Indiana Tribüne, Volume 30, Number 85, Indianapolis, Marion County, 30 November 1906 — Page 3
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Jndiana Tibüne. 3o. November 1906 a
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JMermbau Zeit-Tabelle.
I. XL T. Syfte. 2 straft Moutag, ton 1. Oktober 190. Schnelle Durchzöge nach Fort Wayne. Schnelle Durchzüg? nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansoort. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Lüge verlassen Indianapolis. Nuncie Marion Divifi on. Lawrence, Fortville, Pendleton, Zlndnson, yorttown, Muncie, Middletomn, Alexandria, Sunnnitville, Fairmount, Gas City, Joneö bs, Marion, Blufft und Union City.
4 00 23m. 1 05 m. 5 05 Lm. 2 00 Km. 6 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 95m. 4 00 N. L 00 Bm. 5 00 Nm. 9 05 3m. 5 05 Nrn. I 00 Vm. 00 Nm. 11 00 Vm. 7 06 Nm. 11 05 Vm. S 05 Nm. 12 00 MttzS. 11 30 Nrn.
Limited. LoganSportck Peru Division. Tarmel, NoHesville, Cicero, Arcadia, NUanta, Tipton, Kokorno, Galoefton, Walten, LoganSport, Miami, Bunker Hin, vrru und Elwood. 5 00 Dm. 145NM. 5 45 Vrn. 3 00 Nrn. 7 00 Vm. 3 45 Nm. 7 45 Vm. 5 00 Nm. H 00 Vm. 5 45 Nm. 45 Vm. 7 00 Nrn. -11 00 Lm. S00Nrn. 11 45 Vm. 11 30 Nm. "1 00 Nm. Limited. Reue pttUt Bedienung nach Ft. Wahne. Aüge verlassen Indianapolis um 7.-00 und 11:00 Uhr Vormittag und 3:00 und 7.-00 NZr NkchmittagS, schnelle Fahrt nach Fort Wayne machend und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend iroie auch in Toledo und Detroit mit den Dampfern, die auf den großen Seen nach Racttnac, Bussalo und den Niagara Fällen itufen, Verbindung machend. 11:30 Abn:dZug nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. Äge fahren nach Fort Benjamin Harri ln um 6:45 Vm, 9:05 L, 11:05 Vm, 1:05 ßm und 3:05 Nm. Weitere Information in der Office: Ter mal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; ÄU, Main 175. Indianapolis & Lastern. Schnell Züge laufen nachl Greensield, AntghtStown, New Castle.ICambridge Ciry, Richmond, Dayton, Ohio, jede Stunde bis 9 Uhr Lbends, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springsield, Colum r.i und allen centralen Punkten Ohio'S taufen, Verbindung 'machend. löend'Zvg um 11:30 Abends nach KnightS am. Weitere Information in der Office : Ter nal Gebäude. PhoneS : Reu, Main 6055 t,Main 175. Indianapolis & Martinsville. ach Msoresville, Bethany Park, Mar rmSville, Ind. Erfte MorgnuCar um 5:10 Uhr Morgens. Dann von 6:00 Nhr Morgens jede Stunde ttö 9:00 Nhr Abends. Abend -Cars verlasse die Jnterurban Station um 10:00, 11:30 und 11:50 AbendS. Die 10HX) und 11:50 CarS sahren nur bis SooreSvtlle. Weitere Information in der Office : Ter inal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055 ; Mt, Mai 175. Indianapolis Coal Traetio Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis ach Plairsield von 5:00 Uhr Morgen bis 7:00 h? AbendS. Lbendzüge um 9 und 11 Uhr AbendS. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; Wt, Main 175. Indianapolis & Northwestern. Schnell-Züge nach Crawfordsoille und Lasavette laufen stündlich von 5KX) Uhr Mor gens biL 9:00 Uhr AbendS. Anschluß in Lafayette für Chicago und allen nordweft lichen Punktm. Der Zug um 10.-00 Uhr AbendS fährt blos 115 nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr AbendS fährt bis nach Frankfort, Anschluß in Lebanon für CravfsrdSville; derselbe fährt in der vonv tag Nacht bloS bis nach Lafayette. Weitere Information in der Office: Ter inal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6065; MMain 175. M0N0N ROUTE. City Ticket Office, S Nord JllinoiS Straße. Telephon 737. Nach Chicago über direkte Linie. Abfahrt von Indianapolis 7:00 Vorm. 11:50 Vm., 3'35 Nm., 2:48 Vm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.50 Vm., 4 52 Nm. Via Noachdale. Cravfordöville und Lasayettk, nach Chicago. Abfahrt 11:50 Vm. Ankunft 2:50 Nm. Michigan City. Abfahrt 7:00 Vm., 3:35 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. . Monon Accomodation. Abfahrt 5:15 Rm. ' Ankunft 9.00 Lm. Täglich. Nur Sonntag.
ahnpräsident
Auf seiner eigenen Bahn bei einer Kollision gctödtct und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Kongreßmitglieder unzufrieden.-Katholische Universität Amerikas Nur theil'
weise oefriedlgend. NordpolsorscherS Hoffnung. Den Ocloaronen ans der Ferse. Riesen Kombination. - (Samt Familie vergiftet. Ein Lokomotivführer auf seinem Posten erschlagen.
Bahnprüsideut auf eige ner Bahn getödtet. Lynchburg. Va., 29. Nov. - Präsident Samuel Spencer von der Southern Eisenbahn wurde heute Mor gen bei einem Unfall eines Zuges, auf dem er sich befand, getödtet und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Der Paffagierzug der Southern Bahn fuhr gestern Abend mit Verspätung von Washington, D. C., ab und heute Morgen um halb sieben Uhr fuhr ein anderer Paffagierzug bei Laayer, elf Meilen südlich von hier, in den ersteren Zug vom Hinteren Ende hinein. Der Beamtenwagen der Bahn, in dem sich Pküstoent Spencer und eine Anzahl seiner Freunde befanden, war als leAter Wagen an den ersten Paffagierzug an gehängt und bei dcr Kollision wurde dieser Wagen zuerst getroffen und total zertrümmert. Mit Ausnahme des Herrn Spencer wurden noch Philip Schuyler, der Zugtelegraphlst, E.W. Davis von Alexandria. Lokomotlvfüh rer Terry, Charles D. Fischer, Iran riS E. Redvood, der Negerporter Wm. Polland und ein unbekannter Mann getödtet und acht Neger schwer, mehrere tödtlich, verletzt. Gleich nach der Kollision gerieth der zertrümmerte Prästdenten'Magen in Brand und die Leichen konnten erst auS den Trümmern gezogen werden. nachdem die Holztrümmer von selbst im Verlöschen waren. DaS entsetzliche Unglück wurde dadurch verursacht, daß der erste Paffagierzug zwei Stunden spät war und wegen Ausbesserung des BahnbetteS in der Nähe der Station Lawyer langsam fahren mußte. Der zweite Paffagierzug wollte auf demsel ben Geleise seine vorschriftsmäßige Zeit einhalten und fuhr mit gewöhnlicher Schnelligkeit. Hierdurch holte er den ersten Zug ein und fuhr in dessen Hin terthell mit großer Gewalt. Kongreßmitglieder u n zufrieden. Washington. D. C.. 29. November. Das Schicksal der Mannschasten deö farbigen Bataillons, welche jetzt sämmtlich, laut Ordre des Prüsiventen. .ohne Ehren" entlassen find, bildet ein fruchtbares Gesprächsthema unter den Kongreßmitgliedern, welche bereits in ganz ansehnlicher Zahl hier eingetroffen find. ES wird unter An derem viel davon geredet, daß Bills eingereicht werden sollen, um dieselben zu penfloniren. denn die Sympathien der meisten Kongreßmitglieder find auf Selten der entlassenen Soldaten. Katholische Universität Amerika'S. Washington. D. S., 29. Nov. Der VerwaltungSeath der katholischen Universität von Amerika hat gestern seine halbjährliche Sitzung abgehalten, in welcher der Schatzmeister, M. Jen kinS. berichtete, daß die Universität, ob. gleich die ihr gewordenen Stiftungen nur $400,000 betlagen und ihre übrigen Einkünfte sich auf Kollektion in Kirchen beschränken, gänzlich schulden frei ist. Die im letzten Frühjahr günz ltch reorganifirte Fakultät der Universität hat sich, wie der Bericht deö Kar. dinals Gibbons, des Präsidenten des VervaltungSratheS, besagt, als in hohem Grade zufriedenstellend 'erwie sen.. Der VerwaltungSrath wird bis zur Mittagsstunde wjeder Sitzung halten und dann den Erz. blschof Falconi, den päpstlichen Dele gaten, nach Richmond, Va., begleiten, wo am Danksagungötage die neue Kathedrale zum Heiligen Herzen einge weiht wurde. Die Kathedrale ist ein der katholischen ttirch; von Herrn und Frau Th. F. Ryan in New York gemachtes Geechenk und eine der vier größten in den Ver. Staaten. Nur theilweise besriedi. g e n d. San Franziöko, 29. Novbr. Dr. D. L. BarrowS, Direktor deS ErziehungSwesenS der Philippinen, der gestern auf der .Siberia hier ange kommen ist, hat fich über die Verhält nisse auf den Inseln wie folgt auöge
sprochen: Der Stand der Dinge auf den Philippinen ist im allgemeinen
gut. Die allgemeine politische Lage ist zur Zeit besser denn je. Die Pio vinzialregierung liegt in guten Hün den. ES extftiren vierzig eingeborene Gouverneure für ebensovtele Provin zen; diese Gouverneure find würdige und intelligente Männer und haben auf den kürzlich in Manila abgeholte, nen Konferenzen ihr Verständniß der Situation auf den Inseln und ihre volle Würdigung der Stellung der Ver. Staaten bewiesen; fie verstehen und sprechen alle Englisch. Vom wlr'hschaftlichen Standpunkt betrachtet, ist die Lage der Dinge auf den Inseln indessen keine günstige, weil für den Zucker und den Tabak der Inseln, ihre Hauptftapelprodukte, kein Markt vorhanden ist. Jedoch ha. ben fie einen guten Markt für Eopra und Manila.Hanf, und aus diesen ziehen fie ihre Haupteinkünfte. Nordpolfahre r'S Hoff, n u n g. Chicago, 29. Nov. Walter Wellman. der kürzlich von Paris zurückkehrte, ist in seinem Glauben an die praktischeAuöführbarkeit deSPlaneS, per Luftballon den Nordpol zu erreichen. durch seine Beobachtungen während deS letzten Sommers auf der von seiner Ex. pedition eingerichteten Polarstation auf Spitzbergen wesentlich bestärkt worden. Er erklärt zuversichtlich, seine Erfah. runzen im letzten Sommer hätten ihn gelehrt, daß die geplante Ballonfahrt nach dem Nordpol sich leichter, als er angenommen hätte, werde ausführen lassen. Er sowohl als Major Hersey von dem BundeS.Wetterbureau haben durch ihre Beobachtungen auf Spitz, bergen die Ueberzeugung gewonnen, daß der Luftschiffplan die besten Aug. sichten auf Erfolge biete, ,3h tägli. chen Beobachtungen im Juli und Au guft hätten ergeben, daß der Nordpol in etwu 30 Stunden von dem Haupt quartier der Expedition auf Cpitzber gen per Luftballon hätte erreicht werden können. Die allgemeinen Witterung. Verhältnisse während ihres ganzen Auf enthalteS im Norden seien für eine Bal lonfahrt durchaus günstig gewesen. Wellman begiebt sich in zwei Wochen wieder nach Paris, um den Umbau sei neS lenkbaren Luftballons zu überwa. chen. Der Ballon wird beträchtlich vergrößert und mit sonstigen Verbesserungen, entsprechend den Beobachtun ge.r auf Spitzbergen, aukgerüftet wer. den. R i e s e n C o m vi Nation. New Orleans, La., 29. Nov. Mitglieder eines Comites, dem die Ausarbeitung von Plänen zur Vereinigung sämmtlicher Zuckerplantagen des Staates übertragen worden ist, be richteten gestern, daß das Betrieb?, kapital der neuen und mächtigen Com bination S23.000.000 sein wird und bereits zum großen Theil von der Leon Godchaux Co. garantlrt worden ist. Nach dem neuen Plan werden sümmt liche Zuckerplantagen von einer Controllbehörde. die Lagerhäuser und Raf. finerien in New Orleans errichten soll, verwaltet werden. Schießerei mit blutigem Erfolge. Leavenvorth, KanS.. 29 Nov. In einem Straßenduell mit Re volvern zwischen zwei Negern wurden heute Abend spät der Kohlengräber JameS Sanders tödtlich und der farbige Hülfsshertff Thomas Gray und der Neger Richard NicholS sehr schwer verwundet. NicholS und SanderS waren wegen eines KartensvieleS in Streit gerathen und als sie sich später auf der Straße trafen, zogen fie ihre Schießeisen und feuerten aus einander los. Gray. der deö WegeS kam und nichts mit den beiden Schießenden zu thun hatte, erhielt eine Kugel in den Unterleib. NicholS wurde in das Ge. süngniß gebracht, während Gray und SanderS schleunigst rn'S Hospital über, führt werden mußten.
3 Spezwl- Botschaften.
Bürgerrecht für Portorikaner ge fordert Washington, D. C., 29 November. Präsident Roosevelt hat von seiner Panamareise allerhand Ideen mitgebracht, deren wichtigste wohl die sein dürfte, daß er befürworten wiro, der Kongreß möge den Portorikanern das amerikanische Bürgerrecht zuge stehen. Der Präsident wird dem Kon gresse zwei Spezialbotschaften zusenden, außer der regelmäßigen, welche am nächsten Dienstag dem Kongresse zugehen wird. Eine dieser Spezialbotschaften wird vom 'Panamakanale, die andere von Portoriko handeln. Während der Präsident heute nicht direkt konftatirte. er werde in dieser Botschaft die Verlei. hung deö Bürgerrechts an die Portori, kaner empfehlen, so erklärte Herr Roosevelt doch in unzweideutkyster Weise seinen Wunsch, daß dieses Resultat erzielt werden möge. Er konfta. tirte, daß er durchaus davon überzeugt sei, die Portorikaner sollten Bürger werden, und was er dazu thun könne, um dieses Ziel zu erreichen, werde er thun. Die Panamabotschaft wird die Erfahrungen, welche der Präsident auf dem JfthmuS gesammelt, wiedersple geln. ES ist wahrscheinlich genug, daß der Präsident in seiner Panama Bot. schaft weitere gesetzliche Maßnahmen, den Kanal beziehungsweise die Kanal Verwaltung betreffend, empfehlen wird, obgleich er die? nicht direkt sagte. Ganze Familie vergiftet. A u b u r n, N. B.. 29. Nov. Die sorgfältigen Untersuchungen deS ganzen Hauses von William F. Wait, der mit sämmtlichen Mitgliedern seiner Familie schwer krank darnlederlieat. haben ergeben, daß alle in dem Hause vorhandenen Vorrüthe, wie Zucker, Thee. Mehl etc.. so mit Arsenik versetzt find, daß die Ursache der merkwürdigen Erkrankungen jetzt mit einem Schlage gefunden ist, wenn man auch über die Person deö Thäters noch im Ungewissen ist oder eS doch wenigsten? zu sein vorgiebt. Herr Wait ist ein Mitglied der Teppichfabrikanten Firma Nye & Wait. Den Oelbaronen auf den Fersen. St. Louiö, Mo.. 29. Nov I. P. Hollis, der spezielle Vertreter deS KorporationS'BureauS unter I. R. Garfield, befindet fich hier, um Material für einen zweiten Bericht über die von der Standard Oil- und anderen Petroleum Gesellschaften in Missouri befolgten GeschüftSmethoden zu sammeln. Der erste Bericht, welcher auSschließlichTranSportirung öetraf, rührte von Herrn Garfield selbst her. Der HolliS'sche Bericht wird eine Statistik über den Marktpreis von Oel enthalten und wahrscheinlich dem Kongresse unterbreitet werden. HolliS hat dieser Tage eine Tour durch Texas, Kentucky, Tennessee und KansaS vollendet. Lokomotivführer auf seinem Posten er schlagen. Iowa City, Ja., 29. Nov. Ein mit Passagieren stark besetzter weftlich fahrender Eisenbahnzug der Rock Island Bahn durchsaufte mit einer Schnelligkeit von sünfzig Meilen die Stunde heute gegen Abend die weiten Lündereien deS Staates. Als der Zug fich dieser Stadt näherte und der Loko. motlvführer die Geschwindigkeit nicht abstellte, wurde der Lokomotkvheizer aufmerksam und ging in den Abtheil deö Lokomotivführers O'Brien, den er mit eingeschlagenem Schädel todt am Fenster liegen fand. Zuerst verlang samte der Heizer die Geschwindigkeit des Zuges und brachte dann denselben glücklich in die hiesige Station. Der Schädel deö Lokomotivführers O'Brien ist wahrscheinlich von einem Über das Bahngeleise reichenden Baum, aste zertrümmert worden. Ein heute veröffentlichter UkaS deS Czaren bestimmt, daß in allen Fabriken in Rußland die tägliche Arbeitszeit zwölf Stunden dauern soll, einschließend zwei Stundm zur Ein nähme von Mahlzeiten. Die berühmte Traber . Stute .Sweet Marie- mit einem Record von 2 Minuten 2 Sekunden die Meile, wurde beute im Madison Square Gar. den in New York an den Bankler E. T. StoteSdury von Philadelphia, Pa., für SI4.000 verkauft.
lNargnntk
fc;f. Ekizze von Carl A. TifeIWS. Du wunderst Mch, mein lkbtö Kind, daß ich heute Abend so düster und sorgenvoll bin? - Komm, rück' Deinen Stuhl näher an den meinen, setz' Dich hier ans Fenster, und laß uns ungestört im Halbdunkel plaudern. Du siehst die Rauchwolke von der Stadt gegen den rothen Abendhimmel aufsteigen und siehst die Bäume ihre großen, herbstgelben Blätter auf die Gänge und Rabatten der Boulevards streuen. Du siehst ben kalten, blauen Schein der Bogenlampen zwischeu den feuchten Zweigen und die Schatten der Baumkronen auf den stattlichen Fassaden, und Du wirst von einer Beklemmung, einer tiefen Melancholie Du weißt nicht, wes- i halb ergrlsfen. Du wunderst Dich wohl, daß ich an meine Seite hier ms Fenster eine Vase mit einfachen, vor der Stadt gepflückten Margueriten stelle, und daß ich die zarten Blumen mit den großen, ungetheilten Blättern der Klette umgebe? Susanne, lege Deinen Lockenkopf in meinen Schoß, und reich' mir Deine weiche Hand, dann werde ich Dir eine Geschichte aus der nächsten Umgegend der Stadt erzählen, eine Geschichte von zarten Margueriten und ungetheilten Kletten. Du hast die nächste Umgebung der Stadt gesehen, Du hast sie gerade da gesehen, wo die Straßen aufhören, und das von Klee duftende Land anfängt. Du hast die sich schnell aufthürmenden Häusercomplexe, weiße, prunklose Brandmauern gegen den Wiesengrund aufthürmen sehen, auf dem knorrige Apselbäume und grünende Weißdornhecken sich in schmalen Streifen zwischen dem grauen Gestein dahinziehen. Wo die Straße abschließt und der Landweg beginnt, steht die letzte Gaslaterne und beleuchtet spärlich und matt die wilden Blumen der Wiese und spiegelt sich im Wasser des Telches. Es ist, als sehne sie sich nach der Stadt, nach ihren Mitschwe stern im frohen, brausenden Leben da drinnen. Am Taae sind die Vorstädte ziemlich menschenleer. Auf den nächsten Wiesen siehst du die Kinder sich im Spiel tummeln oder mit runden Hän. den die glänzenden Blumen umfassend im Grase .sitzen. Auf den Straßen stehen Bierwagen oder fahren Milchkarren mit rasselndem Getöse vorbei. Dürftig gekleidete Frauen kommen und gehen mit ihren Handkörben oder Vlechflaschen. Hier und da lehnen sie sich über die Zäune oder stehen mit den Nachbarinnen plaudernd in den Einfahrten der Häuser. Aber am Abend, Susanne, ist da ein anderes Leben. Wenn die Sonne auf der Höhe hinter den Birkenkronen verschwindet und ein letzter Schimmer auf den hohen Schornsteinen der Fabriken und den Hausgiebeln ruht, legt sich eine leichte, ständig zunehmende Abenddammerung über die Straßen. Die Arbeiter streben mit schleppenden Schritten ihrem Heim zu. Der eine oder andere trägt einen Zimmerklotz oder einige Latten, die er vom Bau mitgebracht hat und als Feuerung verwendet. Dann sammeln sie sicö an den Straßenecken und stehen in eifriger Unterhaltung mit den Händen in den Taschen, oder man sieht sie in Hemdsärmeln an den offenen Fenstern sitzen. Die Kinderschaar wird von einer wunderbaren, plötzlich auftauchenden Freude ergrifsen. Es ist, als . wäre sie den Tag über unterdrückt und breche jetzt mit einem Male aus, eine laute, lärmende Freude. Unter lautem Schreien laufen sie wild durcheinander, die Straßen durchquerend, aus den Häusern polternd und in ihnen wieder verschwindend. Die Gaslaternen werden angezündet und beleuchten hier ein lachendes Antlitz, dort eine munter plaudernde Gruppe und durch den Lärm, das Geschrei und laute Lachen erschallt aus einem offenen Fenster die neueste auf einer Harmonika vorgetragene Varietemelodie. Jc, Susanne, dieses Bild hast Du selbst manch liebes Mal gesehen, wenn Du an einem Frühjahrs- oder Herbstabend zwischen der lärmenden Schaar dahineiltest. Glaubst Du nicht, daß es Elfen in der Welt gibt? Da weißt ebensogut wie ich, daß dies Kindermärchen-sind, und ich sehe Deine Lippen sich zu einem spötti scken Lächeln verziehen. Du hast gehört, daß Engel die kleinen' K:nder beschützen und ihnen in ihren Spielen folgen, und Du hast diesen Gedanken hübsch gefunden. Denke- Dir einmal, daß auch die zarten.tleinen' Wiesenblümlein ihre Schutzengel, ihre Elfen haben, die mit ihnen weinen und jauchzen. Susanne, auf der Wiese draußen neben jener Vorstadt Pflegten 1 zwei kleine Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, oft tagelang miteinander zu spielen. . ' . . ; Daö kleine Mädchen hatte dasselbe lickte. lockiae Haar wie Du, Susanne,
uno lyre Augen waren ebenso blas und strahlend wie die Deinen. 'Sie hieß Margarcta, und ihr Spielgenosse' eir. brauner kräftiger Junge hieß Erich. Dort draußen auf der Wiese, zwischen Veilchen und Glockenblumen, tummelten sie sie sich, und oft fand man sie. des Spielens müde, wie zwei Geschwister Arm in Arm eingeschlafen. Als der Abend sich über die Wiese senkte und alle die Tausende von Blümlein einnickten, glitten die Elfen, einem luftigen Nebel gleich, leise und vorsichtig, über Straßen und Gärten und hinn zu ihren lieben Spielgefährten. Da sah Margareta in ihren Träumen Erich, und sie spielten zusammen König und Königin und saßen auf einem riesengroßen Klettenblatt und hatten Kronen von Glockenblumen auf ihren Köpfen, und Erich sah sich auf dem Rücken eines wilden Füllens zwischen den Wiesenblumen umher, tummeln. Aber die schönste Blume war Margareta, und er hob sie zu sich auf das Pferd empor, und sie ritten hoch über die Birkenwand, weiter, immer weiter, bis zu dem rothen Streifen, der sich unter den blauen Wolken hinzieht. So vergingen die Jahre, und an den Sommerabenden pflückt Margareta ihre Namensoerwandte, die liebliche Marguerite, und während sie Blatt für Blatt aus der weißen Krone des Gänseblümchens zupft, denkt sie erröthend an sich. Uitd die Elfen antworten ihr mit einem jubelnden Ja. Aus der zarten Kleinen ist ein schönes junges Mädchen geworden, und gar viele sind der Augen, die ihrer feinen Gestalt mit Bewunderung folgen. Und Erich ist ein großer, starker Arbeiter geworden, wohl etwas eckig und formlos, aber die schwieli gen Hände geben einen treuen Handschlag, und das Herz, das hinter der rauhen Schale schlägt, ist einfach und unverdorben. Liebe Susanne, dort drüben auf dcr Wiese, wo sie als Kinder zusammen spielten, pflegten sie sich zu trefsen, wenn die Tagesarbeit vollendet war, und dann schlössen sich die kräftigen, schwieligen Hände um ein paar zarter, feiner, und alle Elfen aus den Kinderjahren standen mit Freudenthränen in den Augen da und lauschten den Schwüren und Gelübden, die sie einander gaben. Und die Elfen nehmen ihren Eid . und verwahren ihn. Aber die Pferde des reichen ' Mannes kommen trabend durch das enge Vorstadtaartier, und er, der die seurigen Rosse steuert, ist stattlich und schön wie ein Fürst, und die Augen strahlen von Jugend und Kraft Margareta, Margareta, sage, schlüpfen die Elfen nicht mehr zu Dir durch das halbgeöffnete Fenster, durch die einfache Tüllgardine und den blühenden Rosmarin? Siehst Du in Deinen Träumen nicht mehr das Bild Deines Jugendfreundes, Deines Verlobten? Du fährst im Traum zusammen!. . . Margareta Du sitzt in Deiner stolzen Equipage, und neben Dir hat der stattliche Reiter seinen Platz. Der reiche Mann aber liebt Murguerite, wie er sie nennt, und er läßt sie zu einer feinen Dame erziehen. Und dann, Susanne, schenkt er ihr seine Hand und führt de rröthende Gattin in seine prachtvollen Gem'ächer. Susanne die Blumen der Wiese können umgepflanzt werden Du kannst sie in den zierlichsten Blumenbeeten finden die Elfen verlassen sie aber, die Blume gedeiht nicht mehr; sie verwelkt und vergeht. Sie stirbt ab, denn die Elfen rufen sie zu stch zurück, zu ihren Wiesen und den kühlen Hainen. Marguerite schenkte ihrem Gatten eine Tochter die Schwermuth ergriff sie aber von Tag zu Tag mehr und mehr. Die Elfen, die ihren Eid hörten, riefen sie zurück. Hast Du geseh'n, wie dk Kletten in der Nähe der Stadt gedeftn? Hast Du geseh'n, wie sich die zarten Margueriten an die rauhen, ungetheilten Blätter ' anschmiegen? Auf der Wiese vor der Vorstadt fand man eines Morgens eine Blume . . . eine Blume, schön und fein, aber bleich und kalt. . . und an ihrer Seite mit durchschossener Schläfe, todt, wie sie, lag Erich. . Du weinst. Vater?" Susanne, 'küss diese Blume und weine mit mir. Denn die Blume, Margaret. . . Marguerite war Deine Mutter!"
Auö Todesfurcht Selbst, mord begangen hat die Frau eines gewissen Christian Jackle in Waterbury, Conn., die in einem Gehölz in der Nähe ihres Heimö leblos aufgefunden wurde. Sie hatte sich mit Karbolsaure vergiftet. Das Hinsterben von sechs ihrer neun Kinder und mehreren Verwandten, die alle der Schwindsucht erlagen, hatte die Unglückliche zu der Verzweiflungsthat getrieben. Sie glaubte, daß auch sie an der Schwindsucht dahinsiechen wurde, und zog es vor, selbst ihrem Leben schnell ein Ende zu machen.
