Indiana Tribüne, Volume 30, Number 44, Indianapolis, Marion County, 13 October 1906 — Page 7
Jndiana Tribüne. IS Oktober 1906
4. ,5. 4 4h 4
Das weife Lamm Humoristische ErzäKlnng von i Rttdolpt, Stratz l (Fortsetzung.) Von drüben her klangen helle Juchzer. Die Monika und die Veronika, die sich offenbar in ihrer Einsamkeit sträflich langweilten, hatten mit ihren Luchsaugen bereits den Besucher erspäht. Aber es dauerte noch eine gute Stunde, bis Doktor Siebenpfeiffer keuchend und mit zitternden Knieen den letzten steilen Schotterpfad zur Hütte emporklomm, ganz erschöpft auf einen Stuhl, den die flinken Dirnen schon herausgeschleppt hatten, niederfiel, sich von der Monika in eine Schlafdecke wickeln und von der Veronika ein Glas Milch einflößen liefe. Dabei war des Geschwätzes kein Ende. Alles hätten sich die beiden, die Jungfer Köchin und die Kellnerin, eher träumen lassen, als daß der gnä' Hert heute schon heraufkäme den strengen Weg bei der Hitze. und schwitzen that' er schon rechtschasfen! Und andre Touristen seien natürlich noch nicht gekommen, weil die Hütte ja erst von heute ab dem Verkehr übergeben werde aber fix und fertig sei alles, bis auf die Thüre zum Damenzimmer, und der gnä' Herr möchte nur selber nachschauen ja und was sie noch fragen wollten, die Trinkgelder dürften sie doch miteinander theilen, weil die Monika doch aus der Kuchel nicht herauskäme und der weltgewandten, schwarzäugigen Veronika, die schon einmal in einem Hotel in Meran Swbenmädel gewesen, das Einkassiren überlassen müsse? ,.Nun seid mal endlich still!" unterbrach der Obeehrer den Wortschwall. .Natürlich thut Ihr die Trinkgelder in eine Blechbüchse und theilt sie am Ende der Saison. Aber jetzt schaut, daß Ihr weiter kommt!" Daraufhin setzten die beiden hinter dem Hause ihren Drang nach Konversation mit dem Echo fort und Martin Siebenpfeiffer überließ sich jenem träumenschen, müden Behagen, das den Bergsteiger am Ziel der Wanderung überkommt. Nun war er ja am Ziel. Das Haus war geschaffen. Sein Werk! Der Ausfluß seines Selbst! Mit einer gewissen Rührung sah er das Gebäude an, das äußerlich klein und dürftig wie er felder sich vor dem trotzigen Wilden Dirndl" beugte und in Wahrheit doch dessen Wächter und Gebieter war. Und mit diesem Herrenbewußtsein kam über ihn der deutsche Bureaukratendrang des Regierens und Kommandirens. Er holte ein Stück Kreide aus der Tasche, beorderte die Monika und die Veronika als Stab hinter sich und wanderte als preußischer Geist der Ordnung durch das Haus. An die Thüre des Speisezimmers malte er ein großes: Eintritt den Führern streng verboten!" an ein kleineres, aber nothwendiges Gemach nebenan desgleichen, an den Eingang zur Küche kam eine Warnung: .Unbefugter Aufenthalt verboten r an oen yausriur m großen Lettern: Es ist verboten. Bergstöcke. Pickel und Mäntel in's Gastzimmer zu nehmen." Tann entstand oben an dem Thürbalken des Damenzimmerchens ein: Herren der Eintritt strengstens verboten!", über dem Eingang des allgemeinen Schlafraumes ein: Es ist verboten, sich mit Stiefeln auf die Pritsche zu legen!" und an den zwei mit Betten versehenen Einzelzimmern ein: Es ist jedem Touristen verboten, mehr als ein Bett zu belegen' Allerdings standen diese drakonischen Warnungen auch in der gedruäten Hausordnung, die unten im Speiseräum hing, und waren ohnedies allgemein bekannt. Aber doppelt genäht hält besser, und der kleine Oberlehrer empfand, als er zum Schluß noch den Paragraphen drei der Hausordnung: Es ist der Kellnerin strengstens verboten, nach neun Uhr Abends Speisen und Getränke zu verabreichen" an die Wand malte, jene innere Wollust, mit der der richtige Deutsche sich als Schulund Zuchtmeister seiner Stammesbrüder fühlt. Nun sah er noch nach, daß das Aufschneidemesser mit der großen Glocke, deren Läuten im Lauf des Gesprächs die unverbesserlichen Betgrenommisten schrecken sollte, schräg über dem Speisetisch hing, daß Hüttenbuch und Fremdenbuch in Ordnung waren und die Handapotheke sammt Gletscherseil und Laterne sich an ihrem Platz befand dann war fein Werk gethan und die Thörlihütte mit einem anheimelnden Stachelgehege polizeilicher Warnungen umgittert, durch das die Besucher sich hier wie zu Hause fühlen konnten, wenn die Vorschriften zu ihrer Bedormundung auch nicht so weit gingen wie in jenem Schutzhaus der Hohen Tatra, wo im Interesse der fürstlich hohenloheschen Gemsen das sogenannte Jodeln" bei Strafe untersagt ist. Es war schwül zwischen den durchsonnten Bretterwänden, die den beizenden Dunst von frischem Lack und kaum getrockneter Oelfarbe ausstrahlten. Martin Sieben Pfeiffer trocknete sich die Stirne denn das Ankleiden all der Verbote war keine kleine Arbeit gewesen und ging über die krachende Treppe hinab in's Freie. Draußen war immer noch die stille feierliche Mittagsgluth der Alpenwelt. Aber von den Firnhängen des Wilden
Dirndls" strömte zuweilen ein erfrischender Windhauch herab und ließ Schaumspritzer auf dem kleinen, eirunden Thörlisee hinfliegen, dem der Oberlehrer langsam zuschritt. Ringsum war eine Wildnih von Steingeröll, von Felsbrocken und halbzerpulver!?m Schotter, die Endmoräne des in kaum fünf Minuten Entfernung zum Bergjoch aussagenden Gletscherwalles, und mitten in shr lag, sanft und friedlich wie ein zur Erde niedergefallenes Stück Himmelsblau, in dem die weißen Lämmerwölkchen oben sich freundlich spiegelten, die leise zitternde Wasserfläche. In würzigem Hauche blühten bunte Sommerblumen an ihren Ufern aus den Fugen des Gesteins, kleine schwarze Schmetterlinge trieben wie Flocken verbrannten Papiers im Gaukelfluge darüber hin, silberhell pläU schernd rannen von allen Seiten die Gletsckerwasser und Schneebäche der sonnenüberstrablten Firnfelder ihrem Sammelbecken, dem blauen 2luge des Thörlisces zu träumerisches Behagen, lächelnde Müdigkeit war ringsumher, wenn nicht zuweilen hoch oben von dem trotzigen Wilden Dirndl" ein fernes Knattern und Stäuben den Niedergang einer Lawine anzeigte. Der Oberlehrer sah sinnend zu dem kecken, weißen Gipfel hinauf. Ja. ja das Wilde Dirndl" ließ nicht mit sich spaßen. Da stand es zum Greifen nah und doch für ihn ewig unerreichbar. Und beklemmend beschlich ihn der Gedanke, daß künftig sein Dasein fein alpines wenigstens noch mehr eine Halbheit, ein Räthsel sein würde als bisher. Der Sektionsvorstand, der alles daran setzt, jenes spröde Wilde Dirndl" mit Sturm zu nehmen, der das Schutzhaus baut, den Weg anlegt, die Führer unterweist und dann endlich, dem Schwindel unterthan. vom Thörlisee aus mit dem Fernrohr zuschauen muß, wenn wildfremde Touristen die Frucht all seiner Mühen pflücken und auf dem Gipfel die Hüte schwenken nun ja dieser Hamlet der Berge war eben e r , Martin Siebenpfeiffer eine deutsche problematische Natur... Voll zorniger Sehnsucht, es doch einmal im Leben den Kraftmenschen gleichzuthun, statt ewig platonisch zu denken und zu lieben, schloß er, lang auf einem durchsonnten Grasplätzchen hingestreckt, die blauen Augen und sein? Gedanken wanderten träumend in die Ferne. Hinter jenem Manne der Gewalt, binter Ulrich Sckneevoat her. den ihm heute die Gunst des Schicksals in den Weg geführt. Ja freilich das war ein Ganzer! Alles an ihm so einfach und selbstverständlich. Er konnte, was er wollte! Und wollte wohl nur, was er konnte! Darin lag das ganze Geheimniß. Ob er wohl sölles Fräulein" jetzt glücklich gefunden hatte? Und wie mochte sich dann ihr Zusammentreffen gestalten? Leichtes Spiel hatte er wohl mit ihr nicht . . . Schon in Halbschlaf versunken sah der Oberlehrer hinter seinen geschlossenen Wimpern ein unbestimmtes Traumbild etwas sehr Schlankes, jehr Großes, sehr Hübsches ei
junge Dame, die eine lange Nase drehend und unbekümmert mit hochgeschwungenen Lackstiefelchen auf der Spitze des Großglockners Fandango tanzte und seufzte einschlummernd tief auf über so viel Vermessenheit und über das unmotivirte Hereinragen des Großglockners in ein Gebiet, in dem doch unbestritten das Wilde Tirndl'" also ein weibliches Wesen, herrschte. Ein weibliches Wesen! Es gibt überhaupt nur ein Weib auf' der Welt! Das sucht man und findet es nicht und nennt eö darum unsre Frau Venus im Hörselberge und die ferne Königin von Avalun und die Fei Morgana mit' dem herzlich tollen Lachen. Das Lachen wurde stärker und stärker. Es mischte sich mit dem Gekicher der herabhüpfend?n Quellen zu einem feinen Silbcrlaut, als wolle das Dirndl" oben, das sie entsendete, des Schläfers unten am Thörli spotten. Und dann klangen andre, prosaische Töne durch das übermüthige Raunen der Eisgcister. Ein methodisches, pedantisch in bestimmten Zwischenräumen sich wiederholendes Geräusch, das schwer die Sommerstille durchsägte. Martin Siebenpfeiffer war am Ende der Dinge angekommen, wo kein Weib und kein Berg mehr Sehnsucht weckt Er schlief ermüdet den Schlaf des Qk rechten. 3. K a p i t e l. tunden- und aber stundenlang t 1 schlief er. Die Sonne versank C langsam in der Dämmerung hinter dem dreieckigen weißlichen Schattenriß des Wilden Dirndls." Es wurde immer dunkler. immer kühler, die Nacht zog sternen glitzernd am Himmel auf und noch regte sich nichts auf dem empfindlich erkaltenden Graspolster, auf dem Martin Siebenpfeiffer zusammengerollt wie ein Murmclthier im Winterschlaf durch den Abendfrieden träumte. Denn die Träume verdrängten allm'älig wieder die bleierne Tiefe seines Schlummers. Wieder gaukelte es vor ihm in einem unbestimmten, huschen den. zu Riesengröße wachsenden Gebilde, als tanze das Wilde Dirndl höchstselbst in seinem schneeweiß mallenden Gewände einen Wirbeltanz und schüttelte dazu mit den Kastagnetten den Takt und sänge laut die Melodie . . . Ganz laut mit einer fröhlichen Mädchenstimme. xtertur, Slebenvfnf
Schwinden Ture
Schreibt uns tn
vollem Vertrauen, mit ausführlicher Angabe
Eurer Leiden und Emes Alters. Wir schicken l5uch freien Rat in unbedrucktem geschlossenem Couvert und ein werthvolles Buch über Weibliche Krankijcitcn." Adresse: Ladies' Advisorh Department. The Chattanooga Mcdicine Co., Chattanooga, Tenn.
tmsma fer fuhr plötzlich mit einem Ruck emj?or und saß verdutzt da. In feinem Ohr ruhte noch, wie ein Echo der Erinnerung, der geheimnißvolle, helle Ton, der ihn erweckt, und klangen regelmäßig, wie das Aufsetzen von Bergstöcken auf das Gestein, die Kastagnetten. Er horchte! Nein es war nichts zu hören! Es war ein Nachhall aus dem Traum. Aber wo war er nur? Um sich tiefe Finsterniß, über sicy klares Sternengefunlel es dauerte eine Weile, bis er begriff, daß er den ganzen Nachmittag verschlafen hatte! Zähneklappernd hob er die steifen Glieder, an denen er die blauen Flecke überall schon fühlte, vom Boden. Ein heftige Niesen, der Vorbote des kommenden Katarrhs, brachte ihn völlig zur Vcsinnung und in eine tiefe Wehrnutr). Taiit lohnten nun wieder die Bere sein? treue Liebe! Mit einem ganz gewöhnlichen niederträchtigen Schnupfen, wie ihn sich jeder Schulze und Müller überall in Neutomifchl und Burtehude lolen konnte! Und statt der wilden Poesie der Einsamkeit in mondscheinübergoffener Höhenpracht, die er Ulrich Schnecvogt, dem Meister, nachempfinden wollte, mußte er jetzt im Bette liegend schwitzen und sich von der Monika heißen Thee kochen lassen. Vom Erhabenen zum Lächerlichen war eben nur ein Schritt! Sein Schritt, den er, von dem tückischen Kobold des Pbilisteriums gegängelt, nie und nimder verfehlte... Traulich winkte in röthlichem Schein die Thörlihütte durch die Nacht und wies ihm den Weg über den Moränen-' schütt, an dem er sich in mühsamem Klettern, Straucheln und mit dem Bergstock Tasten die Schienbeine wund schlug. Aber endlich war es doch gethan: Er stand vor dem Haus und trat, dreimal heftig niesend, ein. In der Küche war weder die Monika noch die Veronika zu finden. Aber oben auf der Treppe hörte er das Knirschen ihrer nägelbeschlagenen Schuhe und ein unbestimmtes Gepolter. Dann schlug eine Thüre ein paarmal auf und zu, ein Schlüssel drehte sich energisch im Schloß und die halbwüchsige Mirzl flog mit der Verve eines jungen Kalbs, von der Veronika gefolgt, die Stufen herab. Martin Siebenpfeiffer war ärgerlich, daß er hungrig, erfroren und verschnupft hier warten mußte, und emPfand zudem seinen neuen Untergebenen gegenüber erzieherische Pflichten, Die strenge Schulmiene erschien auf feinem Antlitz. Wenn ich rufe, liebe Veronika, müssen Sie kommen! Was haben Sie denn da oben vorgehabt?" Die Tirolerin blickte auf die Mirzl. Die Thüre zum Damenzimmer sei endlich gebracht und eben von ihnen in die Angeln gehängt worden. Das hätte doch bis nachher Zeit gehabt! Ob Sie die Thüre jetzt oder in einer halben Stunde anbringen . . Da prusteten aber die beiden Mädeln heraus und die Veronika widersprach. Ah na gnä' Herr! Wann sölles Fräulein- sie wies nach oben, zum Damenzimmer doch gleich in's Bett will . . .Sölles Fräulein?- Er trat er. icyroaen zurück. Was für ein Fraulein?" Die vorhin gekommen sei berichtete die Veronika, liebern Gletscher vom Thörlijoch herüber und unten am See vorbei. Und Kleider und Wäsch; zum Wechseln habe sie nicht mit. Und ihr ganzes Zeug sei patschnaß vom Hinfallen in dem Schnee, weil sie keine Nagel an den Schuhen gehabt habe. Patfchnaß! bestätigte die Jungfer Köchin, die mit einem großen Bündel überm Arm erschien. Die sei die Rechte für einen Berg! Ein langes Stadtkleid habe sie, und ganz dünne Handschuhe. und ein kleines Hutchen mit emem wel schen Vogel drauf. Gerad' wie die Herrschaften in Me ran auf der Promenad' umeinander laufen!" bestätigte die weitgereiste Ve ronika. Immer stärker wuchs eine Ahnuno in Martin Siebenpfeiffers Brust und
WINE
offen sein Herz begann zu hämmern. Aber noch hielt er an sich. Ach so?" forschte er vorsichtig. Ist's nicht eine kleine Dame, etwas dick, in mittleren Iahren!" Die is jünqer und sauberer wie Tu!" sagte treuherzig, die Treppe herabsteigend, cin mit einem Kröpf behafteter, grauhaariger und beinahe zahnloser Tiroler und tappte in die Küche. Wer ist denn das nun wieder?" fragte der Herr der Hütte beklommen, als würde ihm schwindlig beim Anblick seiner ersten unvermutheten Gäste. Die drei Mädchen berichteten eifrig zu gleicher Zeit. Das sei der Kröpf." kurzweg so nach seine? Halszierde genannt, ein einst berühmter, jetzt aber alt und klapperig gewordener Bergführer drüben aus dem Haide'nthal. Den habe das Fräulein dort plötzlich, wie sie ging und stand, angeworben und sich von ihm dann auch glücklich ohne Unfall gelobt sei Jesus, Maria und Joseph über den Gletscher hierherbringen lassen. Nur fort habe sie gesagt irgendwohin, wo niemand sie vermuthe. Und da habe der Kröpf eben an die Thörlihütte gedacht. Doktor Siebenpfeiffer hörte die letzten Worte gar nicht mehr. Von einer inneren Gewalt getrieben stieg er langsam wie ein Nachtwandler die Treppe hinan und stand, er wußte selbst nicht wie. vor dem Damenzimmer, von dessen oberem Thürbalken ihm beim Schein des Flurlämpchens seine eigene, in großen Zügen angekreidete Warnung vor dem Eintritte entgegendräute. Selbstverständlich! Nicht in Gedanken wagte er es, sich der verhängnißvollen Thüre zu nahen, die die Mirzl heute Nachmittag im Schweiße ihres Angesichts heraufgeschleppt. Und dennoch bewegte sich auf einmal, wie feinem Willen folgend, von innen die Klinke. Ein Spalt der Thüre öffnete sich in ihm erschien ein weißer Arm und setzte behutsam zwei spiegelndschwarze Dinger auf den sandbestreuten Estrich. Dann verschwand er wieder, die Pforte schloß sich, der Schlüssel knarrte und alles war still. Nur die beiden schwarzen Dinger blieben und schienen sich inmitten der Lake von Schneewasser, die sich sofort um sie verbreitete, neugierig umzuschauen. Und das war begreiflich. Denn es war sicher das erste und letzte Mal. daß ein Paar Lackstiefelchen den Boden der Thörlihütte berührten . . . Zwei lange, schmale, elegante Lack stiefelchen. Der Blick des Oberlehrers hing gebannt an ihnen und er nieste ein paarmal heftig auf, theils des Schnupfens wegen, theils aus nervöser Erregung. Jetzt war ja kein Zweifel mehr. Was der Mann vom Berge vergeblich unten in den Thälern fuchte, hielt sich hier oben vor ihm versteckt! Wie, warum und auf wie lange das waren frei lich düstere Räthsel. Räthsel für den Vater der ThörliHütte, in der sich schon am ersten Abend, noch vor ihrer offiziellen Einweihung. eine Katastrophe anzubahnen schien. Ganz betäubt stieg Martin Sieben vfeiffer nach langem Sinnen hinab m's Gastzimmer, wo feiner schon ein Kaiserschmarrn und eine dampfende Theekanne harrten. Er aß und trank ohne Hunger und Durst, er nieste zu weilen dazwischen und sah starr zu der Decke empor. Dort hing still das Aufschneidemes fer, im Lampenschein glitzernd, als warte es nur darauf, dem ersten Berg latein den Garaus zu machen. Aber das Wunder da oben war keme Luge Die Unbekannte war wirklich da. Man hörte, wie sie einmal mit leichten Schritten durch das Zimmer huschte und flehentlich nach der Veronika nes Sollte sie sich ein Leids angethan haben? Sich vergiftet? Martin Siebenpfeiffer stand unwillkürlich vor Schrecken auf. WaS will sie denn?" fragte er beklommen die Veronika, die in s Zimmer trat. Eme Erbswurstsuppen hat sie an-
Kraft für die Irauen. Gebt nicht zu, daß Eure Kräfte schwinden, denn wen die magische Jugend und Gesundheit einmal geschwunden sind, dann sind sie schwer wenn überhaupt wiederzuerlangen. Was fehlt Euch, wenn Ihr mager, blaß und schwach werdet? Möglicherweise eine Störung Eurer weiblichen Funktionen, welche gleichzeitig auf Eure allgemeine Gesundheit wirkt. Wenn dies der Fall ist. dann gebraucht
CARDIN
denn diese berühmte Medizin hat ihre Heilkraft in Tausend von Fällen wie der Eur,gc fcMfef Jch war, so schwach," schreibt Fräulein Carrie Hobbs von Benhams, Va., datz ich kaum gehen konnte. Ich hatte irgend ein Frauenleiden und ljaric allmonatlich solche Rücken- und Kopf schmerzen, daß ich sterben zu müssen glaubte. Ich konnte der Mutter bei der Hausarbeit nicht helfen und konnte manchmal nicht einmal im Bette aufsitzen. Kett ich Cardui gebrauä'! habe, ist mein Zustand viel besser. Ich halte ihn für eine der ausgezeichnetsten Medizinen auf Erden für kranke jJ W o& Cardui ist ein rein vegetabilisches Gebärnnuer-Stärkungsmit:cl. das den Frauen da Kraft giebt, wo sie am nöthigsten ist. Er lindert periodische Schmerzen und regulirt unregelmäßige Funktionen. Probirt ihn. On allen Apotheken in VlM-Mschen zu yaöen.
geschafft." berichtete die Kellnerin tu Eine Portion Gulasch, einen Schmarrn und eine Flasche Rothwein. Sie hätte Hunaer bricht sie!" Der Oberlehrer setzte sich wieder. Liebesiram war das wohl kaum! Dieser Heißhunger d?r Fremden zerstöre ihm das poetische Bild, das er sich bereits geschaffen das Bild eines bleichen jungen Weibes mit aufgelöstem Haar, das still die einsame Nacht hindurch in ihre Kissen schluchzt... Und statt dessen sitzt das Fräulein, wie ihm bald die wiederkehrende Veronika meldete, aufrecht im Bett, kaut unbekümmert mit beiden Backen, lotn sich ihren Rothwein und liest in einem fränkischen Buche! Wahrscheinlich von Zola oder Maupassant! Da hörte i't Romantik auf! Wie immer in seiuem Leben! Wenn er schon den vorbeiflatternden Mantel der Fei Morgana erhascht zu haben glaubte, griff seine kleine, dicke Hand in's Leere und in dem Sturmwind verklang ein spöttisches Lachen. Auch jetzt strich der Nachtwind ab und zu in gedämpftem Raunen die Thörlihütte entlang, daß deren Herr es überhörte, wie die Veronika, in ein Tch gewickelt, hinter feinen Stuhl trat. Das Fräulein sei nun versorgt, rapportirte die schwarzäugige Tirolerin. Für den gnä' Herrn sei in seinem Zr -mer oben auch alles gerichtet. Ob sie, die Veronika, sich jetzt auch zur Ruhe hinauf auf den Boden begeben dürfe, wohin sich der Kröpf und die Jungfer Köchin bereits zurückgezogen hätten? Denn morgen sei ein strenger Tag. Martin Siebenpfeiffer nickte nur, und die Veronika wünschte gute Nacht und ging. Er sah auf die Uhr. Es war nach Bergbegriffen fchon ziemlich fpät zwischen der zehnten und elften Abendstunde und die tiefe Ruhe ringsum lud zum Schlummer ein. Aber in ihm flutheten und ebbten die Gedanken und fein Herz klopfte. Es war doch zu seltsam er da unten, sie da oben die beiden einzigen Gäste in dem einsamen, mondbeschienenen Bretterhaus hoch über der Menschheit. Denn die dienstbaren Geister in den beiden Bodenverschlägen die zählten kaum mit! Die ließen sich höchstens durch eine Feuersbrunst der Hütte aus ihrem todtenähnlichen Schlaf erwecken. Er da unten und sie da oben . . . Das ging ihm nicht aus dem Sinn. Eigentlich empfand er eine Art Zorn gegen die Unbekannte! Wer fo unbefangen und noch dazu im Bette zu Abend essen konnte, der hatte keine Seelenstürme zu bestehen! Der war überHaupt ein gefühlloses, materielles Geschöpf. Eine andre wäre verzweifelt wie ein wundes Reh hier hinaufgeflohen, um in der Einsamkeit der Berge still zu verbluten die aber trank einen Kirsch, ehe sie sich schlafen legte, und schien sich einen Pfifferling um die Welt im ganzen und den zornmüthig durch die Thäler irrenden Ulrich Schneevogt im besondern zu kümmern. Oder war das vielleicht gerade das Dämonische? Das schlangenhafte Kühle und Lauernde eines nircnhaften Wesens? Eine Sphinx, die sich mit Gulasch und Kaiserschmarrn sättigt? Nein das gab es nicht! Martin Siebenpftiffer erhob sich wunden Herzens. Sein Idealismus hatte einen rohen Stoß erhalten. Unwillkürlich fiel ihm, wahrend er von neuem heftig zu niesen anfing, seine Tante in Schrimm ein. Die war keine Sphinx, kein wildes Räthsel in nachtlockigem Haar, sondern eine freundliche alte Jungfer und hatte ihm zu feinem letzten Geburtstag, als er wieder einmal über seine problematische Natur klagte, einen mit eigenhändiger Stickerei umrahmten Sinnspruch geschenkt: ..Genieße froh, wa dir beschi,deI Elttbehrk still, wa du nicht haft! Ein jeder Stand hat seinen Friedenl El.: jeder Stand hat seine itast'" Die Tante in chrirmn hatte zwersel-
ctöflisfe für ckrauenleigen
los recht! Was man nicht hat, muß man entbehren! Was ging ihn, den königlichen Oberlehrer Martin Siebenpfeiffer, überhaupt dies gefräßige Räthsel im Damenzimmer an? Die fchlief nud er wollte sich jetzt auch schlafen legen. Eine eisige Luft schlug ihm entgegen, als er aus dem behaglich durchwärmten Gaftraum auf den Flur hinaustrat. Das ganze neuerbaute und noch feuchte Haus dampfte förmlich vor Kälte und von außen her wehte durch all? Fugen und Ritzen der Frofthauch des nahen, von Firnschmelze erfüllten Tbörlisees und des darüber starrenden Gletschers. Auch das Bett war feucht, wie aus dem Wasser gezogen. Er seufzte, legte sich in seinen Kleidern darauf, eine Wolldecke darüber hin, blies das Licht aus und versuchte zu schlafen. Aber das hatte er den ganzen Nachmittag hindurch schon zu gründlich besorgt! Mit offenen Augen blickte er in die Finsterniß, mit wachen Ohren hörte er das heute so merkwürdig unruhige Hämmern seines Herzens, das Klagen des Windes draußen . . . (Fortsetzung folgt.) Aufregung als Todesu r f a ch e. In Paris veranstalteten die Angestellten mehrerer Geschäfte eine DemonstiXltion gegen mehrere Läden, in denen unter Nichtbeachtung des Sonntagsgesetzes gearbeitet wurde. Bor einem großen Etablissement kam es zu einer Rauferei, und diese versetzte den Eigenthümer Levetre in eine so hochgradige Erregung, daß er todt zu Boden sank. Hierauf hielt die Union der Ladengehilfen eine Versammlung und beschloß, alle Manifestationen einzustellen und in einem Schreiben an Lepetres Familie ihrem Bedauern über dessen Tod Ausdruck zu verleihen. Erschießt Schwester beim Spiele. Als jüngst eine Frau S. Abrams von einem Besuche in Bay City. Mich., auf ihre in der Nähe dieses Städtchens gelegene Farm zurückkehrte, woselbst sie ihre drei Kinder allein gelassen hatte, fand sie die Leiche ihres fünf Jahre alten Töchterchens, das Gesicht von einer Schußwunde zerfetzt, auf dem Boden liegen, während die drei Hunde der Familie den Körper benagten. Es stellte sich heraus, daß der achtjährige Sohn beim Spielen mit einem Gewehr, das er für ungeladen angesehen hatte, sein Schwesterchen getödtet hatte. Der Bär in Freiheit." In East St. Louis, Jll., bewerkftelligte ein Bär auf dem Transport nach der Menagerie sein Entkommen, indem er mit seinen mächtigen Pranken eines der Gitter seines Käfigs durchschlug und, seinen Herrn nach sich ziehend, auf die Straße hinab sprang. Dort stürzte er sich auf eine Schaar junger Mädchen und jagte sie auseinander; dann rannte er die Straße hinunter, jeden nieder- 1 stoßend, der ihm in den Weg kam. und schließlich landete er in einer Wirthschaft. Hier gelang es seinem Zähmer seiner Herr zu werden und ihn wieder in die Gefangenschaft zurückzuführen. Heirathen zum zweiten Mal. In Denver. Col.. hat sich jüngst Frl. Birdie Gibson zum zweiten Male mit einem Charles Brandbaugh verheirathet. Die beiden hatten sich vor mehreren Jahren in Deadwood. S. D.. vermählt, lebten aber nur kurze Zeit miteinander; dann konnten sie sich nicht mehr vertragen und ließen sich scheiden. Die Frau nahm ihren Mädchennamen wieder an, aber bald darauf erwachte in ihr wieder die alte Zuneigung zu ihrem einstigen Gatten und als sie von feinem Aufenthaltsort Kenntniß erhielt, reiste sie zu ihm und eine abermalige Trauung war die Folge. In Japan verdient ein ungeschickte? Arbeiter 15 Cents, ein sehr geschickte? Arbeiter 50 Cents per Tag bei zwölfstündiger Arbeitszeit.
(
