Indiana Tribüne, Volume 30, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1906 — Page 3
Jndian Tibüne, . Oktober 1906
Gasexplosion
Erschüttert ein ganzes Sttaßengcvicrt vvd zertrümmert zahllose Glasscheiben.
Großer Dampfer fitzt seft. Drei Amerikaner zum Tode vernrthnlt. Deukfteiu für Dr. Kellner. Gefahrlose Höllenmaschine. Poftdienst in den Landdiftrikten. Nässe schadet der Landwirthschaft. Betrunkener Farmer verletzt Fran tödtlich. Schwere Beschuldigungen erhoben.
Gewaltige Gasexplosion. Philadelphia. Pa., 5. Okt. Acht Personen wurden heute get übtet und über dreißig schwer verletzt bei einer GaS'Explofion im Tunnel der Market und Sechsten Straße. Hohe Gebäude geriethen von der heftigen Ezploston in's Wanken und in allen Häusern nach jeder Dichtung ein Straßengeviert weit wurden alle Fenster zertrümmert. Die Straße sank ein und aller Verkehr mußte unterbrochen werden. Gleich nach der Explosion brach in mehreren Plätzen Feuer aus, das aber bald ge löscht werden konnte. Ein starker Sie g en hatte während der letzten Nacht den Tunnel fast unter Waffer gesetzt und als heute Morgen die Arbeiter der United GaS Jmprovement Somp. an die Arbeit gehen wollten, entzündete sich das im Tunnel angesammelte GaS, welches einer beschädigten Leitung röhre entströmt war, und explodirte mit einer durch die ganzen Stadt hör baren Detonation. Der Schaden be trägt über 8300,000. GroßerDampfersitztfeft. New York. 5. Okt. Der große neue Dampfer Bermudian" der Que bec DampfschifffadrtS.Gesellschaft. der zwischen New York und Bermuda regel mäßige Fahrten macht, lief heute auf eine Dreckbank im Buttermilch'Kanal in der Nähe von Eüd'Brooklyn im hie ftgen Hafen und blieb stecken, als er nach seinem Dock im Nord'Fluffe fuhr. Er hat 160 Paffagiere an Bord und eine reiche Ladung. Alle Versuche der starken Schleppdampfer den Bermu dian" abzuschleppen, blieben erfolglos, da er bei hoher Fluth aufgefahren ist. Drei Amerikaner zum Tode v e r u r t h e i l t. El Paso. Tex.. 5. Okt. In Chi huahua hat das mexikanische Gericht das Todesurtheil gegen die Amerikaner Richardson, Harle und Mason beftü tlgt. Die drei find überführt, zwei Männer, Namens Mitchell und DeverS. um deren Versicherung willen ermordet zu haben. Richardson und Mason tra ten als Agenten auf, Harle spielte den untersuchenden Arzt. Die drei Mör der waren vor vier Jahren in El Paso verhaftet und nach einem langen Rechts streit an Mexiko ausgeliefert worden, ichardson heißt eigentlich LeSlie Hurl but und war einst Rechtsanwalt in Ro chefter. N. Y.; Mason heißt Mitchell und ist HurlbutS Schwager; der ermor dete Mitchell war sein Bruder. Die Delinquenten werden durch Pulver und Blei hingerichtet werden. Denksteins? D r. tt e l l n e r. Philadelphia, Pa.. 5. Okt. Morgen, den 6. Okt., wird für das Deutschthum Philadelphias eine denk würdige Feier des Deutschen Tageö bringen, indem am Nachmittage der von den Deutschen der Stadt auf der letzten Ruhestätte des unvergeßlichen deutsch amerikanischen VolkSmanneS, Journalisten. Redners und Führers sowie Mitbegründers des Deutschen TageS, Dr. G. Th. Kellner, im Mount Bernon Friedhofe errichtete Denkstein unter entsprechenden Feierlichkeiten ent hüllt und Abend in der Hallt der Deutschen Gesellschaft die eigentliche Feier deS Deutschen TageS begangen werden wird. Brücke bricht zusammen. M e n o m i n e e , Mich., 5. Okt. Ungefähr fünfundzwanzig Studenten der Hochschule von Oconto, WiS., gingen heute über eine Brücke des Oconto FluffeS und nahmen die wundervollen Oconto.Wafferfülle in Augenschein, als die Brücke zusammenbrach und die Studenten 40 Fuß in die Tiefe stürz. ten. Der vierzehnjährige William Ballou wurde getbdtet, drei andere Studenten und Profeffor Newcomd wurden wahrscheinlich tödtlich verletzt. während die übrigen nur unbedeutende Schrammen erhielten. Das Waffer unter der 200 Fuß langen Brücke war nur drei Fuß tief und Niemand er trank.
Gefahrlose .Höllenma s ch i n e.HarriSdur g, Pa., 5. Okt. Un ter den heute für Gouverneur Penny Packer eingelaufenen Postsachen im neuen Staat?. Kapital befand sich ein kleines, drei Zoll im Quadrat großes Packet, welches den Verdacht des ClerkS Lynch erregte, weil dasselbe mit ZettungSauSschnitten beklebt und mit gelbem Seidenband umwickelt war. Eine Höllenmaschine in dem Packete befürch
tend, warf Lynch dasselbe in einen Eimer mit Waffer und ließ es mehrere Stunden durchweichen. Später wurde das Packet geöffnet und man fand da rin eine leere Patrone, welche mit schwarzem Pulver bestreut war. Die Höllenmaschine- ist wahrscheinlich von einem Spaßmacher an Gouverneur Pennypacker abgeschickt worden, da die selbe gänzlich gefahrlos war. PoftdienfiindenLand. d i st r i k t e n. Washington , D. C.. 5. Okt. Aus einem heute erstatteten Bericht des vierten HülfS.GeperalpoftmeifterS De Graw über den Dienst der unentgelt lichen Ablieferung von Briefen in den Landdiftrikten ist ersichtlich, daß seit der Einrichtung dieses Dienstes 54.120 Ge suche um weitere Ausdehnung desselben eingereicht und 15,056 davon abschlügig beschicken worden find. Die Zahl der Poftrouten war am 1. Oktober 36.566; in Schwebe befanden sich 2424 Gesuche. Der Rest der Be. willigung für neue'.. Dienst während des laufenden Jahres ist S1.479.365. Nüsse schadetderLand wirthschaft. N a s h v i l l e, Tenn., 5. Okt. In Tenneffee ist den Farmern empfind licher Schaden durch die schweren Re gengüffe zugefügt worden, welche seit vierzehn Tagen kein Ende nehmen wollen. Der Boden ist so naß. daß noch kein Weizen hat gesüet werden können, der noch stehende Mais hat sich gelagert und fault und auf den Baumwollfeldern wächst der Samen in der Kapsel aus, wodurch die Baumwolle, welche auch schon viel Lager zeigt, stark leidet. Seit acht Tagen regnet eS im ganzen Misfissippithal und MaiS und Baum wolle haben schon überall darunter gelitten. In Mississippi wird die Ber. Minderung deS Ertrages der Baum wolle in Folge der schweren Nieder schlüge auf 25 Prozent geschützt. Betrunkener Farmer ver l e tz t F r a u t ü d t l i ch. L i t ch f i e l d, Jll., 5. Okt. Alonzo CurtiS. ein wohlhabender Far mer. welcher drei Meilen von hier wohnt, brachte gestern Abend in be trunkenem Zustande seiner Frau leben, gefährliche Stichwunden im Gesichte, Nacken und Körper bei. Er wehrte Nachbarn, die von seinen beiden Töch tern herbeigeholt wurden, mit einer Flinte ab und durchschnitt sich sodann, als dieselben Verstärkung herbeiholten, die Kehle durch. Schwere Beschuldigungen erhoben. N e w I o r k, 5. Okt. Dr. Ra. val Amador, der Generalkonsul von Panama und Sohn des Präsidenten dieser neuen Republik, wurde aus Be treiben der Frau William Greshom, der Wittwe des Eontredmirals FriS bee, verhaftet. Er wird des Bruches eines Eheversprechens beschuldigt und außerdem erhob Frau Gresham, welche seit 18 Monaten mit Dr. Amador be kannt ist, andere schwere Beschuldigun gen gegen denselben. Dr. Amador stellte vor Richter Wyatt $500 Bürg schaft. Bei dem heute im Süden an der Küste deS mexikanischen Meerbusen wüthenden Orkane wurden sieben Per sonen in der Nähe von New Orleans, La., getödtet. Edenfalls sollen mehrere Menschen bei St. JameS und West Baton Rouge um'S Leben gekommen sein.
Im Kontrakt-Wegc Soll der Panama -Kanal erbaut werden.
Washington, D. C., 5. Okt. Der Vorsitzer der PanamaKanal Kommission, Herr ShontS, ist provl sortsch zu der Entscheidung gelangt, daß der Panama Kanal im Kontraktwege gebaut werden sollte. Die definitive Entscheidung der Ka naldeamten über die Methode deS Baus wird in einigen Tagen erwartet. ShontS hatte eine lange Konferenz mit Präsident Roosevelt, in welcher diese und andere, den Kanal betreffen den Fragen einer eingehenden Er örierung unterzogen wurden. Dem Präsidenten ist viel daran ge legen, daß über alle Fragen deS Ka nalbauS sobald als möglich entschieden wird, damit die faktische Arbeit deS Baus soviel al möglich beschleu nigi werden kann. ShontS und der Chefingenieur StevenS haben viele Wochen lang an dem Plane des Baus der großen Was serftraße im Kontraktwege gearbeitet und Spezifikationen für die Arbeit vor. bereitet, die jetzt geprüft werden, ehe zum öffentlichen Ausschreiben zum Ein reichen von Angeboten für die Arbeiten geschritten wird. ChaS. E. Magoon, ExGouverneur der Kanalzone, hat sich über die Kanal arbeiterFrage dahin auSgelaffen. daß der JamaicaNeger wahrscheinlich einen tauglichen Arbeiter abgeben werde. Die Klagen, welche über Jamaica Neger als Arbeiter bisher stets geführt seien, beruhen nach seiner Ansicht darauf, daß die Leute nicht richtig behandelt worden sind und durch Nicht versiehe der amerikanischen ArbeitS ausdrücke viele Fehler gemacht haben. Im ganzen aber find sie nach des Ex Gouverneurs Erfahrungen durchaus intelligent, können lesen und schreiben und sind sogar leidenschaftliche Brief schreib, wie er selbst hat erfahren müffen. Streiker greifenStreik brecheran. Fort William, Ont., 5. Okt. Eine Anzahl bewaffneter Fracht verlader.Streiker, größtentheilö Grie chen und Italiener, umringten gestern das hiesige KofthauS der Canadian PacificBahn, in dem etwa 50, von Winnipeg hierhergebrachte Sinke breche? Unterkunft erhalten hatten. Das KofthauS wurde von 20 Polizisten der Bahngesellschaft vertheidigt. ES kam zum Kamps, in dessen Verlauf ein Po lizift und mehrere der angreifenden Streiker Verletzungen davontrugen. Truppen warten auf Ein s ch i f f u n g. N e w p o r t News. Va., 5. Okt. Mehr als 2000 Soldaten find hier in einem Lager oberhalb der Stadt ver sammelt und warten auf Einschiffung nach Euba. De? TranSportdampser Tampa" kam heute hier an und wird morgen früh' nach Havana abfahren, nachdem er während der Rächt das Hospital CorpS und andere Truppen an Bord genommen hat. Die anderen Truppen werden im Laufe der nächsten Tage eingeschifft werden, sobald die TranSportdampser hier ankommen. Geistesgegenwart rettet sein Leben. K a n s a S City, Mo., 5. Okt. Der Maurer John Michaelson fiel heute von einem Neubau fünfzehn Stock werke hinab. Als er ungefähr in der Mitte seines Falles angekommen war. bekam er eine herabhängende Leine zu erfassen und hielt sich fest. Er kletterte darauf bis in's nächste Stockwerk und brachte sich gänzlich unverletzt in Sicherheit. Feuer verursacht großen Schaden. Minneapoliö, Minn.. 5. Oktober. Ein von starkem Winde an gefachte Feuer vernichtete heute Abend das große Gebäude der Hennepin Laun dry Company und zwei benachbarte Logirhüufer. Eine unbekannte Frau verbrannte in einem Zimmer eines der Logirhüufer, und zwei Feuerwehrleute, welche die Frau r?tten wollten, wurden erheblich verletzt. Der Feuerschaden beläuft sich auf faft $200,000. Das amerikanische Transportschiff BrutuS", welches am 30. September in beschädigtem Zustande von Singa Pore in Colombo, Ceylon, eingetroffen war, hat nach Vollendung der erforder lichen Reparaturen die Fahrt nach den Ber. Staaten wieder ausgenommen..
Allerlei kleine Depeschen.
5. Oktober. Das Bundesschlachtschiff WiS consin" langte heute in Honolulu, von Yokohama kommend, an. Rear.Admiral Brownson'S ttreu zergeschwader ging heute in der Pha leronBucht bei Athen, Griechenland, vor Anker, In China müffen die Püffe für Reisende mit dem Ballen der Hand, der mit feiner Schwärze überzogen wird, unterzeichnet werden. Der amerikanische Gesandte Gum mere, welcher am 27. September in FeS ankam, wird am nächsten Montag seine erste formelle Audienz beim Sultan von Marokko haben. Ein Nestor der Prege, Dr. Geo. W. Pratt, seit 55 Jahren Herausgeber und Redakteur des Corning Journal", ist im 86. Lebensjahre in Corning, N. Y., gestorben. In LoS Angeles, Sal., hat Jo seph Diffufi, ein bekannter Musiker, Selbstmord begangen. Anhaltend kör perliche Leidm sollen ihn zur Verzweif lung getrieben haben. In Newark brachen acht Straf linge aus dem Liking County.Gefüng niß iauS, nachdem sie den Schließer Christophe? Galvin überwältigt und in eine Zelle eingesperrt hatten. In dem Dutchman Kohlenberg, werk bei Bloßburg, NeuMexiko, wur den bei einer Explosion heute fünfzehn ttohlengräber auf der Stelle getödtet und faft hundert schwer verletzt. Ein Streik von 1500 Arbeitern der Kohlengruben in Springhill. N.S., steht für kommenden Montag in Aus ficht, wenn die von denselben verlangte Lohnerhöhung nicht bewilligt wird. Achtzehn Studenten wurden in Chicago von der Lake Forreft Hoch schule ausgeschlossen, weil sie sich wei gerten, eine Verpflichtung, keine Fuchs Prellereien mehr vorzunehmen, zu un terzeichnen. Der Sultan der Türkei empfing heute offiziell den zum amerikanischen Botschafter bei der Hohen Pforte er nannten Herrn Leishman und Letzterer überreichte dem Paddischah seine Be glaubigungSpapiere. In Folge einer Herzkrankheit ver starb plötzlich in Bridgeport, Conn., der Rektor der dortigen Christ EpiS copal"Kirche. Der Geistliche fiel, von einem Spaziergange nach Hause kom mend, todt zu Boden. Bevor das 11. BundeS'Jnfan terieregiment heute Fort Ruffell bei Cheyenne. Wyo., verließ, um in New Port News nach Cuba eingeschifft zu werden, desertlrte fuß der dritte Theil der Mannschaften. Ein Deserteur wurde in der letzten Nacht schwer ver mundet und ist in'S Hospital geschafft worden. Die Beerdigung einer Haut. Ter Vizckönig von Tsefchuan ist hocherfreut, die Haut des Dtejors Schi'Wen.Ming gefunden zu haben. Der chinesische Major war bei einem Auftrage, den ihm die Regierung ertheilt hatte, ermordet worden. In dem Tempel Sanpilin schienen vor zehn Jahren merkwürdige Juftände zu herrschen. Tie Regierung wollte sie untersuchen und entsandte zu die fern Zweck einen Hauptmann, der mit seinen Söhnen von den Mönchen er mordet wurde. Man schickte NUN mehr den Major Schi nach dem Klo ster, um dort nach dem Rechten zu sehen. Die Mönche erschlugen ihn ebenfalls und zogen ihm die Haut ob, um täglich auf ihr herumzutreten und auf diese Weise der Regierung zu verstehen zu geben, daß sie sich nicht fürchteten. Diese Haut ist nunmehr in einem Gefängnisse in Tfchinlau gefunden worden. Sie soll mit hohen militärischen EHren auf der Spie des Berges begraben werden. Zum Gedächtniß des MaforS ätfrd ferner über ihr ein Tempel errichtet, um zu zeigen, wie patriotische Männer aud) nach dem Tode zu ehren sind. Was aus den Mönchen wurde, sagt der Shanghai-Mrcury nicht. Man kann aber annehmen, daß ihnen nach chinesischer Art der Justiz ebenfalls daö Fell über die Ohren gezogen wurde. Weißer wollte allein Neger lynchen. In Louisville, Ky.. versuchte ein gewisser Klaudius Keelin einen Neger Namens Lmdsey. der irgendwie Keelins Aerger erregt hatte, auf eigene Faust zu lynchen. Er hatte den Neger bereits an eineni Stricke, der an einem Balken beftsriHt lvar, hochgezogen, als Leute dazu kamen und den Schwarzen befreiten. Das große Indianer, dorf Catacaos in Peru stellt die besten und theuersten Panama-Hüte her.
Snarchiflenkolonie.
Ein eigenartiges Grulcinwese in Belgien und sein Zweck. vegrndg und "tarne c Molonie heit deS Handelns und GütGischft. Vescheiden Einrichtungen URufjcfiunvctt. Saftsrenndschast Belehrnnge. Ueber eine Anarchistenkolonie in Belgien schreibt ein Berichterstatter dem Berliner Tageblatt": In dem eine halbe Stunde von Brüssel gelegenen Ort Stocke! steht inmitten von Acker- und Gartenland, von Baumgruppen beschattet, auf einer herrliche Ausblicke gewährenden Anhöhe ein halbverfallenes Haus, das Anarchisten beherbergt. In's Leben gerufen wurde diese Kolonie im April 1905. Ihr Begründer war der Belgier Emil Chapelier. Ohne Gottesglauben, ohne Gebote und Verbote, ohne Scheidung in Herrscher und Beherrschte wollen diese Weltumftürzler in Arbeit- und Gütergemeinschaft ein glückliches Leben miteinander führen, blos nach den Vorschriften, welche die Nächstenliebe und die Vernunft geben. Mit den bombenwerfenden Anarchisten der That'' aber wollen sie nicht verwechselt werden, obwohl sie an deren schließlichen Erfolg glauben. Ihre Kolernte nennen sie das Experiment Jeder Erwachsene der Kolonie, gleichgiltig ob Mann oder Weib, gebildet oder ungebildet, jung oder alt, ist voll- und gleichberechtigt. Jeder kann thun und lassen, was er will. Es gibt keinen Arbeitszwang, allein es obliegt dann jedem einzelnen, der arbeiten will, den Erlös der gemeinschaftlichen Kasse abzuliefern. Diese Anarchisten kennen kein Oberhaupt; Beschlüsse, die das Gemeinwesen angehen, müssen Stimmeneinhelligkeit haben, um giltig zu sein. Ob sich ein Pärchen legitim oder illegitim verheirathet, kümmert die anderen nicht; doch erscheint allen die freie Ehe reiner, edler und praktischer, da so eine Trennung ohne weiteres erfolgen kann, wenn Kamerad und Kameradin einander nicht mehr lieben sollten. Die Kolonisten von Stocke! sind Vegetaner und fristen ihr Leben Hauptsächlich durch Acker- und Gartenbau, sowie Geflügelzucht. Den Ueberschuß verkaufen sie nach Brüssel. Ab und zu zieht einer, der ein Handwerk versteht, für kurze Zeit auf Arbeit fort und bringt dann freudig den Erlös heim. Die Einnahmen werden zur Begleichung der Miethe, Anschaffung von nöthigen Werkzeugen, Materialien, Vikwalien und zum Ankauf von Büchern verwendet. Das eine Haus beherbergt alle Kolonisten. Der größte Raum des Hauses dient als Küche, bei ungünstiger Witterung oder Jahreszeit auch als Versammlungsort der Kolonie. Diese gute Stube" ist ärmlich eingerichtet, aber auf den Schränken und Tischen sieht man allerhand Kunstgegenstände. Die Wände sind mit Oelbildern. Zeichnungen, Stichen und bemalten Tellern geschmückt. Ein primitives Gestell trägt eine kleine Biblioihek. Thatsächlich herrscht Friede und Freundschaft unter den zehn erwachsenen Kolonisten: drei Paaren und vier von Liebesfesseln noch freien Männern. Alle betrachten die vier Kinder, die im Hofe und Garten unter hellem Geschrei umhertollen, als ihre gemeinschaftlichen, als Koloniekinder. An schönen Sommerabenden, nach gethaner Arbeit und nachdem die in weitgehender Freiheit aufwachsenden Kinder zu Bett gebracht sind, sitzen im Hofe die Großen im traulichen Gespräch, das manchmal banale Dinge betrifft, manchmal einen höheren Flug nimmt. Mitunter wird Unterricht in der sogenannten Weltspräche Esperanto" ertheilt. Tagsüber sprechen Besucher von nah und fern vor; die einen voll Neugierde sie wollen das Leben ud Treiben der Narren von Stocke!" beobachten die anderen voll Wißbegierde sie wollen prüfen, ob es wirklich durchführbar ist, daß Menschen unter Verzieht auf jegliche, Jahrtausende hindurch erprobte Staats- und Familienordnung gut miteinander auskommen, ja ein angenehmes, freundschaftliches, glückliches Leben führen. Es gibt auch Gäste, die blos erscheinen, um sich einen unentgeltlichen Imbiß zu verschaffen. Denn die Kolonisten lassen sich, obgleich sie arme Leute sind, dies nicht bezahlen. Wer für den Kaffee oder das Glas Milch danken will, der wirft etwas in die Sparbüchse, kauft einige Ansichtskarten oder anarchistische Broschüren zu 10 Centimes (1 Franc gleich 100 Centimes gleich 19.3 Cents) das Stück oder erwirbt für 1 Franc einen vom Kolonisten Marin bemalten Teller. An jedem Sonntag Nachmittag hält einer der Männer vor dem Haust einen Vortrag über Ziele und Zwecke der Kolonie. Manchmal finden sich bis zu 400 Zuhörer ein. meist Bauern und Bäuerinnen aus der Umgebung, die den Ausführungen andächtig folgen. I n Belgien, wo öffentlic' Bibliotheken so gut wie unbekannt sind, gibt eS 190.000 Gasthäuser und Schankstätten. d. h. je ein solches Etablissement für 36 Einwohner oder je eine Schankstätte für 12 Männer unter 17 Jahren, den Gastwirth mit eingerechnet. In den letzten 50 Jahren ist dort die Zahl der Bevölkerung um 50, die der Schankstätten dagegen um 258 I Prozent gestiegen.
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