Indiana Tribüne, Volume 30, Number 51, Indianapolis, Marion County, 22 October 1906 — Page 6

Jndiana Tribünc, 22 Oktober 1906

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(Lurspäifchk Nachrichten.

rovhtj Wrandenöurg. Berlin. Bei einem Unglücksfall hat der 21jayrige Monteur Karl Hoffmann aus der Ziethenstraße sein Leben eingebüßt. In dem SchaltHaus der Berliner Elektrizitätswerke zu Pankow waren mehrere Monteure mit Montirungsarbeiten beschäftigt. Hoffmann arbeitete an einer todten Leitung. Etwa 20 Centimeter von ihm entfernt befand sich eine geladen: Stromleitung. Plötzlich kam er mit seinem Werkzeuge mit der Leitung in Berührung und ein Starkstrom von 6000 Volts übertrug sich auf den Körper des jungen Mannes. Sofort brach er zusammen und starb kurz darauf unter den Händen seiner Mitarbeite?. Der Verlagsbuchhändler Otto Mühlbrecht ist nach längerem schweren Leiden im 09. Lebensjahre in dem nahen Groß - Lichterfelde verschieden. Begründer und Mitinhaber der Firma yuttkammer & Mühlbrecht, war er durch seine literarische Thätigkeit vornehmlich auch auf bibliographischen Gebieten in weiteren Kreisen bekannt. Unweit der Dammbrücke in Wriezen wurde vor einiger Zeit die Leiche einer unbekannten alten Frau aufgefunden, die, nachdem sie sich am Ufer ihrer Oberkleider entledigt hatte, zweifellos in selbstmörderischer Absicht in das Wasser gegangen war. Nunmehr ist es gelungen, in der Todten die 75jährige Wittwe Müller geb. Köhler von hier zu recognosciren. Tödtlich verbrüht wurde im Dienst der 23 Jahre alte Lokomotivführer Alfred Knobloch aus der Petersburgerstraße 27. Er war auf einer Maschine des Stettiner Vorortbahnhofs beschäftigt und erlitt dabei durch ausströmenden Heißdampf schwere Verletzungen. Man brachte ihn nach einem Krankenhause; dort ist er der Verbrühung erlegen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Während eines Ferienbesuchs ertrunken ist in Callies in Pommern der zwölfjährige Schüler Willy Knabe von hier, der dort mit seiner Mutter bei deren Elt-.rn in der Sommerfrische weilte. Der kleine Knabe nahm im Babrowsee ein Bad, wobei er in tiefes Wasser gexitth und versank, noch ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte. Zum Rektor der hiesigen Universität für das neue Studienjahr ist Prof. D. Dr. Julius Kaftan gewählt worden, der hier seit 25 Jahren das Ordinariat für systematische Theologie bekleidet. Prof. Kaftan wird der 97. Rektor sein und der 14. Theologe, der an die Spitze der hiesigen Universität tritt. Fürstenwalde. Der Oberdrucker Karl Krüger von hier stefit seit rund 37 Jahren im Dienste bei der hiesigen lithographischen Anstalt und Steindruckerei von (5. F. Leich. Aus dem Grunde wurde ihm in Gegenwart seiner Arbeitsgenossen vom Gewerberath Franz aus Frankfurt a. O. das allgemeine Ehrenzeichen überreicht. Lippehne. Endlich ist der Streckenarbeiter Hinz ergriffen wo:den, der Anfang Juni d. I. an dem Dienstmädchen Budde auf dem hier anliegenden Gute Eichhorst einen Mordversuch unternahm. Neu - Lew in. In der Nacht wurde das Schauwecker'sche Bauerngut Neu - Lewiner Herrenwiese von einem großen Schadenfeuer heimgesucht. Drei Kornmiethen, eine Scheune und zwei Viehställe brannten vollständig nieder. R a d u n. Dem Wirthschaftsinspektor Georg Nickel wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Rixdorf. Todtgefahren wurde vsn seinem eigenen Arbeitsfuhrwerk der 38 Jahre alte Kutscher Hermann VZllndel aus der Pionierstraße hierselbst. Er ging, während er einen mit Brettern beluoenen Wagen auf den Holzplatz am Kottbuserdamm 80 hinauffuhr, neben dem Wagen einher. Diese Zuwiderhandlung gegen die polizFiliche Vorschrift kostete ihm das Leben. Er glitt aus und kam so unglücklich zu Fall, daß ihm das linke Hinterrad des Wagens den Brustkästen eindrückte. Der Tod trat sofort ein. Schöneberg bei Berlin. Der Schiffer Emil Trabach, der mit seiner Familie auf einer Frachtzille der Vereinigten Berliner Mörtelwerke, von Hoherlehne kommend, im Potsdamer Hafen Hierselbst eingetroffen war. wollte vom Land aus seine Kajüte aufsuchen, wobei er über einen zweiten, mit Brettern befrachteten Kahn hinweggehen mußte. Dabei stolperte er und fiel in's Wasser, wo der Tod infolge Herzlähmung eintrat. &xovna Ostpreußen. Königsberg. Letztens kam es in einem Lokal auf dem Sackheim zu einer wüsten Schlägerei, in deren Verlauf der Pionier Albert Pollwitzkat von der 2. Compagnie des hiesigen, Pionierbataillons No. 18 von den Arbeitern Lindenau und Adelstamm außer anderen Verletzungen auch meh rere sehr gefährliche Messerstiche in den Kopf erhielt, so daß er nach dem Garnlsonslazareth gebracht werden mußte. Bartenstein. In der Nacht entstand in Krekollen Großfeuer. Die Wohn- und Wirthschaftsgedäude des Besitzers Valentin Hoppe sind vollHändig niedergebrannt.

Evdtkubnen. Auf der 'Landftraße zwischen Kryszullen und Absteine wurde der 22 Jahre alte Sohn des Speisewirthes Roczewsky in schwerverletztem Zustande gefunden. Hydetrug. Hier fand kürzlich die 200jährige Jubelfeier der Kirche in Kinten statt, verbunden mit der Grundsteinlegung zum Gemeindehause. Memel. Das ganze Gel)öft de Besitzers Martin GalgsduZ in Schwenzeln, bestehend aus Wohnhaus, Stall, Scheune und einem Wagenschauer, ist niedergebrannt. Normten. Der Schneidermeier Dröger hatte das Unglück, beim iassiren des Steges über den Aurinuefluß hinabzustürzen und den rechten Unterschenkel zu brechen. S z i t t k e h m e n. Neukamm'S Schmiede von Billehnen ist kürzlich niedergebrannt. Trempen. Bei dem letzten GeWitter schlug der Blitz in die Scheune des Mühlenbesitzers Schellenberg in Daubischken. Das Gebäude brannte nieder. Wartenburg. Der hiesige Magistrat wählte an Stelle des am 1. December auf eine Lehrerstelle in Xanten am Rhein berufenen Lehrers Solokowski Lehrer Bönki aus Hirschberg. Sr?rinz Wettpreßen. D a n z i g. Verliehen wurde: Dem Oberstabsarzt Dr. Felmy, Regimentsarzt des hiesigen InfanterieRegiments No. 128, der Kronenorden dritter Klasse, den Fußgendarmen Hellmann zu Emaus im Kreise Danziger Höhe, Thierfeldt zu Neustadt und Czesla zu Kolonie Pangritz im Landkreise Elbing, dem Schleusenmeister Kirchwehn zu Einlage im Kreise Danziger Niederung und dem Kämmereivorarbeiter Baginski zu Elbing das Allgemeine Ehrenzeichen. Elbing. Im Pfarrhaus von St. Marien ist ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Dem dort wohnenden Superintendenten Burg sind an amtlichen Geldern 25,000 Mark in Werthpapieren und 1500 Mark baar Zsstchlen worden. Graudenz. Wetmeister G. Liebetanz, der Vorsitzende des hiesigen Ortsvereins des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, gehörte letztens dem Verbände 25 Jahre an. Bei dem Sommerfest des Ortsvereins, zu dem Delegirte des Gauvorstandes und der Nachbarvereine Marienwerder und Dirschau erschienen waren, wurde ihm vom Verein ein Ehrengeschenk gewtdmet. Namens des Gauvorstandes brachte ihm David - Danzig Glückwünsche dar. M a r i e n b u r g. In der Nacht brannte das dem Bahnarbeiter Rilk gehörige Wohnhaus in Heubuden bei Marienburg vollständig nieder. Sand hos. Als die Arbeiterwittwe Jendrzejewi'ki beim Melken ihrer Kuh beschäftigt war, fiel die brennende Laterne um und entzündete das Stroh im Stalle. In kurzer Zeit brannte das Stallgebäude nieder. Beim Bergen der Ferkel kam der achtjährige Sohn der Wittwe in den Flammen um. Schüddelkau. Der Erbpächter und Fuhrmann Schütz aus Abbau Nenkau fiel von seinem beladenen Ziegelwagen unweit Kartschemken und wurde überfahren. Er war auf der Stelle todt. S ch w e tz. Bei der wiederholten Ersatzwahl eines Kreistagsabgeordneten im 8. Wahlbezirke der Landgemeinden ist der Pfarrer Cyra aus Dritschmin gewählt worden. Zempelburg. Vor einiger Zeit brach im Stall des Bauunternehmers Grotzki, wo Maurer übernachteten, Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit aus die Scheune Grotzki's, ferner auf die Hintergebäude des Molkereibesitzers Schultz und auf die Hintergebäude des Herbergsbesitzers Knaak übertrug. Alle Gebäude, darunter die Molkerei mit Dampfbetrieb und die Fremdenzimmer der Herberge, brannten völlig nieder. rorinz Sommern. Stettin. Der Invalide Hasse, wohnhaft Bredowerstraße No. 65, feierte letztens mit seiner Frau, die schon jahrelang bettlägerig und fast erblindet ist, das Fest der goldenen Hochzeit. Nach der häuslichen Wiedereinsegnung ihrer Ehe überreichte Pastor Gudopp dem Jubelpaare das von dem Kaiser gewährte übliche Gnadengeschenk von 50 Mark. Greifs wald. Der Professor der Geologie und Mineralogie und Direktor des mineralogischen Jnstituts Dr. Wilhelm Deecke hier hat einen Ruf an die Universität Freiburg l B. als Nachfolger des Geheimraths Prof. Dr. Steinmann erhalten. Lauenburg. Anläßlich des 250. Jubiläums der Lande Lauenburg und Bütow wird die Ausgabe einer Chronik auf Grundlage des Cramer'schen Werkes Die Lande Lauenburg und Bütow" geplant. Zur Bearbeitung dieser Schrift hat sich, wie Landrath v. Somnitz in einer Kreistagssitzung ausführte, Professor Dr. Schulz aus Stettin bereit erklärt, der ähnliche Werke, u. A. für die Kreise DeutschKrone und Neustadt, geschrieben resp, in Arbeit hat. Der Kreistag erklärte sich damit einverstanden, daß für eine von Professor Schulz zu bearbeitende Chronik inclusive der Druckkosten etwa 5000 Mark zur Verfügung gestellt werden.

Traum.

Von Otto Riemasch. Drei winzige, gedruckte Zeilen au einer Tageszeitung bildeten den Anfang ihrer Freundschaft. eie lauteten: Gebildeter Herr sucht mit ebensolcher Dame in Correspondenz zu treten." Die Chiffre war I. F. gewesen. Zufällig fiel ihr dies Inserat in die Augen. Und wie eine Eingebung überkam es sie: Auf das antwortest du! Warum nicht? Was riskirte sie? Vielleicht war es ein Spaß, für den hatte sie Verständniß. Oder es war etwas Schlimmeres, ein gewagteres Abenteuer, na, da war eben Vorsicht nöthig, und die hatte ihr das Leben mit seinen derben Stößen reichlich beigebracht. Oder ja, warum sollte es denn nicht wirklich ein ehrlicher Wunsch eines anständigen und einsamenMenschen sein, in Fühlung mit anderen, vielleicht ähnlichen ?der gerade ganz anderen zu komme? Wie einsam man gerade in einer Millionenstadt sein kann, das wußte sie von sich selbst am besten. Und auch wie schwer es war, Menschen zu finden, die vegriffen und die man selbst begriff. Sie wußte ja sogar von glücklichen Ehen, die nicht nur im Himmel, sondern auch durch die Zeitung geschlossen worden waren. Der Gedanke ans Heirathen belästigte sie über alle Maßen. Sie und heirathen! Also eine Enttäuschung war von vornherein für sie ausgeschlossen. Vorwärts denn, sagte sie zu sich, eine Erwartung ohne die landesübliche Enttäuschung mutz man beim Schopfe fassen. Noch an demselben Abend schrieb sie. Sie schrieb so, wie sie gesprochen hatte und wie ihr ganzes Wesen war, ruhig und bestimmt, ohne jedes Zuviel, mit leisem Humor. Sie schrieb es mit ihrer feinen, zierlichen Schrift, die seltsam abstach von dem Energischen, Zielbewußten ihres Wesens. Eigentlich bin ich nicht recht geschert", sagte sie, als sie den Umschlag schloß. Macht nix", und trotz der grimmen Januarkälte ging sie an den nächsten Postkasten, wo sie den Brief einsteckte. Sie wartete in großer Seelenruhe, ohne sich sonderlich viel mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Nach vierzehn Tagen erst sprach sie bei dem Postamt vor und fragte nach ihrer Chiffre H. B. Sie that es gleichmüthig, und der Beamte war es erst recht. Er suchte und suchte und übergab ihr schließlich einen Brief. Sie nahm ihn mit halbem Lächeln, ohne ihn weiter anzusehen, und wanderte heim. Neugierig war sie ohne Zweifel, aber sie bezwäng sich. Alle ihre Obliegenheiten und Arbeiten wurden erst wie stets erledigt, und spät, sehr spät holte sie sich den Brief aus ihrem Jackett. Großes Format, dickes Papier, eine sehr männliche, steife und aristokratische Schrift. Das gefiel ihr. Und was sie las, gefiel ihr auch. I. F. schrieb auch nicht viel. Er d?nkte sehr höflich mit oewandten Worten für ihre Bereitwilligkeit und ihr Vertrauen und bat nur um Fes halten der Chiffre, auch in der Unterschrift, überhaupt um strengste Diskretion. Dann stellte er sich vor bis vor kurzem Offizier, den nun ein schweres, immer mehr zunehmendes Ohrenleiden zu äußerster Zurückgezoaenheit verurtheilte. Anfang der dreißiger, unbeweibt und unbeleibt, früher seines Regiments tollster Kamerad, jetzt schon etwas gallig, bitter, lehrwüthig, naturfreudig, aber menschenscheu. Mißtrauisch gegen die Menschen. Und doch, mit dem Wunschc, ihnen nahe zu sein, solange es noch ging, sich mit ihnen zu verständigen. Mündlich ginge das schon schwer, also dann so. Ob sie es weiter mit ihm versuchen wollte? Schneller, als es bei Briefen ihre Art war, antwortete sie. Die Wahrung völligen Dunkels um ihre Personen machte sie zur Bedingung. Es blieben ja so viel Dinge, die außerhalb der Person lägen und durch die man sich doch nahe und näher kommen könnte. Mit wem er es zu thun hätte, sollte er auch wissen: Lehrerin, sonst aber gesund; lebte ganz allein, aber ganz vergnügt, alte Jungfer wäre sie noch nicht, Möpse möchte sie nicht leiden, um so mehr Bücher, Kinder und Blumen. Ein paar theilnehmende Worte galten seinem Leiden so war der Anfang gemacht. Ein leises Verwundern über sich selbst war doch in ihr. Die Großstadt macht einen so, dachte sie; und weiter wunderte sie sich, daß er geraoc auf sie verfallen war, wo er doch gewiß mit ungezählten Offerten überschwemmt war. Ob sie am Ende nicht die einzige war? Der Gedanke war ihr unangenehm, und sie warf ihn beiseite. Sie schrieben sich von drei zu drei Wochen, über dies und jenes, von dem, was sie gesehen, gehört und äußerlich erlebt hatten. Er sehr amüsant und anschaulich, mitunter wunverschön und glänzend im Stil. Sie diel einfacher und sachlicher, nrit herzerquickendem Humor. Aber in beiden Briefen fehlte

persönliche Zug, die eigentlichste 8ta be, das Du und Ich es waren gewissermaßen sächliche Geschichten, die sie sich vorplauderten. Der Sommer kam, er verreiste, und sie verreiste, er in ihre, sie in seine Seimattx Da schrieben sie sich öfter, zu den 14iuglgm r:efkn yv sellten sich die beliebten Ansichtskarten mit Rath- und Vorschlägen, Empfehlungen und Grüßen, und in die Zeilen kam eine leise Färbung, eine zarte Herzlichkeit; von ihm ging es aus, und sie folgte darin. Als sie wieder daheim waren, behielten sie das Schreiben alle 14 Tage bei, auch die Karten und die Herzlichkeit. Seine Mutter starb, seit der Zeit wechselten sie in jeder Woche Briefe aus, schrieben sich auch nicht mehr postlagernd, sondern an ihre eigentlian Adressen; da lernten sie sich bei Namen kennen: Hilde Benares und Just Federsen. Namen sagen so wenig, und sie thaten es beide nur unter dem gegenseitigen festen Versprechen, keinerlei Gebrauch von diesem Wissen zu machen. Und die Zeit kam, wo das junge Mädchen ungeduldig dem Postboten entgegenhorchte, und als sie selbst einmal aus irgend einem zwingenden Grund nicht schreiben konnte, erhielt sie jeden Tag die flehende Bitte, ihn nicht zu vergessen. Das that ihr wohl und gab ihr doch einen seltsamen Stich ins Herz. Aus seinen Zeilen sprach so vielAngst und Nein, was sie sonst noch daraus las oder lesen konnte, war blasser Unsinn. Menschen, die sich nie gesehen (oder vielleicht doch?), die auf den Straßen fremd aneinander vorübergingen und die doch anfingen ineinander zu verwachsen mit ihren Seelen seltsam ist das Leben doch. Längst war der Plauderton verhallt. Längst sprach zwischen den beiden Menschen das Herz mit seinen tausend Regungen, Wünschen und Erfahrungen, seinen Leiden und Lasten, seinem Lachen und Weinen, feinem Auf und Ab. Zwei stark ausgeprägte Naturen sprachen aus den Zeilen und neigten sich zueinander herüber. Und die Briefe des Mädchens bekamen einen weichen, frauenhaften Schimmer. Sie hatte viel zu trösten. Sein Leiden machte ihn bitterer, nervöser, und sie litt für ihn. Er hörte fast nichts mehr, und das Entsagen wurde ihm so schwer, so schwer. Er nannte sie seinen lieben Seelentrost". Ich weiß nicht," schrieb er einmal muthlos, was härter ist, des Gehörs oder des Augenlichtes verlustig zu gehen, aber nein, ich weiß, die Augen zu verlieren, wäre für mich viel, vael schrecklicher, denn dann fehlte ja die Hoffnung, Sie einmal zu sehen." Darüber erschrak sie beinahe. Daß sie sich nicht von Angesicht zu Angesicht kennen sollten, kam ihnen lächerlich vor. Wir sind sicherlich in unserem früheren Leben die besten Freunde gewesen", scherzte sie ein andermal. Und im kommenden werden wir die glücklichsten Eheleute von der Welt' sein", war seine Antwort. Aber was in der Zeit, die dazwischen liegt?" Tag für Tag fast flog ein Brief zwischen ihnen und hin und her. Zu Weihnachten schickte er ihr Blumen. Dazu schrieb er: Warum quälen wir uns eigentlich mit dem dummen Gedanken nach unseren) Aussehen? Ich sehe Ihr Gesicht, ihre Gestalt alles süß und weich und doch schlank und straff, Ihr braunes, welliges Haar in so köstlicher Fülle, Ihre weißen, wundervollen Hände. Und mein krankes Gehör kennt Ihre tiefe, klare Stimme ganz genau, sie ist ihm Gesundheit und Musik.Damals weinte Hilde stumme, aber bitterheiße Thränen, und mit Thränen schrieb sie ihm: Sie sind ein Dichter." Auch sie hatte sich ein Bild von ihm geschaffen, das ging neben ihr von dem Tag in den Abend, von dem Abend in die Nacht und in den Morgen, wesenshell und schön. Und immer klang ein neuer Ton in ihr Leben, in ihres Tages Arbeit und in die Ruhelosigkeit ihrer Nächte. Der Ton zog in ihre Briefe hinein, wider ihren Willen, und klang ihr aus den seinen zurück. Eine Sehnsucht, eine heiße, fiebernde Sehnsucht. Sie ahnte, daß der Wunsch kommen würde, sie zu sehen. Und der Wunsch kam. Sie blieb standhaft bei ihrem Nem. Er aber ließ nicht nach. Nur eine Sekunde sollte es sein, nur eines Auges Blick lang, aus der Ferne er wäre so krank, daran sollte sie derrlen, wer weiß wie viel oder wi: wenig Zeit sie zu verlieren hätten. Und Hilde Benar war selbst elend und zermürbt. Die Stärke ihres Willens krach. Wohl er sollte haben, wa er wollte. Sie selbst wünschte ein Ende oder den Anfang von etwas Neuci. . ,

Wie l?rmnerung trug n)r die Gedanken jenes Abends zurück in ihre Seele, als sie die ersten Zeilen an ihn schrieb: Eine Erwartung ohne die übliche Enttäuschung muß man beim Schöpf fassen." ... Ja, ja. wie hatte sich alles verschoben, jetzt, fürchtete sie, stand sie vor der größten Enttäuschung ihrer größten Erwartung. - Trotzdem schrieb sie ihm: sie gäbe seinem Drängen nach. Er sollte sie sehen. Aber nur, wie er selbst vorgeschlagen, einen Augenblick und aus der fternc. Kostbare Blumen waren sein Dank. Der Tag kam und die Stunde eine unbeschreiblich herrliche Früh lingssonne überschüttete die Straßen und Plätze mit ihren summenden, drängenden Menschenschaaren mit Glanz und duftiger Wärme. Da stand Hilde Benares an der genau bezeichnete Stelle, in dem Anzuge, den sie ihm beschrieben hatte. Sie stand und stand, todenblaß und fieberhaft erregt. Sie . sah und sah, und sah doch nichts um sich herum, in dem Suchen nach dem Einen. Die Menschen strömten hin und her, ihr Lachen, ihr Sprechen schlug abgerissen und unverständlich an Hildes Ohr. Die Zeit war längst vorüber, die Dämmerung fiel. Da machte sich Hilde langsam auf den Heimweg, als träumte sie, so ging sie zum Bahnhof, von dem sie nach Hause fuhr. Und dort trat sie mit zwei brennenden Kerzen vor den großen Spiegel. Und sah sich, Zug um Zug. Nie, nie war sie sich so unsagbar häßlich und lächerlich vorgekommen, mit der plumpen, halb verwachsenen Figur, dem spärlichen, röthlichen Haar, den großen Ohren, den kleinen Augen, den rauhen, knochigen Händen, den groben, harten Zügen. Langsam löschte sie die Kerzen aus. Und mit den Funken erlosch ihre Hoffnung. Sie hörte nie mehr von ihm. Seinen ersten und seinen letzten Brief und eine Blume bewahrte sie als die Ueberreste eines Traumes, den sie gelebt.

(souleur nd Uniform. Das Oberhaupt der städtischen Polizei einer alten deutschen Universitätsstadt war früher so wird uns erzählt Couleurstudent gewesen und gehörte auch später noch zu den eifrigsten alten Herren" seiner Verbindung. An dem denkwürdigen Tage, an dem diese ihr 50jähriges Stiftungsfest beging, war er natürlich mit Leib und Seele an den Feierlichkeiten betheiligt, und so sah man ihn denn auch nach dem großen Frühschoppen in allerfröhlichsier Stimmung, die Couleurmütze auf dem Haupte, den Zug der alten Herren" anführen, die alle im Frack und weißer Binde erschienen waren. Nicht weit vom Rathhaus traf man auf einen Laternenanzünder, der mit Leiter und Putzzeug ruhig seines Weges daherkam. Sofort wurde er umringt und die Leiter wurde ihm abgenommen, die er um so ruhiger hergab, als er den ihm wohlbekannten Polizeivorsteher an der Spitze der fröhlichen Schaar erblickte. Auf die Leiter aber wurde einer der beliebtesten alten Herrn gesetzt und im Triumph von zwei kräftigen Corn militonen, von denen der eine das würdige Polizeioberhaupt war, davongetragen. Vor dem Rathhaus plätscherte der neue Springbrunnen, um dessen breites Becken man dreimal herumzog. Dann aber die Stimmung war eben hoch infolge des Frühschoppens machten die Leiter -träger Halt, eine kurze Drehung, und der joviale alte Herr flog von seiner Leiter herunter und lag klatsch! im Wasser des Springbrunnens. Unter ungeheurer Heiterkeit krabbelte er wieder heraus und nahm den feuchten Scherz durchaus nicht übel, sondern kleidete sich rasch um und erschien noch rechtzeitig zu dem großen Festessen. Inzwischen war aber auch der Herr Polizei-Vorsteher auf einige Zeit in sein Bureau geeilt, um dort ein eiliges Amtsgeschäft zu erledigen. Als man bei der Tafel saß, wurde die Ursache seiner Eile klar: Ein Polizist erschien und überreichte dem alten Herrn, den man so schnöde in das Wasser befördert hatte, ein Straf mandat über drei Mark wegen unbefugten Badens auf öffentlichem Platze". Be m Ohrenarzt. Ein sehr bekannter Berliner Ohrenarzt erlebte vor einiger Zeit folgende angenehme Kritik seiner ärztlichen Wirksamkeit. Er entließ gerade einen alten sehr schwerhörigen Herrn aus sein.-r Behandlung und dieser traf in der Thür zum Wartezimmer einen ardacn alten Herrn, der ebenfalls halbtaub war. Innerhalb der offenen Tyrr begrüßten sich die beiden und der eine schrie dem andern ins Ohr: Hat Ihnen der Esel waö ge, holfen?Auf einheimischen Tabak wurden im letzten Jahr zum ersten Male 736 Pfund Sterling an Inlandsteuern bezahlt.

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