Indiana Tribüne, Volume 30, Number 80, Indianapolis, Marion County, 24 November 1906 — Page 6
Jnviana Tribüne, 21 November 1900
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Viele Krankheiten find ble Folge o Leberleidcn wie Unordnungendes MagenS, 4 BUiösitat. Kopfweh, Appetitlosigkeit, K c Sr. August Äormg's Hamburger Tropten rleichtern daß System nd kuriren. Pnls, 50c 41 Flcb. LEO LANDO, 142 N. Pennsylvania Str. vanptqnartt für Grillen Operngläser Brillen werden nach den beste riexöoben den Augen angepaßt. ükl!che Augen werden schmerzlos ein, rie?t. Letzte Exeursion via 1 Fflnr H nach Cincinnati $ und zurück Sonntag, 25. November Der Spezialzug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens; Retourfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. I Dr. Paul F. Martin, yrakttscher Vrzt. und Chirurg. Sprechstunde: 11.00-u.a0 E.50 4.00 täall Eomttagl: Ans Verabredung. Willoughvn Gebäude, I Nord ertdi trße XtL, Tüaln 44144 odiug: 1206 Nord Ne Jersey Str. Telephon: Watn ; fcrto SU. Dr. J. A. Sutcliffe. Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectum Krankheiten, Office : 1 5 5 OftMarket St. Tel 941 Osft.Stndeu: til 10 Uhr vm.; d 4 im Dr. Carl Q. Wintei Deutscher Tlrzt. VhdU all akt ud chronische Krkheu, Sveziell Rheumatismus, Rectnv. und Frauen'ttrankheiten. Office : 14 weft Chio Straß. Osfice-Stunden : 1011 Vm. 34 N ormtagS : 9.30 10.30 Vm. Tel. neu 4& Wohnung: 1250 Madison.Vven Telephone i lt. 2025. Neu, 8282. t,M-WNV 13 foitfef9 teftVn GummliS k Rlnkftnk aus d, Nrw Organe durch GomtaUWlV aufgehod A m 4. i : a . . mt , I MMMf 1 UHoeqimiuiajiciin. 1 1!! $1.00, M allen Druggiklen der V'-V'J y. O. 01 l, ew VZork. X-7
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mrmrnmg. Vsn Dmn. wandkrer. AnZ der holden Jugendzeit -Tönt ein Lied mit süßen Klängen Sanst wie Mutter Innigkeit, Fromm, alZ ob ti Engel sängen. Einmal, einmal möcht' ich nur Wieverum alZ Kind mich fühlen, Und daheim auf grüner filur Mit den andern Kindern spielen. Einmal möcht' ich noch als Kind Meiner Mutter Märchen lauschen, Lauschen wie im Abendwind Meiner Heimath Wälder rauschen. Und dann möcht' ich einmal blos Meinen Kopf noch schmeichelnd legen In dör treuen- Mutter Schooß, Bitten sie um ihren Segen.
ctudj ein 41cCö. Satirische Humoreske von Ernst Georgy. Der Herr ZZaron! Er kam aus dem Walde und trabte noch gemächlich in langsamem Trott auf der Landstraße, die Pfeife im Munde, den Rauch behaglich ausstoßend. Kurz und energisch schien seine gedrungene Gestalt mit dem Roß verwachsen. Die Hand hielt lässig die Reitgerte. Den Kopf trug er steif im Nacken. Der Wind spielte mit dem eisgrauen Barte, der das scharfgeschnittene Antlitz umwallte. Scharf blickten die Augen, und tyrannischer der Ausdruck dieses Mannes, dessen eiserne Tyrannei auf seinen Leuten und nicht minder auf seiner eigenen Familie unwidersprochen lastete. Wie ein Warnungsstgnal pflanzte sich der Schreckensruf: Der Herr Baron von vJiüno zu yjiunot fort, wo immer und wann immer er auch nahte. Er verfehlte in den wohlhabendsten Aauernhäusern, in den elendesten Dorfkathen seine Wirkung nicht. Alle richteten sich straffer empor, alle arbeiteten eifriger, wenn er kam. und alle grüßten in tiefster Verneigung, in sklabischer Demuth, sobald er m Sicht war. Seine deutschen Bauern begnügten stch mlt Verbeugungen aus der Ferne. Die Letten. Russen. Esthen und Lithauer, welche auch auf seinen riesigen Güterkomplexen hausten und tagelöhnerten, umringten ihn und küßten. was sie aerade zu packen bekamen, selbst seine schmutzigen Stiefel, sein Pferd, seinen Wagen wenn sie weder seine Hände, noch seinen Anzug erreichten. Diesen Weihrauch vonUnterthänigkeit, der von der'' Leibeigenschaft nock übriggeblieben, verlangte der Herr Varon als etwas Selbstverständliches. Daran war er gewöhnt. Und wehe, wenn einer auch nur um einen Schatten weniger tief grüßte,' weniger schnell oder gut arbeitete! Reitpeitsche. Schirm. Stock oder die bloß? Faust sausten dann sofort auf den Säumigen nieder, gleichviel, welchen Geschlechtes er war. Bei den Teutschen kam es weniger, höchst selten vor; aber das andre Gestndel verlangte seine Schläge wie das tägliche Brot." so sagte er. Und Zeit und Erfahrung schienen ihm recht zu geben. Kinder! Der Vater!" Die bleiche. schlanke Baronin rief es laut, denn auch sie hatte 5en nahenden Reiter von der Thurmstube, dem alten Wacht-thurm-aus, entdeckt. Ein nervöser Schauer flog über ihren Leib. Hastig eilte sie hinaus, um das Vesper vorzubereiten. Nichts durfte versäumt werden. Wie eine Alarmglocke wirkte ihr Ruf in dem jahrhundertealten Schlosse. Die Baronessen versteckten schleunigst die Romane oder Puppen und nahmen Schulbücher und Handarbeiten vor. Baron Harald, der älteste Sohn, dessen heiße Sehnsucht nach dem Studmm der Malerei lechzte, warf sein Skizzenbuch in eine Schublade und beugte sich über die Geschäftsbücher der Gutsverwaltuna in der Kanzlei. Widerwillig hatte er in St. Petersburg und Riga den vorgeschriebenen Studien obge legen, und mit heimlichem Grimme sich jetzt Kier einsperren lassen müssen. Gab es denn einen Widerspruch gegen den Vater? Baron Ivar. der Geschichte studiren wollte, sich aber dem medizinischen Berufe zuwenden mußte, seufzte bei dem Rufe der Mutter schwer und verbarg eine alle Chronik schleunigst in der Schloßbibliothek. Und Baron Boris gab plötzlich seinen knabenhaften Trotz auf und fügte sich den Wünschen des erleichtert aufathmenden Kandidaten. In dem eichengetäfelten, mit Gewehren. Waffen und Ahnenbildern ge.schmückten Speisesaale versammelte sich um sieben Uhr die Familie zum Nachtmahle. Der Herr Baron sprach das Tischgebet. Dann setzte er sich geräuschvoll nieder. Alle blickten ihn stumm an. Die Züge seiner Gattin zuckten in inerklicher Spannung. Sik wußte, daß ein Gewittersturm bei ihm im Anzüge war; aber sie wagte nicht zu fragen. Er aß und trank, bis der erste Hunger gelöscht war, dann legte er die Gabel nieder, blickte alle der Reihe nach an und sagte grollend: Keine Post, keine Eisenbahn! Ueberall Streiks und Aufruhr. Walden, Henterbruch. Königswald sollen in Flammen stehen." Um 'Gcttes willen. Vater, und das sagst Du so ruhig?" Die Baronin bebte. Was hat die Versammlung beschlössen? Wie wird es mit der Organisation der Settistvertheidizung? -Requirnt Ihr kem Militär, lieber Va I . -
ter?" fragte der älteste Sohn besorgt und erregt. . . . . , Der Alte sah ihn an und schwieg eine Weile. Dann entgegnete er in grimmiger Verachtung hohnlachend: Morgen früh rücken hundert Dragoner zum Schutze der Nachbarschaft bei uns ein. Lächerlick! Meine Leute kennen micy und wagen nicht zu mucken. Ich gehöre nicht zu den fortschrittlichen Eseln, die ihre Bauern mit Humanität überfüttert, und denen sie zum Dan! die Schlösser geplündert haben. Ich habe die ganzen Dörfer abgeritten. Alles ist ruhig. Und wehe ihnen, wenn sie es nicht wären!" Seine Faust schlug auf den Tisch, daß die Teller klapperten. Alle blickten mit bewundernder Ehrfurcht auf den Mann, der so ruhig speiste, während das ganze Land in Revolution war. Sollen wir nicht doch Waffen vertheilen und Wachen ausstellen, lieber Vater?" Ich dächte. Du wartest besser meim Entscheidungen ab, lieber Harald. Seit wann ist es Sitte, daß meine Söhne mir' Vorschläge machen?" Wir sind keine Kinder mehr, pardon. Vater!" Harald stieß es zornerstickt aus. . Ihr seid meine Kinder. Hier gibt es außer unserm Gott nur einen Herrn, und der bin ich! Verstanden Harald!" flehte die Mutter bang und wandte sich zu dem Gatten. Du weißt nicht, wie ängstlich ich bin, Lieber! Unsre Töchter wir ich die Leute der glimmende Haß die Aufhetzer " Ja, ja. die Aufhetzer!" wiederholte er verbissen. Wer sie duldetwird sie fürchten lernen. Nicht ich! Vorhin habe ich auf dem dritten Vorwerk im Krug ein paar betrunkene, lettische Vauernlümmel ausgespürt," er lachte, da war solch Studentenbengel aus Riga, der wollte ihnen auch ein Lied von der Freiheit singen. Aber " Aber?" Alle schauten ihn erwartungsvoll an. Um ein Haar hätte ich den Burschen mit meiner Reitpeitsche gezeichnet. Nur quietschte er wie besessen bei meinem Anblick und rannte nach dem Walde. Der kommt wohl nicht wieder!" Mehr war für heute aus dem Tyrannen nicht herauszuholen. Gleich nach der Mahlzeit begab er sich in das Billardzimmer und befahl seinem zweiten Sohne, einem vorzüglichen Spieler, mit ihm eine Partie, zu spielen. Auf Bitten der Mutter und der Schwestern ritt indessen der älteste Sohn noch einmal die nächste Umgebung des Schlosses ab, untersuchte Thore und Thüren, vertheilte Waffen unter die treuen Diener und stellte Wachen aus. Das alles mußte heimlich und sehr geräuschlos geschehen dami: der Herr Baron nichts merkte. Er wäre über diese feigen Vorsichtsmaßregeln," wie sie alle Besitzer der Umgegend längst übten, sehr ungehalten gewesen. Alles schien ruhig. Um zehn.Uhi bereits lag das Herrenhaus in tiefer Dunkelheit. . Seine Bewohner schienen zu schlafen, trotzdem manche von ihnen sich unruhig wälzten und in die nächtliche Stille hinauslauschten. Die Lage der Provinz War kritisch genug, um die Nerven zu erregen. Um elf Uhr machten die Posten leise eine Runde und bemerkten befriedigt, daß keine Störung nahte. Um ztiölf Uhr waren die alten Getreuen auf ihren WachtPosten fest eingenickt und hörten nicht einmal mehr das dumpfe Schlagen der Thurmuhr. Da um halb eins fuhren sie empor. Hundeaebell. in der Ferne zu erst, näherte sich und schwoll zu tobendem Geheule und Gerase an. Wmdlichter erglühten wie Leuchtkäser am dunklen Waldrande. Trupps von Menschen, die in der Finsterniß nicht zu zählen waren, schoben sich Plötzlich, wie aus dem Erdboden emportauchend, von allen Seiten auf den oas Schloß umgebenden Vark zu. Wie Katzen überkletterten sie die Gitter, legten Leitern an die Thore und stiegen einsaß über diese hinweg. ' Ehe noch die schlaftrunkene Dienerschaft recht zrn Besinnung kam, war das Gebäude von allen Seiten umringt. Wildes Geschrei, Schmährufe, dröhnendes Klopfen mit Dreschflegeln, zerprasselnde Fensterscheiben, Steinwürfe und danach ein wahres Triumphgebrüll erweckten die Herrschaften, die entsetzt von ihren Lagern sprangen. Bevor sie noch flüchtig Kleidungsstücke übergewarfen, ertönten Schüsse. . Die Frauen in die Halle! Schützt die Frauen!" rief Baron Harald, Leute, nehmt die Waffen, vertheidigt die Damen bis zum letzten Blutstropfen! Ein Schuft, wer weicht!" Er war als Erster auf dem Platze erschienen. den Revolver in der Hand. Kein Licht machen, das verräth die Spur! Jvar. Roris. Leute, alle in die Halle!" Vater!" Um Gottes willen. Vater!" Herr Baron!" Erschreckt, aufgeregt, verängstig! stürzten die Damen, die weibliche Dienerschaft aus allen Zimmern, halb wahnsinnig vor Todesfurcht. Harald behielt die Ruhe. Er geleitete alle in die Halle des Wachtthurmes. Er vertheilte die Waffen, stellte die Leute vor die Thüren. Draußen verstärkte sich der Lärm. Die Treuen der Gutsverwaltung, die Beamten der Oekonomie suchten die stürmenden Velaaerer zu vertreiben. Es kam zu verzweifelten Handgemen
gen; aver Sie angetrunkenen, raaze-
schnaubenden Horden waren in der Ueberzahl. Sie schlugen das Thor ein. Sie drangen in das Schloß und eroberten johlend ein Gemach nach, dem andern. Der Herr Baron!" Gebt den Herrn Baron heraus!" hörte man schreien. Jm Dunkel knieten die Baronessen, die Gouvernante, die Zofen und beteten stammelnd. Wo ist der Vater?fragte Harald beklommen. Und die Mutter?" sagte Jvar )bend. Da muß ein Unglück geschehen sein. Wir wollen die Eltern holen!" schrie der älteste Sohn plötzlich und stürzte, gefolgt von den Brüdern, zu dem Schlafzimmer der beiden Vermißten. In qualvoller Unruhe rissen sie die Thüren auf, drangen in den Raum ein und standen wie erstarrt. Beim Scheine des Nachtlichtes erkannten sie die Mutter. Sie lehnte sehr blaß und ruhig gegen einen Schrank, völlig angekleidet. Mit unbeschreiblich verachtungsvoller Miene schaute sie nach dem Bett. Wie angeekelt wandte sie sich den Söhnen entgegen und hob die Hand: Seht das! Ich verstehe Euren Vater nicht mehr. Er muß krank sein!" Wie ein Wahnsinniger wälzte sich der Tyrann der Familie, der Herr Baron." in den Kissen und rang die Hände. Ach Gott, ach Gott, holt die Dragoner! Helft mir! Rettet mich! Ach Gott, das Gesinde! bringt micl um! Hilfe! Barmherzigkeit!" ächzte er, sinnlos vor Angst. Kaum sah er endlich die Söhne, so stürmte er auf si zu. umschlang sie und flehte: Kinder, rettet mich. Kinder, helft!" Schon hörte man die nahende Bande, welche von einem Knechte gerade hierher geleitet wurde, um den verhaßten Mann zu ergreifen, da ermannte sich der älteste Sohn. Seine Wangen erglühten, sein Herz schien still zu stehen in einem plötzlichen heißen Schamgefühl. Schnell. Jungen." sagte er hastig, bringen wir ihn nach bei Halle. Er ist krank!" Und sie schleppten den ganz unfähigen, taumelnden Feigling durch Seitentreppen in den Wachtthurm zu den Frauen. Der altk Theil des Schlosses hatte schon in früheren Jahrhunderten Belagerungen aushalten müssen. Sein dickes Gemäuer, seine eisenbeschlagenen EichenPforten schützten auch heute die kleine Vertheidigerschaar lange Stunden gegen die Revolutionäre. Das Schloß war in ihrem Besitz; aber sie erhitzten sich immer mehr, weil sie den Herrn Baron," den Verhaßten, noch imnzer nicht in ihrer Gewalt hatten und vor Rache dürsteten. Ein Bild des Jammers, zähneklappernd, zitternd saß dieser unter den Frauen und flehte jeden einzelnen an. ihn zu erretten. Und es war. als ob das Flehen des Feiglings selbst den schwachen Geschöpfen, den Damen und Kindern, die Ruhe wiedergegeben. Nicht ein Laut wurde hörbar! Die Diener standen an den Thüren. Die Söhne und der Kandidat an den Fenstern. Ab und zu knallte ein Schuß, auf den aufbrandendes Geheul, das Kreischen der Verwundeten folgte. Im Wachtthurm hörte man nur das Ack Gott, rette mich. Gott, schütze mich!" des so jäh veränderten, nicht wiederzuerkennenden Tyrannen. Noch zwei Stunden halten wir uns veilleicht! Länger nicht!" erklärte Harald ernst, die Munition prüfend. Unwillkürlich falteten sich die Hände. Sie sprengen die Verbindung, die Kanaillen," rief plötzlich der Hausmcister, dann ist es aus!" Draußen graute der Morgen. Gebt uns den Herrn Baron, den Menschcnquäler. den Elenden, heraus! Euch soll nichts geschehen!" rief eine Stimme. Wir krümmen Euch andern kein Haar auf dem Kopfe!" Die Eingeschlossenen vernahmen es. Verlaßt mich nicht!" ' wimmerte der Baron sein Weib umklammernd. Wir sterben mit Dir, Vater! Sei ein Mann!" mahnte Harald kalt. Unter dem Thurme trat , plötzlich Stille ein. Dann hörte man Sprechen, verworrenes Rufen. Eine Minute später krachten Schüsse, vernahm man Trommelwirbel, Pferdegetrampel. Das Militär ist da! Die Dragoner sind da! Wir sind gerettet!" kreischte der Varon Boris, der vom Thurm aus Rundschau gehalten. Sie waren gerettet. Nach kurzem, heißem Kampfe hatten die Soldaten die Aufrührer vertrieben. Die Anführer waren erschossen oder gefangen. Die befehlgebenden Offiziere hatten das Schloß von den Mannschaften säubern lassen. Es war viel zerstört, vernichtet; aber glücklicherweise nichts niedergebrannt. Die Familie des Besitzers athmete auf. obgleich ihnen allen mehr als Schrecken und Angst eine, seelische, schwer zu bezeichnende Last die Herzen bedrückte. Es war ihnen allen, als sei etwas unsagbar Hohes und Heiliges in ihnen zerbrochen. Stumm gingen sie aneinander vorbei. Allmälig hatte der Herr Baron" sich wiedergefunden und die Haltung, die ihm eigen, angenommen. Kaum war das Militär im Schlosse und seine Sicherheit. verbürgt, so richtete sich sein Muth empor. Aber nur äußerlich. Insgeheim fühlte er eine brennende, seue Scham. Nachdem er Toilette gemacht, zeigte er sich seinen Rettern und befahl, ein Mahl herzustellen. Bei der Tafel erklärte er den Ossi zieren, daß tr mit seiner Familie auf
oas' in Deutschland liegende, adminisirirte Gut seiner Gemahliu' überzusiedeln gedenke. Er hoffe, baß die Regierung bald mit dem Raubgesindel fettig werden würde. Ihm sei Livland vorläufig verleidet. Er bitte nur, daß man ihn und die Seinen bis Riga sicher eskortiren wolle. Die Fremden versprachen, ihr möglichstes zu thun. .Am Nachmittage saß die ganze Familie schweifend in fcm geplünderten, fast leeren Wohnzimmer beisammen. Scheu blickte der Herr Baron" von einem zu andern. In seiner Haltung lag etwas Gebrochenes. Es schien so, als traute sich der kleine gedrungene Körper nicht mehr, die aufgebläht steife Würde zu , dokumentiren. Man erwartet, daß die Bahnlinie von Riga bis zur Grenze morgen wieder im geordneten Gang sein wird und der erste Zug abgehen kann, sagt man mir. Unserer. Reise in's Ausland wird dann nichts mehr im Wege stehen! Packt also zusammen, was das versl ... Gestndel dagelassen hat!" sagte er. anscheinend so hart wie früher. Seine beiden ältesten Söhne tauschten emen schnellen Blick. Dann richtete stch Harald ernst empor und begann mit ruhiger Energie: Unser deutscher Besitz ist gut verwaltet und ertragreich. Unsere Mitarbeit dort nicht nöthig. Wir halten es für besser, wenn Du mit uns nach Berlin übersiedelst, Vater!" Warum? Weshalb?" knurrte der Herr Baron. Weil wir dort am besten unsere Zukunftspläne verwirklichen können." fuhr Harald fort, ich kann mich der Malerei widmen, Boris das Gymnasium besuchen und Jvar " Mir ist es in dieser schrecklichen Nacht klar geworden, daß man seinem Ich folgen foll und als erwachsener Mensch keiner Vormundschaft mehr bedarf," fiel der zweite Sohn dem Bruder in's Wort. Ich kenne unsere Verhältnisse und weiß, daß ich mich der Geschichte, meinem Lieblingsstudium. widmen kann. Ich will daher " Du willst? Harald bestimmt? Was bedeutet das. zum Donnerwetter?" fuhr der Herr Baron zornbebend empor; aber unter den kalten Blicken seiner Familie sank er scheu, die' Augen niederschlagend, wieder auf seinen Sitz zurück. Das bedeutet, daß unsere Söhne, die uns heute Nacht so heldenmüthig vertheidigten, sich auf ihre Männerwürde besonnen haben!" erklärte die Baronin tapfer mit leicht zitternder Stimme. Ich bin mit ihnen einverstanden. Wir gehen nach Berlin, wo wir auch die Erziehung unserer Töchter besser vollenden können. Solange hier die Revolution droht " Sie konnte ihren Satz nicht aussprechen. Wie ein fauchender Choleriker war der Herr Baron aufgesprungen. Er schnappte, blaß vor Zorn, nach Luft. Seine Faust sauste auf den Tisch: Das ist das wird das " stieß er hervor und glotzte seine Frau an, die seinen glühenden Blick ruhig aushielt. Dann stierte er auf seine Kinder. Auch sie saßen unbewegt, schweigend, mit entschlossenen Gesichtern. Der Herr Baron fühlte nun, daß er etwas verloren.- was unwiederbringlich war. Macht was Ihr wollt!" knirschte er nur und stürzte hinaus. Die Zurückbleibenden schauten auf die zertrümmerten Möbel, auf die kahlgewordenen Wände. Dann blickten sie sich an, und plötzlich athmeten sie alle wie befreit auf, und ein kurzes Lächeln überflog die überwachten Gesichter. Das war eine böse Nacht!" flüsterte die Mutter. An die werden wir denken!" sagte die älteste Baronesse. Und trotz all der furchtbaren Erinnerungen, der inneren und äußeren Erlebnisse, lachten alle plötzlich wie befreit auf. als Bgron Boris' bald hohe, bald tiefe Knabenstimme naiv fragte: Habt Ihr noch Angst?" Er dachte wohl an etwas andres bei der Frage und sah Harald erstaunt ' an, als dieser antwortete: Nein, auch wir werden frei, mein Junge!" Ucmbrandt und der langsame Dimer. Es gibt eine Radirung Rembrandts die Sixbrücke" genannt, an deren Entstehung sich eine kleine Erzählung knüpft: Man sieht auf dem Bilde im Vordergrunde eine Brücke mit einigen Bäumen, weiter einen Kanal mit mehreren Kähnen, im Hintergrunde eine weite Fernsicht über eine ebene Gegend. Als Rembrandt einmal mit seinem Freunde Jan Six auf dessen Landgut gegangen war, wollten sie sich zu Tische setzen. Da bemerkten sie, daß der Senf fehle. Six befahl seinem Diener, in das Dorf zu eilen und das Fehlende zu holen. Rembrandt wettete, daß er. ehe der Bote zurückkäme, eine Radirung fertig stellen könne. Er zog eine Kupferplatte, deren er immer einige bei sich trug, heraus und radirte die Aussicht, die man vom Fenster aus genoß. Lange ehe der Senf da war, hatte er das Bild fertig und die Wette gewonnen. Die Radirung unterscheidet sich in keiner Weise -von anderen Nawrskizzen des Meisters. Verdient Geld. Indianapolis Compostte Brick Co. Aktien jetzt S47. 50 per Antheil. Der Preis steigt nach heute auf $60.00. Land gekauft. Fabrik gebaut. Maschi. nerien dier dies ist eine sichere und profitable Jnveftirung. "
Ueber Schwindler und Schwindel anzeigen wird aus London geschrieben: Jm, mcr wieder liest man, daß Leute auf irgendeinen mehr oder weniger schlau angelegten Schwindel, der von Lon don ausgiiig, hereingefallen sind. Vor lvenigen Tagen wurde erst ein gewisser Gerhard Löbcr fetgenoni men, der anscheinend der Urheber jenes Adoptionsschwindcls ist, durch den Tausende betrogen wurden. Er wird .beschuldigt, eine Anzeige ver öffcntlicht zu haben, wonach üv ein Mnd diskreter Geburt gegen eine größere einmalige Abfindungssumme Pflegecltern gesucht wurden. In sei ner Wohnung fand die Polizei Tausende von Briefen, in denen Leute, die von ihm auf ihr Angebot geforderten Vcrmittelungsgebühren eingesandt haben, um natürlich nie mclzr von ihm zu hören. Bemerkenswert!) sind auch die Fälle, in denen ein anderer Schwindler, den man leider noch nicht gefunden hat, von London
aus ein Stellenangebot erließ und von den Bewerbern einen Lcbcnslauf einforderte, aus dem er dann mit den Familicnvcrhältnissen seiner Opfer bekannt wurde; später sandte er von irgendeinem Ort aus an ihre Eltern ein Telegramm, in dem scheinbar der Sohn tclegraphirte, es sei ihm ein Unfall zugestoßen, man möge telegraphisch eine gavissc größere Summe senden. Zu spät kamen die Geprellten dahinter, daß an der ganzen Sache kein wahres Wort sei, und ihr Geld war verloren. Andere Dunkelmänner legen sich auf den Heiratlisodcr HeirathSvermittlungsschwindel und verdienen auf diese Weise das Geld für ihr Faulenzerleben. Besonders zu warnen ist auch vor Stcl lcnangeboten. wo eine Kaution gefordert lvird. Die Stellesuchenden wurden betrogen, ohne daß sie, wie di? Sachen lagen, bei den Londoner Rechtsverhältnissen hätten vorgeh?n können. Der Betrug war eben zu schlau eingefädelt. VM) drr Schlacht von Watcrloo. Als Napoleon I. im Juni 1815 den Elyseepalast verließ, um sich zunächst nach Malmaison zu begeben, befand er sich in drückender Geldverlegenheit und beauftragte deshalb seinen Schatzmeister Peyrusse, der ihn auch nach der Insel Elba begleitet hatte, einen Rentenbrief von sechzehntausend Francs zu verkaufen und ihm das Geld zu bringen.- Peyrusse zögerte, dem Befehl nachzukommen und als Napoleon ihn nach den Gründen dieses Zögerns fragte, erklärte er ihm, daß wahrscheinlrch eine notarielle Vollmacht für diesen Verkauf nöthig sei. Napoleon zuckte die Achseln und entließ Peyrusse. der am nächsten Morgen in Begleitung eines Notars zurückkehrte, da man ohne notarielle Vollmacht die Uebertragung der auf den Namen Napoleons ausgestellten Rente nirgends vornehmen wollte. Ter Notar konnte stch dem Eindruck dieser Stunde nicht entziehen und begann mit stockender Stimme zu lesen: Vor mir, dem Notar Noel, erschien Napoleon Bonaparte..." Der Kaiser winkte ihm daraufhin zu schweigen und es entstand eine peinliche Stille. Zum erstenmale kam dem gestürzten Herrscher die ganze Wucht feines Falles zum Bewußtsein. Was er bisher gelitten hatte. Niederlagen und Absetzung, waren die Schicksale ' eines Mannes, dessen Name der Weltgeschichtc angchd'rte, nun aber empfand er, daß er nichts mehr war als ein gewohnlicher Franzose, daß er wie all? anderen den Gesetzen und Vorschriften des Staates sich unterwerfen mußte Gesetzen und Vorschriften, die er selbst gegeben hatte. , Er. der einer Welt seine Befehle vorschrieb, mußte jetzt um einer Kleininhcit willen die Dienst: eines Netars in Anspruch nehmen. Wüthend griff er ?ur Feder, um die Vollmacht zu unterzeichnen. Als der Notar ihm die Stelle zeigte, wo er seinen Namen hinschreiben mußte, setzte Napoleon sein unleserliches Nav." unter das Dokument, wie er als Kaiser seine Erlasse zu. unterfertigen pflegte, die Europa so oft in. Brand gesetzt und das Schicksal ganzer Völker entschieden hatten. Aber Peyrusse, welcher dem Kaiser zugesehen hatte, bemerkte, als dieser die Feder wegwarf: Sire. es fehlt noch..." Da riß ihm Napoleon das Blatt aus der Hand, setzte ein B" mit weiteren unleserlichen Buchstaben hinter seinen Vornamen und warf ihm das Dokument mit abgewandtem Gesicht wieder , hin. Jetzt erst war sich Napoleon seiner Lage völlig bewußt geworden; jetzt hatte er eine Abdankung vollzogen, die weit schmerzlicher in seiner Se:le brannte als jene, in der er zu Gunsten seines Sohnes, des Königs von Rom. auf Krone und Herrschaft verzichtete. Sonne heilte Zkaylk ö p f i g k e i t. Ein gewisser Tom Sheerin in Loganspart. Ind., der seit 20 Jahren kahlköpfig war. ist diesen Sommer in der größten Hitze ohne Hut herumgegangen und hat sich die Kopfhaut ganz gründlich verbrannt. Nachdem die Brandblasen geheilt waren, erschien ein leichter Flaum auf der kahlen Platte, der sich mit der Zeit in einen hübschen Haarwuchs entwickelte. Sheerin ist der festen Ueberzeugung, daß er dem Sonnenbrand die Heilung seiner Kahlköpfizkeit zu verdanken hat.
