Indiana Tribüne, Volume 30, Number 53, Indianapolis, Marion County, 24 October 1906 — Page 7

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! Das wrilc Jmnm i i 1 5 Hnmorittifche Erzählung von 4. I RudolpK Stratz J A fr ' : (Fortsetzung.) 10. a p i 1 1 a lachte es neben ihm hell und 31 herzlich auf. Was haben Sie eben gesagt?" Ich habe die Vermuthung geäußert," murmelte der Oberlehrer dumpf, ohne die Augen zu öffnen. . . . neir: ... die bestimmte Ueberzeugung, daß ich der größte Esel bin. der je auf einem Berg herumlief! Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er auf's Eis. Und ich bin auf's Eis gegangen! Und da sitze ich nun!" Ja... nun... und?" Ja halten Sie das für ein Vergnügen?" An Ihrer Stelle gewiß!" sagte seine Freundin. Ich möchte wenigftens die Vermuthung äußern oder nein ... die bestimmte Ueberzeugung, daß eine ganze Anzahl Männer sich mit Vergnügen mit mir auf einige Stunden in diese verschwiegene Gletscherspalte einsperren lassen würden. zumal in Gesellschaft eines so diskreten Sittenwächters, wie der gute alte Kröpf! Was. Kröpflein?" Der Führer lachte. Ja, wie er jung gewesen sei! ?a habe er sich zu so was nicht zweimal bitten lassen! Und Sie!" Sie setzte sich vor Martin Siebenpfeiffer hin und sah ihn lachend an. während der von oben hereinfächelnde Sonnenwind ihr bildhübsches Gesicht röthete. Sie Undankbarer kauern da als ein Häuflein Unglück im Schnee, sind ganz gelb im Gesicht und haben ein leidendes Lächeln wie ein Märtyrer. Weshalb denn? Solch einen kleinen Abrutsch haben Sie gewaltiger Alpinist doch gewiß schon mehrfach durchgemacht ich bin auck wohlbehalten, obwohl Sie es noch nicht der Mühe werth gefunden haben, mich danach zu fragen öder sich sonst irgendwie um mich zu kümmern! Also was fehlt Ihnen denn?" Martin Siebenpfeiffer suchte die bleiernen Augenlider zu heben. Wieder batte er die Empfindung, als sei das Wilde Dirndl" höchstselbst in den Käfig ihres Bezwingers hcrabgestiegcn. um ihn so recht boshaft und voll Schadenfreude auszulachen.

Was mir fehlt?" seufze er und blinzelte wehmüthig sein rosiges Gegen über an. ,.O mir ist grimmig zu Muth. Ihnen denn nicht?" Sie schüttelte den Blondkopf und machte einen Luftsprung auf den Fußspitzen, als wolle sie über den Rand des Berqschrunds hinausschauen. ob Ulrich Schneevogt noch nicht käme. Warum denn? Da oben auf dem Berg hab' ich eine greuliche Angst gehabt. Da war mir das Weinen näher wie das Lachen. Und wenn ich mich nich' vor zwei so tollkühnen Männern. wie mem Bräutigam und Sie, ge schämt hätte, wäre ich am liebsten wie der umgekehrt. Glauben Sie mir: ich bin gestraft genug für meinen Leicht sinn! In meinem Leben gehe ich nicht wieder auf das .Wüde Dirndl!'" Ich auch nicht!" dachre Martin Slebenpleiffer. ..Aber jetzt ist ja alles überstanden!" fuhr sie fort. Es ist ja keine Gefahr mehr. Und meinen Zweck habe ich er reicht! Sagen Sie mal: den Lärm. wie wir und der Schnee und alles hier hereinpurzelten, das muß doch mein Bräutigam oben geHort haben? Ja. leider!" murmelte ihr Mentor Und dann könnte er sich doch den ken. daß mir ein Unglück passirt ist?" (V u ";a. Das freut mich!" Sie streckte triumphirend die Arme aus. So ist's recht! Das Ungethüm soll nur auch einmal wissen, was Angst ist! Angst wie ich sie oehabt hab', wenn er draußen auf den Bergen herumstiefelte und ich hörte in der Ferne Mittags die La winen niedergehen. Jetzt merkt er wie's einem zu Muth wird, wenn man jeden Augenblick erwarten muh. daß ernem die Knochen des andern in Schnupftuch in's Haus zurückgebrach werden. Jetzt ist er kurirt. Sans und zahm wie ein Lamm!" ..Das wäre mir offen gestand?: lieb!" Martin Siebenvfeiffer trau fclte sich Schneewayer auf das Hin terhaupt. Denn zu einem Faiistkamp wäre ich gerade in meiner jetzigen Ver fassung...ich weiß nicht, es ist mir so etwas flau und zaghaft zu Sinn . . ich möchte am liebsten schlafen gehen.' Wären Sie doch da oben zaghaf gewesen." Sie wurde zornig und ihre Auaen funkelten. ..Aber da natürlich waren Sie unverschämt und nutzten meine Schwäche aus! Der richtige Mann! Was haben Sie nun von dem Kuß? Wo noch überdies mein ganzes Gesicht dick mit Lanolin eingerieben war! Ebensogut hätten Sie meine Coldcreamöüchse küssen können! Das wär' schon dasselbe! Aber warten Sie nur: Geschenkt ist Ihnen dieser Kuß nicht! O nein! Ulrich Schneevogt ha ihn gesehen!" Wieder schloß ihr Gefährte die Au gen. Ein Schwindel überkam ihn und zualcich die Erinnerung an seine erste und einzige Meerfahrt nach Helgoland. Dies unergründliche Grauen der Seekrankheit troch ihm wieder langsam vom Magen aufwärts in den Kopf. Ulrich Schneevogt hat ihn gesehen!" wiederholte die beharrliche .Bergfce.

Und mit dieser Dreistigkeit, die' so recht zu Ihrem ganzen Wesen paßt, haben Sie unsre Lage so erschwert.

I ch wollte Ihnen ja in Gottes Namen schließlich ve :zeihen. aber er es ist Ihr Glück, daß Sie jetzt so jämmerlich dasitzen! Das gibt mir einen Plan. Sie vielleicht doch ncch mit heier .-.ut in's Thal zu bringen!" Bi'tc. thun Sie das!" Der Ober-.. thut faltete matt die Hände. Sie verpflichten mich zu herzlichem Tank!" .Tann sind wir auitt! Sie haben mir geholfen, meinen Bräutigam nach Kräften zu ärgern, wenn feie aucy mn dem Kuß gröblich über das Ziel hinausgegangen sind. Nun will ich Sie auch nicht in der Patsche stecken lassen. Seien Sie stark. Herr Siebenpseisfer! Ich bin ja bei Ihnen und helfe Ihnen. Es wird Jhr::i kem Haar gekrümmt. Sce schlua ihm lachend mit der Hand auf die Schulter und Martin Siebenpfeiffer lächelte bitter. Wo war etzt seine H.'ldenrolle geblieben? Er war hilflos wie ein Kind und sie seine Beschützerin, und schien das ganz elbstverständlich zu finden, nachdem ie dort oben auf der Spitze des Wilden Dirndl" doch das Knie vor ihm gebeugt. Das Wilde Dirndl" spielte eben mit ihm wie die Katze mit der Maus! Es ließ die Hüttenkmdlem zu sich kom men und aab dem Sonntagskind darunter in heiligen Höhen beim flammenden Morgenroth den Verlodungsuß. und warf den wonnetrunkenen Bräutigam gleich darauf wieder in ungfräulichem Zorn in eine Randkluft und zog ihn fühllos lachend wieder heraus nein das war die wahre Liebe nicht! Er blickte an feiner schonen Kameradin hinauf, wie sie da lang und schlank wie eine Tanne, vom hellen Sonnenlicht umflon'en, auf dem blüthenweißen Schnee stand, und er erschrak! Sie aß schon wieder! Aus einer Tasche hatte sie sich ein Butterbrot geholt und biß mit weißen Zähnen hmein. wahrend ihre Augen suchend in dem Bergschrund hin und her wanderten, als wollten sie nach weiteren genießbaren Dingen spähen. Offenbar war sie überhaupt nicht zu sättigen! Mochte die Welt zu Grund? gehen, sie frühstückte auf den letzten Trümmern weiter und war mit ihren Gedanken schon beim Miitaeiörot. Webmuth und Neid füllten beim Anblick des hungrigen Mädchens aus der Fremde seine Brust. Ja, die war stark. Die war ganz. Die hatte keinen Kat'.eniammer. Die fürchtete sich vor Ulrich Schneevogt nicht, sondern kaute mit beiden Backen, als befände sie sich zu Hause am Kaffeetisch. Und dagegen er... Sie fing leinen sehnenden Blick auf und kämpfte ejmn schweren Kampf zwischen Hunger und Höflichkeit. Aber die Wohlerzvgenheit siegte. Ta. sprach sie und hielt ihm die Hälfte ihres Brotes hin. Wn wollen bruderlich theilen !" Der bloße Geruch des gekochten Tchinens jagte eine Gänsehaut übe? Martin SIebenpfeiffcrs Leib. Er streckte abwebrend beide Hände aus. Tun Sie das weg!" keuchte er. Oder es gibt ein Unglück!'" Aber warum denn? Sie suchte ihm in ihrer Gutherzigkeit den vom Munde abgesparten Leckerbissen aufzudrängen. Effen Sie doch! Sie sehen ja ganz elend aus!" Es wird mir ja auch ganz elend!" Er wollte an ihr vorbeischlüpfen, aber sie hielt ihn fest und fuchtelte wieder mit dem Brot vor seinem Antlitz hin und her. Haben Sie Mitleid mit mir! Ich bin ja in einer gräßlichen Verfassung. Und das Schlimmste..." Er brach ab. Es war ihm, als sei ein Schatten vor die Sonne getreten, obircnl doch weithin der Somi.ierhimmel sich tiefblau und wolkenlos wölbte. In banger Ahnung schaute er nach oben Jawohl! Ta stand riesengroß und mit bärenbreiten Schultern, auf die mördcrisch blinkende Eisaxt gestutzt, als ein düstere? Schattenriß von dem hellen Hintergrund abgehoben, hart an der Nandkluft eine dräuende Gestalt, sie beugte sich vor und wie Donner grollte die forschende Frage in die Tiefe hinab: Herr ... was in Henkers Na men haben Sie da unten mit meiner Braut zu schaffen?" Als ob er freiwillig zu einem Schäferstündchen in diesen Eisbrel herabge hüpft wäre! Martin Siebenpfeiffer schloß fröstelnd die Augen. Eine unheimliche Neugier nach dem, was nun geschehen sollte, überwog selbst den Schrecken. Seine Begleiterin aber war ganz ruhig. Antworten Sie ihm nicht erst!" sagte sie. Es halt nur unnutz auf. Und ich habe nasse Füße und will heraus. Warum kommst Du denn so spät?" rief sie unwirsch nach oben. ..Ich warte schon eine Ewigkeit auf Dich!" Der Riese oben blieb stumm. Ol schien zu erstaunt über diesen m Pfang. Aber natürlich Du mußt ja immer zu spät kommen!" fuhr sie strengen Tones fort. ,Du bist der r,npünktlichste Mensch, den ich kenne. Was inzwischen aus mir wird, das..." Still jetzt!" sagte der oben plötzlich mit sehr energischer Stimme. Steig' einmal Deinem Esel von Fuhrer auf die Schulter! Tann zieh' ich Dich in Gottes Namen heraus, obwohl Du es eigentlich nicht verdienst !" Gut! Du darfst mir meinetwegen heraufhelfen! Aber nur unter einer Be-dingung-daß Du den beiden andern auck beraushilfft!"

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BMEHgiBEHBl&gBfff Ach nein!"' Martin Siebenpfeiffer protestirte lebhaft und höflich aus einer Ecke der Randkluft. ..Das . . . daö etfl a nicht so . . . man körnte mir ja aua; sväter Fuhrer zu Hilfe schicken ... ich fühle mich hier unten eigentlich aanz wohl . . . Herr Schneevoat braucht sich wirklich nicht persönlich zu bemühen!" 5 bitte?" iaate sein Geaner aleickNüthia. b Sie zu mir heraufkommen oder ich Ihnen untai einen Besuch abstatte, wie ich eigentlich nn Sinn hatte, das bleibt sich für unsre Zwecke aanz gleich. Aussprechen werden wir uns, so oder so! Und zwar gründlich!" ..Reden darfst Tu mit ihm!" ant wortetc an des Oberlehrers Stelle sein: Beschützerin in der Rndkluft. Aber thun darfst Du ihm nich:! Ehe Tu mir das nicht auf Ehrenwort versprochen hast, steige ich richt dem Kröpf aus die Schultern und icrnme nicht heraus! Unter keinen Umständen! Und wen:' es bis zum Abend dauert! Und w:nn ich hie? verhungern sollte! Ich bleibc so lane hier! Zwingen könnt Ihr mich nicht. Und meinen Dickschädel kcnns. Du!" Ja, den kenn' ieb! Aber warum sol. ich ihm denn nichts thun?" Weil er unter meinem Schu steht!" Da lachte es oben grimmig auf. Ein schöner Hochtourist, der sich hinter einen Untcrrock verkriecht! Ich gratulire Ihnen. Sie Champagnerheld! Si? verwünschter Kußräuber! Ich werd? Jbncn Ihre Pfänderspiele auf dem .Wilden Dirndl' austreiben!" Lachs ihn nicht aus!" sagte die junge Dame mitleidig und streifte das erschöpft im Schnee kauernde Opfer der Berge mit einem mütterlichen Blick. Siehst Tu denn nicht, daß er kran'. ist? Ganz quittengelb im Gesicht und essen will er auch nichts. Er muß sich beim Herunterfallen etwas gethan ha ben!" Der Riese runzelte die Stirne. Wie 'ne Leiche auf Urlaub sieht er allerdings aus!" brummte er. Und so waö spielt auch noch den Schwerenöther Brrr! Es ist unerlaubt!" Also gib Dein Ehrenwort!" Der Mann vom Berge schwieg stör risch und die Bergfee setzte sich unten wieder hin. Ich hab' Zeit!" sagte sie sanft. Und wenn ich mir den Schnupfen hole, bist Du schuld!" Eva sei vernünftig!" Rein ich bin unvernünftiz Einer für alle! heißt es hier unten bei uns Höhlenbewohnern. Entweder kommen wir zusammen herauf oder gar nicht. Und so wenig Tu mir das Nasenbein oder die Rippen zerbrechen wirst, ebensowenig darfst Tu Herrn Siebenpfeiffer irgendwie beschädigen, denn er ist krank. Und ein kranker Mann ist so gut wie eine Frau. An dem vergreift man sich nicht!" Der Schatten oben ging mit langen Schritten längs der Randkluft auf und nieder und die unten saßen still und schwiegen. So verging geraume Zelt. Ulrich! llang nach einer Weile d? helle Stimme. Jetzt bin ich schon bis an die Knöchel im Wasser. Ich werde ganz gewiß krank, wenn Du mich in Deiner Barbarei da unten läßt! Was willst Du denn nur von Herrn Siebcnpfeifrer? Ich will mir das Gewächs nur einmal aus der Nähe ansehen! Nachher werfe ich ihn gern gleich wieder in den Berqschrund zurück!" 3 pfui:" sagte Eva, während iyr Kluftgenosse nervös zu niesen begann. Jetzt gibst Du mir gleich auf der Stelle Dein Ehrenwort, ihn unbehelligt gehen zu lassen, wohin er will... oder . . . weiß Gott ... ich geb' ihm noch einen Kuß... aus reinem Mitleid. Sieh nur. wie elend er in dem nassen Schnee liegt und die Augen zukneift und niest. Katzenjammer hat er auch. Und seine Hose ist geplatzt . . . Siehst Du. jetzt stopft er sich auch noch Eis in's Genick, der Unglücksmensch, um nur bei Kräften zu bleiben. Und da willst Du noch mit Deinen beiden Fäusten dazwischen fahren. Da könnte?! Du ebensogut mich hauen, wie den da!"

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Verdient hättest Du's!" Der Mann vom Berge beugte sich vornüber und musterte seinen Feind. Eva! Du hast einen wahrhaft miserablen Polizeiwidrigen Geschmack! Wenn ich vergleiche: Ein Kerl wie ich und dieses Geschöpf da unten, das nichts kann als küssen, niesen und in Randklüfte fallen und sich bort blödsinnig im Schnee zu einem Klumpen zusammenrollen nun über Dich und mich sprechen wir. wenn Du oben bist, ein äußerst ernstes Wort. S 0 lasse ich mich nicht von Dir behandeln, meine Liebe. $ä wirst Du merken. Und Dein Wta Freund mag also in Gottes Namen heute Schonzeit haben, damit Du endlich aus diesem Bergschrund herauskommst! Ich sage heute, Herr! Morgen ist auch noch ein Tag. Und nun los! Sie da, Sie alter Narr. Kröpf oder wie Sie heißen, lassen Sie einmal das Fräulein auf Ihre Schultern treten und schieben sie mit der flachen Hand, wenn ich ziehe, unter den Stiefelabsätzen nach, bis sie sich oben auf dem Rand aufstemmen kann. Eins, zwei, drei!" Das Seil spannte sich und ging mit dem Ruck eines Zugstieres nach oben. Im nächsten Augenblick tauchte Eva auf der Kante auf. ihr Retter in der Noth packte sie ohne viel Umstände unter den Armen und schleifte sie auf den Gletscher hinaus. Dann winkte der Kröpf unten seinem Herrn, und der erfüllt von der plötzlichen Angst, die andern könnten sonst weggehen und ihn allein hier der Beschaulichkeit eines Nordpolfahrers im ewigen Eise überlassen, verlor plötzlich alle Scheu vor den auf der Oberfläche der Dinge seiner harrenden Schrecken, un versuchte zum zweitenmal daö Cirkuskunststück. den alten Tiroler als Pied:stal zu benutzen. Der gab ihm von unten einen mächtigen Ruck, von oben langte ein Paar großer und ein Paar schmaler Häro nach ihm und rissen tyn aus das Eis. Da blieb er sitzen und starrte verstört zu seinem Retter empor, der inzwischen auch den alten Kröpf an seiner in die Tiefe gehaltenen, fünf Fuß langen Eisaxt emporklettern ließ. Die beiden Männer schwiegen eine Weile. Endlich sagte der Riese nachdenklich: Also das sind Sie!" Das bin ich!" bestätigte der erschöpfte Oberlehrer. Sie machten neulich schon, als wir uns im .Lamm' trafen, auf mich den Eindruck eines Menschen, den Gott in seinem Zorn für den Alpinismus bestimmt hat! Wie kommt eigentlich ein Philister wie Sie, ein Mensch mit Spitzbauch und Brille, zu solchen Tollheiten?" Die Erbitterung stieg in Martin Siebenpfeiffer auf. Konnte er dafür, daß sich plötzlich wie durch einen Zaubertrank das weise Lamm in einen wilden Tiger verwandelt hatte, den das Schicksal durch alle Höhen und Tiefen des Menschendaseins, von der Gipfelspitze bis zur Randkluft dahinriß. Ick verbitte mir diesen Ton!" sprach er scharf. Ich bin Ihnen keine Rechenschaft schuldig!" Das werden wir ja morgen sehen! Für hcute leben Sie wohl! Und Sie auch, mein verehrtes Fräulein!" Sie zog erstaunt und etwas ängst lich die Augenbrauen hoch. Sie?" fragte sie kleinlaut. Was soll denn das heißen?" Der Hüne guckte die Schultern. Es ist Zeit, vom .Du' wieder zum ,Sie' zurückzukehren! Eine Braut, die mit ihrem Bräutigam im Firn Bersteckenö spielt und sich vor seinen Augen in aller Gottesfrühe bei Böllerknall und Glockenläuten und dem Beifall von halb Tirol oben auf der Spitze von emem fremden Menschen abkusten läßt es war ja ein empörendes Bild, diese beiden riesiaen. ineinander ver fchlungenen Silhouetten am lichten Himmel, und alle Fernrohre der Umgegend darauf gerichtet, und jetzt vielleicht schon der Telegraph in Thätigkeit, um von dieser originellen Verlobung auf dem ,Wildm Dirndl' zu berickten ..."

Seit $0 Jahren oder länger hat sich dieser reine Pflanzen-Extrakt, als Wine of Cardui bekannt, einen Ruf in der Behandlung der den weiblichen Organen und Funktionen eigenen Krankheiten erworben. Dieser Ruf ist auf den massiven Felsen von Wahrheit und Verdienst gegründet. Ich war seit Jahren leidend und mußte eine Bandage tragen." schreibt Frau S. I. Chrisman von Mannsville, N. F., bis ich zwei Flaschen von

gebrauchte, worauf ich die Bandage ablegen konnte. Ich fühle mich nicht mehr so schlecht wie früher, und kann einen halben Tag lang auf den Füßen sein. Tcr Doktor, welcher mich untersuchte, ehe ich Wine of Cardui gebrauchte, sagte, daß es keine Medizin gebe, dir mir helfen würde, aber Cardui hat mir so sehr geholfen, daß ich es gern jeder Frau mittheilen möchte." Cardui lindert periodische Schmerzen, regulirt gestörte Funk- A J s tionen und hat Tausenden die Gesundheit wiedergegeben. MWU fj & WW WD WWD nachdem alles Andere nutzlos gewesen war. In äffen ctpotfiefepn in $i.ö0-jfascrn zu flauen.

Einer Verlobung?" sagte sie und trat einen Schritt zurück, und Martin Siebenpfeiffer empfand einen reißenden Schrecken in der Herzgegend. Sein Gegner lachte grimmig. Wenn eine junge Dame vor Hunderten von fremden Zeugen einen Herrn küßt, auf dem höchsten Punkt im Umkreis, damit es nur ja alle sehen ich glaube, das genügt. Aber haltet das, wie Ihr wollt! Nur mich bitte ich aus dem Spiel zu lassen. Ich bin nicht der Mann, mit dem man solche Scherze treibt! Daß Tu mir einen gehörigen Schrecken eingejagt hast gut! Aber daß Du mich lächerlich gemacht hast durch Deine Kußszene mit diesem kümmerlichen kleinen Geschöpf, das da auf dem Eise kauert und zähneklappert und niest diese Geschmacklosigkeit vertrage ich nick,t." Martin Sieöenpferffer stand mühsam auf. Das gnädige Fräulein ist ganz unschuldig!" sprach er dumpf. Ich habe ihr den Kuß geraubt!" Um fo schlimmer für Sie morgen! Uebrigens gehören zum Kußrauben zwei! Adieu!" Der Mann vom Berge wandte sich zum Gehen. Eva berührte leicht seinen Arm. Ulrich!" sagte sie bittend wie ein Kind. Aber er schüttelte grimmig das Haupt. Darauf warf auch sie trotzig den Kopf in den Nacken und sah ihm mit finsteren Blicken nach, wie er, die Eisart geschultert, langen Schritts über den Gletscher davonwanderte. Weiter und weiter zog er, und verschwand endlich, ohne sich umzuschauen, in den weiten, steilen Schneefeldern, in denen sich der Unterbau des Wilden Dirndls" noch stundenweit hinab in's Thal zog. Martin Siebenpfeiffer saß im Schnee und wußte nicht, wie ihm geschah. War das kein Traum das Wort Verlobung, das im Zorn von beider Lippen gefallen war und ihm, dem Oberlehrer, galt? Aber freilich ein Kuß vor Zeugen das ist die Verlobung! Halb Tirol hatte ihn gesehen, Böllerknall, Glockengeläute und Flaggenhissung ihn eingeweiht. Sonst hätte sie doch auch etwas gesagt. Aber sie stand stumm und finster auf dem Gletscher und nagte an der Unterlippe. Er wagte nicht, ihr zu nahen. Er fürchtete sich vor seinem Glück! Alles. was er vom Leben ersehnt, von dem bescheidenen Wunsch, die Thörlihütte unter Dach und Fach zu bringen, bis zu dem, fieberhaftesten Wolkenfluge seiner Phantasie nach dem schönsten Weib. dem höchsten Berg, der abenteuerlichsten Gefahr, das alles schneite und regnete wie aus Zauerhand auf ihn hernieder. Er war der Sieger, der das schöne Wilde Dirndl" stürmte, bis es errathend ihm die Lippen zum Verlobungskuß entgegensetzte er fuhr lachend mit seinem holden Raub auf den Donnern des Schneesturzes zu Thal und entschwebte adlergleich mit ihr der dräuenden Randkluft, er war die verkörperte Kraft und Größe, der Uebcrmensch! Ein Uebermensch mit Katzenjammer und zerplatztem Hosenboden. Ein verschnupfter Uebermensch, der still leidend und gähnend auf dem Eise kauert und nur den einen Wunsch hat. zu Bett zu gehen und zu schlafen schrill zitterte dieser Mißklang durch sein Inneres. Geheitrnißvoll wie eine im ersten Morgenroth glühende Ebene breitete sich vor ihm ein neues Leben aus, Weib, Ruhm und Glück und er nieste und rieb sich frierend seine Beulen. Wer Galle im Mund hat, speist bei Lucullus vergebens. Und auf wem das graue iSlend lastet, der ahnt: Es ist alles eitel! Wie das Gold, das der Berggeist im Wald dem Bauern schenkt und das zu Hause sich in dürres LauL verwandelt. (Fortsetzung folgt.) Aeitnngsn 0s i . Ein blinder Passagier war Augezeuge des geschilderten Vorfalles.

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Ibrahim Paschas lcktcr Gang. Sin charakteristisches, pomphastes Leiche begängnih in Z.airo. D Leiche des egyptischen Prinzen Ibrahim Pascha, der in der Nähe von Paris auf einer Automobilfahrt tödtlich verunglückte, ist dieser Tage in Kairo zur letzten Ruhe bestattet worden, und mit all dem Pomp, der bei solchen feierlichen Anlässen im Lande des Nil üblich ist. An der Spitze des Trauerzuges schritten sechs arabische Ordner, denen acht Kameele mit je zwei großen, an den Seiten befestigten Kisten folgen. Diese Kisten sind gefüllt mit Datteln. Brot. Gurken und anderen guten Dingen. die unter die den Zug begleitend.' Menge geworfen werden; hinterher folgen sechs Wasserträger, die Hauptsächlich von der Jugend in Anspruch genommen werden. Außerdem befinden sich in dieser Vorhut" noch vier feiste Ochsen, die am Grabe des Todten geschlachtet werden, und deren Fleisch unter die Armen vertheilt wird. In einem kleinen Abstand folgen auf beiden Seiten des Straßendammes zwei Vorreiter, denen sich eine etwa 33 Mann starke Militärkapelle der Khedivialarmee anschließt. Die der Musik folgende Ehrenkompagnie wird gebildet von drei Kompagnien Soldaten, die sich in zwei Reihen zu beiden Seiten d?r Straße langsam vorwärts bewegen. Die Uniform ist vollkommen weiß, das Gewehr wird auf der linken Seite mit dem Kolben nach oben und dem Lauf schräg nach unten gehalten, während der rechte Arm hinter dem Rücken verschränkt ist. Hinter den Soldaten schreitet eine große Anzahl arabischer Offiziere in den verschiedensten buntfarbigen, theilweise mit schweren goldenen Stickereien überladenen Uniformen. In langem Zuge folgen alsdann eine große Anzahl Blinder. die später am Grabe gespeist werden. sodann Schiiten, die sogenannten tanzenden und heulenden Derwische mit ihren etwa einen halben Meter langen grauen Tarbuschen auf dem Kopfe, die arabischen Notabeln. die Vorsteher der arabischen Universität, sowie die Mitglieder des Tribunals in schwarzem Gehrock und Cylinder. Es kommen hierauf eine große Anzahl Priester, Bediente des prinzlichen Hofhaltes mit großen Schalen in den Händen, in denen die sogenannten Todtenspeisen in reichlicher Auswahl liegen. Den Dienern folgen die Eunuchen des prinzlichen Harems, etwa 30 an der Zahl, hünenhafte Gestalten in schwarzer europäischer Kleidung. Hmter ihnen kommt auf tir.tm von acht Pferden gezogenen Wagen der Leichnam des verunglückten Prinzen. Er ruht nach arabischer Sitte in einem einfachen, von einem großen gelbseidenen Tuch bedeckten Kasten, auf dem der Tarbusch des Prinzen, sein mit Gold bestickter schwarzer Uniformrock und sein Degen liegen. Hintecher folgen die rinzen und sonstigen Leidtragenden, ,.ic Equipagen mit den Damen des Harems, eine große Menge leerer Kutschen. deren Besitzer nicht anwesend sind, und dann die Wagen mit Klageweibern. die sich in möglichst mißtönigem Gebrauch ihrer Lungenkraft zu überbieten suchcn. So bewegt sich der wohl eine gute balbe Stunde lange Traucrzug langsam durch die Straßen, um draußen die Ueberreste des Fürsten zur letzten Ruhe zu bestatten. Die Wittwe des ebenfalls tödtlich verunglückten Chauffeurs hat von den Angehörigen des Prinzen 200.000 Francs (1 Franc gleich 19.3 Cents) erhalten. Der Prinz hatte sich übrigens erst im vergangenen Jahr in eine Lebensversicherung mit 26,250,000 Francs eingekauft. Nerblürnt. Schusterssöhnchen: Vater hat g'sagt, heute soll ich nicht eher fortgeh'n, bis Sie die Rechnung bezahlt haben!" S t u d e n t : Ja. hast Du denn schon Ferien. Junge?"