Indiana Tribüne, Volume 30, Number 51, Indianapolis, Marion County, 22 October 1906 — Page 7
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! Das weife Lamm ! 5 Humoristische ErzäKlnng von 4 Hnvh &vM l T (Fortsetzung.) Plötzlich begann die zu bröckeln. Erst rieselten einige Firnballen herab, dann fielen ganze Klumpen nieder, kollerten gegen seine strauchelnden Beine. scklu gen an seine keuchende Brust und überschütteten ihm Kopf und Nacken mit ihrem rasch schmelzenden Weiß, daß ein Eisbächlein ihm schauernd den Rücken lang bis in die Kniekehlen lief. Brrr!" schrie er auf und schloß geblendet die Augen, während die beiden Begleiter unter ihm verzweifelt ibren Mentor an den Waden festhielten. Eine lange Pause folgte. Dann verklang irgendwo tief unten das elastische Gehüpfe der zu Thal tanzenden Schneebrocken, und Martin Siebenpfeiffer athmete auf. Ich glaube, wir sind oben!" sagte er mit etwas unsicherer Stimme. Wohl, gnä' Herr!" ermunterte ihn der Krovf. ...Steigen S' nur aufi!" Das that er und stand gleich darauf tief athmend auf einer kleinen, steil geneigten Fläche, die einem mondübergoffenen Friedhof der Hochwelt glich. Unheimliche Gebilde wie ttxschneite Grabsteine starrten rings aus dem unter den Schuhen stöhnenden und kreischenden Firn und der Wind raunte klagend darüber hin. Was ist denn das?" fragte er, und der Führer lachte. Das sei das Todtenhöfel," so genannt, weil die vielen herumliegenden und vom Neuschnee überdeckten Steine ihm das Aussehen eines Gottesackers verliehen. Hier pflege man gern zu rasten, eh? man er wies nach links den eigentlichen Aufstieg nach dem Gipfel beginne! Den eigentlichen Aufstieg? Ja. was war denn dann das bisher gewesen? Martin Siebenpfeiffer folgte mit den Augen dem Fingerzeig des Alten und erschrak: Hart über ihnen senkte sich, wie vom Himmel herab, der Eiskamm des Wilden Dirndl" in fürchterlicher Steilheit auf das Todtenhöfel." Und als fei es nicht genug mit dem Schwindel.der jeden auf dieser spiegelglatten, men erscharfen Schneide erfassen mußte, wuchsen aus ihr noch, dumm im Mondschein um sich stierend, große und kleine Felsthürme, die massenhaft, einer hinter dem andern sich überhöhnend, wie grimme Bulldoggen den Weg zum Herzen des Wilden Dirndls" bewachten. Sie übersteigen konnte man nicht rechts und links von ihnen schössen die Hänge beinahe senkrecht in wesenlose Tiefen anders als mit dem Luftballon war diesem Problem entschieden nicht beizukommen. Da is vorgestern der Herr Kurat aufi!" bemerkte beiläufig und mit beiden Backen kauen) der Kröpf. In söllere Stufen!" Er zeigte mit der Spitze seines Taschenmessers die noch gut erhaltenen, wie die Svrossen einer Strickleiter sich steil zwischen den Thürmen emporwindenden Eiskerben. Da hinauf! Wo ein Seiltänzer beim bloßen Anblick seekrank werden mußte? Bisher hatte man doch noch rechts und links und vor sich etwas zum Greifen gehabt aber jetzt ... Martin Siebenpfeiffer wurde bleich. Und die Erkenntniß dämmerte in ihm. daß auf den Fastnachtsdienstag der Aschermittwoch folgt, auf den Rausch die Ernüch terung. auf den wilden Sturm ein trostloses Biwak auf dem Todtenhöfel! Beim bloßen Gedanken, diese Wand wieder hinunterzusteigen, wurde ihm nicht wohl. Und hinauf ein Grauen vor der ZuZunft überlief ihn. Er saß hier wie in einer Falle, wie im Banne eines Alpdrucks, der dem Träumer irgend eine beklemmende, unerhörte Lage voripiegelt. Vor dem Herrn Siebenpfeiffer könne sich ein Gamsbock verstellen. meinte indeß, den Inhalt seines Ruck,sacks leerend, der Kröpf zu dem Fräulein. Wenn der vorausgehe, da könne jeder Führer noch was von ihm lernen. Und das Beste komme nun erst! Oben. auf dem Tirndlgrat, da zeige sich solch ein Hochtourist erst in seinem ganzen Glanz! Martin Siebenpfeiffer wagte gar nicht mehr, zu der Höhe emporzuschauen. Was denkende Wesen eigentlick auf diesem verschneiten Kirchthurm zu schaffen hatten, warum sie in seinem eisigen Schnörkelwerk herumkletierten, und wie sie wieder in das Thal zurückgelangen sollten, wurde ihm Um Mi nute zu Minute räthselhaf:e. und immer flauer die wehmüthig. Stimmung m seiner Magenwand. Das Thal! Er. der Gipfelstürmer. empfand plötzlich n gerührtes Heim weh nach seinem Kuhglockengebimmel und Wälderrauschen, nach seinem Table d'hote-Läuten und seinen weichen Betten, wahrend er. zähneklap pernd im Eis des Todtenhöfels kauernd, in die Bresche der Schnee Wächte starrte, die er vorhin wage muthig geschlagen. Wenn man nun doch hinabstieg unter irgend welchem verzweifelten Vorwand die Partie aufgab? Seinem Wunsche wuchsen Flügel. Wie eine verirrte Schwalbe kreiste Martin Siebenpfeiffers Seele wieder heimwärts zum traulichen Nest im Weisen Lamm" und den Fleischtopfen der Thörlihütte. Aber plötzlich fuhr er erschrocken auf. Tief unter
ihnen erhob sich ein langgezogenes melodisches Heulen und das Echo ließ drei-, viermal aus entlegenen Schlün-
den die Bärenstimme widerhallen. Ulrich iodelt!" sagte seine Beglei terin und stand nervös fröstelnd auf. Er ist hirner uns her. dem Klang nach schon auf der halben Höhe der Wand. Wir müssen uns eilen! Sonst trifft er uns hier oben!" Und wenn er uns trifft?" Fragen Sie das lieber nicht!" sagte sie. ,.Mir würde er ja nichts thun! Aber Sie in der Wuth, in der er sich befindet und etwas rauh und gewaltthätig ist er ja immer... Es käme dann darauf an, wer der Starkcre ist . . ." Wer der Stärkere war! Jener riesige Neekc oder Martin Siebenpfeiffers kurzgerathene, fettgepolsterte Daseinsform! Ein schlachten wär's und keine Schlacht zu nennen! Wahrlich schlimmer konnten die Opfer des Kobolds Hüteken auch nicht daran sein, als der geängstigte Hüitenvater am Scheideweg. Vor sich die unersteiglich schwindelnde Firnchneide, unter sich das näher kommende Heulen des wüthenden Hünen und um sich die weißen Leichensteine des Todtenhöfels. Von einem dieser glatten Hügel fiel, als Martin Siebenpfe ffer mit einem Aechzen der Seelenangst sich wieder niederließ. der Rucksack des Alten zu Voden. Er bückte sich, ihn aufzuheben, und fühlte, wie ihm daraus etwas eiskalt über die Hand perlte. Eine eben zerbrochene Flasche war's, deren Hals gewaltsam der weiße Schaum entquoll, die Champagnerflasche, die die Veronika auf das Geheiß des Herrn vom Centralvorstand dem Führer mitgegeben. Sie hatte auf der Spitze geleert werden sollen. Aber jetzt hieß es auf der Stelle trinlen oder der kostbare Saft verperlte nutzlos im Schnee. Der Führer wie die Dame wollten nichts davon haben. Sie fürchteten sich in so früher Morgenstunde vor dem berauschenden Labsal. Da faßte der Wasserfreund in seiner Noth einen gewaltigen En schluß. Mit weit ausholender Handbewegung die Flasche zum Munde führend, beschwor er die Geister des Alkohols, die ihn, ohne daß er es ahnte, schon bis hier herauf getragen, und schlürfte in langen Zügen bis zur Neme den schaumenden Saft, ben im fernen Frankreich die Wittwe Clicc-uot mütterlich für den preußischen Oberlehrer gekeltert und gegohren hatte. Und gleich darauf setzte sich in seinem Denkerhaupt der Kölner Rosenmdntagözug wieder in Marsch, nur lustiger noch und bunter als zuvor. Die Musii fiedelte und geigte, es klang und sang ringsum, die ganze Hochwelt schien mitzuschwingen, leise lachend beugten die Eisjungfrauen im Kreise vor ihrem Gebieter die stolzen Firnkronen und hoch von oben her kam ein Windesflüstern. als girrte das Wilde irndl" sehnend und bangend ihrem .llpenkönig entgegen. Seine Züge belebten sich, seine Augen bliftten. Das Seil her!" rief er. Vorwävts! So! ,All right? Well!' Ich übernehme die Spitze. Jhe beide hinterdrein! ,En avant, mes braves!' Wie lange brauchen wir hinauf, Kröpf?" A Stund', gnä' Herr, toer streng läuft!" Ich werde streng laufen!" rief Martin Sieenpfeiffer finster und riß die Gesellschaft im Trab am Seile hinter sich her über die weißen Hügel des Todtenhöfels den Eisstufen desKuraten entgegen. Sehr streng! Hier wird nicht gespart! So da sind wir an der Himmelsleiter! Nun oS!" Und wieier haspelte er sich mit seinen kurzen, dicken Beinen in den Firnkerben empor wie eines jener in der Gefangenschaft fett gewordenen Eichhörnchen. die gleich einer geschäftigen röthlichen Kugel sich in ihrer Trommel drehen. Was eigentlich vorging, wie er in die Höhe kam. das verschleierte sich ihm immer mehr. Er fühlte nur, wie sein sektbeflügelter Leib sich lachend längs der Tiefen zwischen Himmel und Erdl: hinschob, zur Linken die glatten, wie mit Glas überfrorenen Wände der Gratthürme, zur Rechten der kaum zwei Zoll breiten Eistritte der schwindelnd abschießende F'.rnhang. .Dann wieder fand er sich plötzlich keuchend in dem aufgerissenen Felsspalt eines be: Gratwächten eingeklemmt, seine Begleiter unterstützlen von unten hei kramvfhaft mit flachen Händen seine Kehrseite, und er krabbelte mit Händen und Füßen in einer Rinne hinauf, bis der Thurm überklettert war und er oben stand. Und abermals veränderte sich vor seinen Sinnen, die in seliger Betäubtheit alles wie durch Veilchen blaue Sternenschleier sahen, das Bild des Kampfes mit dem Dirndl. Ei fand sich auf einer schmalen, ganz sch.nalen Eislinie, die. wie der First balken das Dach, die zu beiden Seiten abstürzenden Flanken des Kamme? krönte, und schlich mit lauerndem Ge sicht und katzengleichem Tritt wie eine Rothhaut auf dem Kriegspfad die lange, steil nach aufwärts sich span nende Seiltänzerbrücke, die gefürchtetste Stelle des Berges dahin. Ohne Schwindel! Sein Herz klopfte im Jubel. Ohne Schwindel! Seine Nerven, die sonst beim Niederschauen von einem Balkon schon drehirank wurden. waren zu betäubt von dem einlul lenden Bade in den goldigen Perlenfluthen der Champagne und wunderten sich über nichts mehr selbst darüber nicht, daß Martin Siebenpfeiffer, der behutsame Hüttengast, jetzt plötzlich mit dem Gleichmuth emes m Lawmenstur
zen ergrauten Gemsbocks auf diesem luftigen Sims dahintänzelte. Jetzt waren es nur noch wenige Schritte ... Wenn Du nun doch noch strauchelst?" ging es ihm plötzlich durch den Kopf. Aber das angfrerstickte, unregelmäßige Athmen seiner Begleiterin hinter ihm gab ihm neuen Muth. Wie stark war er doch gegen sie. die der Führer mit einer Hand in der Taille stützen mußte, während er ihr wie einem kleinen Kinde Trost und Beschwichtigung zuraunte, wie frei und groß! Wie fügsam setzte sich sein Fuß in jede der glitschrigen kleinen Eiskanten, die sich der junge geistliche Herr vorgestern gezimmert, wie gleichgiltiaheiter schweifte sein Blick über die in Nebeln gebettete Bergcwelt. in der jetzt eben, von ihnen bisher unbemerkt, das lange dämmernde Morgengrauen in erste Tageshelle überging. Und dort oben, wenige hundert Fuß weit übereinander gestufter, von Felszacken durchschossener Firnhalden über ihnen, dort oben sah er jetzt mit dem letzten Seiltänz?rschritt auf dem straffgespannten Eistau einen märchenhaften Schein, einen durchsichtig flimmernden, aus Gold und Rosenroth gewebten Strahlendunst, der in glühender, funkelnder Pracht das Haupt des Berges verklärte. Aus den rsten Sonnenpfeilen der neu erwachenden Welt hatte sich das Wilde Dirndl" ein gleißendes Diadem geschaffen, um, bräutlich zum Fest geschmückt, den langersehnten Herrn und Gebieter zu begrüßen.
Geheimnißvoll lockte und lohte das hernieder, und eine wilde berauschende Siegesfreude ließ das Blut in Martin Siebenpfeiffers Adern stocken. Nur wenige Minuten noch dann war das Unfaßbare, Unermeßliche, Ungeheure geschehen! Das Wunder, an das er selbst immer noch nicht glauben konnte, obwohl es mit jedem Schritt, mit jedem Athemzug greifbarere Gestalt gewann, bis endlich im rastlosen Emporklimmen an den steilen, senkrecht von der Stufenspur durchschnittenen Wänden kein Zweifel mehr möglich war: das Wilde Dirndl" war sein! Das Ziel seines Lebens war erreicht! Von unten aus der Tiefe klang wieder das dumpfe Bärenjodeln. Der kleine Oberlehrer drehte sich nicht um. Hojotoho!" schmetterte er aus voller Brust mit der Begeisterung einer im Frühlicht aufsteigenden Lerche den Walkürenruf zum rosenfarbig grauenden Himmel empor und trat zugleich schon in das Bereich des Sonnenscheins, daß ein lachender, flammender, weißglühender G'anz vom Boden her in seine Augen stach. Aber wer dachte jetzt an Schneeblendung und Schneebrillen? Vorwärts über den gewölbten Firnrücken, den sanft geneigten Grat hinauf genau in der Mitte, daß keine trügerische Wächte unter den Füßen bricht die paar letzten Eisstufen empor zu dem schmal in die Luft hinaus sich wölbenden Kamm und nun noch ein Schritt eine Gänsehaut heiligen Schauers vor sich selbst und seiner Kraft überlief ihn. Er stand uf der Spitze des Wilden Dirndls." Er, der Herr! Was da war, war ihm Unterthan. Er sah von oben herab auf die weißen, wildzerrissenen Höhen züge, sah über sie hinweg weithin die im Morgenlicht glühenden Bergt Tirols, zackige, rostrothe und schwefelfarbene Dolomite, schneeübergossenes Urqebirge. azurnglitzernde Gletscher, grüne Halden und graues Gestein und schwarze Wälder, dicke weißliche Nebel schichten darüber, die widerwillig unter den Sonnenstrahlen sich lösten und. zum Himmel aufkriechend, im blauen Nichts verflogen. Zwischen ihnen schimmerte tief da unten ein sattblaues, eirundes Etwas mit einem röthlichc.'. Würfel und einem Gewimmel schwar zer Punkte daneben: der Tbörlisee und die Thörlihütte. Und vor ihr die aus den Federn gesprungenen Touristen, die staunend durch das Fernrohr Martin Siebenpfeiffers VergwaUen folgten! Jetzt blitzte es unten auf! Ein Freudenschuß nach dem andern aus den von der gestrigen Einweihung noch zurückgebliebenen Böllern. Wie Donner rollte das Echo, sich immer wieder erneuend durch die schweigende Firnwelt, und tief aus dem Thale, wo am Weisen Lamm" die Freudenfahne aufstieg, antwortete Flintengeknatter dem Lärm der Höhen und läuteten durch Zufall gerade jetzt die Glocken zur Frühmesse. ' In unbeschreiblicher Seligkeit stand Martin Siebenpfeiffer auf seiner schwindelnden Klippe in der Unendlichkeit des Weltraums, ein Uebermensch, den in eiskalten, stählenden Sturmstößen der zornige Athem des Wilden Dirndls" umbrandete. Hojotohoo!" schrie er auf und lachte in dröhnenden Uevermuth wie Walhalls Gotter. Denn ticr unter sich sah er sein Vorbild, seinen gestern noch so scheu bewunderten Meister, sah er Ulrich Schneevogt langsam und vorsichtig die schwindelnde Firnschneide emporklimmen. die er selbst sorglos im Sturmlauf überwunden. Kein Zweifel: Er war stärker als jener, als alle Alpinisten. Wie der Besuv Plötzlich seine Gluth weithin in die Lüfte schleudert, so hatte in ihm die lange schlummernde Kraft sich in vulkanischem Ausbruch ihrem Kerker entwunden und ihn zum Riesen gemacht. Hojotoho! Hojotoh! Der Höhenrausch umfing ihn. Er breitete die Arme, als i wolle er die Welt umfangen: Hojo' itoho!
Ach Du großer Gott!" flüsterte es
verstört unter ihm. Seine Begleiterin hatte sich mit todtenbleichem Gesicht vor Angst und Schwindel am Boden hingeduckt und umklammerte krampfhaft seine Kniee. Mir ist so ... ich weiß nicht ... ich will nicht herunterfallen . . . bitte ... bitte ... um Gottes willen... ich will nicht herunterfallen..." Er lachte kriegerisch auf und sah. auf seinen Alpenstock gestützt, zu ihr hernieder. Haha! Hojotoho! Jetzt war die Bergfee zahm! Sie beugte sich vor ihm, die gestern noch so wild und trotzig war sie hing bebend wie eine verschüchterte Taube an ihm sie ergab sich ihrem Herrn und Meister, gedemüthigt in ihrer hilflosen Schwäche. Hojotoho!" Was haben Sie denn?" fragte sie bang mit geschlossenen Wimpern. Er aber lachte auf im Taumel des Bergraujchs. Das .Wilde Dirndl' hab' ich!" schrie er und bog sich, sie umfangend. in einem heißen Kuß zu ihr herab. Hojotoho! Ich hab' das ,Wilde Dirndl' bezwungen!" In ihrer Betaubuna ließ sie ihm wehrlos die Lippen zum ersten Kusse zwischen Mann und Weib, den dieser jungfräuliche Gipfel sah. Die Eiskonigmnen ringsum errötheten im Morgenschein, die Böller donnerten Beifall und riesengroß zeichnete sich das küssende Paar vor dem klaren Himmel ab, daß ein Brausen der Ueberraschung durch die Fremdengruppen an der Thörlihütte, die Zuschauer vor dem ..Weisen Lamm" vmö nnas im Thale durch das Land Tirol ging. Martin Siebenpfeiffer aber dachte wenig an me Zaunqästö seiner Schäferstunde. Wie ein erlösender Jubelschrei klang es in seiner Seele: ... Ich hab' das ,Wilde Dirndl' bezwungen! Hojotoho!" 9. K a p i t e l. Y? eine elektrische Entladung J in Gewitterschwüle wirkte der alpine Kuß. Luftreinigend und befreiend. Martin Siebenpfeiffers Gefährtin hatte plötzlich vor Entrüstung alle Bangigkeit verlo.en. Sie stand auf und maß den kleinen, nachträglich erröthenden Gipfelstürmer mit einem unergründlichen Blick. Das hat gerade noch gefehlt!" sprach sie kurz und wies auf die Bergflanke, wo ihr Verfolger mit verdoppelter Eile, den riesigen Eispickel dräuend erhoben, die Hänge herauflief. Vor seinen Augen! Und Gott weiß, wer vom Thal und der Hütte aus noch alles zugeschaut hat! Nun Sie werden ja sehen . . ." Was werde ich sehen?- Ueber ihren Mentor wor die Ernüchterung gekomwen, die jeder großen That folgt. ... wie mein Bräutigam über Ihr Benehmen denkt. Habn Sie Waffen bei sich?" Außer meinem Korkzieher keine!" Dann machen Sie sich auf alles gefaßt! Selbst wenn ich aus reiner Angit für Sie bitte. Ich kenne ihn. Es hilft nichts. Er bringt Sie um!" Mich?" In seinem Kopfe dämmerte plötzlich die Erkenntniß, daß seine Lage ?eir;?swegs so rosig w, wie sie ihm noch vor wenigen Minuten erschienen. Aber erlauben Sie ... das geht doch nicht so einfach... ich gebe zu... Ich bin eine Erklärung schuldig . . . aber" Die wartet er gar nicht ab!" Seine Begleiterin zuckte die Achseln. Er packt Sie gleich an der Gurgel und mit der andern Faust boxt er. Reden wird er dabei nicht viel! Das ist so seine Art. In zeha Minuten ist er da! Ick werfe mich gleich auf den Schnee hin. um den Greuel nicht mit anzusehen!" Immer mehr schwand bei ihren Worten Martin Siebenpfeiffers Karnevalsstimmung, obwohl der Sekt immer noch durch seine Adern prickelte. Er ließ sich düster mit gekreuzten Beinen nieder, stützte den Kopf auf die Hand und starrte seinem Verhangniß entgegen. Gefangen? Reitungslos gefangen auf difseni Eisinopf. auf dem er thronte, wie der Wetterhahn auf dem Kirchthurm. Wie man von da wieder auf die für denkende Wesen geschaffene platte Erde hinabgelangen, wie man zum zweitenmal über die entsetzliche Eisschneide hinübertänzeln sollte, das erschien ihm jetzt schon als ein der Quadratur des Zirkels sich näherndes Problem und wußte aus seinen vorherigen Erfahrungen am Todtenhöfel, daß die fortschreitende Ernüchterung ihm jede Möglichkeit, schwindelfrei wieder zu besseren Menschen zu gelangen, rauben würde. Und versuchte er das Wagestück jetzt gleich, so rannte er Ulrick Schneevogt direkt in den Rachen. Und blieb er oben sitzen, so trat doch in einer Viertelstunde das Faustrecht in seine rohe Gewalt. Und an der durchschlagenden Kraft der Einwendungen, die der Gletschermann gegen die Entführung und Abküssung seiner Braut vorbringen würde, war nicht zu zweisein. V - (Fortsetzung folgt.) In den Handelsbezieh u n g e n zu Persien steht Rußland, trotz seines jüngsten unglücklichen Krieges. noch immer an der Spitze alle? Nationen. putzgcsct,äki. Mann: Merke Dir's, je einfächer ein Hut, desto vornehmer ist er!" F r a u : Geh, ich liebe diese Vornehmthuerei nicht!"
In Paris wurde dielsr Tage wieder die in den letzten Jochren rasch beliebt gewordene SpielzeugAusstellung abgehalten. Nebst den Unterseebooten, die mit großer Sicherheit manövriren, und den Tänzezerinnen des Königs von Kambodscha erregt ein Spielzeug, das den Namen Katastrophen-Automobil" führt, geMisses Auffehen. Hat man die Feder aufgezogen, so setzt sich der kleine Kraftwagen in Bewegung. Er läuft einige Meter, dann hört man einen Krack, die Insassen werden aus dem Gefährt geschleudert und der Wagen föllt in einzelne Bruchstücke auseinander. Das Automobil kann rasch zusammengefügt werden und ist dann wieder für eine weitere Katastrophe bereit. EinekomischeOpermit einem höchst eigenthümlichen Sujet hat Gustav Kerker, der Componist der vielgespielten Schönen von New York", vollendet und läßt sie jetzt im Empire - Theater in London auffülren. &t Grundidee des Stückes ist die, daß die Schauspieler immer weiter singen, was auch um sie geschehen möge." so erzählt er. Die Scene stellt das Innere eines Hotels dar. Es entsteht ein Brand, und während die Wände sich biegen, die Flammen überall hereinschlagen, die Decke einstürzt und die Kleider der Personen Feuer fangen, singen Held und Heldin des Stückes unentwegt weiter, singen sogar die Feuerwehrleute an, die sie zu retten herbeieilen. Um ihnen nichts schuldig zu bleiben singen die Feuerwehrleute auch, und so überdauert der Gesang der Mensehen die Wuth des gefräßigen Ele- , . n rw st- w 1 m 1
meines. Als Gegensatz zu den ivqtu gen Melodien wird die Darstellung des Brandes auf der Bühne ganz reaftntrtf . ..fM.i c ttmicy oorgesuyrl weroen. Auf der PiazzaSan Silvestro zu Rom fand man dieser Tage einen kraftlos zusammengebrochenen Greis. Man brachte ihn m's Hospital, wo man einmal feststellte, daß seine Schwache durch Hunger verursacht war, und ihm vorsichtig Bouillon einflößte, dann aber constatiren mußte, daß der Unglückliche der frühere Oberst des Generals Garibaldi Martinotti ist. Martinotti hat bei Eustozza gekämpft und hat die Vogesen-Campagne gegen Deutschland mitgemacht. Er war es, der bei Dijon unter dem Leichenhügel des ersten Bataillons des 61. Regimentes die einzige während des Feldzuges in die Hände des Feindes gefallene preußische Fahne fand und dafür dekorirt wurde. Später kämpfte er 1892 bei Domokos, wo er den Grad eines griechischen Obersten erhielt, und nahm unter Garcia Gomez am cubanischen Kriege theil. Zurückgekehrt, nahm der alte Freischärler den Posten als Aufseher bei den römischen Schwefelbädern ein, den er aber nicht lange innehatte, weil die geschwächte Gesundheit des Greises die Schwefeldünste nicht vertragen konnte. Vom Kriegsministerium erhielt Martinotti kleine Unterstützungen, die ihn aber nicht vor Hunger schützten, dem er endlich erlag, nachdem er noch vor drei Tagen an einer Demonstration zu Ehren des Volksmärtyrers Lucatekli in voller Uniform theilgenommen hatte. Ueber großen Bedarf an Arbeitern wird aus Bemidjii im Holzfäller - Distrikt Mnnesota's berichtet: Verschiedene Firmen, welche hier und in der Umgebung operiren, brauchen in diesem Winter 17,000 Arbeiter zum Holzfällen in den Wäldern. Wie man diese tausende von Männern von ihren gegenwärtigen Auftnthaltsorten nach Bemidjii bringen könnte, von wo aus sie dann nach ihren Arbeitsplätzen gesandt würden, ist ein Problem, mit welchem sich der Kaufmännische Club längere Zeit befaßt hat. In der letzten Versammlung war beschlossen worden, im Laufe des Herbstes eine Art Carneval für die Holzfäller zu veranstalten, doch hat es sich später herausgestellt, rmtz dies nicht durchführbar sei. Der Club hat eine Aufforderung drucken lassen, in welcher der Bedarf an Arbeitern auseinandergefetzt wird und hat dieselbe auf den Erntefeldern von West-Mw-nesota, Nord-Dakota und Manitoba vertheilen lassen, und man erwartet, daß nun bald sich ein größerer Zu fluß von Holzfällern nach Bemidjii bemerkbar machen wird. Auf tragische Weise kamen in der Nähe von Martinsburg, W. Va., Frederick Cowan und seine junge Gattin um ihr Leben. Das Paar hatte sich heimlich trauen lassen und war im Begriff, sich nach dem Bahnhof zu begeben. Auf dem Wege dahin kreuzten die Beiden eine Farm, auf welcher ein Stier weidete. Als das Thier den rothen Rock der jungen Frau erblickte, stürzte es sich wüthend auf das Ehepaar und todtere die Beiden. Zum ersten Male seit 48 Jahren hat John W. Anderson, ein Baltimorer von Geburt, welcher in Warsaw, Ind., ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, kürzlich in Washington seine Schwester Sarah A. Michaels, welche mit ihrer Tochter, Frau Steele, im Melrose Apartment House" wohnt, getroffen. Beide wohnten als Kinder in Baltimore, wurden jedoch durch Schicffalsschläge getrennt, als sie noch nicht den Kirrderschuhen entwachsen waren.
Interurbau Zeit-Tabelle.
I. U. T. System. I rast Montag, den 1. Oktober 19. Schnelle Durchzüge nach Fort Wayne. Schnelle Durchzüg? nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Munde. Züge verlassen Indianapolis. Runcie & Marion Divtsi on. Lawrence, Fortoille, Pendleton, Anderson, Vorktown, Munc, Middletown, Alezandria. Smnmitville, Fairmount, Gas Eiry, JoneSboro, Marion, Blufft, und Union Eity. 4 00 8tn. 1 05 m. 8 05 Vm. 2 00 Rm. 00 Bm. 3 06 9fa. 7 06 in. 4 00 Rm. 8 00 Sin. 6 00 Rm. 9 05 Bm. 5 06 Rm. 10 00 Vm. 6 00 Rm. 11 00 Vm. 7 06 Rm. 11 06 Bm. 9 06 Rm. 12 00 Mttg. 11 30 Rm. Limited. LoganSport & Peru Division. sarmel, NobteSville, Cicero, Xrcadia, Atlanta, Tipto, Kokomo, Galoefton, Uton. Logansport, Miami, Bunter HM, -ru und Elwood. 6 00 m. 1 45 Rm. 6 46 Vm. 3 00 Rm. 7 00 33m. 3 46 Rm. 7 46 93m. 5 00 9cm. 9 00 Vm. 6 46 Rm. 9 46 Bm. 7 00 Rm. '11 00 m. 9 00 Rm. 11 46 Vm. 11 30 Rm. 1 00 Rm. Limited. Neue spezielle Bedienung nach Ft. Wavne. Aüge verlassen Indianapolis um 7:00 und 11:00 Uhr Vormittags und! 3:00 und 7:00 Uhr Nachmittags, schnelle Fahrt nach Fort !tayne machend und mit den Schnellzügen nach Toledo, Detroit und Lima verbindend sowie auch in Toledo und Detroit mit den Dampfern, die auf den großen Seen nach Mackinac, Buffalo und den Niagara Fällen laufen, Verbindung machend. 11:30 Abend-Zug nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. Züge fahren nach Fort Benjamin Harri,on um 6:45 Vm, 9:05 Lm, 11:05 Bm. 1:06 m und 3:05 Nm. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. Phones : Neu, Main 066; Alt, Main 175. Indianapolis & Safiern. Schnell , Züge laufen nach Greenfield, nightstown, New Castle, Cambridge Eir, Richmond, Dayton, Vhio, jede Stunde bis Uhr Abends, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springfield, Columins und allen centralen Punkten Ohio'S taufen, Verbindung machend. Abend' Zug um 11:30 Abends nach Knightsrnwn. Weitere Information in der Office : Termal Gebäude. Phones : Neu, Main 6055 lt,Rain 175. Indianapolis & MartinSville. Räch Mooresville, Bethanh Park, Martmsville, Ind. Erste Morgen-Ear um 5:10 Nhr Morgen, ann von 6:00 Uhr Morgens jede Stunde biS 9:00 Nhr Abends. Abend - CarS verlassen die Jnterurvan Station um 10:00, 11:30 und 11:50 AbendS. Die 10:00 und 11:50 CarS fahren nur bi MooreSville. Weitere Information in der Office : Terminal Gebäude. PhoneS : Neu. Main 055 ; Alt, Rain 175. Indianapolis Eoal Traction So. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plawfield von 5:00 Uhr MorgenS bis 7:00 Uhr Abends. Abendzuge um 9 und 11 Uhr AbendS. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. Phones: Neu, Main 6066 1 Alt, Main 175. Indianapolis & Northwestern. Schnell-Züge nach Crawfordsville und La fayette laufen stündlich von 6.-00 Nhr Mor gen bis 9:00 Uhr AbendS. Anschluß in Lasayette für Chicago und allen nordmestlichen Punkten. Der Zug um 10:00 Nhr AbendS fährt bloS bis nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr AbendS fährt biS nach Frankfort, Anschluß in Lebanon für ErawfordSville ; derselbe fährt in der Sonn tag Rächt bloS biS nach Lafavette. Weitere Information in der Office : Terminal Gebäude. Phones: Reu, Main 6056; lt. Main 175. Reinhold Stark. Haus-, Sckilder-, .... und .... Fresco-Malcr, Holzmalerei, ( Graining meine Spezialität. o. 408 West Naymond Str. Neuer Telephon 9785. F. J. Hack & Co. Sans- nd Schilder Maler. corationö. mnh JreSro Mnlerei. Scenerie AnSftaftirnng . ...26 Kcntnkky Vene... Neue Televbon 17.
