Indiana Tribüne, Volume 30, Number 93, Indianapolis, Marion County, 10 December 1906 — Page 3
Jndiana Ztbüne, 10. Dezember 1006.
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Jlltcrmbllll Zcit-Taöclle.
I. XL T. Syfte. I Kraft Montag, den 1. Oktober 180. Schnelle Durchzüge nach Fort Wa?ne. Schnelle Durchzöge nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Andersen. Schnelle Durchzüge nach Muncie. , Züge verlassen Indianapolis. M un ei e Marion Divisi on. Lawrence, Fortsille, Pendleton, Lnderson, VorUovn, Muncie, Middletoron, lexandria, EuMnitville, Fairmount, SaS City, JoneL kors, Marion, Blufft, und Union City. 4 00 8m. 1 05 Nm. 5 05 Srn. 2 00 Nm. 6 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 Vm. 4 00 Nm. L 00 Vm. 5 00 Nm. 9 05 Vm. 5 05 N-.n. 10 00 Lm. 00 Nm. '11 00 Vm. 7 05 Nm. 11 05 Vm. 9 05 Nm. 12 00 MttgS. 11 30 Nm. Limited. LoganSport Peru Division. Tarmel, NobleLville, Cicero, Lrcadia, Sllants, Tip ton, Kokomo, Galv efton, LZalton, LoganSport, Miami, Bunker Hill, Vnu und Eltsood. 5 00 Vm. 1 45 Nm. 5 45 Vm. 3 00 Nm. 7 00 Tm. 3 45 Nm. , 7 45 Vm. 5 00 NR. M 00 Vm. 5 45 Nm. , 45 Vm. 7 00 Nm. ' 11 00 Vm. 9 00 Nm. 11 45 Vm. 11 30 Nm. 1 00 Nm. m Limited. Heue spezielle Bedienung nach Ft. Wahne. Lüge vnlassen Indianapolis um 7.00 und 11:00 Uhr Vormittags und 3.-00 und 7:00 Ä$r Nachmitt-gS, schnelle Fahrt nach Fort Wayne machend und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend iwmxt auch in Toledo und Detroit mit den Dampfern, die auf den großen Seen nach Vackmac, Bussalo und den Niagara Fällen uZm, Verbindung machend. 11:30 Aöeud-Zug nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. zjüge fahren nach Fort Benjamin Harri fNN um 6:45 Vm, 9:05 Vm, 11:05 Vm, 165 Um und 3:05 Nm. eUere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneL : Neu, Main 6055; Mt, Main 175. Indianapolis & Eaftern. Schnell Züge laufen nach Greenfield, aightZtown, New Castle, Cambridge Ciry, Aichmond, Deytnn, Ohio, jede Stunde bis 9 Uhr LbendS, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springsield, ColumdnS und allen centralen Punktm Ohio'S lausen, VerbindungZmachend. Lbend'Zug um 11:30 Abends nach Knights sn. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS : Reu, Main 6055 sit,Main 175. Indianapolis ck Martinsville. Nach Mooresville, Bethany Park, Mar nsville, Ind. Erste Morgen, Tar um 5:10 Uhr Morgens. Dann von 6:00 Uhr Morgens jede Stunde vis 9:00 Uhr Abends. Abend CarS verlassen die Jnterurban tatisn um 10:00, 11:30 und 11:50 AdendS. Die 10:00 und 11:50 CarS fahren nur bis WsoreSville. Weitere Information in der Office : ut mal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055 ; Nt, Main 175. Indianapolis Coal Traetio Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis ach Plaisield von 5:00 Uhr Morgen? bis 7.-00 Uhr AbendL. Abendzage um 9 und 11 Uhr AdendS. Weitere Information in der Office: Ter rainal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; Wt,Main 175. Indianapolis & Northveftern. Schnell-Züge nach Crawfordsville und La sayette laufen stündlich von 5.-00 Uhr Mor genl bis 9:00 Uhr Abends. Anschluß in Lafazette für Chicago und allen nordroeft lichen Punkten. Der Zug um 10:00 Uhr AbendS fährt blos iil nach Lebanoa. Der Zug um 11:30 Uhr AdendS fährt bis nach Frankfort, Anschluß in Leba für CravsordSville ; derselbe sährt in der von, tag Nacht bloL bis nach Lafayette. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055; Slt.lMain 175. .
D. P. STIRK & CO machen eine Evezlalität von künstlichen Gliedern und Binder. Äbdomen Stützen unk Krücken. Bruchbänder gemacht un angepaßt in schwierigen Fälle. 209 ,rd ff tr. Indianapolis. Man nehme Cl Michigaa Straßenbahn zur Nord Eaft und Ohio tr. Alter Pdone viünUM. euer Pyone IM ERIE & VESTERII R. R. EtdtTl'ketOffle : l Oft l0ashino.toa Str. VhoneA 371. ....Fahrzeit der Züge.. dsahrt n!u,st vm. B T,kdo.ha,s und ichigau rvrtß 7.15 N0.il v Nm. 5!m. oltdo. DetroU und khicago Ltm tia.80 t &M Nm. N. ichiga ir$; Muciea.LasayeUe CfcLt 6.M jM t TZzlich. gkncmeu Conatajl,
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Kulturkampf
In Frankreich erregt die Gemüther der Katholiken anfs Acußcrstc.
Einbrecher graben Tunnel und erbeuten viel Gold. 40 franz. Fischerei' dampfe? machen scharfe Konkurrenz. Prinzessin infolge Frühgeburt ' schwer krank. Auffallende Aeußerung des Erfinders. Amerikaner find verbaßt beim Volke. Prätendent rüstet zum Augriff.
Frankreich. Bitterböser Kultur kämpf hat b e gönnen. P a r i S, 9. Dez. Ganz Frankreich ist von einer alarmirenden religiösen Krisis bedroht. Ein bitterböser stul turkampf sieht vor der Thüre, da der Papft gestern Nacht dem französischen Klerus befohlen hat, die Anordnungen und Befehle der französischen Regie rung unbeachtet zu lassen. Gemäß der Befehle deS PapfteS sind die AuSlegun gen des Gesetzes von 1331 verboten, aber die Gemeinde Geistlichen müssen in ihren Kirchen verbleiben, bis sie mit Gewalt aus denselben vertrieben wer den. Dieser päpstliche Befehl hat die größte Aufregung sowohl in Regie rungSkreisen als auch unter den Ka thollken in ganz Frankreich erregt. Die schon veröffentlichen Befehle deS Kar dlnalS Lecot, ErzbischofS von Borde, aux, des ErzbischofS Garmain u. 31., welche die Katholiken ermahaten, sich den Befehlen der Regierung zu unter werfen, sind als nichtig erklärt. In al len katholischen Kirchen Frankreich'S wurden heute gleich nach der Messe von den Bischöfen und Priestern die Befehle deS PapfteS verlesen. Außerdem wurde angeordnet, Gebete und Andachten für den GotteSschutz während deS kommen den Kulturkampfes zu veranstalten. Die französische Regierung ist ge neigt, die in elfter Stunde vom Papste erlassenen Befehle fast als Aufreizung der französischen Katholiken zur Re belllon zu betrachten. Die Regierung wird ihre Gesetze strikt durchführen und sollten dadurch auch Situationen ge schassen werden, die höchst beklagenö' werth für die katholischen Geistlichen sein würden. M.' Briand. der Kultusminister Frankreich'S, sagte heute, daß die Ent scheidung deS PapfteS für die franzö fische Regierung ganz unerwartet ge kommen wäre. Nuklaud. Einbrecher graben Tun nel und erbeuten viel Gold. I r k u t S k, Sibirien, 9. Dez. Im Laufe der verflossenen Nacht sind aus dem hiesigen Regierungöwardein amt 165z Pfund Gold gestohlen wor den. Die Diebe hatten einen Tunnel nach dem Gebäude gegraben und auf diese Weise sich Zutritt zu der Schatz kammer verschafft. Von den Cinbrechern fehlt jede Spur. T i f l i S, TranLkaukafien, 9. Dez. Zvei Mann der Bande, welche am 3. Dezember den Landsitz der Prinzessin Avolova geplündert und diese selbst mißhandelt haben, sind hingerichtet worden. Ein Dritter wurde zuZwangs arbeit in den Bergwerken verurtheilt. Fabrlkftadt mit 30.000 hungernden Arbeitern. Lodz. Rusfisch.Polen, 9. Dezbr. Viele große Fabriken haben hier mit ihrer Arbeit aufgehört, well die Ar. beiter zu hohe Lohnansprüche stellten und mit Streiks drohten. In Folge der Arbeitseinstellung der Fabriken be finden fich über 30,000 Arbeiter ohne jede EziftenSmittel und hungern. De monstrationen und Ausschreitungen aller Art von gesetzlosen Personen mehren fich täglich und nehmen überHand. Außerdem ist noch ein politischer Kampf der Naisonaliften mit den sozialistischen Arbeitern ent branrt. Die Sozialiften haben in den letzten zwei Tagen fünf Nationalisten ermordet und fünfzehn schwer ver wundet. Ccnada. 40 franz. Fischereidampfer machen scharfe Kon k u r r e n z. Halifax, N. S., 9. Dez. Nach richten zufolge, welche hier aus San Malo, Frankreich, eingetroffen find', ist eine . Flotte von 40 Fischereidam pfern bereit, mit den Segelfifchbooten
sowohl auf den Fischgründen bei Neu fundland aus dieser Seite deS Ozeans, wie auf der andern Seite bei dem Fle misch Kap in Konkurrenz zu treten. Fischhändler von San Malo und an dern französischen Häfen, welche eine große Zahl von Segelbooten auf den Fischfang ausgeschickt haben, haben hierher die briefliche Mittheilung ge langen lassen, daß die erwähnten Dam pfer in Dunkirk, La Rochelle und ver muthlich noch einem andern Hafen aus gerüstet werden. Die Dampfeiflotille wird St. Pierre, Miq.. als Opera tion?bafis benuen. Die französischen
Fischer haben fich infolgedessen an die Fischhändler in Lunenburg, N. S., gewandt, um mit ihnen bei der Bekäm psung der drohenden Gefahr gemein, same Sache zu machen. ES soll ein gemeinschaftlicher Protest bei der fran zöfischen und bei der britischen Regie rung eingereicht und darauf hingewie sen werden, daß die Dampfer die Segel schiffe, namentlich bei nebeligem Wetter gesährden und bei Kreuzfahrten ihre Schleppnetze zerstören würden. Italien. Auffallende Aeußerung des Erfinders. Venedig, 9. Dez. Gultelmo Marconi, der italienische Erfinder der Funkentelegraphie, ist unter die Chau vlnisten gegangen, deren Ziel eine krie gerische Verwicklung mit Oesterreich. Ungarn ist. Nicht geringes Aufsehen erregt eine Aeußerung, welche Maroni soeben hier vom Stapel ließ, als er fich für die Ueberreichung einer Medaille bedankte. Er verstieg fiö u. A. zu der kühnen Erklärung: Ich hoffe, daß im Kriegsfall die drahtlose Telegraphie sofort Italien'S Seefteg im Adrlatischen Meer verkünden wird.Von offiziöser Seite wird dazu be merkt, Marconi sei eine Privatperson ohne Verantwortlichkeit, und derartige Aeußerungen seien deshalb von keinem Belang. Außerdem erhoffe ja Jeder den Sieg selneZ Vaterlandes. Marokko. Prätendent rüstet. zum Angriff. M i l i l l a. 9. Dez. Eine unter dem Befehl von Said Bachina stehende Abtheilung der Truppen des Sultans ist über den Muhylya Fluß gegangen und eingeborene Läufer melden, daß die Anhänger des Prätendenten Anftal ten zum Angriff machen. Dem Ergeb niß des Kampfes sieht man mit Span nung entgegen, doch glaubt man hier, daß des Sultans Truppen den Sieg davontragen werden. China. Fremdenfelndliche Un ' ruhen. Shanghai, 9. Dez. Revolu. tionäre und fremdenfeindllche blutigUnruhen sind in Hing ttiang in der Provinz Kiang Si in größerem Maß. ftabe ausgebrochen. Die Deutschen und andere Fremden, welche in den Bergwerken in großer Anzahl angestellt sind, fliehen in großer Eile nach Chang Sha. Der Gouverneur der Provinz hat mehrere Regimenter Soldaten nach dem Schauplatz der 'blutigen Ruhe ftörungen abgeschickt, um die Ordnung wieder herzustellen und die Aufrührer zu vertreiben. Deutschland. Prinzessin infolge Früh geburt schwerkrank. München. 9. Dez. Am bayeri schen Hofe giebt man sich den ernstesten Besorgnissen um den Zustand der Prin zessin Rupprecht hin. Die Prinzessin hat eine Frühgeburt gehabt und ein todtes Kind zur Welt gebracht. Nach den letzten telegraphischen Meldungen ist die Patientin sehr schwach, wenn auch unmittelbare Lebensgefahr nicht vorhanden ist. (Prinzssin Rupprecht, Herzogin Marie Gabriele in Bayern, wurde am 9. Oktober 1873 gebore und vermählte sich am 10. Juli 1900 mit dem Prinzen Rupprecht, ältesten Sohn des Prinzen Ludwig und Enkel des Prinzregenten Luitpold.)
Feierlich begrüßt.
Wiener Männer-Gesangvereinkon. zcrtirt. Berlin. 9. Dezember. Ein überaus herzlicher Empfang harrte des .Wiener MünnerGesangvereinS-, der aus der Kaiserftadt an der Donau in voller Stärke hier eintraf, um die längst mit größter Spannung erwarteten Konzerte zu geben. Am Bahnhofe wurden die jWiener Gäste, welche unter Führung ihres Ver einsprüfidenten KommerzienrathS Franz Schnelderhan, des DirigentenlEduard Kremser und deS zweiten Chorleiters Richard Heuberger eine höchst amüsante Reise zurückgelegt hatten, von behörd. lichen Organen, Koryphäen der Kunst und leitenden Gesangvereinen Berlins in feierlicher Weise begrüßt. In hiesigen Künstlerkrelsen wird dem ersten Konzerte deS WkenerZMKnner. Gefangvereins in der Philharmonie mit außergewöhnlichem Interesse ent gegengefehen. Auch werden dleZGüfte vor dem Kaiser konzertiren. der sich ihnen bereits für einen seltenen Kunst genuß verpflichtet fühlt, da sie dem Monarchen gelegentlich seines Besuches beim Kaiser Franz' Josef .in Schloß Schönbrunn am 7. Juni dieses Jahreö eine Serenade brachten. Den Wiener Sängern werden wüh rend ihres BerweilenS in der Reichs. Hauptstadt zweifellos großartige Ehrun gen zutheil werden. Sie find, Mann für Mann, übrigens außerordentlich begeistert von der Aussicht auf die nächstjährige Tournee in den Vereinig ten Staaten, welche in Verbindung mit der Anthellnahme des Wiener Mün nerGefangvereinS" an dem Sänger feste des Nordamerikanischen Sänger bundeö in Indianapolis bereits anSge legt ist. Japan. Amerikaner find verhaßt beim Volke Tokio, 9. Dezember. Trotz aller Sympathien, welche in den Vereinigten Staaten für die Japaner während des russisch. japanischen Krieges gezeigt wur den, trotz der Millionen, welche man Japan geborgt, herrscht in Japan eine stark antiamerikanische Strömung, und zwar wesentlich, weil man glaubt, daß Präsident Roosevelt es war, der Japan verhindert hat, die Früchte des Sieges über Rußland vollständig zu genießen. Die Regierung weiß das besser,, aber das unwissende Volk ist in Japan ebenso schlecht lenkbar, wie an derSwo, und die Regierung deS Mikado hat damit zu rechnen. Die Regie rung in Totio ist bereit genug, der Bundesregierung in Washington in mancher Beziehung willfährig zu sein, aber sie hat mit dem bornirten Volke zu rechnen. In dem Volke ist seit dem Kriege mit Rußland das Selbstgefühl riesig geschwollen, und zwar hat fich dasselbe zum krassen JingoiZmuS her ausgebildet. Man fühlt sich so krüstig. daß man glaubt, alle Welt zusammen schlagen zu können, und wer im Ge. ringften diesem Selbstgefühle zu nahe tritt, mnß eben gehauen werden. Die Regierung selbst fühlt' sich keineswegs sicher. Allerlei klei Äpescheu. 9. Dezember. Die GelbsieberSituation in Ha vana ist zufriedenstellend. ES exiftirt nur ein Gelbfieberfall in der Stadt und zwei weitere im Inneren Cuba'S. Der Xotalimport von Gütern und Schnittwaaren im Hafen von New York belief fich in der mit dem 1. De zember abgeschlossenen Woche auf $16, 031,930. Das franzöfifche Geschwader un ter dem ttommande deS Admirals Tu chand kam heute im Hafen von Tanger, Marokko, an und ging in der Nähe der Festungswerke vor Anker. Die drei Knaben, Wm. Lauster, Matthew Moß nnd Georg Brayton brachen heute beim Schlittschuhlaufen aus dem Hudson Fluß bei Albany, N. V, durch da? Eis und ertranken. Repräsentant Kahn von Callsor. nien wird am 11. d. MtS. eine Rede über die japanische Frage in Calisor. nien bei dem Bankelt der Credit MenS' Association in der Stadt New York halten. Repr. Southwick (Rep., N. Z).) brachte gestern im Repräsentantenhaus eine Bill ein, wonach das Gehalt aller unter den Civildienftregeln stehenden Angestellten der Ver. Staaten um 10 Prozent erhöht werden soll. MB-
Der Brownsviller Vorfall.
Dr Kriegs-Sekretär liefert einen längeren Bericht über die Vorgänge in Vrownsville. die solchen Lärm in der Presse und im Kongreß verursacht haben. Dem Bericht geht ein Schreiben voran, das der Kriegs-Sekretär an den Senator Culbertson schickte, der im Namen seiner Konstituenten in Texas gegen die Verlegung eines farbigen Ba. taillons nach Brownsdille protestirt hatte. Der Sekretär antwortete darluf, daß er den Protest nicht berücksichtigen könne, weil das Racenvorurtheil, das sich gegen farbige Garnisonen richte, mehr oder minder im ganzen Lande bestehe; doch habe sich gezeigt, daß das Vorurteil zumeist durch das gute Verhalten der Truppen beseitigt werde und das sei auch in Brownsdille zu erwarten. Das Bataillon wurde demgemäß dorthin geschickt, allein unlücklicher Weise kam es bald zu Konflikten. Ein farbiger Soldat wurde niedcrgeschlagen, weil er eine weiße Frau angerempelt haben soll und ein anderer, dcr betrunken war und fich unordentlich benahm, wurde von dem Zollinspektor in den Rio Grande gestoßen, ohne daß er davon einen größeren Schaden als ein kaltes Bad erlitt. Bestand darüber Aers.er bei den Soldaten, so wurde er durch die Weigerung gesteigert, ihnen in gewissen Lokalen Getränke zu verabfolgen. Der Aerger kam in der Mitternacht des 13. August zum Ausbruch, indem die Soldaten vom Fort aus in die Sladt schössen, wobei eine Anzahl Kugeln durch die Häuser flogen 'und Frauen und Kinder dem Tode nahe brachten. Die Schüsse lockten den Polizeichef herbei, der zu Pferde angesprengt kam. Als er die große Anzahl dcr Soldaten sah, wandte er fich zur Flucht. Trotzdem wurde auf ihn geschössen. Ein Schuß tödtete sem Pferd, der andere durchbohrte seinen Arm. der amputirt werden mußte. Auch auf zwei Polizisten, die herbeikamen, wurde ge schössen. Die meuterischen Soldaten theilten fich dann in zwei Abtheilungen. Eine begab fich nach der Wirthschaft, wo man die Getränke verweigert hatte. Der Schankwärter hörte die Soldaten kommen und wollte, die Thüre versperren und wurde erschossen. Die andere Abtheilung begab sich vor das Haus des Regierungsbeamten. der einen Soldaten, weil er eine weiße Frau anrempelte. niedergeschlagen hatte. Die Sol. daten ftuerten durch die Fenster und die Schüsse gingen durch einen Bettvor hang, hinter welchem eine Frau und zwei Kinder schliefen. Die Schüsse weckten die Offiziere, welche sofort Alarm schlagen ließen. Dcr Sekretär geht dann auf die Unter suchung über. Diese stellte über allen Zweifel fest, daß die farbigen Unteroffiziere die Meuterei durch falsche An gaben unterstützten, indem sie behaupt teten, daß alle Gewehre an ordn'ungs gemäßem Platze sich befänden, und das trotz der Thatsache, daß noch geschossen wurde, als der Alarm geschlagen wur de. der die Truppen zusammenberief. Demnach steht ohne Zweifel fest, daß die Meuterer nach der Garnison erst zurückkehrten, nachdem die in der Ka ferne befindlichen Truppen bereits in Reih und Glied standen, und daß auch demgemäß die Soldaten, die in der Kaserne waren, gesehen haben mußten, welche Soldaten aus der Stadt zurückgekehrt waren, die fich an der Schießerei betheiligt hatten. Trotzdem be haupteten alle Soldaten, nichts gesehen und nichts gehört zu haben. Der Sekretär gibt zu, daß von den 170 Mann wahrscheinlich nicht mehr als zwanzig sich an der Schießerei betheiligten, er gibt auch zu, daß von den Soldaten, die in der Kaserne geblieben waren, manche nichts von dem Vorfall wußten, allein auf der anderen Seite ist fest stehend, daß eine große Anzahl die Schuldigen angeben konnte, aber da verweigerte. Nach Lage der Dinge stand das Kriegsdepartcment vor der Alternative: entweder den Vorgang unbeachtet zu lassen oder das Batail lon aus dem Dienste zu entlassen. Da Ersteres ausgeschlossen war, so mußte zu Letzterem geschritten werden. Jetzt handelt eS sich blos noch um das gesetz liche Recht, die Soldaten zu entlassen In diesem Punkte legt der Sekretä' dar, daß eine kriegsgerrchtlicheProzessi rung nothwendig gewesen wäre, wenn eine schimpfliche Entlassung erfolg! wäre. Aber das geschah nicht, die Sol daten wurden mit einem schlichten Ab schied entlassen, waS keine kriegSge richtliche Prozessirung erheischte. Soweit es uns vetrifft, bedarf eZ keines weiteren Beweises, daß der Präsident und der Sekretär richtig und gesetzlich gehandelt haben. Wir kön nen ihren Standpunkt noch befestigen, indem wir darlegen, daß sie außer Stande waren, eine kriegsgerichtliche Prozessirung zu veranstalten, weil diese offensichtlich resultatlos geendet hätte. Wenn vor einem Gerichte keine Belastungszeugen 'gegen einen Ange klagten erscheinen, so bleibt nichts an deres übrig, als ihn freizulassen. Da aber die Soldaten, die etwas über den Vorgang wissen mußten, sich unwissend stellten, so waren keine Zeugen vorhanden. Danach Hätte das ganze Bataillon freigesprochen werden müssen. Empö rende Mordthaten und eine gefährliche Meuterei wären ungeahndet geblieben. Wäre das geschehen, so hätte daS ganze Land darüber laut aufschreien müssen. 5ält man 'dagegen, daß wahrscheinlich Unschuldige aus dem Dienste entlassen worden sind, so muß man sich Folgendes vergegenwärtigen: Kann daS Land
es eber ertraen mTirT nr,i,5.
- Z 9 U vvfvvvv v V Vt 44 dige leiden, oder daß ein Akt, der, wenn er unbestraft bliebe, die Disziplin im Heere bis auf de.r Grund erschüttern müßte, unbestraft bleibt? Darauf kann es doch nur eine Antwort geben. ' Die Sicherheit der Nation, die ohne Soldaten nicht sein kann, aber in beständiger Angst vor dien Soldaten leben müßte, wenn sie straflos Morde begehen können, steht doch sicherlich höher, als eine scheinbare Unger-chtigkeit gegen eine Anzahl Soldaten, denen es überdies nicht verwehrt ist. sich zu rehabilitiren und wieder in den Dienst zu treten. Wem daö nicht einleuchtet, , der versetze sich in die Lage, daß er ein Fabrikherr wäre, der 200 Arbeiter beschäftigt. Es ergibt sich, daß Arbeite: die Maschinerie der Fabrik muthwillig zerstört haben. Die Schuldigen sind nicht zu tz Mitteln, weil die Unschuldigen auS kameradfchaftlichem Geiste fchweigen und Andere keine Auskunft zu geben vermo gen. Würde .dann Jemand den Fabrik Herrn tadeln, wenn er die Arbeiter, zu denen er alles Vertrauen eingebüßt hat. bis auf den letzten Mann entließe? Es ist nicht denkbar, daß Jemand daö für ungerecht halten würde. In genau der selben Lage wie dieser Fabrikherr be findet sich der Kriegssekretär. Für letz tcren ist daS noch mehr zutreffend, weil er einen energischen Protest von Seiten aller Bürger, des Landes zu erwarten hätte, wennn in ihren Garnisonen sich Soldaten befänden, die dem Browns viller Bataillon angehörten. Unmög lich kann der Kriegssekretär auö Rück sichwahme auf ein par Unschuldig; die militärischen Einrichtungen In Ver. Staaten zu Grunde gehen lassen. Zum Schluß möchten wtr den Far bigen rathen, daß sie gegen ihre falschen Freunde, die sich als ihre Beschütze! aufwerfen. Stellung nehmen, da sonsl n!icht ausbleiben kann, daß übechaupj keine Farbigen mehr angeworben wer. den. Denn ein triftiger Grund ist hier, für vorhanden, wenn man. wie in Brownsville, beobachtet hat. daß auZ Racengeist offenkundige Mörder in Schutz genommen werden. Jubiläum eines GeneralkonsularS - Kanzler s. Ein erprobter und bewährter Mitarbeiter des New Yorker deutschen Generalkonsulats. dcr sich von der Pike auf zum Bureauvorstehsr, Kanzler und Kassirer des Konsulats emporarbeitete und das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten sowohl wie seiner Untergebe nen genießt, Paul Lieneck, hat soeben sein Jubiläum eines Vierteljahrhunderts treuer Pflichterfüllung im Vu reaudienst des Konsulats gefeiert. Generalkonsul Dr. Bünz gratulirte dem Jubilar in Gegenwart sämmtliche? Beamten des Konsulats zu seinem Ehrentage und gab ihm mit den herz lichsten und schmeichelhaftesten Vnsicherungen des uneingeschränktesten Vertrauens das Zeuniß eines in jede? Beziehung erprobten Beamten. Zugleich wurde dem Jubilar von sammtlichen Beamten des Generalkonsulats eine kostbare goldmg Uhr mit goldener Kette als Ehrengeschenk überreicht. Der Jubilar wurde 1858 in Ärlau neboren und widmete sich dem kauf- . männischen Beruf. Im Jahr, 1880 kam er nach fc Vereinigten Staates und fand in Nv Nork zunächst ein Stellung in der Acl'schen Buchhand, lung, bis er ein Jahr später in den Bureaudienst deS Generalkonsulats eintrat. . Herr Lieneck lebt in glücklichster Eh, der neun Kinder entsprossen sind. Ein wahnsinnig gewor d en e r Straßenbahnführer trägt die Schuld an einem Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, der sich bei Bagnolet, einem Vorort von Paris, ereignete und bei dem 15 Passagiere. schwer verletzt . wurden. Louis Gougyon, der plötzlich in geistige Um nachtung verfiel, führte seinen Wagen, ohne anzuhalten, von der Place de te Concorde in schärfstem Tempo durch die belebtesten Straßen der Stadt, bis er die Außenbezirke erreichte. In der Rue de Chateaux wird die Strecke ein geleisig. Gougyon jedoch achtete nicht darauf und fuhr auf einen ihm entgegenkommenden Wagen mit voller Gewalt auf. Dcr Zusammenprall war fürchterlich. Die Passagiere beider Wa gen erlitten schwere Verletzungen und mußten in den Apotheken der Nachbarschaft verbunden werden. Gougyon wurde sofort verhaftet, und die Polizeiliche Untersuchung ergab, daß der Mann seit dem vor einigen Monaten erfolgten Tode seines einzigen Kindes an Halluzwationen leidet, unter deren Einwirkung er sich befand, als er mit seinem Wagen durch die Straßen von Paris jagte. Was zahlt der Bürger für fein Staatsoberhaupt? Im Figaro unternimmt es ein Fanatiker der Statistik, diese . wunderliche Frage zu beantworten. Der Franzose zahlt für seine Präsidenten jährlich die niedrige Summe von 9 Centimes. Erheblich höher ist schon der Betrag, der. in Deutschland auf den einzelnen Unterthanen entfällt: 34 Centimes pro Kopf und Jahr; aber immerhin ist dieses Verhältniß im Vergleich zu den übrigen Staaten noch ein günstiges, denn in Rußland entfallen 35, in Italien 44, in Oesterreich-Ungarn gar 45 Centimcs. Am theuersten aber kommen die Griechen und Belgier bei diesem Vergleich weg, denn ein jeder Belgier oder Grieche trägt 50 Centimes bei, um in seinem Vaterlande die Würde deL Köniathums standesgemäß zu erhalten.
