der Hochzeit, am Rande der Flitterwochen bemerkbar. Seit einer Stunde langweilte sich die junge Frau, und ihr Mann bestärkte sie darin; sie warf ungeduldig das Buch, in dem sie gelesen, beiseite, nahm, ein Modejournal vom Tisch, um das Blatt nach wenigen Minuten denselben Weg wie das Buch wandern zu lassen. Oskar, der junge Ehemann von drei Monaten, langweilte sich ebenfalls. Er saß am Fenster, Zigarette um Zigarette rauchend. Die einzige Abwechslung, die sich Oskar während , der stummen Szene gestattete, war die, leichte Rauchwolken mit Kunstfertigkeit zu Ringen zu formen. Oskar hatte wohl eine Stunde diese Raucbringe der Luft gespendet, als Gabriele diese Thätigkeit mit den Worten unterbrach: Weißt Du, Oskar, daß ich mir die Ehe eigentlich kurzweiliger vorgestellt habe? Wenn ich bedenke, mit welchen Gefühlen ich in den sogenannten hättgen" Stand trat und nun über, die lange Zeit unserer Ehe nachdenke, so scheint es mir fast, als liebte ich Dich nicht mehr so wie früher." Nach dreimonatiger Ehe, und wir haben " Noch ein ganzes Jahr vor uns." unterbrach ihn Gabriele. Das ist es ja eben. Ach verzeihe mir. mein lieber Oskar, wenn ich Dir durch mein Geständnis vielleicht wehe gethan." Aber durchaus nicht, meine Liebe. Ich versichere Dir, durchaus nicht, denn offen gestanden, Du nimmst es mir nicht übel, wenn ich es sage, aber es geht mir mit meiner Liebe genau so, ich fühle, sie ist nicht mehr wie soll ich sagen? so intensiv wie früher!" Ah!" Einen Moment war Gabriele über die ruhige Art ihres Gatten enttäuscht, denn sie hatte nach ihrem Geständnis heftige Vorwürfe erwartet, plötzlich jedoch schien ein Gedanke ihd Köpfchen zu beschäftigen, denn sie erwiderte nach einer kleinen Pause gelassen: Das freut mich aufrichtig ja wirklich, Oskar , denn ich fürchtete mich fast. Dir mein Innerstes zu entdecken. Aber es mußte klar werden zwischen uns. Nun, da Du meine Gefühle kennst " Vollkommen!" warf Oskar ein, sich eine neue Zigarette in Brand stechend. So darf ich wohl hoffen, daß Du damit einverstanden bist, daß wir uns der Welt wieder zeigen, denn' hier in dieser Einsamkeit sterbe ich vor Langeweile!" Auch ich unterhalte mich nicht sonderlich." Nun olso, warum hast Du mich nach einer kurzen Hochzeitsreise hierher gebracht in diese Einsamkeit ohne Gesellschaft?" Genügt Dir die meine nicht? Ich dachte, daß Liebende und das waren wir doch gern zu zweien sind." Das war in den ersten Tagen nach der Hochzeit ganz hübsch, aber immer Dich und nur Dich und keinen anderen Mann sehen, immer nur Honig schlürfen und immer Rosenduft athmen " Wird mit der Zeit langweilig. Ganz richtig." Und deshalb, lieber Oskar " Reisen wir nach der Residenz und zeigen uns der Gesellschaft." Der Du mich volle drei Monate entzogen hast, Du böser Mann. Für diesen Gedanken sollst Du auch einen herzhaften Kuß erhalten. Also es bleibt dabei morgen reisen wir nach der Residenz." Zwei Wochen nach Ankunft in der Residenz saß Oskar im Wartezimmer Doktor Rechbergs, seines besten Freundes und trommelte nervös auf den Tisch, dabei mit Ungeduld die anwesenden Patienten, welche den berühmten Arzt noch konsultieren wollten, zählend. Endlich, nach langem Harren, trat Doktor Rechberg aus seinem Kabinett und entschuldigte sich, daß er den Freund so lange warten ließ. Aber Du' weißt, meine Zeit gehört vor allem den Kranken, und als solcher kommst Du, nach Deinem Aussehen zu schließen, wohl Nicht zu mir." Nein, trotzdem muß ich Deine HUse in Anspruch nehmen," antwortete Oskar nervös." Deine Frau ist doch nicht krank?" O nein, die besitzt eine ganz vortreffliche Gesundheit." Dann heraus mit der Sprache und sage, womit ich Dir dienen kann
Lieber Freund, ich bin entsetzlich unglücklich!" Unglücklich Du, ein junger Ehemann, Besitzer einer reizenden kleinen Frau und unglücklich?" Eben weil ich Besitzer dieser kleinen reizenden Frau bin, ist mein Unglück vollkommen. Du kennst doch Baron Echten?" Allerdings, ein Mann von lebhaftem Temperament, kurzen Halse und breiten Schultern. Hat ihn vielleicht der Schlag gerührt?" Nein, aber " Zum Donner, so sprich endlich deutlich. Ich bin kein Oedipus, der Deine Räthsel lösen kann." Nun. mit wenigen Worten: Echten macht meiner Frau den Hos." Was weiter?" Was weiter? Erlaube, ich bin drei Monate und vierzehn Tage verheirathet, und meine Frau läßt sich den Hof machen. Zucke nicht die Achseln, ich bin meiner Sache sicher; Du sollst sogleich erfahren, wie ich die Entdeckung gemacht habe. Seit wir von unserem Gute, wo wir die FlitterWochen verlebten, zurückkehrten, ist meine Frau 'immer in Gesellschaft. Dann reiste sie auf einige Tage zu ihrer Tante nach Königsberg. Vorgestern nun, als ich zufällig in ihr Zimmer kam, bemerkte ich, daß der Schlüssel von meinem Bureau ihr Arbeitstffchchen aufschließt. Ohne Böses dabei zu denken, schloß ich dieses auf und finde zufällig in einem
Fache emen Brief von Echten. Wer hieß Dich ein Möbelstück Deiner Frau öffnen?" Als ihr Mann war ich ganz in meinem Rechte; übrigens höre weiter. Meine Frau hat Echtens Brief gar nicht beanwortet, denn ich fand einen zweiten Brief, worin er sich darüber beschwert. Und dieser Echten ist ein nlter Freund von mir. Ich war wüthend, ging sofort zu ihm, hielt ihm sein unwürdiges Benehmen vor. Weißt Du, was er mir antwortete?" Nun?" Du bist verrückt, mein Freund!" Ja. das antwortete er. Als ich mich jedoch die zwei Briefe zeigte, sah er wohl ein. daß auf diesem Wege nichts zu gewinnen sei. Lieber Freund", sagte er dann, d-a Du von der Sache sö gut unterrichtet bist, so will ich mir nicht die Mühe geben und Ausflllche suchen. Es ist vollkommen wahr, daß ich Deine Frau reizend finde. Was will das sagen? Alle Welt findet sie reizend, und was meine zwei Briefe betrifft, so enthalten sie nichts weiter als eine Bestätigung der Thatsache, daß Du ders beneidenswertheste Mann auf Gottes Erden bist." Ich wollte ihm antworten, da trat ein Fremder ein, und ich empfahl mich." Das war auch das Beste, was Du thun konntest. Und Deine Frau?" .Meine Frau? .Das ist ja eben. Als sie gestern abend von der Reise kam sie sah bezaubernd aus, die Landluft hatte ihr offenbar wohl gethan stellte ich sie zur Rede. Weißt Du. was sie that? Sie lachte mich aus und sagte in einem Tone, der mir in die Seele ging: Aber lieber Freund" Freund nennt mich meine Frau nach einer dreieinhalbmonatigen Ehe kann ich dafür, wenn mich der Baron Echten reizend findet er unterhält mich, was weiter?" Damit ließ sie mich stehen. Was fagst Du nun?" Rechberg zuckte die Achseln, während Oskar fortfuhr: Es ist offienbar: sie liebt mich nicht mehr! Und ich ich bete sie an mehr als je ja seit mehreren Tagen, seitdem dieser Echten Ich will es Dir nur gestehen, daß ich einige Zeit es war während unseres Aufenthaltes auf dem Lande, meine Liebe zu Gabriele erkalten fühlte ich weiß nicht wie es kam, aber das forwahrende Zusammensein mit meiner Frau, keinen Menschen weiter aus dem Lande sehen, als immer die Frau, erzeugte ein Gefühl der " Menoiome. Du warst eben bei einem toten Punkt der Liebe und Ehe angelangt, bei der Langeweile. Du sahest immer Licht, und es fehlten die kleinen Schattierungen der Liebe." Es ist offenbar, meine Frau liebt mich nicht mehr. Und das nach einer dreieinhalbmonatigen Ehe! Mich, der sie anbetet." Mußt Du gerade Deine Frau anbeten? Revanchiere Dich. Revanche ist die Medizin, die zur Beruhigung dient." Ich. der ich Gabriele liebe, ich sllte ah " Mein Gott, die eigene Frau liebt man, und eine andere bete? man an. DaS sind eben die kleinen Schattierungen, die Anreizungen zur Liebe. Wenn der Magen seine Dienste versagt, muß man ihn durch medizinische Mittel erregen. Revanche ist ein medizinisches Mittel. Folge mir, lieber Freund, liebe Deine Frau, aber bete von Zeit zu Zeit eine andere an." Es klopft. Pardon, lieber Freund, mich ruft -jetzt die Pflicht. Wirkliche Kranke erwarten noch meine Diinfie." Vier Wochen später. Doktor Rechberg wollte eben sein Zimmer verlassen, um den Rundgang zu seinen Patienten, anzutreten, als ihm Gabriele von Jmberg gemeldet wurde. Rasch legte Rechberg Hut und Stock beiseite und eilte Gabriele entgegen. Mein Gott, was ist . Ihnen, Sie sind ia so aukaereat?"
Doktor! Doktor!" rief Gabriels sich in einen Fauteuil weisend und ihren Thränen freien Lauf lassend. Ich bin entsetzlich unglücklich!" Na, na, es wird so arg nicht sein." Doch, doch, er liebt mich nicht mehr!" Er? Wer?" Wer anders, als Oskar mein Mann! Denken Sie sich, als ich in seiner Abwesenheit heute zufällig ich thue es sonst nicht mit meinem Schlüssel seinen Schreibtisch öffne, was erblicke ich 0, es ist entsetzlich! Briefe von einer Damenhand!" Alten Datums?" Nein, jüngstens Datums rief Gabriele erregt. Eine 'Lylli" schreibt ihm, daß sie ihn bestimmt beim Gartenfest des Grafen Kleinborn erwarte. O, ich kenne diese Lylli, es ist die Witwe des Rittmeisters Hakwort, eine Frau mit zwei falschen Zähnen ich weiß es bestimmt daß sie zwei falsche Zähne hat, diese Lylli wie man überhaupt Lhlli heißen kann, schon der Name ist entsetzlich, und um diese gibt Oskar mich, die ihn so sehr liebte auf." Sie lieben ihn also wirklich?" Zweifeln Sie daran? Ich bin doch seine Frau!" Ji nun es gibt Fälle " Pfui Doktor, was denken Sie von mir?" Ich? Das Beste; allein Oskar " Wie er zweifelt " Ja. seitdem Sie am Rande der Fliterwochen ihm erklärten, daß Ihre Liebe zu ihm im Abstieg begriffen und den Baron Echten " " 'Ja, das war auf dem Lande, wo ich Oskar und immer nur Oskar sah, da da aber seitdem wir hier sind, wir uns weniger sehen., seitdem ich weiß, daß man michlm ihn beneidet und Oskar dieser Lylli den Hof macht, seit diesem Augenblick habe ich ihn schrecklich lieb." Wann ist das Gartenfest beim Grafen Kleinborn?" In drei Tagen." Wissen Sie was? Dann reisen Sie mit Ihrem Oskar vor dem Feste ab." Wird er wollen?" Dafür stehe ich, wen Sie mein Rezept befolgen: Den Brief Lyllis legen Sie dahin, wo er lag, ohne je mit einer Silbe zu erwähnen, daß Sie das Geheimnis kennen; nehmen Sie ihn beim Kopf, geben ihm einen herzhaften Kuß und raunen ihm ins Ohr, wie Sie mir vorhin sagten: Oskar, ich hab' Dich so schrecklich lieb." Wird dies helfen?" ' Unfehlbar! Und sollten Sie je wieder eine gewisse Monotonie in der Liebe fühlen, dann suchen Sie mit Oskar' nur wieder Gesellschaften auf. Zeigen Sie dem Manne ja nie, daß Sie seine Wege kennen. Diese Erkenntnis des starken Geschlechts läßt gerne einen Stachel zurück, an dem die Liebe sich verwundet. Die Herren der Schöpfung wollen gar zu gerne als ' Heilige verehrt werden!" Zwei Tage später reiste Oskar mit Gabriele nach Italien. ' Rechberg begleitete sie zum BahnHof: Meine Frau," flüsterte Oskar dem Doktor zu, war noch nie so rei zend!" Mein Mann ist ein Engel!" setzte Gabriele mit einem Blick auf ihren Gatten hinzu. Ja, ja, der gewisse" Punkt m der Ehe muß mit Geschick übergangen werden!"
V. Gut pariert. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen war, wie männiglich bekannt, ein äußerst sparsamer Herr. In Geldsuchen hörte bei ihm fast immer die bewußte Gemüthlichkeit auf, Dieser Herrscher machte sich nun ein besonderes Vergnügen daraus, die französischen Geistlichen, die in Preußens Hauptstadt ein Refugium gefunden hatten, zu hänseln, und fast jedesmal, wenn er einem der geistlichen Herren auf der Straße begegnete, fragte er ihn, ob er Moliöre gelesen habe. Dies geschah einst auch bei einem jüngeren Pastor, dem der König erst ganz kurz vorher eine erbetene pekuniäre Beihilfe für seine bedürftige Gemeinde rund abaefchlaaen hatte. Die Antwort des Geistlichen lautete: Jawohl. Sire, und soeben bin ich oti dem Geizigen' angelangt." Tapfer bielt der Franzose den ihn fast ourchvokrenden Bu cken des Königs stand, der sehr wohl die Ansprelung auf seine übergroße Sparsamkeit begriff. Schweigend ging der Herrscher von dannen und schickte am anderen Tage dem Geistlichen die Hälfte der erbetenen Geldsumme. Die Chronik berichtete, daß von nun ab jegliche weitere Apostrophe der französischen Pastoren durch den Komg unterblieben sei. Zukunftsträume. rr , , i-k.. fT! . . . um Nlrcroauios gau- u ir gekauft? Was thust Du denn, wenn Du 10.000 Mark gewinnst?" Dann kaufe ich mir ein Automobil. Und wenn Du 50.000 gewinnst?' Dann baue ich mir eine Villa Und wenn Du 100,000 ge winnst?" Dann bezahle ich meine Schulden! Der kranke Trinker. Arzt: . . . Also während ich verreist war, haben Sie wieder flott drauslos getrunken! Schöner Leichtsinn das!." Patient (entrüstet): Herr Sanitats rath, Sie haben Ihre Erholuna aehabt warum soll ich sie nicht auch
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