Indiana Tribüne, Volume 30, Number 45, Indianapolis, Marion County, 15 October 1906 — Page 6

Jndiana Tribüne, IS Oktober 1906

Möbel, Teppiche, Ofen und ansausstattungen. Da neuefte und vollständigste Lag oft Stadt. Die mäßigsten Preise, welch je für Waaren erster Klaffe verlangt wurden. Ein Besuch w unserem Ver kaufslokale wird sich für Sie bezahlen. Sie werden zuvorkommende Behandlung erhalt.

WILLIG'S 141 West Washington Str. Beachten Sie unser Schaufenster für MontagS oder Freitags BargainS. F. J. Hack & Co. Saus- nd Schilder-Maler. 'rorattonS. nd AreSeo 'Malerei. Scenerie AnSftaffirnng ...26 Kcntucky Avenne... Neues Televbon 1726. Jacob Rierdorf ...Saloon... JU. 885 Maffachnsetts Atze Meine Freunde und Bekannten, sowie da Pubttwm im Allgemeinen find freundlich? eingeladen, mich in meinem neuen Lokale i besuchen. Heiner Sund) Werfen und acdnttis. Wm. Stoeff lef SelM. So, 202 Nord Noble träfe. ilue elepdon 200t . Reinhold Stark, Haus-, Sckilder-, .... und .... Fresco-Maler, Holzmalerei, ( Graining meine Spezialität, o. 408 West Raymond Ztr Rener Telephon 78. m im & WESTERN i l fctatt liefst. Office : 1 Oft Wa'bington Str. phone 371 . . . Fahrzeit der Züge . . . bsahrt nku,st Ihn. B Tikd.hago undVNch'ianMrrreH. 7.15 no.ii Nm. Nm. oledv. Detroit nd hicaflo St 12 30 f 3.M Nm. Nm Aich,ga Tttv. Unneie u.La'av'tteGvL? .50 19.41 f Täglich, ausgenommen Sonntags. i Aerzte. Dr, Iy. HiMbirt 9tm. rt der UmverfitatSklivil in Wie und taiserl. MlUar.Urzt Spezialität: Geschlechts und Hanttrankheiten Office : Van orhis Gebäude. 120 Lfi Ohio Gtr. i rech stunden: t-li 2-4 Nm.. 7-8 Abend, New Telephon : Ossi 4449. Wohnung 7. Dr. J. A. Suteliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectum Krankheiten, Office : 1 55 Oft Market St. Tel 941 OMtt'T'unden: 9 lnl 1 Uhr m., 9 bis 4 Uhr Dr. Paul F. Martin, Gkttscher Arzt w hienrg. Sprechstunden: ii.o um 2.30 4.00 taglich Sonntag: Aus Verabredung. Willoughby Gebäude, ord eridt trß Tel.. Main 4414. hnung: 1 Nord New Jersey Str. Telephon: Main 9; r Dr. Carl 0. Winter Deutscher Arzt. handelt all akut ud:chrortsch:uq, Sveziell Rheumatismus. Rtttmuund Trauen-K rankheiten. sfice : 14 weft Ghio Sfca&t. Office.Swnden : 10-11 Bm. 3-4 X onntags : 9.3010.30 m. Tel. neu 48 ohg : 1250 Karts den Telephone : lt. 2025. eu, 928.

Per wilde Stier. Eine luftige Geschichte aus den Bergen. Von Lothar Brenckendorf. Freundlich lachte die Sonne herab vom strahlend blauen Sommerhimmel auf die kleine Gesellschaft, die da bergan geschritten kam. Sie meinte es ein wenig gar zu gut. die liebe Frau Sonne. Das junge Mädchen freilich, dessen lichtblondes Haar sie mit ihren Strahlen in flüssiges Gold zu oerwandeln schien, schritt so leichtfüßig dber. als spüre sie die sengende Hie nicht. Der elegante junge Mann in modischem Touristenanzug aber, der sich vergeblich bemühte, mit ihr Schritt zu halten, fuhr sich nun schon zu wiederholten Malen verstohlen mit dem Taschentuch über die feuchte Stirn. Und die rundliche kleine Dame, die ein beträchtliches Stück Weges hinter ihnen aufwärts kraxelte, blieb eben jetzt mit kläglichem Seufzer stehen. Ilse!" jammerte sie. Mädel, so iauf doch nicht so! Ich kann nicht mehr!Auch der junge Mann war mit ei nem erleichterten Aufathmen stehen geblieben. Und Fräulein Ilse Sartorius kehrte sofort um. ..Aber liebste Mama, war haben ja noch nicht den zehnten Theil des Weges' zurückgelegt!" sagte sie. Wie sollen wir da wohl bis zum rathen Wandl kommen?" '2öir werden wohl darauf verzicht Un müssen, Kind! Ich habe mir zu tict vorgenommen. Und ich bin jetzt zum Umsinken müde." Das hübsche Gesicht des jungen 0.-,e.ns zeigte einen so niedergeschlagenen Ausdruck, daß es das Herz der gutmüthigen Räthin rührte. Ich will Dir aber die Freude nicht verderben, Ilse da Du nun einmal so aufs Bergsteigen versessen bist. Für mein Alter ist das wirklich kein Vergnügen mehr Dir aber wud'ö gewiß gut thun. Es sind von hier keine fünf Minuten mehr bis zum Alpen-Hotel; da werde ich hingehen und mich ausruhen. Ihr Jungen aber mögt in Gottes Namen weiter klettern. Auf dem Rückwege holt Ihr mich dann wieder ab." In heller Freude wurde sie vom Töchterchen umarmt. O Du herzensgute Mama!" jubelte Fräulein Ilse. Aber darf ich Dir das Opfer denn wirklich zumu-tt-en? Du mußt Dich doch schrecklich langweilen so allein!" Laß nur gut fein, Kind! Ich werde mir ein Zimmer nehmen und mich schlafen legen. Ich bin wirklich so müde, daß mir der Schlummer noth thut. Unter dem Schutze des Herrn Assessors weiß ich Dich ja sicher; und außerdem erwartet Euch ja bei der Hütte am Bergsee der bestellte Führer." Wenn Sie nicht ebenfalls zu sehr angestrengt sind. Herr Assessor " . Herr von Brenkwitz warf sich in die Brust. ,.Jch, mein Fräulein?! Habe ich Ihnen denn nicht erzählt, daß ich zweimal auf der Zugspitze gesessen bin? Für mich gehört eine solche Tour natürlich noch zu den bequemen Spaziergängen.,.Na. denn man los! Adieu, liebe, gute Mama und tausend Dank! In zwei ode? drei Stunden sind wir witder bei Dir!" Sie stieg wieder rüstig bergan, und mit von Anstrengung geröthetem Gesicht folgte ihr der elegante Assessor nach. Ein paarmal suchte er sie auf diplomatischen Umwegen zum Lansamergehen zu veranlassen. Da sie ihm aber sofort die Frage vorlegte, ob er etwa doch schon müde grworden sei. und in aller Harmlos sigkeit meinte, das Bergsteigen der Zugspitze sei vielleicht weniger beschwerlich, gab er seine Bemühungen auf. Verzweifelt keuchte er hinten ihr drein, heiße Bitten um einen plötzlichen Regenguß oder etwas derartiges zum Himmel emporschickend. Slfac der Himmel erfüllte seine Bitten nicht nach wie vor erstrahlte er in unendlicher Bläue. Und als die Hütte am Bergsee vor ihnen auftauchte, gab Herr von Brenkwitz die Hoffnung endgültig auf, durch ein E:ei?.niß irgend welcher Art von der Qual dieser Hochtour erlöst zu werden. Sie waren noch um ein gutes Stücken von der Hütte entfernt, als ilmen ein Mann in der Tra.i,: Ut Bergbewohner entgegen kam. Ei zoz fcctlich grüßend den grünen Lo'.)e.hur, als er die beiden erreicht hatte. Und lerablassend redete ihn dei Assess.Zi an. Na, da sind Sie ja!" meinte er. Sie wollen uns docr zum rothen 'Acindl hinaufführe tt nicht wahr? Sie sind doch woh der Führer?" Der Fremde war stehen geblieben, und es zuckte eigenthümlich um seine bärtigen Lippen. Einen Augenblick lana rubte sein Blick bewundernd auf der lieblichen Erscheinung Fräulein Ilses dann zog er noch einmal den Hut. Wann d' Herrschaften an Führer brauch'n, steig i gern mit auffi," erwiderte er. Und Fräulein Ilse war erstaunt, einen wie merkwürdigen Klang der Dialekt des Mannes hatte. Na schön!" sagte Herr von Brenkwitz. Anjeseilt braucht man ja wohl für den harmlosen Berg nicht zu werben?"

Das Zucken um die Lippen des

Führers verstärkte sich. Na," erwiderte er, ang'seilt wird net. Das hat's nicht nöthig. Aba - Was denn?" Wann's net liaba an kloanen Steck'n nehmen woll'n i hole! Eahnen oanen aus der Hütt'n." Der Assessor wurde blutroth. Hatte er doch Fräulein Ilse erzählt, daß er mit seinem Stecken, der um ein gutes Stück länger war als er selber, zweimal auf die Zugspitze gestiegen war. Und er bemerkte wohl, wie verrätherisch es um ihre rothen Lippen zuckte. ..Das lassen Sie meine Sache sein!" fuhr er den unangenehmen Menschen an. Ich habe mit diesem Stock ganz andere Partien gemacht. Er ist beim Ueberspringen von Spalten unentbehrlich." Wie Sie wünsch'n!" Fräulein Jlses blanke Augen bilckten immer erstaunter. Was redete denn dieser Mensch eigentlich für einen Dialekt? So sprachen doch die Einwohner hier nicht? Bon einem seltsamen Mißtrauen erfüllt, musterte sie den Führer mit einem prüfenden Blick. Hm die verstaubten Stiefel, an denen gewaltige Nägel glänzten die kurze Lederhose die braungebrannten Knie das sonnengebräunte, von etwas verwildertem Barthaar umrahmte Gesicht mit den hellen, scharf blickenden Augen das verweaene grüne Lodenhütchen mit der Adlerfeder so hatte sie sich einen echten und rechten Bergführer allerdings vorgestellt. Vielleicht stammte der Mann aus einer anderen Gegend. Dann kann's ja wohl weiter gehen!" meinte der Assessor, und sie begannen bergan zu klimmen. Der Tannenwald, der sie bisher begleitet hatte, lichtete sich mehr und mehr, und saftig grüne Almen traten an seine Stelle. Herr von Brenkwitz hatte sich vorgenommen, diesmal an Fräulein Jlses Seite zu bleiben. Aber zu seinem stillen Ingrimm wollte ihm das nicht gelingen. Sehr bald schon war sie ihm wieder voraus und der Führer an ihrer Seite. Ihr Beruf ist wohl sehr schwer?" fragte sie ihren Begleiter. Aber er schüttelte den Kops. 's gibt nichts Schönere? auf der Welt!" meinte er. I hab sie halt arg lieb, meine Berge. Un und wann i net zu führen hab nacha steig i alleweil allein darin herum." Und wildern ein bischen was?" meinte sie scherzend. Und er nickte mit treuherzig verschmitztem Lächeln. Gnädiges Fräulcun erd'n mi ja net anzeig'n!' sagte er. Aba 's mag scho vorkimmen, daß i an Schuß thu. Net z' oft beileib net! Aba doch hie un da. I mag die Gamskrickl arg gern." Da haben Sie sich die Adlerfedern auf Ihrem Hut trwhl auch selbst geholt?" Freili! Unk d' Edelweiß da aa. Wann Sie 's mög'n " Er streckte ihr einen ganzen Buschen der sternförmigen weißen Blüthen entgegen. Und Ilse sträubte sich nicht lange, sie anzunehmen. Die waren wohl für den Schatz bestimmt?" fragte sie lächelnd. Und er nickte abermals. Für mein' Schatz!" sagte er weich, ..Ja, Fräulein, den hab i halt do no liaba wie meine Berge!" Das Steigen war doch anstrengend. Wenigstens begann ihr Herz plötzlich ganz seltsam zu klopfen. Wie sieht sie denn aus Ihre Herzallerliebste?" Wie's ausschaugt? Blond is und schlank und an paar blaue Guckerln hat's oh je! Grad zum Verlieb'n, Fräulein! Un an kkrschrothen Mund un an Grübchen in den Wangen! Wann ma's anschaugt, möcht ma's glei anbeiß'n, so herzig is." Da können Sie freilich glücklich sein! Wann wird denn Hochzeit gemacht?" Dös is no net bestimmt," erwiderte er, und dabei lachte er so laut und so fröhlich, daß sie ganz erstaunt aufsah. Dabei begegnete sie seinem Blick und in dem lag etwas, das sie nöthigte, ganz rasch nach der anderen Seite zu sehen. Grüßen Sie ihn von mir Ihren Schatz! Aber was ist denn das da drüben für eine Spitze?" Das Teufelshaupt, gnädiges Fräulein! Nach der Sage hat da oben der Teufel sein' Sitz. Kein Führer gengat da nauf; 's kostet 's Leben, sagt man. Und weil letzthin zwei Touristen abgestürzt ;inb, von denen man nie etwas gefunden hat, hat der Aberglaube auch die Aufgeklärtesten ang'steckt. Das ist's ja daß die wirklichen Geschehnisse dem Märchen- und Sagenglauben der Leut alleweil zu Hilfe kommen. Eine kleine Thatsache und die immer rege Phantasie baut einen Berg abenteuerlicher Dinge darauf auf." Sagen Sie mal, Männeken wachsen denn hier jar keine Edelweiß?" schrie da die vor Anstrengung heisere Stimme des Assessors hinter ihnen her. Sie waren unvermerkt im mer cyneller gegangen, und er mußte sie auf irgend eine Weise zum Siehen bringen. Der Führer blieb auch wirklich stehen. Und mit tmrn Lächeln. daS

Herrn von Brenkwitz durchaus nicht behagen wollte, gab er zur Antwort: Früher wuchsen hier schon welche. gnäd'ger Herr! Aber d' Ochsen un Küh' Haben's halt abg'fressn!" Ochsen und Kühe? Jiebt's die denn hier oben? Am Ende gar wilde Stiere?" Er lächelte wohlgefällig über diesen überaus geistreichen Scherz. Aber der Ausdruck seines Antlitzes veränderte sich auf merkwürdige Weise, als der Führer sagte: Freili Stiere aa! Un i möcht scho bitt'n, Herr, daß Sie Ihren Rock zumach'n thäten. Die rothe West'n könnt'n Stier wohl wild mach'n." Machen Sie doch keine faulen Witze! Hier jiebt's doch wohl sone Thiere nicht. Und aber, beim Himmel, was ist denn das? Sollte doch?" Mit lautem Gepolter und Rollen waren an irgend einer von ihrem Standpunkt aus nicht sichtbaren Stelle ein paar Steine in die Tiefe gegangen. Im nächsten Augenblick erfüllte ein dumpfes Brüllen die Luft und dann der Assessor fühlte seine Knie wanken dann tauchte über einem Felsblock in ziemlicher Entfernung der plumpe Kopf eines Stieres auf. Um Gottes willen meine Weste!" stöhnte der unglückliche Herr von Brenkwitz. Ich ich will Sie nicht durch meine Gegenwart gefährden. Ich werde mich hinter jenen Felsen zurückziehend Und mit einer Behendigkeit, wie er sie auf dem ganzen Wege nicht entwickelt hatte, war er in der bezeichneten Richtung verschwunden. Fräulein Ilse Sartorius zögerte, ob sie ihm folgen solle. Da aber legte sich plötzlich ein fester Arm um ihre Schulter und mit einer männlich wohlklingenden Stimme sagte der Führer: Fürchten Sie nichts, mein gnädiges Fräulein! So lange ich bei Jhnen bin, wird Ihnen nichts geschehen. Und da es natürlich keine wilden Stiere hier oben gibt, ist die Gefahr nicht einmal sonderlich groß." Sie hätte sich ja unter diesen Um ständen eigentlich wehren müssen gegen seinen schützenden Arm. Aber sie that doch nicht dergleichen. Ein seltsames, nie gekanntes Gefühl der Seligkeit durchfluthete sie und fest schmiegte sie sich an die Seite des Bergführers. Und dann lachten sie beide aus lachten laut und herzlich. Denn der Stier, der den Herrn Assessor in die Flucht gejagt hatte, war soeben hinter dem Felsen zum Vorschein gekommen. Und nun, da man außer dem plumpen Kopfe auch den Körper des Thieres wahrnehmen konnte, bemerkten sie beide, daß sie sich von einem Kalbe hatten erschrecken lassen. Aber siehe noch immer fiel es keinem von ihnen ein, sich aus seiner Lage zu rühren. Und der Herr Assessor von Brenkwitz, den das überraschende Lachen aus seinem Versteck hervorgelockt hatte, glTubte seinen Auge." nicht trauen zu dürfen, da er wahrnahm, wie Fräulein Ilse Sartorius von ihrem Führer sich küssen ließ. Da lachte auch er aber es war ein schneidendes, unerfreuliches Lachen, das sich sehr wesentlich von dem der beiden anderen unterschied. Fräulein Ilse zuckte bei seinem Klänge erschrocken zusammen und barg aufschluchzend das Gesicht in den Händen. Der Führer aber lüftete seinen Hut. Gestatten Sie zunächst, daß ich mich vorstelle, mein Herr! Mein Name ist Wolfgan-g Richter Doktor der Medizin, zu dienen! Ich habe um Verzeihung zu bitten wegen des kleinen Betruges, den ich an Ihnen beging." Seine Erziehung hatte es dem Assessor von Brenkwitz gelehrt, in jeder Situation seine volle Selbstbeherrschung zu bewahren. Noch nie war ihm das so sauer angekommen wie in diesem Augenblick. Und da ihm nichts Gescheidteres einfallen wollte, sagte er mit ziemlich geistlosem Lachen: Und wo ist der Ochse geblieben?" Der Ochse? Ah, Sie meinen das Kälbchen da?Da geschah es dem Assessor von Brenkwitz zum erstenmal in seinem Leben, daß er despektirlich von der eigenen Person dachte. In der Stille seiner Seele sagte er sich nämlich: Mir scheint, daß hier doch ein Ochse gewesen ist ein großer Ochse!" Schlechte Luftaus Krankenzimmern zu entfernen. Zur Auffrischung der Luft werden kleine Flanellstückchen benutzt, welche in der Krankenstube aufgehängt werden. Auf diese Flanellstücke gießt man täglich je zwei oder drei Tropfen ge reinigtes Terpentinöl. Die Wirkung ist sicher; die Luft wird dadurch besser und daher gesünder. Maliziös. Aeltliche Sängerin (zum Kapellmeister nach der Vorstellung): Hören Sie einmal. Herr Kapellmeister, Sie waren heut' wieder so laut mit Ihrem Orchester, daß daS Publikum von meiner Arie kaum etwas gehört haben kann. Kapellmeifter: Sei'n Sie froh!

Enrspaische Nachrichte.

r?Vinz Wrandenöurg. Berlin. Ein folgenschwerer Zusammenstoß fand auf dem Königsplatz zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Fahrrad statt. Der 32jährige Kutscher Carl Fischer aus der Herbststraße 12 zu Reinickendorf wollte mit seinem Rad an dem Straßenbahnwagen vorüberfahren und veranlaßte den Zusammenprall. Mit schweren inneren Verletzungen und Kopfwunden wurde er nach einem Krankenhause gebracht. Auf dem alten Restaurationsgrundstücke des zum Humboldthain gehörigen Fellerschen Schloßrestaurants, das noch aus der Zeit des Großen Kurfürsten" stammt, stieß man beim Ausgraben eines uralten Nußbaumes auf einen urnenförmigen Krug. In dem Gefäß befanden sich zahlreiche alte Münzen, zumeist französischen und italienischen Ursprungs. Bei dem Herausnehmen des Kruges aus dem Erdboden brach das antike Werthstück leider entzwei. Hn der Zorndorfer Straße verunglückte der sieben Jahre alte Sohn des Wächters Müller. Der Knabe hatte sich an eine Seitensprosse eines leeren Arbeitswagens angehängt und fiel so unglücklich herab, daß ihm ein Rad über den Kopf ging und ihm einen schweren Schädelbruch zufügte. Aus Furcht vor einer Operation hat sich der 63 Jahre alte Fabrikant Hermann Schwidlinsky aus der Lehninerstraße erschossen. Der Mann litt an Darmkrebs und sollte sich demnächst einem ärztlichen Eingriff unterziehen. Davor hatte er eine unüberwindliche Angst, obgleich er die Nothwendigkeit einsah. Auf dem nahen Tegeler See kenterte zwischen Papenberge und Heiligensee ein mit drei Personen besetztes Boot in den Wellen eines vorüberfahrenden Dampfers. Von den Insassen konnten zwei nur mit knapper Mühe und Noth ge. rettet werden; beide waren bereits bewußtlos. Die dritte, eine Buchhalterin Elise Conrad von hier, konnte dagegen nicht mehr gerettet werden. Letztens wollte der Bahnschaffner Hergert an der Ecke der Garten und Invaliden Straße auf einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen hinaufspringen und stürzte vom Trittbrett ab. An beiden Unterschenkeln schwer verletzt, wurde der Unvorsichtige nach der Unfallstation in der Eichendorf Straße gebracht. Von einem Auto-Omnibus überfahren und schwer verletzt wurde der Kutscher Albert Franz von der Allgemeinen Berliner Omnibus - Gesellschaft. Franz war auf dem Depot in der Ufedomstraße beschäftigt, und als der Automobilomnibus aus dem Depot herausfuhr, wurde der Kutscher von demselben umgerissen und überfahren. Er erlitt einen complicirten Oberarmbruch. Charlottenburg. In den städtischen Elektnzitätswerken entstand Abends auf dem Wellblechdach der Maschinenhalle Feuer, das die innere Holzbekleidung des Daches in Brand setzte. Trotz größter Schwierigkeiten gelang es der Feuerwehr, nach etwa zwei Stunden das Feuer zu löschen. Erbenswunsch. Vor einiger Zeit ereignete sich auf dem Acker des Bauern Krüger ein bedauerlicher Unglücksfall. Klüger mähte mit der Maschme Gerste, und zu diesem Zwecke hatte sich auch seine Familie mit auf's Feld begeben. In einem unbewachten Augenblick hatte sich ihr zweijähriges Kind in die stehende Gerste begeben und da der Vater seine ganze Aufmerksamkeit den Pferden zuwendete, die Gerste auch höher als sein Kind war, so hatte er das Kind nicht eher bemerken können, als bis die Maschine es erfaßt hatte. Das Schneidemesser schnitt dem Kinde den linken Fuß beim Knöchel ab. R i x d o r f. Als die Arbeiterfrau Anna Schulze aus der Bergstraße 22 hier durch die Weserstraße ging, krachte plötzlich ein Schuß, und getroffen brach Frau Schulze zusammen. In der nahen Laubenkolonie Grüne Ecke" hatte der 34jährige Fahrer Friedrich Opitz, Richardstraße 65 wohnhast, mit einem Revolver SchießÜbungen unternommen. Eine Kugel hatte sich dabei nach der Straße verirrt und drang unglücklicherweise der Vorübergehenden in den Oberkörper. Schwerverletzt wurde Frau Schulze in das städtffche Krankenhaus gebracht. W e i ß e n s e e. Bei einem verhängnißvollen Unglücksfall hat die siebenjährige Tochter des Landwirths Hübner von hier ihr junges Leben verloren. Der zehnjährige Bruder war von dem Vater beauftragt worden, mit einem zweispännigen Erntewagen nach dem Felde zu fahren. Damit die Pferde sich vorher noch etwas erfrischen konnten, sollte der Knabe durch den Teich fahren. Zufälligerweise war auf dem anderen Ufer die Schwester, die dort mit anderen Kindern spielte. Als der Wagen aus dem Wasser herausfuhr, gerieth die Kleine unter dle Rader des väterlichen Wagens und wurde über die Brust ge-1 P W L 1 I 1 I sauren, er Too xxai oel oem ninoe auf der Stelle ein. Provinz Hstpreußen. Königsberg. Der Arbeiter Scheffler versuchte m der Borchert Straße über einen Zaun zu klettern. Dabei blieb er an einer Latte hängen

und zog sich schwere Verletzungen am Unterleib zu. Mit dem Unfallwagen mußte er nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden. Gumbinnen. Dem Regierung?, und Baurath Fendl wurde der Rothe Adlerorden vlerter Klasse verliehen. L ö tz e n. Dem Steuerassistenten F. Wayczuck wurde der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Mau den. Der 36 Jahre alte Besitzerssohn Mathiak von hier war zwei Jahre als Geisteskranker in der Provinzialirrenanstalt Kortan internirt gewesen und wurde von dort vor einiger Zeit als geheilt entlassen. Bald jedoch stellten sich wieder Spuren geistiger Umnachtung bei Mathiak, der im elterlichen Hause wohnte, ein. Vor einiger Zeit entfernte der Bedauernswerthe sich aus dem Hause, ging an den nahen Dorotowoer See, band sich einen großen Stein an den Hals und stürtzte sich in den See. Die Leiche wurde geborgen. P a l e i k e n. Dem Lehrer und Organisten Kopitz ist der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. Preußisch - Holland. Zwei tödtliche Unfälle haben sich kürzlich hier ereignet. Der Hausbesitzer Duppke stürzte, von einem Schwindelanfall betroffen, vom Wagen und verletzte sich hierbei innerlich so schwer, daß er bald starb. Der Ackerbürger Fenzau brachte mit seiner Frau das letzte Fuder Getreide ein, dabei stürzten beide an einer abschüssigen Stelle von dem hochbeladenen Wagen. Fenzau starb, ohne die Besinnung zu erlangen. nach einigen Stunden, die Frau erlitt einen doppelten Armbruch und eine Ausrenkung der Schulter. Rössel. Der 14jährige Sohn des Maschinenmeisters Ehlert gerieth im städtischen Wasserwerk, jedenfalls durch Unvorsichtigkeit, in das Getriebe der in Gang gesetzten Benzinmotore. Er erlitt dadurch einen doppelten Schädelbruch und den Bruch beider Beine. Der bedauernswerthe Knabe liegt hofnungslos darnieder. Sdunowen. Der Käthner und Invalide August Nietupski von hier, der einen hölzernen Stelzfuß trägt, kam bei der Arbeit zu Fall und brach auch den Oberschenkel, an welchem der Stelzfuß befestigt war. Arovinz Westpreußen. D a n z i g. Auf der Strecke Weich-selbahnhof-Olivaer Thor kam der als Rangierer beschäftigte Hilfseichensteller Baumann beim Zusammenkuppeln von Eisenbahnwagen zu Fall und wurde von dem Eisenbahnzuge, der sich in Bewegung setzte, überfahren. Der Zug hatte den Körper des Baumann gerade in der Mitte überfahren, so daß der Tod sofort eintrat. Briefen. Ein Unglücksfall ereignete sich auf der Eisenbahnbrückenbaustelle. Bei den Bohrungen auf der Münsterwalder Seite ertrank der Arbeiter Knöhl von hier. Knöhl wurde sofort gefunden, aber alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Nach ärztlichem Gutachten bat ein öerzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. Elbing. Ein tödtlicher Unfall ereignete sich letztens in der Schichau Straße. Ein Radfahrer fuhr den Rentenempfänger Schulz so Unglücklich an, daß Schulz mit dem Kopf unter das Rad eines mit Ziegelsteinen beladenen Wagens gerieth und sofort getödtet wurde. G r a u d e n z. In der gemeinsamen Militär - Bade- und Schwimmanstatt an dem Wege nach BöslersHöhe in der Nähe von hier badete der Unteroffizier Maschke von der 3. Batterie des Feldartillerie-Regiments No. 35. Um frei zu schwimmen, verließ er das Bassin; kaum war er jedoch etwa 20 Meter weit in die offene Weichsel geschwommen, als er plötzlich unterging. K l u m s e e. Herrn Zuckerfabrikdirektor Berendes hier ist der Rothe Adlerorden 4. Klasse, Herrn Maschinenmeister Sachs der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. M e w e. Zwei Schulknaben vergnügten sich beim Kahnfahren auf der Ferse und trieben ihre Scherze, indem sie durch Rufe Rette mich" in der Nähe beschäftigte Arbeiter irreführten. Es trat nun jedoch der Fall ein, daß beide ins Wasser fielen und die wiederholten Rufe von den Arbeitern unbeachtet blieben. Der eine der Knaben rettete sich durch Schwimmen, während der zwölfjährige Sohn des Postschaffners Pelkowski mit dem Kopf unter den Kahn kam und ertrank. Seine Leiche wurde alsbald Ad borgen. Steenkendorf. Auf dem hiesigen Gute war der Jnftmann August Makowski beim Abschieben der Wagen beschäftigt. Er wurde hierbei von einer Deichsel heftig in den Unterleib geiionen uno mutzte ms yreslge Krankenhaus gebracht werden. Hier starb der 56jährige Mann. Zeyer. Mitte Januar d. I. waren beim Eislauf auf der Noaat unweit von hier die Arbeiter Ohm und Jetzki ertrunken. Vor längerer Zeit ist nun die Leiche deö Ohm fast direkt an der Unfallstelle gefunden worden. und letztens fand man an der gleichen Stelle auch die Leiche des Jetzki. die durch die starke Strömung der hochgehenden Nogat in die Höhe getrieben wurde.