Indiana Tribüne, Volume 30, Number 92, Indianapolis, Marion County, 8 December 1906 — Page 6

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Jndiana Tribune, 8. Dezember 1906 tt

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i 5 i Gefahr Laufen 9t(nc Stut st da fitbrn der Gesundheit, cber Unreines Sßlut hauptsächlich crnrfacftf durch Unordnungen des Oka gens, wenn vernachlässigt, können tödlich enden; aber ? A Dr August Kocuis V Hamburger! I Tropfen erden die Ursache beseitige und da Blut reinigen. Pf La, SOm Alm Ftaachm. . G. SMsel ...Bäckerei... etsöeu- und Apfel - Kuchen. So 1030 Süd Säst Str. Vutter Rig, 10c chter Pumpernickel Fewfte Roggenbrot Walzbrod Virktfiand Ud Eolumbia Srocern Co. Neuer Telephon 361. Dr. A. H. Vub Teutscher IZier.?',! Office i Schellhouse'kLelSt' 828 st adasd Telephone: Neu, zu Wohnung: 1124 Süd Xerldi rratze euer 'd,ne 9 ' lt. Prospekt 08i. LAKE EBIE & VESTERIi R. R. Btckdtrieket.Osflee : 1 Oft Washington Str. Vhones 371. Fahrzeit der Züge.. . dsahrt sinnst M. , Z ltto, &ocaio nn 3ft4tacin tx.?rtftt 7.15 tl0.1l Nm. Jlm Kolebo, Xttroit unb hitago Etm....'..tlü.S0 t IM Nm. Sttaan SUD, Deaci.Lasatte CpLt 6.60 1.TSzlich. nnigenommen Sonntags. Dr. Paul F. Martm. praktischer Arzt und hirnrg. Sprechstunde: ll. ZJ&O 4.00 tialiA Sonntag: Aus Beradrednna. Willoughb? Gebäude, 131 ord erlSlan tr XeL, Mal 414.' ohnung: ix ,rd em'Jersey Str. Telephon: Mal' 9tr Dr. f. A. Sutcliffe. Wund -Arzt, Geschlechts, Urin und Rectn Rrankheiten, Office : 1 65 Oft Market St. Tel 941 Of6teo: bi 10 Uhr Ihn.; I eil 4 XLx Rb Dr. Carl Q. Wintei Deutscher 5lrzt. eijttdeU e2 akute nd!chroutsche raLtHett Sdeziell RdeumatismuS, Rectu nnö Franen.ttrankHeiten. Office : 14 weft Vhio Straß, Office Sdinixn : 1011 Vm. 34 N SoMtagS : $.3010.30 Vm. Tel. neu 41 Wohg : 1250 Naiso Vven Telephs: lt. 2025. Neu,92S2. zrir?ZT?TrtTi riii'jr.r. JKH Ja 4Z stunde werde SonariiM tn ?5ftutza dn Urin Organe durch SttalMidY usgedode "X ohne UndequenUichklk. Pntl lf'Ml tun, M all Drnggist oder VT'J KZ. O. or vl. Ur vort.

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In Deutschlands einstiger Rüst kammer.

Von A. TrZnluS. Wer von Osten her über das Thu riliaer Waldaebirae den uralten ööhenkammpfad, den Rennstieg, überschreit k.'t, dort wo UM das Ätattlv rcs -chn..ekepfes all die schroffen, felsgetörniidtai Porpbdrkeqel und wuchtig hinzelagertm Bergkuppen sich fast wir ' :rx w v " IiurmTC9 aneinanucx üiangi:, ciiun Ln Riescnwogcn gleich, der überschaut tzm Abstieg nach Südttxsten hin, so?alo ce rauscyonoe ocywaio einen Durchblick freigibt, mit eins ein weit ??sckzn)unaeneI Tbalbecken. , auS dem l-ngrzählte Rauchschlcier und wehende Da:npssa?nen sacht ln den ftraylenocn iZünmel steigen, (slcy in einzeme Acrakctt:n auflösend, streichen wlstlich von d,cm Thale stolze, bumengelronte böbcn bis hinab zum Wcrrathale. an resfen Grenze breit hingelagert der rerrllchc Dolmar über der estoenz Neiningen aufragt, dahinter, die Kupl?n und Kamme der Rhon m der Ferne verblauen. In diesem lachenden Thalkessel ruscn säst Yart neoenlnander die orel Äc:ffenschmicdenden Städte Suhl, Zella St. Blasii sowie Mehlis. Zella ine Mchlls, vielleicht di: zungste?i Stätte des Deutschen Rcuhes. welche Herzog Alfred von Sachsen-Koburg-?otc.a wahrend scmcr kurzen vieaieruna dieser Würde erhob, sind wasfenschmiedendc Orte neueren Ur'prur:gs. Dagegen nimmt Suhl, die zrößte und gcwcrbrührigste Stadt des ?reußischen Henneberger Kreises, seit zahrbunderten die erste und vornehmste Stelluna ein. Heute gegen 13.000 Seelen umfassend, hat Suhl lange Zeit als Vulkanrestdenz", als ,Wafsen- und Nustkammer" Wcutjcylands. ja Europas, Weltruhm genosfen. Und wie viele Industriezweige sich luch inzwischen hie? angested:lt haben, oas Wafsengcwerk nimmt noch heutö den breitesten Raum in Suhl em, gibt der Stadt Ansehen und Charakter. Bon allen Ecken und Enden knattert es hier von Morgens bis Abends. daZ Echo der stolzen Berae wachrufend, die sich hier bis an die Häuser und Hütten t ... m .3 icymiegcn. oran naxuiiiu au tci königlichen Beschußanstalt. die PrcuKen hier eingerichtet hat. Und zu diesem lustigen Auftakt stimmt auch der zanze Charakter der Bevölkerung, dcren Humor. Liederlust und Lebensfröhlichkeit der Stadt noch einen anderen Ehrennamen eintrug: das lustige Suhl. Westlich der Stadt strebt dicht am Marktvlake der 669 Meter hohe Domberg empor. An seiner Porphyrwand ragt der Ottilienstein hervor, 'jiocn höher reckt der massige Bismarckthurm sein steinernes' Haupt weit über die Bergwellen und Thäler hinaus. Vom Domberge genießt man em sejiemves Bild auf die in der Tiefe ruhende Stadt mit ihrem pulsenden Leben und Treiben, in die reizenden Gäßchen, deren Holzfachwerkyäuschen mit den weißen Putzslachen, den geschnitzten 2öi ken und Giebeln so malerisch sich von den neumodischen Bauten abheben. Und weiter, immer weiter dringt ver Blick bis zum Gebiraökamm hinan, über ein schier unendlich erscheinendes grünes Meer von Bergwäldern. Vor drei wahren hat man auf dem lichten Marktplatze einen schönen. Monumentalbrunnen errichtet, der als Symbol der Hauptindustrie Suhls die markige Gestalt emes Waffenschmiedes zeigt. Mit Recht! Denn darinnen ruht die Geschichte, der Ruhm und Stolz der Stadt ausgedrückt. Und nicht nur Suhl nimmt daran allein Antheil: alle die lieblichen Seitenthäler, die sich fächerförmia nach dem Gebirge verästeln, sind angefüllt mit rührigen Werkstätten, Mühlen, Pochwerken, Hämmern, Bohrschmieden. Schleifereien und sonstigen der Wassensadniatton dienenden Stätten. Und dazwischen rollen schwerfällig holzbeladene Wagen vom Gebirge nieder; Erzeugnisse anderer Industrien nehmen ihren Wea aus den Waldnestern zu ter Eisenbahn, Kuhglocken klirren harmdmsch dazwischen, blaubekittelte ?!unaen und waldfrische Mägdelein toben singend und lachend auf den Berggassen, überall knattert und knallt es man möchte meinen, daß Suhl keine Zeit findet, sich der Ruhe selbst an ??eiertaaen hinzugaben. Aus e offenen Thüren und Icncjcn Fensttrreihen surrt und pse:st es,flammen sprühen auf, Blasebälge a(hz?n, ein teilen. Sämmern. Quietschen. Vochen, Dröhnen, metallisch Aufklingen, das Rauschen von unaezablten Wasser garben, die schäumend von den R'idern tosen, wirres Durcheinander von 2o nen und Lauten, und in der Gesammt kelt doch zusammenaehend als em ein zig Akkord von Menschenkraft und zähem Meik! Di Seit liegt nun, freilich weit zurück, da Suhl allein fast in Dentschland alS Damaskus hohes Ansehet', genoß, fast alle Krieg nur mit Suhler Waffen geführt wurden. Die deutsche?. Kaiser rüsteten ibr Syttrt. die fie ata den Halbmond führten, mit Waffen aus (uyl aus; Das polnische Leuchau zu Kralau war mit bewehren aus Suhler Werkstätten angefüllt. Polen Könia Stephan Bathori erfocht sein glänzenden Siege über die Moskl7wite: allein mit Gewehren aus Suhl. Das 16. und 17. Jahrhundert sah in Suhl r .x..f Cs 1.1 :.... v umiiua yrnwu uufj. cutj.cyjii, persönlich die Werkstätten aufzusuchen, die so herrliches Gewaff für Gropa

iielenen.

Ganz merkwürdig muß aber erschei

nen, daß 'das Stadtwappen durchaus nicht auf die so alte Industrie d?r Stadt Bezug nimmt. Es zeigt sonderbarerweise eine durchlöcherte Stie ftlsohle nebst einem Pickel. Natürlich hat sich die Sage sofort daran gemacht. und die arme Sohle :n Vervlndung mit der Gründung der Stadt gebracht. Wie überall, so sollte auch in Suhl d:r Dreißigjährige Krieg das alte Waffen Handwerk fast vernichten. Erst langsam hat sich Suhl wieder von diesem Schlage erholen können, und wenn es auch heute sicherlich mindestens die gleiche Ausfuhr wie in seinen berühmten Bluthezetten aufweisen darf: der Ruf als Rüstkammer Deutschlands ist für immer dahin. Der Dombera schiebt sich wie em Riegel zwischen die beiden Thäler der Hasel und Lichtenau. in denen Suhl und Zella-Mehlis sich aufbauen. Sobald man um seine Felsnase gewandert ist. erscheint sofort das geschlossene Bil) der beiden gothaischen Waffenstädtchen Zella-Mehlis. Ihre Villen und Hütten gehen fast ineinander über. Zella, das nur 4400 Seelen umfaßt, schaut weniger städtisch drein denn Mehlis, das aber an Einwohnerzahl den Nachbarort noch um fast ein halbes Tausend überragt. Gleich wie in Suhl blüht auch hier die Herstellung von Jagdge wehren und Luxuswaffen. Selbst Kanonen werden jetzt hier angefertigt. Ebenso Eisenkurzwaaren. Bestandtheil: für Fahrräder, und in Mehlis 'ind außerdem noch zwei Glockenfabriten thä tig. Das Charakteristische aber für die Orte, besonders Mehlis. bleibt doch die Fabrikation von Revolvern. Ve:r . . em 1 n V. 1 iI cyieoene lütaie sireicyi man vzi cmcui Streifzuq durch die Berggassen und über den weiten Markt an Schildern vorüber, die uns wie mit Revolverlaufen gleichsam anstarren. Auch hier knattert es ohne Unterlatz von Morgens bis Abends, und di: Berge werden nicht müde, immer Wieder den lustigen Schall zurück zugeben. Und welche Berge ! Welch ein Reick'thum von Naturschönheiten ist doch ringsum über diese Berglandschaft ausgegossen ! Die höchsten Bergspitzen des Gebirges ragen wie leuchtende Altäre der Schönheit im Halbkreise um das Thal, das, von der leichtfüßigen Lichtenau durchflossen, sich nach Westen jenseits eines Engpasses öffnet, um in der Ferne den gewaltig eingelagerten Donar blau umflossen zu zeigen. Bannwald stellt eine Seite des Engpasses dar, Bannwald, der heilig gehalten werden muß. daß Schne:massen nicht die unten hart an den Felsen hinstreichende Straße verschütten. ' Eine besondere Stellung nimmt in diesem herrlichen Bergbilde um ZellaMehlis der Ruppkerg ein. Seine Einzelstellung. das trotzig Hervortretende seiner doppelgipfligen Gestalt, dies alles zieht unwillkürlich die Blicke jedes Neulings an. Ten Bewohnern der beiden waffenschmiedcnden Städtchen ist er aber besonders um seiner Aussicht willen ans Herz gewachsen, der prächtigen Pfade durch Hochwald, über Bergmatten und Stemgewirr. die zu seinem Gipfel leiten. Wer dort steht, der meint liegt die Sonne wohlig über dem Gebirge in alle Herrlichkeiten der Welt zu schauen. Thüringen, Franken. Rh'ön, das Werragebiet alles breitet sich mit Burgen und Städten. Wäldern und Thälern zu seinen Füßen aus. Läßt man vom Ruppberge die Blicke nach Norden schweifen, so gehen sie am dunklen Hermannsberge vorüber zu den Felsschrosfen, die den herrlichen Kanzlersgrund umsäumen, in dener. sich nagelschmiedende Waldnesier duckn und bergen, in denen Hütte für yammerschlag und Fun:enspruyen ven Wanderer grüßen, wo die wilde Poesie des Wilderns noch zu Hause ist. Weiterhin werden die Höhen sichtbar, die uns die Reformatorenstadt Schmalkalden dem Auge entziehen und wo sich auch das weltferne Stillerdorschen ver steckt, unter dessen strohgedeckten Hütten einst die Heimath des Minnesängers Biterolf sich befand, von der er selbst in seinem .Krieg auf der Wart burg einmal singt : Stilla, daz ist min houbestat !" (Stilla. das ist meine Hauptstadt.) Ganz am Horizont aber schwimmt wie eine selige, lichtumhüllte Insel, luftig und weltentrückt fast an zuschauen, die Kuppe des Jnfelberges. . oes Ä.yuringer vligis . Auf dem Ruppberge stand ich in die fen sonnengoldenen Herbsttagen, wäh rend drunten aus der Tiefe von Mehlis herauf verschwommene Laute von Musik drangen. Denn Mchliö feierte cmt große, heiligt lrmse l Was die Kirmse dem echt Tbü ringer bedeutet, daS vermag sich ein anderer Volksstamm kaum zu denken. Sie bildet den Gipfelpunkt in dn Reihe der Feste, den Traum der Jugend, noch c fWtfi. -? .. ftl tlft Ct 1 v rr czm 'Aiier ein lazaiirayt in orr Erinnerung an Tage voll Kraft, Ausgelaffenheit, Wonnen der Liebe. Das Letzte würde man versetzen, nur um die Kirmse ZU begeben. Kein Dienstmädchen halt es fern der Heimath auS. Es wurde fluchten, wenn es nicht den er sehnten Urlaub erhielte. Der bunte Rock wird dem jungen Krieger zu eng. wenn die Kirmse näher rückt. Und lenseits des RennstiegS, im Hessischen und Henneoerglschen, da schlagen d: Wogen der Lust noch weit höher als diesseits in Thüringen. LandrSthlichc Bestimmungen haben da seit Jahreii vl.r. r c . r r..n m tu je 2.age ver ooucn -cuji v uüj du Halste bereits gekürzt. Kirmse zu Mehliö! Das war Me! mal die Losung. . Und am Sonnabend alna'ö üoer die Berge hinab iy das la

chende Thal der Lichtenau. Tbal au' und nieder. An brausenden Wlldwas-

sern hin, durch deren vergilbte ?7? und Strauchwerk die Sonnenlichte tanzten. Und endlich grüßte vor unz aus der Tiefe das Endziel unserer Pil gerfahrt. Aber wahrend über Subl und Zella die Rauchschleier wehtm deutend, daß dort die Arbeit rege war. lag bereits über Mehlis das Erwarten, die Stille Dor dem Feste. Hinab in die Gassen! Zum Marktplatze hin, wo der Gastfreund, revolv?rschaffend, baust. .Heillaer Adcnd!' So nennt der Mehlisser den Abend vor seiner Kirmse. Da die Nacht sich herniedersenkte, da die elektrischen Lichter überall aufzuckten, begannen Markt und Gassen sich dicht mit Menschen zu füllen. Das Große, Langersehnte bereitete sich vor. Und endlich brach es los! Fünf Musikkapellen führen ebensoviele Festzüge durch die Stadt, durcheinander, sich kreuzend, em Stück zufammengehend, hier verschwindend. dort wieder auftauchend. Rothfeuer. Frösche, Raketen, Sonnen, allerlei Feuerwerkszauber durchprasselt, erhellt die Nacht, zuckt auf, erstirbt, um an einem anderen Punkte wieder aufs Neue die Lust höher anzufachen. Und welche Lust! Singen. Johlen, Schreien, freudiger Zuruf: alles gellt durchemander. Alter und Jugend fühlen sich eins. Und als die fünf Züge mit den Kirmseburschen in ebensovielen Wirthshausern verschwunden sind, da hebt dort das Tanzen an. Gegen sechs Uhr Morgens verstummte der erste Kirmsejubel. und als ich zwei Stunden später die Gardine meines Schlafzimmers zurückschnelle, den neuen Tag zu begrüßen, da schwanken noch einige Gestalten f . r .1' c... nm ? , . i c.r. oeim, ieiig oer nweii erzayleno, oay sie aus dem Henleltopfchen getrunken und daß das Leben doch so schon sei! Früh Kirchgang, dann brach die Lust aufs neue los. Die Umgebung der Kirche ist mit Schaubuden und sonsterlei Marktsehenswürdigkeiten angefüllt. Man spielt, man trinkt, würfelt, dreht stch auf dem Karussell und bestaunt die halsbrecherischen Kunststücke einiger Akrobaten. Vcrschminkte Gestalten eines Uebcrbrettl, das sich in einem dc? Gasthäuser eingenistet hat, schlendern durch die Reihen der Feiernden; von Nachbarorten sind Besucher in dichten Schaaren eingetroffen. Haus für Haus ist im Orte zu einem Tempel der Lust umgewandelt. Am zweiten Festtage Nachmittag findet wieder unter Anführung der fünf Kapellen der große Umzug statt. Vor iedem Hause, das eine Schöne birgt, wird Halt gemacht. Dreimaliger Tusch, worauf der Bursche sein Mädchen in den Zug einreiht. Den Zügen aber voran schreiten je zwei weiß gekleidete Burschen, die gemeinsam eine biergefüllte große Gießkanne tragen, außerdem ein jeder noch ein j ... i l n l Mas. und wen es unierwegs ouriiei. den wissen sie zu trösten. Uralter Brauch! Und wieder Tanz. Jauchzen, überschäumende Lust von Nacht zu Rächt, von Tag zu Tag! Einen Tag vor der Kirmse war der Tod durch Mehlis geschritten. Bei dem Einprobircn einer Schußwaffe war aus Verschen ein jüngst erst vom Mititär heimgekommener Bursche umgekommen. Als die Festglockcn durcheinander lärmten, Jubel die Gassen füllte, trug man an unserem Hause den mit Goldfranscn verzierten Sarg hinaus zu der Berglehne, wo einsam das Haus steht, in das so jäh Kirmselust sich i.i Trauer verwandelt- hatte. An diesem Nachmittage, da ich. de: Freude satt, einsam zum Walde schritt, da kam ich auch an dem still gewordenen Hause vorüber. Die Fenster unton standen weit offen. Drinnen Ui Itt Todte in' seinem güldenen Sargü und träumte wohl von Kirmselust und Jugendglück. Am Hofthor aber hielt die schwarzgekleidete Braut und blickte starr in die Sonnenscheibe hinüber, dte zwischen den herbstgcfärbtcn Waldbern wcndcrte, in dieser Stunde wohl hadernd mit ihrem Gotte. Und weiter, höher schritt ich allein empor. Hinter mir Fahnenwehen, Musik und lärmendes ?kauckzen. aber gedachte des unbekannten Todten, und wie grausam die Ratur oft zu ihren Atomen zurückfordert, waS sie der Sonne und dem Leben doch erst schenkte, daß es eine Cpailne Erdenzeit solle, in Lust und Leid geprüft, dem Endziele entgegen wandern. ,, mm John E h l e r t, Journalist, in Chicago gestorben. Nach langer schwerer Krankheit ist in Chicago John Ehlert, ein in weiten Kreisen bekannter deutsck-amerikani-scher Journalist, gestorben. Im Jahre 184 in Ludeck als oyn eines ausmanns geboren, erhielt er eine gute Erziehung und ging im Alter von 21 Jahren nach England, wo er iournalistisch thätig war. Dann wandte er sich nach New Aork. war dort an verschredenen Zeitungen angestellt und ging dann nach dem Westen, zunächst nach Milwaukee und dann nach Chicago, wo er Anfangs der 80er Jahre Berichterstatter der Freie Presse wurde. Einiae 5?ahre darauf aina er zur cnglischen Presse über, und da er sich als äußerst gewandt erwies, stieg er schnell von (stufe zu :use. isr war feveztai Berichterstatter. Theaterkritiker, R: dakteur für Grundeigenthumsangele enbeiten und Lokal-Nedkteur. Kr hinterläßt eine Wittwe, aber keine Kinder. . Drueksc)ler. Seit er Oerhziraihung rnU U ten Grafen v daZ jungt M wie verhandelt.

Pariser Bnef. .. Herbstbild. Die russische Ausstellung. Theatralisches.

Paris, im November. Paris hat eine enorme Garnison von Bersaglieri erhalten ; die Walzerrunde", welche Reichskanzler Bülow dem italienischen Bundesgenossen einst mit der- schönen Marianne gestattete, artete in einen Flirt aus, der mit einer Ehetrennung enden konnte. Die sch.Ilernden blaugrünen Hahnenfedern flattern m dicken Büscheln auf allen Huten der Bersaglieri - Amazonen in der französischen Hauptstadt. Das macht sich bei dem strammen Herbstwind sehr fesch. Regenschauer gehen weder und verwandeln die Straßen der City in Schlammbäder ; da sorgen die Pariserinnen sans göne" für Fußfreiheit, und weiß der Himmel, daß es nicht an Bewunderern für ihre enthüllten kleinen Fuße fehlt. Die BergsaglieriAmazonen sehen in ihren knappen Tai-lor-Mades hin und wieder männlicher aus. wie die männlichen Modefeze. die sich in Korsetten zwängen und ihren Paletot auf Taille arbeiten lassen. In den Treibhäusern am Cours-la-Reine führte die alljährliche ChrysanthemumAusstellung die vornehme Gesellschaft zusammen ; dort flatterten die Hahnenfedern um die Wette mit den immer gigantischer werdenden Blüthenblätterbusckeln der mpamschen Astern, sur welche man in Paris einen wahren Kultus hat. Alle Gärtnereien veredeln und züchten die Chrysanthemen in tausend Großen und Nuancen und all: Blumenläden sind überfüllt mit der herrlichen Flora des japanischen Parks. Es macht einen besonderen Eindruck, von. der kalten, verregneten, schmutzigen 'Straße hinter den blendend erleuchteten Erkerscheiben die übermüthige orientalische Farbenpracht zu schauen. Mit der ChrysanthemumAusstellung ist stets eine Ausstellung der Blumenmalerei verbunden. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, den Muth der Blumenmaler, sich in dieser lebenden Konkurrenz zu zeigen. oder die Bosheit der Kunstgärtner, die Blumenmaler in ihre TreibHäuser einzuladen. Der Herbstsalon erfreut sich eines regeren Besuches denn je. Die russische Ausstellung darin ist zwar sehr verspätet fertig geworden, aber, was sie enthält, lohnt der Mühe, wiederzukommen. Man kann einen Spaziergang durch eine russische Kunstgeschichte von ihren byzantinischen Anfängen bis zu ihrem jüngsten Zweibund - Jmpressionismus machen. Zar Nikolaus, einige Großfürsten, die Kaiserliche Akademie der Schönen Künste und das Historische Museum in Moskau haben ihre schönsten Schätze hergegeben. Heiligenbilder der Mosaikkunst, goldene Ikonen mit gemalten Köpfen ; Porträte Pauls I. und Katharinas II., die Bild:rserie Levitzkys, der mit viel Grazie und Feinheit niedliche Prinzessinnen malte, dann die Ahnengalerie der romantischen Epoche von Kiprensky, Warnek, Stechedrin und Brullow, der die s höne Geliebte Gräfin Samoilov pompd's ausstaffierte und Zenaja Wolkonsky in kriegerischem Kllraß recht lustig darstellte. Aus den letzten Jahrzehnten sind sehr gut vertreten Elie Repin: mit streng gemalten Porträten. Serosf mit einem lebensvollen Bildniß d:s Zaren. Maliawin mit Zeichnungen, Jwauoff mit auswandernden Tartaren. Past:rnac mit Tolstoi daheim" ; es fehlen leider Werestschaain und Marie B?'hkirtsheff. Merestschagins Tilver befinden sich fast sämmtlich in russischen Museen und konnten nicht herge'.i:hen werden. Von den russischen Modernsten, die nicht farbenscheu sind und tolle Effekte des untergehenden rothen Sonnenballs auf der schneebedeckten Heid: zaubern, sind Dawlenski und Tharkofi zu nennen, ersterer ein Primitiver wie Gauguin oder von Gogh, ohne ihre große Originalität, letzterer ein raffi nierter Impressionist auf seinm Landschaften. Blumenbildern und Poträten. Eine nationale russische Kunst existirt heute kaum ; man läuft hintei den Meistern an der Seine mit rech kritikloser Begeisterung drein. Die Sammelausstellung der Courbets, die auch nicht am Eröffnungs tage des Herbstsalons fertig war. ist eine kleine Enttäuschung, weil die Schwester des Malers, Juliette Courbet, und der Prinz von Wagram, ein großer Courbet-Verehrer, nichts von ihren Schätzen hcrkihen wollten, wohl in der Ueberzeugung, daß der Meister nichts bei den Impressionisten zu suchen habe. Die Frau mit dem Papagei", die Münchner Dame", das Fräulein vom Seine-User" und blc Badenden" fehlen also im Grand-Pa lais. aber die hergeliehenen Bilde: zweiten Ranges, die vorhanden sind, genügen immerhin schon, einen Begrifj von der Naturliebe und der sicheren Technik zu geben. Der deutsche Bildhauer Rechberg hat bei Georges Petit eitte Sammelausstellung seiner Txyttv. Arbeiten veranstaltet, welche seinen Namen für immer bei den Parisei Kunstfreunden bekannt gemacht. S:in Talent 'hat eine offizielle Bestätigung durch einen Ankauf für den Luxem. bourg gefunden. Auf theatralischem Gebiete jagen di: Novitäten einander; 'der große Schla ger ist noch nicht gekommen. Im TH6ütre Antoine wurde ein Tendenzstück Viribi" von Darien und Laurai mit weit inehr Beifalls aufgenommen als es vom künstlerischen Standpunll

aus verdient. Binbi" nennt man in den ftanzö sifchen Garnisonen dieStrafregimenter, in welche Soldaten wegen größerer und oft auch wegen kleinerer Vergehen gesteckt werden. Die Autoren haben die Leiden' der Soldaten unter Afrikas Sonne in der entsetzlichsten Weise geschildert; es gibt nur einen Ausgang aus dem Viribi", wenn das Desertion mißlungen, die Kugel durchs Herz, die Jeanfoin, einer der armen Helden des Stücks, abdrückt, nachdem er sich 49 Jahre Zwangsarbeit wegen allerlei Vergehen im Strafregiment gesammelt". Darien und Lauras bezwecken mit ihrem Melodrama die Einstellung der strafwoisen Versetzung französischer Soldaten wegen Disziplinarvergehen nach Afrika. Vielleicht wäre es angebracht, eine Reihe von Aufführungen des Stücks in ElsaßLothringen zu geben, um dort manchen Franzosenschwärmer ' abzuhalten, sich in die Fremdenlegion zu flüchten, wo es nicht besser zugeht wie im Viribi". In den Varists haben de Flers und de Caillavet mit Miquetle et sa Möre" ebenfalls einen Erfolg erzielt, weil sie sich nicht scheuten, einem sehr unmoralisch beginnenden Stück einen sehr moralischen Schluß zu geben. Der Marquis, der seinen Neffen in der Provinzstadt verhindert, ein harmloses Wittwentöchterlein zu heirathen, um aus ihm in Paris eine Bühnenvedette zu machen, der dann selbst die Wittwe ehelicht und den Neffen zwingt, sein Schwiegersohn zu werden, ist eine sehr unlogische, aber glückliche Figur. Man entschädigte sich ein wenig nach all' den Pornographien, mit denen die Noudeauts und Folies-Dramatiques unter Hinzuziehung von Badewannen, da das Bett als ständiges Bühnenrequisit nicht mehr ausreicht, ihre Kassen füllen. Karl Lahm. m m Ueberfall in Deutsch Südwestafrika. Ueber eine Uebersall einer deutschen Truppe dur Hottentotten liegt nunmehr eine amt liche Meldung vor. Wie nämlich Oberst Deimling auS Keetmanshoop unterm 13. November telegraphirt, überfiel eine HJttentottenbande am 1 November die Besatzung von Uchana ris nahe beim Stationsgebäude. Fünj Reiter wurden getodtet und drei ver wundet. Oberstleutnant Frhr. v. Für. stenberg übernahm sogleich die Verfol. gung und trieb den Feind auseinan der. Fünf Mann stellten sich späte, dem Hauptmann Liebert. Eine zweiik Hottentottenbande zeigte sich am 8. No vember südwestlich von Keetmanshoop. wurde aber von Hauptmann Dörschlaz zerstreut. Eine dritte Hottentotten, bände, die von den kleinen Karaßber gen aus Raubzüge und Viehdiebstähl, unternahm, wurde am 24. Oktober vor Leutnant Moliere in die wasserlosev Huisberge getrieben. Das geraubte Vieh wurde der Bande wieder abge nommen. Dichter - Preise. Das Kura torium der Bauernfeld Stiftung in Wien erkannte Ehrengaben von 1000 Kronen den Romanschriftstellern Erika v. Handel - Mazzetti für den Roman Jesse und Maria". Friedrich Werner v. 5steren für den Roman Christus nicht JesuS". AraupeZ. Tamm für Zwei Romane Im Lande" und Jugend im Lande"; ferner den österreichischen Lyrikern Franz Salus. Stephan Zweig, Franz Karl Ginzkey. und den Dramatikern Karl Rößler und Paul Wilhelm. Dem in München lebenden Schriftsteller Karl Rößler. dem Verfasser der Komödie Das Le bensfest", ist für sein früheres Drama Der reiche Jüngling" der Preis zuer kannt worden. Ein unechter Neger wurde in Wismar in Mecklenburg wegen Bet telns festgenommen. Der Schwarze, der das Deutsche radebrechte und beim Abklappern der Häuser fürchterliche Grimassen schnitt, erweckte Mitleid und heimste in reichem Maße Gaben ein. Zur Polizei gebracht, entpuppte er sich als der Schlossergeselle Wronka aus Lischofsburg. toeis Rössel. Das Gesicht sowie die Hände hatte der biedere Ostpreuße mit Ruß geschwärzt. DerKaiser und der Haupt, mann von Köpenick". Auch dem Kaiser hat die Hauptmaimsgeschichte von Köpenick viel Spaß gemacht. Das gab sich auch bei dem letzten Diner im Hause des Reichskanzlers zu erkennen, an dem der Kaiser theilnahm. Es war davon die! Rede, daß jedes Land seine Berühmtheiten habe. Ja." warf der Kaiser lachend ein, und Preußen hat den Räuberhauptmann von Köpenick". Nun wurde natürlich eine Weile von diesem Helden des Tages" gespro chen, und der Meinung Ausdruck gegeöen, daß der Mann eigentlich begnadigt werden sollte. Hierzu bemerkte der Kaiser, daß dieL nach der hertschenden Praxis nicht angängig sei, da Leute, die schon im Zuchthaus gesessen haben, von einer Begnadigung auögeschlössen bleiben. Wechsel gefälscht. Aus Öedenburg (Ungarn) wird gemeldet : Die Polizei verhaftete den öffentlichen Gesellschafter der seit einigen Monaten zahlungsunfähigen Oedenburger Getreidekommissionsfirma Salomon Bischitz & Sohn, Heinrich Vischitz, wegen Verdachts der Wechselfälschung. 54 falsche Wechsel wurden beschlagnahmt; die Höhe der Fälschungen wird auf 600.000 Kronen geschätzt. Zwei andere Gesellschafter der Firma, Ma; .und ??erdinand Bischid. sind entflohen.