Indiana Tribüne, Volume 30, Number 43, Indianapolis, Marion County, 12 October 1906 — Page 6
Möbel, Teppiche, Ofen und ausausftattnngen. Da neueste und vollftkndigfte Lag ott Stadt. Die mäßigsten Preise, welch je für Waaren erster Klaffe Verlangt wurden. Gin Besuch in unserem Der, kaufslokale wird sich für Sie bezahlen. Sie werden zuvorkommende Behandlung erhalten.
WIIXIGS 141 Best Washiuglou Str. Beachten Tie unser Schaufenster für Montags oder Freitags Bargainß. IN 0 1 A N A P 0 U S B R E W I N 6 C0, Düsseldorfer... DaS Bier, welch auf der WeltauSftellunA zu St. LouiS den Preis erhielt als Der Wett Standard Für Vollkommenheit In Pts und Quarts, lasche Tep't. Tel. 578 und 690 Indianapolis Brewlng Co Karstadt Bros, Dampf Färberei und Reinigungsanstalt. Haupt. Of ! te: 1435 . Illinois Etr. V r a n ch e I : 49 Virginia Ave. 205 Jndiana ve. 18 N. Illinois. , fjftbr Vdonet Jacob Rierdorf's ...Saloon... Jlo. 885 Massachusetts Atze. Meine Freund und Bekannten, sowie bai Publikum im Allgemeinen find freundlich i eingeladen, mich in meinem neuen Lokale i besuche. Heiner Luned orgen und btt. Wm, Stocif le? SeileeM. No 202 Nord Noble träfe. eu;S Telephon 2001. Aerzte. Dr rv. Herbert 9tw. rjt btx ltmttrfität Xttitf in Wie und railtrl. JRUttar-ftrjt Spezialität : Geschlechts uud Hautkrankheiten Office : Van ?orh! Vebüude. 180 eft DWo Str. Vpreqftund: i-u 8m., 2-4 Wm., 7- S Abend ew Telephon : Office 4449, Wohnur.g 7. Dr. j. A. Suteliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectum Arankheiten, Office : 1 55 Oft Market st. Tel 94? QM' Stunden: 9 bi 1 Uhr Sn.; 2 6il 4 Uhr M Dr. Paul F. Martin, Vraktischer Arzt und htrmkg. Sprechstunden: 11.001. 8.30 4.00 tätlich Sonntag: Auf Verabredung. Willoughby Gebäude, ord eridt tre Tel.. Main 4414. Sshnung : 1 R,rd e Jersey Str. Telephon: Mai ; r Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. etz4deU alle akute und chruischIrnkdett. SvezieR Rheumatismus Rectumund brauen -Krankheiten. Office : 14 weft Vhio Straß Osfice-Stunden : 1011 Bm. 34 R onntagS : 9.3010.30 m. Tel. neu 4 phnnng : 1150 Madiso atm Telephone : lt. 2025. ,282.
LttPsche Nachrichten.
Kessen StarmliaM. D a r m st a d t. Von der Reckstanae abgestürzt ist der Unteroffizie: Schäfer der 7. Komp., Ins. - Regt. Nr. 115 und hat sich dabei schwer, Rippen- und Rückgrats-Verletzungen zugezogen. A l m e n r o d. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerweh, zu Almenrod wurde Friedrich Hedrich verliehen. A l s f e l d. Bei der Wahl eines Bürgermeisters wurde Herr K. Arno.d mit 389 Stimmen zum Bürgermeiste? der Stadt Alsfeld gewählt. Friedberg. Ein Schutzmann verhaftete hier den Kaufmann Julius Dörffer, der einen Einbruch in dit Villa Prinz Heinrich" m Rauheim verübt hat. Höchst i. O d w. Herr Landtagsabgeordneter Häusel blickt bereits aus eine 35jährige Amtsthätigkeit als Stratzenbaumeister in den Verwal. tungs-Bezirken Heppenheim und Erbach zurück. Mainz. Der Kellner Claut aus Monzernheim. der kürzlich aus der Strafie die 23jährige Tochter des Militär-Arresthaus-Verwalters Hoffmann erschossen hat, wurde vom Untersuchungsgericht zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Universität Gießen überwiesen. Worms. Der 15 Jahre alte Schiffsjunge Nik. Lenz aus Pfiffligheim ist im Rhein ertrunken. Hier wurde die Leiche des seit einigen Tagen vermißten städtischen Beamten Karl Becker aus Mannheim durch Fischer gelandet. Wcryern. München. Der ord. Prof. der deutschen Philologie an der hiesigen Universität, Dr. phil. Hermann Paul, heute einer der bedeutendsten Vertreter der Sprachwissenschaften, vollendete kürzlich das 60. Lebensjähr. Geheimrath Professor Dr. v.' Reber. der um unsere Stadt als Kunststadt, um die deutsche Kunst und Kunstwissenschaft so hochverdiente Gelehrte, beging vor Kurzem sein 50jähriges Doktorjubiläum. Augsburg. Der Lustmö'. xr Anton Englisch, der vom hiesigen Schwurgericht zum Tod verurtheilt worden war, wurde zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Er wurde nach dem Zuchthaus Kaisheim übergeführt. B a m b e r g. Ein mit fünf Mann besetzter Vierer des Rudervereins Bamberg verunglückte auf einer Fahrt auf dem Untermain. Der Kaufmann Hermann Papst aus Nürnberg ist ertrunken. Fürstenfeldbruck. Der älteste aktive Musikmeister der deutschen Armee feierte unlängst seinen 70. Geburtstag. Es ist dies der in weiten Kreisen bekannte Leiter der hiesigen Musikkapelle der Unteroffiziersschule, Allmann, ein Mann, der auf eine 55jährige Dienstzeit (einschließlich dreier Kriegsjahre) zurückblickt. Hof. Vor einiger Zeit versuchte der Braubursche Adam Ruvvrecht seine Geliebte, die Fabrikarbritcrin Ströla, in der Wohnung ihrer Freundin, der Näherin Anna Martin, aus Eifersucht mit einem Revolver zu erschießen. Er hatte sich vorher schon längere Zeit bei der Ströla aufgehalten, um sie nach einem Streit wieder zu versöhnen, wobei er ihr wiederholt mit Erschießen drohte, falls sie sich weigere. Das Mädchen wurde ängstlich und flüchtete sich in das Zimmer der Martin. Rupprecht eilte ihm nach und schoß ihm eine Kugel in den Hinterkopf. Eine zweite Kugel traf die Martin, die sich schützend auf die Ströla warf, und verletzte sie an der rechten Hand. Nun lief die Ströla aus dem Zimmer. worauf Rupprecht eine weitere Kugel auf sie abschoß, die wieder im Hinterkopf traf. Dann entfernte sich Rupprecht und erschoß sich in seiner Wohnung. Die Verletzungen der beiden Mädchen waren nicht lebensgefährlich. K r o n a ch. Kürzlich ist hier die Beleuchtungskohlenfabrik von Christof Köcher vollständig abgebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Lauf a. P. Die Bronzefabrik Taubmann & Co. ist hier niedergebrannt. M ü h l d o r f. Von einem Dienstgang nach Hause kommend, begab sich der Gendarm Zistler zu Bette, konnte aber bei der argen Schwüle keinen Schlaf finden. Er stand auf und legte sich in die Fensterbrüstung sein im zweiten Stockloerk befindlichen Wohnung. Hier ist er eingeschlafen. Als er später erwachte, stürzte er in schlaftrunkenem Zustande vom zwei ten Stockwerk herab auf das Pflaster, wo er mit gebrochenen Armen bewußtlos liegen blieb. Außerdem hatte n sich sämmtliche Zähne einae schlagen. Er wurde in das Krankenhaus verbracht. Nürnberg. Die Stadtverwaltung beschloß, angesichts der bevorstehenden Jahrhundertfeier der Einverleibung Nürnbergs in Bayern eine Stiftung für städtische Arbeiter nrtt 100,000 Mark Stiftungskapital zu errichten. Württemberg. Stuttgart. Der Kaiser hat dem bisherigen Mitgliede des BezirksulkduSes der Reichsbankbauptstell
Hierselbst, Geh. Hofrath Karl Ostertag, den Kronenorden dritter Klasse verliehen. Verliehen wurde dem Oberpostverwalter Ritter Max v. Ottenfeld das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens. B ö s i n a e n. Einige noch schulPflichtige hiesige Knaben machten sich mit einer geladenen Pistole zu schaffen. Plötzlich ging ein Schuß los und traf den zwölf Jahre alten Georg Kübler von hier so unglücklich in den Unterleib, daß er schwer verletzt ins Bezirkskrankenhaus nach Nagold gebracht werden mußte, wo sofort eine Operation vorgenommen wurde, so daß man glaubt, den Knaben am Leben zu erhalten. Lenkerstetten. Das Fest der goldenen Hochzeit konnte kürzlich Anwalt Rüger von hier feiern. Zu gleicher Zeit feierte die älteste Tochter ihre silberne Hochzeit. M e tz i n g e n. Kürzlich wurde hier der im Alter von 61 Jahren Verstorbene Oberlehrer Kunz zur Erde bestattet. Ein sehr großes Gefolge begleitete den reichgeschmückten Sarg. Oßweil. Der Fabrikarbeiter Bossert hat in berauschtem Zustande
seinen Vater, mit dem er in Streit j gerathen war, erschlagen. Uttenhosen. Der neun Jahre alte Sohn des Maurers Griesheimer von hier hat in Anwesenheit seiner Eltern aus dem mit Schrot geladennen Gewehr seines Vaters einen Schuß abgefeuert und hierdurch seinen zweijährigen Bruder, sowie die vier Jabre alte Tochter des Nachbars Welz, die beisammen saßen und spielten, erheblich verletzt. Beide Kinder wurden in das hiesige Diakonissenhaus verbracht. Der Knabe, der in die Eingeweide getroffen wurde, wird kaum gerettet werden können. Fihernpsarz. D e i d e s h e i m. Schweres Leid bat ein Unglücksfall über die Familie des Küfers Thomas Reinhard hier gebracht. Der Wirth Eschenfelder hatte auf seinem Hofthorgewände einen nicht befestigten Stein sitzen. Ein Fuhrmann rannte mit seinem Heuwagen gegen das Steingewände, der wse Aufsatz fiel herab und traf das neunjährige Töchterchen Eva des genannten Reinhard, daö unter dem Thor gestanden hatte, so unglücklich, daß dem armen Kird das eine Bein gänzlich abgeschlagen wurde, während daö andere nur noch wenig am Körper hing. Das bedauernswerthe Wesen wurde ins Spital gebracht, wo es alsbald starb. Wittwe Eschenselber ist eine Tante des Kindes und dieses hielt sich, während seine Eltern im Felde waren, bei ihr auf. Wer für den Unfall verantwortlich ist, wird wohl die Untersuchung ergeben. L e m b e r g. Unlängst weilten die Eheleute Karl Klein von hier im Felde, während sich die 14jährige Tochter allein zu Hause befand. Als das Mädchen das Abendessen Herrichten wollte, konnte es nicht schnell genug das Feuer anbringen und goß Petroleum aus einer Kanne auf das . schon glimmernde Holz. Durch das ! aufflammende Feuer explodirte die j Kanne, und das Mädchen stand in hellen Flammen. Es rannte auf die Straße, wo ihm vorübergehende Leute zu Hülfe eilten. Das Mädchen hatte jedoch derartige Brandwunden erlitten, daß es nach kurzer Zeit starb. Ludwigshafen. Vermuthlich ertrunken ist der ledige Heizer Joh. Kunert, der auf dem Schleppschiff Industrie" der Aktiengesellschaft für Rhein- und Seeverkehr in Köln beschäftigt war. Er verließ hier mit einem Matrosen das Schiff, um noch ein Glas Bier zu trinken. Seitdem ist er verschwunden. An Bord fand man nur seinen Hut; wahrscheinlich ist er beim Betreten des Schiffes ausgeglitten und ins Wasser gefallen. Privatmann Hans Nagel öffnete sich in selbstmörderischer Absicht mit einem Taschenmesser die Pulsader der linken Hand. Er wurde in das Spital gebracht. Mundenh.'im. Am hiesigen Schulhausneubau stürzte der 24 Jahre alje Gypser Joseph Lehr, wohnhaft in der Gräfenaustraße, beim Aufstellen eines Gerüstes im Jnnenbau ab und erlitt hierbei eine starke Kopfverletzung und eine schwere Gehirnerschütterung. Der schwer Verletzte wurde ins städtische Krankenhaus in Ludwigshafen verbracht. M ü n ch w e i l e r. Hier erhängte sich der begüterte Wittwer M. Seiter in seinem Hausgange. Er hinterläßt x. r v( , zwei erwogene soone. er Mann war schon ziemlich bejahrt, und man vermuthet, daß körperliches Leiden ihn zum Selbstmord trieb. M u t t e r st a d t. Vor Kurzem fiel das fünf Jahre alte Mädchen des Ludwig Goutier in den soqenanten großen Pfuhl" und konnte nur als Leiche herausgezogen werden. ENaß-Lothringen Straß bur. Die gut miteinander befreundeten Gasarbeitec Klemens Schmitt und Hentz rangen beide miteinander, um festzustellen, wer der Stärkere sei; hierbei wurde der 24jährige Schmitt besiegt; aus Aerger darüber ging er in sein Zimmer, holte sein Taschenmesser und versetzte damit dem ahnungslosen Hentz einen Stich in die Brust. Als der Hauswirth, durch den Lärm herbeigerufen, herzu kam, war Hentz bereits wdt.
v jrau Zelicitas. Novellette von Klara Anlepp-Ltübs. An dem Spätnachmittage eines Dezembertages war es. Ich saß mit einem Buch auf der Fensterbank unseres Wohnzimers, um beim letzten Tagesschimmer schnell noch einige Seiten meiner interessanten Backfischlektüre zu verschlingen, als meine Mutter mit meinem einzigen Bruder in's Zimmer trat. Sie schienen beide erregt zu sein. Dieses und die Furcht vor einem Verweis ob meines Lesens beim Zwielicht veranlaßten mich, an meinem, urch den dichten Store vom Zimmer abgeschlossenen Platz zu bleiben. Zuerst kümmerte ich mich nicht um Mutter und Bruder, sondern las eiligst weiter, und als dann beim besten Willen kein Buchstabe mehr zu erkennen war, klappte ich endlich das Buch zu und untersuchte meine Taschen nach etwas Eßbarem. Ich fand denn auch glücklich noch einige Malzbonbons, die einzige Näscherei, die meine Mutter gestattete, und während ich diese behaglich auf der Zunge zergehen ließ, fing ich an. auf das im Zimmer geführte Gesprach zu achten. Meine Mutter saß in einem Sessel in der Nähe des Ofens, dessen durch Marienglas geschützte Feuerung einen röthlichen Schein auf ihr weißes Gesicht warf. Sie sah sehr hübsch aus, meine Mutter. so lieb und gut, und dennoch fiel mir ein gequälter Zug auf ihrem Antlitz auf, den ich sonst nicht bemerkt hatte. Auf dem weißen Fell zu ihren Füßen kniete Arno, mein von mir schwärmerisch geliebter Bruder. Er hatte den krausen, blonden Kopf an ihren Schoß gelehnt, wie er es als kleiner Knabe so oft gethan. Meine Mutter strich ihm leise über's Haar. Mein Junge mein Arno!" Mutter, geliebte Mutter, sprich, erzähle, foltere mich nicht länger." Arnos Stimme klang bebend vor Ungeduld und wie mir schien unterdrückte? Angst. Gleich, Liebling! Ach, es sagt sich vieles so schwer aber es muß sein. Du weißt, ich war nicht glücklich mit Papa sehr unglücklich sogar." Ich weiß", er sah zärtlich zu ihr auf, küßte ihre Hände. Nun also! Als er starb, war ich siebenundreißig Jahre, als kaum Siebzehnjährige war ich dem alternden Manne angetraut. Nun war ich krank gebrochen an Leib und Seele von dem jahrelang getragenen, schweren Druck. Die Aerzte verordneten einen Aufenthalt im Süden. Ich reiste. Dort lernte ich Professor Romain kennen und lieben." Ueber Arnos Körper lief ein Zittern. Er erfaßte die Mutterhände fefier, preßte ste an seine Lippen. Ter verstorbene Gatte Felicitas", murmelte er dumpf. Sie nickte. Er wurde ihr Gatte aber später, viel später. Ueber dem jungen, knospenden Geschöpf vergaß er die reife Frau, vergaß, daß deren Herz in heißer Liebe ihm entgegenschlug. Er ließ sich umgirren mit schmeichelnden Blicken, mit süßem Geplauder, das um so gefährlicher war, als es so harmlos kindlich, so drollig naiv klang." Mutter!" Mein Bruder fuhr auf. Still, Arno. Es war so. wie ich sage. Was ich damals litt, das vermag ich nicht zu beschreiben. Ich reiste ab, ehe es zur Katastrophe kam ich wollte, ich konnte es nicht mehr mit ansehen, wie Przfessor Romain immer tiefer in die Nee dieses jungen und doch schon so raffinirten Geschöpfes sank. Erst viel später erfuhr ich von der vollzogenen Vermählung und Trauung des Paares. Der Allmächtige wollte wohl nicht, daß ich mich meinem Schmerz zu sehr hingab, er sandte schwere Krankheiten. Du lagst auf den Tod darnieder, ebenfalls Erna. Da rang die Mutterliebe sich durch ich ging auf in Eurer Pflege, und als endlich die Krisis überstanden war, und Ihr mir neu geschenkt, da dankte ich Gott auf den Knien für Eure Rettung und kein anderer Gedanke fand noch Raum in meinem Herzen. Und nun, Arno, und nun? O, Gott, es ist ja nicht auszudenken! Du, der kaum Vierundzwanzigjährige, kommst und verlangst von mir, daß ich jene Felicitas, die mir einst mein Glück geraubt, als Tochter in meine Arme schließe?" Mein Gott, mein Gott, was soll ich denn nur machen? Sie rang ihre Hände aus Arnos Händen los und schlug sie vor's Gesicht. Ihr ganzer Körper bebte, wie von innerem Schluchzen geschüttelt. Mutter, liebe, süße Mutter! O. fei doch nicht so unglücklich", bat mein Bruder, der todtenblaß geworden war. Höre mich. Ich kann mir nicht denken, daß Ffelicüas damals eine Ahnung von dem hatte, was vor ihrer Ankunft in Nizza zwischen Dir und ihrem späteren Gatten borgegangen war. Bedenke, sie war damals, also vor sechs Jahren, ja fast noch ein Kind, liebe Mutter." Den Jahren nach, allerdings, aber in Wirklichkeit ". Sie zuckte die Achseln und schwieg. Oh in Wirklichkeit ist sie es sicher auch gewesen. Sieh mal, sie war ja geradezu an den Lehnstuhl des gelähmten Vaters gefesselt, ja beinahe im Laboratorium groß geworden
ohne Mutter! Bedenke, wie sollte solch ein weltfremdes, junges Wesen zu einer derartigen Handlungsweise kommen, wie Du ihr zutraust? Ihr köstlicher Frohsinn, der bei einer solchen traurig verlebten Kindheit wirklich zu bewundern war, wird Romain wohl bezaubert haben, aber doch jedenfalls ohne jede Absicht von ihrer Seite. O, Mutter, sei gerecht, wie Du es immer warst. Verdamme Felicitas nicht, bevor Du sie näher kennen gelernt hast " Ich kenne sie ich mag sie nicht sehen!" Mutter ach, sei barmherzig zerstöre mein Glück nicht", bat mein Bruder mit aufgehobenen Händen. Ich kann nicht. Arno, ich kann nicht! Wenn Du ohne sse nicht leben magst gut, die Villa gehört ja Dir ich will mit Errm fortziehen, weit, weit fort " Nicht so, Mutter! O Gott, nein! Wenn Du im Groll von mir gehen wolltest es würde kein Glück für uns geben für mich nicht und auch für Felicitas nicht, die sich so unbeschreiblich nach der Liebe einer Mutter sehnt.Ach!" Es zuckte fast wie Hohn um den sonst so sanften Mund meiner Mutter. Das ganze liebe Gesicht erschien mir entstellt. Sie erhob sich, trat von Arno zurück. Du hast ihr also von Deiner Liebe gesprochen und auch von mir?" Aber ja. Mutter! Und selbstredend hinzugefügt: Werde mein Weib! sagte Arno. Und erwidert sie denn . . .?" Ja, ja! Wie ich Dir sagte...." In seinen Ton kam ein Klang leisen Jubels, er griff wieder nach ihrer Hand. Sie entzog sie ihm. Dann seid ihr ja einig. Ich will euch nicht hinderlich sein wie ich Dir schon sagte, die Villa gehört ja Dir. Jetzt laß mich gehen ich bedarf der Ruhe." Sie näherte sich der Thür. Arno wollte ihr nachstürzen Mutter!" Da gebot ihm eine gebietende Handbewegung von ihr halt. Er blieb erst wie gebannt stehen, dann sank er auf den von der Mutter verlassenen Sessel. Er stützte die Ellenbogen auf die Knie und barg das Gesicht in seinen Händen. Voll Theilnähme sah ich auf meinen Bruder, der in seiner gebeugten Stellung das Bild eines Verzweifelten bot. Leise schlich ich aus meinem Versteck hervor, leqte ihm die Hand auf die Schulter. Da fuhr Arno auf, sah mich verwirrt an. Dann zog er mich auf seine Knie, faßte mich unter dem Kinn und sah mir forschend in die Augen. Hast alles mit angehört?" Ich nickte, schlang meine Arme um seinen Hals und weinte bitterlich. Er strich mir beruhigend über das Haar, dann saßen wir ganz still. Endlich sagte Arno: Da ist nichts zu machen. Mutter ist von Felicitas Schuld zu fest überzeugt. Man müßte ihr schon einen unleugbaren Beweis ihrer Unschuld bringen können, aber wie den schaffen? Doch das verstehst Du nicht, kleine Schwester", schloß er seufzend. Ich verstand es aber doch, darin irrte sich mein armer Bruder. Mein Interesse an der jungen, bildschönen Frau Felicitas Romain, welches so schon an Schwärmerei grenzte, erreichte jetzt seinen Höhepunkt, seitdem ich wußte, daß mein einziger Bruder und sie sich liebten. Sie war eine nahe Verwandtin meiner besten Freundin, wohnte auch in demselben Huse. Ich war schon manchmal ihr Gast gewesen. Es ist selbstverständlich, daß ich jetzt ihre Gesellschaft so oft '.vie möglich aufsuchte, und war glückselig, als sie mich eines Tages mit meiner Freundin zum Abendbrod einlud. Nach der Mahlzeit vergnügten wir uns mit allerlei Mummenschanz, denn Frau Professor Romain besaß einen reichhaltigen Schatz Theatergarderobe. von früheren Dilettan-ten-Vorstellungen herrührend. Jetzt wurde dieselbe in einem großen Hinterzimmer verwahrt. An dem Abend nun kramte ich mit besonderem Behagen in einer großen Truhe herum, um mir etwas ganz Apartes auszusuchen. Da fand ich plötzlich eine kleine, schwarze Reisetasche, die. wie es mir schien, eigentlich nicht recht zwischen die Sachen hier paßte und vielleicht aus Versehen mit in die Truhe gekommen war. Ich nahm die Tasche deshalb und brachte sie meiner reizenden Wirthin, die beim Erblicken derselben auch llberraflht ausrief: Ach, das ist ja eine alte Reisetasche meines verstorbenen Mannes. Wo steckte denn die eigentlich?" Ich berichtete, und Frau Felicitas stellte die Tasche ruhig zur Seite, während ich mich wieder meiner interessanten Beschäftigung widmete. Als unser Mädchen später kam, um mich abzuholen, küßte Felicitas mich auf den Mund. Ich sah überrascht auf, denn das hatte sie noch nie gethan, und sah in ein leise geröthetes Antlitz, in glückstrahlende Augen. Ich wußte nicht, was ich davon denken sollte, denn ich hatte diese Augen bisher nur traurig blicken sehen. Warum? Das wußte ich ja und war stolz auf mein Wissen, denn es machte mich sozusagen zu einer geheimen Vertrauten der vergötterten jungen Frau und meich's geliebten Bruders. Ihnen helfen zu können, wäre mein größtes Glück gewesen, aber wie auch sinnen und grübeln mochte, mir wollte nichts einfallen. Zu Hause schlichen die
Xaae rruve davtn. Metne Mutter war sehr still, umgab aber Arno mit aller Sorgfalt und Liebe, deren eben nur eine Mutter fähig ist, und er vergalt sie ihr durch eine ehrfurchtsvolle Zärtlichkett. Doch der Frohsinn, die Heiterkeit, die sonst bei unS geherrscht, waren dahin. Es war, als ob jeder auf etwas wartete, was kommen mußte und vor welchem man sich doch wieder fürchtete. Es herrschte eine Spannung, die schließlich unerträglich wurde, wie in einem Drama, das zur Katastrophe drängt. Als ich nun an jenem .uoend nach Hauje kam, mit Felicitas Romains Kuh auf den Lippen und in Gedanken an ihre leuchtenden Augen glückselig in's Zimmer stürmte, fand ich Arno vor meiner Mutter auf den Knien. Ich hörte grade noch, wie er ganz ver zweifelt rief: Ich kann ich kann nicht mehr, ich muß zu ihr, Mutter!" Wo ich den Muth hernahm, weiß ich heute nicht mehr, aber als ich Arnos Worte vernahm, trat ich rasch vor, legte meiner Mutter die Hand auf den Arm und sagte: Bitte, bitte, laß ihn gehen. O, Frau Felicitas ist so engelsgut und so glücklich." So glücklich?" Zweifelnd, stau-
nend fragten es Mutter und Bruder wie aus einem Munde. Ja. ja! Sehr glücklich. Ich sah es ihren Augen an, und sie hat mich auch geküßt", erwiderte ich ganz froh und stolz. Da muß etwas geschehen sein", rief Arno erregt, nahm mich beim Kopf und küßte mich ebenfalls auf den Mund. Adieu, kleine Schwester." Er war zur Thür, hinaus, ehe meine Mutter etwas sagen konnte. An dem Abend konnte ich lange nicht einschlafen. Nun mußte es doch endlich wieder anders werden bei uns, Felicitas Romains Augen hatten es mir gesagt. Ich sollte mich nicht getäuscht haben. Als meine geliebte Mutti mich durch den üblichen Morgenkuß weckte, da war ihr Gesicht zwar sehr blaß, aber sie sah genau so glücklich aus, wie Felicitas gestern Abend. Schnell, Erna, kleine Langschläferin. wir sitzen schon alle beim Frühstück", sagte sie. Alle? Frau Felicitas auch?" Ja, Arnos Braut auch, mein Liebling." O Mutter!" Ich hing ihr jubelnd am Halse. Sie weinte, lächelte aber unter Thränen. Ich war brennend neugierig, wie das alles nun mit einem Male gut geworden war. Als ich Arno danach fragte, zuptte mich der am Ohrläppchen und sagte lächelnd: Nun, durch Dich, kleine Schwester." Durch mich? Aber wie so denn?" Nun, hättest Du die Reisetasche nicht gefunden " Bitte, still davon, Geliebter", bat Felicitas mit einem bezeichnenden Blick auf meine Mutter, die am Büffet hantirte und eben wieder an den Tisch trat. Erst viel später erfuhr ich, daß die Tasche ein Tagebuch des verstorbenen Professors enthalten hatte, welches derselbe in der Zeit vor seiner Verheirathung geführt. Durch seine AufZeichnungen wurde der Irrthum meiner Mutter klar gelegt, und trotzdem die Wahrheit für sie in einer Hinsicht sehr schmerzlich war. zögerte sie doch nun nicht einen Augenblick mehr, Felicitas an ihr Herz zu nehmen. Das Brautpaar war aber auch von einer rührenden Zärtlichkeit gegen meine Mutter, als hätten sie ihr ein Leid obzubitten; was es war. habe ich nie erfahren, auch von Arno nicht. Der Mann mit dem steifen Hals. Von Herrn Balfour. dem früheren englischen Ministerpräsidenten, erzählt ein Londoner Blatt folgende Anekdote: Während des letzten Wahlkampfes sprach Balfour in Manchester in 52 Meetings. In einer dieser Versammlungen nun bemerkte er unter den in der ersten Reihe sitzenden Zuhörern einen Mann, der hoch aufgerichteten Hauptes und mit der größten Aufmerksamkeit der Beweisführung des Redners zu folgen schien. Der unionistische Staatsmann hatte daran seine Freude und beschloß in seinem Herzen eine Sympathiekundgebung" für den aufmerksamen Zuhörer. Er stieg nach der Rede von der Estrade herab, näherte sich dem sympathischen Manne und sagte liebenswürdig: Der intelligente Ausdruck Ihres Gesichtes, das Sie keinen Augenblick von mir abwandten, war mir während meiner Rede wirklich eine große und werthvolle Ermuthigung. verehrter Herr!" Oh, das hat nichts zu sagen," erwiderte bescheiden abwehrend, der andere; ich habe nämlich einen steifen Hals und mußte Sie fortwährend ansehen, weil ich den Kopf nicht bewegen kann." Gutaeaeben. Wittwer dum Vermittler): Es wär schon alles schön und gut... die Dame, die Sie mir vorschlagen, würde mir auch sehr gut passen... aber bedenken Sie doch, meine Frau ist ja erst ewige Mona:e todt!" Vermittler: .Na. ich hab' eben gedacht, es sei besser, wenn Sie sich . nicht erst so febr an die Freiheit fit wohnen!"
