Indiana Tribüne, Volume 30, Number 61, Indianapolis, Marion County, 2 November 1906 — Page 7

Jndia Tribüne, 2 November 1906

Rom ist hk Rache. oman auZ Bern nordischen Volks-leben.

Von Stasi Eainc. (Autvrtt7tk NtdkNkyung ans ttm EngUschen. Bon SstV Höcker. ) (Fortsetzung.) Er war cm Seemann. Bon den Slittlandsinseln?" frug der Gouverneur. Island." antwortete der Fremde. tfo war also ein Isländer. A der Wd hingen zwei kunstlose Porträts, daö eines hübschen Knaben, das andere eine junge Frau darstellend Adam'S Weib und sein Erstgcbore' ncr. Als der Gouverneur auf den Knaben deutete, schüttelte der Andere den Kopf. Er besaß keine Kinder. . Dun wies der Gouverneur auf da weibliche Porträt. Der Mann zögerte schien bejahen zu wollen, schüttelte jedoch, mit einer Miene, als wolle er einen unwillkommenen Gedanken ver bannen, abermals das Haupt. Er hatte keine Frau. Wie war fein Name? Alle Bemühungen des Gouverneurs den Namen seines Gastes zu crsahrcn. scheiterten. Dieser wurde finster und ging aus kein Zeichen ein. Mit heiß verlangendem Blick schaute er auf die Ucberrcslc des Mahls, die noch auf dem Tische standen. Adam lud ihn ein. sich an den Tifch zu fetzen und zu essen, uud der Fremde verfchlang mit furchtbarer Gier Bissen auf Bissen, wobei ihm der Schweiß in großen tropfen übcr's Gesicht rann. Als er sich gesättigt hatte, wurde er schläfrig und begann auf seinem Stuhle zu nicken ; in einem Augenblicke, wo er sich seiner wieder bewußt ward, zeigte er auf einen über der Thür hängenden ausgestopften Pferdckopf. Er wünfchte im Stalle zu fchlasen. er Gouverneur zündete emc Vaternc an und führte hu auf den tallbofccn. Tort streckte sich der Manu auf's Stroh und bald verriethen seine tiefen, reget mäßigen Athemzüge, daß er eingeschlafen war. kaum war Fairbrother wieder in' Haus zurückgekehrt, als seine Söhne nebst Knechten und Mägden von Rainsey kamen. Alle waren noch ganz von dem FestNUlsche dieses Tages erfüllt nnd Adam, welcher weder feinen Söhnen noch seinen Veiucii verwehrte, sich in feiner Gegenwart zu unterhalten, saß mit dem Gesicht gegen das Feuer, rauchte und überließ sich wieder seinen Gedanken, ohne sich um die Anderen zn bekümmern. Welcher Zufall hatte jenen bcdauernswcrthcu Mann heute Abend in sein Hans geführt? Ein Isländer, unfähig, sich in einer andern Sprache verständlich zn machen, den irgend ein tyrannischer Kapitän in Ketten gelegt hatte ein Berlafsener, ohne Weib oder Kind in fsincr Heimath, ein Flüchtling, ein Vandstrelchcr. ein gehetztes Wild in der Fremde! Welcher gute Ge nins hatte gerade heute Abend Adam'S Gedanken auf feine eigene eidenszcit zurückaclcnkt ? Seine Aufmerksamkeit wurde plötzlich vou den Gesprächen hinter ihm in Anspruch genommen. Es war von einem Matrosen die Rede, der sich in der tadt gezeigt hatte, und von den Blaujacken, welche ihn verfolgten. Er hatte gestohlen. Nein, er hatte Jemand ermordet. Irgend ein triftiger Grund zur Hastnähme mußte vorliegen, denn der Oberamlinann hatte sie befohlen. Gewiß würde man den Burschen bald erwischen und dingfest machen. V Gouverneur erkundigte sich nach dem Acnßcrn des Matrosen, und seine Knaben beschrieben ihu als einen fremdartig ansfehcnden Mann in Fellmütze und langen Strümpfen, noch um einen halben Kopf großer als der lange Billy-by-Nitc. . In diesem Augenblicke vernahm man schwere Tritte auf dem Kks und ein lautes Pochen an der Thür. Bitt Männer traten ein. ES waren die Blaujacken. Der fremde Seemann, den sie suchten, war in der Richtuag nach dem Ballure zu gesehen worden und sollte sich gegen Lag herab gewendet haben. War er hier gewesen ? Daraus sagte einer der Knaben, sein Vater habe den ganzen Abend zu Hause zugebracht, uud wandte sich an den letzteren, die Frage wiederholend. Aber der gute Adam saß mil zurückgclchntcm Haupte in seinem Stuhle, die Pscifen Ipitze lofe zwischen den Kippen haltend, und fchnarchte wie ein Bär. .Seine Excellenz fchläft." sagte die Blaujacke. Bater rief einer der Burschen nnd stieß den Schläfer an. Der Gouverneur öffnete seine Augen und gähnte mächtig. Die Blaujacke, die Mütze in der Hand, wiederholte das vorhin Gesagte, und den guten Adam schien es gewaltige Anstrengung zu kosten, tu seiner Schlaftrunkenheit fcmc Gedanken zu sammeln. Endlich frug er : .Was hat der Mann begangen ?" Er ist von seinem chiffc desertirt, Excellcnz.- . Weiter nichts? Kein Verbrechen ?" .Weiter nichts, Excellenz. Ist er hingewesen ?" .Nein." antwortete der Gouverneur. Damit schloß er feine müden Augen wieder und begann sehr vernehmbar zu athmen. Als jedoch die Blaujacken unter sich beriethen und darin übcreinstimmten, daß sich der Mann hier ir gendwo in der Nähe aufhalten müsse, weshalb sie die Nacht auf dem Stallbvden schlafen wollten, um au andern

Morgen die Gegend zu durchsuchen, erwachte der Gouverneur plötzlich. Er bedaure. sagte er. daß es an Betten fehle, die i'eute möchten auf den Bänken in der Küche schlafen. Eine Stunde später, als ganz Lague in tiefem Schlummer lag, erhob sich Adam aus feinem Bette, nahm eine Blendlaterne uud begab sich aus deu lallbodcn. weckte den Isländer nnd machte ihm ein Zeichen, ihm zu folgen. Beide fchrittcn leise Über den gepflasterten Hof ; als sie am Küchenfenster vorüberka:nen. wies Adam mit der Hand hinein und zeigte dem Fremden die vier Blaujacken, welche schlafend auf Bäuken um daö Feuer herum lagen, dessen dunkle, ersterbende Gluth ihre Gesichter beleuchtete. Bei diesem Anblick blitzte es in den Augen des Mannes auf, ein bitterer Zng zuckte um feinen Mund und mit einein, halb in der Kehle erstickten hei fercn Schrei griff er nach dem Heft des Matrofenmefsers, welches in feinem Gürtel stak und that einen Schritt vorwärt. Abcr Adam legte seine Hand ans seinen Arm, blickte ihm fest in die Augen und fah im Scheine der Laterne, wie deren wilder Glanz erlofch. Einen Augenblick später war der Mann gegangen. Die Nacht war schon weit vorgerückt. In den Straßen der $! herrschte Stille, der Marktplatz war leer und die Feuer auf den Bergen waren nicdergclrannt Mit Tagesanbruch kehrte die Blaujacken mit leeren Händen nach iKcuifei) zurück und bald darauf lichtete die ..glifche Brigg die Anker. Südlich von Ramfey uud nördlich von der Maughold-Spitze liegen zwei herrliche Buchten. Die eine heißt Lague. die andere Port-y-Vullin. Am Ufer der letztgenannten stand eine aus Torf erbaute, mit Reisig gedeckte schadhafte Hütte, deren jeweiliger Inwohner miethsrei war. Die Sont.e war schon hoch gestiegen, als ein Weib heraustrat und in einem zerbrochenen Boote, welches am Strande tag. einen schlafenden Mann gewahrte. Sie weckte ihn auf und lud ihn in ihre Hütte ein. Er erhob sich und folgte ihr. Vergangene Nacht war er aus dem besten Hanse der Insel vertrieben worden diesen Morgen fand er Aus nähme im schlechtesten. Das Weib war Lkza Killey das liederlichste Geschöpf auf der Insel. Der Mann war Ztephen Cm). K.Kapitel. Als wir im vorigen Kapitel Stephen Orry wieder begegneten, war feit feiner Flucht von Island erst ein Monat ver gangen, und die Geschichte dieser kurzen Zeit ist bald erzählt. In der Beschä' lnung über die Mißhandlung seines Weibes sowohl, wie ans Furcht voi deren Drohung hatte er seine Heimath' liehe Insel noch in derselben Nacht im Kielraum eines englischen Schisses ver lassen. Zwei Tage hielt er's in seinem Versteck aus. dann trieb ihn der Hungei hervor. Er erhielt Arbeit vor dem Mast, einige Tage später trat er als regulärer Matrose in den Dienst des Schiffes bis zu dessen Ankunft im michsten englischen Hafen. Nun folgten Bestrafungen wegen Trägheit uud Uukenntniß des Dienstes ; Stephen ward mürrisch, drohte, widersetzte sich und erhielt endlich von seinem Bootsmann mit einem Tauende einen chlagüber den Kopf, wofür er denselben ohne WeitereS über Bord warf. Infolgedessen wurde er achtuudzwauzig Tage lang bei Wasser und Brod in Eifen gelegt. Mit Hilfe eines ihm wohlgesinnten Sckpffa genossen gelang es ihm endlich, sich seincr Fessel zu entledigen, während das Schiff vor Rain sey Anker geworfen hakte, und schwimmend an die Küste zu enttommen. steplien wohnte in Liza Killey's Hütte, seine Wirthin war von illegitimer Geburt ; von ihrem Vater vcrleugnet, von ihrer Mutter als kleines Kind ausgesetzt, war sie in Unwisscnhcit und untcr dcn schmutzigsten Ver hältnisscn ausgewachsen, nnd der Ruf. in welchem sie in der weitesten Umgegend von Ramsey stand, konnte nicht ärger sein. Durch welche Künste es ihr gelang. Stehen Crry gänzlich zu umstricken, ist unschwer zn errathen. Elmar ein hilfloser Flüchtling, dem sich keine andere Thüre öffnete; er war fremd hier, seine gänzliche Unkcuntniß der Sprache machte ihn nicht nur stumm, sondern :uch taub, uud so konnte der übte Lenmnnd seiner Beschützerin, die ihm Cbdach gewährte, nicht den Weg zu seinem Cijre finden. Dazu tarn, daß der riesige Isländer ein schöner Vursch war. nnd das verworfenste Weib weiß ihre Laster geschickt zu verbergen, wenn cS darauf ankommt, sich einen Mann zu erobern, der ihr gefällt. Diese und andere zusammenwirkende Umstände sollten, nachdem co unter deu V eilten viel Gerede und Kopfschütteln gegeben hatte, endlich dahin führen, daß eines -tagS der Pfarrer des Kirchspiels in der Hülle von Port-t? -Vulliii vor sprach, um am nächst Sonntag in der Kirche öffentlich das Verlöbniß der gaags Via Killcy mit dem Junggesellen Stephen Ontz von Island zu verkündigen. Vtti Wochen später fand die Hoch zeit statt uud welche Hochzeit war das? 'v iza trug ciu hellfarbiges Kleid, welches ihre Nachbarin Bella Eoobragh. ciu nicht minder verwahrlostes Geschöpf, ihr geborgt hatte. Mit einem herausfordernden Vächcln betrat die Braut die vom gemeinsten Mob angefüllte Kirche. Männern nnd Frauen freche Blicke zuwerfend hinter ihr trottete Orry in feiner Alltagskleidung einher, das Änge zaghaft zu Boden schlagend. Zu dem Hochzeitsmahle. welches nach der Trauung in der kleinen elenden Hütte stattfand, stellten sich fast alle früheren Courmacher iza'S ein. um ihre Gaben darzubringen. Mit einem Fäßch'n Rum auf der Sirnlter kam Nary Eroivn der Wender der Sckänke .Zum Hibernier:

Eleave Kinley. der Fleifcher von Bal laglaß. brachte ein halbes Schaf gefchleppt und Matt Mylchreest. der Retz stricker ein schäbiger alter Filz führte zur Weihe des Tages wenigstens eine bis an den Rand gefüllte Schnupftabaksdofe bei sich, um die Nasen der HochzcitSgäste zu erquicken. Ein isch. eine Bank, ein drcibeinigcr Schemel, das Bett und der Herd mußten der zahlreichen Gesellschaft als Sitze dienen, die Hüte hing man am Dachsparren auf. die Teller, von denen gegessen wnrde, legte man ans's Knie ; Gelächter uud zweideutige Unterhaltungen ldürzten das Mahl. Stephen hatte sich bald von der Gesellschast weggestohlen und streifte ein. sam au der Küste herum, das Haupt gebeugt, die Wangen bleich, die Augen unsläl umher wandern lassend, die Hände in den Taschen vergraben. Wie es oft bei Frauen niedriger Sinuesart vorkommt, so mißbrauchte auch iza die Rechte, welche ihr die Kirche verliehen hatte. Da sie nun einen Mann besaß, der für sie sorgen mußte, ergab sie sich der Faulheit mehr als je zuvor, uud vor der Schande, wie sie meinte, durch ihre Heirath gefeit, stn'k sie jetzt nur tiefer und tiefer. Eiu so unglückliches Eheleben mußte natürlich lähmend auf stephen Orry wirken, er gab fich im Gefühle seiner Hilflosigtct bald gänzlich der Trägheit und dem Trübfinne hin. Hatte er überhaupt je einen Lebenszweck gekannt, fo kam ihm dieser jetzt vollends abhanden. Währcnd der ersten Zeit seines Aufenthalts auf der Infcl war er mit den Booten Kane Wade'S, der in dem großen, schweigsamen Isländer bald einen geschickten Fischer erkannt hatte, auf deu Äiakrclcnfaug ausgesahrcu. Jetzt vcruachläfsigtc er dies Geschäft, verlor das Selbstvertrauen und lag Stunde lang am Strande, gedankenlos vor fich hinstarrend. Liza genas eines Kindes, eines tern, sonnigen Knaben, abcr die anuatürliche Mutter betrachtete deu Kleineu nur als eiue unwillkommene Last, welche sie in ihrer Freiheit hemmte, nnd vernachlässigte ihn. Stephen sah sich durch den kleinen Ankömmling daran erinnert, daß Rahcl nahe vor der Stande gestanden hatte, einem Kinde das l'cbcn zu geben ; er wandte sein Herz von dem Knaben ab uud kümmerke sich nicht um ihn. &o verengen orel 5ayre nuo wayrend dem vollzog lch mit Stephen eine Wandlung znm schlimmern. Früher nur träge nnd gedaukenlos. aber nicht geradezu schlecht, verlor er allmälig den letzten moralischen Halt. Er war stets wahrheitsliebend gemeseü da ihn aber das Weib, mit dem er leben mutzte, unablässig für einen Lügner erklärte, fo war er endlich auch einer geworden. Er hatte keine andere Gesellschaft als die ihrige, denn die Erlernung der englifchen Sprache ging über feine Geisteskraft, und iza allein konnte ihn verstehen ; er kannte keinen Wunsch, als den, zn essen und zu trinken, und lebte keinem Zwecke, als demjenigen, sein betrunkenes Weib am nächtlichen Herum, streifen zu verhindern. So ging Ste phen feinen dunkeln Weg. ohne daß ein theilnehmendeS Auge über ihm wachte, uud so war er vollends zur Gemeiuheit herabgesunken. TaS Jahr neigte sich dem Winter zu. die Lnft war seucht und kalt ; Stephen hatte den Tag an der See verbracht und sich Abends ans dem Nachhausewege von seinen Genossen an der Thür des GastHauses .Zum Pflug." wo eS lustige Gesellfchaft und ein wärmendes Feuer gab. verabschiedet. Hungrig, naß and fröstellld setzte er seinen Weg fort. Als er feine Hütte erreichte, fand er die Thür offen, den Herd erkaltet, den Fußboden vom hereiiigedrungeuen Regen überschwemmt ; kein Bissen Brot, nicht ein Löffel Suppe war vorhanden. i;a lag betrunken auf dem Bett, das Kind trippelte mit vlaugefrorenem Gesicht und Händchen in seinen schmutzigen Kleidern weinend umher. Das sollte der Anfang vom Ende sein. Wieder ein Mal fahr Stephen OtTY'fi Hand nach dem Matrosenmesser, dann aber riß er, wie in einer plötzlichen Ein gebnng. den Knaben emvor und nahm ihn in seine Arme. .Gott sei gepriesen für Dein gutes armes Gesicht." sagte er. nnd während er dem Kinde die Thräne ans den Augen wischte, entfielen seinen eigenen heiße Tropfen. Er zündete Feuer an, kochte einen Stockfisch, den er von der See mitgebracht hatte, aß und gab auch dem Kleineu zu esseu. Dann faß er. mit dem Kinde an feiner Brust, vor dem Herde slud beugte sich mit der Zärtlichkeit einer Mutter über das kleine, unschuldige Antlitz, denn eÄ war ihm plötzlich die Einsicht gekommen, daß er dem Knaben, wenn dieser nicht schlimmer als eine Waise daran fein nnd nicht verloren gehen follte. fortan Vater und Mutter fein müsse. Und als die süßen kleinen Augen, jetzt nicht mehr mit -ihräiicii gefüllt, sondern wie lachender Soiinenschcin in das große, verkümmerte Geficht über sich schauend, vergebens gegen den Schlaf anzukämpfen begannen, hüllte er das Kind in feine zerlumpte Jacke uud legte es wie ein Bündel sanft an ein am Feuer erwärmtes Plätzchen. Nachdem er dies gethan hatte, fetzte er sich wieder an den Hcrd. die Ellbogen ans die Knie stützend und die Ohren mit dcn Händen bedeckend, damit er die schweren Athemzügc seines Weibes nicht höre. In dieser Nacht erkannte er seit seiner Flucht von Island zum ersten Male die ganze Größe seines Vergehens'. Vergehen ? New, ein Verbrechen war es und sogar eines der schwärzesten! Und in den Schrecknissen dieser einsamen Stuude erbebte er bei dem Gedanken, daß sein Geheimniß eines Tagcö kundwerden, daß irgend eiu Zufall c au's icht ziehen und die Welt erfahren könne daß er bereits verheirathcl

war. als er die Frau, die hier hinter ihm lag. zum Altar führte. Er sah jetzt, wie tief er gefallen war zurückgelassen hatte er ein reines, treues Weib, welches ihn liebte und ihm Vater, Heimath und Ehre opferte und dafür hatte er eine Verworfene eingetauscht, die ihn durch den Schmutz schleifte und haßte. Der bittere Gedanke kam ihm. daß er jenem Weibe, welches ihm ihr Alles gegeben hatte, niemals anch nur mit einem gütigen Worte oder Blicke zurückzahlen konnte, was sie sür ihn gelitten, ie war ihm sür immer verloren nnd ein breiteres Meer als jene fünfhundert 5ccmcllcn Wasser fchicd Beide von einander. Zermalmend war seine Scham nnd seine Rene, während das laute Schnarchen feines Weibes ihm wie schneidiger Stahl durch alle Nerven ging. .Rahcl! o Rahcl! Rahcl!" rief er mit schluchzender Stimme und ausgebreiteten Annen iu das düster flackernde Feuer hinein. Plötzlich ward er sich bewußt, daß die schweren Athemzüge verstummt waren, daß ihn etwas an der Schulter berührte und ein hagerer Schatten neben ihm stand. Es war sein Weib, das sich von ihrem trunkenen Fchlase erhoben hatte. .Wer ist Rahel?" frug sie. Bei diesem Worte erstarrte sein Blut und unter seinen Kleidern zusammen, schauernd, rückte er näher an den Herd, ohne zu antworten oder aufzublicken. .Wer ist Rahcl?" wiederholte sie ihre Frage, während giftiger Haß aus ihre Augen fprühtc. Ader die einzige Stimme, welche hierauf Antwort gab. war die Stimme in seinem Innern. .Ich bin ein verlorencr Mann, Gott helfe mir !" Znm dritten Male schrie das Weib : Wer ist Rahcl?" nnd der Klang jenes Nameuö vou ihren Kippen, die ihn entweihten uud besudelten, war das Uncrtrüglichfte. was je sein Chr beleidigt hatte. .Wer sie ist, will ich wissen. Ant wortc mir !" schrie sic mit wuthbeben, der Stimme ; er aber beugte sein hageres Antlitz nur noch tiefer gegen das Feuer. Sie legte ihre Hand ans seine Schulter, schüttelte ihn und kreischte : .Wer ist dieser Irnvcl, diese Dirue, diese Da erwachte plötzlich sein trotzig Muth. In wilder Erregung am ganzen Körper erbebend, schlenderte er sie von sich und antwortete mit schrecklicher Stimme: .Sie ist mein Weib." Wie auf einen furchtbaren Donnerscklagfolgte diesem Worte eine unheimliche StiUe. Entsetzt starrte iza dem Manne in's Gesicht, unfähig einen Laut hervorzubringen. Am anderen Tage ging sie nm Pfarrcr nnd erzählte ihm Alles, ie erhielt schlechten Trost. Der unglückliche Pfarrer hatte selbst zwei Weiber ; die erste war ihm davongelaufen und nachdem er sechs Jahre lang nichts mehr von ihr gehört, hatte er die zweite gehcirathet. So sagte er denn zu iza: .Er mag sich gegen das Gesetz vergangen haben, aber welchen Beweis habt Ihr dafür? Keinen !" Hierauf begab sie sich zu deirt Richter in Ramsey. Dieser war ein Junggeselle nnd im Stillen galanten Ncigungen ergeben. Auch hier hörte sic nicht viel Erbauliches, dennoch schöpfte sie ans dieser Quelle einen tropfen Trostes, welcher ihr die Bitterkeit ihres HerzeuS versüßte. .still, Frau!" schalt der Richter, der Fall kommt häufiger vor, als Ihr glanbt. Und was ist eS denn im Grunde schlime ? Etwas Anderes wäre eS. wenn er Euch fchlügc, mißhandelte. Seid zufrieden. Frau !" Plötzlich kam ihr die Ucbcrlcguug. daß sie eS in der Hand hatte, ihren Mann viel empfindlicher zu strafen, als Kirche und Gefetz vermochten. ?iein. sie wollte ihn nicht aus ihrem Wege räumen ; er follte auch ferner mit ihr leben, gleichviel ob er ihr Gatte, ob sie fein Weib war oder nicht. (Fortsetzung folgt.)

uSsatz in der Schweiz. Die seit einiger Z-eit auftauchenden Nachrichten, toß man in einem Kanton der französischen Schweiz ein leprö'es Dorf enroeckt hätte, haben die Sch.ixizer Behörden zur Entsendung einer medizinischen Kommission an den verdächtigen Ort veranlaßt. Es han?lt sich um das Dorf Guttet. welckes aus einem 1200 Meter hohen Gipfel oes Haut-Valais gelegen ist und cbaia 200 Seelen zählt. Sei: lange war es in bzt Umgegend bekannt, daß besonders zwei Familien, die Kannen und Kippel. mit einer enistellenden Krankheit bvhaftet seien, doch dachte mn. daß es sich um Erysipel handle. Die Kommission -konswt'.rtc nun fünf unz veifelhafte Fälle von Lepra. Einer der Erkranktat. der 19jährige Kippel, starb vor wenigen Tagen. Sein Gesicht war von furchtbaren Wunden bedeckt. Der Bericht der Zlerzte schließt mit der idringenden F 'rderung, ein LepraHospital Mschen den Dörfern Guttet und Feizel zu errichten. Vorläufig trafen die Kantonaröehörden die nothwendiA.n Vorkehrungen. ind:m ste sämmftlick) Erkrankte und der Lepra Verdächtig in Sennhütten auf der Torrentalp isolirten. Dort dürfen sie sich in Freiheit bswegen. Die Unter.suchun'gen der Aerzte förderten die Dhatisache zutage, daß die Lepra nach d'sem vom menschlichen Verkehr ziemlich fern abliegenden Fleck nicht etwa neuerdinzs verschleppt wurde, sondern dort bereits seit undenklichen Zeiten bestanden und hauptsüchlich in den Awei genannten Familien sich fortgepflanzt habe.

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