Indiana Tribüne, Volume 30, Number 42, Indianapolis, Marion County, 11 October 1906 — Page 4

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JndtanG Trtvüne, 11. Oktober 1906

Jmdiana Tribune. auged von drr utca T. Indianapolis, Ind. hanyO.Tdnstlllm .... Präsident.

es djä f t s l oe a li No 31 üb Delaware Strahe. TBLfiPHONB 69. ircd '.he Post Office ot Indianapolis u cond dass matter. Englische Flotte minder werthig. Ueber den wahrheitSemüKrn Zu stand der englischen Flotte lieft man jetzt, nachdem die englischen Flotten Manöver vorüber find und die Stim mung zwischen Deutschland und Eng land sich wesentlich gebessert zu haben scheint, in englischen Zeitungen höchst intereffante Angaden. Die .orning Poft" ift der Meinung, daß der gegenwartige Zustand der englischen Flotte zu sehr ernsten Be denken Anlaß gebe und sofort nach Zu sammentreten des Parlaments zur Sprache gebracht werden müsse. Die diesjährigen Manöver Hütten bewiesen, daß ein großer Theil der besten Linien schiffe sich in vernachlässigtem Zustande befinde. Einige Manövertage Hütten genügt, umlganze Geschwader auf die Hülste ihrer Starke zu reduziren. weil Diele Linienschiffe nicht genügend repa rirt gewesen seien. Man behaupte nicht zuviel, wenn man sage, vaß die großen Flotten, soweit ihre Kriegs brauchbarkeit in Betracht komme, nur die Hälfte ihrer angeblichen Stärke Hütten. Wenn nun die Regierung das Flöt tenprogramm kürze, so spiele sie mit der Zukunft des Reiches. Der deutsche Kaiser habe vor zehn Jahren die Plüne für einen Krieg gegen England erwo gen. Seit dieser Zeit habe die deutsche Flotte große Fortschritte gemacht und nach weiterenzehn Jahren könnten die deutschen Strategen mit Gleichmuth die Frage eines Krieges gegen England ohne Bundesgenossen erwägen. Sollte dann auch .noch eine Flotte zweiten Ranges auf die Seite Deutschlands treten, so werde dies genügen, um den Krieg zu Gunsten Deutschlands zu ent scheiden. Wenn die ..SeelordS" thatsächlich innerhalb zwölf Monaten ihre Anficht über. die l Nothwendigkeit der Flotienverftürkung geändert haben soll ten, so verdiene ihre Anficht nicht das Vertrauen deS Volkes. Di? Thatsache, daß selbst die Linienschiffe erster Klaffe, d. h. die erste Vertheidigungslinie, nicht in brauchbarem Zustande gehal ten worden sei, kerschüttere das Wer trauen zu der Admiralität. DaS Par. lament müffe untersuchen, nach welchen Prinzipien die Admiralität arbeite. Waldschule. S ift natürlich, daß in dem rheinisch. westfälischen Jnduftriedezirke. dem rie figften Jnduftriedezirke deS Kontinents, die GesundheitSverhültniffe der Schul jugend viel zu. wünschen übrig laffen. In einem einzelnen Falle erzab die ürztliche Untersuchung, daß von den die betreffende Schule besuchenden Kindern noch nicht 10 Prozent als völlig gesund zu bezeichnen waren. Wahrend man nun früher diese. .Thatsachen achsel zuckend als unvermeidliche Nothwendig seit hinnahm, setzt man sich jetzt daö Ziel, das Schulwesen nach dem Gesund heitSzuftande der schulpflichtigen-Ju-gend abzustufen und insbesondere macht man eS fich zur Regel, daß körperlich zurückgebliebene Kinder unter keinen Umstünden zum Besnche der normalen Volksschule zu zwingen find, der für fie oft der körperliche Ruin bedeutet. Nach den vorzüglichen Erfahrungen, die die Stadt Charlottenburg mit ihrer Wald schule gemacht hat, beabsichtigt man auch im rheinisch westfälischen Bezirke mit der Errichtung von Waldschulen für zurückgebliebene Kinder vorzu gehen, und die Düsseldorfer Regierung hat fich zu nachdrücklicher Unterstützung solcher Schulen bereit erklärt. Die Charlottenburger Erfahrungen gehen hauptsächlich dahin, daß die Wald schule auf die körperliche Entwicklung der Kinder vorzüglich gewirkt hat, daß die Kinder fich dieser Wohlthat bewußt warm und daß fich unter dem Einflüsse dieses Bewußtseins ihr Charakter sehr günstig entwickelt hat. Je gesünder fie wurden, desto gesitteter wurden fie. In pädagogischer Beziehung wird in der Waldschule da? Hauptgewicht auf Er ziehung, auf Vertiefung des Unter richte gelegt, und eö hat fich herauSge stellt, daß bei richtigem Pädagogischen Verfahren trotz der Verminderung der

Zahl der UnterrichrSftunden das Pensum der Volksschule kaum erheblich ein geschränkt zu werden braucht. Welch segensreiche Bedeutung eS für stark in ouftrielle Bezirke und für die ganze BolkSgesundheit haben würde, wenn zurückgebliebene und schwach einwickelte Kinder mit Hilfe der Wald schulen zu tüchtigen, lebenS und leistungsfähigen Männern und Frauen herangebildet würden, daß bedarf ja keiner befonde ren Erörterung.

Menschliche Berruchtheit In der grauenvollen Geschichte gro ßer SchiffSkataftrophen wird der Unter, gang des Dampfers Sirio" als eine der schrecklichsten in der Erinnerung bleiben. Meist find kö widrige Um stünde, nicht sei en auch der Leichtsinn oder die Unfähigkeit der Menschen, welche die Sch ild an der Katastrophe tragen. Daß aber menschliche Ber ruchtheit absichtlich einen Schiffsbruch herbeiführt, wie das nach den letzten Ermittlungen beim Untergang des Dampfer IriV der Fall war. ift kaum noch dagewesen. Wie jetzt aus Earthagena in Spanien, in deffen Nähe der Dampfer unterging, berichtet wird, hatte die Schiffsmannschaft den Dampfer, mit welchem 150 Menschen im Meer versanken, adfich'lich auf einem Riffe auflaufen laffen, um in der Ber wirrung die Summe von 8500.000 stehlen zu können, die fich an Bord be fand. Die dem Verderben geweihten Paffagiere wurden von der Schiffs Mannschaft mit Revolvern von den Rettungsbooten zurückgetrieben. Bei der Untersuchung deö , untergegangenen Dampfers durch Taucher stellte fich heraus, daß der eiserne Kasten, der die Summe enthalten hatte, erbrochen und das Geld verschwunden war. Für italienische Dampferlinien ift DaS ein schwerer Schlag. Paffagiere werden fich wahrscheinlich daraufhin bei der Fahrt über das Atlantische Meer lieber den Dampferlinien anderer Nationen anvertrauen. Die Trusts sollen es glücklich so eit gebracht haben, daß Poftmarken der einzige Artikel im Lande ift, der nicht im Preise erhöht wurde. Den kubanischen Insurgenten wird in den Berichten bereits ein Ex-" bewilligt. So wirft ihre Beförderung zu Briganten schon ihre Schatten vor aus. Der verurtheilte Bank Präsident StenSland von Chicago macht jetzt im Zuchthause Besen. Aber so rein, wie er seine Bank ausfegte, dürsten fie schwerlich kehren. Es will kein rechter Zug in die Campagne kommen, klagt ein kleinmü thiger Kandidat. Nur Geduld, am 7. November wird der Wind schon über die Stoppelfelder pfeifen. Der versöhnliche Zug bei der jetzigen politischen Campagne besteht darin. daß eö nur noch wenige Wochen dauert, bis das Lano von der einen oder anderen Parte' wieder einmal gerettet wird. Parbleu! Jetzt ist Kaiser Wilhelm darüber beleidigt, daß die Memoiren Hohenlohe'S erschienen find und ihm darin recht gegeben wird, daß er den Fürsten BiSmarck wegen deffen auSge sprochener Ardeiterfeindlichkeit entließ Die Reue kommt zu spät. Kaiser Wilhelm ift bester als fein Ruf. Immer offener spricht fich die Ge schästSwelt von Cuba für Angliederung an unsere Republik aus. In Havana haben fich die Geschäftsleute zu einer Liga für bessere Verwaltung organtfirt. Ihr eigentliches Bestreben ift. den An schluß an unsere Republik zu betreiben, um dadurch endlich der Insel Frieden und Ordnung zu verschaffen. Amerikanische Blätter haben fich vor einiger Zeit darüber luftig gemacht, daß Frau Krupp, die Wittwe deS der ftorbenen KanonenkönigS, für die Hei rathSauSftattung ihrer beiden Töchter nur zweihundert Dollars aufgewendet habe. Jetzt ersehen wir aus einem Fachblatt, daß fie bei einer einzigen Berliner Firma für 100,000 Mark Kleider, Matinees und dergleichen be stellt hat. Die Wüsche und waS außerdem nach deutschen Begriffen zu einer vornehmen Brautausstattung gehört, ift anderweitig bestellt worden. Wenn eS auch nicht an die verschwen den sch reichen Ausstattungen der nach England verkauften amerikanischen Erdinnen reicht, jedenfalls kann es fich als bürgerliche Ausstattung sehen laffen.

Omen. Stimmungsbild von Jaffy Torrund. Sie stand am Fenster und blickte gedankenverloren aus die Stratzf.

Draußen rieselte ein grauer, murri scher Regen. Gestern Abend war ern Jönef ge kommen: die ganze Nacht hatte sie gebraucht, ihn grübelnd zwanztg Mal zu lesen, den ganzen Vormittag, ihn zu beantworten. Nun lag das Schreiben fertig da. und sie wußte nicht, sollte sie es abschicken oder nicht. Es war so schwer, nein zu sagen. Und ja sagen unmöglich. ich weiß, ich habe schwer an Ihnen gesündigt, Magdalene. Ihre Jugend zerstört. Ihren Glauoen. Ihr Vertrauen getödtet. Sie wissen, es waren die Verhältnisse, die in diesem kuriosen Leben allemal stärker sind a!s wir. die wir uns euphemistisch Herren der Schöpfung nennen. Und ich habe hart gebüßt. Todten pflegt man nichts Böses nachzusagen, aber die Tausende, die Julie Dieffenbach großmüthig hergab, um meine leichtsinnigen Jugendthorheiten zu bezahlen, glaube ich durch mehr als zehnjährige Geduld, Nachsicht und Treue redlich abgetragen zu haben. Es war nicht immer leicht, ich biß die Zähne zusammen und schwieg und that, was ich konnte, ihr das armfelige Bischen Leben erträglich zu muchen. Und jetzt steh' ich allein da, frei. Und ich wüßte keine Frau auf der ganzen Welt, die ich mit größerem Vertrauen bitten könnte, die Mutter meiner verwaisten Kinder zu werden, mir die Brücke zu bauen, die aus der freiwilligen Abgeschiedenheit, in die das lange, schwere Leiden meiner Frau, die Kränklichkeit der Kinder mich gebannt, wieder zurückführt unter Menschen. In den hellen, warmen Sonnenschein. Mich hungert und friert nach Beidem. Vor allem anderen aber nach Ihnen, Lena, die Sie der Sonnenschein in Person waren und es in meinen Gedanken immer noch sind. Wollen Sie mir die Hand reichen, daß ich den Weg finde, wollen Sie mir das Brücklein bauen helfen, das zurückführt in die sonnigen Thäler der Menschen? Sie sind groß und gut, ich weiß, Sie können verzeihen. Und so bitte ich Sie denn von Herzen: Werden Sie mein Weib, Lena! Vergessen Sie, was ich einst an Ihnen und an mir selbst gesündigt, lassen Sie die Tage unserer Jugend wieder auferstehen, sagen Sie ja " Magdalenens Antwort lag geschrieden und couvertirt auf der Schreibtischplatte. Jet) kann nicht." So schonend wie möglich, mit tausend Gründen ängstlich verschleiert und doch als Resultat: Ein'klares, unerSittliches Nein. Sie konnte nicht, sie wollte nicht. Es war zu spät, ihrem zwecklosen reichen armen Leben den Inhalt zu geben, wonach ihre Seele jahrelang hungernd und sehnsüchtig geschrieen. Sie hatte die Fähigkeit verlernt. &M jn geben. Glück zu genießen. Kaum ein Jahr, nachdem Hans Helling eine reiche Erbin heirathet?. weil jenes erste übereilte Herzensbündniß zwischen zwei jungen vermögenslosen Menschen thöricht und aussichtlos war, trat in Lenas Leden ein unerwarteter Glückssall, der ihm eine neue Richtung, neue Interessen, neue Werthe gab. Zwei gefünde, blühende Söhne eines entfernten Verwandten starben schnell hinter einander, der eine in seinem Beruf als Marine - Offizier, der andere durch einen Unglücksfall auf der Jagd. Der vereinsamte alte Mann rief die junge Nichte zu sich, umgao sie mit allem Reichthum seines Hauses und vermachte ihr bei seinem Tode ein Drittel seines Vermögens. Damals kamen die Freier. Magdalene zuckte verächtlich die Lippen und ließ einen nach dem anderen gehen. Sie blieb unvermählt. Hans Helling hatte recht: er hatte ihre Jugend, ihren Glauben an die Menschen gemordet. Es ging auch so. Sie machte Reisen, interessirte sich für Musik und Literatur; sie hatte ihren LogenplaZ im Theater, und der Five o'Clock Tea" in ihren schönen, behaglichen Räumen versammelte einen Kreis gleich bevorzugter, intelligenter und unterhaltender Menschen um sie. Ihr fehlte mchts oder alles. Wie man's nimmt. Und nun kam er wieder. Nicht um des Geldes willen; sie wußte, er hatte genug von feiner ersten Frau geerbt, und er war ein Mann von bescheidenen Ansprüchen geworden, seit er den Zaffenrock auszog und daheim auf dem väterlichen Gute saß, das er mit Julie Dieffenbachs Gelde und eigener unermüdlicher Energie wieder hoch gebracht hatte. Aber wie er selbst sagte: er war ein Einsamer geworden. Anfangs durch die Verhältnisse gezwungen, dann freiwillig isolirt. Seit der Tod die Frau vor anderthalb Jahren von den Qualen des Siechthums erlöst hatte, lebte er erst recht nur seiner Arbeit und seinen Kindern. Magdalene wußte alles, als hätte sie es miterlebt. Eine gemeinsame Bekannte hielt sie nur allzu mittheilsam auf dem Lau senden.

Das jüngste der beiden Kinder, ein

zartes kleines Ding, auf den Namen Magdalena getauft, war gelähmt. Sein fünfjähriges kleines Leben ein einziges Martyrium auf dem Streck bett und Operationstisch in den Kliniken der Professoren. Vor Kurzem hatte es der Vater, der die Qual nich't mehr mit ansehen konnte, nach Hause genommen. Und jetzt sollte sie kommen und helfen. Ihm Wärme und Sonnenschein bringen, wie er sagte. Jetzt kam die alte Liebe zu ihrem Recht. Aber er täuschte sich in ihr. sie hatte in all' diesen Jahren zuviel schwarze Stunden gehabt, in denen sie zuletzt auch den Glauben an sich selbst verlor. Sie hatte nichts mehr zu erwarten, nichts zu hoffen. Nichts. Ihrem Leben war es gegangen wie manchem anderen: Wenn wir müde und mürbe geworden sind von vergeblichem Warten dann kommt uns vielleicht das Glück. Zu spät wir wissen nichts mehr damit anzufangen. Und dennoch konnte sie ihren Brief nicht absenden; dennoch ließ es ihr keine Ruhe im Schaukelstuhl bei dem spannenden Maupassant. Sie stand und starrte in den greulichen Herbstregen. Sie fühlte sich auf einmal so unsicher, so unentschlossen, ihr Schicksal eigenmächtig in die Hand zu nehmen. Sollte sie? Sollte sie nicht? Keine Seele, die sie hätte -um Rath fragen können. Viele gute Freunde und keinen Freund, keinen, der ihr geholfen hätte. Ein Zeichen! dachte sie sehnsüchtig. Ein Fingerzeig des Zufalls. Ein gutes oder böses Omen. Ja nein? Ja nein? Ein halbvergessenes Wort fiel ihr ein, das ihr vor Jahren in einer ihrer dunkelsten Stunden eine sehr kluge und gute alte Frau gesagt: Brunnen lebendigen Wassers graben kann nicht jeder. Aber ein Brücklein bauen für müde, verirrte, widerwillige Füße, das können wir alle wenn wir den guten Willen dazu haben." Merkwürdig, daß Hans Helling dasselbe Bild brauchte! Einst hatte sie gehofft, mit ihrer jungen fröhlichen Liebe für sich und ihn jenen Brunnen lebendigen Wassers zu graben, der für ein ganzes Leben vorhalten sollte jetzt konnte sie ihm nicht einmal mehr da? Brücklein bauen, das zum Jungbrunnen des Glückes zurückführte. Konnte sie's wirklich nicht? Mit etwas gutem Willen? Sie wußte, er sprach die Wahrheit. Er hatte immer nur sie allein geliebt, und auf der ganzen Welt gab es für ihn keine zweite Frau, die er bitten würde, seinen verwaisten Kindern Mutter zu werden, ihm ein Brücklein aus dem Schatten in's helle, warme Sonnenlicht zu bauen. Aber die Weltdame, die für Sammlungen und wohlthätige Vereine reichlich gab, hatte die Fähigkeit, mit Herz und Händen in der Stille Gutes zu thun, wohl längst verlernt. Wenn jetzt ein Mensch dem anderen etwas zu lieb thäte," dachte sie und starrte auf die Straße und wagte ihren Nachsatz kaum in Gedanken zu formuliren. Wie alleinlebende, grüblerisch veranlagte Menschen neigte sie zum Fatalismus, glaubte an Träume und an die Winke des Zufalls. Die elektrische Bahn rollte vorüber und hielt an der Ecke. Ein altft Mütterchen kroch heraus. Der Condukteur mochte im Innern des Wagens beschäftigt sein, sie mußte sich allein helfen, schwerbeladen, mühselig. Sie stolperte, verlor das Gleichgewicht und fiel hin. Wenn Dir jetzt Jemand hülfe, mitleidig die Hand reichte! dachte die grübelnde Frau oben am Fenster. Aber der Wagen rollte weiter, kein Mensch war zur Stelle, das Mütterchen raffte sich mühsam auf und humpelte mit dem schweren Korbe die Straße hinunter. Ein hülfreicher Mensch, ein mitleidiger! Einer, der dem andern ein Brücklein baut, dachte die Frau. Es wurde ihr förmlich zur fixen Idee, die sich ihr in's Herz bohrte. Es regnete weiter, der Herbbstwind wirbelte die gelben Blätter über die Straße. Und die reiche, einsame Frau oben hinter ihren blühenden Töpfen spähte sich die Augen blind nach eine-n Menschen, der guten WilLns war. Vor dem Hause gegenüber stand ein Hürdlerwagen. Schon lange der Eigenthümer verhandelte drinnen im warmen, stickigen Keller mit der Vändlerin und fand kein Ende. Seiy.vb armseligen nassen Gaul hatte er ei:.? Decke übergeworfen und den Futtersack umgehängt. Der Regen troff, das Pferd schüttelte unmuthig den Kopf. Da glitt der schlech esestigte 'Sack von seinem Halse und .ocj eine Strecke weit zur Erde. Das hu.grige I Thier scharrte mit den Füßen, schnob 1 und wieherte, Niemand hörte es. Niemand half ihm. Und dann stand I es frierend und geduldig im Regen ' und Herbstwind und senkte stumpfergeben den Kopf zur Erde. Wenn Dir jetzt Jemand hülfe! dachte oben die Frau. Sie dachte es so intensiv, so sehnsüchtig, so tief hatte sie sich in den Gedanken verbohrt, daß ihr Herz unruhig klopfte. Ein Fingerzeig, ein gutes Omen! Keiner kam und half dem hungern den Thier. Draußen ging die Entreeklingel. Die Köchin war zu einer eiligen Be-

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sorgung sortgeschickt. So mußte sie selbst öffnen. Es war ein Bettler. Ein großer, starker, untersetzter Mensch, der eine unverständliche Bitte murmelte. Der könnte auch arbeiten, war Maodalenens erster Gedanke; do.ln fiel ihr das Hundewetter ein, und sie reichte ihm gleichgültig ein Zehnpfennigstück. Ter Mann bliebb stehen und drehte dle Mütze in den Händen. Ich hab' so Hunger! Ein bißl Essen. Madanie!" stieß er fast troßig heraus. Die Essens stunde war längst vorbei. Weshalb kommt Ihr nicht früher. jetzt ist das Essen kalt." Schlecht verhehlte Ungeduld sprach aus ihrem Ton. Er stand stumm, abwartend. Wozu erst sagen, daß er an unzählige Thüren umsonst geklopft hatte! Sie sah ihn genauer an und erschrak. Das verbissene, graublasse Gesicht, der kurzgeschorene Kopf ein entlassener Sträfling vielleicht? Ein Zuchthäusler und sie allein in der Wohnung? Hastig suchte sie, immer die Thür wachsam im Auge haltend, ein größeres Geldstück hervor. Hier laßt Euch in der nächsten Kneipe etwas Warmes geben." Fast im selben Augenblick fiel ihr ein: die nächste war weit. Und es war naßkalt; schneidend fuhr die Zugluft durch's Treppenhaus. Ein Impuls. Wartet!" sagte sie kurz, schloß die Thür und ging in die Küche. Jener Essensdunst, der nach der Mahlzeit so abstoßend auf verwohnte Sinne wirkt, lag wie ein warmer, dunstiger Brodem darüber. Essensreste standen noch reichlich umher, aber das Feuer war niedergebrannt. Magdalene zögerte, sollte sie sich die Finger beschmutzen? Tann kniete sie doch vor dem Herde, und in dem Eifer, ein schnelles Feuer zu entfachen, vergaß sie aUs, was zuvor ihre Gedanken erfüllt hatte. Einzig nur der Wille zu helfen, dem hungernden Menschen ein Gutes zu thun, war in ibr. Und endlich gelang den schmalen, verwöhnten Frauenhänden das Werk, d.s Holz flammte auf, die Kohlen brannten. Schnell den Suppentop. darüber gerückt und unterdes eine Schniiie Brot mit kaltem Fleisch belegt; dann lief sie in's Eßzimmer und holte eir Gläschen von ihrem guten alten Kirschgeist aus dem Büfett. So. nun trinkt das zuerst und dann eßt Eure Suppe." Er stand noch barhäuptig, geduldig wartend vor ihrer Thür. Und dann aß er wie Halbverhungerte essen, gierig, schmatzend, gab den leeren Teller zurück und fuhr mit der Hand über die Lippen. Vergelt's Gott. Madame!" und sah sie mit eigenthümlichem Blick an, halb dankbar, halb mißtrauisch wie ein geprügelter Hund. Der Frau ging es durch und durch; sie hatte keine Furcht mehr, nur Mitleid. War er wirklich ein Ausgcsioßener, ein Paria? Und konnte sie ihm vielleicht helfen? Jri seid wohl auf Wanderschaft? Habt Ihr keine Arbeit gefunden?" Für unsereinen giebt's keine Arbeit, Madame", antwortete er verbissen. Ein Gedanke fuhr ihr durch den Svnn. Und nochmals fließ sie ihn warten. Sie schrieb in der Küche einen Zettel. Die Adresse war die eines Bekannten, der eine Fabrik außerhalb der Stadt besaß und von dem & wußte, daß er mehrfach entlassene WU fangeile beschäftigt hatte. Sagen Sie dem Herrn meinen Namen, vielleicht kann er Ihnen Arbeit geben. Er braucht immer Leute, die süchtig zugreifen wollen, Steinklopfer, Lastträger. Sie sind ja gcoß und stark." Unwillkürlich gab sie dem Menschen, der arbeiten wollte, das dem Bettler verweigerte Sie". Da schoß dem Manne das Blut in's Gesicht, er würgte an seinen Worten. er drehte die Mütze in seinen

Präsident. H. . chloyh.ner. Schatzmeister.

Capital und Ueberschnß S 2,000,000.00 Depositen über 5,000,000.00 Hilfsquellen 10,000,000.00

Rational Bank wird in da alte Postgebäude die Renovirungk- und Umänderungs-Arbeilen Fäusten zum Knäuel. Ja, wenn ich Arbeit fände..." Dann kommen Sie wieder und n'elden mir's, und ich helfe weiter." Er ging. Tiefathmend stand Magdalene auf der Schwelle ihres warmen, behaglichen. dufterfüllten Zimmers. Der arme Mensch! Wie gut sie es doch hatte tausendmal zu gut! Sie ging rasch durch's Zimmer, sie wollte dem Fabrikbesitzer noch selbst schreiben, ihn bitten. . . Da lag der Brief 'an Hans Helling noch auf der Schreibtischplatte. . Und alles, was sie über dem drängenden Impuls barmherzigen Thuns völlig vergessen hatte, fiel ihr jählings wieder ein. Wie ein Vorhang zerriß es vor ihren Augen, blendendes Licht fuhr durch lhre Seele, eine Fluth von Gedanken brach herein. Das Brücklein des guten Willens, das sie vom Zufall forderte, hatte sie las nicht soeben selbst gebaut? Das konnte sie also noch, trotz aller schwarzen Stunden ihres Lebens. gut sein, wirklich gut, aus innerstem, tiefsten Herzen heraus, ohne Absicht, ohne Bereä nung? Tann war sie vielleicht doch nicht ganz so gleichgültig, so träge, so selbstsüchtig wie sie geglaubt hatte? So unfähig, Glück zu geben und z empfangt? Thränen schössen ihr in die Augen. Ja dem hatte sie eine Brücke gebaut, vielleicht eine Brücke zurück in's Leben. Und waS sie dem fremden Menschen gethan, dem Bettler, dem Ausgestoßenen das sollte sie dem einst geliebten Manne nicht thun können mit etwas gutem Willen? Da lag der Brief, der ungute, kalt ausgeklügelte. In's Feuer mit ihm! In der nächsten Minute saß Magdalene an ihrem Schreibtisch und schrieb in fliegender Hast den Brief an Hans Helling, geboren aus der Kraft und Güte ihres Willens. Der keine Gründe, keine Entschuldigungen enthielt, nur wenige Zeilen: Ja, Hans, ich will's versuchen, Dir eine Brücke 2U bauen !" öiMÄö!? DVLl!?Ä? Wechsel. Kreditbriefe, Postanweisungen. auf alle Städte Europas. Schiffsscheine von und nach Europa. An- und verkauf auslkndi schen Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. Merchants National Bank. aben Sie schon daran gedacht, daß die Zeit, bis kaltes Wetter eintritt, nur noch kurz ist, und zahl-

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