Indiana Tribüne, Volume 30, Number 51, Indianapolis, Marion County, 22 October 1906 — Page 3

Jndians Tibüne. 22 Oktober RSOS.

Millionär Begeht aus Lebensüberdruß durch Eiuathmcu vou Leuchtgas Selbstmord.

Gestrandeter Dampfer dem Verderben anSgesetzt. Mob lyncht einen Neger. Engelmacherei befürchtet. Mordverdächtiger verhaftet. Millionär über Nacht zn werden. Tenfel bat Glück. Strengere Maßregeln bei Einwanderung. BundesKavallerie nach den Ute-ndiauern gesandt.

Millionär und Sportsmann begeht Selbst m o r d. Norfolk, Ba., 21. Oktober. Der bekannte Millionär, Mitglied meh. rerer fafhionablen Clubs von Norfolk, ichmond und Baltimore, F. W. JameS wurde beute Nacht im alten JameS Manfion todt ausgefunden. JameS hatte feit zehn Jahren drei Wohnungen, in welchen er sich abwechselnd aufhielt. Er wurde zuletzt am 11. Oktober von der Frau eines seiner Bedienten lebend gesehen, und eS fiel Niemand auf, daß er fich nicht im Club sehen lieb, da seine Lebenweise stets tp travagant gewesen war. Heute sah zufällig ein Neger durch die Fensterscheibe deS Zimmers, in dem JameS, mit dem Kopfe rückwärts hän gend, faß. Er benachrichtigte die Polizei, und als diese die Thür öffnete, strömte ein entsetzlicher Gasgeruch entgegen. Die GaShähne waren aufge dreht und JameS hatte Selbstmord be gangen. Gestrandeter Dampfer dem Verderben ausgesetzt. Norfolk, Va., 21. Oktbr. Der Dampfer George Farwell" mit Holz beladen auf der Fahrt von Jacksonville, Fla., nach New Haven, Conn., der gestern Abend bei Kap Henry strandete, befindet fich in einer sehr gefährlichen Lage und wird wahrscheinlich von den hohen Wellen gänzlich zerschlagen wer den. ttapt. I. D. Ehrisholm und letne 15 Mann starke SchiffSmann schaft wurden heute von den Lebens rettungSftationen von Kap Henry und Virginia Beach ohne Unfall an'S Land gebracht. Der Dampfer hat eine werthvolle Ladung von 575.000 Fuß Cypreffen Holz an Bord und fuhr am Freitag, den 12. Oktober, von Jacksonville ab. Zehn Tage hatte er mit heftigen, widrigen Winden zu kämpfen und gestern war der letzte Kohlenvorrath verbraucht. Der Kapitän befahl, die Keffel mit Eypreffen'Holz zu heizen, aber der Dampfer gerieth während deS dichten Nebels aus seinem KurS und strandete gestern Abend. Während der Nacht gelang eS noch mit dem zweiten Schuß eine Leine an Bord des Dampfers zu schießen und zwölf Matrofen wurden mit dem NettungSkorbe an'S Land be fördert. Der Kapitän, der 1. und der 2. Offizier und der 1. Maschinist blieben bis heute Morgen an Bord des Dampfers. Nachdem dann noch alles persönliche Eigenthum der SchiffsMannschaften an'S Land gebracht wor den war, bestiegen bei TageSgrauen die vier Offiziere den Rettungskorb und wurden durch die Brandung an'S Land gezogen. Mob lyncht einen Neger. Mobile, la., 21. Okt. Der Neger Robert Clarke, alias Dan Dave. von KanfaS City, wurde heute Morgen hier von einem aus 300 Personen beftehendeu Mob an einem Telegra phenpfoften in der Nähe deS Lucedale Bahnhofes ver Mobile. Jackson & KanfaS Eith Bahn aufgehängt, nach dem er auf geheimnißvolle Weise auS dem Gefängniß von Jackson Sounty während der Nacht geholt worden war. Der Neger war in der Freitag Nacht von einem Mob eingefangen worden, da er am Abend zwei weiße Frauen kriminell angegriffen und ein Pferd und eine Flinte gestohlen hatte. Bei der Ergreifung leistete der Neger Wi stand und erhielt einen Schuß in die linke Schulter. Der Sheriff brachte ihn w das Gefängniß in Lucedale und bewachte ihn seitdem. In der letzten Nacht schliefen die Wächter jedoch ein und der Mob holte Elarke aus dem Ge füngniß und lynchten ihn. Strengere Maßregeln bei Einwanderung. New Bork, 21. Okt. Mit au. ßerordentltcher Strenge wird gegenwärtig von den Beamten auf Sllis IS land vorgegangen. Personen, deren Landung noch bis vor Kurzem in keiner Weise beanstandet worden wäre, werden

jetzt festgehalten und auSgeschloffen. Während der letzten Wochen find auch die Appellationen, die von Missionären im Jntereffe auSgeschloffener Ankömm linge nach Washington gerichtet wur den, nur in seltenen Füllen von Erfolg gekrönt gewesen. Großes Bedauern unter den HilfS arbeitern auf der Insel rief die gestern erfolgte Deportation einer holländischen Familie, die vor wenigen Tagen auf dem Dampfer Cedric" eintraf, her vor. Doube Stellinga, ein kräftiger Arbeiter, kam mit Frau und zwei Töchtern im Alter von 18 resp. 11 Jahren an. DaS jüngere Mädchen hat ein frei fes Knie, und aus diesem Grunde wurde der ganzen Familie die Landung verwehrt, obwohl in Paterson, N. I., wohlhabende Verwandte derBedauernS werthen ansässig find, die sich ihrer gern angenommen hätten. Mordverdächtiger ver haftet. S myrn a Millö, Me., 21. Okt. Der Landarbeiter John Roberts wurde heute hier unter dem Verdachte, gestern den Farmer Dickerfon ermordet zu ha den, verhaftet. Dickerfon wurde, wie berichtet, als er fich in seiner Küche be. fand, durch eine Kugel getroffen; man nahm an. daß die verirrte Kugel eines Jägers die Schuld an dem Tod? trage. Jetzt hat fich herausgestellt, daß Ro bertö, der von Dickerfon vor einigen Tagen entlasten worden war, Drohungen gegen seinen Arbeitgeber auSge stoßen habe, die den Verdacht deS Mor deS gerechtfertigt erscheinen lasten. Engelmacherei befürchtet. Philadelphia. Pa.. 21. Okt.

Beim Jnqueft über öen Tod eines im Delaware mit zerschmettertem Kopf auf gefundenen vier Monaten alten Säug lingS erklärte heute Coroner Jermon. daß er von der Existenz eines ..Engel' macher"-SyndikatS in hiesiger Stadt völlig überzeugt fei. Binnen einem Monat sind bereits drei Säuglinge mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden worden, ohne daß eö der Polizei bis jetzt gelungen ist, Licht in die myfteriö fen Mordthaten zu bringen. Millionär über Nacht zu werden. Chicago, Jll., 21. Okt. Eine Schwindelgesellschaft, die hier im Mar. quette Gebäude unter dem Namen Daily Market Forecaft" ihre Speku lation auf die Dummen mit großem Erfolg betrieb, ist von Poftinspektren aufgehoben worden. Gegen die Unter nehmer, an deren Spitze ein Mann Namens N. E. CollinS alias Harris Gates stand, hat die Poftverwaltung eine Betrugsordre erlassen. Die per Post auSgesandten SchwindelProspekte besagten: Millionäre werden über Nacht geschaffen werden. Wenn Sie Neigung für die faSzintrende und ge winnbringende Kunst des SpekulirenS verspüren, betheiligen Sie sich an unserm Unternehmen und verhelfen Sie sich zu einigen Scheiben der Me Ionen", die angeschnitten werden sollen Gelegenheiten werden fich bieten, mit einer Anlage von 5100 einen Gewinn von $1000 und mit $1000 gleich $10, 000 zu verdienen.Eröffnung von Indianer l ä n d e r e i e n. Washington, 21. Okt. Da Departement des l Innern hat die Er öffnung der Ländereien der Appache und der EomancheJndianer in Okla homa endgültig auf den 3. Dezember festgestellt. Diese LSndereien sollen der kauft werden und die näheren Beftim mungen werden, wie man glaubt, heute vom Secretär des Innern bekannt ge macht werden. ES wird gefordert wer den. daß versiegelte Angebote eingereicht werden und die Ländereien werden den höchsten Bietern verkauft werden. Die Angebote werden vom Departement wahrscheinlich btS zum 3. Dezember, incl., entgegengenommen werden.

Orkan wüthet jetzt im Westen. Ealt Lake City, Utah, 21.

Oktober. Seit den letzten 24 Stunden stürmte hier und in der Nachbarschaft ein Orkan mit 62 Meilen Geschwindig. keit die Stunde, wie man ihn bisher in dieser Gegend noch nicht beobachtet hat. Durch den Orkan wurden drei Perso nen schwer verletzt und viel Eigenthum wurde in der ganzen Gegend verwüstet. Unglücklicherweise brach auch während der Sturm tobte, ein Feuer aus und die Flammen, vom Winde getrieben, sprangen auf daS neue Gebäude der Utah Packmg Company und zerstörten dasselbe, wodurch ein Verlust von einer Viertelmillion Dollars verursacht wurde. Mehrere Gebäude wurden umge weht, sehr viele Schornsteine stürzten ein, Fensterscheiben brachen zu Taufen den, Schilder, Sträucher und entwurzelte Bäume wurden vom Orkan in den Straßen herumgewirbelt. Zwei Feuerwehrleute wurden, als fie zum Feuer eilten, von einem stürzenden Baume wahrscheinlich tödtlich verletzt. Viele andere Personen hier und in den benachbarten Ortschaften wurden wen:ger gefährlich verletzt. Der durch den Sturm angerichtete Schaden belüuft fich auf über eine Million Dollars. Haftbarkett der Arbeit. g e b e r. Washington. D. C., 21. Okt. Generalanmalt Moody veröffentlichte gestern mit Genehmigung des Prüft deuten eine Erklärung, wonach er, wenn der erste Prozeß auf Grund des vom letzten Kongreß pasfirten Gesetzes über die Haftbarkeit der Arbeitgeber zur Verhandlung kommt. Urlaub neh men wird, um fich an der Sache zu betheiligen und für die VerfuffungS Mäßigkeit, RechtSbeftündigkeit und Aus legung deS Gesetzes eine Lanze zu drc chen. Teufel hatGlück. Beaver Falls. Pa.,21.Okt. Während Frank Teufel, ein hiesiger Gaftwirth, vergangenem Sommer in Kanada Lagerfreuden fich hingab, erzählte ihm ein Indianer, mit dem er fich befreundete, von einer ergiebigen Silbergrube. Teufel, fein Sohn und ein Pittsburger Namens Edward Carpenter legten je hundert Dollars in dem rund und Boden an. Vergangene Woche wurde der Besitz für $15.000 verkauft und heute empfing Teufel seine fünftausend. Drei Negerfrauen er tranken. B e a u f o r t, S. C., 21. Okt. Ein Segelboot, welches den Verkehr zwischen Beaufort und der LadieS Insel vermittelt, wurde heute Nachmittag während deS heftigen Sturmes mit sechs Nt gern und vier Negerfrauen um geworfen. Drei Negerfrauen ertran ken, während die anderen von einem Fischerboote unter großen Anftrengun gen noch gerettet werden konnten, bevor fie in den Wellen versanken. Bunde Kavallerie nach den UteJndianern geschickt. rawford, Ned., 21. Okt. Die Schwadronen A und D und je ein Detachement der Schwadronen B und C deö 20. Bundes Kavallerieregiments wurden heute mit der Bahn nach Gilette befördert, um die unzufriedenen Ute Indianer, welche jetzt in der dorti gen Nachbarschaft lagern, zu zwingen, nach ihrer Reservation zurückzukehren. Die Beförderung der Kavallerie erfolgte mit der Burlington -Eisenbahn; Major Grierson führt das Kommando. Der amerikanische Botschafter Meyer traf in Sebaftopol ein und be suchte die zur Zeit im Hafen liegenden Schiffe der Schwarzemeer.Flotte. H. Luftig, einer der Leiter der österreichischen Lünderbank in Wien, hält fich zur Zeit auf Besuch in New York auf und macht eifrige Studien im Finanzviertel. Durch die Anwesen heit dieses Finanziers wurde auch das alte Projekt von der Errichtung einer öfterreichisch'amerikanischen Bank wie der aufgefrischt. Die Oelfelder in den Ver. Staa ten im Jahre 1905 produzirten 134, 717.530 Fässer Petroleum, gegen 117,080.960 Fässer im Borjahre 1904. Obgleich die Ausbeute des Jahres 1905 um 17.630.820 Fässer Petroleum größer war, so war der Werth des Petroleum? doch geen das Borjahr 1904 um 17,018,056 ge ringet.

Allerlei kleine Depeschen.

21. Oktober. Trotz umlaufender RefignatioiS' Gerüchte hat Felix Weingartner in Berlin das erste Eymphonie.Konzert dirigirt. In Cambridge. Mass.. fand die feierliche Uebergabe eines steinernen Thores zur Erinnerung an die Märsche der Kontinental.Armee statt. (5m in einem Hotel in Baird, Texas, angestellter Mexikaner, Namens Albertos AgoS, erschoß eine junge Dame, Emma Blakely. und brachte fich dann selbst eine gefährliche Stich wunde bei. Near.Admiral a. D. YateS Stir ling von der amerikanischen Marine, welcher seit fünf Monaten den Konti nent bereift hat, ift, nach den Ver. Staaten unterwegs, in Rom. Italien, angekommen. Louis Kreutz in Eincinnati, ein früherer städtischer Angestellter, strengte einen Prozeß an. um Abrechnung über die republikanischen Wahlgelder des letzten Jahres zu erzwingen, zu denen auch er 815 beisteuerte. Der Deserteur von der Bundes armee, Samuel Baker, verwundete in der letzten Nacht in einem Zimmer im Blakeöley .Hotel in Los Angeles, Eal., durch einen Schuß Frau Pearl Kirk Patrick und tödtete fich dann selbst. Die Frau ift nur leicht verwundet. 25 unzufriedene Kohlengrüber schoflen heute bei Plum Run in der Nähe von Steubenville, O., aus einem Hinterhalte auf eine Abtheilung Koh lengräber, die vom Superintendenten Cox zur Arbeit geführt wurden. Zwei Kohlengräber wurden verwundet. Zwei Männer, welche auf der Platform eines Gepäckwagens der New York Central Bahn von Rochefter aus die Fahrt mitmachten, wurden bei einer Bahnkurve in der Nähe von Rome, N. Y., heradgefchleudert, wobei der eine sofort getödtet, der andere schwer verletzt wurde. Generalleutnant v. Ploetz. der neue kommandirende General deö V III. Armeecorps in Kodlenz, sowie der Chef des Generalftabs der Armee, General leutnant v. Moltke, und der Chef deS Militär - tzabinetts. Generalleutnant Graf v. HülsenHaeseler, sind zu Generülen befördert worden. Bei Anaconda. fünf Meilen öst lich von Butte, Mont.. wurden heute Abend von einem mit Erzen beladenen Wagen, der einen Berg hinablief, zwei Arbeiter überfahren und auf der Stelle getödtet. Der Wagen hatte fich von der Koppelung deö ZugeS losgelöst, und lief rückwärts den Berg hinab. Der Farmers söhn Ralph Bag-by. welcher mit seinen Eltern in der Nähe von Okobojo, Sully County, S. D.. wohnt, hat in der Gegend von Fox Ridge, südlich vom MissouriFlusse, in einem großen FelKblock mehrere Versteinerungen gefunden, darunter auch eine, wie er gluubt, versteimrie menschliche Hand mit einem Metallreifen um das Handgelenk. Es ist indeß nicht sicher, ob man es dabei wirklich mit 'derVersteinerung einer menschlichen Hand zu thun hat. oder ob es nur ein merkwürdiges Naturspiel ist. daß eine Steinformatton genau die Form emer flach ausgestreckten menschlichen Hand angenommen hat. Aufdem Dampfsr Mmneapolis" der Atlantic Transport Line, welcher dieser Tage in New Fort anlangte, befindet sich eine MacKnowCameron - Kohlenlademafchine. Die Erfiirdung ist von den Thames Jron Works" in London herübergesandt worden, um einer Probe seitens der Bundesflotte unterworfen zu werden. Wie man versichert, können mittelst dieser Maschine Schiffe auf hoher See in einer Entfernung von 350 Fuß von vem Kohlenschiff mit Kohlen versorgt werden. Die Kohlen werden in Säcken über ein eisernes Kabel und dann durch eine 60 rufe lange Rinne an Bord befördert. Der erste Versuch wird auf dem Kohlenschrfs AdaraT'da angestellt werden. An dem in der Navy Yard zu Portsmouth, N. H., gelegenen Gebäude. in welchem vor einem Jahre der Medns.vertrag zwischen Rußland und Japan unterzeichnet wurde, ist neulick in feierlicher Wnse zur Erinnerung an das wichtige Ereignch eme Gedenttafel aus Kupfer enthüllt worden. Der Tag wurde als ftriHMiatW hnrA Püiikn aller Glocken in Portsmouth eröffnet. Ein Bataillon Marine-Soldaten zog die Vrlaaat der Ver. Staaten auf. worauf ein 'Musikcorps die Nationalweisen von Japan, Rußland und Amerika spielte. Dann erdröhnten die Geschütze. welche den Natronalsalut abfeuerten. und bierauf erfolate die Enthüllung der Tafel durch die Töchter zweier Marlneossiziere.

Turnt) die Blume beleidigt. Ein tragikomischer Bruderzwist, der Zwischen Charlottenburg und Lichtenberg hin und her tobte, ist glücklich beendet. Der in Charlottenburg wohnbaftc Kunstgärtner K. ist durch Testament seiner verstorbenen Eltern seinen anderen Geschwistern gegenüber erheblich bevorzugt worden, weil die Eltern ihm, der sich allein in Liebe und Treue um sie bekümmert hatte, damit ein Zeichen ihrer Dankbarkeit geben wollten. Diese Thatsache scheint die übrigen Geschwister und insbesondere einen Bruder, den in Lichtenberg wohnenden Gärtner K.. arg verschnupft zu haben, denn der Charlottenburger K. wurde vielfach mit anonymen und öffentlichen Schmähungen bedacht, deren Schluß immer dahin ging, daß er ein Erbschleicher sei. Wenn er das Grab seines Vaters besuchte, fand er wiederholt auf dem Grabe eine Georgine mit der BeZeichnung Erbschleicher". Als auf ihn gemünzt, mußte er wohl auch eine in Charlottenburg erschienene Annonce ansehen, die wie folgt lautete: Mein liebevoller Sohn, Du hast so viel gesündigt, hast auch die Mutter entmündigt; den Lohn sollst Du schon haben: einst fressen Dich die Naben!" Von wem diese Freundlichkeiten herrührten, war nicht festzustellen. Eine andere Annonce lautete: Mein liebevoller Sohn, kennst Du die neue Dahlie schon?" Zur Erklärung dieser Annonce dient die Thatsache, daß der Lichtenberger Bruder einer von ihm gezllchteten Blume den NamenErbschleicher" gegeben und diese Züchtung durch Reklamekarten empfohlen hatte, in denen es unter anderem hieß: Ich gebe dieser Züchtung, die ich unter der Bedingung erwerben konnte,' daß sie den Namen Erbschleicher" führt (offenbar zur Erinnerung an unangenehme Erlebnisse so vom Züchter benannt) beste Empfehlungen 'mit auf den Weq." Ein Brief, den er an den Bruder richtete, strotzte von Beleidigungen. Mit Rücksicht auf die Schwere der Belcidiqunaen wurde der Briefschreiber vom Schöffengericht zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. Als der Bruderzwist in zweiter Instanz das Gericht beschäftigen sollte, gelang eZ jedoch, unter Mitwirkung der Vertreter der Parteien einen Vergleich zustande zu bringen, durch den die Sache aus der

Welt geschafft wurde. Gehcimninvoll. Der Kopc?nhagc'n?r Standardkor rospondcnt will von einem Dffisiet des Polarstern", an oc-sscm Bold sich die siaiicrin 233iltiuc von Rußland be fand, erfahren haben, daß sich an ei nein Abende tun vor Eintritt der Tunlelbeit ein aebeimnißvoller öor fall ereignete. Ein seNr zerseyier Vrier. der in schlechtem Nmmch u die !aiserin-Witttve adressirt war. wurde an Bord des ..Polarstern" ae warfen, vermutblich von einem vor überfahrenden Boot. Er war an ei nein kleinen Stein befestigt word.l und warnte in demselben Wedstea Russisch wie seine Adresse die ftmic rin vor einer drohenden Gofabr. $ii gendwelche mißergewähnttchen Vor sichtsmaßregeln für den Schulz doZ Polarstern" wurden nicht getroffen. Das Schiff lag an derselben Stello vor Anker wie bei früheren Besuchen, dicht am Lande. Nach Eintritt der Dunkelheit Patrouilliren Wachtbo!'.' mit starker bewaffneter Bemannung die umgebenden Gewässer ab. Ter Oberhofmeister Prinz Scherwai. Chidse erklärte dem Korrespondenten, der einzige Zweck des Besuchs der Kaiserin in Kopenhagen sei, die Kö nigin Alexandra von England zu treffen. Sie werde dort bleiben, bis die Königin nach Schottland s.iuge. Die Kaiserin sei außerstande, ihre fka bine zu verlassen, und würde von il rer Schwester und Prinzessin Stfta ria sorgfältig gepflegt. Die eTÜcU2 von revolutionären Verschwörungen erklärte er für lächerlich. Xic Planke des chlof grlc,.S. König Haakon VII. hatte bekannllich schon meyrfach kleine üL!e:nungsVerschiedenheiten mit Bewohnern seiner neuen Hauptstadt auszusechten. so einmal mit dem 73-jährigen Herrn Björnstjerne Björnson üoer die 'Aussprache des Norwegischen, weil der in Kopenhagen geborene und erzogene Monarch im Dialekte der dänischen Hauptstadt sprach und dadurch Das Mißfallen des nationalen Dichters erregte. Jetzt wollte der neue LandesVater einen Theil des Schloßgarten in Ehristiania einfriedigen, rief öamii aber einen Sturm der Entrüstung hervor. Der König liebt in seinem Privatleben die Ruhe und wünschte deshalb einen Theil des Parkes für sich und seine Familie allein zu haben, weshalb er dort einen Zaun von 2 Meter Höhe errichten zu lassen begann. Aber er hatte dabei nicht mit der hauptstädtischen Presse gerechnet. Gerade die ministeriellen Blätter gingen gegen ihn vor mit Bemerkungen über verfrühte Experimente, und oas Bjornsonsche Spezialorgan verstieg sich zu dem Satze, daß diese Einzäunung geradezu einen Theil der Hauptstädtischen Ergebenheit vor dem neuen Königshause aussperren würde. Einem so beredten Appell gegenüber konnte sich der junge Monarch nicht verschließen, sondern erklärte, vorläufig" auf den Plan verzichten zu wollen.

W i e man jetzt erfährt, sind die 1903 bei den Shetlandsinseln von den Norwegern angelegten Walfischfangstationen von den eingeborenen Mischern durch Feuer zerstört worden. Die Fischer behaupteten, daß die Walfischjagd die Heringszüge verscheucht und sie dadurch ihrer Nahrung beraubt. Der Verein zum Schutz der englischen Hochseefischerei beschloß kürzlich zu Hull eine Petition an die englische Regierung um die Vornahme von Maßregeln gegen die norwegischen Walfischjäger; inzwi schen haben sich die shetländischen Fischer selbst ihr Recht genommen. Eine verwandte Streitfrage ift von einem Theil der norwegischen Presse jetzt mit Bezug auf Spitzbergen angeregt worden. Die Blätter verlangen, daß auf dieser Insel nornxgi sches Gesetz eingeführt und überhaupt die dortige Staatsoberhoheit des genannten Landes anerkannt wird, zu dessen natürlicher Machtsphäre Spitzbergen gehören soll, und das bei der gleicbeitigen Zunahme der Eismeerfischerei und des dortigen Touristen Verkehrs eine zunehmende Mchtigkeit besitzt. Was zu diesem Anspruch Rußland sagen wird, bleibt wohl zunächst abzuwarten. Eine merkwürdige GrMchändungsgeschichte bcrftkzre die Ferienstrafkammer zu Lünedurg. Vor einigen Monaten starb in Ainebürg ein junger Mann. Auf seinen Grabhügel setzte seine Braut einige Töpfe mit Blumen. Bald aber entzweite sich die Mutter des Verftorbenen mit der Familie der Braut und voll Zorn ging die alte Frau auf den Kirchhof und riß die von der Braut gestffteten Blumentöpfe aus dem Grabhügel. Der Gärtner pflanzte die Blumen von neuem ein, aber die Mutter kam abermals und schleuderte sie weit fort, so daß die Töpfe zersprangen. Die Staatsanwaltschaft leitete darauf gegen die Frau daS Verfahren wegen Grabschänduna" und Sachibeschädiaung ein. und in der Hauptoerhandlung beantragte der Staatsanwalt unter Hinweis auf die bewiesene Gefühlsroheit nicht weniger als 3 Wochen Gefängniß. DaS Gericht stellte sich indeß auf den StandPunkt, daß den Eltern des Verfiordenen "das Verfügungsrecht über as Grab zustehe, so daß von einer Grabschändung im Sinne des Strafgese' tzes nicht die Rede sein könnte. Wegen der verübten Sachbeschädigung erkannte es dagegen auf 20 M. Geld-strafe.

Dr. 1 H. acrer Deutschn Ttnn.A'lt Oflltti Schelldouse'Leih-Sll 8 bn Telephone: Neu. um Alt, Main il. Wohnung: 14? 2Ü Meridi treftc. Ejtsr mmwm 1r., w tSBkWa Reuer 'dank MONON ROUTE. City Ticket Office, 8 Nord Illinois Straße. Telephon 737. Nach Chicago über direkte wie. Abfahrt von Indianapolis 7:v0 Borm. 11:50 Vm., 3.35 Nm., 2:48 Vm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.50 Vm., 4 52 Nm. Bia Roachdale. Crawfordsville nd Lasayette, nach Chicago. Abfahrt 1 1 :50 Vm. Ankunft 2:50 Nm. Michiga City. Abfahrt 7:00 Vm., 3:36 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. Mono Akkomodation. Abfahrt 5:15 Nm. Ankunft 9.00 Vm. Täglich. Nur Sonntags. Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! 14 I? 6 6 Züge zwischen Indianapolis und Cincinnati. Züge zwischen Jndianapolts und Dayton. Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis uns Springsield, Illinois. Parlor Waggon an allen Tage und öchlas aggon an allen Nacht-Zügen . Indianapolis Office : Union Bahnhof und 8 Nord Illinois St. R. P. lgeo, D. P. . LAKE ERIE & WESTERN R. R. dtt rf t t.Offi c t : 1 Oft Washington 6tr . Ghoe 371. .... Fahrzeit der Züge . . fahrt nkunst Vm. V Toledo. hago nd tchigaa Arpreß. 7.15 tio.i Nm. Nm, tolebo, Detroit und Chicago 2ta 12 30 t m. 9tau Wchtaaa tth. snctttLSafafttt t L1 e.se f. t Täglich, genommen Sonntag.

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