Indiana Tribüne, Volume 30, Number 81, Indianapolis, Marion County, 26 November 1906 — Page 3

Jndiana Müne, 26. November 1006

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JMcMban Zcit-Taöellc. I. U. T. Syge. 2 straft Montag, dm 1. Oktober 1906. Schnelle Durchzuge nach Fort Wa?ne. Schnelle Durchzüge nach Marion, schnelle Durchzüge nach Ptru Schnelle Durchzüge nach Lcgansxort. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Züge verlassen Indianapolis. R n ei e Marion Div ist on. Lavrence, Fortville, Pendleton, Anderson, Vorktown, Muncie, Middletoron, Rlezandria, Surmnitville, Fairmount, Gaö City, Joneö doro, Marion, Blufftsn und Union City.

4 00 rn. 1 05 Nm. 5 05 SSrn. 2 00 Nm. 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 Vm. 4 00 Nm. 8 00 Vm. 5 00 Nm. 9 05 Srn. 5 05 Nm. 10 00 Vm. 6 00 Nm. 11 00 Lm. 7 05 Nm. 11 05 Vm. 9 05 Nm. 12 00 MttgS. 11 30 Nm.

Limited. LoganSport & Peru Division. Garmel, NobleSville, Cicero, rcadia, Atlanta, Tipton, Kdkomo, Galvefton, Batton, LoganSport, Miami, Bunker Htll, yu und Elwood. 5 00 Vm. 1 45 Nm. 6 45 Vm. 3 00 Nm. 7 00 Vm. 3 45 Nm. 7 45 Vm. 5 00 Nm. V 00 Vm. 5 45 Nm. , 45 Vm. 7 00 91m. 11 00 Vm. 9 00 Nm. 11 45 Vm. 11 30 Nm. 1 00 51m. Limited. Seue spezielle Bedienung nach It. Wahne. Aüge verlassen Indianapolis um 7.-00 und 11:00 Uhr Lormittags und 3:00 und 7:00 K?r Nachmittag?, schnelle Fahrt nach Fort Wayne machend und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend wie auch in Toledo und Detroit mit den Dampfern, die auf den großen Seen nach Rackinac,' Buffalo und den Niagara Fällen TTufen, Verbindung machend. 11:30 Abeüd-Zuz nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. zjüge fahren nach Fort Benjamin Harri,,n um 6:45 Vm, 9:05 Vm, 11:05 Vm, 1:05 vm und 3.05 Nm. Weitere Information in der Office: Ter mal Gebäude. Phoneö : Neu, Main 6055; kllt, Main 175. Indianapolis & Qaftttn. Schnell Züge laufen nach Greensield, ntghtStown, New Castle,Eambridge Ciry, Sichmond, Dayton, Ohio, jede Stunde bis Uhr LbendS, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springsield, Colurnftni und allen centralen Punkten Ohio'S laufen, VerbindungZmachend. SbendZug um 11:30 Abends nach KnightS iaon. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055 Slt.Main 175. Indianapolis ck Martinsville. ach MooreSville, Bethany Park, Mar kmLville, Ind. Erste Morgm-Car um 5:10 Uhr Morgens. Dann von 6:00 Uhr Morgens jede Stunde 9:00 Uhr bendS. bend CarS verlassen die Jnterurban Station um 10:00, 11:30 und 11:50 Abend?. Vie 10:00 und 11:50 CarS fahren nur bis ttooreSville. Weitere Information in der Office : Ter inal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055 ; Slt, Mai 175. Indianapolis Coal Tractisn Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plawsield von 5:00 Uhr Morgen bil 7:00 Uhr AdendS. Abendzüge um 9 und 11 Uhr Abends. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055; lt, Mai 175. Indianapolis & Northwestern. SchnellZage nach Crawfordsville und Lasayette laufen stündlich von 6KX) Uhr Mor. genö bis 9:00 Uhr Abends. Anschluß in Lafaizette für Chicago und allen nordweft lichen Punkten. Der Zug um 10:00 Uhr AdendS fahrt bfo bis nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr Abends fährt bis nach Frankfort, Anschluß ia Lebanon für Crawfordsville ; derselbe fährt in der von tag Nacht bloS biS nach Lafayette. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6065; SU.Nain 175. M0N0N ROUTE. City Xdtt Office, 6 Nord Illinois Straße. Telephon 737. Nach Chicago über direkte Linie. Abfahrt von Indianapolis 7:00 Vorm. 11:50 Vm., 3:35 Nm., 2:48 Vm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.50 Vm., 4.52 Nm. Bia Roachdale, Craufordsville und Lafayette, nach Chicago. Abfahrt 11:50 Vm. Ankunft 2:50 Nm. Michigan City. Abfahrt 7:00 Vm., 3:35 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. Monon Akkomodation. Abfahrt 5:15 Nm. Ankunft 9.00 m. ' Täglich. Nur Sonntag?. "

Afsgelder

Für die Verunglückten in anderen Zwecken

Gevaltige HolzauZsuir. Gesandtschast von kurzer Dauer. Cauada köudig ' Poftvertrag. New Borker StaatSzcitnug muß umziehcn.Mormo neuprästdeut verurtheilt. - Sohn verwundet Vater tödtlich. Beim Kartenlpicl tödtlich veranudet. Ehepaar todt aufgefunden.

Ueberschuß von vier Millionen. San Francisco, Ca!., 25. November. Wie man jetzt führt, hat das Hülf-comite noch $4,000,000 zur Verfügung, welche zur Unterstützung der Nothleldenden benutzt werden könn ten. und hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten, .um darüber zu berathen. in welcher Weise, dieses Geld verwendet werden soll, da eö sich herausgestellt haben soll, daß der Noth bereits b!Z auf solche Fülle gesteuert ist, welche derSorge der regulären WohlthütigkeitZ.Organi. sationen überlassen werden können. Allan Pollock soll sich dafür erklärt ha. ben, mit zwei Millionen von dem Gelde ein Hospital zu gründen, während Her. bert . Lato dafür ist. diesen Betrag den regulären WohtthätigkeltZ.Organi. sationen zu überweisen. Da unter allen Umständen die Wünsche derjeni gen Persönlichkelten berücksichtigt wer. den müssen, welche das Geld hergegeben haben, so steht ein definitiver Entschluß des Hülfscomites noch aus. Gewaltige Holzausfuhr. New Jork, 25. November. Nach einer von dem statistischen Bureau des Handelsdepartements veröffentlich, ten Mittheilung werden amerikanisches Holz und Holzprodukte nach allen Thei len der Erde exportirt. Die Folge da von ist ein stetiges und gewaltiges Anwachsen deS Exports. Während der ersten neun Monate dieses JahreS ist der Export von Holz und Holzwaaren um 33 Prozent größer gewesen, als in dem gleichen Zeitraume des Vorjahres; der Werth der in Rede stehenden Güter belief sich auf $59,000,000, während sich der ganze JahreSexport in der glei chen Waarengattung vor zehn Jahren nur S32.000.000 betrug. Hauptfach, lich werden Bauhölzer von hier ver sandt; die exportirten Möbel aber neh men in der Exportliste den zweiten Platz ein. Gesandtschaft von kurzer Dauer. , Washington, D. C.. 25. November. Dr. Jose Rosa PacaS, welcher kürzlich zum Gesandten von Salvador und Honduras in Washlngton ernannt worden war, hat die Bun deöhauptftadt, obwohl er er soeben dem Präsidenten vorgestellt worden ist, schon wieder verlassen, und man will in di plomatischen Kreisen wissen, daß er auch nicht zurückkehren wird. Durch den Friedens, und Handelsvertrag zwischen Guatemala. Honduras, Salvador und Costa Rica war unter Anderem auch vereinbart worden, daß sämmtliche Re publiken demnächst Gesandte nach den Vereinigten Staaten und Mexico senden sollten, welche beiden Mächte bekanntlich bei Streitigkeiten unter dm vier kleinen Republiken als Unparteiische sunglren sollen, und Honduras und Salvador hatten diesem Abkcmmen durch die Er. Nennung deö Dr. PacaS entsprochen. Man glaubt aber, daß eS wie früher dabei bleiben wird, daß die beiden Lün der nicht beständig in Washington der. treten sein werden. New Yorker Staa,tSzei tung- muß umziehen. New V o r k , 25. November. Behufs Erweiterung der Zugänge zur Brooklyner Brücke hat der New Yorker AbfchützungSrath das Land und das Gebäude der .New Yorker StaatSzel tung" zu rund S2.000.000 erworben. Oswald Ottendorfer kostete Land und Gebäude, als er Letzteres 1373 erbaute. zusammen 800,000. Die Staats. Zeitung hat . auf der Westseite der Elm . Straße das ganze Land zwischen der Duane. und der Pearl Straße erworben und wird dort einen zwölsftöckigen Neubau aufführen. B e i'm Kartenspiel t ö d t. lieh verwundet. T e r r e H a u t e, Ind.. 25. Nov. Der Kaufmann W. Ä. Watjon von Midland, Ind., liegt auf den Tod ver mundet in einem hiesigen Hospital und der bejahrte ttohlengräber Louis Shu ley, welcher Watson mit einem Schusse tödtlich verwundet hat vird inTower

San Francisco sollen zu benutzt werden.

Hill Kohlenbergwerk bei Midland von einer Anzahl Bürger scharf bewacht. Die beiden Männer hatten heute Nich mittag mit mehreren anderen Bekann ten Karten gespielt. Shuley war fort gegangen, aber unerwartet kehrte er zurück und ohne ein Wort zu sagen, feuerte er auf Watson, der blutüberströmt zu Boden stürzte. Shuley ging dann zu seinem Schwiegersohn und forderte 85, die er auch erhielt. Auf seinem Wege zum Bergwerk, zwang er einen Bekannten, ihm ebenfalls $5 zu geben, worauf er sich schleunigst in das Tower Hill Kohlenbergwerk flüchtete. Ehepaar todt aufge funden. Toledo. O., 25. November. Herr und Frau JameS Scott Mitchell von Salem, Mass., wurden heute Nacht in einem Logirhaufe in Bellevue, östlich von hier, todt aufgefunden. Der amt llche Leichenbeschauer Vermilye erklärte den Fall als einen doppelten Selbst, mord vermittelst Formaldehyde Gas. Spätere Besichtigungen der Leichen er. gaben jedoch, daß die Frau zuerst er mordet ist und der Mann sodann Selbstmord begangen hat. Das Ehepaar hat jahrelang zufam men gereift; die Frau wir als die PalmistM'Süngerin Ollie Courtland in vielen Staaten des Landes bekannt. Die Eltern der ermordeten Frau, Herr und Frau D. C. Chittenden in Salem, Mass., sind von dem Tode ihrer Tochter benachrichtigt worden. Der Grund des Mordes und Selbst, mordeö ist unbekannt. Sohn verwundet Vater tödtlich. Peoria. Jll.. 25. Nov. Eine Posse von Hülfssheriffs mit drei Blut. Hunden durchstreifen die mit dichtem Gebüsch bewachsenen Niederungen deS Illinois Flusses südlich von hier nach dem 21 Jahre alten Ed. Slifford. Der junge Mann gerieth heute Nachmittag mit seinem Vater Jsaac Clifford über Geldangelegenheiten in Streit, in des. sen Verlause er sehten Vater tödtlich mit einem Revolverfch'usse verwundete. Ed. Clifford entfloh daraus nach den Flußniederungen in der Näh.' von GlaSford, wo die Tragödie pafsirte. Mormonenprüfident v e r u r t h e i l t. S a 1 t Lake City. 25. Nov. Joseph F. Smith. Präsident der Mor. monengemeinschaft, erschien gestern Nachmittag im KreiSgerkcht und be kannte sich vor Richter Nltchle der Viel weiberei schuldig, worauf er zu einer Geldbuße im Betrage von 300 Dollars verurtheilt wurde. Der Herr theilt fein Eheglück mit 5 Frauen und erfreut sich eines Kinder. fegens von 43 Köpfen. Vor 33 Iah. ren legte er sich die erste, und vor 20 Jahren die fünfte Gattin bei. Sobald eine der Frauen den Jugendschmelz verlor, setzte er ihr eine jüngere an die Seite. Im Streite getödtet. E l P a s o , Tex., 25. November. In einem Streite zwischen mehreren Mexikanern und einem Kapitän und zwei GenSdarmen, welche dem AuSzah lungswagen der Mexlcan Central' Bahn als Wache beigegeben waren, wurde der hier wohnende Manuel Ba. retta heute durch einen Bojonettstich auf der Stelle getödtet. T!e Genödar. men mit ihrem Kapitän entkamen über die Grenze. Die hier wohnenden Mexikaner sind über die Mordthat der mexikanischen Beamten höchst aufge bracht und drohen mit Vergeltung. Die Vertreter Rumäniens, Bul garlens und Serbiens haben den grie. chischen Königöbesuch in Rom völlig ignorirt. Zwei maökirte Banditen betraten heute Morgen das Hotel St. Charles in Arkansas City. Kans.. tödteten den Na'chtclerk William Goff und verwun. beten den Schauspieler S. A. Halpln tödtlich,. vorauf sie mit der Hotelkasse entflohen.

VieleTheaterbesucher verletzt. Nkwark. N. I . 25. Nov.. Frau Rebelka Schwaitz wurde heute Abend getödtet, 12 andere Personen wahrscheinlich tödtlich und 25 wurden leichter verletzt bei dem Zusammensturz einer Erhöhung in einer Halle, in der eine jüdische Theatervorstellung gegeben wurde. Der Zusammensturz verursachte unter den zahlreich erschienenen Zuschauern eine entsetzliche Panik und eö ist ein Wunder, daß bei dem Gedränge zu dem Auögange der Halle nicht noch mehr Personen verletzt wurden. Bahnrüube-r verhaftet. KanfaS City. Mo., 26. Nov., 2 Uhr Morgens. Ein einziger maS. lilter, stark bewaffneter Räuber be raubte h?ute Morgen nach Mitternacht den Passagierzug der Chicago & Alton Bahn in der Nähe von Glasgow, Mo. Mit vorgehaltenem Revolver zwang er 15 Passagiere ihr Geld und ihre Werth fachen ihm auszuhändigen, was diese angesichts deS Revolvers auch willig thaten. Der Räuber wurde, bevor er den Zug verlassen konnte, auf der nächöen Station Armstrong von Be amten verhaftet und in das Gefängniß gesperrt. Canada kündigt Post, vertrag. Washington, D.C..25. Nov. Infolge von Meinttngsverschiedenhei' ten über Verlegerprivilegien hat die kanadische Regierung der hiesigen Re gierung die Mittheilung zukommen lassen, daß die zwischen den beiden Ländern in Kraft befindliche Poftkon vention zum 7. Mai deS nächsten Iah. reS gekündigt werde. Das Kündigung?. schreiben ist von einer Mittheilung be gleitet, wonach die Auflösung deS ge genwürtigen Verhältnisses nur Hinsicht, lich der Postsachen zweiter Klasse gewünscht wird, und daß Canada bereit ist. in neue Verhandlungen über den Poftverkehr einzutreten, falls die Re. gierung der Vereinigten Staaten neue Anweisungen über die Behandlung der Postsachen zweiter Klasse sür die Post. Verwaltung anzuordnen gewillt sei. A?rlei kleine Depeschen.

25. November. Drei Lehranstalten für Neger im Süden hat der reiche Gefchirr.Groß Händler Bassetk in Janeöville, WiS., einen Theil feines Vermögens hinter lassen. Die Sozialisten in Warschau drohten heute, einen General.Streik zu organlstren, wenn morgen vier So zialisten. die unschuldig sein sollen, hin gerichtet werden. Die SchafherdeN'Besitzer in den Sakraments Bergen bei Alamogordo, N. M., haben durch die letzten Schnee stürme in der vorigen Woche 60 bis 80 Prozent ihrer Schafe verloren. In Maine und anderen Staaten gewinnt die Idee der Verbesserung der Landstraßen durch die Gemeinwesen unter Mitwirkung deö Landdrieftrüger. fyftemS beständig an Umfang. Auf Kosten reicher Italiener wird die Ausstellung deS American Institute of Social Service von New York auf der Mailänder Ausstellung nach Rom gebracht werden, so sehr hat sie gefallen. Bei einem Revolverduell in einer Apotheke in Cleveland, Miss., murksten sich die beiden Duellanten, der Apo. thekerbesitzer Joseph Hammond und der Farmer I. M. O'Bryant, gegenseitig ab. In einer GypSgrube bei Grand RapldS, Mich., wurden durch einen herabstürzenden GypSblock die Arbeiter Joseph Czwick und Walter Przellnski getödtet und Ignatz FrankowSki schwer verletzt. Mark Twains Buch .EvaS Tage. buch ist aus der Bibliothek in Charl ton, Mass., verbannt worden; die Cva war in ihrem natürlichen Kostüm ab gebildet worden, ehe sie waS anzu-ziehen-hatte. Bei einer ttesselexplofion auf einer Lokomotive eines Frachtzuges der FriSco Bahn wurden heute der Loko motlvführer E. M. Jofelyn und der Bremser P. T. Roach bei ttnobvkew, Mo., getödtet. General.Leutenant Arthur Henry Paget ist zum Oberkommandlrenden der Truppen in Irland heute ernannt worden. Sein Vorgänger, General ffrancis Wal. Krenkell. trat weaen 'feines hohen Alters vom Posten zurück.

Die ftanzösische Presse. P a x i 3, 29. Oktober. Im Omnibus, im Caf6haus, in der Varbierstube liest auch der Deutsche und der Engländer seine Zeiwng. Der Franzose scheint daneben aber den Augenblick, wo er sich durch daZ dichteste Straßengewühl hindurchzusteuern hat. für sehr geeignet zu hatten, sich in seine Lektüre zu vertiefen. Wenn man glaubt, daß diese Methode, sich Vildungssloff zuzuführen, sehr einfach ist, so irrt man sich. Der Neuling, der es dem Eingeborenen Reichthum will, läuft fortwährend Gefahr, sich auf Schirmen oder Spazierstöcken aufzuspießen, ganze Waarenlager, die auf dem Trottoir ausgestellt sind, umzurennen, alten Herren in ihrem Leibesumfang zu nahe zu treten, oder , sich ernste Unannehmlichkeiten von Seiten der Damen zuzuziehen, die mit ihren Einkäufen heimkehren. Der Zeitungsleser auf der Straße ist für den Vormittag charakteristisch, der im Galopp und 'mit fortwährendem Gebrüll die Straßen durcheilende Zeitungsverkäufer ist die Sehenswürdigkeit des Nachmittags und Abends. In der Hand der peripathetischen Zeitunqsleser werden wir meist den Matin". den Petit Parisien", das Petit Journal" oder das Journal" gewahren, das Geschrei am Nachmittag kündigt die Patrie" an, der Lärm des Abends den Jntransigeant" oder die Presse" mit ihren in erregten Zeiten bis in die späten Nachtstunden folgendcn Extraausgaben. Diese Blätter bilden die Volksnahrung. Das meiste, was sie bringen, ist unpolitisch, das wenige, was sie von der Politik bringen, ist aber, besonders bei den Nachmittags- und Abendblättern, von einer im Ausland unerhörten Grobheit. Der Matin" neigt radikalen, gouvernementalen Anschauungen zu. hat durch besondere Drahtverbindungen mit London und den größten Londoner Blättern einen ausgezeichneten Nachrichtendienst und vertheilt im übbrigen seine theilweise äußerst gehässigen Angriffe liebevoll auf Rom und die katholische Kirche einerseits und Deutschland andrerseits. Er veranstaltet mit Regierungshilfe ArmeeMärsche, Motorbootwettrennen, und schreckt vor nichts zurück, wenn es nur Reklame macht. Er beherrscht die Provinz und möchte Das werden, was die Times" in früheren Jahrzehnten war: eine Macht, mit der das Ausland rechnen muß. . In Paris schimpft alle Welt auf den mit Barnummitteln arbeitenden Matin" und alle Welt liest ihn. Größere Auflagen erzielten der radikal gefärbte Petit Parisien" und das eher nationalistisch schillernde Petit Journal". Ihr Hauptfeld sind Verbrechen. Unglücksfälle und dergleichen, die sie durch besondere bunte SonntagZausgaben ihren Lesern anschaulich zu machen versuchen. Die Konkurrenz zwischen diesen Blättern führt zu den absonderlichsten Unternehmungen: Vergnügungsreisen für die Abonnenten, Ferienkolonien für Kinder, Sportfeste, Kongresse, musikalische Monsteraufführungen, Preisvertheilungen u. s. w. Unpolitisch ist auch in seinem Grundcharakter das Joural", das vortreffliche Mitarbeiter im Feuilleton hat, daö im Gegensatz zu fast allen anderen Blättern zweimal in der Woche seitenlange Inserate veröffentlicht und das nebenbei stark auf den Geschmack der Demimonde fpekulirt. Die ganze populäre - Presse ist im Uebrigen mit Illustrationen versehen, bei denen freilich meist nicht zu erkennen ist, waZ sie vorstellen sollen. Ein Abonnement wie in anderen Ländern ist unbekannt, man kauft sich feine Zeitung täglich im Vorübergehen bei der Zeitungsfrau oder vom Zeitungscamelot, der die Straßen entlang läuft. Journalistisch steht diese Presse so tief wie irgend möglich, poli tisch ist sie nicht ernst zu nehmen; gerade in ihr findet man aber die öffentliche Meinung der Hauptstadt, und wenn auch Paris heute nicht mehr Frankreich ist, so muß Jemand, der etwas erreichen will in der Republik, gerade durch diese Presse Einfluß auf die Massenstimmungen' zu bekommen suchen. Halb politisch, halb literanschfeuilletomstisch sind Figaro". Gau. lois", Gil Blas". Blätter, die sich an das Publikum der oberen Zehntausend wenden und 'die besonders die Boulevardplauderei pflegen, über mondäne Ereignisse berichten und auch in pikantem Klatsch, sich hervorthun. Der Gaulois" des Herrn Arthur Meyer ist daö Organ der monarchistischen Aristokratie und der klerikalen Rechten, der Figaro" schillert in allen Farben der Opposition und hat im Ausland weit mehr Prestige als an der Seine, wo er eigentlich eine gestürzte Größe ist. Der Gil Blas" ist heute nicht mehr das lose und frivole Blatt der Lebewelt, sondern geht feierlich politisch einher und vertritt die Anschauungen der vorgeschrittenen Republikaner. Radikal ist auch der Siöcle, der sich durch Gediegenheit auszeichnet und der vortreffliche politische Mitarheiter hat. Von den politischen Morgenblättern sind noch zu nennen in erster Linie der Eclair", daö Oraan der national!-

! siischen Mlitärpartei, die einzige gro- : ße Zeitung, die in dem allgemeinen Entente-Taumel sich einen kühlen Kopf ! bewahrt hal jlnd.die für einPolmr

der Parteilosigkeit zwischen England, und Deutschland eintritt. Der Eclair" hat sich in der letzten Zeit unter Führung seines Chefredakteurs Judet durch seinen Feldzug gegen Clemenceau hervorgethan. Das gleichfalls nationalistische Echo de Paris" hat sich, seines alten vornehmen RufeZ vergessend, mehr und mehr zur Ablagerungsstätte der Deutschenhetze gemacht. Die eigentlichen klerikalen Blätter sind die V6rit6 Fran?aise". die sich durch Haß gegen die Republik und Re-vanche-ChauvinismuS gleichmäßig hervorthut; der alte Veuillotsche, vornehme. aber wesig gelesene Univers" und das streitbare, journalistisch aber minderwerthige Blatt des niederen Klerus, die Croix". Das eigentliche Orkeanistenblatt ist der Soleil", und die Fahne des Kaiserthumö hält die Autonte", die aber nach dem Tode Cas sagnacs keine Bedeutung mehr hat. Die antisemitische und deutschfresserische Libre Parole" Drumcntö ist ein einflußreiches Schimpfblatt geworden. Den reinen Radikalismus vertritt dei Radical", den liberalen, anticombisti fchen Radikalismus der Rappel" daZ prognostische Morgenblatt ist die ehe malige Gambetta'sche R6publiaus Franaise", die eines der Hauptorga ne der imperialistischen Ausdehnungs Politik ist und die in der Marokko Frage die scharfe Tonart gegen Deutschland vertrat. Die Aurora Clemenceaus, die Action" und dfa Lanterne" sind die KvlturkampfblA ter sans Phrase" und bilden des Uebergang zu der unabhängig sozial siischen Petite Röpublique" und de, jaurösistischen Humanitö". Die an archistisch-conf6d6raRstische Voix bsi Peuple" hat keine journalistische Vt deutung. Von den NachnnttagsökLttern habrzZ politisches Ansehen nur die national stische LibertS, der Temps" und daH Journal deS D6bats". Die beides letztgenanntensind auch heute noch da vornehmsten Blätter Frankreichs. Di

Beziehungen. deS unks-progresslst:f Temps" zum Quai dOrsay" si ja in aller Welt bekannt. Leider hä; sich das Blatt seit den Marokkotag hier und da zu heftigen Angriffen un? böswilligen Verdächtigungen gcaes über dem deutschen Nochbarn hinrnßeq lassen. Dagegen ist das akademisch Journal des DöbatS" seiner höfliches Korrektheit auch Deutschland gegis, über fast stets treu geblieben. Tempt und DÄats" glänzen auch durch Hl Unbestechlichkeit seiner Kritik in wifsenschaftlichen und künstlerischen Dir gen und vermeiden die geschmacklose? Reklameartikrl, zu denen sich die aus deren Pariser Blatter so leicht herze ben. Als älteste Zeitung von Paris stl noch die Gazette de France" genannt, die aber keine nennenswerthe Vedeu tung hat, und als einziges Provinzor gan von Wichtigkeit die D6pöcht de Toulouse". ' Ausgezeichnet sind die Blätter, die den kolonialen Sonde interessen dienen. Von den illustrirtcn Wochenschrifkm , stehen Illustration" und Mondt Jlluströ" noch immer an der Spitze Einen gewaltigen Aufschwung hat dii weitverbreitete Sportpresse geno, men, dagegen verfällt die MtzblaU. Journalistik einem trostlosen Nieder gang. Das Cyarakteristikum der gesamsrten Presse Frankreichs ist, daß sie ncht zuverlässig informiren und politisch aufklären, fondern angenehm unterhab ten will. Hier liegen die Quellen ihr Vo-.üge und hier die Ursachen ihr Schwächen. Alles in Allem verdient" die Pariser Presse den Ruf nicht, den sie von früher her hat. Die Verflachung des politischen Lebens hak. auc das Niveau de? politischen Presst sinken lassen. mm Trust . Senator Z u FM g e n h e i m. Simon Guggenheim, Haupt deS Smelter-Trust", wird der nächste Bundes senator von Colorado und Nachfolger von Senator Patterso werden. Die Republikaner, die bei der StaatSwahl am letzten Dienstag glänzend gesiegt haben und über eine Mehrheit in beiden Häusern der Legislatur verfügen, wollen Guggenhcim zum Bundessenator erwählen, um sich dafür erkenntlich zu zeigen, daß er, wie es heißt, den größten Thell der Kampagnekosten aus eigener Tasche beigesteuert hat. Während der Wahlkamj?agne wurde in einer Denver Zeitung behauptet, Guggenheim habe seinen Wohnsitz in New Aork und die Abbil ! dung eineö stattlichen Wohnhauses an West 54. Straße, New Fork. wurde al? Simon Guggenheim'5 HauS. g bracht. Schnell kam jedoch von dem zukünftigen Bunde! senator die Ank wort, daß er in New Fork nict wohnß und kein HauS besitze. Er hat in Den- ' der ein Wohnhauö und das Geschäftsj bureau des Smelter-Trust befindet sich auch m Denver. Simon Guggenheim wurde am 30. Dezember 1867 zu Philadelphia geboren und sieht mit seinem Bruder Meyer Guggenheim an der Spitze der Anurican Smelting & Refining Company. Rev. Dr. Buchtel, der erwählte republikanische Gouver-neurs-Kandidat, ist Kanzler der Den-ver-Universität. In Nowata, I. T., ist John O'Brien aus Lima. O., der GeneaiWriruhzMttr der Obis Oil Co.. und intr hr hrnminnicften Asenten der Standard Oil Co. in Ohio. am ' m

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