Indiana Tribüne, Volume 30, Number 50, Indianapolis, Marion County, 20 October 1906 — Page 7

Jndiana Tribüne, 20 Oktober 1906

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! Das weise Lamm 4 4 4 4 Humoristische ErzäKlnng von Rudolpk Straiz 4 m (Fortschung.) Sogar eine sehr große!" Mackin Siebenpfeifftr nieste. Ich darf das Wohl als Fachmann sagen! Als einer der von der Öffentlichkeit so viel verlästerten Bergfexe! Ich gebeja zu... es liegt eine gewisse Vermeyenheit in dem Bergsport wie in jeder mit Todesaefahr verbundenen Leidenschaft aber auch welche Seligkeit, welche Vefriedigung! Wenn o:r Firn des bezwungenen Riesen unter den Schuhnägeln knirscht, wenn man dm Bergstock hineinstößt und aufjodelt in die grenzenlose Weite ja, meine Herrschaften, das muß man eben erlebt haden! Das kann uns nur der Adler nachfühlen, unser Genosse in schwinoelnder Höhe. Ihnen kann ich nur sagen, daß das die Feierstunden meines Daseins sind. In ihnen leb' ich der Rest ist Dämmern!" Er brach mit flammenden Augen und purpurnem Antlitz ab und ein Murmeln der Bewunderung lief durch den ganzen Kreis. Nur sein düsterer Kollege sah ihn räthselhaft lächelnd an, als staune er selbst über die Wirkung, die der ungewohnte Alkohol verkappterweise auf Martin Siebenpfeiffers leicht entzündliche Phantasie übte! "Ja ja!" plauderte der vergnügt weiter. Man erlebt sein Theil! Daß Leute wie mein Freund Ulrich SchneeVogt, der Bezwinger des Aconcagua, oder meine Wenigkeit noch mit heilen Knochen herumlaufen, das erscheint niemand wunderbarer als uns selbst. Verdient hätten wir tollen Kerle es wahrlich nicht!" Ja es muß furchtbar gefährlich sein!" seufzte eine Berlinerin. ..Männe Männe ich beschwöre Dich: Gehe D u mir nicht zu nahe 'ran!" Ich werd' mich hüten!" sagte trocken ihr Gatte. Martin Siebenpfeiffer warf ihm einen verächtlichen Blick zu und lächelte tollkühn in der Runde. Was heißt Gefahr, gnädige Frau?" rief er. ..Gefahr ist das Salz des Daseins, die Würze der Tage eines Mannes. Ohne Gefahr zu leben, wäre mir ein undenkbarer Gedanke. Ich brauche sie wie mein täglich Brot! Sie ist das Schooßhündchen, mit dem ich hoch über den Wolken spiele, das ich streichle, wenn unter mir die Tonner grollen und die Lawinen stürzen. Ich lache der Gesabr!" Und wirklich lachte er hellauf und leerte seine Tasse, während ihn die Damen erschrocken und mit feuchten Augen ansahen. Der Herr aus Kulmbach räusperte sich. Seltsamer Zufall!" sagte er. daß wir uns noch nie auf einer Spitze getroffen haben. Ich war mit meiner Frau fast auf allen und Sie wohl auch?" Wohl möglich!" sagte Martin Siebenpfeifftr sorglos. Von der Dauphine bis zur Hohen Tatra gibt es kaum einen Berg, mit dem ich micb nicht schon irgendwie beschäftigt hätte! Aber wir wollen nicht immer von mir reden! Veronika! Es geht zwar auf Mitternacht, aber heute, am Einweihungstag der Thörlihütte, befreie ich Sie nochmals von der Verpflichhing, den Gästen nach zehn Uhr Abends keine Speise und Trank mehr zu verabreichen. Bringen Sie den Herrschaften, wonach ihr Herz begehrt. Und dann, denke ich. singen wir in Lied n Chorus!" ns . V fi j. . CC . tc amen roioen Dramen. vzy schliefen doch schon manche! Und überhauvt...Aber Martin Siebenpfeiffer ließ sich nicht einschüchtern und imon verkündete in dröbnendem Basse er. der Wanerfreund auf der Glei'cherbdhei Im tiefen Keller sitz' ich hier, bei einem Faß voll Reben!" Dann folgte da man sich doch nun einmal in den Alpen befand, als zweites geeignetes Ciffc Das Schiff streicht durch die 5?' 0ns FiSolin!" und endlich, während dte allseitig gehobene Stimmung in Jubel überging: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dan ich so traurig mn ... daß ich so traurig bin!" wiederholte der Mittelpunkt des Ganzen mit seligem Lächeln. Mir ist so wobl zu Muth, als wüchsen mir Flügel und trugen mich hinauf zum Sternenhim rnel. Ja. liebe Brüder und Schwestern vom Edelweiß, Ihr Getreuen alle des Alpenvereins das ist die Feststim muna der Berge. Da klingt und sing alles in einem, längst vergessene Wünsche werden wach, schlummernde Träume zur That! Z)as Blut Ixtx) freier, es perlt und prickelt und jodel im Hirn, die Gedanken ziehen ihre bunte Maskengarderobe an und wallen im Faschingsreigen kichernd und tol lend wie am Kölner Rosenmontag vor den feuchten Auaen vorbei und der Wille wird wach! Er löst sich von sei ner Kette, wie ein Leu entspringt er den Banden dieses allzumürben, allzu fetten Schulmeisterfleisches, zerreiß das Spinngeweb der allzuschwachen Nerven, macht sich frei und geht brül lend umher und sucht das .Wilde Dirndl,' auf daß er es verschlinge Seht. Kinder, so steige ich in meinen Träumen über diese Welt! Ich bin nicht nur der Alpenkönig der Thorli Hütte, ich bin ein Dichter ich bin ein Üebermensch, ich werde geliebt und liebe wieder und kenne kem Gebot als meine wilöe Kraft!" Die andern sahen sich verduft an.

Sie begriffen nicht, wie der Kaffee den

kleinen Oberlehrer m solche Ekstase versetzen konnte. Der düstere Kollege aber löste die Spannung. Hoch soll er leben!" stimmte er mit mephistophelischem Augenzwinkern an, und die Tafelrunde stimmte halb lachend, halb beklommen ein. Dreimal hoch!" sang Martin Sie benpfeifftr mit begeisterten Augen den Toast auf sich selbst mit. Jawohl. Ihr Kinder der Berge: hoch soll der Mensch leren! Je höher, je besser! Dafür ist fr Hochtourist! Und ersten Ranf c : wie ich! Darum gilt mein Hoch dcm Höcbsten, was wir hier haben meiner schönen Feindin, der eisgepanjeden Walküre, die ich in wenigen Stunden als lachender Sieger demüihigen werdc. wie Siegfricd die BrunHilde!"... Er hob begeistert die dampftndc Kafetasse zu dem durch die Fenster h 'glitzernden Himmel: ..Seine Hohe., das , Wilde Dirndl' lebe hoch und abermals hoch und nochmals hoch!" In dem allgemeinen Jubel verfärbte sich plötzlich Martin Siebenpfeiffers rothes Gesicht. Ihm war es. als blicke das Wilde Dirndl" selbst von außen durch die dunklen Scheiben, ein blasses, hübsches Mädchengesicht, das ihm eifrig und gebeimnißvoll zunickte und lautlos die Lippen bewegte, als bäte sie ihn, zu ihr hinauszukommen! Entschuldige mal einen Augenblic!" sagte er zu dem Freund, der ihm ahnungslos Platz machte, und ging mit raschen Schritten durch den Flur in's Freie. Jawohl da stand sie im hellen Vollmondschein. Oder vielmehr sie trat ihm mit ausgestreckter Hand entgegen. Schelten Sie mich nur aus. Herr Siebenpfeiffer!" sagte sie zwischen Weinen und Lachen. Ich verdien's! Aoer ändern kann ich's nicht. Ich hab' nämlich ehrlich gesprochen eine Todesangst vor der Tour gekriegt!" Angst!" Er schaute in unendlichem Mitleid zum Himmel empor. O Weiberseele! Angst? Das Wort kenn.' ich nicht' hat, glaub' ich, der alte Napoleon gesagt!" Eu neigte sich zu ihm herab. ..Das glaube ich einem Mann wie Ihnen. auch ohne daß Sie's szgen! Aber ick kurz ich halte es für besser, gleich jetzt, gerüstet wie wir sind, mit meinem Fuhrer im Mondschein nach St. Lukas hinunterzustcigen. Mein Bräuti Qim ist wohl schon aestraft aenua durck. den bloßen Gedanken, ich sei auf den gefährlichen Berg gegangen!" Durch die Stille der Nacht drang von unter, her em langgezogenes Jo deln und beide schauten sich erschrocken an. Mir ist doch, als kennte ich diese Stimme!" murmelte sie. Wieder juchzte es auf. Der Kröpf legte die hohle Hand an's Ohr. Das sei ein nächtlich?? Tourist, meinte er. der auf diese Weise einen Knecht mit einer Laterne herabzulocken süche. Denn in der Nacht sei die rothe Wegmarkirung zwischen dem Felsengeröll schwer zu finden, und es werde wohl noch zwei Stunden dauern, bis der Herr oben sei Und zum drittenmal klang melodisch wie das Girren eines liebeskranken Bären der geheimnißvolle Laut, und diesmal war kein Zweifel mehr. Natürlich ist er es!" sagte sie, sich fest in ihren Plaid wickelnd, Ihr Freund und mein Bräutigam. Ulrich Schnee vogt! Kein andrer Mann auf Erden jodelt so greulich falsch wie er. Er muß heute Abend nach St. Lukas zurückge kommen sein und dort die Mirzl mit meinem Brief, daß ich auf's ,Wilde Dirndl' will, getroffen haben." Martin Siebenpfeiffer faßte ihre Hand und seine Augen glühten im Thatendrang. Wenn Sie jetzt hinab steigen." flüsterte er beiß, so beqeg nen Sie ibm! Wenn Sie hier bleiben. findet er Sie und hält bis morgen früb vor Jbrer Thüre Wacht. Also bleibt Ihnen nur e i n Weg der Wec, des Rubmes der Weg des Muthe und der Ehre da hinauf!" Einen Augenblick zögerte sie. Es ist doch noch zu früh?" murmelte sie. ..Kaum Mitternacht. Aber ver Krops vernemie. Mnn man jetzt bei dem schönen Vollmondschein wegginge, trefft man den Schnee am besten und komme zu guter Zeit auf die Spitze. Da deutete sie mit dem Bergstock schweigend zu der weißlich in der bläuliefen Nacht stehenden zuckerhutsormr gen Riesin empor, warf den Kopf in den Nacken und ging ohne weiteres dar auf los, der Kröpf mit einem fröhlichen Greinen auf den verwitterten Zügen hinterher. Auf den Fußspitzen wie ein Dieb schlich Martin Siebenpftifser in den Flur zurück und kam unbemerkt mit Hut. Bergstock und yjfcmtei wreoer yer aus. Frohlockend blickte er um sich dann trabte er. vor Thatendrang selig lachend, so rasch es feine kurzen Beine erlaubten, hinter der geheimmßvoll von der nächsten Höhe herab winkenden Alpenfee her in das Wolkenreich der Abenteuer. 8. K a p i t e l. u seiner Rechten kicherten und spöttelten, als er die beiden ein holte, im Mondschein in hundert Silberschuppen glitzernd die Wellen des Thöslisees, über denen der kalte Nachlwind des Gletschers geschäf tig hin und her lief. Ein weißer, von schwarzen Schlünden zerrissener Wall stand der Eisstrom des Ferners still in seiner leblosen Umgebung, wie der ge treue Eckart mahnend am Zauberberg des Wilden Dirndl" Wache haltend Aber Martin Siebenpfeiffer kümmerte

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ich wenig um sein vielsagendes, frostigabwehrendes Schweigen. Er schwang den Bergstock verwegen wie ein Reiter eine Lanze übe? dem Kopf und folgte dem Führer, den Gletscher verächtlich rechts liegen lassend, in die geröflerfüllte Thalmulde, die sich bis dicht zum Eisthron d:s Wilden Dirndls" hinzog. Ueberall in diesem einsamen Höhenbod?n rann es in fließenden, spiegelnden Schleiern zwischen den Felsklumpen. btm feuchten McoZ und grünen Gras eilfertig zu Thal. Rings in der Runde lebten die Wasser, Sie schössen in langen Silberfäden die Steilhänqe herab, sie einten sich nnd theilten sich und verschlangen sich wieder in plätschernoern Rfgerrfpiel und lichen, wo immer sie sprangen nnd sangen, das Mondlicht des Himmels in tausend eilfertig wechselnden, wie Kobolde zwischm dem todten Gestein huschenden B'itzcn und Kreisen wieder aufblinken. Ab?r die drei Wanderer kümmerten sich wenig um den silberhellen Sang, das silberhelle Licht der im Mondesfrieden verträumten Hochwelt sie hasteten vorwärts wie die Verbrecher, wie die Skaubn dem End' der Welt" zu, dem Abschluß des Höhenbeckens, zu dem steil die firnwcifzen Schleppenfalten der Eisjungfrau herabfielen. Denn immer noch glaubten sie Ulrich Schneevogts mißtönendes Gejodel in ihren Ohren zu vernehmen und wußten, daß er in spätestens ein, zwei Stunden auf der Thorlibutte sein und sobald er ihre Abwesenheit bemerkt, sich zur Verfolgung des flüchtigen Hüttenvaters und fernes schönen Raubes aufmachen würde. Martin Siebenpfeiffer hatte, da ihm der Kröpf zu langsam ging, die Führung übernommen. In wildem Eifer stolperte er über das Gestein voraus. Er fühlte nicht die blauen Flecke, nicht die blutigen schrammen, die er sich zwischen den wackligen Moränenblöcken holte, nicht das Schneewasser, das eiskalt durch die mangelhaften Bergschuhe drang in seiner Seele perlten und tanzten immer noch die Geister des Alkohols und zogen mit blühendem Farbenspiel, mit Pritschenklang und Blumenreigen im Fastnachtszug durch sein Gehirn, riefet lebte er setzt erst, wo er, ein lachender Gebieter, durch seinen Harem von scheu um ihn im Halbkreis stehenden weißverschleierten Eisjungfrauen auf die spröde Königin der Berge, die Königin seines Herzens, zuschritt. Hinter sich das seltsame Paar, den uralten, skelettartigen Bergführer und das schöne junge Weib. Schön war sie schön wie Frau Ve nus aus dem Hörselberg, vor dessen Pforte dort hinten der gute alte Eckart in Gletschergestalt Posten stand! Und Herrn Tannhäusers Klage fiel ihm ein: O Venus, schöne Fraue mein! Ihr seid eine Teufelinne!" Ritter. Tod und Teufel wie auf Mbrecht Dürers tiefgründigem Bild! Der Tod als greiser Geleitsmann in der Tiroler Lodenjoppe, die Pfeife im Mund, mit klapperndem Nägelschuh. der Teufel als lachendes Mädchen aus der Fremde und dazwischen e r , der Ritter! Der fahrende Geselle, der einen bösen Traum geträumt, solange ihm sein Leben in der nüchternen Alltäglichkeit eines preußischen Overlehrers zwischen Tintensatz und Schulbank verronnen schien. Nein, seine Phantasie, die wildschweifende, die weltumspannende die war ja jetzt Wahrheit, war sein eigentliches Dasein und dessen berauschende Vergangenheit! Er hatte wirklich in Abenteurerlust alle Zonen der Erde durchmessen, mit Mannern sich geschlagen, mit Weibern sich vertragen, er hatte mit Königen Brüderschaft getrunken und Fürstinnen mit heäßen Lippen aeküßt, der schnaubende Renner hatte ihn über das weite fttlb beim Hörnerklang und Hundeball der Hetzjagd hingerissen, der indische Tiger vor seiner dampfenden Flinte sich zähnefletschend im Staub gestreckt. Er hatte gebechert, er hatte gewettet und gespielt, geliebt und geliebelt, er hatte für hundert, für tausend andre den

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Rahm des Lebens abgeschöpft, und was ihm das Leben an Leid und Lust, an buntscheckiger, vielgestaltiger BilderPracht, an bitterer Herzensnoth und überströmender Seligkeit beschert, das hatte er in unsterbliche Formen gegossen und geläutert durch das Feuer seiner Seele. Denn er, Martin SiebenPfeiffer, der lange Verrannte, war ein Dichter, war einer der Großen, vor denen die gemeine Wirklichkeit der Dinge zur Lüge wird und ihres Geistes Höhenflug zur greifbaren Wahrhat. Tief aufathmend blieb er stehen. Sie waren am End' der Welt," nachdem sie in kaum der Hälfte der üblichen Zeit das Trümmerthal durchmessen. Jetzt hieß es hinauf! Empor zum Sturmlauf wider die wilde Schöne, empor zum heißen Werben um ihr eiskaltes Herz. Martin Sieenpfeiffer sprang mit einem Panthersatz wider die steile ScbneewanÖ und stieß seine Stiefelspitze in den körnigen, leichtgefrorenen Firn. Der Fuß drang bequem ein und blieb darin, wie in einem sicheren, vor Ausgleiten schützenden Kasten haften. Und schon schleuderte der Oberlehrer das zweite seiner kurzen, aber wohlgenährten Beine wider den Hermelinmantel der Bergkönigin, zog das erste nach und haspelte sich so, keuchend und von seinem heißen Athem wie von einer Dampfwolke eingehüllt, mit ungewohnter Gewandtheit die steil und unermeßlich aus der Nacht niederfallende Bergflanke empor. Die beiden andern hinterdrein. Sich anzuseilen hatten sie vergessen, und jetzt war es zu spät! Wozu auch schließlich? Kühn muß man sein!" hatte der Kröpf mit einem stolzen Blick auf den vorauskletternden Hüttenvater ausgerufen, und die dritte im Bunde, die zwischen den beiden Männern ging, widersprach nicht, sondern schien wie betäubt. Wenigstens stieg sie sügsam und schweigsam, mit angehaltenem Athem und leichten Schritten die immer steiler werdende Wand hinauf. An ein Ausruhen war nicht zu denken, kaum an ein Stehenbleiben. Wie Fliegen klebten sie an der unheimlich grell vorn Monde überschienenen weißen Fläche und krochen weiter und weiter. drei schwarze Punkte im hellen Schweigen, beharrliche Liliputaner im Ringen mit dem weiblichen Goliath. Der Leib arbeitete schwer bei diesem ermüdenden Einstemmen und Auffußen der Schuhspitzen in dem knirschenden Firn, aber der Kopf feierte und in dem müßigen Kleinhirn tollten und jagten sich die Gedanken im Pfänverspiel und erfüllten Martin SiebenPfeiffers Herz mit Seligkeit! Da stieg er frank und frei die gefürchtete Dirndlwand heran und lachte der Gefahr! Endlich war er erlöst von dem Mißmuth des Leibes, von der Last des blühenden Fettes, endlich schwang er sich, unbeirrt von Nervenzittern, über Schlund und Abgrund mit dem stählern gleichgiltigen Blick des Adlers, der nur die Schwingen auszubreiten braucht, um von selber zu fliegen endlich konnte er selbst, was er wollte! Wahrlich er war ein Thor gewesen, da unten in der Thörlihütte. von der aus er so oft, die Hände sehnsüchtig gefaltet, seinen geliebten Berg mit der Seele gesucht! Der Ritter Toggenburg war ein großer Esel!" sagte er plötzlich athemlos und ganz laut in das Schweigen der Mondnacht hinein, daß die beiden andern erschraken, und klomm, sich den schweiß von der Stirne wischend, mit erneuten Stiefelstößen weiter. Er sitzt im Thal und seufzt! Blödsinnig! Drauf heißt es, drauf! Die Frauen kommen uns nicht entgegen und die Berge erst recht nicht. Beide wollen gestürmt sein. Wer lange ziert und seufzt, ist ein Esel und beißt Toggenbnrg! Ich aber nenne mich mit Stolz Martin Siebenpfeiffer und steige auf der Menschheit Höhen." Seine Begleiter antworteten nicht. Der Kröpf, weil er kein Wort verstand und daher nach seiner Gewohnheit glaubte, dan der Herr ein botanisches

Die Würde einer Irau Trotz aller Erfahrung wird es immer Frauen geben, welche der Ansicht sind, daß es das Loos der Frau ist, wenigstens einmal im Monat Schmerzen zu erdulden. Gewiß, wenn sie krank sind. Wenn sie gesund sind, nicht. Periodische Schmerzen sind ein Zeichen organischer Krankheit ein Schrei Eurer Nerven um Hilfe. Um die erkrankten Organe zur Gesundheit wiederherzustellen, gebrauche man

CARDUI

.Ich war so leidend, daß ich sterben zu müssen glaubte," schreibt Frau John Short von Florence. Ala.. und war infolge von Frauenleiden drei Monate im Krankmhans. Ich gebrauchte Cardui - Wein und er hat mir sehr geholfen. Ich gebrauche ihn noch immer, und meine Besscrung schreitet rasch vorwärts. Ich bin im Stande, meine Hausarbeit zu verrichten und Besuche abzustatten. Ich kann kaum Worte finden, um Ihnen meinen Dank für Ihren Rath und Ihre Medizin auszudrücken." Von großer n Heilkraft für alle Störungen der weiblichen Funk- fy $0Avw JÜ -fJljt tionen. f 3n allen Apotheken in $l.00fafcf)en zu haben.

Problem erörtere, die Fremde, weil sie genug zu thun hatte, um dem rasenden Tempo zu folgen, mit dem ihr Mentor S.urm gegen die Eisriesin lief. Ter wieder empfand mehr und mehr än zärtliches Mitleid mit seinem blassen Schützlina. We'ch ein schwache? Geschlecht! Immer dem Manne gegenüber schwach sei es dem Hünen, der in d-r Ferne ihren Spuren folgte, sei es ibm selbst, der ihr hochqemuth em'vr in Nacht und Grausen durch weiß'chillernden Gespensterspk der Berge den Weg zur Sonne wies. Ueberhaupt müßte man die Sonn? anbeten ! Sie ist doch das Beste auf der Welt! Echtes Gold! Unser aller Mut ter! Martin Sienpseiffer wurde wehwüthig zu Sir.n. Er lach!e nicht mehr Er hätte weinen mögen auö Sehnsuch! nach der Sonne, nach Tag und Lich', nach Musik und Schönheit, indeß e; still, mit einem seltsam aufstauenden Gefühl im Magen, weiter die Wand hinauflief. War e r es denn wir!lich in leiser Ernüchterung drängt sich ihm die Frage auf e r , der hier ganz unwahrscheinlich, ohne zwingen den Grund an einer beinahe senkrechten und offenbar bis in den Sternenhimmel reichenden Spiegelfläche klebte? Oder träumte er das Ganze? Wie kam er dann hierher? Etwa wie im Mittelalte? die Feinde des westfälischen Kobolds Hüteken. die der böse Kleine im Schlaf auf einen Brunnenrand oder Kirchthurm trug, so daß sie aufwachend bei der ersten Bewegung in die Tiefe stürzen mußten? Unwillkürlich blieb er stehen, zwickte sich zweifelnd in's Ohrläppchen und strauchelte dabei ein wenig, da ihn beim plötzlichen Schrecken über die Lage, in der er sich befand, ohne Halt, ohne Stütze, ohne Geländer und Schutzmauer auf dieser fürchterlichen, unergründlich unter ihm im Mondscheindämmern sich verlierenden Steilwand ein erster Schwindel überkam. Der Kröpf unter ihm lachte hohl und heiser und meinte, der Herr Siebenpfeiffer sei ein spaßiger Herr und thue absichtlich, als trete er fehl, nachdem er in der halben Zeit, die sonst üblich, als ein rechter Hochtourist ersten Ranges die Dirndlwand überwunden! Und das Fräulein laufe auch wacker. Die steige über den Berg wie ein Schaf und denke sich gar nichts, und das seien ihm, dem Kröpf, die liebsten Menschen; denn die paßten nach Tirol. Das Fräulein seufzte nur tief und erwiderte nichts. Martin Siebenpfeiffer aber verspürte einen neuen Muth bei dem Gedanken, daß der erste schwere Schritt gethan. o on!" rief er in heiserem, angelsächsisch - verbissenem Kehlton, wie er es von den englischen Alpinisten gelesen, und huschte wie ein beleibtes Eichhörnchen die letzte Wandung empor. Ueber der hing, weit übergreifend, ein Hartgebackener Schneewall, und, gerührt wie der Detektiv nach der Photographie einen langgesuchten Verbrecher rekognoszirt. erkannte er in diesem Firngebilde jene trügerische Schneewächte," die Corniche" der Schweiz, die er so oft in Büchern erwähnt gefunden und noch nie aus der Nähe gesehen hatte. Dafür ging er jetzt aber auch dem Feinde mit volle? Kampfeswuth zu Leibe, ein Krieger, der als der erste auf dem bezwungenen Mauerkranz stehen will. Zuerst stach er mit seinem Bergstock einigemal energisch in den von unten her harmlosen Schneesims, dann nahm er zum Hauen und Stemmen seine Zuflucht und mühte sich hochrothen Angesichts mit der über ihm wuchtenden Auswölbung. (Fortsetzung folgt.) , Siebenswürdig. Frau: Einstmals sagtest Du stets, lieber wolltest Du mit mir zufammen in der Hölle, als ohne mich im Paradiese sein." M a n n : Soo das hab' ich gesagt? Na. weißt'. Alte, dieser Wunsch aus den Jahren meiner Jugendeselei hat sich ja auch wunderschön erfüllt."

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MMe skr Frauenleiden In Warlchau tritt seit einiger Zeit im Alexanderien-Vari6t6 eine Tänzerinnen - Truppe LuriLur" auf, zu der auch die Wjährige Barbara Szypowski gehörte. Die Sz. war vor zwei Jahren mit einem Gerbergesellen Ludwig Dybikowski verlobt, floh aber kurz vor der Hochzeit und schloß sich einer wandern'den Artistensellsehaft an. Ein Arbeitöcollege ihres inzwischen zum Werkmeiste? aufgerückten früheren Bräutigams besuchte die Vorstellung und erkannte in der Tänzerin die verschwundene Braut seines Freundes. Er machte dem Dybikowski. der die Ungetreue noch immer liebte, davon Mittheilung. D. eilte in's Theater und machte der Sz. von neuem emen Heirathsantrag. Die Tänzerin lachte den Verliebten einfach aus; sie denn gar nicht daran, den Bühnenleben zu entsagen, um dieFrau eines Arbeiters zu werden. Die höhnische Abweisung brachte den Werkmeister m Wuth. Er zog seinen Revolver aus der Tasche und feut.rte auf die Sz. mehrere Schüsse ab. Schwer verletzt stürzte die Tänzerin zu Boden, während der Mörder sich durch einen Schuß in den Mund zu tödten versuchte. DybikowSka wurde schwer verwundet in ein Krankenhaus gebracht. Das Opfer der blutigen Scene, die unglückliche Sängerin, starb schon auf dem Transport in's Hospital. EinlustigesAbenteuer einer Pariser Operndiva in München wird aus Paris gemeldet. Fräulein Louise Grandjean von der Pariser Großen Oper hatte vom Direktor Gailhard die Erlaubniß erhalten, den Aufführungen in Bayreuth berzuwohnen. Auf der Rückreise nach der französrschen Hauptstadt machte die 5dünstlerin m München halt, um hier die Museen und Kunstschätze zu besichtigen. Nun besitzt die Sängerin ein kleines, zierliches Schohhündchen, von dem sie sich nur sehr schwer trennt. Da es natürlich in München, wie überall, verboten ist. Hunde in die Museen mitzunehmen, kam Fräulein Grandjean auf die Idee, daS Hündchen in dem weiten Mantel zu ververbergen. Die List gelang auch gut, allein bei der Wanderung durch die Pinakothek wurde der Trägerin die Last sehr unangenehm, und sie hatt, alle Mühe, die Contrebande weiter vor den Augen der Museumsdiener zu verhermlichen. Diese krampfhaften Bestrebungen fielen aber schließlich doch einem Diener auf, der verlangte, die Sängerin solle vorzeigen, was sie unter dem Mantel verborgen halte. Da sie sich sträubte, ncchm man an, sie halte einen aus dem Museum entwendeten Kunstgegenstand versteckt, und befahl die Visitirung. Das Erstaunen und Gelächter war groß, als dabei der kleine Hund zum Vorschein kam. Die militärischen Verluste in Deutsch - Südwestafrika vom Beginn des Bondelzwartsaufstandes (Dezember 1903) bis jetzt belaufen sich auf 2120 Mann, davon sind todt 1322. vermundet 798 Mann. Krank heimgeschickt wurden bisher etwa. 1000 Mann, ebensoviel liegen krank in den Lazaretten. Die gesammte Schaumwein - Erzeugung im Deutsehen Reiche belief sich im Rechnungs--jähr 1905 auf 13,286,277 Flaschen. Ueber die Hälfte des Schaumweins wurde in der Provinz Hessen-Nassau und dem Grotzherzogthum Hessen hergestellt. Die Gesammt - Ausfuhr betrug 1, 240,537 Flaschen. I n dem italienischen Städtchen Atonza werden täglich 150,000 wollene Hüte fabrizirt. Es bestehen dort 14 Hutfabnken mit 7000 Arbeitern. Wartezimmer mit Betten sin) eine Specialität der schwediichea Bahnhöfe. Die Schläfer werden zehn Minuten vor Abfah.'t ihres Auges vom Portier geweckt.

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