Indiana Tribüne, Volume 30, Number 49, Indianapolis, Marion County, 19 October 1906 — Page 7
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Oktober i06.
I Das meist Km ! c Humoristische Erzählung 4 von .j. j R u d o l p k S tr a tz 5 -:: (Fortsetzung.) .Abend!" brummte der Fremde. warf seinen Rucksacl auf den leeren Smhl und begann mit dem Stiefeltnecht einen eisernen Haken, den er aus der Tasche gezogen, in die Wand zu treiben. Eine Hundewirthschaft hier! Was? Nicht einmal ein Nagel zum Aufhängen! Dumm sind die Kerle, die solche Hütten bauen unpraktisch, bockbeinig, nicht zum Sagen. Na. Hoffentlich finde ich unten ein Beschwerdebuch!" Ich bin der Vorstand der Sektion!" sagte der Oberlehrer im schärfsten Ton, Worüber beschweren Sie sich?" Der ungebetene Gast war keineswegs verblüfft. Pah 's hilft ja doch nichts!" brummte er, schloß, als gehöre der Raum ihm allein, hermetisch beide Fenster und warf sich laut ausgähnend in seinen Jäqertricots auf das knirfchende Zirbelbett wenigstens will ich mir nicht die Influenza holen! Die Fenster bleiben bis morgen früh geschlössen! Ich schnarche Nachts sehr stark und kriege fönst die kalte Luft an das Zäpfchen!" Er drehte, ohne einen Versuch. Ordnung in den Greuel um ihn zu bringen. dem andern seine stark entwickelte Kehrseite zu und trommelte aus Lan geweile taktmäßig mit dem schweren Bergstock auf dem Boden, daß die einzigen von ihm .unberührt gelassenen Gegenstände, die Waschschüsseln und Wasserkrüge, unwillig zu klirren anfingen. Das war allerdings das alpine Hüttenferkel in seiner fürchterlichsten, nur selten vorkommenden Pracht. Martin Siebenpfeiffer verließ still das Zimmer, in dem seines Bleibens nicht mehr sein konnte. Und er empfand, wie die unsichtbare Hand des Verhängnisses ihn zu dem einzigen, jetzt bei hereinbrechender Nacht übrigen Zufluchtsort geleitete, zu dem Wirthszimmer, wo der Teufel Alkohol sein Scepter über die durstigen Bergsteiger schwang.
7. Kapitel. Tl. mt ( vo Durch den menschenwimmelnden, erstickend heißen und von einer beizenden blauen Tabakschicht erfüllten Raum ging ein ehrfurchtsvoller Schauer. Die lärmende Kannegießerei, das endlos? Gletschersimpeln und Kalauern, ver stummte, während der kleine runde Magnet des Tages seinen Platz am allgemeinen Tisch neben dem düsteren Kollegen einnahm. Veronika ein Glas Milch!" bestellte er. Dann versank er in düsteres Brüten und hatte selbst für die Frage des Freundes, wie ihm diese Klassikerausgäbe eines Gletscherschweins gefallen habe, nur ein Seufzen zur Antwort. Eine tiefe Stille trat ein. Martin Siebenpfeiffer trank von der Milch, tupfte sich die weißen Spuren des &ttränks aus dem Vollbart und fragte die Veronika unsicheren ovit mit einem letzten Rest von Hoffnung in der Stimme, was denn das Fräulein im Damenzimmer mache. Die Tirolerin lachte. Das Fräulein, das sonst so wolfshungrige, habe kein Nachtmahl angeschafft, sondern gehe unruhiq auf und nieder, seufze zuweilen tief auf und sehe nach der Uhr. Ob das Wilde Dirndl" wirklich sehr wild und gefährlich sei, habe sie von der Veronika wissen wollen, und ob es denn kein erprobtes Mittel gebe, das Herunterfallen absolut zu verhindern? Und sie. die Veronika, habe erwi'errt, als bestes Hausmittel gegen die Berge habe sich immer noch das Rezept eines alten Schäfers aus dem vorigen Jahrhundert bewährt, nicht aufi zu gehen! Dann könne man auch nicht abi fallen! Da sei das Fräulein böse geworden, daß man ihrer Angst auch noch spotte . . . Ihrer Angst?" Sein Gesicht derklärte sich plötzlich. Ja. nickte die Tirolerin. das Fräulein habe plötzlich herzhast Angst gekriegt. Sie sei ganz kleinlaut und ausgeregt. Gott sei Dank! Wieder wälzte es sich in Zentnerlasten ton Martin Siebenpfeiffers Brust. Alles andre hätte er für möglich gehalten, nur daS nicht, daß die Bergfee sich vor ihren eigenen Bergen fürchten, daß aus dem mitternächtigen Räthsel ein armes Modepüppchen werden könne, das Ulrich Schneevogt morgen früh wie ein unfolgsames Kind an der Hand in's Thal hinabführte. O Weiber, Weiber ihr seid ein schwaches Geschlecht! Da wird sie am Ende gar nicht auf's ,Wilde Dirndl' gehen!" murmelte er träumerisch lächelnd vor sich hin. Ein Abendfrieden der Erlösung durchwallte sein gequältes Herz. Aber da kam auch schon die Enttauschung! Das habe sie auch gemeint, berichtete die Veronika. Und was habe das Fräulein darauf gethan? Mit dem Fuß habe sie gestampft und gerufen, sie ginge unter allen Umständen hinauf. Sie müsse! Denn sie habe es ihrem Bräutigam versprochen! Und wenn sie Furcht habe, so besitze dafür Herr Siebenpfeiffer Kourage für zwei! So gleiche sich alles im Leben wieder aus! .Es ist gut!" sagte der Oberlehrer
und starrte vor sich hin auf die Tischplatte. So saß er still, eine Stunde und eine zweite, und hörte zu, wie zuweilen draußen der Sturmwind gleich einem hellen, spöttischen Mädchenlachen die Wände entlang lief. Die Touristen ehrten sein Schweigen und belästigten den Mann, der vor dem J.neikampf stand, mit keiner unnützen Frage. Um ihn brauste bald wieder das Gläserklirren, das Gelächter und Stimmengcwirr der in heiße Nikotinschwaden eingehüllten, bunt zusammengewiirfeltcn Tafelrunde, die von der heute zur Einweibungcfeier bewilligten Freinacht fast ausnahmslos Gebrauch machte und bis ur Geisterstunde hinter dem Bechei sitzen blieb. Siebenpfeiffer!" klang lockend W Stimme des düsteren Kollegen in sei' nem Ohr. ..Du solltest doch heute auch ausnahmsneise ein Glas Wein trinsei;! Sonst geht die Sache schief!" Der angehende Gipfelstürmer richtete sich auf und sah aus seinen blauen Augen zornig d?n Versucher an. Still! . . . still, sag' ich! Ich weiß, wie Du es meinst! Ich habe Deinen unschönen Rath von beute Mittag nicht vergessen und verachte ihn und durchschaue Deine List. Jetzt, um elf Ubr, willst Tu mir Alkohol einflößen, damit ich um Zwei, wenn wir aufbrechen, schachmatt bin! Nein! Apage. Satanas!" Aber Dein Schwindel . . ." hub gedämpften Tons der Freund wieder an. Siebenpfeiffer ... sei kein Frosch! Du fällst ja heilig herunter und dann haben wir die Bescherung!" Der Oberlehrer kam nicht zur Ant' wort. Denn eben wendete stch eine Dame über den Tisch herüber zu ihm. Verzeihen Sie ich bin Neuling in den Alpen. Was ist der Kasten mit dem rothen Kreuz dort drüben?" Die Nothapotheke!" sagte Martin Siebenpfeiffer. Und das Seil darüber?" Damit neht man die Verunglückten aus den Gletscherspalten!" Und die Blendlaterne?" Damit sucht man Nachts die Abgestürzten, die von einer Exkursion nicht wiederkommen!" Großer Gott!" sagte die Dame ganz erschrocken, und Martin SiebenPfeiffer lächelte dumpf zu dem im Lampenlicht glitzernden großen Aufschneide' messer ein vor. ..Ja es ist schon ein tollrs Gewerbe!" sprach er. Unser Alpinismus! Arm- und Beinbruch ist nichts dabei! Der Aufenthalt auf einer Pulvertonne mit brennender Lunte wirkt geradezu eischläftrnd im Ver gleich mit dem Nervenkitzel, den wir durchmachen. Wir sind wie die indiscken Fakire, wie die heulenden Derwische und die Säulenheiligen. Was die andern verbrochen haben, das müssen wir armen Bergfexe im Schweiße unsres Angesichts, in allerhand greulichen Situationen, als Stammkunden des Arztes und des Apothekers und zu guter Letzt natürlich des Todtengräbers. da oben auf den unwahrscheinlichen Kletterwänden und Firnschneiden ausbaden und drängen uns noch zu der Ehre, allgemein ausgelacht zu werden. Und wer drängt am meisten! Ich muß ja dabei sein! Ich bin ja der Leitbammel in hiesiger Gegend. Ohne mich gibt es da kein Unglück!" Nein! Ohne Dich geht das Fräulein nicht auf das .Wilde Dirndl' . .
sagte der Kollege. ..Bleibe im Tha und nähre Dich redlich! Dann bleibt sie auch da!" Und wenn sie mich fragt, warum? Was soll ich ihr dann sagen?" Martin Siebenpfeiffer dämpfte seine Stimme am Ohr des Kollegen. Es gibt ja keinen Ausweg! Das Wetter ist herrlich, alle Welt sieht, daß mir am Befinden nichts fehlt, mein Versprechen hat sie . . . ..Vorgeschwindelt hast Du ihr was!" 'flüstevt? der Freund. ?ta" Der kleine HUttenbesiner blickte zerknirscht zu Boden. Oder vielmehr: der Schwung meiner Phantaste riß mich fort. Aber ehe ich ihr das gestehe, daß ich nie oben war eh? ich mich vor ihr, vor den Führern, vor den Hüttengästen, vor aller Welt, der ste's erzählt, meines ganzen Nimbus entkleide und im aschgrauen Lügengewand dastehe als ein in alle Ewig keit bis auf die Knochen blamirter Mitteleuropäer nein, das kann ich nicht! Lieber alles andre! Aber das bringe ich nicht über's Herz. Es wäre mein geistiger Selbstmord! Ich tödl? damit mein ideales ,Jch,' den geträumten Uebermcnschen. in dem ich schwelle!" Und das ist Dein letztes Wort?" Mein letztes Wort! Veronika, bringen Sie mir einen recht heißen, starken, schwarten Kaffee. Viermal so stark, wie gewöhnlich! Sagen Sie das der Jungfer Köchin! Und Du gib Dir keine Mühe mehr, lieber Freund! Es ist umsonst!" Schön!" sprach der finstere Kollege und ging hinter der Kellnerin hinaus auf sein Zimmer. Dort hatte sich das Hüttenschwein inzwischen bereits völlig häuslich in dem muffig dunstenden, von ihm ge schaffenen Chaos eingenistet uno grunzte unwillig, sich auf die andre Seite drehend, als das Streichholz De? Eintretenden die Dunkelheit erhellte. die wohlthätig über dem ganzen Greuel lastete. Der andere kümmerte sich nicht um die Naturlaute des Wilden. Er schob mit der Schuhspitze den Kehrichthaufen am Boden auseinander und entdeckte endlich unter dem Waschtisch seinen eigenen, von dem vollbärtigen Mann in tiefer Verachtung von Kamm und Seife dorthin geschleuderten Ruck sack. Dem entnahm er eine mit gold-
gelber Flüssigkeit gefüllte Flasche, auf der das Wort Kognak" stand, barg sie mit einem wehmüthigen Abschieds-
blick m seiner Brusttasche und verließ das mit einem eigenthümlichen Menageriezeruch erfüllte Gemach, in dem der, selbst mit seinem düsteren Blick und seinen zweifelhaften Tricots einem Tlierbändiger äbnelnde Scifenfeind wohlig röchnld das F:Id behauptete. Unten im Thale wartete er so lange. bi? seiner Berechnung nach die Monika mit d:m lochen des Kaffeis feriig sein mußte. Tann klinkte er die KüchenHart auf. Merlen Sie nichts. Zungftr Köchin?" fragte er rasch. ..Mir ist's gerade wie so ein Brandgeruch in der Nase. Von oben aus dem Führerzimmer. Es wird da docy nicht einer seine glimmende Pfeife ausgeklopft haben? Ich will die Leute in der Wirthsstube Nicht unnütz erschrecken. Aber wenn Sie mal nachschauen thäten.. Ja freili!" sprach bn Monika ganz erschrocken, goß den Kaffee in eine Kanne, stellte sie auf den Nebentisch und lief hinaus. Dieser Augenblick mußte benutzt werden! Noch einmal rechnete be: düstere Kollege, die Kognakflascbe in der Hand wägend, nach: Jetzt ist es elf Uhr. Um Zwölf ist Martin Siebenpfeiffer mit diesem Trunk im Leibe im Zustand höchster Seligkeit, um Eins beginnt der Rückschlag und um Jwa wenn die Expedition nach b:rn .Wilden Dirndl' aufbrechen soll, geleiten wir, die wahren Freunde, ihn sanft im Trauerzug zu Bette, und es gibt morgen um diese Zeit nicht einen königlich preußischen Oberlehrer weniger auf der Welt!" Mit einem raschen Griff drehte er die Kognakslasche um und ließ ihren goldigen Inhalt in dte dampfend schwarzen Fluthen der Levante rieseln. Was tbut man nicht für einen Freund und Alkoholgegner, der. seit Jahren der Spiritussen ungewohnt, den Be trug hoffentlich nicht merkt! ann warf er die leere Flasche durch daS offene Küchenfenster auf das Steingeröll hinqus, wo im Mondschein bereits die ersten historischen Ablagerungen einer bewirthschafteten Schutzhütte, di? geleerten Konserrenbüchsen, wie ein märchenhafter Rheingoldschatz blinkten, und machte, daß er mit harmloser Miene durch den Flur wieder an Mar tin Ci?b?nvfe:ffers Seite kam. Denn eben polterte die Monika unverrichteter Sache die Treppe herab und erschien, mit Geschirr beladen, die Veronika aus dem Gastzimmer in d.'r Küche, ergriff dort ohne weiteres die Kaffeekanne sammt Zubehör, trug sie hinaus und pellte sie vor den Gebiter der ThörliHütte" hin. Der kostete den beißen Trank und machte ein merkwürdiges Gesicht. Veronika was ist denn da drin?" fragte er zweifelnd. Das... das schmeckt so eigenthümlich ... so stark . ." Der anä' Herr habe es doch viermal so stark w'e gewöhnlich refohlen. meinte die Kellnerm. Und so habe es die Monika auch gekocht und ihr übergeben. ..Und sonst hat niemand mit dem Kaffce zu thun gehabt?" Die Veronika lachte. Wer denn wohl? Die Führer schliefen schön alle. Die Mirzl sei längst in's Thal, um einen Brief d?s Fräuleins oben an den Doktor Schneevogt zu bestellen, und di: Herrschaften säßen doch alle hier unveinander unter dem großen Aufschneidemesser! Und geistern thäte es nicht in der Kuchel! Denn die Jungfcr Köchin und sie seien. ot sei gelobt, ganz lebendige Christenmenschen! Es ist gut!" Der kleine Oberlehrer nickte befriedigt. Also richten Sie der Veronika meine Anerkennung aus. Das sei ein Kaffee, auf den sie ftofo sein könne! So stark W0b aromatisch hätt' ich ihn noch nie getrunken!" .Wirklich?" fraate der düstere Freund, während die hübsche Tirolerin hinauslief. Ja. Das ist einmal ein Mokka! Alle Achtung! Zehnmal besser und gesünder als der verderbliche Fusel, den Ihr Euch in den Magen pumpt!" Du magst recht haben!" sprach der Kollege. Vortrefflich! Vortrefflich!" wiederholte das Opfer seiner FreunocZlist. Es ist mir vollkommen unbegrciflich, wie ein denkendes Wesen, was doch der Mensch wenigstens zuweilen sein soll, Alkohol trinkt und sich von diesem Elixir des Teufels zu allerhand Ercessen verleiten läßt, während ihm doch die Levante diesen köstlichen Labetrunk f;cnbct! Ausgezeichnet! Mir wird so wohl zu Muth! So frei und leicht! Du glaubst es gar nicht!" ' Doch. Siebenpfeiffer, ich glaube es!" Ganz anders wie sonst!" Martin Siebenpfeiffer schaute lächelnd über di? zum zweitenmal geleerte Tasse. Merkwürdig, wie doch der Mensch von seinem Organismus abhängt. Ten Tag über war ich etwas gedrückt und erschöpft. Aber jetzt ist wieder Leben in mir. Heiterkeit, Spannkraft. Das macht die nahende Entscheidung. Siehst Du da hast Du den Untersckied der Geschlechter. Der Mann wird imme muthiger, je dicöter die Gefahr ihm aus den Leib rückt, das Weib immer zag hafter. Schwachheit Dein Name ist Weib!" Trinke!" sprach der Freund. Ich trinke ja!" Der kleine Ober lehrer goß stch die Tasse aus der gro nen amilienkanne wieder voll. Das Weib ift schwach, der Mann aber nicht Weißt Du, lieber Freund, ich bin doch ein großer Esel, daß ich mtch den gan zen Tag mit allerhand Grillen geplagt bab'I Es ist öoch eigentlich alles furcht
bar einfach. Es muß sich eben nur zur rechnen Zeit die rechte Stimmung einstellen, wie jetzt bei mir!" Seine Wangen hatten sich gerathet, seine Llugen blitzten. Mehr und mehr schwand im Lauf der nächsten Viertel-
stunde die starre leidende Spannung, die bisber auf seinen Zügen laa, sie belebten sich, ein schalkbaftes Lächeln glitt darül-er hin und verklärte sie zum Auödruck übermüthiqen, steqessicheren Krafiöewußiseins. Erlösend wirkte dieser Umschwung im Wesen des großen Gletschermannes aus die ganze Tafelrunde, die bisher, sein Schweigend achtend, doch durch seine dü?.ere Nähe sich bedrückt gefühlt hatte und dankbar überrascht war, wie er Plötzlich unter Menschen menschlich wurde. Die beiden Misses Pinkerton, die mit ihren faltigen Zügen und knochigen langen Leibern wie verkleidete Männer aussahen, Gletscherzwitter, dergleimen das Hochgebirge an trüben Sturmtagen aus übrig gebliebenen Nebeln wie Macbeths Hexen zum Grau sen des Wanderers braut, fletschten freundlich die Zähne nzider den Climber, der dicke große Herr aus Kulmbach. neben dem feine kleine Frau vergnugt m Pumphoschen und mit den Beinen baumelnd saß, wie der knirpsige Page neben seinem Herrn und Meister Falstaff, der cholerische Postrath aus Westpreußen, der mit Vorliebe in den Schutzhütten über die Wirthschaftspolitik der Regierung stritt, der Familienkater aus Wien, der seine ängstlich im Thale des Hauptes harrende Heerde durch unzählige, von der Veronika mit dem Hüttenstempel beglaubigte Ansichtspostkarten über sein Wohlergehen zu beruhigen trachtete, der selten in einer Schutzhütte fehlende junge Mann mit dem verdorbenen Magen, der auf seiner Ferienreise in die Berge noch nicht die weise Mäßigkeit in Speise und Trank gelernt, die schneidigen Münchener Studenten, wetterfeste, wohltrainirte Gesellen mit lachenden Augen und zerhauenen Mangen, selbst der grämliche gelbliche Konsul aus Bremen, der die Berge aus tiefster Seee haßte und doch auf ärztlichen Befehl jeden Sommer in ihnen wie in einem Tretrad herumsteigen mußte, um sich die in den Tropen ramponirte Leber abzuschöpfen sie alle rückten dichter an den Helden der Nacht heran und lauschten in ehrerbietigem Kreise seiner immer munterer, immer aufgeregter sprudelnden Rede. Wohl spürte er, daß mit ihm etwas Besonderes vorgegangen, daß in seinem Kopfe sich alle Gedanken zu einer großen Feier rüsteten, wie die Kölner und Mainzer zu ihrem Rosenmontag, zu einem närrischen Karneval voll Jubel und Trubel, in dem die Grauköpfe singen und springen, die Philister liebeln und bechern, und die Jugend in genialer Tollheit jauchet. Schließlich aber war das ja ganz erklärlich! Der Mann erschrickt eben nicht i n der Gefahr, sondern allenfalls vor ihr und nach ihr. Wie oft hatten ihm in seiner Studentenzeit Kommilitonen erzählt, daß auf der Mensur beim Worte Los!" alles in dem Paukanten still und friedlich wird und er mit kaltblütig sicheren Hieben seine Nasenspitze vertheidigt und um die des Gegners buhlt. Ebenso ging es jetzt auch ihm! Zum erstenmal hatte er sich zu einer Mensur entschlossen. Allerdings nicht Mann gegen Mann, sondern Mann gegen Weib. Aber gegen was für eines! Gegen eine übermüthige Riesin, die in ihrem langen weißen GespensterHemd reglos draußen am dunklen Nachthimmel stand und ihn mit geballten Fäusten erwartete. Und diefGedanke an das nahende Duell mußte es offenbar sein, was ihm das Blut so leichtflüssig durch die Adern jagte, ibn heiter und qesprächia machie. Er war eben ein Mamt. Ein Kämpfer: Für die Berge geschaffen! Seit wann ich eigentlich Hochtourist ersten Ranges bin?" sagte er lächelnd auf die Frage des Kulmbacher Hüttengastes. Werther Herr was heißt 'überhaupt Hochtourist? Ein Mensch, der auf irgend einem Gipfel war? Lieber Gott dann sehen Sie sich einmal die fragwürdigen Gestalten an, die wie ein Klümpchen Unglück von den Führern am Seil auf das MatterHorn oder die Kleine Zinne hinaufgehißt werden! Leiblich waren solche Menschen oben. Mit dem Herzen aber nicht. Und auf das Herz kommt es an, nicht wahr, verehrteste gnädige Frau?" Die kleine Frau in Höschen, Falstaffs Page, crröthete und lachte etwas verwirrt. Alles, was schön und groß ist, entspringt aus dem Herzen!" fuhr der kleine Oberlehrer galant fort. Das Schönste auf der Welt sind die Frauen. Das Größte sind die Berge. Beiden muß man mit dem Herzen dienen!" Na. aber doch nicht als Ritter Toggenburg!" sagte etwas ärgerlich der dicke Gatte. ' Ich meine, nicht vom Thal aus!" Ja halten Sie mich etwa für eme Thalschleiche?" Martin SiebenPfeiffer wurde plötzlich hitzig und bekam. ganz gegen seine Gewohnheit, einen hochrothen Kopf. ..Mich, einen Sektionsoorfland. Mich, den Erbauer der Thörlihütte. in deren vier Wänden i ch der Hausherr bin . . Die andern beruhigten ihn. Niemand habe daran gedacht, seinen alpinen Großthaten zu "nahe zu treten. Und die kleine Dame m PumpMchcn sagte. um ihn zu versöhnen, schüchtern: Ist es eigentlich wahr, daß das ,Wilde Dirndl' eine gewisse Aehnlichkeit mit
dem Großschreckhorn hat?" (Fortsetzung folgt.)
Gisenvuvn
vandatta kme.
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