Indiana Tribüne, Volume 30, Number 82, Indianapolis, Marion County, 27 November 1906 — Page 6

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iLnropaische Nachrichten. Frovinz Sctzreswig'Kokstein. Schleswig. Vor kurzem hxt ren es 40 Jahre, daß das hiesige Insanierte - Regiment v. V!anstin (Schleswigsches No. 84) besteht. Alte na. Ein furchtbares Unglück ereignete sich in der Großen Nabenstraße in dem Stadttheil Ottensen. Der 7 Jahre ' alte Sohn des Cagarrenarbeiters Eckberg lief beim Spielen quer über die Straße direkt gegen ein vorüberkommendes Pftrd. Das Kind wurde zu Boden geworfen und durch einen Hufschlag des Pferdes auf den Kopf af der Stelle getobtet. E i d e l st e d t. Dem GemeindeVorsteher Hinsch wurde aus Anlaß des Kirchenbaues der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Der Orden wurde ihm ' gelegentlich der Einwei hung der Kirche durch den Generalsuperintendenien Wallroth überreicht. fflensburg. Beim Exerzieren im Manövergelände bei Loitkirkeby wurde der Füsilier Meyer vom hiesi gen 86. Regiment von einer Platz Patrone in das Gesicht getroffen und sofort getödtet. H u s u m. Vor. kurzem starb der auch in weiteren Kreisen bekannte Zeichenlehrer an der hiesigen Gewerbeschule. Friedrich Thomsen, im Alter von 65 Jahren. Er war ein vielseitig begabter Mann, der, als Lehrer. Zeichner, Maler und Architekt Vortreffliches leistete. Mancher schöne Bau in unserer Stadt, wie das RathHaus 'und die Volksbank, legt Zeugniß von seinem feinen Stilgefühl ab. 3 fe t b o t. Unser Feld - Artille-

rie - Reaiment No. 9 konnte kürzlich auf fein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde September 1866 aus Theilen der Feld - ArtillerieRegimenter 6, 7 und 8 (schlesisches. westfälisches und rheinisches) in Rendsburg errichtet. K l e v e. Das Gewese des Ziegeleibesitzers Frauenrath wurde ein Raub der Flammen. Das ganze Mobiliar ist mitverbrannt. Entstehung unbekannt. Neversdors. Hier brannte das Gewese des Schmiedemeisters Bornhöft total nieder. Als das Feuer ausbrach, war nur die Tochter des Schmiedemelsters lm Hause. Da nicht gleich ausreichende Hülfe zur Stelle war, wurde vom Inventar nur wenig gerettet. Wie das Feuer entstanden ist, konnte nicht festgestellt werden. Stein feld. Dieser Tage beginaen die Vbeleute Käselau im Hause ihres Schn)iegersohues, des hiesigen Gemeindevorstehers Rusch, das Fest ihrer goldenen Hochzeit, zu der jtch fast die ganze Dorfgemeinde sowie zahlreiche Gäste aus der Umgegend eingefunden hatten. -F'roVinz Schresten. Ares lau. Vor einiger Zeit feierte der Juwelier H. Brieger, hier, Riemerzeile 18, sein 50jähriges Jubilaum als hiesiger Bürger und zugleich das 50jährige Bestehen seines Geschäftes. Der 26 Jahre alte Bootsmann Gustav Gabel stürzte beim Lichten eines Ankers in der Nähe des Zoologischen Gartens in den Strom und ertrank trotz aller Rettungsver suche. Antoniebütte. In der Gottessegengrube verunglückte der Schlepper Valentin Jucha aus Rosdzin. Veim Füllen vor Ort loste sich am Unterstoß des Pfeilers ein Stück Kohle von der Firste ab und fiel auf Jucha. Er erlitt einen beiderseitigen Oberschenkelbruch und Quetschungen des Brustkorbes. Jn's Bielschowitzer Knappschaftslazarett gebracht verstarb :r alsbald. Bogutschütz. Zu Tode verunglückt ist auf der Ferdinandgrube der Häuer Karl Michalski von hier, indem er von herabstürzenden Kohlenmassen erschlagen wurde. Michalski war seit einem Jahr verheirathet. D o b i s ch a u. Die Häuslerauszügler Johann und Ursula Koschella'schen Ehelcute begingen in vollster Rüstigkeit die Feier der goldenen Hochzeit; dem Jubelpaar wurde das Gnadengeschenk des Kaisers überreicht. Oels. Nach längerem Leihen statb im 77. Lebensjahre der Ehrenbürger unserer Stadt, Justizrath Petrsens. Seit dem Jcchre 1860 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an, bis ihn im vorigen Jahre ein Augenleiden zwang, dies Ehrenamt niederzulegen. . Petersdors. Durch Abkratzen einer am Fuße befindlichen Warze hatte sich der 7jährige Sohn des hiesigen Stellen - Besitzers Meyer eine Blutvergiftung zugezogen. Die Folge davon war, daß der Fuß und das Bein unförmlich anschwollen und eine Ueberführung des Knaben in daS Glogauer Krankenhaus nothwendig wure. Ra t i b o r. Letztens starb in Trebnitz der Gymnasialdirektor a. D. Ge heimer Regierungsrath Professor Dr. Radtke, der bis vor kurzem Direktor des hiesigen evangelischen Gymnasiums war. Steinau. Bäckermeister Joseph Kohle beging mit seiner Ehefrau Sophie das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare wurden manigfache Ehrungen erwiesen. Provinz Fofen. Posen. Selbstmord verübte der Rtftoitratatt Koszewski. Gneisenau-

strake 41. indem er 'sich eine Kugel in

die Schläfe schoß. Schwer verletz! wurde er nach dem Stadtkranienyaus gebracht, wo er nach seiner Einlieferung starb. Bromberg. Vor einiger Zeit feierte die Grünauer'sche Buchdruckerei Richard Krahl ihr hundertjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß gelangte eine Festschrift zur Ausgabe, die den historischen Entwickelungsganz des Unternehmens in Wort und Bild schildert. Im Verlage der Firma erscheinen die Ostdeutsche Presse" im 30. Jahrgange, die Bromberger Zeitung" und der Ostdeutsche LokalanZeiger". H o h e n s a l z a. Ein schwerer Unglücksfall hat stch auf einem Gut bei Dt.-Krone zugetragen. Oberleutnant Freiherr v. Schimmelmann von dem hier garnisonirenden Infanterieregiment No. 140, welches bei Dt.Krone im Manövergelände lag. wollte auf einem Gut einen zahmen Hirsch photographiren. Das Thier wurde plötzlich wild, erfaßte den Offizier mit dem Geweih und brachte ihm schwere innere Verletzungen bei. In hosfnungslose.m Zustande wurde der Verunglückte ins Garnisonlazarett nach hier gebracht. Der Bursche des Leutnants kam mit leichten Verletzungen davon. P l e s ch e n. Vor kurzem wurde auf dem Malinier Gelände unweit von hier hinter einem Roggenschober die Leiche des Stellmachermeisters Rauhut aus Deutsch-Koschmin gefunden. Neben der Leiche lag u. a. ein kleines Fläschchen mit ,der Aufschrist Gift", ferner ein neuer Revolver. In den Taschen fand sich auch ein Brief vor. in dem Rauhut ungefähr folgendes geschrieben hat: Ich habe mir das Leben genommen, weil N. mir den Holzplatz gekündigt hat und weil mir N. die Arbeit nicht mehr gibt und weil endlich ein Dritter ihn um 1000 Mark betrogen hat. Meine Toch ter thut mir sehr leid. Mitleidige Menschen werden mich finden und beerdigen." Es liegt wahrscheinlich Selbstmord durch Vergiftung vor. m Samotschin. Beim Wasserschöpfen ertrank in der Netze in der Nähe von hier der Flößer Karl Janetzki aus Tcebitsch (Neumark). Die auf seine Hilferufe gemachten Re!tungsversuche mißlangen. . -Arovinz Sachsen. Magdeburg. Ihre, goldene Hochzeit begingen vor Kurzem die Dachdecker Schulze'ichen Ebeleute (Schmiedehofstraße 13). Nachdem dem Jubelpaare viele Auf-ierksamkeiten von Verwandten 'und Freunden erwiesen waren, fand in der Heil. Geistkirche die kirchliche Feier statt. Aschers leben. Der Musikmeister Friedrich Münter. der älteste Bürger unserer Stadt, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. B i t t e f e l d. Auf der Kohlengrube Hermine" stürzte der 20jährige Arbeiter Franke von einem KohlenHaufen herab und brach das Genick. Der Verunglückte war sofort todt. Frey bürg. Zum Goldenen Geschäftsjubiläum stiftete die Sektfirma Kloß und Förster 60.000 Mark für ihre Arbeiter und Beamte zur fofor tigen Vertheilung, und 5000 Mark überwiesen die Inhaber dem Fonds eines hier zu gründenden KrankenHauses. G u t e r o d e. . Die unverheirathete Schwester des hiesigen - Landwirths R. Schäfer glitt auf der zum Boden führenden Leiter aus, stürzte herab, fiel auf einen Holzstiel und erlitt dabei schwere innere Verletzungen. Sie wurde in das Krankenhaus der barmherzigen Schwestern nach Heiligen stadt geschafft, wo sie kurze Zeit nach der Operation starb. Merseburq. Bei emer Spielerei auf der Drehscheibe des hiesigen alten Güterbahnhofs gerieth der Tlschlerlehrlmg Kummer m das Getriebe, wobei ihm der Fußknöchel des linken Beines zerquetscht wurde. Der Verunglückte wurde nach Halle in die Klinik geschafft. Neu - Gerste Witz. Auf der hiesigen Grube ezplodirte ein Benzolkessel der Wachsfabrik. Das Feuer r j . I . . (V . . Ierie vie ganze aorir ein. Rehmsdorf. Tödtlich verunglückt ist auf Grube Neuglück unweit von hier der 61 Jahre alte Arbeiter Aug. Hähnchen aus Techwitz dadurch, daß er in einen zur Brikettpresse führenden Trichter fiel und von nÄhfallender Klarkohle verschüttet wurde. Schinne. Das Ehepaar Christian Schulze feierte kürzlich die goldene Hochzeit. Immer im Beruf. Wirth: Sie Anna, wer hat denn den Glaskrug gehabt, da sind ja eine Masse Fliegen 'neing'sperrt?" Kellnerin: Dös hat g'wiß wieder, der Herr Gcndarmeriecomman dant to' aus Gewohnheit!

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Seriiner Vtauderoi.

Berlin. 6. Nov. 1906. In der Krankenküche an der Brüderstraße wird in der nächsten Zeit sicherlich ganz besonders gut gekocht werden, denn dem Institut ist am letzten Freitag eine große Einnahme zugeflossen, die Einnahme, die Geraldine Farrar 'mit ihrem Abschiedskonzert erzielte. Wenn man berechnet, daß im großen Saale der Philharmonie auch nicht ein Stchplätzchen unbestanden und kein Stuhl unbesetzt geblieben xclt, daß die Logcnsttze mit zwanzig und die Parkettsitze mit fünfzehn Mark bezahlt wurden, dann wird man wohl begreifen, daß der Gewinnst aus der Affair: selbst in Amerika als ein imposanter angesehen werden würde. Mindestens so bemerkenswerth als die Quantität war aber die Qualität, des Publikums, desgleichen die Art. wie es sich der Konzertgeberin gegenüber benahm. Man hatte es da mit der Elite von Berlin zu thun, und oben in der Loge führten der Kronprinz und die Kronprinzessin den Beifall an. Und während der zweiten Zwischenpause mußte Fräulein Farrar gar bei den kronprinzlichcn Herrschaften geschwind eine Tasse Thee trinken, während die glänzende Versammlung ehrfurchtsvoll wartete. Am auffälligsten aber benähmm sich die iungen Mädchen, die Backfische, die Marie Lehmann ganz geschmackvoll als Ganscklein" bezeichnete. Sie versuchten, der Vortragenden immer näher zu rücken, sie brannten darauf, den Saum ihres Kleides zu streifen, und bei der dritten Zugabe verlegten sie ihr den Rückweg m's Künstlerzimmer derart, daß man fürchten mußte, der Sängerin würden die Kleider vom Leibe gerissen. Kurz, es waren Szenen, wie sie Ihrem Korrespondenten. der immerhin schon einigen Konzertaufführungen beigewohnt hat, kaum je vorgekommen sind. War das nun Alles reine Kunstbegeisterung? Unmöglich, denn die wahre Kunstbegeisterung wird selten so laut und so überschäumend; es war also sraglos ein enormer persönlicher Sympathiebeweis. auf den die kleine Farrar in der That stolz sein darf. Die Berliner haben sie offenbar fehr lieb gewonnen, und wenn immer sie in der Oper singt, hält es sehr schwer, einen Sitz zu bekommen. Daß an dieses Beliebtheit die unzweideutige Protektion von oben, die der jungen. Sängerin vom Beginn ihres Berliner Engagements zu theil geworden ist, einen gewissen Antheil hat. ist nicht ohne Weiteres anzunehmen. Bei der Kritik hat jene 5cotektion offenbar das Gegentheil brwirkt, denn in manchen Zeitungen werden der Farrar mit unbegreiflicher Konsequenz grade diejenigen Sängereigenschaften abgesprochen, die sie am meisten zieren. Auf keinen Fall aber ist Fräulein Farrar ohne eignes Zuthun in diese Position, Liebling des Publikums zu sein, hineingerathen. Nach ihrer eignen Angabe konnte sie so gut wie garnichts, als sie vor sechs Jahren, als achtzehnjähriges Mädchen, vor dem Intendanten Graf Hochbcrg Probe sang ; und sie war in hohem Grade überrascht, als man ihr trokdem sofort einen Kontrakt anbot. Zunächst konnte sie ihre Rollen nur in Italicnisch singen, und sie trat nur selten auf. Nach zwei Jahren war sie so weit, daß sie es mit dem Deutschen riskiren konnte, nun und jetzt spricht sie das Deutsche beim Singen einfach mustergültig aus. Und welch' großes Repertoire hat sie sich in diesen Jahren zugelegt! Dazu mutz sie wöchentlich mindestens dreimal singen. Also harte Arbeit hat sie gehabt, und wenn sonst nichts an ihr zu loben wäre, bliebe doch ihr Fleitz als Muster zu preisen. Und nun fährt sie morgen in's Land ihrer Geburt zurück, nicht ohne ein erwartungsvolles Bangen, aber doch auck mit einer guten Portion Zuversicht daß ihre Landsleute in ihren LeistuTl. fen Gefallen finden werden. Daran? zu wetten, dürfte man als a sur thing" bezeichnen. Zwei Tage vor ihrem Abschiedskonzert trat Fräulein Farrar noch einmal als Elisabeth im Tannhauser" auf eine Rolle, die ihr .lieber ist als igent eine andere ihres Repertoires. Ich ge stehe, ich sah ihrer Leistung mit denUnbehagen des Zweifels entgegen Wie sollte ihr, die darstellerisch un'. gesanglich sich durch Eleganz. Pikaterie und auch durch Virtuosität aubzeichnet, grade der Charakter der keuschen, unglücklichen Elisabeth liegen"? Aber die Zweifel begannen zu schwinden mit ihrer Apostrophe an die theure Halle". Das war zwar kein Heroinenhafteö Trompetengeschmetter, aber es war daS frohe Aufjauchzen einer züchtigen Mädchenseele, in die unverhofft ein Heller Sonnenstrahl gefallen ist. Jn dem Duett mit Tannhäuser ließ sie eine Innigkeit spuren, als wolle sie der Thatsache in's Gesicht schlagen, daß sie im kalten Boston geboren ist. Auf dem Thron sitzend verfolgte sie. den Sängerstreit mit solch' intensivem und doch diskretem mimischenAusdruck, daß man keinen Augenblick an ihrem völligcn Absorbirtsein von der Rolle zweifeln konnte. Aber in dem dramatischen Finale, da mußte sie doch scheltern, werden Sie' vielleicht denken. Im Gegentheil, da war sie grade erst recht überzeugend, da hatte sie zwar nichts von dem Heldenweibthum so mancher namhaften Elisabeth, aber sie war desto menschlkch-rUhrender. Von den. Gebet im dritten Akt aber muß gesagt werden, daß man eS nicht . mit grö

ßerer Aihemkuns! und. vouenverer phrasirt hören kann, als Fräulein Far rar es sang. Nimmt man nun noch die mädchenhafte Zartheit der Erscheinung, eine geradezu wundervolle Kostümi-

rung und die absolute freie, spontane ' Aktion hinzu, so kann man den Bei-' sallsiubel der Berliner begreifen. Aber ick glaube, erst in Amerika wird man über diese originelle und autzerordentlich reizvolle Verkörperung des Elisa-beth-Charakters ordentlich aus dem Häuschen gerathen, .denn dort zieht man schönes Singen und langen Athem auch bei Wagner dem Explodiren und zerhackten Schreien vor; auch ist man dort weniger tolerant gegen vierschrötige Heldenweiber in jungfräulichen Rollen. Nach ihrer Elisabeth kann man aber der Farrar ruhig anrathen, auch die Elsa und die Eva in ihr Repertoire zu ziehen. Aber von der Salome" soll man ihr abrathen. Richard Strauß wollte es ihr zwar, plausibel machen, daß sie sich für feine Schöpfung ganz besonders eigne, und der 'Erscheinung nach kann man sich in der That die derführerische Salome kaum besser verkörpert denken. Es existirt sogar eine Photographie der Farrar, Salome darstcllend, ein faSzinirendes Bild. Aber die Salome ist durchaus eine deklamatorische Parthie. und Fräulein Farrar ? wird nie ihre Stärke im Sprachgesang ' zu suchen haben. Bei der ersten Berliner Aufführung der Strauß'schcn Salome". am vierten Dezember, wird übrigens Frau Plaichinger die Salome stngen; bei der zweiten Fräulein Destinn. Die Woche war abermals mit musi--kalischen Genüssen bis an den Rand gefüllt, und auch der Begierigste vermochte lange nicht Alles zu schlürfen. Nikisch dirigirte im zweiten Philharmonischen Konzert Bruckncr's achte Symphonie, die hier vor zehn Jahren unter Weingartner's Leitung so gut wie gar keinen Erfolg gehabt hatte. Seitdem hat sich eine richtige Brucknergemeinde gebildet, die womöglich noch intoleranter ist, als die frühere Brahmsgemeinde: wer nicht mit anbeten will, wird mit Achselzucken als Ignorant abgethan. Trotzdem riskire ich die Behauptung, daß es in dieser achten Symphonie keinen Satz giebt, der ungetrübten künstlerischen Genuß gewährt. Es wimmelt von interessanten Einzelheiten, desgleichen von Wagner-Reminiszenzen, die theilweise bis hart an die Grenze des Erlaubten gehen, aber überall vermißt man Perspektive und Zielbewußtsein im Aufbau. Es ist. als schaue Bruckner durch ein kleines Loch in der Wand auf eine herrliche Landschaft hinaus. Er steh! nur schöne Einzelheiten, aber er kann den Zusammenhang des Ganzen nicht fassen, und was sich von all der Schönheit in seiner Seele widerspiegelt, entbehrt der idealen Symmetrie. Die meisten Zuhörer mochten zwar anderer Anficht sein, denn bellatscht wurde die Symphonie mit ordentlicher Vehemenz. Allerdings war denn auch die Jnterpretation, die Nikisch dem schwierigen Werke zu theil werden ließ, eine bewundernswürdige..' Nikisch ist und bleibt ein ganz meisterlicher Orchesterleiter. i Und dabei soll nicht unerwähnt bleiben. daß verschiedene Zeitungen die Nachricht gebracht hatten, wikisch werde sich demnächst von seiner Gattin scheiden lassen; ja, es wurde sogar der Name der Dame angegeben, die seine Zukünftige sei. Nikisch erwiderte ganz trocken, da er bei der Sache doch immerhin nicht unbetheiligi sei, hätte er eigentlich doch auch darum wissen müssen; das sei aber nicht der ?Zsall. ' und darum rathe er zur Vorsicht bei der Kolportage derartiger Gerüchte. Außerdem hatte er dann noch seine Frau selbst aus Leipzig mitgebracht: sie wohnte mit Freunden dem Konzert bei, und von Scheidungsstimmung war nichts an ihr zu bemerken. Die Skandalfreunde werden das nun zwar bedauern ; meinten einige doch gleich beim ersten Auftauchen des Scheidungsgerüchts: feht ihr wohl, Nikisch will doch nach Amerika! In demselben Philharmonischen Konzert ließ sich auch der nicht mehr ganz kleine Mischa Elman hören, d:r nunmebr sechzehnjährige Violinist, der vor ein!aen wahren dem kleinen Vecsey ocii uuunvimiuzi - yiuym jucuuj machte. Man darf Elman als reifen Künstler betrachten: er spielt die Violine wunderschön, er hat außer virtuoser Technik auch einen sinnlich reizvollen Ton. Vor Allem aber hat er das m s :Sk. - ra..i;. ri.:: ! ! richtige Virtuosentemperament. Ein . Wunder, daß noch kein Jmpressario ihn i nach Amerika gebracht hat. Von den brillanten Opern-. Virtuo-sen-und Orchesterkonzert - Genüssen flüchtete ich mich zweimal zu den keuscheren Kammermusikaufführungen: das Brüsseler und das berühmte Böhmische Streichquartett hatte ich mir ausgesucht. Rühmen sich die Amerikaner ihres Kneiselquartetts, dann wird ihnen meistens zu bedenken gegeben, daß ihre Begeisterung wohl vor Allem auf den Manael eines anderen Maßstubes zurückzuführen sei. Nun, ich habe die Brüsseler und die Böhmen gehört. . , habe aber von meiner Begeisterung für I das Kneiselsuartett nicht das mindeste eingebüßt. 'Das Brüsseler Quartett : setzt sich aus den Herren Franz Schörg. : Hans Daucher , Paul Miry und . Jacques Gaillard zusammen. Es steht mit Recht in dem Ruf, fein ausgearbe:tete Darbietungen zu gewähren. Mit Kleinigkeiten geben sich die Herren of-

senvar nuyr ao, ornn ryr Programm bestand aus Opus 130 (B-dur) und Opus 132 (A-moll) von Beethoven. Es war eine sozusagen mustergiltige Interpretation, musikalisch gediegen, in telligent und technisch nahezu vollendet. Nur wer noch Besseres gehört, mvch stch zu einer Einschränkung im Lobr veranlaßt sehen, er mochte jene allerhöchste Weihe vermissen, ohne die der letzte" Beethoven nicht recht lebendiz wird. Subscribenten der Kneiselquartettabende (deren einige zugegen waren) werden sich ferner noch größere Ton-, schönheit gewünscht haben. Dagegen strotzt das Spiel des Böhmischen Quartetts" förmlich von sinn licher Tonschönbeit. und wenn die 6er, ren eines ihrer nationalen Werke ausführen, bekommt diese Tonschönheit ordentlich etwas berauschendes. Mir wurde das Glück zu theil, als erste Nummer von den Böhmen sogleich das Smetanasche Quartett Aus meinem Leben" zu hören, und ich werde den Eindruck nicht so bald vergessen. Das war ein Schwelgen in Wohllaut, und bei allem Feuer bekam man eine Subtilität der Nüancen zu hören, die getröst als unvergleichlich bezeichnet werden muß. Ueberhaupt dürste es in der Interpretation solcher ' Temperaments" - Musik keine Organisation geben. die den Vergleich mit den vier Böhmen aushalten kann. Im vollen Sinne des Wortes kann man da von einem Verschmelzen der vier Jnstrumente zu einem reden. Und dabei hat das Quartett doch kürzlich seinen Brat- -schiften Nedbal verloren und sich dasür Herrn Georg Herold zugelegt. Er ist ein vorzüglicher Bratschist. Der erste beiger ist Carl Hoffmann..ein Mann. , der als Solist wohl kaum eine große Rolle spielen möchte. Aber wie sang" er die Cantilene im langsamen Satz! Joseph Suk. der bekannte Komponist, spielt eine sehr energische zweite Geige, und Professor HanS Wihan streicht das Cello. Es ist eine eigenartige Organisation, diese Böhmen, und man muß nun nicht glauben, daß sie bloß in ihrer nationalen Musik Außerordentliches leisten. Sie gaben am selben Abende noch das Veethoven'sche C-Dur Quartett aus Opus 59, und mit Arthur Schnabel zusammen spielten sie das kernige BrahmS'sche F-Moll Quintett. In beiden Werken hielten sie sich auf einer ganz beträchtlichen Höhe, die nur von wenigen anderen Quartetten behauptet werden kann; aber während sie in der böhmischen Musik unvergleichlich sind, haben sie in der Interpretation anderer Meister gefährliche Konkurrenten. Beethoven zum Beispiel kann etwas mehr Subtilit'ät vertragen, als sie ihm angedeihen lassen. Auf alle Fälle sollten die Böhmen einmal eine Amerikafahrt machen, und das Kneisel-Quar-tett sollte dann zum Ersatz, nach Deutschland kommen. Ich glaube, keine von den beiden Organisationen würde dadurch in ihrer respektiven Heimath an Wertschätzung verlieren, dem Publikum hüben und drüben würde aber ein kräftiger Stimulus für die Bevorzugung dieser vornehmsten aller Musik gegeben. Und wer besucht nun diese endlosen Berliner Konzerte? Leere Stuhlreihen bekommt man eigentlich nie zu sehen, wohl aber gehen ganze Kohorten gründsätzlich nur auf Freibillets in ein Konzert. Mit Ausnahme weniger auserwählt erzählen einem ja auch die Künstler, daß das Konzertgeben in Berlin eine kostspielige Sacke sei. Aber es werden doch immerhin ein paar Hundert Konzerte pro Saison gegeben, die thatsächlich ausverkauft sind, es wird also ein sehr beträchtliches Stück Geld für ernste Mustkaufführungen ausgegeben. Natürlich stellen die Fremden. Amerikaner und Engländer voran, ein gewaltiges Kontingent dazu, aber die Hauptbürde tragen immer die Berliner selbst. Und wenn man sich ihre Physiognomien ansieht, kann man sich's nicht verhehlen, daß nicht die Mo. de. sondern der ernstlich: Wunsch sie in's Konzert treibt, an den Wonnen de: edlen Kunst theilzunehmen. Sie mögen von Haus aus zwar nicht hervorragend musikalisch sein, aber sie können bei solch' treuem Konzcrtbesuch einer strengen musikalischen Geschmackserziehung garnicht entrinnen. Von jenen gedankenlosen, plappernden Konzcrtbesuchern, wie man sie in New Fork in Hülle und Fülle findet, merkt man nichts in Berlin. Und wehe Demjenigen, der sich vor dem Ende eines Stückes zu entfernen versucht: er wird derartig ausgezischt, daß er in seinem ganzen Leben keinen zweiten derartigen Versuch wagt. August Spanuth. Platt, der Schweren!?ther. Der alte Vundes-Senator Platt von New Z)ork hat ehelichen Schiffbruch erlitten. Die Gatten trennen sich und der alte Knabe setzt seiner jungen Frau eine Jahresrente von 10.000 Dollars aus. Es war ein alter Senator, Sein Herz war jung, sein Haupt war grau. Der reiche, alte Senator, : : Er nahm eine junge Frau. ' . O tempora. o mores, : ; Die Ehe ging kapores!

Wahres Geschichtchen. Wo ist denn Ihre Tochter. Frau Rath ?" Ach, die hab' ich in ein Bad schicken müssen, weil sie ihr ganzeZ Nerven k o st u m zernssen hat !

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