Indiana Tribüne, Volume 30, Number 93, Indianapolis, Marion County, 10 December 1906 — Page 5
Jndiana Tribüne, Dezember 1906
5
Schlotzhalle eingeweiht. Der Verbesserte Orden der Pythias - Ritter empfange viele Gaste.
Musikalische-Unterhaltungen, großes i - f ': ? '.. Capt. Jacob Supreme-Commandeur des Schon am frühen Morgen entalckelte sich gestern in der Schloßhalle des Or denS der verbesserten PythiaSritter ein regeZ Leben; Comite Mitglieder, die Damen des Ordens, sowie auch viele Ritter hatten sich eingefunden, um mit geschäftigen Hünden schnell noch die letzten Arrangements zu vollenden, um am Nachmittage Alles für den Empfang der vielen Gäste bereit zu haben. Speisesaal und ttüche, Lozenzimmer, Vorzimmer, Comitezlmmer, oxt auch alle anderen Räumlichkeiten prangten in schönstem Schmucke und waren reich mit Guirlanden verziert. Im großen Logensaale waren für den Abend meh rere Hundert Stühle eingeräumt. Hier fand am Abend die für die Mitglieder des Ordens bestimmte Feier statt. In der Küche waren die Damen be schästkgt, die Vorbereitungrn für Das Banquet zu treffen. Unzählige Körbe und Kisten mit Nahrungsmitteln aller Art waren bereits eingeliefert, , und weitere, welche man nicht vorher hatte abliefern lassen, langten an. JS'&
IV V"
.. ... : : . . . ' ' , . ' ' 1 . ' s . . . - : y . . . .. " ' A I . : . ä !
"2 , u , - C qi ' V t :VN . KJ JXX . lN -4WAa
' . .J . .-::.:.' . .: vv .v ' V1
Frau C. 3. Truemper, Vertreterin der Pythias.Schwesterlogen.
Von 7 Uhr Morgens an, wo bis CvanSdiller anlangten, bis um 12 Uhr Mittags, wann die Sinclnnatier. 50 Mann stark hier eintrafen, brachten fast alle einlaufenden Züge Besucher und Delegaten zu? Einweihung. Alle wurden nach der Halle eScortlrt und Mittags wurde den Delegaten und den
schöne Reden, zum Schlüsse ein Banquet.
Willkommen hier, wer frohen Muth, Mit Brudersinn vereint. Wer immer gut und rechtlich thut, Wer das ist, waS er scheint, Wir grüßen ihn mit Brudergruß, Denn er ist unser Mann, Er wandle ohne Ueöerdruß Mit uns des Lebens Bahn.
. , , 'J r " . m t A . N : ..;;
Ji . ii ,v V L. Vieler, I. O. K. of P. Ordens. hiesigen KomlteS von den Frauenlogen ein feines Mittagessen fervirt. Von da an bis um 2 Uhr besahen sich die aus wärtigen Gäste da StadlCentrum. Um 2 Uhr wurde die neue Halle dem allgemeinen Publikum geöffnet. Tau sende haben sich diese Vergünstigung zu Nutze gemacht, denn von 2 Uhr an bis 6 Uhr Abends, ergoß sich ein beständiger Strom von Besuchern durch die Halle. Der Fahrstuhl war beständig in Bewe gung, Besucher nach oben zu befördern; doch die Mehrzahl der Besucher benutzte die breiten und bequemen Treppen. Die schöne Halle, der prachtvolle Ban quet.Saal, die Küche, das Speisezim mer, die Speisekammer, die verschiede nen Comitezimmer und ihre gediegene Einrichtung wurden allgemein bewun dert. Alle Besucher zeigten Interesse,, und die vielen Fragen, welche den einzelnen Comltemltgliedern vorgelegt wurden, zeigten an, daß jetzt, nachdem die Besucher mit dem Orden, seinem neuen Heim, den Arbeiten des Ordens und - S - ZM , y t anderen Sachen bisser bekannt zu wer den Gelegenheit hatten, sie sich auch für dieselben besser interesftrten. - Einige Aufnahmeapplikationen vur den gleichfalls angeboten, doch mußten dieselben gestern zurückgewiesen wer den. da der Tag nicht diesem Zwecke gewtdmetwar. .'
V ' l 3 V--N -ya - V
Jf ' A
' " " - J: Lv I
. Man schützt die Zahl der Besucher auf zwischen 56000 die Mehrzahl derselben waren Deutsche. Punkt 6 Uhr wurden die Thüren der Halle ge.
schlössen; um 8 Uhr wurden dieselben den Mitgliedern deS OrdenS und deren Familien wieder eröffnet. Die große Halle war um 3 Uhr, als die EinweihungSfelerlichkeiten began nen. bis auf den letzten Platz gefüllt, und selbst die Nebenzimmer und die Vorhallen boten nicht Raum genug. die enorme Besucherzahl zu halten. Supreme Commandeur Capt. I. L. Vieler bewillkommte die Versammlung. Als Präsident der Caftle Hall Asso ciation sprach er über die verschiedenen Hindernisse, welche ftch den ersten An sängen entgegen stellten; wie durch thatkräftige Unterstützung der Ritter und Damenlogen zuletzt doch da 3 Pro jekt verwirklicht; wie dann, nachdem der Kauf abgeschlossen war, den glücklichen Käufern eine 55000 Abstandssumme geboten wurde, wie dieselbe aber abz'e wiesen werden mußte, nachdem sich all gemein der Enthusiasmus über den Ankauf Bahn brach. Nach Ablauf von 10 Jahren ver sprach der Redner den Logen ihr eigenes schuldenfreies Heim. Herrn Bielers Rede hatte den deisel. ben gespendeten Applaus wohl ver dient, zumal er eS meisterhaft veiftand, seinen Zuhörern die Schmierigkeiten, welche zu Anfang zu bekämpfen waren, vor Augen zu führen. Herr George Seidenfticker folgte als zweiter Redner des Abends. Als Paft Supreme Commandeur war es feine Aufgabe, eine Biographie der Entstehung des OrdenS zu liefern. Er erklärte den Anwesenden, wie nach der beleidigenden Rede deS damaligen Supreme.CommandeurS des alten Or denS, Blackwell, sich die deutschen Logen nicht länger sür den alten Orden erklä ren konnten, und wie im H?rbfte deS Jahres 1893 in der hiesigen Männer chor.Halle sich Delegaten aller deutschen Logen versammelten, um über weitere Schritte zu berathen. Wie endlich am 13. Dezember des JahreS 1894 vie hie sige KörnerLoge den entscheidenden Schritt wagte, und wie sich dann meh rere deutsche Logen der Bewegung an schlössen. Auch diese Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. ES sei hier er wühnt, daß ein in Sachen des alten Ordens bestens bewanderter Ordens buder die Neuigkeit zur Kenntniß brachte, daß der Held jener Tage, Blackwell, selbst in seinem eigenen Orden jetzt völlig verschoben ist. Capt. Förde, von dem Uniform ttank, war der nächste Redner. Er er klärte die Zwecke und Ziele der unifor miiten Branche und sagte, daß imFalle das Vaterland jemals der Vertheidl gung bedürfe, die militärische Branche zu jeder Zeit bereit sei, sich fürö Wohl zu opfern. Die Schlußrede hielt Frau C. I. Truemper, welche die Frauenlogen ver trat. Frau Trümper im Gemeinschaft mit noch anderen Damen, welche dem Or den jetzt angehören, besprachen im Jahre 1901 gelegentlich eines Picnic im Golden Hill Park die Gründung eine? Damenioge, und an demselben Tage wurden nicht weniger wie 41 Namen auf die Lifte gesetzt. Von die sen trafen sich 40 in einer Sitzung die am 7. Dezember abgehalten wurde Diese 40 wurden als die Pythian Sisterö- anerkannt und ein Freibrief wurde denselben gewährt. Frau Trümper ermähnte Alle, fest am begonnenen Werke welter zu ardei ten und unentwegt dem großen Ziele zuzustreben, nämlich die Prinzipien deS Ordens für jetzt und alle Zeiten zu be festigen. Während der Reden trafen ununter brachen Glückwunschtelegramme von auswärts ein, die unter brausenden Beifallsrufen der Versammlung zur Verlesung gelangten. Unter diesen: Ein Glückwunsch derWaldeckLoge in Chica go; einGlückwunfch von Paft'Supreme Commandeur Oscar Brede aus Detroit, Mich.; ein Glückwunsch vom Vize - Supreme Commandeur, Otto Mueller aus Baltimore, Md. ; Glück wünsch der Oandago Loge aus Syra cuse. N. Y , Glückwunsch der Hum bold Loge aus Wheellng. W. Va., sowie der Columbia Loge im selben Orte, fowie viele andere. Alle Besucher bewunderten die feine Einrichtung der Logenhalle, sowie auch die zweckmüßige Einrichtung der ' übri gen Logenrüumlichkelten. Den schö nen großen.Kochherd, den großen Elö schrank, die neuen Tischgedecke mit den blitzenden Messern, Gabeln und Lös. feln. die schönen neuen Stühle, welche
die Damen für die Speise und Ban quetsäle angeschafft hatten, die schönen
Geschirrschranke, sowie auch die übrigen Einrichtungen. Das Banquet wurde unter Leitung der folgenden Damen fervirt: I. Hein. lein, L. Dietz, M. Hügele, tt. Weila cher. A. Trümper. K. Wörner. L. Mül ler. L. Buhr. B. Reis, K. Manthai, F. Schopphoft, W Neussel. L. Redde Hausse, M. Schmidt, K. Stlckan, E. Wacker, Schwaltz, Turner, Harfton, Henn, Jungermann, Barringer, Gulli fer, Stevenson, Seifert und Huhlman. Der erfte Redner beim Bankett war SupremeSecretür Ernst F. ttnodel. der die Vorzüge der Sterbekasse in kur zen klaren Worten erläuterte. Er er klürte.die Bedingungen der Aufnahme und die Verwaltung derselben, und er schärste den Anwesenden be sonders ein, daß mit der Verwal turg der VerstcherungSbranche auch nicht ein einziger Cent Unkosten ver bunden sei, da in der VerficherungS brauche auch kein einziger beiahlter Be amter angestellt sei. Sogar die Druck fachen derselben werden kostenfrei ge liefert. Diese Branche ist also bedeu tend billiger wie irgend ein anderes derartiges Unternehmen der Welt. Bruder Rosenthal stand mit dem Thema: die Presse auf dem Programm. Groß Kommandeur Ernst Welker aus EvanSville, sprach über den Orden in Jndiana. Er hob hervor, daß sich im Hoofier Staat bisher st'tö der größte Enthusiasmus zeigte, und daß aus diesem Grunde der Orden in die sem Staate die anderen Staaten weit überflügelte. Herr John Heinlein widmete den Damen einige schöne Worte der Aner kennung. und dieselben verfehlten ihre Wirkung nicht. ' Dr. E. M. Haggard. Paft Groß Commandeur, sprach über den segenS reichen Einfluß der deutschen Einwan derung im Besonderen, und erhob auch die Verdienste unseres 48er, deS ver siorbmen Deutschen Carl Schurz m ge bührender Weise hervor. Der J. O. tt. of P. Glee Club, unter Leitung von Herrn Carl Rtegner, brachte folgende, mit großem Applaus aufgenommene Nummern zum Vor trage: Das ist der Tag deS Herrn, Am Brünnlein-, ES steht eine Linde im tiefen Thal- und RöSlein, wann blühst Du auf-. Alle Lieder wurden mit großem Ap plauö entgegengenommen, und Drein gaben waren an der Tagesordnung. Nach Mitternacht erst schloß die schöne Feier. Tcr Durchstich dcö Montblanc. Xu Stadtrath von Turin hat vor einiger Zit eine technische Spezialcommission eingesetzt zum Studium des Problems der Herstellung einer kürzesten Eisenbahnverbindung zwischen den Thälern der Dora Balte und der Rhone zu dem Zwecke, eine bessere Verbindung Turins mit Genf, Paris, Calis, den holländischen und belgischen Häfen usw. zu schaffen, als sie jetzt die Strecken durch den Mont Cenis und den Simplon dar bieten. Die Commission hat kürzlich ihren Bericht erstattet. Sie befürwortet die Herstellung einer Normalspurbahn für den Großbetrieb im. An schluß an die bestehende Linie von Turin durch das Thal der Dora Baltea. Die neue Bahn soll bei Aosta, 530 Meter ü. M., beginnen und von dort thalaufwärts ' bis Pr6-Saint-Didier, 996 Meter ü. M., weiter geführt werden. Hier beginnt der Tunnel durch den Montblanc. Seine Länge ist auf 18 Kilometer berechnet, und er wird 1050 Meter ii. M. bei Les Houches im Thale von Chamounix endigen. Der Tunnel soll in zwei Theile zerfallen: der erste. 6 Kilometer lang, von Pr6-Saint-Didier bis zur Dora von Valveni, und darauf ein Haupttunnel von 13 Kilometer Länge von Bälden! bis zum ArveThal. Der höchste Punkt im Tunnel wird 1065.57 Meter ü. M. zu liegen kommen. Von Chamonix nach Genf dient die umzubauende und abgekürzte Linie Saint Germain, Le Fayet. Sallanches. Clufes, La Röche und Annemasse. Die Entfernung von Chamonix nach Turin wird durch die Bahn auf 185 Kilomeier abgekürzt werden und die nach Genf auf 266 Kilometer. Wai che lehnen,' Schleifen b i l d u n g . verhindern. Die Schleifenbildung beim Aufwickeln der Wäscheleine - verhindert man dadurch, daß man dieselbe zu sich heran, anstatt in der engegengesetzten Richtung wickelt. Gelbe Flecke' aus Elfenbein zu entfernen. Gegenstände aus Elfenbein befreit man von gelben Flecken, indem man sie vermittels einer weichen Bürste mit fein vulverisirtem und in Wasser äufgelöstem Bimsstein ziemlich lange reibt.
Vie Cyaraklcr-ZNessung. Erzählung von C. Wellner. Holla, Bredow schon von Paris zurück?" rief Gerbard Haller einem' soeben das Lesezimmer des Union-Clubs" betretenden Herrn von sehr vornehmer Erscheinung zu. Wie Sie sehen," erwiderte der Angeredete; seit zwei Tagen bin ich wieder daheim. Ich muß schnell mal die wissenschaftlichen Revuen durchsehen. In Paris gab es keine; das heißt," fügte er rasch hinzu, wenigstens dort nicht, wo ich war!" In der neuesten Nummer steht ein Artikel," warf Haller ein, der Sie ganz speziell interessieren dürfte. Sie sagten doch mal, die Polizei müßte eigentlich das Recht haben, Leute sozusagen von der Straße weg zu verhaften, sobald deren Physiognomien auf einen gefährlichen Charak ter deuteten." -So? War ich je ein solcher Esel, so etwas zu sagen?" gab Bredow zurück. Na, jci denke ich anders über charakteristische Merkmale ganz anders, kann ich Ihnen sagen! Ich war früher felsenfest überzeugt, man könne einem Menschen an seinem Gesicht und seinen Gliedern ansehen, weß Geistes Kind er ist, aber ich bin von dieser Verrücktheit geheilt gründlich aber! Meinetwegen kann die ganze Anthropologie und was drum und dran hängt, zum Deibel gehen!" Aber Bredow Bredow!" ertönte es von verschiedenen Seiten. Das ist die reine Blasphemie!" rief Haller lachend. ' Wahrheit ist es!" entgegnete Aredow hitzig. Ich will gleich erzählen, wodurch ich von meiner Ansicht kuriert worden bin. Bevor ich jedoch beginne, - müssen Sie, Haller, mir ein paar Fragen beantworten. Sie kennen mich seit zehn Jahren. Also, was für ein Mann bin ich? Was für einen Charakter habe ich?" Ja, wie soll ich denn darauf antWorten?" meinte Haller verlegen. Sie sind der beste, netteste Mensch, den ich je kennen gelernt habe " Das genügt mir nicht." fiel ihm Bredow ins Wort. . Ich will anders fragen. Antworten Sie nur ja" oder nein". Also erstens: Bin ich ein unverbesserlicher Trunkenbold?" - Nein, wahrhaftig nicht." Zweitens: War ich schon von Kind an verdorben und bin ich dann allmählich vom Taschendieb zum abgefeimten Spitzbuben, zum Einbrecher und Raubmörder avanciert?" Um Gotteswillen nein!"
Drittens: Bin ich grausam von Natur, blutdürstig und habe ich ein teuflisches Vergnügen daran, anderen Schmerz zu bereiten?" Nein. nein, nein!" Bin ich nicht vielmehr ein friedlicher, achtbarer, das Gesetz respektierender, anständig lebender und seine Steuern pünktlich zahlender Mitbürger?" Selbstverständlich!" Sehen Sie. das dachte ich auch. Aber ich irrte mich. Hören- Sie bloß: Ich bin also ein unverbesserlicher Trunkenbold, ein Spitzbube von Kindheit an, ein Einbrecher, ein blutdürstiger Wütherich, der einen Menschen so kaltblütig abmurkst, wie ein anderer ein Karnickel schlachtet!" Was sür Unsinn reden Sie denn da?" fiel Haller ein. Unsinn? Entweder ist es wahr oder ine gesammten Theorien der Kn-minal-Anthropologie sind Unsinn! Sie wissen doch, daß ich diese Theorien mit einem wahren Feuereifer verfocht. Das Gesicht eines jeden Menschen, den ich kennen lernte, studierte ich und klassifizierte seine Züge. So war ich zum Beispiel fest überzeugt, daß graue Augen ein Zeichen für verbrecherische Anlagen waren. Und wenn ich einmal einen Daumen sah, der etwas größer als ein Durch schnittsdaumen war. dann glaubte ich steif und fest, der Besitzer dieses Daumens sei zum Mörder prädestiniert. Ich entließ einst einen ganz vorzüglichen Diener, weil er einen sehr großen Daumen hatte, und ich hätte nie erlaubt, daß ein Dienstbote mit grauen Augen bei uns angestellt wurde." Und was hat Ihre Ueberzeugung so jäh umgewandelt?" Ein Abenteuer, das ich in Paris hatte. Ich bin der Polizei in die 'Hände gefallen!" Na, wer das glaubt!" rief Haller. ' Sie werden gelesen haben, daß im Quartier- Latin einige üste Straßenszenen zwischen Studenten und, der Polizei stattgefunden haben. Es ging toll zu sogar Revolverschüsse wurden .abgegeben. .Meine Neugier führte mich mitten hinein in den Tumult. Eine, ziemliche Anzahl Personen wurde verhaftet ich mit. Ich wurde nicht schlecht beim Kragen gepackt, sage ich Ihnen! Es setzte Püffe und Flüche haufenweise scheußlich war's! Obgleich ich nicht den geringsten Widerstand leistete, wurde ich unter Bedeckung von fünf Polizisten auf die Wache geschleppt, wo zehn Hände meine Kleider durchwhlten. Ein Beamter nahm m-' nen Aall" ju Protokoll dann wurde ich emaesperrt. Am nächsten Morgen wurde ich' vor den Polizei teaurnfliiT ntfübrl der rnune. Erklä
rung aber gar '.richi anhörte Und dann wurden Sie mit dem grünen Wagen" weiter befördert?" lachte Haller. Jawohl nur daß er in' Paris drr Salatkorb" heißt, weil er die Insassen so schrecklich durcheinander schüttelt. Aus der Polizei angekommen, verlangte ich Papier, Tinte und Eeder und schrieb an meinen Freund ehndorf, den Gesandtschafts-Mtach6, den ich bat, mich so schnell wie möglich zu erlösen." Bredow zündete sich eine Zigarette an. dann fuhr er fort: In Paris ist es Sitte, daß jede? Verhaftete nach dem Bertillonfchen System gemessen wird. So auch ich. Dann wurie ich in ein Zimmer geführt, in welchem hinter einem riesigen Schreibpult ein bärbeißig aussehender alter Herr saß. Guten Taa, Andr6 Lesca begrüßte mich dieser. Na, schon wieder da?" Ich heiße Richard von Bredow erwiderte ich. Ach Gott bewahre!" versetzte .der Alte pfiffig lächelnd. Ihr heißt Andr6 Lesca. Soll ich Euch mal Eure Vorstrafen vorlesen? Also: Von zehn bis zu achtzehn Jahren Besserungsanstalt; dann drei Jahre Gefängnis wegen Diebstahls; hierauf zehn Jahre Zuchthaus wegen Einbruch und Raubmordversuch; die zahllosen kleinen Strafen wegen Trunkenheit und Widerstand gegen die Staatsgewalt nicht gerechnet. Die beute vorgenommene Messung stimmt Punkt für Punkt mit der Karte Andr6 Lescas. jetzt 47 Jahre, überein Ich heiße aber Richard von Vredow. bin deutscher Unterthan und erst 40 Jahre alt! Hier muß ein Irrthum obwalten!" ..Keine Spur von Irrthum!" versetzte der Alte verschmitzt. Er schien von der Richtigkeit seines Messungssvstems völlig durchdrungen. Dann fügte, er hinzu: Ihre Photographie wird übrigens auch gleich hier sein " Wollen Sie wirklich behaupten, Herr." brauste ich jetzt auf. daß die an mir vorgenommene Messung genau mit der eines Diebes und Raubmörders übereinstimm!?- Das wäre doch höchst sonderbar!" Höchst sonderbar aber wahr!" gab der Alte zurück. Ja, ja, eZ stimmt alles, mathematisch gerechnef freilich nicht. Wir lassen Äbweichungen gelten für zunehmendes Alter und Gesichtsveränderungen ah, da kommt Ihre Photographie." unterbrach er sich. Nun leugnen Sie hoffentlich nicht länger!" 'Er nahm dem eintretenden Polizisten das Bild ab und betrachtete es. Was was ist denn ' das?" rief er plötzlich und 'starrte mich betroffen an. "Sie sehen ja Andri Lesca gar nicht ähnlich? Aber die Messungskarten stimmen doch Punkt für Punkt! Von Ähnlichkeit nicht die Spur aber ein Irrthum ist ausgeschlössen. Sie müssen Andr6 Lesca sein!" Er schaute dabei so betroffen bald das Bild, bald mich an, und verglich dann die beiden Karten, daß er mir fast leid that. Auf meine Bitte gab er mir die beiden Messungskarten, die ich miteinander verglich. Und ich überzeugte mich mit meinen Augen, daß das Signalement und die Maße ge--nau übereinstimmten. Plötzlich jedoch entdeckte ich eine Verschiedenheit. An zwei Stellen stand bei Lesca eine 5, bei mir dagegen eine 3 verzeichnet. Triumphierend machte ich den Beamten darauf aufmerksam. Er sprang schleunigst auf und guckte mit in die. Karten. -z Wahrhaftig!" sagte er. Dieser verwünschte Dumont macht so mise--rable Dreien und Fünfen, daß man sie kaum unterscheiden kann. . Na, dann sind Sie AndriZ Lesca alfc' doch nicht! Aber vielleicht sind Sie es ist doch besser, Sie bleiben noch hier." Er ließ einen, Polizisten als Wache bei mir und rannte in das Archivzimmer. Inzwischen kam mein Freund Lehndorff. der Attache, und rekognoszierte mich. Natürlich wurde ich sofort entlassen. Aber ich werde nie im Leben das Gesicht .deS bärbeißigen Alten vergessen, als er aus seinem Archiv zurücktam und gestehen mußte, daß ich noch nicht dagewesen sei". Wir hatten noch eine sehr interessante Unterhaltung über das Bertillonsche System und über .Anthropologie. Auf meine Bitte ließ er mir eine Kopie von Andr6 . Lescas Messungskarte anfertigen und schenkte mir die meine, für die er doch keine Verwerthung hatte. Die beiden Karten hängen jetzt in meinem Arbeitszimmer an der Wand; sie sollen mich stets daran erinnern, daß man eine Marotte nie zu weit treiben, soll. Denn inVezug auf charakteristische Gestchtszüge bin ich das Ebenbild eines Trunkenbolds. Einbrechers und Raubmörders. Seine Hände und Füße sind allerdings größer als die meinen, aber die Hauptsache bleibt ja doch die Gesichtsform. Und nach den in Paris gemachten Erfahrungen habe ich meine früher so leidenschafUtch verfochtenen Ansichten gründlich ge ändert!" '
