Indiana Tribüne, Volume 30, Number 33, Indianapolis, Marion County, 1 October 1906 — Page 6

I

"

m

MaBMaMBMMHnBnMaMMaMMMBiiMaaM ' C -ammmmmmmimx-m-; Mim-iw

Möbel, Teppiche, Ofen und ausausftattungen. Da neueste und vollständigste Lager der Stadt. Die mähigftm Preise, welch je für Waaren st Klaffe langt wurden. Gin Besuch in unserem Ver, kauflotale wird sich für Sie bezahle. Sie werden zuvorkommende Behandlung halten. WILLIG'S 141 Weft Washiugtou Str. Beachten Sie unser Schaufenster für MontagS oder Freitags Bargains. F. J. Hack & Co. Saus- und Schilder Maler. eoratton. und' KreSeo Maleret, eemerte AuSftaffirnug. ...26 Kentncky Avenne... Neues Televbon 172. jHflffHMffMHMHMWWMMMHMHM l "I AM F0R W0MEN" Water Motor WashingMackraes Cor. Noble and Michigao New Phone 11Z Maas Bros. INDIANAPOLIS BREWIN6 CO. Düsseldorfer. . DaS Vier, welches auf der Weltausstellung zu St. LouiS den Preis Hielt als Der Welt Standard Für Vollkommenheit In Ptnts und Quarts, Flaschen Dep't. Tel. 578 und 690 Indianapolis Brewing Co Dr, A. E facter Teutscher Thier.' Osstee: Schellhouse'iLeih-StaU 38 0 bn Telephone?: eu. 36 It. Main nea Wohnung: 142 Süd eridi. tr.tc. Neuer 'Phone 9S Aerzte. Dr. j. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectum Krankheiten, Office : 1 5ö Oft Market St. Tel 941 Offt' Stunden: 9 bis 10 Uhr Sin., 2 diS 4 Uhr Nm Dr. I. Herbert G. tit bet Univerfitatkklinik in Wien und kaisnl. MlUär.r,t Spezialität : Geschlechts uud Hauttrankhciten Office ! Dau Vorhi Tedaude. 120 ift Ohio tr. Sprechstunden: 9-11 Vm.. 2-4 Nm., 7-S Adenk New Telephon? : Osfice 4449, Wohnung 97. Dr. Paul F. Mllttm, Mraktischer Arzt nrnb jQjBSfe Sprechstunden: 11.00 i.so 2,30 4.00 täglied Sonntag: Ans Verabredung. Willoughby Gebäude, 994 motb kridin trße Tel.. Main 4414. ghaung: 1 Nord NemZJerfey Str. Telephon: Maln i; fn Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. handelt all akut nd'.chronischIrakhett, Eveziell Rheumatismus. Rectumund Frauen-Krankheitt. Osfice : 14 weft Ohio Straß Office, Swnden : 1011 Bm. 34 onntagS : .3010.30 Bm. Tel. neu 48 ,!) : 1250 Madifon ven Telephone , lt. 2025. Neu, 9282,

Europäische Nachrichten.

J$xoxin& ffoxmnevxu Stettin. Vor kurzem ist der 10jährige Sohn des Schiffers Gollin aus dem Kahnanhang, in welchem der Knabe fpielte. in die Oder gestürzt und ertrunken. Dle Lelche des Verunglückten wurde später aufgefunden und in die Schauhalle des Hauptfried Hofes geschafft. B u b l i tz. Einen schweren Unfall erlitt die Ehefrau des MühlenbesitzerS Schramm auf hiesigem Abbau. In der Futterkammer des Schweinestalls. welcher unterkellert war, war die Frau mit dem Zubereiten von Schweinefutter beschäftigt. Plötzlich brach sie durch und fiel in den ca. zwei Meter tiefen Keller und in diesem derart auf ein aufrecht stehendes Brett, daß sie einen Bruch von drei Rippen m der linken Brustseite sich zuzog, auch tst ern Lungenflügel eingerissen. Freienwalde. Der 41jährige Weichensteller Lehmann Hierselbst wurde an seinem Geburtstage von einem Zug todtgefahren. Die Räder gingen ihm über Gesicht und Unterschenkel. Der Tod trat sofort ein. G r o ß-S ch w i r s e n. Pastor a. D. Schwantes, der 33 Jahre hier gewirkt hat, ist in Köslin gestorben. Die Kaiserin hat der Hebamme Emilie Radtke geb. Küter Hierselbst für langjährige treue Pflichterfüllung die Goldene Verdienstbrosche verliehen. K o l b e r g. Einen schrecklichen Tod fand hier die vierjährige Tochter Bertha des Droschkenbesitzers Henke. Die Kleine war mit ihrer Mutter zur Rolle gegangen, sollte aber mit ihren Geschwistern wieder nach Hause gehen. Dies that sie nicht, sondern setzte sich in die Wandöffnung, welche den Kasten der Wäscherolle aufnehmen soll. Ein Knabe, welcher hiervon keine Ahnung hatte, setzte die Rolle in Beweaung und der Rollkasien quetschte dem Kinde die Brust, sodaß Herzschlaa ewtrat. Der Tod trat bald darauf ein. P i n n o w. Hier ertrank beim Baden der 12jährige Sohn des Eigenthümers Janke. Der 5rnabe wollte über einen Tümpel schwimmen, sank aber plötzlich unter und ertrank vor den Augen seiner Altersgenossen. Die Lelche wurde bald geborgen. Rugenwaloe. Frnwtlltg aus dem Leben geschieden ist der Arbeiter Julius Sielaff Hierselbst. Er hat sich im Zustande des Deliriums in AbWesenheit seiner Ehefrau am Ofen erhängt. Obgleich der Vorfall sehr bald bemerkt wurde, waren Wiederbekebungsversuche ohne Erfolg. S t a r g a r d. Vor kurzem ferten die Gall'schen Eheleute in der Ravensbu"gerfiraße in dem große-iKreiie ihrer Kind und Enkel das Fest il rer goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich einer seltenen geistigen und körperlichen Frische und Rüshqkeit. Räch der kirchlichen Feier überreichte Supenntendent Brück dem Paare daS dem Kaiser verliehene Gnadengeschenk von 50 Mark. Sch i v e l b e i n. Die 15jährige Tochter des hiesigen Postschaffners Dossow, die sich vor einiger Zeit durch leichtfertiges Entfachen von Feuer mittels Petroleums erhebliche Brandwunden zuzog, ist trotz aller ärztlichen Kunst ihren schnüren Verletzungen erlegen. Provinz Schleswig -Aorstein. Schleswig. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich kürzlich denn Losch- und Ladeplatz in der Beistraße. Der im 7. Lebensjahr siehende Sohn Bernhard des Zimmermanns Krause, wohnhaft Bekstraße 20, saß mit seinem Spielkameraden. dem 9 Jahre altenSchüler Herm. Wedemeyer auf der in der Ufermauer befindlichen, zur Stör führenden Steintreppe. Beide spielten am Wasser und beobachteten kleine Fische, die in Mengen im Wasser schwammen, als plötzlich der kleine Krause das Gleichgewicht verlor, kopfüber in die Stör fiel und nicht wieder zum Vorschein kam. Sein Spielkamerad lief in der Bestürzung direkt nach Hause, ohne die in unmittelbarer Nähe beim Neubau des Hirschberg'schen Speichergebäudes befindlichen Arbeiter zu benachrichtig gen. Als später Rettungsversuche unternommen wurden, war es leider zu spät. Artlenburg. Durch Blitzschlag eingeäschert wurde hier dasWohnhauZ des Landmanncs Bodendiek. Auch eine Scheune brannte nieder. B a r m st e d t. Der Schuhmachergesetze Malßahn überfuhr unweit von hier mit seinem Rade einen Hasen. Er kam dabei zu Fall und zog sich derart schwere Verletzungen zu, daß er denselben erlag. Flensburg. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der Alten Werft der hiesigen Schiffsbaugefellschaft. Der Nieterlehrling Jürgen Jürgensen stürzte bei der Arbeit aus dem Zwischendeck in den Schiffsraum. Schwer verletzt wurde er in's Hospital gevracht. Der Vater des verunglückten jungen Mannes kam vor Jahren ebenfalls auf der Werft zu Schaden und starb an den Folgen des erlittenen Unfalls. H o l t s e e. Hier äscherte der Blitz das Wohnhaus des Hufners Rehde ein. Heu- und Roggenvorräthe verbrannten, das Vieh wurde gerettet. Kiel. Geheimrath Wilhelm Seelig, Professor der Finanz- und Volkwirthschaft an der hiesigen Universität, ist. 85 ?kabre alt. aestorben. Der Ver-

Jndlana Tribüne,

ftorbene vertrat als Mitglied der Freisinnigen Partei im Reichstag von 187174 den Wahlkreis Oldenburg und von 189093 den Wahlkreis Tondern-Husum. Lauenburg. Hier ertrank beim Baden SchneideTmeister W. Könia. Er hinterläßt eine Frau mlt zwel 5dmdern. -&yovxiz Schkesten. B r e s l a u. Der in einer Möbelfabrik auf der Theresenstraße beschäftigte Arbeiter Hermann Frühauf trat beim Verladen von Blöcken auf eine Rollschiene und wurde weggeschleudert, wobei er schwere Kopfwunden erlitt. Im Wenzel - Hanckeschen Krankenhaus ist er diesen Verletzungen alsbald erlegen. Der ordentliche Professor der Mineralogie und Direktor des mineralogifchen Jnstituts an der hiesigen Unidersttät, Dr. Karl Hintze. hat einen Ruf nach Bonn als Nachfolger des am 1. Oktober in den Ruhestand tretenden Geheimen Bergraths Prof. Laspeyres erhalten. B r e f ch I n e. Letztens war der Häusler Wilhelm Leuschner II damit beschäftigt, ein Pferd abzusträngen. Hierbei schlua das Thier plötzlich aus und trat Leuschner so heftig vor den Unterleib, daß er bewußtlos zusammenbrach und bald darauf verstarb. G r o h-K rausche. Hier brannte das Gedingehaus des Bauunternehmers Weise nieder. Es liegt Brandstiftung vor, denn im Pferdestall, wo das Feuer auskam, fand man noch ein brennendes Licht auf einem Stück Holz. Beim Brande stürzte der Sohn des Amtsdieners Petscheck in eine große Grube des Weise und krach tfn Bein. Der Abgebrannte ist nun noch haftbar für den Beinbruch. I a u e r. Der siebenjährige Sohn de8 Maurerpoliers Wunsch hatte sich die Hemme eineö mit Ausflüglern besetzten LttterwagenS als t$pian. erwählt, um ein Stück mitfahren zu können. Er wurde weder von den Insassen noch von dem Kutfcher des Fuhrwerks bemerkt. Von seiner Mutter, die ihn vom Fenster aus beobachtet hatte, gewarnt, versuchte der Junge abzuspringen, wurde aber vom Hinterrade am Beine erfaßt und vom Fuß bis zum Kopf buchstäblich gerädert. Der schwere Wagen theilte den Kleinen fast in zwei Hälften. Er verstarb unter gräßlichen Schmerzen. LandeShut. Beim Baumfällen wurde dem Forstarbeiter Huhndorf der Oberschenkel zertrümmert. Huhndorf fand Aufnahme im hiesigen Krankenhause. Maifrltzdorf. Der hiesige emer. Erzvriefier und Pfarrer Theovor Otto feierte sein 60jähriges Priesterjubiläum. Zahlreiche Glückwünsche gingen dem Jubilar von Nah und Fern zu. O s w i tz. Beim Baden ertrunken ist hier an der Dampferhaltestelle der zehnjährige Knabe Fritz Richter von hier. 'Arovinz osen. Posen. Selbstmord beging der bei der Eisenbahndirektion angestellte Eisenbahnbetriebssekretär Sowowade. Er war zuletzt noch im Dienst erschienen, entfernte sich aber bald. Da er zu einer dringenden Dienstverrichtung gebraucht wurde, so wurden nach seinem Verbleib Nachforschungen angestellt, die zu der Entdeckung führten, daß der Beamte auf dem Bodenraume des Direktionsgebäudes durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht hatte. Der Beweggrund zu der That ist nicht zu ermitteln gewesen. Deuts ch-P r e s s e. In dem hiesigen Thonwerk kam der 15jährige Arbeiter Smiejczak an der kleinen Kranzpresse, in welche er Thonballen werfen mußte, dem Getriebe zu nahe, wurde erfaßt und hineingezogen. Er wurde zu Tode gequetscht. Die Presse mutzte auseinandergenommen werden, um den Körper aus dem Getriebe zu entfernen. 'Arovinz Sachsen. Magdeburg. Der 25 Jahre alte Kaufmann Richard Scheuer von hier befand sich letztens in einer Restauration mit weiblicher Bedienung in der Himmelreichsstraße, wo er bald an diesem, bald an jenem Tische Tische kneipte. Als er sich schließlich in eine Ecke setzte, forderte ihn die Kellnerin Kettig auf, zu ihr an den Tisch zu kommen; er wollte anscheinend dieser Aufforderung nachkom men, zog aber einen Revolver hervor und feuerte einen Schuh auf die Kellnerin ab, der sie zu Boden streckte. Er setzte den Lauf der Pistole dann an seinen Kopf hinter's Ohr und feuerte, ohne daß es Jemand hindern konnte, ab. worauf er todt zu Boden sank. Die Kellnerin hat nur eine ungefährliche Wunde erhalten, die Kugel streifte die Stirn; sie wurde nach Anlegen eines Verbandes der altstädtisehen Kranken - Anstalt zugeführt. Scheuers Leiche wurde nach der Leichenhalle des Krankenhauses gebracht. Die Gründe für die Blutthat sind unbekannt. 'Kobylepole. In der hiesigen Brauerei brannte die Mälzerei mit ungefähr 3000 Centner Malz und die Privatwohnung des Besitzers Gerstenkorn vollständig nieder. Die eigentliche Brauerei, das Sudhaus und die Maschinenanlagen blieben verschont, so daß der Brauereibetrieb keine Störung erlitt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt und dürfte gegen 10,000 Mark betragen.

1 Oktober 1906

Gcyrn die Gelde Presse" legte auf dem in den letzten Tagen in der New Yorker Staatöhauptstadt Albaut) abgehaltenen Nationalconvent der National Prison Association", an welchem Gesängnißbeamte aller Art und auch Menschenfreunde aus den Ver. Staaten und aus Canada theilnahmen, der Oberstaatsanwalt Mayer vom Staate New Z)ork nachdrückliche Verwahrung ein. Er setzte auscinander, wie dieser Theil der enzlisch-ame-rikanischen Presse den Gerichtsgang erschwere: Eine derartige Zeitung sei in ihrer Sensationsgier sogar so weit gegangen, daß sie eine Abstimmung betreffs der Schuld oder Unschuld ein. s fei Mordes Angeklagten veranlraltete. ehe noch die Verhandlung gegen ihn angesetzt war. Die Folgen einer solchen Handlungsweise seien dem öffentlichen Wohl ernstlich gefahrdrohend. Die gedankenlose Menge werde sich leicht vom Wahrspruch unbefriedigt fühlen, salls dieser nicht in Gemäßheit der Zeitungs-Abstimmung ausfalle, und diese schlecht unterrichteten Leute verlieren dann leicht das Vertrauen in die Handhabung des Strafgesetzes. In anderen Gerichtsfällen, wie die Sensationspresse sie behandle, werde dadurch ein schlechtes Beispiel gegeben, und auf einen Freispruch folgen dann zwei oder mehrere ähnliche Fälle, welche direkt auf die Sensationsberichterstattung zurückzuführen seien. Was Mayer da sagt, ist richtig. Aber der von der Gelben Presse" angerichtete Hauptschaden besteht in der Vernichtung des sittlichen Sinnes und Bewußtseins von Jünglingen und Knaben, Jungfrauen und Mädchen durch romantisch sein sollende Schilderanzen aus dem Verbrecher leben und durch oft unzüchtiges Breittreten von Ehebruchsgeschichten uid anderen Skandälen. Derartige Beschreibungen 'inden sich nicht nur in englischamerikanischen gelben Blättern, die durch gewissenlose Sen'ationsmaierei Geschäfte machen, sondern leider nicht selten auch in einigen sonst anständigen englisch-ame-rikanischen Zeitungen. Die deutsch - amerikanisbe Presse aber das darf man ohne Ruhmredigkeit und ohne Pharisäerthum sagen hält sich von derartigen ibscheulichen und gemeingefährlichen Auswüchsen frei und rein. Dobrowolsky v. Tonnersmarck". Gegen den Schwindler Baron Dobrowolsky - Donnersmarck, der. wie wir ausführlich berichteten, am 10. August seine junge Gattin, eine reiche Amerikanerin, in Paris unter Mitnähme aller ihrer Werchsachen im Stiche ließ und in Hamburg verhaftet wurde, worauf er sich als der frühere Metallgießer Konrad entpuppte, will jetzt auch die Gesellschaft für drahtlose Telegraph wegen Betrugs vorgehen. Im Februar d. I. erschien Dobrowolsky" im Bureau der Bank- und Handelsgesellschaft de Bruyn & Co. in Serakarta auf Java und legte eine gefälschte Bestallung vor, wonach er zum Generalagenten der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie für Niederländisch - Indien. Straits-Settlements und Manila ernannt worden sei und u. A. Kontrakte mit der holländischen Regierung für die Errichtung von 8 Kraft- und 15 anderen Stationen für drahtlose Telegraphie und andere Aufträge auszuführen habe. Auf Grund der Bestallung schloß die Firma mit ihm einen Vertrag über die Gründung einer Gesellschaft zur Ausführung der Aufträge mit einem Kapital von 250.000 Mark ab. Ehe aber die Verträge ausgetauscht worden waren und Dobrowolsky ein Vorschuß von 2000 Mark ausbezahlt war, kamen der Firrna Bedenken, und sie kabelte an die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, wodurch die Schwindel an's Tageslicht kam. Dobrowolsky aber war schon vorher abgereist und entging der Java'er Polizei. Um 135 Mark hatte er die Firma aber doch geschädigt. Man vermuthet, daß Konrad, alias Dobrowolsky - Donnersmarck bei der Berlir.ix AllgemeinenElektrizitätSgesellschaf: gearbeitet und dort seine Kenntnisse über die Telefunken - Gesellschaft erworden hat. Dobrowolsky, der jetzt offenbar aus Furcht vor anderweitigen Reklamationen seine Verheirathung mit der Amerikanerin Bugnet leugnet, wurde, wie dokumentarisch festgestellt, am 3. Juli 1906 in der Manila'er Assumptions - Kapelle vom Reverend Murphy mit der aus San Francisco stammenden Dame. deren Mädchenname noch unbekannt ist, getraut. Das Ehepaar Ferguson aus San Francisco wohnte der Trauung bei. Ob Dobrowolsky, wie er in Manila angab, in Warschau im Jahre 1876 geboren ist oder einer deutschen Familie Conrad entstammt, ist nicht sichet festzustellen. In Marseille entwendete Dobrowolsky aus dem Kontor eines Bankhauses Estrinf Briefpapier mit der Firma d-s Hauses und schrieb, um die Amerikanerin zu täuschen, an sich selbst eine Anlpeisung auf 50.000 Frank. Die Amerikanerin war indessen mißtrauisch und hielt mit ihren Zweifeln über die Echtheit des Dokuments nicht zurück, worauf Dobrowolsky gekränkt meinte: Kleinliches, abscheuliches Mißtrauen sei charakteristisch für alle emporgekommenen Rassen. Am Tage seiner diamanten?n Hochzeit erhängte sich an d:r Ruhr ein hochangesehener Renmer; er stand im 90. Lebensjahre.

Die Zollftatton. Humoreske von Max Pollaczek. Je näher wir der Grenze kamen, desto aufgeregter wurde mein Reisegeführte. Er rutsche unauWrlich auf seinem Platze hin und her, runzelte die Stirn, ballte die Faust, kurz, n zeigte alle Symptome eines erregten Seelenzustaodes. Ich war einigermaßen über diese Veränderung in dem Wesen des gutmüthigen corpulenten Herrn erstaunt und kam auf die Vermuthung, daß er entweder magenleidend sei oder etwas schmuggeln wolle. Ich hielt mich nicht für berechtigt, ihn nach dem Grunde seiner Beunruhiaung zu fragen, aber er kam von selbst darauf zu sprechen. Thuen Sie mir einen Gefallen, lieber Herr," bat er. ..und halten Sie mich, wenn wir über die Grenze kommen. Halten Sie mich fest, wenn die Grünröcke revidiren. damit ich nicht einen von den verdammten Zöllnern und Sündern erwürge." Auf diese seltsame Bitte machte ich natürlich kein besonders geistreiches Gesicht, und er fühlte die Nothwendigkeit, meinem Verständniß etwas nachzuhelfen. Sehen Sie," erzählte er, ich reife schon lange für mein eigenes Haus, d. h. nicht immer, aber dock jedes Jahr ein- oder zweimal, und tch bin auch schon in Amerika gewesen. Und damals auf der Rückfahrt ist es mir passirt. Ich bin in England, da bekomme ich eine Depesche, ich solle schleunigst zurückkehren, die Stadt habe ein Angebot auf e'n mir gehöriges Terrain gemacht und halte sich nur bis zu dem und dem Tage gebunden. Der Preis sei nicht uneben, aber wenn ich persönlich käme und unterhandelte, so würde ich sicher zehntausend Mark mehr herausschlagen. Ich mache m;ch also natürlich auf die Strümpfe, und wie ich an die Gttnw komme und mich freue, wieder im Vaterland zu sein, ja, da erlebe ich das, was mich um zehntausend Mark bringt. Wir hatten etwa eine Stunde Aufenthalt, und in der Zeit konnte man wahrhaftig eine Menge Gepäck untersuchen. Es geht auch alles fix, nur bei mir gibt es einen Aufenthalt. Der Zollbeamte zieht zwei mächtige Flaschen aus meinem Koffer, ohne Etikette. Was ist das?" .Whisky." Englischer oder amerikanischer?" Weih ich nicht." Das müssen Sie wissen. Sie werden sich doch erinnern, wo Sie die Flaschen gekauft haben." Nein, ich habe unterwegs viele Flaschen gekauft, die sind übrig, ob fie zu den amerikanischen oder englischen gehören, kann ich nicht sagen." Na. ich will Sie nicht länger aufhalten, der Zöllner nimmt 'einen Riesenkatalog vor, blättert nach, beräth sich mit einem Collegen, und dann beginnt die Fragerei auf's neue. Ist es vielleicht Canadian Club Whisky, oder Old Hermitage Bourbon Whisky oder gar Old Fitzgerald?" Und der andere erkundigte sich: Ist es Kinahans Blended Highland Whisky oder Black and White oder am Ende Royal Household Blend?" Mir tritt der Angstschweiß auf die Stirn, alle anderen Passagiere haben den Revisionssaal schon verlassen, und nur ich stehe noch da. Endlich kommt mir ein rettender Gedanke. Metne Serren." saate ick. ..Sie

scheinen Kenner zu sein. Sie haben mir die besten Marken aufgezählt, öffnen wir die Flaschen und Probiren wir, Sie werden gewiß bqld beraushaben ob der Schnaps englisch oder amerikanisch ist." Mein Vorschlag fiel nicht auf günstigen Boden. Erstens dürften sie nicht im Dienste trinken und zweitens hätten sie nur rein theoretische Whiskykenntnisse. Aber der Herr BahnHofswirth und der Herr Zollckemiker wären scharfe Kenner, ob ich denen eine kleine Probe gestatten wolle. Selbstverständlich, mit tausend Freuden. Sie gehen also mit den Flaschen ab. und ich überlege schon, ob ich nicht ein -fach mit meinen Sachen in's Coupee zurück und die Flaschen mitfammt dem Branntwein im Stich lassen soll. Aber nein, einmal wäre das ungesetz-. lich und zweitens: die pflichteifrigen Herren hätten mich doch herausgeholt. Sie bleiben auch nicht lange. Der Bahnhofswirth und der Chemiker haden ihre Aufgabe ernst genommen, die Flaschen zeigen ein erhebliches Manko, aber ein übereinstimmendes Votum ist nicht erzielt worden. Was der eine Sachverständige als englisch bezeichnete. hielt der andere für amerikanisch. Das ist meistens so bei Gutachten. Ich fange an kribbelig zu werden, denn ich fürchte, wegen der elenden Flaschen den Zug zu versäumen, und heute ist der letzte Tag der Frist. Also erkläre ich, ich will den Whisky gar nicht mit über die Grenze nehmen, ich verzichte und damit holla. Aber ich habe die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Das ginge nicht, erklärten sie mir. Was ich Zollpflichtiges im Koffer hatte, mutz verzollt werden. Wenn ich das nicht wollte, hätte ich mich der Flaschen schon früher entäußern müssen. Warum ich sie denn nicht ausgetrunken habe? Ja, warum. In diefem Augenblicke pfeift es. Der Zug muß sofort abgehen, und die Noth schärft meinen Verstand.

Meine Herren sage ich. eS kommt ja schließlich nicht darauf an,, und ich muh fort. Wissen Sie waZ, nehmen Sie den höchsten Zollsatz für das Getränk. Wird amerikanischer Whisky höher verzollt, so betrachten Sei die GotteSaabe als amerikanisch, trägt der englische die höhere Last, so lassen Sie ihn als englisch gelten." Und ich greife nach meinem Portemonnaie. Da sehen mich die beiden an, als hätte ich den Verstand verloren, oder Hochverrath begangen, oder in Damengesellschaft einen Mikoschwitz nzählt. .Also los, meine Herren," "dränge ich. Sie antworten aber nicht, sondern winken ein drittes Exemplar ihrer Gattung heran, das würdevoll in der Mite des leeren Saales steht und sich den Schnurrbart streicht, und tragen ihm meinen Vorschlag vor. DaS lacht, und drauhen höre ich die Couveethüren zuschlagen. Es ist keine Sekunde zu verlieren, und ich werfe ein paar Thaler auf den Tifch. Bitte, den höchsten Zollsatz!" Da ergreift die drei ein wahrer Lackkrampf, und einstimmig tönt eS aus ihrem Munde: Der Zollsatz für amerikanischen und englischen Whisky ist gleich, wir fragten nur wegen der Statistik.' Und während es mir dunkel vor den Augen wird und ich einer Ohnmacht nahe bin. schrillt draußen ein grelle? Pfiff, und der Zug geht ab." Mein Reisegefährte, der seine Erzählung mit dramatischem Feuer vorgetragen hatte, seufzte icf auf. Das übrige können Sie sich denken. Der nächste Zug ging erst Abendi ab. Ich telegraphirte also, um nicht alles zu verlieren, daß ich daS städtische Angebot annehme. Und wäre ich dagewesen und hätte die Leute gedrückt, ich hätte 10,000 Mark mehr ge. kriegt. Sie brauchten das Terrain sehr nothwendig. Der Bürgermeister hat es mir später selbst hohnlachend erzählt. So, ah, da kommen schon die Zöllner. Hol' sie der Kuckuck!"

A französischen Schnlhefte. Aus Paris wirt berichtet: Was wißt Ihr von den Schlachten von Waterloo und Sedan?" So lautete die Frage, die in einer Pariser Schule den Knaben als Prüfungsthema aufgegeben wurde. Dabei wurden von zwei Jungen folgende Aufsätze geleistet, die als aurhentisch mitaetheilt werden und die wohl das Unglaublichste von Verwirrung darstellen, was in einem kindlichen Gehirn existiren kann. Die Schlacht von Waterloo," schrieb der eine, wurde geleitet von Napoleon dem Dritten und mit Prinzessin Eugenie verheirathet. (?) Er fing an, nicht länger imstande zu sein, sie zu lenken, und es war jammerschade. Wir sehen den russischen Feldzug bei Wagram von Marschall Mac Mahon. Mac Mahon gewann die Schlacht von Bazaine. Der Friede wurde unterzeichnet in Camp Formio. Der Sedanfeldzuq war da. Dort war es. wo Turenne starb." Aber der zweite übertrifft den ersten noch: Nach der NieVerlage von Waterloo kam Ludwig der Achtzehnte nach Frankreich. Er nahm dann drei neue Minister, Casimir-Pe-rrer, Thiers und Guizot. Kardinal Fleury verbesserte die Lage durch seine Weisheit. Ludwiq der Ächtzehnte war Kaiser unter dem Namen Napoleon Dritte. Die Schlacht von Waterloo war unter der Regierung Napoleons des Ersten im Jahre 1704 gegen die Engländer. Er wurde in dieser Stadt geschlagen und verlor viele Leute infolge der furchtbaren Kälte in der Nacht. Am 4. August, bei dem Uebergang über den St. Bernhardt, wurde er gezwungen, sich zu ergeben. DaS erschien ihm sehr seltsam, denn er war nicht gewöhnt daran. Doch da es so war, mußte er es tragen. Er w4? geboren in Schottland. (!) Die Schlacht von Sedan war unter der Regierung Ludwigs des Vierzehnten gegen die Russen. Wir gewannen durch diese Schlacht, die der Stadt nützlich war, dank ihrer feinen Tuchfabriken, die als die besten bekannt sind, und dank ihrer Lage." Sin praktischer Gchauspieldirektor. Eine köstliche Art, mit seinen Schau, spielern auszukommen, hatte der Theaterdirektor Fröbel, der zu Anfang des voriger. Jahrhunderts mit seiner Trupp in Süddeutschland umherzog. Er vertheilte die Rollen nicht unter dn Künstler, sondern er versteigerst sie. Die Folge davon war. daß es keine Streitigkeiten gab und der pfiffige Di rektor eine hübsche Nebeneinnahme hatte. Wie viel ihm die Sache eintrug, geht daraus hervor, daß er einmal bei ! der Besetzung" von Schiller's Rau, , bern" die folgenden Preise erzielte: ! Karl Moor 2 Gulden. Amalie 1 Guli den 30 Kreuzer. Franz Moor 45 i Kreuzer, Spiegelberg 45 Kreuzer und I Schweiger 30 Kreuzer. Wie aus der großen Differenz hervorgeht, die sich j aus den erzielten Preisen für die Rollen zwtfchen Karl und Franz Moor ergibt, scheinen auch die damaligen Schauspieler schon eine besondere Vorliebe für edle" Charaktere besessen zu haben.

,

. i 1