Indiana Tribüne, Volume 30, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1906 — Page 6

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Dr. Carl Q. Winter Deutscher r,t. saHaaeU alle akute ndl chronisch! rankhette. evezieS Rheumatismus. Rechnn und Frauen'rankheite. Office : 14 weft Ohio Straß. Offtce.Swnden : 1011 Vm. BA Sonntags : 9.9010.90 m. Tel. neu 48 ,tzg : 150 Madiso me Telephone : lt. 02k. Neu. 9282.

Ein Lieöestraum.

Aovklle von Guy de Teramond. Man fasernd sich in den ersten Tagen des Frühlings. Der Himmel war wieder klar und hell geworden. Ueberall sah man in Paris Blumen sprießen, auf den öffentlichen Plätzen, in den Gärten und in den Straßen, wohin sie auf kleinen Wagen in bunten Bündeln gebracht wurden. Alles schien heiter und prächtig. Die Sperlinge, diese Straßenjungen der Vorstädte, verfolgten sich piepsend auf den Bäumen, auf denen die ersten grünen Knospen auftauchten, flatterten durch den grauen Staub der Chausseen, badeten sich fröhlich in den frischen Rinnsalen und schienen glücklich über das Erwachen der Natur, über den hübschen, sonnenverklärten blühenden Lenz. Lolotte riß die Fenster der bescheidenen Wohnung weit auf, die sie mit ihrer Mutter, Madame Biggart, der Wittwe eines im Kriege gefallenen Kapitäns, auf dem großen Hofe einer jener riesigen Miethskasernen inne hatte, in denen die Miether mehrere Jahre Thür an Thür wohnen können, ohne sich zu begegnen, ohne miteinander zu sprechen, ja ohne sich auch nur zu sehen. Sie führte da ein wahres Nonnenleben, eine ruhige und sanfte' Existenz. Sie fragte nicht nach der Außenwelt, kümmerte sich nicht um den Lärm, der von braußen kam, und ruinirte sich ihre schönen, großen, blauen Augen an den feinen Stickereien ihrer Aussteuer. Von den Sorgen der Häuslichkeit erholte sie sich nur an ihrem Piano, denn ohne es zu wissen, war sie eine begabte Spielerin, ja sogar eine Künstlerin, eine geborene Virtuosin. ohne jemals gelernt oder ernsthaft studirt zu haben. Ihre Aussteuer! ... Wenn sie nur daran dachte, konnte sie sich eines Lächelns nicht erwehren . . . Ihr war es. als ob der Prinz Tausendschön von selber kommen würde, wenn sie das endlose Werk nur erst vollendet hätte. Der Prinz Tausendschön! Ach ja es war nicht Ehrgeiz, nicht Stolz, keine dumme oder schlechte Eitelkeit, wenn sie an diesen königlichen Bräutigam dachte. Sie hatte sich noch nicht einmal gefragt, ob er reich fein würde . . . oder jung oder schön ... er war ganz einfach der Mann, den ihr kleines Herz liebte, ohne ihn zu kennen... und sie wartete auf ihn geduldig, weil sie gar nicht auf den Gedanken kam, daß er etwa überhaupt nicht kommen könnte. Dann überraschte sie sich manchmal, wie sie die Augen von ihrer Stickerei erhob und ihrem Traum durch die blaue Unendlichkeit folgte . . . Dann schloß sich das kleine Fenster, das sich ihrem Ideal eröffnet, plötzlich wieder, und sie sah sich wieder in die Wirklichkeit versetzt, vor diesen Horizont von weißen Mauern; sie lachte sich dann selber aus und vertiefte sich wieder in ihre Arbeit. Da unterbrack plötzlich, während sie ruhig arbeitete, der melancholische, langsame Klang eines Violoncells das gewöhnliche Schweigen des großen Hofes. Der Künstler gewiß irgend ein Nachbar fpielte ausgezeichnet. Er spielte mit eigenthümlichem Ausdruck, ließ fein Instrument mit tiefem Ernst erzittern, und Lolotte hatte das Gefühl, als legte er ein Stückchen seiner Seele hinein. Lalala," murmelte Lolotte, indem sie das Violoncell unwillkürlich mit einem leisen Trällern begleitete . . . lalala" ... das Andante aus der Serenade von Beethoven . . . Lalala" . . . wie wunderbar er es auffaßte! Wie er jede Phrase nuancirte! Man möchte glauben, er leidet und weint . . . Tagtäglich zu derselben Stunde begann der Unbekannte auf's neue und ging mit derselben Virtuosität, derselben Sicherheit der Ausführung, demselben tiefen, erschütternden Gefühl von einer Melodie zur andern über, und diese Ablenkung von der Monotonie der täglichen Arbeit warf einen Strahl gesunder Fröhlichkeit in die traurige Existenz des jungen Mädchens. Instinktiv ging sie an ihr Piano, öffnete es und spielte mit so schüchternen Fingern, daß es stumm blieb, die Noten des Violoncellisten eine nach der andern; sie empfand e'ne köstliche Freude, sich mit ihm in dkn Tönen zu begegnen. Nach und nach wurde sie kühner. Die Hammer schlugen starker auf die Saiten. und einmal begleitete sie gedämpft eine ganze Romanze. Dann wuchs ihr Muth, und eines Tages gab sie ihm lustig haä Stichwort. Sie hörte, wie der Künstler einen Augenblick zögerte und offenbar eine.i Stutzpunkt suchte, wo er sich ihrem Rhythmus anschließen konnte, sich dann aber den Tönen überließ und dieses Duett, das das junge Mädchen begonnen hatte, aus der Entfernung fort setzte. Eines Morgens schlug Lolottes Herz zum Zerspringen. An dem Fenster des gegenüberliegenden Hauses stand ein junger Mann. Das war er. Er hatte ein ernstes, trauriges Gesicht, doch die Züge waren regelmäßig und fein. Er gefiel Lolotte. und sie hatte das Gefühl, sie habe ihn sich stets so gedacht, und nicht anders. Doch warum hielt er die Augen hart Uäckig nach dem Hofe gerichtet, warum blickte er nicht zu ihr hinüber? Das war wirklich zu schüchtern. Das junge Madchen hatte ihm zuschreien mögen:

Ich bin es. Ihre Begleiterin ... die Vertraute Ihrer Gedanken und Ihrer Träumereien. Wollen Sie mir nicht wenigstens ein Lächeln spenden, oder bin ich nicht einmal so viel werth?" Zwei oder dreimal lehnte er sich so über den Fenstersims, doch niemals erhob er die Augen zu ihr und sah sie an. Lolotte war empört über diese Gleichgiltigkeit und, um ihn zu bestrafen, schmollte sie mit ihm und öffnete ihr Fenster nicht mehr. Ich hasse ihn. ich verabscheue ihn!" Ihr Piano blieb stum.n. Dann machte sie sich ihre Bosheit zum Vorwurf. faßte neue Hoffnung, begleitete ihn wieder, und nun war es ihr. als zittere sein Instrument, gleichsam zum

Danke, lebhafter und inmger unter dem gefühlvollen Bogen. Und oljr-s sich recht darüber klar zu werden, verliebte sich Lolotte jetzt in den unnahbaren Violoncellspieler. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus; sie mußte erfahren, wer er war. Dann wollte sie ihrer Mutter erklären, daß sie ihn heirathen müßte oder sterben. Eines Taaes, als sie allem hinuntergegangen war, um einige Besorgungen zu machen, trat sie in die Loge der Portiersfrau uttd fragte mit scheinbar harmloser Miene: Was ist denn das für ein junger Mensch, der so schön Violoncell spielt?" Lolotte glaubte, das Herz müsse ihr brechen, als sie erfuhr, warum der junge Mensch sie nicht ansah. Ach," versetzte die Portlersfrau mit mitleidiqer Miene, das ist ein armer. blinder Mensch, und das Spiel ist seine einzige Zerstreuung." A O O O O O Der Liebestraum der kleinen Lolotte war zu Ende. Die verpfändete uillottnc Im Anschluß an die in Frankreich dlante Äbsckaffuna der Todesslraic fragt der Figaro", was dann avi dem beschäftiaungslos gewordenen Henk und seiner Guillotine werdeil solle. Ber dieser (yelegenhett mn ncrt er zugleich an die kaum bekaiinte Thatsache, daß im Iabre 1847 der Henker Sanson. dessen (roßva er den König Ludwig XVI. hinrichtete, in einer verzweifelten Geldnorli die Guillotine versetzte. Es sei hier ein ae'ckoben. daß jener Großvater oft von der Einrichtung des lkönigs er zählte und dabei erwähnte, daß das Fallbeil den Kopf Ludwigs XVI. nicht mit einem Hieb vom Rumvie trennte, sondern das; er auf das Ei sen habe drücken müssen, ehe derHals Wirbel durchschnitten war. Der En sei dieses Mannes nun befand sich, wie gesagt. 1847 in dringender Geld noth und er vermochte seine zahlrei chen Gläubiger, die ihn in denTchll!d thurm führen lassen wollten, selbst durch den Hinweis auf sein Am!, des sen der Staat zu Zeiten dringend bedürfe, nicht zu beruhigen. In dieser Lage kam er aus den Gedanken, um seinen quälendsten Verpflichtungen nachzukommen, die Guillotine zu ver setzen. Ein böser Zufall aber wollte, daß kurz darauf ein Verbrecher znm Tode verurtheilt wurde uud der Henker den Auftrag erhielt, sein Jnstru ment zur Vollziehung der Todesftra fe bereit zu halten. In tödtlichster Verleaenheit lief Sanson zu dem Pfcmdltther. der dies seltsame Ob jekt in Händen hielt, und bat ihn r hentlich, ihm die Guillotine wenig stens für einen halben Vormittag überlassen zu wollen. Aber alle sein? Worte und Bitten waren vergeölicb. und da der Verurtheilte nicht ohat Gllilll.-'tine geköpft werden fcrnnie, so sah Samon sich gezwungen, dem 0o neralprokurator die peinliche Lage, in der er sich befand, Muthnlen. Sofort wurde nunmehr dieGuillotine für den geforderten Preis von 4000 FreZ. ausgelöst. Sanson aber seines Amtes entlassen. Schifffahrt auf dem See Geneza reih. Auf dem aus dem Neuen Tefta ment bekannten See Genezaleih (See von Tiberias), der bis jetzt mir mit Booten befahren wurde, kann man seit einigen Wochen ein stol.'.eö Tampfschiff fehen, das den Verkelu' zwischen den am Ufer des Sees gele genen ünicriaTten vermittelt. i zur Zeit Jesu so verkehrsreichen User. an denen mehrere Apostel als Fischer lebten, sind jetzt ganz verwahrlost und verödet. Am Ostufer giebt es nur zwei bewohnte Dörfer, am &cüufer ist neben der Stadt Tabarye nur das Dorf El-Medjchdel zu nenui". Erst seit den letzten Jahren reqt fiti) neues Leben, besonders seitdem iidi am Cyan Minie eine Kolonie des ka tholischen Palästinavereins Teutsch . V? !A s-rX-.- f. -a sv. - . , la.'.os nieoergrlcissen oar. llra, oa' neueröffnete Schifffahrt hofft man den Verkehr in und mit den Uferor M 1t ten ein wenig zu neven. Der 25jährige Seemann Aloys Steinberq in Hamburg tödtete mit einem Nevolverfchuß die sechsjährige Tochter seines neben ihm woh nenden Bruders R. Steinberg und jagte sich dann eine Kugel durch den Kopf. Die That soll aus Rache ver übt sein, da das Kind in seiner Un schuld eine nicht unwichtige Rolle in dem Zwist mit seinem Bruder gespielt baben soll. Gewisse Pflanzen werden ebenso durch Chloroform affizirt wie Lebewesen.

Die ersten Thränen.

Kumorrske von Al:vin Nömer. Vier Wochen waren sie nun schon verheirathet und lebten noch immer wie die Turteltauben miteinander, trotz all der Prophezeiungen der alten Tanten und mittelalterlichen Kousinen; denn Liesbeth war nach dem feststehenden Urtheil dieses hohen Rathes viel zu verwöhnt und eigenwillig, als daß sie auf die Dauer mit einem Mann mit so tyrannischen Anlagen, wie sie d.'? Amtsrichter Jordan offenkundig besaß, ohne harte Kämpfe austouimen konnte. Aber gab sie sich nun übermäßige Mühe, sich seinem Willen zu fügen, oder hielt er sich zurück, um ihr nicht von vornherein den Geschmack am ehelichen Leben mit ihm zu verderben: der erste große Zwist mit den üblichen verweinten Augen der jungen Frau und den Enthüllungen und Anklagen, den Tyrannen betreffend, wollte nicht kommen. Für Prophetinnen, die etwas auf ihr Renommee halten, ist das immer eine betrübliche Sache, so sehr sich andere Leute und vor allem die Betheiligten selbst, auch darüber freuen mögen. Natürlich übten sie durch die Bank eine scharfe Kontrolle. Es war ja schließlich nicht unmöglich, daß der Unhold sie mit irgend welchen dämonischen Mitteln im Zwang hielt und sie zu einer stummen Dulderin herabwürdigte. Aber so oft sie kamen, Liesbeths Mutter voran, die dem Amtsrichter gleichfalls nicht traute und nur ungern in die Ehe eingewilligt hatte, so oft herrschte die reinste Harmonie in dem jungen Hausstand. Liesbeth sang und lachte, und der Amtsrichter sah aus. als ob er imstande wäre, eine ganze Räuberbande ohne viel Federlesens glänzend freizusprechen. Und dabei hatte Liesbeth doch so nahe an's Wasser gebaut! Die leiseste Rüge daheim, di? geringste Verstimmung, hatte ihr Thränen entlockt. Und auch bei den Romanen, die sie las, vergoß sie nichl wenige der schimmernden Perlen, zumal wenn die Sache ein bischen gefühlvoll wurde. Da er diese Neigung kannte, auch sehr wohl wußte, was die liebe weibliche Verwandtschaft mit ihren Blicken für ihr Leben gern festgestellt hätte, so sorgte er auch nach dieser Richtung hin für die Heiterkeit ihres Gemüthshorizonts und ließ sie immer nur über fröhliche Bücher. Denn es lag ihm daran, auch jeden falschen Verdacht von der Ungetrübtheit ihrer jungen Ehe fernzuhalten. Er bekam denn auch keinen kleinen Schreck, als er eines Mittags, eine halbe Stunde früher als sonst in sein Heim zurückkehrte und seine Liesbeth mit total verweintem Gesicht erblicken mußte. Sie lächelte ihn zwar unter Thränen in reizender Verlegenheit an und wich seiner bestürzten Frage nach der Ursache dieser Ueberschwemmung geheimnißvoll aus; doch als er gar zu qualvoll und verdüstert dreinschaute, nahm sie lustig blinzelnd seinen Arm und führte ihn über den Korridor in die Küche. Da, neugieriger Peter." fagte sie und wies auf ein Schüsselchen mit frisch geriebenem Meerrettich, ich habe Karpfen heute, weil Du schon seit drei Wochen danach geleckert hast! Und das alte beißende Zeug dazu habe ich höchst eigenhändig gerieben! Prachtmädel!" entgegnete kosend der junge Ehemann. Aber in Zukunft mußt Du das doch dem Mädchen überlassen!" Das ist mir nicht appetitlich genug, Bernhard!" erklärte sie. Alles zugegeben. Aber trotzdem! Denke doch, wenn jetzt Tante Aurelie oder Deine Mutter in's Haus kämen!" sagte er, sich bei dem Gedanken förmlich schüttelnd. Was Du nur immer denkst! Ich würde ihnen sagen, woher diese Thränen stammen und " Und sie würden es Dir nicht glauben!" Dann könnte ich sie ja in die Küch? führen und ihre Nasen hineinstubsen in den Berg!" Das fände ich nun wieder nicht gerade appetitlich!" lachte er. Vor allem aber, wenn sie nun eine halbe Stunde später erscheinen und Berg sammt Karpfen sind verschwunden? Dann kannst Du erzählen, was Du willst, sie werden es besser wissen, Dich tief betrauern und mich mit Blicken traktiren, daß ich nachher wie eine Schießscheibe aussehe!" Aber Bernhard!" sagte sie vorwurfsvoll. Ich könnte darauf wetten!" veharrte ir eigensinnig. Um was?" fragte sie lachend. Meinetwegen um die hundert Mark von Onkel Eduard, für die wir uns das Hochzeitsgeschenk selber kaufen sollen!" Ei. fein!" rief sie und klatsche in die Hände. Wer gewinnt, bestimmt! Ich nehme das hübfche Tafelsttvke mit der Weinlaubkante, das wir gestern xtn Schaufenster gesehen haben!" Noch ein Tafelservice?" lachte n. Na. Gott sei Dank, daß Du die Wette nicht gewinnst!" Was würdest Du denn bemmen?" fragte sie. .Wahrscheinlich das Rauchtischchen mit der runden Kristallplatte!" ' O Pfui, wie egoistisch! Aber Du gewinnst ebenso wenig, Du alter Fabrikschlot!" Das bliebe abzuwarten!"

Daran liegt'S ja gerade. Warte doch! Es kommt ja niemand!" In dem Augenblick klingelte es. O Gott, da habe ich den Teufel richtig an die Wand gemalt!" fuhr es ihr erschrocken heraus. Fräulein Maybaum!" meldete das Dienstmädchen, die vorn in der Wohnung beschäftigt gewesen war. Ich komme gleich!" beschied sie die junge Frau. Da können wir ja also die Probe machen! Tante Maybaum ist ein brillantes Versuchskaninchen!" Gut. Ich werde ihr also die Wahrheit sagen! Glaubt sie mir, so habe ich gewonnen! Glaubt sie mir nicht, dann Du!" Bon!" sagte der Amtsrichter und ließ Frau Liesbeth vorangehen. Ein ganz eigenartiges Leuchten ging über das Antlitz Tante Maybaums. als sie die gerötheten Auqen ihrer Nichte erblickte. Man konnte ihr die Genugthuung darüber aus jeder Runzel herauslösen. Wie siehst Tu denn aus?" fragte sie. ihre Stimme in ein Bad von fettem Mitleid tauchend. Du hast ja geweint? Hast Tu einen Streit gehabt? Hat er Dich ungebührlich behandelt?" Nichts von alledem!" lächelte die junge Frau. Meerrettig habe ich gerieben. Wir haben nämlich Karpfen heut Mittag!" Sooo, sooo!" sagte Tante Maybäum und zog die Worte lang wie ein Sirupsfaden. Das solltest Du lieber die Köchin machen lassen. Liesbeth!" Habe ich auch schon gesagt!" bemerkte der Hausherr, der eben eingetreten war und der Tante die Hand schütteln wollte. Sie reichte ihm jedoch kaum die Fingerspitzen und streifte ihn dabei mit einem Blick, der deutlich sagte: Spare Deine Verstellungskünste! Mir machst Du nichts weis!" Ja, Meerrettig ist ein scharfes Zeug!" sagte sie darauf. Und wenn Du's sagst, glaube ich es natürlich! Aber ... hm ... da fällt mir ein, daß ich ganz vergessen habe, den Glaser zu bestellen. Der Wind hat uns nämlich eine Scheibe eingeworfen! Adieu für jetzt. Ich komme ein andermal wieder!" Und nach hastigem Abschied dampfte sie davon. Aetsch, gewonnen!" triumphirte die kleine Frau. Glaubst Du?" fragte er ironisch. Aber selbstverständlich!" Abwarten!" Ja wieso? Sie hat doch ausdrücklich erklärt . . ." Ruhe, mein Schatz! Laß uns essen und sehen, was weiter wird! Geschieht nichts binnen einer Stunde, will ich die Wette als verloren betrachten, obgleich sie auch dann noch nicht vollgiltig entschieden ist!" sagte er lächelnd. Ich weiß nicht, was noch geschehen soll!" entgegnete sie. Aber gut. es soll mir nicht darauf ankommen!" Sie setzten sich zu Tisch und schmausten ihren Karpfen, danach ein paar Schnitte Rinderbraten, zuletzt eine frische Weintraube, bei deren Plünderung sie sich immer gegenseitig die Beeren in den Mund schoben und sehr vergnügt und zärtlich wurden. Plötzlich schrillte die Glocke wieder. Aber es klang wie ein Sturmsignal diesmal, langgezogen und drohend. Sie hatten kaum Zeit, eine gesetzte Miene anzunehmen, da trat auch schon eine weibliche Gestalt mit finster zusammengezogener Stirn über die Schwelle, der eine andre gespannt auslugend folgte. Es war Frau Tonkau, Liesbeths Mutter, und Tante Maybaum. die sie alarmirt hatte. Guten Tag. mein Kind!" sagte Frau Tonkau mit einer Stimme, in der sich Zärtlichkeit und Wehmuth um die Herrschaft stritten. Guten Tag, Mama!" entgegnete Liesbeth. Der Amtsrichter lächelte vergnügt. Aber das Lächeln brachte die lang aufgehaltene Entrüstung über ihn zum Ueberlaufen. Lächeln Sie nur!" blitzte sie ihn an. Deswegen weiß ich doch Bescheid!" Worüber?" fragte er seelenruhig. Denken Sie. wir haben die alberne Geschichte mit demMeerrettig geglaubt, was?" Nicht? Wirklich nicht?" forschte er schmunzelnd. Das ist mir aber lieb zu hören! Liebe Liesbeth, gewonnen habe ich!" Ach, Mama, warum hast Du Dich blos so nasführen lassen?" klagte die junge Frau mit einem komischen Seufzer. Nun kann ich mir das hübsche Service nicht kaufen, und er bekommt den dummen Rauchtisch!" Es war nämlich diesmal wirklich vom Meerrettig, liebe Tante Maybäum!" erklärte der Amtsrichter. Aber ich danke Ihnen, daß Sie mir die Wette haben gewinnen helfen!" Gewettet habt Ihr?" fragte verdutzt die Schwiegermama. Ja, um was denn?" Ob Tante Maybaum mir glaubt, wenn ich ihr die Wahrheit sage oder nicht! Nun habe ich richtig verloren!" berichtete Liesbeth maulend. Was sind das für Narrenspossen! Das heißt doch, die Menschen zum Besten haben!" tadelte Frau Tonkau. um ihre Verlegenheit zu verdecken. Natürlich!" sagte der Hausherr. Tante Maybaum hat Sie doch richtig um Ihren Mittagsschlaf gebracht! Ein andermal wird sie vorsichtiger sein und ehrlichen Leuten Glauben schenken." So wurde die verdutzte Tante Maybäum feierlich zum Sündenbock erklärt. Denn auch Liesbeth konnte. eS

sich nicht versagen, ihr überlegen zu er, klären: Wenn die Thränen eine andere Ur fache gehabt hätten, wärest Tu die letztt gewesen, von der ich mich hätte bliesen lassen, liebe Tante! . . ." Dieser Triumph aber gefiel dem verliebten Amtsrichter so, daß er hinginc und nicht den Rauchtisch, sondern da Service mit der Weinlaubkante kaufte. Die Schnake. Vw schlimme Quälqcist der Mensche Die Keinde des Insekts. Ueber die Schnake oder gemeine Stechmücke schreibt ein Berichterstatter vom Rheine: Von Jahr zu Jahr wird die MückenPlage größer. Alle Maßregeln dageen helfen nichts. Das Gleichgewicht m der Natur ist nun einmal gestört; denn die erfolgreichsten Bekämpf der Schnake, die insektenfressenden Singvögel, haben sich in erschreckendem Maße vermindert. Die gemeine Stechmücke ist um den Hinterleib geringelt und hat oorn am Kopf einen borstigen Rüssel. Die durchsichtigen, ab und zu ein wenig in den Farben des Regenbogens glitzernden Flügel liegen in der Ruhe flach auf dem Leibe. Das Männchen hat außerdem noch einen besonderen Kopfschmuck, nämlich Fühler in Gestalt von schwarzen vielgliedrigen Federbüschen. Ihre Larvenzeit verbringen die Schnaken im Wasser, in stillstehenden Pfützen, Wasserbecken. Mistjauchenlöchern. Dort hängen sie zu Millionen an der Wasseroberfläche, und zwar umgekehrt, sodaß das Athemrohr nach oben und der Kopf nach unten gerichtet ist. Die Kinnbacken befinden sich in stetiger Bewegung, wodurch ein Strudel erzeugt wird und der Mundöffnung kleine Schmutztheilchen zugeführt werden. Bei gefahrdrohender Erschütterung der Wasseroberfläche sinken die Larven zu Boden unter schlangenartigen Windungen des Körpers, der die Form eines Fragezeichens annimmt. Ist die Wasseroberfläche wieder ruhig geworden, dann kommen die kleinen Taucher, einer nach dem anderen, wieder vom Grund des Wassers herauf und hängen sich mit dem Athemrohr von neuem an der Oberfläche der Pfütze auf. Ihre größten Feinde sind die Enten, insbesondere die jungen, die das ganze Wasser mit ihrem Schnabel durchschnattern und dabei der Mückenlarven habhaft werden; die ausgewachsenen Insekten werden insbesondere von den Haus-. Stall- und Mauerschwalben gefangen. Am unangenehmsten wird die Schnake in der Nacht. Am Tag, wo das Thier den Mnschen ja auch zu allen Stunden, mit Ausnahme der heißesten Mittagszeit belästigt, kann man sich schließlich seiner noch erwehren. Aber im Schlaf hört man nur das dohe zischende Surren, mit dem das Geschöpf am Ohre vorbeifliegt; man schlägt auch wohl, dumpf im Schlaf befangen, ärgerlich nach dem Musikus, aber ohne ihn zu treffen; nun setzt sich das Thierchen unverzagt auf ein Stück freie Haut und fängt an zu faugen. An der Stelle entsteht nachher eine juckende kleine Beule, und unter der Haut zieht sich eine wässerige Flüssigkeit zusammen. Die Wunde der bei seiner Nahrungssuche" etwa todtgeschlagenen Stechmücke schmerzt nachträglich mehr, wenn der Rüssel des Insekts in der Wunde stecken bleibt, als wenn man das Thier sein Beginnen zu Ende führen läßt. Zur Abwehr der Schnakenstiche in der Nacht nützt kein Mittel, auch nicht die moderne Tarnkappe aus Gaze. Denn schließlich kommt ein Thierchen doch irgendwo durch, abgesehen davon, daß ein Gazeschleier bald Löcher bekommt, und ist nun das Thierchen emal so weit, dann bleibt es auch ganz sicher unter dem Netz und quält den Menschen unfehlbar. Geht man Morgens oder Nachmittags in den Wald, z. B. in den Kiefernwald Leniaforst bei Mainz, so findet man ihn dick voll liegen" von Schnaken, und blutdürftig stürzen sie sich auf die Waldbesucher, insbesondere die HöcZerweiber, welche die Morgens in der Frühe herabgefallenen Kienäppel" (Früchte der Kiefernbäume) holen. Verzweifelter Kampf mit Adlern. Der Gemsenjäger Heß von Engelberg im schweizerischen Kanton Unterwalden wollte ein Adlernest auf einem Felsen ausnehmen. Ungefähr 30 Meter von dem Neste entfernt legte er seine Flinte fort, weil diese ihn am Klettern behinderte. Kaum hatte er sich dem Neste genähert und Wollte die beiden jungen Thiere heraus nehmen, da schössen von einer Höhe die beiden Alten herab und griffen den Jäger heftig an. Zwanzig Minuten währte der erbitterte Kampf, und schon verließen Heß die Kräfte, als es ihm gelang, dem männlichen Thiere einen tödtlichen Stich zu versetzen, während das weibliche floh. Obwohl Heß aus mehreren Wunden blutete, gelang es ihm doch, einige Stunden später mit seiner Beute Engelberg zu erreichen Das Aussangen der Königin. Soll aus einem sehr volkreichen Stocke die Königin ausgefangen werden, so hänge man die Waben auf mehreren Wabenstöcken recht weit auseinander, mache das Bienenhaus, fo gut es geht, dunkel und betrachte sich nach einiger Zeit die Waben. Die Königin wird dann auf derjenigen sein, wo die Bienen am ruhigsten sind.

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