Indiana Tribüne, Volume 30, Number 53, Indianapolis, Marion County, 24 October 1906 — Page 6

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Pas Recht Der Lebenden. Von Leonore Niefsen-Deiters. Drei Tage lag sie nun unter dem kränzebeladenen Hügel, die arme, hübsche. kleine Cäcilie. Ihr Bräutigam saß, verwaist, in melancholischem Schwarz, im Zuge und fuhr nach den aufregenden Begräbnißtagen wieder seiner einsamen Junggesellenbehausung zu. Trübselig starrte er in die schweren, glühenden Augustsonnenstrahlen diese selben Strahlen glitten jetzt über welke Rosen, müde Kränze, hängende Trauerschleifen da draußen auf dem Friedhof, wie eine letzte, stumme, heiße Liebkosung? Vielleicht, vielleicht aber auch in ihrer brutalen Helle wie eine grausige Offenbarung: Da, seht! alles todt, alles welk, alles verdorrter Plunder. Er seufzte. So tief, daß das Mädchen ihm gegenüber den Kopf hob und ihn forschend und beunruhigt ansah. Seine Mitreisende war die beste Freundin der kleinen Cäcilie gewesen, vom Institut her. Und sie hatte sich gleich bei Empfang der Todesnachricht aufgemacht und war zu den tiefgebeugten Eltern gefahren, um sie während der schwersten Tage zu trösten und aufzurichten. Nun. da alles vorüber war. fuhr auch sie wieder zu ihren eigenen Eltern zurück. Die beiden waren allein in ihrem Abtheil. Aber zwischen ihnen herrschte Schweigen. Ungehemmt drangen die grellen Sonnenstrahlen durch's Fenster, heiß. - schwül, ermattend, aber keines rührte sich, die Vorhänge zuzusieben. Keines dachte auch nur daran. Nach einer Weil; ließ das Mädchen den Kopf wieder in die Kissen zurücksinken und blickte nun gleichfalls stumm in die leuchtende Landschaft hinaus. Der Zug ratterte einförmig

dahin rattatata. rattatata. rattatata. Sonst lautlose Stille. Plötzlich kam eine scharfe Biegung, und die Sonne stach dem am Fenster jetzt geradeswegs in die Augen. Erst blinzelte er, dann schloß er die Augen, zuletzt drehte er sich mit einem nervösen Ruck dem Innern des Abtheils zu unv saß jetzt so. daß seine Blicke gerade auf das junge Mädchen fallen muhten. das noch immer in der halb lässigen. halb traurigen Stellung in den Kissen zurücklehnte. Sie trug nicht vollkommene Trauer. aber bei ausgesuchter Vornehmheit war sie äußerst schlicht gekleidet, ganz in Schwarz und Weiß und ohne jeden Schmuck; nur ließ der durchsichtiqduftige Stoff der Bluse an Hals und Armen einen wenn auch nur flüchtisen Schein von Farbe, den matten ton der Haut, durchschimmern. Aber dieses stumpfe Schwarz, dieses schüch terne Weiß bildeten unbewußt einen geradezu gesuchten Hintergrund für ihre eigenen Farben: für das leuchtende Rothblon der schweren Flechten, für das tiefe Graublau der Augen. das Roth der feingezeichneten Lippen, das alles in seiner Ruhe eigenartig belebt durch die zitternden Lichtreflexe. Die kleine Cäcilie war brünett gewesen. Zierlich, schwarzhaarig, mit Augen wie zwei Herzkirschen. dazu beständig m Bewegung. Der gerade Gegensatz zu dieser großen, schlanken, ruhigen Blondine. Trotzdem ertappte sich der Vräut . i plötzlich auf der Entdeckung, daß jiese Blondine, dieses Mädchen, mit dem er sechs Tage lang unter einem Dach geweilt, an dem er sechs Tage lang achtlos vorübergegangen war, eigentlich eine große Schönheit sei. Gleich darauf schämte er sich seiner unzeitgemäßen Betrachtung. Noch lag seine kleine Cäci erst drei Tage lang im Grabe, und schon saß er hier und stellte Betrachtungen über die Schönheit anderer Mädchen an, wie er daran hatte vorübergehen können? Als ob er bereits anfing, seine Cäci zu vergessen. Wie grausam sind doch die Lebenden. Wie grausam! Und er dachte das so stark, daß er es unbew".ßt laut aussprach: Wie grausam! Wieder hob die blonde Mia den Kopf in ehrlichem Mitleid. Sie faßte das natürlich anders auf: Wie grausam vom Tode, mir meine kleine Cäcilie zu entführen! Und in der Absicht, ihm etwas Tröstendes, etwas Aufrichtendes zu sagen, hub sie an: Ja, es ist grausam. Aber daran muß man sich nun einmal gewöhnen, man mutz das Leben nehmen, wie es ist. Sie sind noch jung, das Leben liegt noch vor Ihnen. Sir dürfen sich nicht völlig Ihrem Schmerze hingeben. Glauben Sie mir, daß es mir selber nahe geht, sehr nahe. Aber, schließlich. die Lebenden haben doch auch ein Recht. Er. ganz vertieft in seine eigenen Gedanken, sah sie verwirrt an: Wußte it denn, was er gedacht hatte? Und. Uhr sie jefet fort, halten Sle Mlch nur a nicht für herzlos. Aber das führt ja zu nichts, das Jammern. Unsere liebe, liebe Caa ist todt, und mit allen Klagen können wir sie nicht wieder lebendig machen. Sie müssen auch an sich selbst denken: Sie müssen den Kopf oben halten und versuchen, darÜber wegzukommen! Er nickte verstandnißlos, und da er beharrlich schwieg, wurde auch sie wieder still. Die nächste Viertelstunde brachte er mit Betrachtungen über die Fraue: natur zu, die so schnell bereit ist, zu vergessen und den Dingen immer noch die bessere Seite abzugewinnen, während sein Gegenüber wie geistesabwesend den vorüberflieaenden Teleura

phenstangen nachsah. Und im Grunde feines Herzenö fand er allmählich etwaö Wahres darin, daß die Lebenden auch ein Recht, daß sie eigentlich da? erste Recht hätten. Was konnte es seiner armen kleinen Cäci jetzt noch nutzen, selbst wenn er bereit wäre, Trappist zu werden? Und nachdenklich sah er das schöne Mädchen an. so daß es sich aufrichtete und den Blick mit herzlicher Wärme erwiderte. Sie war im gewöhnlichen Leben eher kühl und zurückhaltend, aber er that ihr so leid! Und in dieser Regung des Mitfühlens streckte sie plötzlich, ganz von selbst ihre Hand nach der einigen aus. Aber als er danach grisf. fiel ihm im selben Augenblick die Aehnlichkeit auf, die diese rasche unwillkürliche Bwegung mit denen Cäcis hatte. So hatte sie immer ihre kleine Patsche ausgestreckt, wenn sie Lust bekam, geliebkost zu werden. Aber jetzt war da keine Cäci mehr, und die kleine Hand lag starr und kalt unter der schwarzen Erde, und die Erinnerung übermannte ihn derart, daß er sich über eine aiu dere Hand niederbeugte, eine schmale, aristokratische Hand, und sie küßte, während ihm die Thränen aus den Augen stürzten. Das junge Mädchen, ganz bestürzt über den plötzlichen Gefühlsausdruck, überließ ihm ihre Hand willenlos, ja sie suchte auf alle Weise noch ihn zu trösten und zu beruhigen, ganz in dem Gefühl der ZusammengeHörigkeit, das ein gemeinsamer Schmerz erzeugt. Aber es hat immer etwas Ausregendes, einen Mann weinen zu sehen; Mia fühlte, wie ihre Kehle immer enger sich zusammenschnürte, und zuletzt konnte sie es nicht mehr aushalten, sie brach auch selbst in Thränen aus. Die großen Tropfen perlten über ihre Wangen, während ihre Lippen krampfhaft zuckten. So saßen sie einander gegenüber, die Hände ineinander verschlungen, und wrirn ten. Plötzlich kam die erste Station; der Zug mäßigte sein Tempo, stand still. Die beiden fuhren auf, wischten die Thränen fort, und jeder lehnte sich hastig in seine Ecke zurück. Die Thür wurde aufgerissen; ein Herr spedirte nach einander ein Bübchen, ein kleines Mädel und eine bildhübsche junge Frau hinein und kletterte selbst nach, über die Schultsr beständig mit zwei alten Leutchen redend, die draußen auf dem Bahnsteig standen. Noch ein wort- und kußreicher Abschied in der offenen Thür, ein Durcheinander von hellen und tiefen, alten und jungen Stimmen, ein eilfertiges Zappeln von vier kleinen Armen und Beinen, und die Thür klappte wieder zu. Aber Bubi hatte ohne Zweifel immer noch Sehnsucht, und er sagte. ungeniert nach Kinderart: Du. Önkel, laß mir da mal 'raus auf dein' Platz! Worauf Max, der Verwaiste, melancholisch aufstand, den Jungen auf seinen Fensterplatz hob und sich selbst neben die blonde Mia setzte. Diese Ordnung wurde auch, trog des Einspruchs der jungen Frau, festgehalten, als der Zug sich in Bewegung setzte, da Bubi, nachdem Opapas Hut endgültig verschwunden war, immer wieder neue und merkwürdige Entdeckungen machte. Und so war das Abtheil in zwei Hälften getheilt; die eine schwarz-weiß. stumm, melancholisch, die andere buntfarbig, lebhaft, lustig. Es war ein Bild, das, vom Standpunk? der fchwarz-weißen Seite, den Titel hätte haben können: Dinge, wie sie sind" und wie sie sein könnten. Der Geoanke war so zwingend, daß selbst Max sich seiner nicht erwehren konnte. Und obwohl er dabei das Gefühl hatte, die Rechte der Todten zu schmälern, muhte er beim Anblick der lebensfrischen Frau, des prächtigen Buben, des allerliebsten kleinen Madchens immer wieder denken: Und all' das soll dir verloren sein? All' das sollst du entbehren? In Tausch geben für einen kleinen braunen Hügel auf einem fremden Friedhof? Für Erinnerungen. die verflattern, die man nicht mehr fassen kann? Während das Leben, das blühende frische Leben an deiner Seite sitzt? Eine Frauenstimme schreckte ihn auf: Bubi! Bubii?! Das darf du nicht, Bubi! Aber Bubi hatte inzwischen entdeckt, daß der Sonnenschirm der fremden Dame einen drolligen Knopf hätte: 'nen Vogelskopp! Sieh mal, 'nen Vogelskopp! Und er strebte zielbewußt und unbeirrt durch Zwischenrufe zwischen den beiden Schwarz-Weißen zum Gepäcknetz emper. um dieses drollige Möbel näher zu beaugenscheinigen. Mia drehte sich um und nahm den Schirm mit der kleinen geschnitzten Ebenholzkrücke herunter. Das Kind, zwischen ihr und ihrem Begleiter stehend, tippte mit einer niedlichen Gebärde des Entzückens mit den rosigen Fingerchen auf die eingesetzten Glasaugen. Und über

einem eifrigen Blondkopfchen begegneten sich plötzlich zwei Augenpaare in einem fo völlig ähnlichen Ausdruck, daß sie, wie erstaunt über eine solche Uebereinstimmung derGedanken. einen Augenblick ineinander verweilten. Dann senkten sich rasch zwei lange Wimpern über ein Paar Wangen von flammender Röthe. Und bis zur nächften Station beschäftigte sich Mia so ausschließlich mit dem lustigen kleinen Jungen, daß es ihrem Begleiter schwer genug gemacht wurde, auch nur hin und wieder ein Wort einzustreuen. An der nächsten Station st'a die

ssamilie aus. Niemand kam a ihr Stelle. Und als der Zug sich wiederum in Bewegung setzte, herrschte im Abtheil drückende Stille und Beklommenheit. Die Insassen vermieden. einander anzusehen; es war, als ob die Befangenheit greifbar in der Luft läge. Das Mädchen schaute angelegentlich zum Fenster hinaus und machte geistreiche Bemerkungen, wie: Ach, der colossale Baum!... Das ist ein ganz hübscher Garten! . . . Niedlich, diese weißen Bauernhäuser! .. . nur um diese drückende Stille zu unterbrechen. Der Mann spielte mit der Troddel des Vogelkopfgezierten und saate unparteiisch abwechselnd: Ach ja!... So?... Wirklich! Sie dachte: Arme, liebe, kleine Cäci! Was würde sie von mir denken! Er dachte: Wie sonderbar ist das! Ich habe sie doch geliebt, wie sehr habe ich sie geliebt, die kleine Cäci! Und doch. Schließlich sprang dos Mädchen auf und stellte sich an's Fenster, so daß sie ihm den Rücken zuwandte. Die Sonne zeichnete die Umrisse ihrer schlanken, stolzen Erscheinung gewissenhaft nach und machte aus den losen Härchen ihrer Frisur eine förmliche Strahlenkröne. Sie stand regungslos, sich nur bei stärkerem Schütteln des Zuges leicht in den Hüften wiegend, anscheinend ganz vertieft in die Dinge da draußen. Der Mann sah unverwandt zu ihr herüber und verschlang die ganze königliche Erscheinung fast mit seinen Blicken. Allmählich änderte sich das Bild vor dem Fenster des Abtheils. Neubauten tauchten rechts und links auf. Häuser. Plätze, dann Straßen. Sie sagte, ohne sich umzuwenden: Das ist Köln! Diesmal sagte er: Ja. Köln. Sie fuhr fort, ohne die Stellung zu ändern: Jetzt habe ich noch ein Weilchen zu fahren. Sie steigen hier aus. nicht wahr? Da keinerlei Antwort erfolgte, drehte sie sich unwillkürlich um. Wieder prallten ihre Blicke förmlich aufeinander. Der Zug bremste bereits. Da stand er auf und saqte entschlafsen: Nein. Ich steige in Köln nicht aus! Ganz verwirrt wandte sie sich wieder ab: Aber. Sie wohnen doch bier. Er stand hinter ihr und konnte ihr Gesicht nicht sehen, als er langsamer hinzusetzte: Es sei denn, Sie wünschen es. Mia! Sie schüttelte hastig den Kopf , in demselben Augenblick fiel ein Schatten über ste, der Zug fuhr in die Halle ein und stand still. Ein Schaffner riß die Wagenthür auf: Köln. Hauptbahnhof! Und beide dachten dasselbe in demselben Augenblick: Wenn doch nur jetzt keine Leute hereinkommen! Es ist ja nur Zufall, ein Abtheil für sich zu haben. Eine Station wie Köln! Dies Leben, dies Hin und Her auf dem Bahnsteig, dies Drängen, dies Hasten. Mit einem Griff zog Max die Thür wieder zu. Zwei Augenpaare verfolgten kritisch jeden Näherkommenden. Da! die dicke Dame mit den vielen Schachteln kommt geradeswegs auf die Thür zu! Frauenabtheil? Nein, gnädige Frau. Nichtraucher! Aber die Gesellschaft da. Und das ist aliich ein ganzes Abtheil voll! Die fahren dritter. Gottlob. Raucher? Gestatten Sie. hier darf nicht geraucht O! Noch eine Minute. Ein Herr mit einer sehr eleganten Handtasche reiht ohne weiteres die Thür auf und springt auf's Trittbrett. Zwei Augenpaare hängen sich förmlich an seine Bewegungen. der Elegante stutzt. Du liebe Güte! Ein Pärchen! Und mit boshafter Höflichkeit zieht er sich zurück, verständnißinnig selbst die Thür schließend. Abfahrtszeit. Oder geht die Uhr falsch? Nein, nein, es ist ganz richtig. Warum fahren wir denn nicht? Wenn jetzt noch einer Fertig! Abfahren! Wie eine Befreiung wirkte das Signal. Erlöst, aufathmend sahen die beiden einander an. Und wie selbstverständlich nahm er ihre Hand in die seinige. Sie wehrte sich nicht. Dann legte er den freien Arm um ihre Schulter und zog sie fachte an sich. Eben fuhr der Zug auf die Rheinbrücke, gerade über eine flammende, strahlende, flirrende Gluth. die sich da unten spiegelte in dem mächtigen Strom, all' das Leben, das muntere Treiben vergoldend und durchleuchtend. Und mitten in dieser Strahlenfluth der tiefstehenden Sonne umschlangen sie sich Plötze lich leidenschaftlich, küßten sich immer wieder, ohne ein Wort zu sagen. Wie lange war's doch bis zur letzten Station? Sie merkten es nicht, erst als der Zug stand, fuhren sie auseinander. Und roth, verwirrt, unter Thränen lächelnd, stammelte sie: Aber noch nicht, noch nicht! Bedenk', die arme kleine Cäci! Und so bekam der Schatten der kleinen Cäci wenigstens äußerlich noch eine Gnadenfrist. E i n moderner Narzih. Her? Leutnant, warum lächeln Sie eigentlich stets auf der Straße?" Weil ich ein gar zu netter Mensch

fr !N! Gute Freundinnen. Siehst Du wohl, wie unrecht Du hattest, als Du sagtest, der Assessor Birkenstock interessire sich gar nicht für mich! Gestern hat er sich erklärt und mir gesagt, daß er mich zum Fressen gern hat!- Ah. gratulire! Uebrigens sein Lieblingsessen ist ja Gänsebraten!-

Europäische Nachrichte. 'Arovinz Hannover. Hannover. Plötzlich am Herzschlag gestorben ist Rektor Hennemann in Linden, der zugleich Leiter der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule in Linden war. G ö t t i n g e n. Der ordentlich! Professor der Theologie Hierselbst D. Kattenbusch ist an die Universität Halle versetzt worden. Grünen deich. Vor Kurzem ereignete sich hier ein trauriger Unglücksfall. Ein zehnjähriger Sohn des Besitzers Johann zum FelÖe am Lühedeich gerieth in die Lühe und ertrank. H a n st e d t II. Kürzlich starb hier der Altentheiler Heuer im Alter von 97 Jahren. Der Verstorvene ist in seinem ganzen Leben eigentlich nie krank gewesen. Arzt und Apotheke haben an ihm nicht einen Pfennig verdient. Eine Kopfbedeckung kannte er nicht. Bis vor einigen Jahren ging er auch barfuß und barhäuptig hinter dem Pfluge her. Den mehrere Kilometer langen Kirchweg legte er ohne Beschwerden zu Fuß zurück. H a m e l n. Vor einiger Zeit stürzte aus dem Fenster seiner im 4. Stockwerke belegenen Wohnung an der Kreutzstraße der Steinsetzer Nikolaus Wicke herab und verstarb alsbald infolge seiner schweren Verletzungen. H o y a. 'Seinem langen Leben machte der 84jährige Altentheiler Dreyer ein gewaltsames Ende, indem er sich an einem Baume erhängte. Er war des Lebens müde geworden. M a s e n d o r f. Infolge Blitzschlages brannte das Wohnhaus des hiesigen Hofbesitzers Fr. Gade total nieder. S a r st e d t. Einem bedauerlichen Unfall ist der Müller Keese auf den Malzfeldt'schen Mühlenwerken erlegen. Derselbe wollte einen Treibriemen auflegen, der aber wieder abschlug und Keese vor die Brust traf. An den erhaltenen inneren Verletzungen ist Keese gestorben. S t a d e. Der Ziegelarbeiter Karl aus Oberndorf wurde unweit von hier in der Unterelbe furchtbar verstümmelt als Leiche aufgefunden. Es liegt Raubmord vor. Wilhelmshaven. Der Materialien - Ausgeber Efen feierte vor Kurzem sein 25jähriges Dienstjubiläum im Dienste der hiesigen Werft. Von dieser langen Zeit ist Efen 24 Jahre unausgesetzt beim Kohlenmagazm beschäftigt gewesen, und zwar zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten. Trotz seiner 65 Lenze versieht der Jubilar seinen schweren Dienst in voller Rüstigkeit mit Lust und Liebe. Provinz Wstfa5en. Bochum. Der Schießmeister Hettfeld befand sich kürzlich auf dem Wege zum Schacht, auf dem Rücken ven sog. Schießkasten tragend. Pionlich erfolgte eine furchtbare Explosion llls mehrere Arbeiter herbeieilten, fanden sie an dem Orte, wo die DetoNation erfolgte, nur einzelne zerschmetterte Körpertheile des Sch'.cß ll-eisters Hettfeld. Die übrigen Körpertheile wurden, weit zerstreu:, erst nach längerem Suchen gefunden. Blanken st ein. Vor erniger Zeit wurde der Ariseurgehülfe Bartel von hier tödtlich verletzt voc seiner Wohnung auf der Straße gefunden und ist bald darauf gestorben, cbne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Wer ihm die Verletzungen beigebracht hat, konnte nicht fts!gestellt werden. H a t t i n g e n. Der achi Ic.hre alte Sohn des Arbiters Becker hat:e zu Hause ein Mefl'er an sich genommen, um draußen einen Avfel zu schälen. Einige Jungen eilten hinzu und wollten ihm den Apfel entreißen. Es kam zu einer Balgerei; der kleine Becker kam zu Fall und stieß sich dabei das Messer in den Leib. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen. 'Provinz Kessen-Jlals K a s s e l. Abgestürzt vom 3. Stockt eines Neubaues im Stadttheil WilHelmshöhe ist der 16jährige Lehrling Poppenhäger des Maurermeisters Krug. Der Aermste trug so schwere innere Verletzungen davon, daß er, nachdem ein Arzt ihn verbunden, nach Elgershausen gebracht werden mußte. Letztens ereignete sich hier am Töpfer markt ein Unglücksfall. Der Fuhrmann der Möncheberger Gewerkschaft Paul Köverich kam zu Falle und wurde vcn seinem eigenen Fuhrwerk überfahren. Der am Fuß und Unterschenke! Verletzte mußte durch die Sanitätskolonne dem Landkrankenhause zugeführt werden. H a n a u. Im Krebsbach ist das drei Jahre alte Kind des Fuhrwerksdesitzers Ferdinand Reuling ertrunken. Reulin arbeitete mit seinem Sohne auf dem Kartosftlacker, hinter der Matronentasche", während das kleine Kind in der Nähe spielte. Als die Mutter nach dem plötzlich verschwundenen Kinde suchte, fand sie es mit dem Köpft im Wasser liegend vor. Sosort wurden zwei Aerzte herbeigerufen, doch blieben Wiederbelebungsversuche erfolglos. Sooden. Dieser Tage wurde das 25jährige Bestehen des hiesigen Solbades unter Antheilnahme der gefammten Bevölkerung von hier und Allendorf und vieler auswärtiger Gäste festlich begangen.

HesterreictZ-Älngcrrn. Wien. Der hiesige Advokat Dr. Max Eisler stürzte bei einer Bergpartie auf der Rax in eine Schlucht und war sofort todt. Vor Kurzem fiel der vierjährige Sohn des Eisengießers -Adolf Seidenstein, Favoriten, Dampfgasse No. 13, in ein Gefäß mit heißem Wasser und erlitt Verbrühungen am ganzen Körper. Der Knabe ist im St. Josef-Kinderspital alsbald den Verletzungen erlegen. Gräfin Marie Goluchowski, die Mutter des Ministers des Aeußeren Grafen Goluchowski, ist kürzlich auf der Besitzung Skala in Galizien gestorben. Hier lief die siebeneinhalbjäh rige Aloiia Braun. Tochter einer in der Novaragasse 7 wohnhaften Wäscherin, in der Glockengüsse in die Pferde eines Omnibus, wurde überfahren und erlitt einen Schädelbruch mit linksseitiger Körperlähmung. Aerzte der Rettungsgesellschaft leisteten dem Kinde erste Hilfe und brach ten es ins Leopoldstädter Kinderspital. Die 18jährige Anna Hofbauer, welche aus Schmerz um ihren ver storbenen Geliebten gerade an dem Tage, an dem dessen Tod sich zum erstenmal jährte, eine Lysollösung getrunken hatte und schwerverletzt in das Allgemeine Krankenhaus gebracht werden mußte, ist daselbst ihren Verletzungen erlegen. Der hiesige Fabrikant Franz Breunig ist bei einer Besteigung der Fünf Aposteln abgestürzt und todt geblieben. Der Geograph und Statistiker, Rath Anton Leo Hickmann, ist im 73. Lebensjahre gestorben. Generalintendant der Hoftheater, Baron Plapart, ist unter Verleihung des Ordens der Eisernen Krone erster Klasse in den dauernden Ruhestand versetzt worden. G r a z. Vor einiger Zeit hat sich in einem hiesigen Hotel ein blutiges Liebesdrama abgespielt; der 37jährige verheirathete Josef Netzmach schoß seiner Geliebten, der 54jährigen Marie Rosenbaum, zwei Revolverkugeln in den Kopf und gab dann gegen sich selbst mehrere Schüsse ab. Die beiden wurden schwer verletzt in das städtische Krankenhaus überführt. K ö f l a ch. Dem Pferdewärter Franz Nestler hat der Holzknecht Johann Huber aus Eifersucht im Walde aufgelauert und ihn erstochen. Mer an. In Passeier stürzte der hiesige Dienstmann Josef Stille auf dem Heimwege etwa 80 Meter über eine Sandmoräne ab und blieb todt liegen. Prag. Zum Rektor der hiesigen Universität für das nächste Studienjähr wurde Dr. E. Doelter. Professor der Mineralogie und Petrographie, gewählt. S t e r z i n g. Vor Kuizem starb hier der Altbürgermeister und ehemalige Abgeordnete Johann Kofler im 67. Lebensjahre. W e l s. In der Lederfabrik Gebrüder Adler entstand ein Brand, der von den Trockenräumen auf das Häutelager übergf und einen Schade von 10&,Ö00 Kronen verursachte. Wiener - Neustadt. Der Chauffeur Alexander Eichfelder der hiesigen Daimler - Automobilfabrik wurde auf der Reichsstraße zwischen Theresienfeld und Wiener-Neustadt beim Ausweichen vor einem entgegenfahrenden Automobil aus dem Fahrzeug geschleudert und getödtet. W yerrrprsVmz. Köln. Verliehen wurde dem Oberbürgermeister Dr. Oehler, den Beigeordneten Dr. Richard Bertram, Hubert Hentrich und Zeitungsverleger Heinrich Otto, sämmtlich in Krefelv, der Robhe Adlerorden 4. Klasse. E i ch. Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich vor der Jürgens'schen Mrthschaft Hierselbst. Das noch nicht schulpflichtige Söhnchen der Wittwe Heimchen hängte sich an einen mit Ausflüglern besetzten Wagen. Dabei gerieth er in ein Hinierrad und wurde derartig festgeklemmt, daß er erst nach langem Bemühen in schwer verletztem Zustande befreit werben konnte. G r ä f r a t h. Letztens ist das von dem Federmesserreider Steiger bewohnte einstöckige Wohnhaus durch Feuer vernichtet worden. Die Feuerwehr war auf der Brandstätte thätig; sie mußte die Seitenwände des Gebäudes, soweit sie nicht dem Feuer zum Opfer gefallen, der Sicherheit wegen niederlegen. Hückeswagen. Vor Kurzem wollte der im 3. Stock eines Hauses an der Kölnerstraße wohnende Tuchweber August Schmitz einen Vogelkorb, der draußen über dem Fenster hing, wegnehmen, er verlor hierbei das Gleichgewicht und stürzte in den gepflasterten Hof. Nachdem man ihn in's Haus getragen und ihm einen Nothverband angelegt hatte, schafften ihn Mitglieder der Sanitätslolonne in das MarienHospital. Dort ist der Aermste nach kurzer Zeit seinen schweren Verletzungen erlegen. 'Kalk. Der hier wohnende Betriebsführer Beyer, der seit längerer Zeit leidend und fast vollständig er blittdet war, schloß sich kürzlich, nachdem er daS Mittagessen zu sich gcnommen, in seine Wohnung ein. Nach einiger Zeit verspürten die Bewohner des Hauses einen Brandgeruch. Sie sprengten die Zimmerthür und fanden den Leichnam Beyers, mit Brandwunden bedeckt, im Bette liegend ver. Wie Beyer zu diesem Tode kam, ist unaus-aeklärt.