Indiana Tribüne, Volume 30, Number 40, Indianapolis, Marion County, 9 October 1906 — Page 5
Jndiana Tribüne, 9 Oktober 1906
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Politische Ankündigungen. Krank G. FNHback, Demokratischer Candidat für County Schatzmeifier. hat fich verpflichtet. Zinsen an den öffentlichen Geldern zu erlangen und dem County zufließen zu lassen. Unter dieser Verpflichtung bittet er um Ihre Stimme bei der Wahl am 6. November 1906.
Tr. M. C Leeth, Demokratischer Candidat für County Coroner, empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County bei der Wahl am 6. November 1906. William T. Patte, Demokratischer Candidat für Couuty Elerk, empfiehlt sich den Stimmgebern von Mario County bei der Wahl am 6. November 1906 ; er verspricht, im Falle seiner Erwählung, di? Pflichten des Amtes treu zu erfüllen. James E. Berry, Demokratischer Candidat für County Necorder, bittet um Ihre Stimme, er verspricht, wenn erwählt, ein wahrer Diener des Volkes zu sein. Wahl am ten November 1906. JameS A. MeGrofsan, Demokratischer Kandidat für Sheriff von Marion County, bittet um die Stimme aller Steuerzahler bei der Wahl am 6. November 1906. Er ver spricht das Amt gewissenhaft zu verwalten. Arank E. Gavt, Demokratischer Kandidat für Kongretz-Aogeordneter deS 7. Distrikts, ersucht freundlichst alle Stimmgeber um Unterstützung. Wahl am 6. November 1906. Henry W. Klausman, Republikanischer Kandidat für Surveyor von Marion County, empfiehlt sich den Stimmgebern zur gefälligen Berücksichtigung bei der Wahl am 6. November 1906. Stimmt für Stöbert H. Vryson, Republikanischer Kandidat für Auditor von Marion County. Wahl am 6. November 1906. Stimmt für k Leonard Bt. OniL, (gegenwärtiger Chef Deputy) Republikanischer Kandidat für Clert von. Marion County. Wahl am 6. November 1906. Joseph ff. Elay, Republikanischer Kandidat für Sheriff von Marion County, bittet um die Stimmen der Deutschen bei der Wahl am 6. November 1906. Tr. (5. . Pctersvorf, Republikanischer Kandidat für Eonnty Coroner, sucht daS Deutschthum um Unterstützung bet der Wahl am 6. November 1906. Stimmt für John M. Medenhall, Republikanischer Kandidat für County Commiffär, des dritten Distrikts. Wahl am 6. November 1906. Eine etwas abenteuerlich klingende Lebensgeschichte erzählte kürzlich in New Iork, als er seine Bürgerpapiere erwirken wollte, der Schwede Emil Jckobson. Am Alter von 17 Jahren traf Emil von Schweden im Lande der freien und Braven ein; einen Monat später hatte man ihn shanghaied", nämlich an Bord eines Austernfischers verschleppt. Nachdem er alle Mühsale dieses schweren Gewerbes durchgemacht, spedirte man ihn eines Tages inBaltimore an Lund, der Steuermann versetzte ihm zum Abschied noch einen Messerstich in den Rücken und Emil fand in einem Hlspital Aufnahme. Nach seiner Entlcrsfirna, bestieg er einen Frachtzug, fuhr jedoch anstatt nach New Aork nach Providence und traf mit erfrorenen Händen, Ohren und Nase ein. Von Neuem fand er Unterkunft in einem Hospital und erreich-e schließlich geheilt New York. Er meldete sich zum Dienst bei der Bundesarmee, ward angenommen und machte den spcrnrschen Krieg mit. Hier zeichnete er sich ic durch ans, daß er unter den Kanonen des Morro Cafile am 17. Mai 1898 daS fvarrische Kabel durchschnitt. Der CvVgreß belohnte diese tapfere That mit Verleihung erner Medaille m Jackobson. Der Mann gehört noch jetzt der Bunde Smarnu an, sein Bruder, Dr. I. Jundon Jackobson, ist der Leibarzt des Königs Oökar von Schweden.
Herdenpoefie. HumoreSee aus dem Schülerleben van Hermann Heinrich. Jm übrigen ist es meine Meinung, daß jevtt gebildete Mann die Fähigkeit haben muß, einen anständigen Vers zu machen." Der Direktor nahm die Bücher vom Katheder und ging würdevoll zur Thür hinaus. Die zehn Oberprimaner sahen sich betroffen an. Also dichten sollten sie. dichten wie ein richtiger Dichter in Vers und Reim. Hohe Gedanken, tiefe Gefühle, sonniger Humor, tragischer Schmerz, alles war ihnen gestattet, sie brauchten nur zuzulanqen. Der Direk-
tsr wollte keinen Zwang ausüben, beileibe nicht! Jeder sollte nach seiner speziellen Veranlagung in vollkommener Freiheit wählen, nur ausschließen durfte sich Niemand. Das Gedicht war Schulaufgabe wie ein deutscher Aufsatz oder eine mathematische Arbeit. Als die Schritte des Direktors auf den unteren Treppenstufen verhallten, durchbrauste eine Lachsalve die Klasse. Werner Schmidt, der Primus, setzte sich auf den Tisch und rief: Kommilitonen, erklären wir einfach, daß wir dem Thierschutzverein angehören!" Zu welchem Zweck?" Weil wir dann den Pegasus nicht malträtiren dürfen." Zustimmendes Lache? war die Antwort, aber der kleine Forkert rief: Au weh! Die Thierschutzvereine dichten auch!" Ernst Wichmann, eine lange, schmale, ätherische Jünglingsgestalt mit dunklen Augen im bleichen Gesicht, hatte sich erhoben. Silentium! Hört, meine lieben. Freunde, der Augenblick ist gekommen, wo ich Euch ein Geheimniß, ein süßes Geheimniß künden muß. Ich dichte! Ein ganzer Band liegt in meinem Schreibtisch verborgen. Ich habe mich uf allen Gebieten versucht, sogar der erste Akt der Jambentragödie liegt fertig vor. Darum verzagt nicht! Ich helfe Euch. Was Euch die Natur versagt hat, mir haben es die Götter als ein voll gerüttelt und überflüssig Maß in den Schooß geschüttet." Ueberflüssig ist gut", sagte der dicke Meinert. Aber, sein ironischer Widerspruch wurde von den Ausrufen der Ueberraschung und des Beifalls erstickt. Wichmann, Du ein Dichter? Und davon sagst Du kein Wort? Ist das Freundschaft? Du hinterlistiger Mensch! Also daher das bleiche Gesicht und die flammenden Augen! Gleich sage mal eins auf!" Silentium! Schauf hat das Wort!" Ich schlage vor, daß uns Wichmann seinen Gedichtband zur Verfügung stellt, innig überzeugt, daß wir dem Alten damit solche Themata gründlich abgewöhnen." Die Freunde lachten, aber Wichmann wandte sich beleidigt ab. An seine Mithilfe war nun nicht mehr zu denken. Er wollte seine Perlen nichl vor die Säue werfen. Pst!" machte der Primus. Schwen Schritte kamen von unten herauf, und gleich darauf trat Professor Wachtel in die Klasse. Direktor Lauterbrunn meinte es mit seiner Ueberzeugung ehrlich. Ihm selbst war schon manches hübsche Gclegenheitsgedicht gelungen, schon manches Fest hatte er mit seinen Versen verschönt, und doch war er ehrlich genug, sich nicht geradezu für einen Dichter zu halten. Er war eben nur ein gebildeter Mann, der seine akademischen Studien die gehörten allerdings dazu gewissenhaft betrieben und zum staatlich anerkannten Abschluß gebracht hatte. Was er konnte, mußten andere auch können. Es bedürfte eben nur der Anregung und Anleitung. Wenn die Fähigkeit, anständige Verse zu machen, erst Gemeingut aller Gebildeten geworden war, dann müßte das oft so öde gesellige Leben an Inhalt, Feinheit und Schwung gewinnen. Das war auch eine Kulturaufgabe. Als der Direktor in seine Wohnung trat, sah er Agathe, seine Nichte, wie sie deklamirend auf dem weichen Perserteppich auf- und abging. Sie sah den Onkel nicht ' sofort, sondern starrte, des Gottes voll, in's Leere: Dein Orakel zu verkünden. Warum warfest du mich hin In die Stadt der Ewigblinden Mit dem aufgeschlossnen Sinn?" Agathe und der Onkel waren vom Schicksal für einander bestimmt. Er hatte keine Kinder, und sie hatte ihre Eltern früh verloren. Da war er auf den guten Einfall gekommen, sie an Kindes Statt anzunehmen. Beide Parteien fühlten sich wohl dabei, und besonders das Gemüth der Tante war von der Sorge um das liebe Kind vollständig ausgefüllt. Der Direktor ging auf d!e pathetisch deklamirende Nichte zu. Aber Agathe, was thust Du denn?" Agathe legte ihre Arme zärtlich um den Hals des Onkels und sagte: Ach, Onkelchen, weißt Du, was ich möchte, dichten möchte ich können wie Goethe und Schiller!" Der Direktor lachte herzlich. Ja, Kind, das glaube ich. Ich auch." Ich will es lernen." Unsinn! Das lernst Du nie. Die großen Dieter der Weltliteratur, ich
meine die ganz großm, sind stets Männer gewesen. Es gab und gibt allerdings auch schriftstellernde Frautn; aber die echte dichterische Potenz ist nur bei Mänern zu finden." Agathe trat einen Schritt zurück.
.So? Und das sagst Du mix wie em j Großinquisitor, der emem armen Schächer das Leben abspricht? Warte, ich will Dir das Gegentheil beweisen." Der Onkel lachte wieder, gab feiner Nichte einen zärtlichen Kuß und ging in sein Zimmer, wo er sich mit Behaglichkeit eine Zigarre anzündete. Aqathe aber gelobte es sich, mit einem Eidschwur, der nur Gott gehört", daß sie sich für die Anmaßung des Onkels bei nächster Gelegenheit rächen wollte. Mit den Oberprimanern ging in den nächsten Tagen eine eigenthümliche Wandlung vor. Je mehr sie sich mit ihrer dichterischen Aufgabe beschäftigten, UM so mehr fanden sie, daß sie eigentlich von der Natur zu Dichtern bestimmt waren. Ein Gedicht zu machen, war eigentlich lange nicht so schwer, als sie es sich bisher gedacht hatten, und es war schon eine große Konzession an den Genius, wenn sie zugaben, daß die Begabung eines Sophokles nur graduell, nicht wesenhaft von der ihrigen verschieden sei. Ernst Wichmann freilich, der sich nicht nur berufen, sondern auch auserwählt fühlte, betrachtete seine mitstrebenden Genossen mit stiller Ironie. Er hatte sich das Thema gewählt: Krösus und Solon" und bereits fünfzehn zwölfzeilige Strophen vollendet. Dabei hatte Krösus noch nichl einmal den Scheiterhaufen bestiegen, so daß sein Opus leicht bett doppelten Umfang annehmen konnte. Das war doch noch eine Leistung! Agathe besuchte ihre Freundin Erna Schmidt, die Schwester des Primus. Während die beiden jungen Mädchen heiter miteinander plauderten, ging Werner im Nebenzimmer laut deklamirend auf und ab. Auf Agathes neugierige Frage, ob der Bruder an Zahnschmerzen oder Bauchgrimmen leide, erzählte die Schwester von der Aufgabe, die den Primanern gestellt worden war. Agathe wollte es nicht glauben, und auf ihre Bitte trat Werner herein. Ja, ja, ,Fräulein Lauterbrunn", sagte er, es ist so, die Sache hat ihre Richtigkeit. Die Oberprima ist auf dem Wege zum Parnaß. Und das Beste ist, es geht!" Heiliger Shakespeare! Das ist ja die reine Herdenpoesie!" Die Mädchen lachten übermüthig, aber Werner fühlte sich in seinen höchsten Gefühlen beleidigt. Erlauben Sie, Gnädigste", sagte er pikirt, vielleicht urtheilen Sie anders, wenn Sie mein Gedicht gehört haben. Es bedarf zwar noch der letzten Hand, aber " Nun, dann bitte, ich bin ganz Ohr." Meine Freunde haben sich meist historische Themata gewählt; ich als Realist habe einen kühnen Griff in die Gegenwart gethan. Also: Elegie auf den Tod einer Eintagsfliege" Agathe wollte sich ausschütten vor Lachen, aber Werner betheuerte, daß die Sache durchaus ernst gemeint sei. Nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen zeigten sich dem forschenden Auge die Wunder des Universums. Nachdem sich Agathe mit Mühe und Noth beruhigt hatte, begann er: In des Weltalls Größe. Macht und Schwung Bist du nur ein kleiner, kleiner Punkt." Falsch!" erklärte jetzt Agathe. Schwung und Punkt ist kein Reim." Aber eine Assonanz", entgegnete Werner überlegen. DaS geht auch." Er las sein Gedicht zu Ende und fragte: Nun?" Agathe schwieg, aber um ihren hübschen Mund spielten ein Dutzend Kobolde. Endlich sagte sie: Ich befürchte, Herr Werner Schmidt, in der Weltkndichtung Macht und Schwung sind Sie auch nur ein kleiner, kleiner Punkt." Sie Spottdrossel! Aber das soll ein Höherer entscheiden, dem das Siegel der Macht Zeus auf die Stirne gedrückt." Mein armer Onkel? Ich beneide ihn nicht. Na. nichts für ungut, Herr Schmidt. Wenn Ihr Name erst als Stern erster Größe am Dichterhimmel glänzen wird, dann " Dann, mein gnädiges Fräulein, werde ich edel und großmüthig auch Sie in meine Korona aufnehmen." Unter allgemeiner Heiterkeit verabschiedete sich Agathe. Unterwegs dachte sie: Seh' einer diesen Großinquisitor! Mir spricht er die dichterische Fähigkeit geradezu ab, und bei diesen Knaben will er den dichterischen Bazillus künstlich züchten. Na warte! Die Zeit der Vergeltung ist gekommen!" Sie ging nicht nach Hause, sondern schwenkte in die Promenade ab, wo sie sinnend eine halbe Stunde aus und ab ging. Dann eilte sie heim und warf schnell einige Zeilen auf' Papier, die sie sorgfältig verschloß. Der große Tag war gekommen. Sämmtliche Oberprimaner hatten ihre Opera zu Papier gebracht und legten sie am Schluß der 'Stunde, der Aufforderung des Direktors folgend, aufs Katheder. Es war ein sehr feierlicher Moment. Ernst Wichmann hatte sein Werk" in ein schön gebundenes Heft mit blauseidenem Bändchen geschrieben. Der Direktor nahm die Manu-
skripte und ging in seine Wohnung. Am liebsten hätte er sich gleich darüSu hergemacht, aber er wurde durch den Schuldiener amtlich abgerufen und begab sich nach dem Amtszimmer. Agathe hatte den glücklichen Augenblick sofort erfaß!. Lautlos eilte sie über den weichen Teppich zum Schreibtisch, klappte die Maunskripte auf und legte ein Blatt hinein. Lautlos oerschwand sie. Erst am Abend kam der Direktor zur Durchsicht der Gedichte. Das sollte ein Fest für ihn werden: Behagltaz, die duftende Zigarre in der Linken, setzte er sich in seinen Schreibstuhl. Aber je länger er las, desto länger wurde sein Gesicht, bis es zuletzt die Wolke des Unmuths ganz und gar verfinsterte. Das hatte er doch nicht gedacht. Mein Gott, hatten denn diese jungen Leute, die Homer und Vergil tot Schiller und Goethe gelesen hatten, keinen Funken des göttlichen Feuers in sich? Hatte nicht einmal die Lektüre ein wenig abgefärbt? Diese Ziel- und Rathlosigkeit in der Wahl der Themen, dieses Wirrsal von Gedanken, diese Unbeholfenheit in der Form. Das war ja trostlos. Plötzlich stutzte er Was war denn das? Ein Gedicht, das nur aus einem einzigen Vers bestand Herdenpoesie" überschrieben. Na nu? Klüglich magst Du in der Welt Deinen Platz Dir wählen. Wer sich in die Herde stellt. Wird als Hammel zählen. Herrlich zwar ist das Genie In der Genien Reigen, Aber erdenpoesie? Laß nuch lieber schweigen!" Wie in's Herz gestochen, lehnte sich der Direktor zurück. Das ging direkt gegen ihn. Das verhöhnte seine gute Absicht. Und wie hinterlistig, wie gemein! Das Pamphlet war mit verstellt Hand geschrieben, und der Berfasser hatte sich nicht genannt In den nächsten Tagen war der Direktor ungemein ernst. Er trug eine dumpfe, erzwungene Ruhe zur Schau es schien die Ruhe vor dem Sturm. Was hat nur der Alte?" fragten die Oberprimaner untereinander Aber keiner wußte Antwort. Am nächsten Montag wurde das Räthsel gelöst. Der Direktor erschien mit den Gedichten in der Klasse, legte sie vor sich auf das Katheder und sah die Schüler lange mit traurigernsten, durchdringenden Blicken an. Am längsten und traurigsten verweilten seine dunklen Augen auf dem gottbegnadeten Dichter Ernst Wichmann. Die Schüler waren in quälender Spannung, und ein Gefühl der Ohnmacht rieselte durch ihre Körper Ich habe Ihre Gedichte gelesen", begann der Direktor langsam und mit dumpfer Stimme. Ich bin dabei von der Meinung zurückgekommen, daß jeder gebildete Mensch einen anständigen Vers machen könne. Verzeihen Sie, es war ein Irrthum." Durch die Klasse ertönte ein schweres Aufathmen aus zehn bedrückten Busen Nur ein Gedicht nehme ich von Msem Urtheil aus. Es hat folgenden Wortlaut." Er las es vor und legte das Blatt besonders. Wieder sah er die Schüler mit einem langen, tieftraurigen Blick an, dann sagte er dumpf: Der Verfasser wird sich heute Nachmittag zwischen vier und sechs freiwillig in meiner Wohnung melden. Nur unter dieser Bedingung soll ihm verziehen sein. Schmidt, geben Sie die Manuskripte zurück!" Was nun folgte, war eine lang?, qualvolle Stunde. Nach Schluß des Unterrichts hielt der Primus mit der Klasse eine Berathung ab. Er überzeugte sich bald, daß keiner seiner Freunde den Vers versaßt und in die Manuskripte eingeschmuggelt hatt?. Folglich konnte es nur eine sein. Das Wort Herdenpoesie" hatte sie verrathen. Also Agathe! Wenn das der Alte erfuhr! O weh! Was konnte dem armen Mädel nicht alles geschehen! Dieser Schlag mußte von ihrem Haupte abgewendet werden. Ein großer Gebanse arbeitete in seiner Brust, und als er das väterliche Haus erreicht hatte, war sein Entschluß gefaßt. Der Direktor saß in seinem Studirzimmer, in großer Unruhe den reuigen Sünder erwartend. Da kurz vor sechs Uhr klingelte es, und nach einigen Sekunden trat Werner Schmidt ein. In sehr gedrückter Stimmung und nicht sehr glatter Sprache legte er das Geständniß ab. den Spottvers gemacht zu haben. Sie also!" Der Direktor bewahrt: seine Ruhe und sah den Schüler nur mit sehr traurigem Blick an. Gerade Sie mußten es sein, für den ich immer noch sehr viel übrig hatte. Und sonderbar! So lange Sie es ernst meinen mit dem Dichten, kommen Sie über ein sinnloses Gestammel nicht hinaus. Ihre Elegie ist zum Gotterbarmen. Sobald es sich aber darum handelt, die guten Absichten Ihres Direktors zu verspotten, haben Sie auf einmal Talent. Nun, ich habe mein Wort gegeben, ich werde es Jhnen nicht nachtragen, aber hüten Sie sich vor dem Dämon, der in Ihrer Brust wohnt!" Kaum war der Primuö gegangen, als Agathe in fliegender Eile nach Sause kam. Sie hatte soeben mit Elfe chmidt gesprochen und von ihr, der
sich der Bruder anvertraut hatte, alles erfahren. Wo ist er? Glaube ihm nicht, Onkel! Er toi!! sich für mich opfern." Der Onkel hörte mit größtem Erstaunen das Geständniß seiner Nichte. Aber, Kind, wie konntest Du mir das anthun?" Du hattest mich mit Deinem Urtheil herausgefordert. Und nun sage, Onkelchen, habe ich die echte dichtensche Potenz?" Der Onkel lächelte. Ihm war auf einmal ganz leichter geworden. Diese Aufopferungsfähigkeit des Primus das war doch auch Poesie, wenn er sie auch nicht in Rhythmus und Reim ausdrücken konnte. Er gab seiner Nichte einen herzlichen Kuß und antwartete: Das kann man nach einem söti9 nocy nicht entscheiden. Frage mich nach dem ersten Bündchen, dann will ich Dir's sagen."
AS dem Tagewerk eines Zahlkellners Der Zahlkellner eines Wiener Cafihes schreibt: Wohl in keiner anderen Stadt ist das Caf6haus so zur Lebensgewohnheit geworden, wie hier in Wien; es dient nickjt nur als Unterbaltungsort, nem, hier werden auch viele Geschäfte abgefchloffen; ja, manchen Gästen ersetzt es beinahe das Kontor. Man kommt zum frühstück, zum Schwarzen, zur Janse" und nicht selten ist es der Fall, daß Abends ganze Familien kommen. Daß an die Bediensteten bei dem Heutigen Comfort und der großen Bequemlichkeit. an welche die Stammgäste gewöhnt sind, auch große Anforderungen gestellt werden, ist nur selbstverständlich und der weit größere Theil der Angestellten müht sich auch redlich ab, ihnen zu entsprechen. Was soll nur z. B. so em Zahlmarqueur nicht alles wissen? Auf die verschiedensten Fragen muß er Auskunst geben können. Da heißt es alle Augenblicke: Sie, Jean, war Herr N. N. noch nicht da? Kommt er bald? Oder glauben Sie, daß er vielleicht heute nicht mehr kommt? Hat er Telephon? Wenn er kommt, so sagen Sie ihm, daß ich ihn dringend zu sprechen wünsche." Oder: Sie, Jean, wissen Sie schon die Rennresultate?" Bedauere, nein." Aber das ist doch merkwürdig! In dem Caf6hause kann man gar nichts erfahren." Ein anderer: Sie, Jean, was rathen Sie mir, soll ich heute nehmen, wissen's. ich fühle mich nicht ganz wohl?" (Ja. ist denn der Marqueur auch zugleich Arzt, um im geeigneten Falle die richtigen Rathschläge zu geben?) Sie, Jean, können Sie mir nicht sagen, wann der nächste Zug nach . geht?" Dienstbeflissen wie immer, holt der Marqueur das Kursbuch, um nachzublättern, wird aber sofort von einem anderen Gaste mit den Worten unterbrochen: Sie, Jean, der Karl hat mir ja heute meinen Kaffee viel zu schwarz gebracht, Sie sollten Ihre Leute doch besser instruiren, damit man sich nicht immer ärgern muß; schaut man so auf die Stammgäste?" Zuvorkommend wird der Gast beruhigt und gleichzeitig gibt man ihm das Versprechen, dem Zuträger tüchtig den Kopf zu waschen. So, nun haben wir's; der nächste Zug geht um 8 Uhr 10 Minuten Abends, den können Sie schon noch erreichen." Aber ich fahre ja gar nicht weg, ich erkundige mich ja nur für einen guten Bekannten." Bitte! Bitte!" Jean, de Herr v. Maier wünscht eine lichte Birginier mit einem dünnen Stroh!" Ja, gleich!" In dem Augenblick, als der Jean die gewünschte Cigarre anbrennen will, kommt athemlos ein Herr auf ihn zu mit den Worten: Sie, Jean, Sie wissen ja alles, habe ich gestern meinen Schirm nicht hier vergessen? Oder bin ich vielleicht ohne Schirm gekommen? Wie, Sie wissen nichts? Sie haben keinen gesehen? Ja, um des Himmelswillen, etwas mehr Aufmerksamkeit könnten Sie emem Stammgast schon schenken!" Bitt, Herr v. Meier, eine lichte Birginier!" So, das nennen Sie licht? Das wird wieder eine nette Cigarre sein usw. usw." Aus diesen kleinen Proben, die man leicht bis ins Unendliche fortsetzen könnte, wird man ersehen, wie geplagte Leute wir Zählkellner sind." Ebbe und Fluth. Ein junger Mann wird von seiner zärtlichen Mama zur Kräftigung seiner durch die Wintervergnügungen stark mitgenommenen Gesundheit nach Italien geschickt. In Monaco verspielt er all' sein Geld und telegraphirt an seine Mutter: Schicke Geld. Portefeuille verloren." Auf dem Rückwege vom Telegraphenamt trifft er einen Landsmann, der ihm 100 Francs leiht, mit welchen der Thunichtgut an's Roulette eilt und 5000 Francs gewinnt Nun sendet er die zweite Depesche: Schicke kein Geld, Portefeuille wieder gefunden." Am Abend spielt er wieder und ist nach einer Stunde o blank wie ein Hering. Er teleraphirt zum drittenmal: Schicke (&lb, Portefeuille zwar gefunden aber nichts darin!" Reserveübung. Unteroffizier: Nun. Posten. Alles ruhig? Poftit: Nein, Herr Unteroffizier, m:in btxi klovft so stark l
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