Indiana Tribüne, Volume 30, Number 47, Indianapolis, Marion County, 17 October 1906 — Page 6

Jndinna Tribüne, 17. Oftobtt MM,

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Cnpaische Anrichte.

Provinz olen. Posen. Selbstmord beging der in der Taubmstraße wohnende Arbeiter Goltz, intern er sich aus dem Fenste: seiner im dritten Stockwerk belegenen Wohnung auf die asphaltirte Straße stürzte. Schwerverletzt wurde er nach dem Stadtkrankenhause gebracht, wo er alsbald starb. Falk statt. Der 12jährige Sohn des Wirchs Kochlanski in Boguschin fiel so unglücklich vom Wagen, daß er sich einen Arm brach und auch noch innere Verletzungen zuzug. H o h e n s a l z a. Die an der Andreasstraße belegenen, dem Kaufmann Markus Lewrsohn gehörigen drei Hausgrundstücke sind für 40,0QC Mark in den Besitz des Rentiers Loock aus Bromberg übergegangen. P u d e w i tz. Von einem Hochzeitswagen überfahren und auf der teile aetodtet worden ist das 1 Jahre alte Söhnchen des Landmirths Kiewell Hierselbst. Sckneidemüyl. Der ach Knabe geboren wurde dem Schnekdermeiste? ' Rudolf Eaaert von hier. Beim siebenten war der Kaiser Taufvathe. S t r e l n o. Der rmmerpolier Kadur war mit dem Aufziehen der Balken auf die massive Mauer eines Speichers in der Muhlenstraße beschäftigt. Hierbei betrat er em über zwei Balken quer qeleqtes Brett: die ses brach, so daß Kadur auf den gepflasterten Boden herunterfiel. Dadurch hatte er sich so schwere innere Verletzunaen zuaezoaen. daß er bewußtlos, aus Mund, Nase und-Ohren blutend, nach dem Kre:skrankenyau gebracht werden munte. Weißenhöbe. ?to Wvmislowo verunglückte beim Richten einer Scheune der Hofverwalter Karolewuz. Da das Seil, an welchem ein Balken befestigt war, riß, fiel dieser dem K. so unglücklich auf den Leib, daß er mehrere schwere Verletzungen davontrug. Provinz KacHlen. Magdeburg. Hier hat Dr. Moritz Spanier sein silbernes Jubiläum als Lehrer und Sekretär der !iesigen Synagogen - Gemeinde geeiert. Aschersleben. Der Musikmeifter a. D. Friedrich Münter feierte unlängst seinen 90. Geburtstag. Eis leben. Pastor Otto von hier ist einstimmig zum Pfarrer der Dorfgemeinde Brebach bei Saarbrücken gewählt worden. Der Geistliche wird die Wahl annehmen und unsere Stadt, wo er seit 1900 gewirkt hat, Mitte October verlassen. Gröningen. Vor einiger Zeit feierte der frühere Zrmmermeister L. Schmidt mit seiner Gattin die goldene Hochzert. Halle. Kürzlich stürzte der Student Oskar Müller von hier beim Gdelweißsuchen vom Fürschießer im Allgäu und blieb todt, Der Schulknabe Arthur Schulz, Sohn des Geftütewärters Schulz vom Landgestüt Kreuz" unweit von hier, ist der schwe ren Schußverletzung, die ihm der 15jährige Schaar beim Spielen mit einer Schußwaffe beibrachte, erlegen. K o r b e t h a. Der Besitzer der hiesigen Glasfabrik, Kommerzienrath Georg Schlaegel, ist vor Knrzem in Halle gestorben. Dem Verblichenen lag das Wohl seiner Angestellten und Arberiet jederzeit am Herzen, und auch w der hiesigen Gemeinde hat der Verstorbene auf dem Gebiete der Kirche und Schule viele segensreiche Einnch tungen geschaffen. M e r s e b u r g. Beim Baden in der Saale ertrank der llmhrlge Schulknabe Karl Pohle von hier. An verbotener Stelle, am sogen. Scheitplatz, war er mit mehreren Kamera den baden gegangen, und obwohl er nicht schwimmen konnte, wagte er sich in das tiefe Wasser. Er verschwand plötzlich lautlos vor den Augen sei ner Kameraden. N e b r a. Hier wurde die Frau des Kalkroerkbesitzers Bebendorf durch einen zurückschlagenden mangelhaften Göpel getödtet. S ch a p l i tz. Hier schnitt die 50mhrige Frau cartens in einem WahnsinnZanfall dem 3 Monate alten Kinde des Gutsbesitzers Möhring den Hals durch. Die Mörderin wurde in ein Irrenhaus gebracht. Sie lebte in dem Wahne, erst dann sterben zu können, wenn sie fließendes Menschenblu ! . r -t. . vn. qnccn ljane. S u s i g t e. Unser Ort feiert in diesem Jahre das Fest seines 50jährigen Bestehens. Weinberge bei Liebenwerda Der Senior der evangelischen Geistlichkeit der Provinz Sachsen, Pastor em. Anton Gersdorf Hierselbst, vollendete dieser Tage sein 100. Lebens jähr. Z e i tz. Beim Baden in der Elster ertrank die 17 Jahre alte Frieda Poser. ?rov,nz Kannover. Hannover. Der Inhaber einer hiesigen ersten Agenturfirma. Albert Brodtmann, hat seinem Leben durch Erichießen ein Ende gemacht. Fehlteschlaaene Spekulationsachäfte sollen den Selbstmörder zu seiner ung5ückseligen That veranlaßt haben. Der Selbstmord ist um so trauriger, als

ich Brodtmann erst vor einiger Zeit

verheirathet hat. A m d o r f. Em Bootsungluck ereignete sich auf der Leda zwischen hier und Loga. In einem eijernen Kahn eaelte der 14iahrige Schmer Poppen und der 8iährige Schüler Heyko Goudschaal. beide von hier. Infolge eines starken Windstoßes kenterte das Boot. Leider ist dabei der kleine Goudschaal ertrunken, während der Voppen durch den ebenfalls mit seiner Yacht in der Nahe segelnder Vater des Goudschaal gerettet werden konnte. Ein deck. Infolge der Hitze wurde die Ehefrau Fremdling von hier auf dem Nachhausewege vom Herzchlag getroffen und war sofort eme Leiche. F a r a e. Erhangt ausgefunden wurde hier der Koch vom hiesigen Buschplatz, der Veteran H. Dreyer. Was den Mann in den Tod getrieben hat. ist unbekannt. Dreyer lebte in guten Verhältnissen. Seine Kinder sind alle erwachsen und wohl versorgt. G e e st e m u n d e. Ein todtlicher Unfall hat sich bei Tecklenborgs Werft ereignet. Dort waren einige Arbeiter damit beschäftigt, schwere Baumstamme von einem Wagen abzuladen. Dabei stieß ein Stamm im Fallen den bei der Firma Kistner beschäftigten. 20 Jahre alten Zimmermann Otto Lange zu Bvden, fiel ihm gerade aus den Kopf und zerschlug ihm den Schädel, so daß der Bedauernswerthe sofort eine Leiche w. Hrtt bergen. Vor ewiger Zett feierten die Eheleute Altentheiler Rohr daö Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlasse ist denselben vom Kaiser die Ehejubiläums - Medaille verliehen worden. Die Medaille wurde den Eheleuten in feierlicher Weise von dem hiesigen Pastor Grefe überreicht. Leinhausen. Dieser Tage konnte der Tischler Joseph Schmidt in der hiesigen Eisen - Werkstätte auf eine 25jährige Thätigkeit an dieser Arbeitsstätte zurückblicken. Rotehof. Der Arbeiter Daniel Wolter Hierselbst feierte vor kurzem seinen 100. Geburtstag. Wolter ist trotz seines hohen Alters körperlich und geistig noch recht rüstig, so daß er noch in der Lage ist, allerlei klnne häusliche Arbeiten, als Viehfüttern usw., zu besorgen. S t e i n h o r st. Letztens schlug der Blitz in die Scheune des hiesigen Hofbesitzers Tietze und äscherte dieselbe ein. Sämmtliche darin aufgespeicherten Erntevorräthe, darunter 600 Stiege Korn, wurden ein Raub der Flammen. In Beedenbostel zundete der Blitz im Hause des Abbauers Schmitjer. Das Iuer konnte gelösch! werden. B ö h r u m. Kürzlich fiel das einjährige Söhnchen des Hofbesitzers Denecke beim Spielen, als es kurze Zeit ohne Aufficht war, in ein Wasserbassin im Garten und ertrank. Eine lange, aber erfolgreiche Jagd auf der Spur des Verbrechers hat der Inspektor der gHeimen Kriminalpolizei Hickey aus Sydney, Australien, gemacht, der in diesen Tagen mit einem Häftling Namens Show in Liverpool eintraf. Show hat große Betrügereien gegen die Regierung der Kolonie Neu-Süd-Wales auf dem Kerbholz und war eines Tages spurlos verschwunden. Inspektor Hickey begab sich 'auf der Suche zunächst nach Calcutta, wohin gewisse Anzeichen wiesen. Dort fand er allerdings seinen Mann nicht vor, er gelangte aber auf eine Spur, die ihn nach Frankreich führte. Der Flüchtling hatte dort aber bereits das Weite gesucht. So wandte sich der Inspektor denn nach den kanarischen Inseln, doch nur um die Entdeckung zu machen, daß Show von dort nach Holland gereist war. Auch hier war ix bei Hickey's Eintreffen bereits verschwunden. So folgte ihm der Inspektor denn nach New Fork, von dort aus nach Jamaica und schließlich nach Santiago in Chile, wo es gelang, ihn dingfest zu machen und nach Liverpool zu bringen, von wo aus er seine Reise zu den Antipoden fortsetzen wird. Es wäre interessant zu hören, wie hoch zuletzt die Festnahme des Betrügers für die Staatskasse und die Steuer zahler von Neu-Südwales zu stehen kommen wird. Das neue yinderschutzge s e tz des Staates New Nork, das so eben in Kraft getreten ist, bestimmt folgendes: Bisher war es Kindern unter sechzehn Jahren gestattet, in Fa briken bis 9 Uhr Abends und in La den und anderen Geschäften bis 10 Uhr Abends. zu arbeiten. Das neue Gesetz stempelt es zu einem Verbrechen, wenn Kinder in Fabriken, Geschaftshäusern, Restaurants, Apart menthäusern, oder als Boten nach 7 Uhr Abends veschasttgt werden. Das Gesetz bezieht sich auf jeden Tag im Jahre und macht keine Ausnahme mit Sonn- und Feiertagen. Die Pflicht, das Gesek in den Fabriken durchzuführen, ist dem Staats - ArbeitsDepartement übertragen; die lokale Gesundheitsvehörde hat das Gesetz io allen anderen Fällen durchzuführen. Gibraltar! st mit zwei Quadratmeilen die kleinste englische Besitzung und Canada mit 3,748.000 die größte.

Schwester Maria. Erzählung von Alfted Herdenfijerna. Mitten durch Ovastmala hindurch führte die Landstraße; die Kirche lag hart daneben, und die Bauernhöfe drängten sich alle auf einen dichten Haufen, denn es hatte hier noch keine Erbtheilung stattgefunden und die alten Bauern und ihre Söhne waren friedlich und gesellig, scheuten sich vor unnöthigei' Ausgaben" und fanden, daß sie es nicht besser haben konnten, als sie es hatten. Aber die Erbtheilung stand seit zwanzig Jahren als ein drohendes Gespenst im Hintergrund. Es brauchte ja nur ein Bursche von auswärts mit dummen, neumodischen Ideen in einen der Höfe hinein zu heirathen und nach dem Tode der Alten die Schwäger und Schwägerinnen auszulosen", so hatte man die Bescheerung mit theurer Landvermeffung,Umzugslast und was noch sonst alles dazu gehörte. Deshalb baute Niemand in Ovaft-

mala, sondern man begnügte sich, die Gebäude neu streichen zu lassen und die Dächer ausflicken zu lassen, bis einmal der unheimliche Tag anbrechen würde, wo der Landvermesser erscheinen und mehr als die Hälfte der Bauern verurtheilt werden würde, sich weiter draußen im Ackerland neu anzubauen. Deshalb waren die Häufer in Ovastmala klein und alt, und deshalb liefen alle Kinder und Ferkel des Dorfes in zwei großen Haufen auf der Dorfstraße und zwischen den Häusern umher und freuten sich ihres Lebens, Krämer Wagbergs Karl und Maria mitten dazwischen. Uebngens sah man im Dorf etwas geringschätzig auf die Wagbergs hinab, die kernen eigenen Besitz hatten, sondern ihr Häuschen für vierzig Kronen pro Anno von den Erben der früheren Besitzerin gemiethet hatten, und so lange der Laden und das Laaer in zwei alten Kleidertruhen, einer Kommode und ein paar Cigarrenkisten bestand. Aber als Wagberg einen richtigen Laden aufmachte mit einem Ladentisch mit Schubfächern und Regalen an den Wänden und das Haus für vierhundert Thaler kontant kaufte, begannen die Bauern Achtung vor der Familie zu bekommen, während sich gleichzeitig der dunkle Verdacht in ihnen regte, daß sie ihren Kandiszucker und ihren Schnupftabak zu theuer bezahlt haben könnten. Und Wagbergs Karl und Maria schlugen auf dem Tummelplatz der Dorfftraße einen höheren Ton an. stibitzten Rosinen aus ihres Vaters Laden und traktirten ihre Freunde damit und begannen allmählich eine Macht unter der Jugend von Ovastmala zu werden, mit der man zu rechnen hatte, um so mehr, als die beiden Geschwister immer treu zusammen hielten. Aber als Karl Wagberg konfirmirt worden war, bekamen der Geschäftssinn und der Geist des Hochmuths Ueberhand bei ihm, so daß sein Ehrgeiz nicht länger seine Befriedigung darin fand, im Laden zu helfen und die stärksten Jungen im Dorfe in den Straßenstaub zu stoßen. Nach einer Zeit der inneren Kämpfe in der Familie Wagberg, aufrichtig gemeinter Ohrfeigen von Seiten des Vaters, Bitten und Flehen von Seiten der Mutter und Maria stand Karl hinter dem Ladentisch einer KolonialwaarenHandlung in der zwei Meilen entfernten Stadt Smaköping, machte Tüten und Witze und setzte seinen Prinzipal und die kaufenden Dienstmädchen in Erstaunen. Nach einem schmerzensreichen Lehrkursus konnte er ohne größeres Unbehagen Smaköpings - Cigaretten rauchen und wandte, wenn ihm auf der Straße einer seiner ehemaligen Freunde aus Ovastmala begegnete, den Kopf zur Seite. Als er dann Ostern beinahe wie ein feiner Herr gekleidet nach Hause kam und in der Osternacht von den Burschen aus dem Dorf ganz jämmerlich verprügelt wurde, sahen seine Eltern und Maria ein. ..daß tt zu etwas Höherem geboren sei". Als Karl das Elternhaus verließ, war es, als sei Maria durch den Verlust plötzlich im Alter von vierzehn Jahren zu einer reifen Frau herangewachsen. Sie spielte und scherzte nicht mehr mit der Dorfjugend und zeigte sich auf der Straße nur noch, wenn sie einen Gang zu machen hatte. So lange der Laden geöffnet war, stand sie hinter der Thonbank und verkaufte, und des Sonntags übte sie sich im Schreiben und Rechnen. Jüngere und einfachere Handlungsreisende fingen an, sie Fräulein zu nennen, und wandten sich mit der Bestellung von Waaren an sie. Was Karl betraf, so nahm sein Gehalt, seine Garderobe und sein Selbstgefühl mit jedem Jahre zu, so daß, als sein siebenter Prinzipal in Smaköping Concurs machte, er mit dreiundzwanzig Jahren das Lager übernahm, mit gütiger Hilfe zweier Engrosfirmen, die ihn dafür verpflichteten, fein Lager bei ihnen zu erganzen. Um diese Zeit starb der alte Wag berg, und er hatte mittlerweile solches Ansein erlangt, daß er einen viertel meterlangen Nachruf in der Zeitung erhielt und daß der Gemeindevorsteher zwei Toddies auf seiner Beerdigung ? 1 .. ! V i M .MO nanr uno eine praoyiige woe rncir. Ja, nun sollte ich ja wohl eigent lich den ganzen Kram hier in Ovast mala übernehmen, aber Du bekommst

wohl leicht einen netten Mann," sagte Karl am Abend oer Beerdigung zu Maria. Ich meine, der Laden bringt genug ein, daß die Hälfte auch hinreichen würde, wenn ich mir einen Mann kaufen wollte," erwiderte Maria. So bekam Karl denn sein Erve ausbezahlt, machte sich aus der Leibeigenschaft der beiden Engrosfirmen frei, heirathete eine wohlhabende und nette Frau und siedelte in eine richtige Stadt über, von wo aus er an seine Schwester Maria schrieb, daß sie ihre Waaren ebenso gut von ihm wie von jemand anders beziehen könne; er sei jetzt nämlich Großkaufmann in seinen Mußestunden, deren er nicht so wenig hätte, denn das Detailgeschäft besorge das Personal. Maria ging bereitwillig auf den Vorschlag ein. Aber nach zehn Monaten schrieb der Chef der Firma Wagberg in Ovastmala an die Firma K. Magberg in Brackebo: Da uns weder Ihre Preise noch Ihre Waaren länger konveniren, erlauben mir uns, Ihnen den Betrag Ihrer Faktura vom 17. d. Mts. in derHöhe von 2,309.60Kronen zu übersenden und die geschätzte Geschäftsverbindung damit abzubrechen, indem wir hochachtungsvoll zeichnen etc." Diesem kopirten Geschäftsbrief war eine private Ermahnung an Bruder Karl beigelegt, sich klarzumachen, daß Detaillisten, die bereit seien, zu zahlen. sich auf die Dauer schwerlich mit seiner Geschäftsmethode einverstanden erklären würden. Auf dieses Schreiben, dessen Inhalt völlig unbeachtet gelassen wurde, folgte ein herzlicher Brief des GroßHändlers Wagoerg. worin er seine Schwester dringend einlud, nach Brackebo zu kommen und bei seinem dritten Sohn Gevatter zu stehen.

Maria hatte den Brief anfangs lachend beiseite geworfen, aber als der Taa der Taufe kam, stand sie doch in einem neuen, schweren, schwarzen Seidenkleide neben dem anderen Taufpathen. einem eleganten, jungen Fabrikanten. der zu Bruder Karls naherem Verkehrskreise gehörte, und bezeugte im Namen der christlichen Versammlung die Aufnahme des jüngsten Wagberg'schen Sprößlings in die christliche Gemeinschaft. Hinterher saß sie neben dem erwähnten Fabr:kanten an der Festtafel und sah ihn und die übrigen Herren und Damen aus dem vorurtheilsfreien Umgangskreise der Geschwister unter der Wirkung des Alkohols allmählich von dem Piedesta! herabgleiten, auf das sie sie anfangs in ihrer ländlichen Einfalt gestellt hatte. Später machte ihr der junge Fabrikant in einer Ecke des Salons einen Antrag, und noch später, als sich die Gäste bereits verabschiedet hatten, fragte Bruder Karl sie so ganz nebenher ,ob sie ihm wohl für kurze Zeit eine Bagatelle von 6000 Kronen leihen könne, und später bat er sie in sehr aufgeregtem Ton, ob sie ihm nicht um der Eltern willen auf unbestimmte Zeit wenigstens 4000 Kronen geben könne. Schwester Maria sagte ihremFreier das fröhlichste und entschiedenste Nein" von der Welt, und ein ebenso bestimmtes, wenn auch aus schwerem Herzen kommendes Nein" erhielt Bruder Karl auf seine Frage. Am anderen Mittag reiste sie nach Ovastmala zurück, nachdem sie zuvor für ihr Pathenkind 300 Kronen in einer Bank deponirt hatte. Zu Hause verfolgte sie mit großem Interesse die endlich begonnene Auftheilung der Höfe, kaufte rechtzeitig für billiges Geld das Nachbargrundstück und ließ dort nach und nach verständig und sparsam, aber doch mit in Ovastmala bisher ungeahnter Pracht ein neues Geschäfts- und Wohnhaus, sowie Lagerschuppen und andere Nebengebäude aufbauen. Ehe sie damit fertig war. stand Bruder Karl vor dem Concurs und schrieb an die Schwester, ob sie um der unvergeßlichen Eltern willenBürgschaft für ihn leisten wolle, um einen Akkord zustande zu bringen. Das wollte Maria nicht, nachdem sie sich von der Sachlage der Dinge überzeugt hatte. Nun, Karl bekam für ein Sündengeld einen anderen Bürgen, aber das Band zwischen ihnen war damit zerrissen. Die Firma M. Wagberg in Ovastmala vergrößerte sich mehr und mehr, aber alle Versuche, die Schwester Maria machte, um sich oer Famic des Bruders freundlich zu nähern, wurden voller Erbitterung zurückgewiesen. Dann erfolgte Karl Wagberg's zweiter Concurs. Jetzt handelte es sich nicht mehr um Akkord, sondern um Gefängnißstrafe wegen Urkundenfälschung. Am Abend desselben Tages, an dem Maria diese Nachricht erhalten hatte, war sie in Brackebo, und am anderen Morgen saß sie im Bureau eines gewissenhaften, aeschicktenRechtsanwaltes, der ihr erklärte, daß die beiden Papiere, die eigentlich allein gefährlich waren, wohl kaum unter zehntausend Mark zurückzukaufen sein würden. Brackebo ist just keine große Geschäftsmetropole, wo die Leute mit großen Ziffern um sich werfen. Um die Mittagszeit war die gefährliche Sache geordnet, und erst da kehrte Schwester Maria mit den Beweisen in der Hand zu Karl zurück. H

Seitdem find mehrere Jahre oergangen. In dem alten Ovastmala liegen nur noch zwei Höfe und die sehen nett und stattlich aus. Die Schweine laufen nicht mehr auf der Straße umher, und die Kinder, die auf dem einen der Höfe Lawntennis spielen, sind bei weitem nicht so zahlreich, wie einst die Jugend von Ovaftmala, die im Straßenstaube wühlte. Es sind dafür alles Karl Wagberg's Kinder, und die Erbin, die einst besagten Karl beglückte, geht geschäftig zwischen dem Wohnhaus und der Küche und dem großen, modernen Hühnerhof hin und rer. Im Zimmer hinter dem Laden sitzt Karl Wagberg und spielt Kontorchef, aber wenn ein Handlungsreisender, den er aus seiner Glanzzeit kennt, auf den Hof gefahren kommt, schleicht er sich gern davon und räumt dem BuchHalter das Feld. Aber drüben in der Bahnhofswirthschaft, in einem Kreise, den er erst jetzt in seinem Zustand der Erniedrigung kennen gelernt hat, entwirft er gigantische Geschäftspläne und beweist den Leuten, was alles aus ihm hätte werden können, wenn Schwester Maria nur rechtzeitig hätte eintreten wollen. Gottlob, daß ihr Schwesterherz endlich doch erwacht ist," seufzt er. Und Schwester Maria? Ja, die ist recht grau geworden; ihre eigenen Zukunftshoffnungen hat sie lange begraben, und sie beginnt mehr und mehr ihre Freude darin zu finden, für die. die ihr nahe stehen. Vorsehung zu spielen, namentlich für die lieben Kinderchen. Aber zuweilen steigt etwas in ihrer Erinnerung auf, was ihre jetzige Lebensaufgabe leicht hätte unmöglich machen können, und dann bekommen

ihre klugen Augen bald einen harten, bald einen träumerischen Ausdruck. Wie lieb hatte ich ihn gehabt, den allzeit lustigen Handlungsreisenden aus der großen Handelsstadt an der Westküste! Wie übermüthig waren seine Lieder, wie glühend seine heimlich geraubten Küsse, und wie nahe war es daran gewesen, daß ihr Leben eine völlig andere Richtung genommen hätte. Und dann dankt sie Gott, daß sie damals nicht die korrekte, gewissenhafte Frau war, die sie durch Selbsterziehung allmählich geworden ist. Denn dann hätte sie es nicht fertig gebracht, den Jungen aufzuhalten, den der fidele Handlungsreisende mit einem Telegramm zur Station geschickt hatte, ihm das Papier aus der Hand zu nehmen und in ihrer unbe zähmbaren Neugiere mit glühenden Wangen und bitteren Thränen das Telegramm zu lesen: Hab' sie vollkommen fest. Gräßlich bäurisch, aber nicht dumm. Der Alte hält dicht. Etwas Geduld und es wird alles gut." Das Telegramm war an den Chef der Firma adressirt. Dreißig Jahre lang hat Schwester Marie sich gefragt, wie's geworden wäre, wenn sie das Telegramm nicht tze lesen hätte. Bedenkliche Demonstration. Mein Freund Krause war der harmloseste Mensch von der Welt. Deshalb war ich sehr erstaunt, als er kürzlich wegen Ungebühr vor Gericht in eine Ordnungsstrafe genommen wurde. Neugierig forschte ich nach der Ursache. Ich weiß selbst nicht recht, wie ich dazu gekommen bin," erzählte er mir. Es handelte sich darum, daß der Beklagte seine Schafe auf einer fremden Wiese habe weiden lassen, und ich wurde darüber als Zeuge vernommen. Der Gerichtshof konnte sich nicht recht in die Situation hineindenken, von welchemStandpunkte aus ich die Sache mitangesehen hatte; deshalb stellte ich mich vor den Richtertisch und sagte: Wenn dieses grüne Tuch die Wiese vorstellt, so stand ich hier und die Schafe befanden sich am jenseitigen Rande." Weiter ließ mich der Herr Präsident nicht kommen." Die südafrikanische Wäscherin. Die Familienwäsche in Südafrika verlangt große Ausgaben. Perser, Kaffern und Kapfrauen besorgen die Wäsche in ihrer Weise. Man bezahlt gewöhnlich jeder Wäscherin per Monat ein Pfund Sterling. Diese Frau verschwindet sehr oft nach Verlauf eines Monats mit der Wäsche. Man sucht sie und findet sie nach vielen Schwierigkeiten. Man entdeckt sie im Kreise ihrer Familie und findet ihren Herrn Gemahl und ihre Herren Söhne mit der Wäsche angethan, die sie gestohlen hat. Ich ging," sagt eine Dame, eines Tages zu meiner Plätterin, nachdem ich sie vergebens zehn Tage lang gesucht hatte. Ich fand sie mit meinen besten Kleidern auf der Erde sitzen, wo sie sich ihre Mahlzeit kochte, während ihre Tochter, die neben ihr kniete, meinen kostbaren Unterrock .und meine Jacke anhatte und Kartoffeln schälte Das Machtwort. Frau (zur Köchin): Das eine muß ich noch ausstellen, Sie lassen sich mit dem Abendbrot zu viel Zeit, das muß im, mer Punkt acht Uhr fertig sein! Köcbin: f), haben S' keine Angst, das kommt nie mehr vor, ich hab' schon gestern von meinem Schorschl eine iüchtigen Anschnauzt? kriegi!