Indiana Tribüne, Volume 30, Number 44, Indianapolis, Marion County, 13 October 1906 — Page 6
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Der Malsam des Aeßagens.
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wer Flaschen dieses köstlichen Eoeltrunks Hütte d kleine blonde Doktorsfrau als sie nach schwerer Krankheit den Winter im Süden zubringen mußte vom Monte Caprino mitgebracht, sich am Munde abgespart, um dem treuen Gatten daheim in dem märkischen Land- und Sandnest eine Freude zu machen, und über die Grenze was sage ich? über vier, fünf Landesgrenzen mit schlauer Weiberlist gepascht. Je eine in. die unten zugenähten Aerme! ihres Reisemantels gestopft, der bei der Revision mit lässiger Grazie über den: Arm getragen wurde, und nicht mit der Wimper gezuckt, obgleich die schweren dickbäuchigen Flaschen, die wie eine Werliner Weißbierkruke aussehen, den Arm der zarten kleinen Frau wie ein Bleigewicht niederzogen. Und die Angst, die Todesangst davci, wenn etwa der Faden risse und die kostbare Flaschen herauskollerten vor den wachsamen Späheraugen der Zollmenschen, und konfiszirt würden und Strafe zahlen müssen, wer weiß noch gar eingesperrt werden im fremden fernen Land! Aber dem Himmel sei Tank, alles ging gut und glatt und s o ist noch nie eine Flasche Wein gereist wie dieser Asti spumante" vom Monte Caprino: Von Italien durch den langen finstern Gotthardtunnel und die Schweiz, und durch das ganze große Deutsch: Reich bis hinauf in die ferne Rordmark. am heißen sehnsüchtigen Herzen eines hübschen jungen Weibes, fest und zärtlich im Arm gehalten (der war noch acht Tage hinterher lahm und steif!), damit ihr nur ja kein Leids geschähe. Doch was thut eine Frau nicht alles dem Ehemann zuliebe, den sie fünf enilose Monate nicht gesehen, und der unter schweren Opfern diese Südlandreise für sie ermöglicht! Und endlich kam das Trifolium heim die zierliche Frau nebst iVn zwei großen schweren Asti spumai "-Kruken sogar die erste stürmische Umarmung zwischen Mann und Weib mußten sie noch aushalten, ein Wunder, daß sie nicht vor lauter Freude darüber in Scherben gingen! Die eine ward am Abend dieses frohseligen Wiedersehnstages geopfert, obgleich es weiß Gott nicht nöthig gewesen wäre, noch Asti spumante" zu trinken; sie gingen ohnehin beide wie in einem immerwährenden süßen Rausck umher. Aber die zweite sollte aufgehoden werden, aufgespart für einen großen wundervollen Feiertag goldene oder wohl gar diamantene Hochzeir schwebte dem jungen Ehepaare in ehrwürdiger Ferne vor. Wird so ein Wein nicht immer köstlicher, je älter er wird? Und nun vollends dieser Asti spumante" mit seinem heißen Südlandfeuer ein Göttertrank mußte das werden, wenn er in fünfzig, sechzig Jahren vielleicht einst heraufgeholt würde aus des Kellers tiefsten Gründen. Kinder und Kindeskinder sollten die weihevolle Stunde dieser Auferstehung einst mit erleben. Einstweilen ging das Leben seinen alltäglichen Gang. Nach Ostern war's. als die Frau heimkam, und obgleich der lachende Frühling mit Sang und Klang, mit Blüthenschnee und Sonnenschein in das grüne Oderbruchland einzog, begann gegen Pfingsten hin der Ehehimmel des jungen Paares sich ein klein wenig zu trüben. Zwei-, dreimal schon hatte der Doktor seine Herzliebste am Gartenzaun mit dem stattlichen jungen Pächter des nachbarlichen Dominiums ertappt, im eifrigsten Geplau der und wenn er näher kam, verstummten sie oder wechselten nicht allzu geschickt und in offenbarer Verlegenheil das Thema. Und der gute Doktor, der bei seinen tagelangen Ueberlandfahrten die hübsche Frau soviel allein lassen mußte, hatte ein klein wenig Anlage zum Mißtrauen und riesengroße zur Eifersucht. ..Was hast Du Dir denn ewig mit dem Stoppelhopser zu erzählen?" fragte er einmal. ) nichts," sagte Frau Lisa, aber ihre heißen rothen Wangen straften sie Lügen, und der sechsjährige Bubi petzte seine kleine Mama zuweilen unwissentlich beim Vater an: Guck mal. die Peitsche. Vater! Hat Onkel Golzow mir aus Prenzlau mitzebracht." War er denn schon wieder hier?" Der Junge knallte mit seiner Peitsche und nickte gleichmüthig. Och. lange und er und Mutting haben immerzu geschnackt." Doktor Thiessen war ärgerlich und verstimmt, und da er nicht direkt auf das Uebel losgehen mochte, suchte er seinem seelischen Unbehagen auf allerlei kleinen Umwegen Luft zu machen. Eines Morgens, als beide auf der Veranda beim Frühstück saßen und Golzow eben wieder vorüberritt und anhielt, um eine harmlose Bemerkung über's Wetter hereinzurufen, saß der Hausherr mit gerunzelter Stirn und schien das Webmuster der Kaffeeser diette auswendig lernen zu wollen. Auf einmal hob er mit spitzen Fingern ein kaum sichtbares Etwas von der Decke und schleuderte es mit einer Geberde des Ekels weit von sich:
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Brrr ein Haar, ein richtiges
Menschenhaar! DaS gehört doch wohl nicht auf die Tischdecke noch dazu in einem Doktorhause? Aber natürlich wenn die Hausfrau immer die Augen zum Fenster hinaus hat!..." Ein Blick tiefster gerechter Entrüstunq traf die Schuldige, die den zor mgen Jupiter Ichelmisch anlächelte. Hast Du's weggeworfen, Männing? Gott, wie schade! Hätt'st Du es lieber mir gegeben, ich hätt's in mein Medail lon gethan. Eins von Deinen kostbaren Haaren! Sie werden so schon etwas knapp." Dabei griff sie über den Tisch und zauste ihm tüchtig den immer noch stattlichen Schöpf, als wolle sie ihm die Grillen und Mucken handgreiflich austreiben da mußte er wider Willen lachen und für den Augenblick war der Fried: wieder hergestellt. Pfingsten, das liebliche Fest, schritt mit bräutlicher Schleppe in's Land und brachte Logirbesuch in's Doktorhaus; zwei hübsche lustige junge Schwestern der Hausfrau, die, wie Bubi erklärte.
erst recht Leben in die Bude" brachten. Beide warben mit heißem Wetteifer und großen süßen Tüten um die Gunst des Neffen, und der Schlauberger wußte die leidenschaftliche Tantenzuneigung auf seine Art auszubeuten. Mehrjäbrige Erfahrung und ern gewisser schl'auer Junaensinstinkt hatten ihn gelehrt, daß es weit vortheilhafter sei, mit jeder allein spekulative Beziehungen bezüzllch der schatzenswerthen Tlnqe lm Reifekorb anzuknüpfen, und so stellte" er sie abwechselnd. Tante Mizzi. was hast Tu für weiche Pfoten! O was hast Tu für ein weiches Sammtfellchen! Du bist doch die schönste!" schmeichelte er der jüngsten und bekam neben unzähligen süßen Küssen ebenso unzählige und noch vlel süßere Dinge aus der großen Tüte. Dann kam die ältere an die Reihe: Tanlotti, Du bist aber die allerschönste im ganzen Land! Mizzi " er hielt es meist nicht der Mühe werth. Tante" zu sagen, Mtzzi hat man blos grüne Kateraugen aber Du, Du hast wunderschöne braune Rehäugen: Zur Entschädigung hieß es fünf Minuten später vertraulich im Nebenzimmer: Mizzi. Du bist ein süßer Balg!" So bettelte und schmeichelte er sich den lieben langen Tag zwischen seinen Tanten durch und wünschte beiden Abends eine fröhliche Nacht!" Tante Lotti war allerdings in der Lage, süße Träume zu träumen, denn ihre Verlobung mit einem jungen Juristen stand dicht bevor, sobald er nur sein Assessorexamen glücklich überstanden. Tante Mizzi aber wollte angeblich von Träumen, Verlieben und Verloben noch lange nichts wissen, schlief wie ein Murmelthier und verlebte auf ihre Art wahrscheinlich eine ebenso fröhliche Nacht. Es war der Sonnabend vor dem Fest. In der Frühe fchon wurde ein Herrliches Rosenbouket abgegeben, die ersten, kaum erschlossenen Marschall-Niel-Rosen aus Herrn Golzows Treibhause und der Kutscher, der es brachte, mußte auch gerade dem Hausberrn in die Arme laufen. Mit der Miene eines Staatsanwalts, der den verstocktesten Verbrecher soeben überführt und auf frischer That ertappt hat. brachte der Doktor es in's Eßzimmer und legte es stumm vor seine Frau auf den Kaffeetlsch. Llsa sprang auf. roth vor Freude, und klatschte in die Hände: ..Mein Pfingstgruß von Golzow!" und gab sich gar nicht mal Mühe, ihren Jubel zu verbergen. Sie steckte ihr feines Naschen und ihr lachendes Gencht tief zwischen die duftige Pracht, holte die allerschönste Kristallvase vom Vüfett und stellte die Rosen auf ihrer Schwester Mizzi Platz, die nebst Tante Lotti noch oben im Gastzimmer nach faulpelziger Großstädteart den köstlichen Maimorgen verschlief. Dann wandte Frau Lies sich herum, drehte ihrem Herrn und Gebieter ein Näschen und fiel dem verblüfft Dreinschauenden lachend um den Hals. Merkst Du denn gar nichts. Alterchen? Es brennt ja lichterloh schon lange! Aber die Miez, die Miez is! kalt wie ein Frosch, wenigstens chut sie so." Jetzt allmälig ging dem Hausherrn ein Seifensieder auf. und bedeutend ruhiger als sonst konnte er sich heute seiner Sprechstunde widmen. ..Pfingsten ist da, Bü ü ür holen, Ausiaufen, mehr holen Hast du gekauft, so bezahl e auch tü iih!" schmetterte drüben im Park der Pirol sein übermüthiges Liedel, das ihm der Volkswitz unterlegt. Der Doktor flötete es ihm behaglich nach. Er hatte eben den letzten Patien ten entlassen, und der Wagen stand schon vor der Thür. Frau Lies hals Ihm die Instrumente zusammensu chen. Ja. Männing, Du hast recht, heute gibt's zur Feier des Tages Weißbiersuppe," sagte sie fröhlich. Das ganze Jahr kam sonst prinzipiell keine Suppe auf den Mittagstisch, aber dem Besuch zulieb sollte eine Ausnahme gemacht werden. Was gab es nicht noch alles zu thun! Weihe Kleider mutzten aufgebügelt werden. Kuchen gebacken, alle Vasen mit Blumen gefüllt, die Zimmer mit frischen Birkenreisern geschmückt und Bubi, direkt vom Grabenbuddeln weg, dreidoppelt geseift und gebadet. Für alle weiblichen Wesen alle Hände voll zu thun! Frau Lies theilte die Arbeit ein: Ich bade den Junaen. Mizzi
schmückt die Zimmer, und Lotti hilft in der Küche." Li:s. ich warne Dich! Lotti ist so verträumt, die läßt Dir die Suppe überkochen und zählt beim Kuchenanrühren statt der Eier die Minuten ab. bis der Briefträger kommt. Laß mich lieber in die Küche, ich träume nie," behauptete Mizzi. Also gut abgemacht!"
Und mit Hilfe von Guste, der derben rothbäckigen Unschuld aus der Uckermark. schaffte Mizzi bienenfleißig in der Küche mit den von Bubi qerühmten weichen kleinen Pfoten " die lich anfühlten, als thäten sie nie eine Arbeit. Sie setzte Fleisch und Gemüse zu und schnitt die Mandeln zum Backen draußen flötete der Pirol, und der Flieder duftete fo stark und suß es kümmerte sie nicht aber dann, beim Teigrühren, wo die Gedanken ungehindert wandern konnten, kam die lustige Mizzi doch unversehens 'in's Träumen. Vorn lm Wohnzlmmer sang Lotti gefühlvoll das schöne Lied: Ueber's Jabr zur Zeit der Pfingsten, pflanz' ich Maien Dir vor's Haus . . ." Mizzi seufzte. Ja. die konnte lachen, die hatte ihren Richard König und über's Jahr war er Amtsrichter in irgendeinem kleinen Dingskirchennest. und sie seine Frau Königin. Und Lies hatte auch ihren und den Bubi noch dazu, der nebenan in der Badewanne platschte und vor Vergnügen wie ein junger Gockel krähte. Ach. wer doch auch solch einen herzigen blonden Buben hätte' Mizzi fuhr zusammen, als , hätte Schwester Lies, wie sie bei solchen Gelegenheiten zu thun pflegte, ihr laut lachend zugerufen: Aber bitte, zuerst einen Mann. Mizzi!" Auf einmal fielen ihr die gelben Rosen ein. die heute früh auf ihrem Platz gestanden und die etwas bleichsüchtige Mizzi wurde roth wie Blut. Die Sache ging schon lange. Sie kannte ihn ja nicht erst seit heute und gestern laß sehen, schon zwei, nein, drei Jahre, seit er das Domimum gepachtet. Sie hatte langst gemerkt, wie es um ihn stand und sie mochte ihn ja auch ganz gern, ach ja aber sie hatte immer noch etwas anderes von der Zukunft erwartet. So was Großes, Besonderes, wunderbar Herrliches, wovon kleine Mädchenherzen gar zu gern träumen. Aber das war nie gekommen! Heute zum erstenmal vielleicht weil's Mai war, Pfingsten, weil der Flieder blühte und die Natur ihren prangenden Brautschmuck angelegt weil der Pirol so sehnsüchtig jubelnd schmetterte wurde ihr ein ganz klein wenig weich und sehnsüchtig um's Herz. Woher er nur wußte, daß sie die gelben Marschall-Niel-Rosen so liebte? Eine Uhr schlug, mitten in Mizzis Träumen hinein, mechanisch zählte sie nach schon elf? Und sie stand richtig, den Rührlöffel in der Hand, hatte Teig und Küche und die still vor sich hin puttelnde Guste vergessen. Mizzi fuhr auf Herrgott, ihr Mittagessen! Schnell. Guste, holen Sie eine Flasche Weißbier aus dem Keller hier ist der Schlüssel!" Und Guste rennt, und Guste holt, und Guste bringt aufziehen, uff! sitzt der aber fest! Und eins, zwei. drei, hinein in den Suppentopf ergießt sich das köstliche, rosig schäumende, perlende Naß. Oha. was riecht das fein!" , ruft Guste schnuppernd. Riechen Sie blos mal, Fräulein!" Lachend läuft Mizzi hinzu und hätte beinahe die Teigschüssel arzs den Armen fallen lassen. Das ist doch kein Weißbier ? Ein Blick auf die Flasche und zum Medusenantlitz versteint das lachende junge Gesicht. Erstarrt ist sie, halbtodl vor Schreck und Entsetzen. Mit schlotternden Gliedern wankt sie zur Thür. Lies!" ruft sie schwach, einer Ohnmacht nahe komm blos mal heraus!" Die Doktorin hat eben ihren sirampelnden Jungen aus der Wanne gehoben und den Widerstrebenden in's Bett gesteckt. Der brüllt, als stäke er am Spieß, kein Zureden Tante Lottis, kein flehender Blick ihrer sanften Rehäugen" hilft. Mizzi, was ist los?" ruft die Mutter zwischen zwei Feuern. Sieh!" sagt Mizzi lakonisch zeigt auf die leere Flasche, zeigt auf die rosig schäumende Flüssiigkeit im Suppentopf. Allmächtiger Schöpfer Karl!" In der Eile und Aufregung vergißt die kleine Doktorin regelmäßig alle Jnterpunktionszeichen' nie aber ihren Mann und ihre Geistesgegenwart. So eine Doktorssrau, die schon Blut und Wunden gesehen, die hat Kourage, die ist resolut für zwei, in der steckt Leben und Energie. Einen Trichter, Mizzi. fix! In Ohnmacht fallen kannst' nachher " Und eins, zwei, drei, wird der Asti spumante" aus dem Suppentopf heraus und wieder in die Flasche gefüllt es weiß und räth es ja keiner" die Flasche zugekorkt fest, fest wird der Korken hineingehauen und nun in den Keller mit ihr! Mag sie liegen, sie erholt sich wohl wieder. Daß Du nix verräthst. Guste keinen Ton!" Tief athmet die kleine Doktorin auf und nimmt sich jetzt erst Zeit, die Hände zusammenzuschlagen und ein Hagelschauer lachender Scheltworte prasselt auf die sprachlos dastehende Stütze der Hausfrau nieder. Aber nun sag' mir blos. Mizzi, wie konntest Du? Wo in aller Welk warst Du mit Deinen Ge-
danken?' Sie sieht die Teigschüssel. Noch nicht im Röhr? Und ich denk', der Kuchen ist bald gar? Herrgott, Mizzi und Du willst nicht träumen? Du bist ja dreimal schlimmer als Lotti! Läßt das Mädel mir meinen .Asti spumante'.vom Monte Caprino' den sieöenmal gepaschten, um ein Haar zu ordinärer Biersuppe verkochen! Meinen ,Asti spumante', den Karl und ich sammt Kindern und Urenkeln zu unserer goldenen Hochzeit trinken wollten! Wer weiß, hält er sich jetzt noch! Eigentlich wär's Eure Pflicht entweder Lottis, daß ihr Assessor umgehend sein Examen macht oder Deine, Dich heute noch zu verloben!" Und währenddeß fährt sie nach Hausfrauenart mit Augen und Händen in der Küche umher und sieht die vielen Dinge, die noch gethan sein wollen und drückt der tiefgeknickten Schwester einen Korb in die Hände. Sei so gut. schäl' die Spargel! Dabei kannst Du wenigstens kein Unheil anrichten und kannst träumen, soviel Du willst. Das heißt, bis morgen müs-senT-sie fertig sein! Geh', setz' Dich an Bubis Bett, erzähl' ihm was. daß er still ist." Dann thut ihr die geknickte Schwester doch leid, sie wirft einen Blick auf die Uhr, ihre blauen Augen lachen schon wieder. Nein, geh' lieber in den Garten. Miez, da ist's so schön, unten am Zaun, wo der Flieder blüht, steht meine neue Bank. Bist ja ganz blaß von dem Schreck, arme Maus!" Sie streichelt die Bäckchen mit dem seidenweichen Fell" und hat ihre heim lichen Hintergedanken. Wenn's Mittag läutet und die Feld, arbeit ruht, kommt der junge Pächter zuweilen dort den Wiesenweg entlang. Wie hypnotisirt wandert Mizzi. schwach von der überstandenen Aufregung, gehorsam den langen schnurgeraden Weg durch den Garten bis hinunter an den Zaun, wo der Flieder blüht, und setzt sich auf die neue Bank und fängt an, ihren Spargel zu putzen, so eifrig, daß ihre für gewöhnlich blassen Wangen in der warmen Sommer luft brennen. Sie muß die Scharte doch auswetzen, zeigen, daß sie auch etwas leisten kann. Nicht lange, da läuten die Glocken Mittag. Mizzi ist fertig und will grad' aufstehen als über den blühenden Fli'derbüschen der Kopf eines Reiters auftaucht. Grüß Gott. Fräulein Mizzi und fröhliche Pfingsten!" ruft er. springt vom Pferde und sieht selber aus wie eitel Sonnenschein. Guten Tag. Herr Golzow," sagt das junge Mädchen verwirrt sie will ihm den kleinen Finger reichen, aber er nimmt gleich alle beide fleißigen Hände, an denen die Spuren der Arbeit haften, und schüttelt sie herzhaft. Wie freue ich mich daß Sie da sind!" Sie muß sich doch für die Rosen bedanken und thut es mit stockenden Worten. Sonst neckte sie sich auf Tod und Leben mit ihm, k;eute sprüht kein lustiges Teufelchen aus ihren großen grauen Augen. Aber was haben Sie denn? Sie sind doch nicht krank?" frägt er nach vergeblichem Mühen, das Gespräch in das übliche muntere Fahrwasser zu lenken. Ich hab' einen Schreck gehabt," entschuldigt sie sich und läßt es zu. daß er ihr Wort für Wort die Geschichte abfrägt. Es thut ihr ordentlich gut, davon zu reden, und unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfährt er das Gräßliche, daß die Flasche Asti spumante" vom Monte Caprino beinahe als Berliner Weißbiersuppe gekocht und verzehrt worden wäre. Er lacht Thränen und sie lacht wie erlöst mit. Und dann tröstet er ste, so lieb, wie sie gar nicht geglaubt hat, daß Männer über solch kleine häusliche Tragikömidie reden können. Sie sitzen nebeneinander auf der schmalen Bank, und der Gaul, der auch seine Pfingstfreude haben will, grast an langer Leine den jungen grünen Rasenrand ab. War's der Schreck über den Asti spumante" oder das ansteckende Beispiel von Lottis Pfingstlied und heimlichem Assessorglück war's der Fliederduft und mailiches Regen und Sehnen im jungen Herzen die Mizzi war heute anders als sonst kein Sprühteufelchen. sondern ein liebes weiches, sehnsüchtiges Mädchenherz. Rudolf Golzow obgleich er nicht viel Erfahrung mit jungen Damen hat und seit Wochen nur mit seinen derben polnischen Rübenmädeln verkehrt, hat ein sehr feines Gefühl für diese leise Wandlung zu seinen Gunsten. Aber er weiß, daß er vorsichtig sein muß so sagt er ernsthaft und mit Kennermiene: Aber das geht im Leben nicht, Fräulein Mizzi. Der .Asti spumante' muß getrunken werden, der hält sich ja nicht. Ohnehin ist's kein Wein zu jahrelangem Aufbewahren und Hinlegen, wie Markobrunner oder Portwein. Und nun vollends, da die Flasche schon mal geöffnet war." Mizzi kaum beruhigt starrt ihn erschreckt an. Ach Du lieber Gott, und Schwager Karl' wollte ihn doch aufheben zu einer großen feierlichen Gelegenheit zu seiner goldenen Hochzeit . . ." Er lachte hell heraus. Bis dahin stiften wir-ihm eine neuc Flasche .Asti spumante Nein. Fräulein Mizzi. der Wein muß bald getrunken werden. S ? h r bald soga
morgen heute noch! Ich weiß 'eine viel bessere Gelegenheit, keine feierliche, aber eine sehr, sehr fröhliche..." Mizzi will noch fragen, aber ihr dämmert siedeheiß aus dem Herzen herauf ein plötzliches Begreifen; ihre Augen, die ihn fragend und bestürzt angesehen, senken sich vor .seinem bittenden Blick, ihr zartes Gesichtchen wird blaß und roth. Mizzi, liebe kleine Mizzi. wollen wir den .Asti spumante' heute noch trinken auf unser Glück ?" Da lag der Korb auf der Erde und die Spargel alle im Sande verstreut, und niemand hat's gesehen als der Pirol. der sein Nest just in der Fliederhecke hatte und sein wonneselig Liebeslied wie trunken in den Pfingsttag hinausschmetterte, wie zwei starke Männerarme ein schlankes junges Ding umfingen und an sich zogen, und wie ein süßes junges Mädchengesicht mit Lachen und Weinen den Brautkuß empfing. Denselben Abend hat die Hausfrau gebeichtet und ihren Asti spumante." der dies alles verschuldet, zu tiefst aus dem Keller geholt. Und keiner hat fröhlicher als der Hausherr zu dieser Beichte gelacht. Verheerende Dvnamitexplosion. Durch eine in Jellico. Tenn., erfolgte Tynamiterplosion wurden 12 Personen getödtet. während an 200 Leute mehr oder minder schlimme Verletzungen davongetragen haben. An Besitzthum wurde ein Gesammtschaden von wohl 1.000.000 verursacht, und der Theil von Jellico. der in Kentucky liegt und zwischen 300 und 400 Einwohner zählt, wurde thatsächlich zerstört. In beiden Theilen der Ortschaft, in Tennessee und Kentucky. wurden mindestens 500 Personen obdachlos. Die Ursache der schrecklichen Katastrophe ist auf den verbrecherischen Leichtsinn einiger Männer zurückzuführen. welche sich einen mit Dynamit beladenen Waggon im Bahnhofe zu Jellico als Zielscheibe ihrer Schießübungen gewählt hatten. Die Wirkungen der Explosion waren furchtbar: Alle Geschäftshäuser in der Ortschaft wurden zerstört oder schlimm beschädigt. An der Stelle, an welcher der Waggon stand, wurde ein etwa 20 Fuß tiefes und 30 Fuß breites Loch in die Erde gerissen. Die Mayors der beiden Schwesterstädte haben an die Bevölkerung des Landes die dringende Bitte um Hilfe gerichtet. Gefäkrlicne Rutschpartie. Vier amerikanische Hochschul-Pro-fessoren haben jüngst das gefahrvolle Wagestück vollbracht, den Vulkanrnsen Orizaba in Mexiko zu besteigen. Unter großen Mühen erreichten die Bergsteiger die Spitze des Orizaba und genossen von der hoch über die Wolken hinausragenden Bergspitze einen Herrlichen Ausblick über die Stadt Mexiko und den mexikanischen Golf. Beim Abstieg geriethen sie in einen Schneerutsch und sausten mit dem Schnee 3000 Fuß den Berg hinab, ehe sie wieder Fuß fassen konnten. Neben anderen wissenschaftlichen Entdeckungen wurde festgestellt, daß der Vulkan Orizaba eine Höhe von 18.500 Fuß hat. 200 Fuß mehr, als nach früheren Vermessungen angenommen wurde. Deutsche sollen Tschech i s ch l e r n e n. Der Teutsche Volksrath Böhmens ist bemüht, den Deutschen den ihnen gebührenden Antheil an den Staatsämtern in den gemisch sprachigen Bezirken Böhmens zu verschaffen. Zu diesem Zweck hat er an die deutsche Bevölkerung die Aufforderung gerichtet, sich durch Erlernung der tschechischen Sprache die Qualifikation zur Bekleidung von Aemtern in jenen Bezirken zu verschaffen. und zugleich darauf hingewiesen, daß deutsche Staatsbeamte in Sandestheilen mit einer gemischtsprachigen Bevölkerung viel zur Festigung des deutschen Bewußtseins beitragen und dem Umsichgreifen der Tschechisirung erfolgreich entgegenwirken könnten. Nach 20 Jahren erw i f ch t. Ein Soldat des in Darmstadt garnisonirenden preußischen In-fanterie-Regiments Nr. 115 entfernte sich im Jahre 1886 von seinem Truppentheil und blieb seitdem terschollen. Nach mannigfachen Wechselfällen verschlug das Schicksal den Fahnenflüchtigen nach Deutsch-Südwestafrika. wo er unlängst infolge eines Zufalles erkonnt und festgenommen wurde. Er wurde nach Deutschland eingeschifft und in Hamburg der Militärbehörde übergeben. Um eine Erfindung auf der ganzen Erde zu schützen." muß man in den verschiedenen Staaten 64 Patente erwerben, die gegen S2500 kosten. Er st es ttind in neuer Ortschaft. In Florence. eine, aufblühenden neuen Ortschaft in South Dakota. war kürzlich die erste Geburt zu verzeichnen. Es war dies ein Er eigniß für den Ort und die Eltern des Kindes erhielten zahlreiche Grotula tionen von ihren Mitbürgern. Gegen den Rothlauf der Schweine gab ein Landwirth einem erkrankten Thiere bis zur Berauschung Spiritus in Milch, und Schwein und Stall wurden mit Karbolwasser gewaschen. Nach ausgschlafenem Rausch fraß das Schwein wie ein gesundes. Bald löste sich die Haut ab und machte einer glatten, gesnnden Platz. Bei dieser Kur wurde
gleichzeitig Glaubersalz verabreicht.
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