Indiana Tribüne, Volume 30, Number 84, Indianapolis, Marion County, 29 November 1906 — Page 6

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I Genug Derselben. Z n m r m e Dle Jahrleit hat slne Erkaltungen, Husten, Influenza, Heiserkeit, Bronchltis und Grippe. Siel derselben formen durch Vernachlässig!, und Wechsel des Klimat, aber Dr. August Koenig'i Brustthee ist eine prompte und sicher ffur und !n angenehmer Troft. Jfmr Im Original Packetmm, trmU 9Sc. b P QTTv WW W LEO LANDO, 142 N. Yennsyldanka Str. Sauptqnartter für Grillen &t Operngläser VrMen erden nach den bester Neüsdm den Eugen anzepaßl. 2Kttche Augen werden schmerzlos et inest. Dr. A. fl. iitta Teutsch Ihter.r,t Ofttt Schellhouse'iLeih.St 88 ft abasH Ji lelexhsue: Neu, Wohnung: liZlCfib eridi traße. euer "Ldon? 0S8ö' It. Proipect 1081. Karstadt Bros. Wampf-Färberei und Reinigungsanft ulr. Sanpt.Oflieet 1435 . JllwoiS Str. ranche: U9 Virginia Vve. 206 Jndiana Lve. 213 U Illinois, -vetd Vhoneß.. Aerzte. Dr. Paul F. Martin. praktischer Arzt und (fhirnrg. Sprechstunden: 11.00-ij.M o 4.00 Uaiia Lonntea: Auf Verabred una. Willoughb tZebSude, Nord eridla t?ae XtL, akn Mit: U,da: mm ,rd 9? et Jersey Str. relephon: Maln' ; 9ir S3S. Dr. J. A. Suteliffe. Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Recwm Krankheiten, Osfire : 155 Ost Market St. Tel 94, CflUfClnndcK bi 10 Uhr Cm.; I fiil 4 Uhr W vr. Carl Q. Winter Deutscher Vrzt. ehandeU all akut? d chronisch Krankheit Sveziell Nheunlatismus, Statutund FraneN'Krankheiten. (Office : 14 weft (vhio Straß. OffiStundm : 10 11 93m. 34 N OondtagS : 9.3010.30 Lm. Tel. neu 4i WsjLLSg: 1250 Nadisoa 'Uveun. Te;sn : lt. 2025.5!en, 9232.

Mmburmr

Gptikur

St. Pelersbmger Chronik. Die ftühe Polizeistunde und ihre Fol gen. Abstinenz. Polizei und Fis kuö. Die Sonntagsruhe. Zu viel Feiertage! Das Spielkarten Monopol. Wie viel in einem Mi, nisterium abseits fließen kann. Wieviel verdient ein Svielfliil)?

Damensvielnmmer. Das aebeim ' nißvolle Automobil. Petersburg. Anfang Nov. Das russische Liften ist überreich an Widersprüchen und die russische Regierung entspricht insoweit dem Volkscharakter, als auch sie heute verwirft, was sie gestern guthieß und morgen wieder darauf zurückkommen wird. Dieses Schwanken trägt nicht selten einen Zug von Gedankenlosigkeit, die sich unter den Konsequenzen einer Handlung nicht Rechenschaft ableat. Eines schönen Tages wird um mit minder Wichtigem zu beginnen die Polizeistunde der Restaurants um zwei bis drei Stunden früher als bisher angcsetzt. Bei einem so ausgebildeten Nachtleben, wie es besonders in den großen Städten Rußlands herrscht, war von vornherein vorauszusehen, daß der frühe Schluß der Restaurants unfehlbar Folgen haben würde, die früher oder später die Aufhebung der Verfügung nothwendig machen müßten. So kam es denn auch in kürzester Frist, aber mit gewissen Folgen der frühen Polizeistunde wird man noch lange vergebens kämpfen, nicht zuletzt mit den Spielklubs, die zu jener Zeit wie Pilze aus der Erde schössen und mit ihren is zu früher Morgenstunde geöffneten Thüren viele anlockten, die sonst viecht harmlos bei einem Glase sitzen gerieben wären, während jetzt sich zum Glase, das auch im Klub seine Rolle spielt, noch das Spiel gesellt. Die Trunksucht im Volke soll bekämpft werden, man. träumte sogar davon, die Restaurants an Feiertagen ganz zu schließen. Als dann die Frauen in den Fabrikvierteln daran gingen, das erlassene Verbot, Getränke Feiertags aus dem Hause zu verkaufen, da durch zu fördern, daß sie ihre kleinen Kneipen ganz schlössen, wurden sie empfindlich bestraft und nach kurzer Zeit wurde das Verbot, Feiertags GetränkeHandlungen zu öffnen, zurückgezogen, weil das Finanzministerium sehr bald mit dem Ausfall unzufrieden war. der sich im Branntweinmonopol spürbar machte. Als daL Verbot sufgehobcn' wurde, spielten sich komische Szenen ab. Die Polizei war nicht so rechtzeitig darüber informirt gewesen, wie die Weinhändlei und zwang diese, ihre schleunigst geöffneten Geschäfte wieder zu schließen. Damit unterstützte sie jedoch, ohne es zu wollen, revolutionäre" Handlungsgehilfen, die gerade umherzogen, um der geforderten Sonn tagsruh wegen offene Handlungen mit Gewalt zu schließen. Die Sonntagsruhe ist im übrigen nach und nach, wenn auch den Seiten der Ladeninha ber nur sehr widerwillig, eingeführt worden. So sehr man diesem men schensreundlichen Bestreben zustimmen muß, ebenso energisch muß man sich gegen die Tendenz verwahren, . die Sonntagsruhe auf die sehr zahlreichen russischen Kirchen- und anderen Fciertage auszudehnen. In Rußland wird an und für sich im Vergleich zu West europa sehr wenig gearbeitet.wenn man da noch die lange Reihe der Feiertage zu Ruhetagen macht, so wird das die Geschäftswelt sehr schädigen. abgesehen dsn den Hemmungen, die die Arbcit der Schule erleiden wird. Die Spielkarte7.fabrikatZon ist in Rußland StaatZmonopol. dessen liiru führung auf Katharina II. zurückgeht.' die die aus dem Verkauf der Spielkar ten gewonnenen Gelder dem von ihr gegründeten, groß angelegten Find:!Hause zugute kommen li:ß. Bei d:r russischen Spielwuth noch vor nicht allzu langer Zeit las ich. daß ein sibirischer Dampfer fei seiner Frachtliste mehrere hundert Kilo Spielkarten und nur etwa ?ehn Kilo Bücher aufführte ist diese humane Zuwendung alljährlich sehr groß, aber cS unterli'gt kaum einem Zweifel, daß die großen Summen, die der Spielkartenverkauf abwirft, nicht immer ihren Vestlmmungsort erretten. Warum sollte e5 hier weniger große Privattaschn geben als beispielsweise im Wegebau-Mini-sterium. wo nach offiziellen Angaben in den letzten Jahren nicht weniger als 23.300.000 Rubel unterschlagen. v:r untreut oder direkt gestohlen worden sind! Da wundert es einen nicht, von riesigen Summen zu hören die in den Klubs verspielt werden. Der Unter nehmer eines dieser Klubs und es handelt sich nicht um den größten hatte im verflossenen Jahr einen Rein gewinn von 180.000 Rubel. Bei solchen Einnahmen kann der Klub dann uch seinen Vorsteher 100 bis 160 Mark pro Dejour-Abend zahlen. Da neuerdings der Zutritt von Damen in die allgemeinen Spielsale der Klubs erschwert ist, so kommen die Klubdirektionen dem zarten Geschlecht auf andere Weife entgegen, indem sie besondere Damenspielzimmer schufen, in denen es, nach dem zu urtheilen, was mitunter in die Presse dringt, sehr lustig hergehen muß. Das Treiben in den Klubs kontrastirt schrecklich mit den Berichten aus den vom Hunger betrcf fenen Gegenden. Wie oft mag das Geld, das in den Klubs vergeudet wird aus Distrikten stammen, wo die Bc wsbner am üunaertvvbuS au Grundi

gehen!

Vor einiger Zeit tauchte zuerst in P: terhof. später auch in St. Petersburg ein geheimnißvolles Automobil auf. Die Legende ging, eö fei gepanzert, wechselte täglich seine Farbe und Rummer und lasse, wenn esin wildem Temvo durch die Strafen rase, eine Spur von revolutionären Aufrufen und Proklamationen hinter sich. Die Po lizei hat wiederholt auf das geheimnißvolle Automobil Jagd gemacht. Aber vergeblich wurden sogar Straßen mit Drahtgeflechten abgesperrt. Das revolutionäre Automobil entkam noch jeder Falle. Jetzt ist man dahinter gekommen, daß das Automobil unter Nummern, fährt, die von der StadtVerwaltung nie ausgegeben worden sind, aber trotzdem man im Geheimen alle Garagen abgesucht hat. ist man dem geheimnißvollen Kraftwagen nicht auf die Spur gekommen und nach wie vor saust er nächtlings, den Ruf derRe Volution auf die Straßen schleudernd, durch die Stadt. Stuttgarter Kunstchronik. .Sibirien" von Umberto Siordano im Hoftheater. Von der KonzertSaison. Manet- und MonetAusstellung. Stuttgarts. November. Das hiesige Hoftheater brachte ae stern schon wieder eine Neuheit, wenigstens für den Bereich des deutschen Sprachgebiets, daö dreiaktige Musikdrama Sibirien" von Umberto Gior dano, das bisher nur an auswärtigen Bühnen zur Aufführung gekommen, war. Das Werk, das reich an musikalischen Schönheiten ist, fand eine sehr freundliche Aufnahme, ohne es gleichwohl zu dem zu bringen, was man ei nen durchschlagenden Erfolg nennt, und es erklärt sich das leicht aus seine? Eigenart. , Sein Urheber gehört zu der Gruppe rerhältnißmäßia noch junger italieni-1 scher Komponisten, die sich Veristen rennen, und ist, speziell wie Mascagni, Leoncavallo, Puccini, ein Schützlinz ees HauseS Sonzogno, iu dessen preisgekrönten er auch zählt. Er hat kaum noch die Schwelle der Vier.ger überschritten und sich namentlich in seinem Heimaihlande und zum Theil 2nch in Frankreich durch die 1893 und 1899 entstandenen Werke Andrö Eheaicr" und Fedora" bekannt gemacht. Vlcich seinen Mitstrebenden giebt er die geschlossene Form dsr alten Oper., nicht aber das Prinzip des Belcanto preis und läßt seine sämmtlichen me lodischen Motive sich auf der Bühne entwickeln. Ist ihm das Orchester auch nicht mehr das konventionelle BegleitInstrument der früheren Zeit, so spielt :s doch grundsätzlich bei ihm nicht die ftolle. wie in den Wagnerschen Musikdramen, da dem Jnstrumentalkörpcr wesentlich die Aufgabe zugewiesen ist, die Handlung zu erläutern und sich an der Herstellung des für sie erfordernhen Lokalkolorits zu bctheiligcn. Der italienische Verismus bedingt seinem Wesen nach eine ganz besondere Urt von Textbüchern und vor allem' Stoffe, die Gelegenheit zu starken leibenschaftlichm Ergüssen und zu ausziebiger Stimmungsmalerei darbieten. Viordano hat es in dieser Hinsicht bei seinem jüngsten Werke nicht übel getroffen. Sein Textdichter Jllia, übrizens einer der Leiblibrettisten des Hauses Sonzogno, der u. a. auch das Luch zu Mascagnis Iris" geliefert hat. trägt uns in seiner dramatischen Dichtunq Sibirien" eine leidenschaftlich ticf bewegte Geschichte vor, deren Entwicklung nur in eiklem ganz scharf und charakteristisch gezeichneten Milieu knöglich ist. Eine Halbweltlerin auS Bi Petersburg folgt dem Geliebten ihres Herzens, einem jungen Offizier, nachdem dieser ihren Beschützer, einen jungen russischen Fürsten, getödtet hatte und zur Deportation nach Sibirien berurtheilt worden ist. Sie lehnt für sich und den Mann ihrer Wahl lange jede sich ihr darbietende Gelegenheit ,ur Flucht ab, weil sie ernstlich gesonnen ist, sich durch ein Leben der Buße und Sühne sittlich zu läutern und sich der ihr von ihrem Gatten entgegengebrachten reinen Liebe würdig zu erweisen. Und doch bleibt ihr schließlich nichts übrig, als au dem Gewaltmittel der Flucht zu greifen; selbst nach dem weltentlegenen Vcrbannungsorte ist die Geschichte ihres Vorlebens gedrungen und wird dort von der rohen und herzlosen Umgebung auf das empfindlichfle gegen sie ausgebeutet. Der Fluchtversuch mißlingt und von einem Flintenschuß der alarmirten Wache wird die büßende Heldin nicdergestreckt. . - Mit großem Geschick hat der Komponist die sich aus der Handlung ergebenden leidenschaftlichcnMomente ausgenützt, und nicht minder glücklich er weist sich in der musikalischen MilieuZeichnung, wozu ihm einerseits daö ausgelassene Leben in den Kreisen der St. Petersburger Jcunesse dor6e und andererseits das öde Vegetiren in dem tristen Verbannungsorte unter dem drückenden Himmel Sibiriens Gele aenheit gibt. Eine bedeutsame Aufgabe hat er dabei neben dem Orchester dem Chöre zugewiesen, der nur selten als das geschlossene Masscnglied auftritt, meist aber individuell scharf und streng charakterisirt wird, wie denn der eigentliche Clou des Werkes ein Gesangchsr im zweiten Akte ist, der, an ein alte Melodie der Wolgaschiffer sich an lehnend, ähnlich wie der Pila.erchor im

Äannyauier" anfangs ganz von rern

klingt, dann immer näher kommt, auf der Szene zur vollen Entfaltung ge lanqt und darauf wieder allmählich verhallt. W:nn trotzalledem der Tondichter mit seinem unfraglich interessanten und geistvollen Werke keinen tieferen Eindruck macht, so dürfte das daran liefen, daß er sich trotz all seiner Vorimt und seiner unleugbaren musika-lisch-dramatischen Begabung nicht stark genug erweist, den in dem modernen ÄeriZmus liegenden Zwiespalt auszu glichen; er bricht mit der alten Form und sucht dock seine Wirkuv mit ein:m Kunstmittel zu erzielen.' daS auf das innigste it dem Wesen dieser alten Form verwachsen ist. Das veristische Äusikdrama ist und bleibt bei all' seinen Fortschrittsbestrebungen gleich der cl!en Oper ein lyrisches Drama und kann das Mißliche seiner Kompromißform nur in Ausnahmefällen überwin den; daher die anscheinend befremdende Erscheinung, daß der italienische Verismus bei der großen Anzahl von cn '.schied cnen Talenten, die er ans Licht gezogen, und bei der nicht minder großen Anzahl von interessanten Arbeiten, die er zutage gefördert, doch nur zwei Werke von sieghafter Durchschlaaskraft hat cntstehm lassen: Mascagnis Cavallcria" und Leoncavallos Poaliacci". Die Aufführung des Giordanoschen Wcrk:3 verliif tadellos, vor allem wegen der großen Liebe nd Sorgfalt, die d:r vorzügliche musikalische Leiter d?r Vorstellung. Kapellmeister Band, seiner Vorbereitung gewidmet hatte. Geradezu glänzend war die erste Tenorpartie mit Herrn Bolz besetzt, auch die der Heldin hatte in Frl. Wiborg eine künstlerisch überlegene Vertretung gefunden und eine nicht minder vortressliche die des schurkischen Gleby in Herrn Neudörffer. Dabei war die Ausstattung in dem künstlerisch vornehmen Stil gehalten, der sich mehr und mehr zu einer rühmlichen Eigenart der hiesigen Hosbühne gestaltet. Die Konzertsaison wurde offiziell am vorigen Donnerstag, nachdem das Geplänkel der Künstlerkonzerte schon einige Wochen angehalten hatte, unter Hoftapellmeister Pohligs Leitung mit dem ersten Abonnementskonzerte der kgl. Hoskapclle im großen Saale der Liederhalle eröffnet. Zur Erinnerung an Robert Schumanns 50. Todestag wurde dessen Manfredmusik in Konzertform zur Ausführung gebracht, d. h. so, daß die Musiknummern vollständig zu Gehör gelangten unter ZuHilfenähme eines verbindenden Textes und einer Rezitation der Hauptszenen durch Mitglieder des Hoftheaters. Die Rolle des Manfred sprach dabei als Solist" des Abends (denn thatsächlich handelte es sich um ein Solistenkonzert) Herr v. Vossart und zwar mit derselben virtuosen Beherrschung der Sprachtechnik wie vor nunmehr 30 Jahren, als unter seiner Mitwirkung die grandiose Byronsche Tragödie zum erstenmal auf die Bühne des Frankfurter Stadttheaters gebracht wurde. Der Stuttaatter Gallerieverein hat seine diesjährigen Wintcrveranstaltun gen mit der Ausstellung einer Reihe hervorragender impressionistischsr Werle aus der Sammlung des ehemaligen Pariser Sängers Faure im Festsaale des Museums der bildenden Künste eingeleitet. Die ausgepellten Werke, es sind im Ganzen 24. rühren sämmtlich von den beiden Begründern des ! Impressionismus, Manet und Monet, her und sind meistens frühere Arbeiten derselben; es befinden sich unter ihnen besonders einige sehr interessante Figurenbilder. . . mm Der Hunger nach Ealz. In der öffentlichen Jahressitzung deö Institut de France" hielt daS Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der Profez'sor der Physiologie an de: Sorbonne,' M. Dastre, einen interessanten Vortrag über die biologische Rlle, die daö Salz im menschlichen und thierischen Organismus spielt, und kam dabei auch auf die tiefeingreisende Wirkung zu sprechen, welche das Bedürfniß nach Salz bei Mensch und Thier auslöst. Der Pariser Gelehrte führte unter Anderem aus: Das Blut ist, wie man weiß, eine stark gesalzene Flüssigkeit, und zwar hat es einen zehn Mal so großen Salzgehalt als die ander, thierischen Gewebe. Beim Menschen und den höheren Wirbelthieren enthält ein Liter Blut etwa 8 Gcamm Salz. daS ist genau so viel wie der Salzgehalt der Ostsee, aber viermal weniger als de? der anderen Meere. Den fleischfressenden Thieren gibt das Blut, daS sie in ihrer Nahrung auf nehmen, das Salz, dessen sie bedürfen. Ebenso war es bei den primitiven Völkerstämmen, denen das unausgeblutete Fleisch der Thiere als Nahrung diente, und die ausschließlich von der Jagd und dem Fischfang, lebten. Eines TageS in der Geschichte der Menschheit wurde das. Salz entdeckt. Sein Entdecker ist jener entfernte Vorfahr, der die Jagd und den Fischfang aufgab, um sich dem Ackerbau zu widmen. Ein denkwürdiger Moment in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, der den Uebergang vom Noma-den-und Hirtenleben zum seßhaften Leben deö Ackerbauers bedeutet. Die AnziehungZkraft. die das Salz aus den Menschen auöübt, wird zu inem tyrannischen Bedürfnis bei denjenigen Individuen, die eine Zeitlang eine auSschließlich? vegetabilische Nahrung ge- - f

nossen haben. ES ist daher nicht ver-.-vunderlich. daß der Hunger nach dem Salz zu allen Zeiten einer der Antriebe der menschlichen Thätigkeit gewesen ist. 'Um dieses Bedürfniß zu befriedigen, hat sich die Menschheit abwechselnd betriebsam und gewerbthatig und dann wieder grausam und wild gezeigt. Unwissende Wilde haben eine Art rudimentärer Chemie erfunden, um aus dem Schlamm der tropischen Wurzelsäume die kostbare Substanz zu ge- , winnen. Hirtenvölker haben mit ein- ' ander blutige Kämpfe um den Besitz von Salzlagern ausgefochten, und Tacitus spricht von germanischen Stämmen, die mit den Waffen in der Hand sich um den Besitz der Salzquellen stritten. Besonders unter den ackerbautreibenden Völkerschaften, die weit ab v.?m Meere leben, in Gegenden, in denen die natürlichen Salzlager selten sind, wird die Begierde nach dem kostspieliaen Gewürz außerordentlich beftig. So berichtet der schottische Afrikareisende Mungo Park, daß die Reger von Sierra-Leone Alles, waZ sie besaßen, selbst ihre Frauen und ihre Kinder, für eine Handvoll Salz hergeben wollten. Die Thiere sind nicht weniger gierig auf der Suche nach dem Salz, und ihr Instinkt leitet sie stets auf die richtige Fährte. Die

Rennthiere des Lappländers, die Hirsche und Rehe, die Gemsen, sie alle wissen das Salz zu finden. Die amerikanis.hen Büffel unternahmen zu gewissen Zeiten des Jahres riesige Wan derungen zu den Salzquellen oder Salzagern, und mit Hilfe ihrer Fähr te war man dann im Stande, diese 'Salzlager aufzufinden. Das Bedürfmß nach Salz erzeugt, wenn es nicht erfüllt wird, eine Art körperlich: Unbehagens, das man nicht besser als mit 5unger und Durst vergleichen kann. Es drückt die Verarmung des Blutes an Chlornatrium aus. Der Durst ist ei.te Folge des Mangels an Wasser, d:r Hunger eine Folge des Mangels an organischen Substanzen. In allen drei Fällen hat die Veränderung, der JlutZlüssigkeit ihre Rückwirkung auf alle Bestandtheile, die vom Blut umflössen und ernährt werden, besonders auf das gcsammte Nervensystem. Daher kommen tat gleichzeitig gebieterischen und unbestimmten Sensationen, die sich gleichsam wie ein Schrei von allen Punkten des Organismus erheden, um nach der fehlenden Substanz zu verlangen. Die Aufnahme des Salzes ruft im Munde eine angenehme Empfindung hervor, und zu gleicher Zeit bewirkt das Eindringen des Salzes in das Blut das Ende des Unbehagens. Das Verlangen der Natur itt erfüllt. I Erzbischof Farley winkt rother Hut. Erzbischof Aversa, der apostolische Delegat für Cuba, der auf dem Dampfer Prinzeß Irene" von seiner Romreise zurückkehrte. hat die Erklärung abgegeben, daß Erzbischof Farley von New Aork zweifelloS in Bälde zum zweiten Kardinal Amerikas ernannt werden wird. Der kubanische Erzbischof hob hervor, daß er diese Erklärung allerdinaS nicht amtlich als Vertreter deS Hl. Stuhles abgeben könne, daß er aber während seines Aufenthalts in Rom den Eindruck, daß ErzbischofFarley nicht lang: auf diese Ehrung zu warten haben werde. gewonnen habe. I Ein hervorragender Deutscher. Carl Weitz. ist in de: Jowaer Staatshauptftadt DeS Msinci im Alter von 81 Jahren gestorbm AuS Schotten in der hessischen Provin , Oberhessen gebürtig, erlernte er draußen das Zimmermannshandwerk, muß te als großherzoglich hessische? Tolda den Feldzug gegen die zweit badisch Revolution mitmachen und wu?de v einem der Gefechte verwundet. J-j Jahre 1850 wanderte er ach Amerik aus und wenige Jahre darauf ließ c sich in Des Moines nieder. Dort hc' er sich als Bauunternehmer empöre arbeitet, worüber der Jowaer Staat? Anzeiger" in Deö MoineS schreibt Viele der größeren Gebäude der Stad sind von ihm gebaut worden und steh:-, als Denkmäler seiner Baukunst da. I Bank und sonstige Finanzkreise teht sein Name hoch angeschrieben, d eine vieljährige Thätigkeit und Spa ' amkeit ihn zu einem der wohlhab:n' ten lschäftSmänne? der Stadt mae. Von 1886 bis 189O war HWeitz Mitglied US StadtratheS, u zwar wurde er als Deaokrat in txr Ward erwählt, die vorhe? ei demokratische Mehrheit abgegeben fr te. Als Mitglied deS Etadtrathei Hz er bedeutende Einfluß. Seit fü Jahren war er Vizepräsident der G? man SaviNgs Bank irnd Allisnör v drei andnen Banken. Er war Mi glied der Odd Fellow und Yythia RHter-Logen und bracht es in ihnr zu hohen Veamtenstellen, auch war i Ehrenmitglied d8 Turnvereins. Gattin, sieben Kinder und acht Enkil trauern um ihn. Ein hessischer Thronfolg e r. Die Großherzogin von Hessen wurde laut Bericht aus Darmstadt am 8. November von einem Prinzen glücklich entbunden. Mutter und Kind befinden sich wohl. Die jetzige hessische Großherzogin, geborene Prinzessin von Solms-Hohensolms-Lich,.ist die zweite Gattin des Großherzogs Ernst Ludwig. Die Ehe wurde am 2. Februar 1905 aescklossen. Inserat. Hier ist ein Zimmer zu vermiethcn für Studenten, mit Aussicht auf die Kirchthurmöuhr.

Europäische Nachrichten. VMtcrdcittsche Staaten. Braunfchweig. Wilhelm Schreinert, GLttingersir. 19, beging vor Kurzem sein 25jähriges Jubiläum als Bureauvorsteher bei dem Konkursverwalter Mielzner. Ei sen ach. Durch Versagen des Fahrstuhles verunglückten hier die Gepäckträger Hildebrand und Kitt. Beide' erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Großenheidorn. Hier wurde durch einen Blitzstrahl das Wohn wesen des Butterhändlers WaßmanZ getroffen und total eingeäschert. G u st e n. Von einem Personenzuge überfahren wurde auf der Südfeite des Hettstedter Bahnhofes der Heizer Staroß von hier. Mit dem Oelen seiner Maschine , beschäftigt, hatte er das Einfahren des Personenzuges überhört. Der Verunglückte ist alsbald seinen schweren Verletzungen erlegen. Jena. Ein schwerer Unglücksfall ' ereignete sich in der Familie Scherneck hier. Das zweijährige Mädchen war auf einige Zeit sich selbst überlassen geblieben; als die Mutter nach dem nahen Felde ging, schlummerte die Kleine friedlich in ihrem Vettchen. Nach der Rückkehr bot sich der Frau ein entsetzlicher Anblick: das Kind hatte Un Kopf durch das beschädigte Bettgitter gezwängt, hatte sich nicht zu befreien vermocht und war erstickt. K o b u r g. Dem in weiteren Kreisen bekannten Arzt und Schriftsteller Geheimrath Professor Dr. Max Breitung ist vom König von Spanien der Jsabellenorden, mit welchem der Adel verbunden ist, verliehen worden. Oldi sieben. Vor Kurzem ereignete sich beim Tödten eines Rindes mittels-Schußapparat ein Unfall dadurch, daß, als der Schlag nach dem Apparate geführt wurde, das Thier unruhig wurde, der Apparat sich verschob und der Schuß dem danebenstehenden Sohn des Fleischermeisters Koch in die Brust traf. Rudolstadt. Von einem schweren UnglLcksfalle wurde auf dem hiesigen Vogelschießplatze der Bürgermeister Merboth aus Cordebang betroffen. Infolge heftigen -Sturmes löste sich von der Schützenhalle ein Fahnenknopf, der ihm so unglücklich auf den Kopf fiel, daß er einen complizirien Schädelbruch erlitt. Der Schwerverletzte mußte in die Jenaer Klinik übergeführt werken. Stadthagen. Beim Bau eines Schornsteins auf dem hiesigen Georgschacht hat sich ein schweres Unglück ereignet. Ein 42 Meter hober Gerüstbau rik mit den darauf befindlichen

'Arbeitern ab. Während ein Arbeiter sich an vorstehenden Klammern festhalten konnte und er zweite auf ein 5 Meter tiefer liegendes Gerüst fiel, ! stürm te der Schornsteinbauer A. Rhede !üus Gieboldebausen mit dem Gerüst i in die Tiefe. Er erlitt einen Schädeloruch und war sofort eine Leiche. Kessen-Zarmlladt. Darmstadt. Hier hat sich die 29 Jahre alte Helene Kompinski aus Warschau, welche in Wiesbaden zur Kur weilte und unlängst zu ihrem dahier in der Mollerstraße wohnenden Bruder zu Besuch gekommen war, in dem Zimmer ihres Bruders während des letzteren Abwesenheit mittelst eines Revolvers erschossen. Körperliches Leiden war die Ursache der unseligen That. VadNauheim. Der 25,000. Kurgast, Mr. E. A. Dorsey aus Baltimore. in Schuckhardts Privat-Hotel wohnhaft, wurde letztens angemeldet. Dieburg. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich kürzlich in hiesiger Stadt. Beim Spielen mit Kameraden fiel nämlich der zwölf Jahre alte Schulknabe Weber, ein Sohn des Maurerö Jof. Weber, in die Gerfprenz und ertrank, obwohl alsbald Hilfe zur Stelle war. roB ' A ! e v e r a u. nas 129renzeichen für Mitglieder freiwillige? sftuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, Johann Philipp Daub. L.. ngsdorf. Hier wurde die Frau des Zimmermeisiers Bausch beim Melken von einer cusschlagenden Kuh so schwer gegen den Unterleib geschlagen, daß sie sofort todt zusammenfiel. W o r m s. Kürzlich ertran? in der Nähe der Stadt beim Baden im of fenen Rhein der auf der Wanderschaft befindliche 17jährige Schlosser Al bert Giesemann aus Bildstock, Kreis Saarbrücken. Sein Reisegefährte konnte ihm keine Hilfe bringen, weil er des Schwimmens unkundig ist. Sachsen. Dresden. Eine reiche Erbschaft ist der Stadt wieder zugesallen. Es handelt sich um die ansehnliche Sum me von 850,000 Mark, die der Privatmann Ernst Wilhelm Holberg der Stadt hinterlassen hat. Aus dem Vermachtniß soll eine Holberg-Stif-wng errichtet werden. Der Privatdözent sür Biologie an der hiesigen Thierärztlichen Hochschule, Dr. E. G. Kelling wurde zum a. o. Professor ernannt. Vor einiger Zeit beging der pensionirte Oberlehrer Heinrich Stiehler.Scheunenhofstr. 2, seir.50jähriges Bürgerjubiläum. Dem Jubilar wurde aus diesem Anlasse seitens des Raths und der Stadtverordneten ein Glückwunschschreiben übersendet.