Indiana Tribüne, Volume 30, Number 75, Indianapolis, Marion County, 19 November 1906 — Page 3
Jndiana Tibüne, 19. November MlZSs
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JMerurban Zeit-Tabelle. I. U. T. System. 3 StxaH Montag, den 1.. Oktober 1906. Schnelle Durchzüge nach Fort Wayne. Schnelle Durchzöge nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Züge verlassen Indianapolis. Nuncie & Marion Divisi on. Lawrence, Fortvitte, Pendleton, Anderson, Vorktown, Muncie, Middletoron, Alexandria, Sununitville, Fairmount, GaS City, JoneL doro, Marion, Blusstsn und Union City.
4 00 53m. 1 05 Nm. 5 05 2hn. 2 00 Nm. 6 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 Vm. . 4 00 Nm. 8 00 Vm. ' 5 00 Nm. 9 05 Vm. 5 C5 Nm. 10 00 Vm. 6 00 Nm. 11 00 Vm. 7 05 Nm. 11 05 Vm. 9 05 Nm. 12 00 MttgS. 11 30 Nm.
Limited. LoganSport & Peru Division. Tarmel, Noblesville, Cicero, Arcadia, Vllanta, Tipton, Kokomo, Galvefton, Walton, LoganSport, Miami, Bunker Hill, Vmt und Elwood. 5 00 5m 1 45 Nm. 6 45 Vm. 3 00 Nm. -7 00 Vm. 3 45 Nm. 7 45 Vm. 5 00 Nm. V 00 Vm. 5 45 Nm. , 45 Vm. 7 00 Nm. "11 00 Vm. 9 00 Nm. 11 45 Vm. 11 30 Nm. 1 00 Nm. Lwnted. eue spezielle Bedienung nach Ft. Wayne. Züge verlassen Indianapolis um 7.-00 und 11:00 Uhr Vormittags und '3.00 und 7.-00 hr Nachmittag?, schnelle Fahrt nach Fort Wayne machend und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend sowie auch in Toledo und Dekoit mit den Dampsem, die aus den großen Seen nach ackinac, Bussalo und den Niagara Fällen lausen, Verbindung machend. 11:30 Wend-Zug nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. Lüge fahren nach Fort Benjamin Harri,,n um 6:45 Vm, 9:05 Lm, 11:05 Vm, 1.-05 M und 3; 05 Nm. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; Ult, Main 173. Indianapolis & Lastern. chnell Züge laufen nachZ Greenfield, nightStown, New Castle,Cambridge Ciry, Sichmond, Dayton, Ohio, jede Stunde bis Uhr ilbendS, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springsield, Columins und allen centralm Punkten OHW'L laufen, Verbindung 'machend. bend'Zug um 11:30 Abends nach Knights VN. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 055 lt.Main 175. Indianapolis & Martinsville. ach Mooresville, Bethany Park, Mar, nnsville, Ind. Erste MorgenCar um 6:10 Uhr MorgenS. Dann von 6:00 Uhr Morgens jede Stunde Wi3 9:00 Uhr Abends. Nöend - CarS verlassen die Jnterurban Station um 10:00, 11:30 und 11:50 AbendL. Die 10:00 und 11:50 CarS fahren nur bis SkooreSvllle. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055 ; lt, Mai 175. JOdiauapoliS Coal Traction Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plairfield von 5.-00 Uhr MorgenS bil 7.-00 Uhr Abends. Abendzügs um 9 und 11 Uhr MendS. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055; lt. Main 175. Indianapolis & Northwestern. Schnell-Züge nach Crawfordsoille und La seyette laufen stündlich von 6.-00 Uhr Mor genö bis 9:00 Uhr bendS. Anschluß in Lafayette für Chicago und allen nordwest lichen Punkten Der Zug um 10:00 Uhr Abend fährt blo5 bi.s nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr LendS fährt li nach Frankfort, Anschluß in Lebanon für CravsordSville ; derselbe sährt in der Sonn tag Nacht blos bis nach Lafayette. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055; lt.'.Main 175. M0N0N ROUTE. City Ticket Office, S Nord Illinois Straße. Telephon 737. Nach Chicago über direkte Linie. Abfahrt von Indianapolis 7:00 Vorm. 11:50 Vm.. 3:35 Nrn., 2:48 Vm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.5033m.,- 4 52 Nm. Bia Noachdale, Cravfordsville und Lasayette, nach Chicano. Abfahrt 11:30 Vm. Ankunft 2:50 Nm. Michiaan City. Abfahrt 7:00 Vm., 3:35 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. Monon Accomodation. Abfahrt 5:15 Nm. Ankunft 9.00 Lm. Täglich. "Nm Sonntag.
Bahlmcsellschaftcn Jlil ganzen Lande beloilligm ihren Arbeitern eine Lohnerhöhung von 81 Millionen Dollars.
Rassentrennung auf der Bahn. Japan
unbestimmt.-Ja, so sind die Frauen.-Prasident Roosevelt aus der Heimreise.-Sturm zerstört Stadt theilweise. BaumwolleLadung brennt. kauflustige Studenten Alter Verbrecher tödtet einen Geschäftsmann.
Bahnen bewilligen Lohn e r h ü h u n g e n. Chicago. Jll., 18. Nov. Sämmtliche Bahnverwaltungen deS Landes find bereit, dem Beispiele der Pennsylvania Bahn zu folgen und eine 10prozentige Lohnerhöhung für ihre Angestellten eintreten zu lassen. Dafür sollen aber die Angestelllen alle anderen etwaigen Forderungen zur Zeit fallen lassen. Da eS sich bei dieser Maßnähme um 1.296.000 Personen handelt, so bedeutet diese Lohnerhöhung für alle Bahnen zusammen eine jühr. lkche Ausgabe von S3l.000.000 bis! L32.000.000. Die Größe dieses Zu geftündnisseS kann daran ermessen wer den, dab die Mehrleistung der Bahnen gleich 1. Prozent des gesammten Aktien kapltalS, welches in Bahnen angelegt ist. oder somit 37 Prozent der Divi. dende, welche von allen Bahngesell, schaften im Jahre 1905 zur Bertheilunz gebracht wurde. Rassentrennung auf den Bahnen. L l t t l e Rock. Ark., 18. Nov. In dem Prozeß.' den eine Negerfrau gegen die St. LouiS, Jron Mountain & Southern Eisenbahn angestrengt, weil ihr der Zutritt zu dem Speise. wagen versagt worden war, erklärte gestern lm hiesigen BundeS.DifiriktS gericht Richter Trieber in seiner In ftruktion an die Jury, die Eisenbahn sei nicht allein verpflichtet allen Passa. gieren gleiche Bequemlichkeiten zu der schaffen, sondern auch ihre Einrichtun gen so zu treffen, daß keine Rassen Konflikte entstehen könnten. Wenn eine Bahn daher die Einrichtung treffe, daß die weißen Passagiere in einem Privat.Epeifewagm ihre Mahlzelten einnähmen und oke Neger in einem an deren, so sei di'eS nur in der Ordnung, und ein SchadenersaAanspruch könne nicht daraus abgeleitet werden. Japan lenkt ein. Washington, 18. Nov. Bot schaster Wright hat dem hiesigen StaatS'Departement eine Anzahl von Zeitungsausschnitten übermittelt, mU che aus einem der bedeutenden japzni scheu Blätter entnommen sind, das in der Regel die Ansichten der Regierung wiederzugeben pflegt. Hiernach ist in den maßgebenden Kreisen Japan die Ansicht verbreitet, daß die SchuMrei. tlgkeiten in San Francisco leoiglich lokaler Natur seien, und daß fte vor allem gar keinen Einfluß aus die wach senden freundlichen Beziehungen zwi schen den beiden Ländern haben kön nen. Aus den Artikeln geht ferner der Wunsch der japanischen Regierung her vor, durch Eingehung eines Handels Vertrages in engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu treten. Kriminalverfahren noch unbestimmt. Washington, D. C., 18. Nov. Die Frage, ob das JustizDepartement gegen die Standard Oll'Mak.naten kriminell vorgehen wird, ist vorläufig offen klaffen worden. Generalanwalt Moody giebt auf Befragen auswel chende Antworten. Man dürfte die Entscheidung darüber von dem Ersolg deS Civilprozesses abhängen lassen. Dieses Civilverfahren kommt dem Aus werfen eines RlefennetzeS gleich, mit welchem man Thatsachen zu fischen hofft. Die Behauptungen, welche in der Klageschrist aufgestellt find, sollen durch die Vernehmung der Beklagten selbst erwiesen werden; man hat die selben aus verschiedenen Schriften, welche das Oel-Monopol zum Gegen stand haben, forste zum geringeren Theil aus den früheren Prozkssen in Ohio zusammengeholt und hofft im Lause des Prozesses authentisches Ma terial zu erhalten, um sowohl die Auf lösung deS OelMonopolS, wie auch die kriminelle Belastung der Oel'Magna ten zu erzielen. In der westvirginischen GebirgS wlldnlß ist Mangan in reicher Menge entdeckt worden. DaS Metall koste jetzt $200 die Tonne. .
lenkt ein. Kriminalverfahren noch
Bulletin. SchreckcklicheS Unglück auf dem Wasser. P o r t 1 a n d. Ore., 19. Nov.. 3 Uhr MorgenS. Soeben traf die Nach, richt hier ein, daß der Jlußdampfer Jeannie" mit dem Dampfer Dir1 heute Nacht bei Llki.Point kollidirte. Wenigstens vierzig Personen find er trunken und zahlreiche Passagiere der beiden Dampfer find mehr oder weni ger schwer verletzt. Der Dampfer Dkx" ist in den Wellen versunken. Ja, so sind die Frauen. Cincinnati, O, 13. ?!ov. Ein häuslicher Krach, den der Anwalt John Wentzel letzten Freitag Morgen mit seiner hübschen und bedeutend jün geren Ehehälfte hatte, hat dazu ge ührt, daß Letztere eine Trennung? läge gestern einreichte. Freitag Mor gen war eS unangenehm kühl, und Wentzel ersuchte die Gattin, auS den Federn zu steigen und das Feuer anzu ünden. Sie entgegnete, dies sei seine Pflicht und Schuldigkeit. Wie die unge Frau behauptet, versetzte der Gatte ihr hieraus einen Hieb, und sie uhr ihm mit den Fingernägeln in's Gesicht. Die Frau, die als muthige Reiterin, speziell in ttentucky, wo sie gebürtig ist, bekannt ist, wurde später verhaftet. Baumwolle - Ladung brennt. New Orleans, 18. Nov. Der englische Dampfer Cuftodian", der am 14 November mit einer Ladung von 24.000 Ballen Baumwolle nach Liverpool von hier abfuhr, kehrte heute in den hiesigen Hafen zurück. Seit drei Tagen steht die Baumwolleladung durch Selbstentzündung in Brand und das Oberdeck des Dampfers ist stark beschädigt. Das Feuer ist jetzt unter Kontrolle gebracht worden und sobald dasselbe gänzlich gelöscht ist, wird daS Schiff wieder in See gehen. Raufluftige Studenten. Fayetteville.Ark., 13. No. vember. Der Polizist Henry Rough wurde in der letzten Nacht von dreihun dert Studenten der StaatS'Univerfltät von ArkausaS angegriffen und so schwer mißhandelt, daß er wahrscheinlich fter den wird. Die Studenten hielten durch die Straß' der Stadt einen Umzug, bei dem sie ihren College.Ruf- in überlauter Weise ununterbrochen ausftießm. Der Polizist ermähnte zuerst die Studenten, sich ruhiger zu verhal ten, und als diese die Ermahnung nicht beachteten, verhaftete er einen der vauptschreier. Im Nu war er von den rufl'lftkgen Studenten umzingelt und in der darauffolgenden Rauferei erhielt Rough einen Schuß in das Kreuz. Er zog dann auch seinen Re volver und feuerte mehrere Schüsse in die Luft ab, worauf die Studenten schleunigst reißau? nahmen. Alter Verbrecher tödtet Geschäftsmann. W h e e l i n g , W. Va.. 13. Nov. Der Bergwerksarbeiter SilaS Conaway aus dem nahen Flushing. Ohio, tödtete heute Abend durch einen Schuß den italienischen Kaufmann MarcuS Pive rotti auf der Stelle. Die beiden Män ner waren über eine GeschäftStranLak tion in Streitigkeiten gerathen und in feiner Wuth tödtete Conaway den Kaufmann, worauf er enlfloh. Ehe riff Amoine mit einer Posse bewaffne ter Bürger machte sich sofort auf die Verfolguug des Mördeö. Im Jahre 1834 hat Conaway den Marschall Jo seph McConnaughay ln Bridgeport O.. t ödtlich verwundet, vosür er zwölf Jahre im Zuchlhaufe zugebracht hat. Verdient eld. Indianapolis Somvofite Brkck So Aktien jetzt $47.50 per Antheil. Der m Prels neig! am 24. November auf 860 Land gekauft. Fabrik aebaut. Maicki erien hier dies ist eine sichere und promavle Jnveptrung.
Panama. Präsident Roosevelt auf der H e i m r e i s e. Colon, 18. November. Nach, dem Präsident Roosevelt am SamStag Nachmittag noch durch die vom anhal tenden Regen aufgeweichten Straßen der StadZ geritten und sich Alles ange sehen hatte, ging er zur Wohnung des Herrn Bier?, General'BetriebSleite'rS der Panama.Bahn, und aß daselbst zu Mittag. Gegen 10 Uhr AbendS nahm er von den höheren Beamten deS Kanal baueS Abschied und begab sich mit sei. nem Gefolge an Bord deS Schlachtfchif feö L ouifiana-, welches bald darauf die Anker lichtete und nach Ponce, Porto rico, in See stach. Der Präsident befindet sich jetzt wie. der auf See, und man erwartet, daß er am Mittwoch ln Ponce ankommen wird. Von da wird er auf einem Automobil quer durch die Insel Porto, rico fahren und dann einen Tag in der Hauptstadt San Juan verweilen. Am nächsten Donnerstag schifft er sich wieder ein und wird wahrscheinlich am DienS tag, den 27. November, in Hampkon RoadS landen. Sturm zerstört eine Stadt t h e i l w e i s e. B.i r m in g h am. Ala., 13. No. vember. Ein sehr starker Sturm raste letzte Nacht über den nordöstlichen Theil oeö Staates Mississippi und verursachte erheblichen Schaden. Die Stadt Wl nona wurde theilweise durch den Sturm zerstört und alle größeren Gebäude um geweht. Die Calvary. nnd die Chri ftian.Klrche, die BaumwollePresse und das BundeSpoftgebäude stürzten ein. Zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört, aber Menschenleben gingen, so weit wie
berichtet ist, nicht verloren. Der Stand der Geschäfte. N e w V o r k, 18. Nov. R. G. Du? & Co's. dieSwöchentliche Ueber ficht über den Stand der Geschäfte in den Vereinigten Staaten lautet wie folgt: Das kältere Wetter hat allenthalben das Geschäft ftimullrt und die ttollek tkonen fallen auch jetzt besser aus. Ge schäftSreisende schicken große Beftellun gen ein, die Frachtbeförderung läßt aber immer noch viel zu wünschen übrig. Winterkleider etc. und Feiertagswaaren find am meisten in Nach frage, ader auch Stapelwaaren jeder Art haben einen sehr stetigen Markt. Der Geschäftsgang ist ein durchaus befriedigender, die Aussichten für die Zu kunft find ader noch besser. Die Ar beiterschwierkgkeiten find fast überall in freundschaftlicher Weise beigelegt wor den und von vielen Eisenbahnen und industriellen Etablissements find die Löhne erhöht worden. Das Bedeutungsvollste währen) der Woche war das Steigen des Preises von Roheisen trotz ungewöhnlich gro' ßer Produktion und starker Einfuhr, ES deutet dies eine noch nie dagewe fene Aktivität in der Stahlindustrie an. Auch in anderen Industrien ist die Lage fast gleich günstig. In der Textilindustrie herrscht viel Leden, Baumwollwaaren find aber jetzt in weniger starker Nachfrage. Vorrütkze sammeln sich aber keineswegs in oen Händen der Produzenten an. Wollen Waaren haben immer noch einen ruhi gen Markt. Die Nachfrage hat aber doch etwas zugenommen und Käufer beschweren sich über die verzögerte Ab lieferung von Kleiderwaaren. Die Nachfrage nach Schuhwaaren ist in den Neu Cnglandftaaten eine sehr befried! gende. Landwirthschastliche Produkte hatten im Allgemeinen einen festen Markt, besonders diejenigen, in denen in letzter Zelt stark spekulirt wurde Weizen ging aber am Freitag wieder zurück. Die Zahl der Bankerotte belief sich während der Woche in den Ver. Staaten auf 224, gegen 192 in der korre spondirenden Woche deS vorigen Jab reS. und in Canada auf 31, gegen 23 vor einem Jahr. SchiffSnaSriSte. Trieft: Pannonia- von New York. Southampton: .St. Paul" von New Aork London: .Milwaukee- von Montreal. Liverpool: Vtctorian" von Montreal. Moville: .Columbia" nach New ?Zork. Queenötown: .Caronia" nach New York. London: .Mefaba- nach New York. .' Auf der SoutherN'Bahn find bei Lena, S. C., beim Zusammenstoße eines Süter und eines Arbeitszuges die Bremser Lloyd und CheSney getöd tet worden.
Die Bombe platzt!
Humoreske von Ralph von Rawitz. Das Feldartillerie - Regiment lag wieder einmal auf dem Schießplatze wie in jedem Sommer. Weit in der Ferne zurückgeblieben in der Garnison waren alle Genüsse des Kulturlebens, und nun hieß es, sich so gut einrichten, wie es primitive Baracken und Fachwerkhäuschen gestatten. Solche Einsamkeit in der Heide hinter dem Wald weckt das Erfindertalent: Jeder sucht sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen, und während dieser eine Jalousie für sein Stubenfenster konstruirt, das der Militärfiskus in unverhüllter Schönheit belassen hat, nützt der Andere die Stunden der Langeweile, um seinen Terry oder Pintscher zu dressiren. Zwei Meister in solchen Dingen waren die Leutnants Holzmann und , Förster, und die Konkurrenz steigerte' ihre erfinderischen Anlagen mit jedem Tage. Zugleich stellte sich aber auch die Lust ein, den Rivalen zu necken und zu überbieten und dem Spott der Kameraden auszusetzen. So entstand ein Schabernackspiel, an dem sich das ganze Regiment belustigte. Ich bin neugierig, wer schließlich den Vogel abschießen wird," sagte eines Abends, als die Herren im Ka sino saßen, Hauptmann Stark zu seinem Nachbar, ich glaube Holzmann. Was meinen Sie?" Ich bin der entgegengesetzten Anficht und proponire sechs Pullen Sekt auf meinen Favoriten. Was halten Sie dagegen?" Natürlich auch sechs Silberge halste. Und dazu Pfirsich oder sonst ein Gemüse!" Famos! Auf Vorschuß können wir immer schon zwei trinken! Ordonnanz, zwei Mousseux und Eis, EiZ denn es ist eine Mordshitze, und wir haben mindestens 25 Grad im Schatten!" Die Flaschen kamen, das Gespräch ging hin und her, der Abend sank immer tiefer herab, ohne wesentliche Kühlung zu bringen. Niemand wollte sich vom Kasinogärtchcn trennen, wo es einigermaßen erträglich war, um die durchglühten Baracken zur nächtlichen Ruhe aufzusuchen. Nur Leutnant Holzmann war früh verschwunden, aber nach einiger Zeit tauchte e: wieder auf, mit zufriedenem Gesicht. Lächle du nur," dachte Förster, morgen habe ich für dich eine Sache, einfach erstklassig! Na, du wirst springen, guter Kerl!" Endlich, als die große Lageruhr elf schlug, brachen die Offiziere auf; mußten sie doch morgen um halb sechs Uhr wieder auf dem Gaul sein. Auch Förster wandelte im Vorgefühl seines morgigen Triumphes nach seinem Stübchen und öffnete die Pforte seines bescheidenen Gemaches, um dann sofort mit einem lauten Donnerweiter!" zurückzufahren. Gleich darauf hörte man ihn in höchsten Fistellönen nach seinem Burschen rufen. Die Stubennachbarn stürmten herbei, eine Korona Neugieriger bildete sich um den scheltenden Leutnant, und nun stellte es sich heraus, was das Hilfegeschre: hervorgerufen hatte: das Zimmer des Leutnants war bestens geheizt! Der eiserne Ofen glühte wie ein Kraterschlund, und das Thermo meter zeigte zweiundvierzig Grad R6aumur! Ueber dem Bett aber klebte ein großer Zettel mit den freundlichen Worten: Wünsche angenehme Nachtruhe!" Förster ließ zunächst ein kleines Lexikon von Donnerwettern" und Bomben-Elementen" los; dann aber, einsehend, daß in diesem Vratosen nicht zu schlafen war, wandelte er nach dem Kasino zurück, wo ihm der Oekonom auf dem Billard mit Hilfe von Decken und Kissen eine Art von Ersatz für das Bett improvisirte. An diesem Abend traumphirte Holzmann, und als vorsichtiger Soldat gab er sofort seinem Burschen Ordre, unter keinen Umständen seinen Gegner in sein eigenes Zimmer hineinzulassen, denn er mußte erwarten, gleiches mit gleichem vergolten zu sehen. Förster aber , ein ebenso schlauer Stratege, beschloß, während er auf seinem Billard schlaflose Stunden verbrachte, den Feind in anderer Richtung anzugreifen. Vor wenigen Tagen war er noch in der Nachbarschaft bei einem Oberförster zu Gast gewesen, der ihm unter anderem gezeigt hatte, wie man Wild von jungen Pflanzungen fern hält: mit Hilfe von Zeuglappen, die in eine stark riechende Flüssigkeit getaucht und an Bäume gebunden sind. Den Namen dieser Flüssigkeit suchte Förster die ganze Nacht, aber erst gegen Morgen fiel es ihnj ein Asa foetida" richtig, so hieß das Zeug. Am Nachmittag des nächsten Tages, während die Kameraden ausruhten, ritt der erbitterte Leutnant nach dem nächsten Städtchen und hatte dort mit dem Apotheker eine trauliche Zwiesprache, von der er sehr erheitert wiederkam. In der darauf folgenden Nacht aber, als alles schlief, schlich er wie ein Fuchs so leise hinüber nach den Burschenstuben, und dort machte er sich geraume Zeit an einem Paar hoher Reitstiefeln zu schaffen: wenn einer der müden Artilleristen aufgewacht wäre, hätte er den Leutnant Stiefel putzen sehen. Am Morgen, als die Batterie ausmarschirte, schnüffelte Maior von
Eichwald, der Mthei!ungs:omman deur, nach rechts und nach links. Deifelmäßiger Geruch," sagte er zu Holzmann, seinem Adjutanten, den ich mir gar nicht erklären kann! Bitte, Holzmann, kommen Sie mal her, riechen Sie - mal, bemerken Sie es nicht auch?" Holzmann hatte es schon lange bemerkt, daß seine eigenen Stiefel diesen penetranten Geruch ausströmten, und sich daher möglichst weit von seinem Vorgesetzten gehalten. Jetzt half ihm nichts, jetzt mußte er an die Seite deS Majors. Herr Major täuschen sich wohl!" Ader Mensch, Holzmann, Adjutant! Es wird ja immer toller mit jeder Sekunde! Riechen Sie noch nichts?" Äem unglücklichen Leutnant perlten die Schweißtropfen vom Gesicht. Zu Befehl ja mir ist beinahe so-" Natürlich und wissen Sie, was ich glaube? Ihr Gaul, oder Ihr Sattelzeug oder sonst etwas stinkt so infernalisch! Herr Leutnant Holzmann, ich muß mir von meinem Adjutanten aus- -bitten, daß er immer wohlriecht, zu Fuß wie zu Pferde, verstanden?" Holzmann legte stumm die Rechte an den Helm; dann folgte er betrübt seinem Kommandeur, der seinen Gaul herumgeworfen hatte und davongesprengt war, mit den Worten: Ich bitte heute, da wir Ostwind haben, immer westlich von mir zu bleiben. Westlich denn, Herr Holzmann, Sie duften übel!" Förster lachte in seinen Vollbart, den. er sich während eines langen Urlaubes angeschont hatte, als er den Rivalen so jämmerlich zerschmettert sah. Und in der Freude seines Herzens trank er an diesem Abend im Kasino doppelt so viel wie sonst. Um dem Gegner so recht seinen Triumph zu zeigen, bat er immer gerade diesen, der oben an der Bowle saß, ihm das leere Glas zu füllen und durch eine Ordonnanz hinüberzuschicken. Das that Holzmann denn auck mit größter Bereitwilligkeit, aber ebenso bereitwillig goß er in jedes Glas Bowle einen Schuß Kognak fin Champagne, dessen Wirkung nicht ausblieb. Schon um neun war Förster der Ansicht, daß die Fenster und Stühle um ihn tanzten, und um halb zehn lag er im tiefsten seligen Schlaf in seinem Bett. Ueber ihn beugte sich aber Holzmann, bewaffnet mit Rasirpinsel und Messer. Der ganze schöne Bart mußte herunter nein, nicht der ganze. Unten am Hälfe unterhalb des Kinns,von einem Ohr zum anderen, blieb ein Streifen stehen, den man im Volksmund eine. Mauerfrese" nennt, der älteren Herren sehr würdig steht, zur Uniform aber wenig paßt. Nach gethaner Arbeit zog Holzmann sich zurück und harrte des kommenden Morgens. Förster schlief sehr lange und erwachte erst, als ihn sein Bursche am Arm schüttelte mit der Versicherung, daß in zehn Minuten abmarschirt würde. Da fuhr er aus dem Bett, in den Waffenrock und Hose, ohne zur Toilette Zeit zu haben. Stiefel an Säbel um Helm auf und hinaus. Die Batterie hatte sich schon in Marsch gesetzt und, was das Schlimmste war, Major v. Eichwald hielt auf seinem Fuchs daneben und ließ Geschütz an Geschütz bei sich vorüberziehen. Verdammt! Doch zu spät gekommen! Förster setzte sich vorschriftsmäßig in Galopp, parirte kurz
vor dem Vorgesetzten und meldete sich: Ganz gehorsamst zur Stelle!" Der Major sah ihn befremdet an. Mit wem hab' ich das Vergnü gen?" Leutnant Förster!" Schlagschwerenoth, Mann, wie sehen Sie denn aus? Und was hängt Ihnen denn da überhaupt aus der Halsbinde?" ' Förster griff an's Kinn, wo es ihm fchon wiederholt so merkwürdig kühl vorgekommen war der Vollbart war weg. Aber als gewandter Mann faßte er sich sofort: Ich habe mich rasiren lassen, Herr Major!" So? Sie sich selber? Und was soll diese Frese da unten? Sagen Sie mal, Sie glauben wohl neue Moden hier einführen zu können, wie? 'n richtigen Pelzkragen hat er um! Herr, wir sind hier nicht bei den Südseeinsulanern, sondern stark in Mitteleuropa!" Nach diesem Vorfall war Förster vierundzwanzig Stunden nicht zu sehen, aber auch Holzmann verreiste plötzlich auf dieselbe Zeit nach unbekannten Gefilden, um, wie boshafte Kameraden versicherten, in guten Geruch zu kommen". Anden aber sagten, der ganze Verlauf sei durchaus normal gewesen, denn es sei ganz selbstverständlich für Artilleristen, daß zum Schlüsse die Bombe platzt!" Unangenehme Treue. Du, Sepp, warum . hast Du denn Deinen Waldl verkauft?" Ja, das Vieh war mir zu treu. Allemal wenn ich ins Wirthshaus gegangen bin, at er sich' davor gesetzt und geheult. Da hätt bald 's ganze Dorf g'wußt, wie oft ich den Tag über drin war!" Sein Standpunkt. Ver theidiger: Zu einem Geständniß wollen Sie sich nicht herbeilassen?" Angeklagter: Fällt mir nicht ein. Der soll mich nur überführen das ist ja sein Seschäft!"
