Indiana Tribüne, Volume 30, Number 32, Indianapolis, Marion County, 29 September 1906 — Page 5
Jndiana Uribnne, SS September 1906
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Ankündigungen. Frank . Kishba, Demokratischer Candidat für Eounty Schatzmeister, hat sich verpflichtet, Zinsen an den öffentlichen Geldern zu erlangen und dem County zufließen zu lassen. Unter dieser Verpflichtung bittet er um Ihre Stimme bei der Wahl am 6. November 190. Dr. M. C. Leeth, Demokratischer Candidat für County Coroner, empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County bei der Wahl am 6. November 190. William T. Patten, Demokratischer Candidat für County Clerk, empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County bei der Wahl am 6. November 1906 ; er verspricht, im Falle seiner Erwählung, die Pflichten des Amtes treu zu erfüllen.
James E. Berry, Demokratischer Candidat für County Recorder, bittet um Ihre Stinme, er verspricht, wenn ermahlt, ein wahrer Diener des Volkes zu sein. Wahl am ten November 190. James . McErossan, Demokratischer Kandidat für Sheriff von Mario County, bittet um die Stimme aller Steuerzahler bei der Wahl am 6. November 1906. Er verspricht das Amt gewissenhaft zu verwalten. Farbige Diamanten. In Paris wirbelte dieser Tge eine Skandalaffäre großen Staub auf: ein russischer Staatsrath, der auf ein Schloß in ber Provinz eingeladen war, sollte seinen Gastgebern einen kostbaren Ring mit einem blauenDia manten im Werthe von 50,000 Francs gestohlen haben, wenigstens wurde der Ring in seinem ToilettenNecessaire vorgefunden. Die Affäre ist gleichgültig, sie ist die typische Skandalaffäre, wie sie in der Saureanrkenzeit von der beschäftigungslos fen Presse breit behandelt zu werden pflegt. Der Gaulois" benutzte jedoch den Anlaß zu einer amüsanten Plauderei über den blauen Diamanten. den Gegenstand des Diebstahls. Es gibt nicht nur blaue Diamanten, es gibt schwarze, rosa, gelbe und blaue. Alle diese Abarten gleichen sich, wenn sie gefunden werden, sie sind alle von einer röthlichen festen Schicht überzogen; erst nach Entfernung derselben kann man den Werth des Steines abschätzen. Die Kunst des Diamantenschleifens rst erst verhältnißmäßig jung; der erste geschliffene Diamant wurde von Karl dem Kühnen in der Schlacht von Murten getragen und ging während der Schlacht verloren. Er war ein blauer Diamant. Nach der Schlacht aufgefunden, wurde er an Heinrich VIII. von England verkauft; heute befindet er sich im spanischen Kionschätze. Die englische, österreichische und russische K?one enthalten farbige Diamanten. In der englischen Krone befindet sich ein rosafarbener und ein blauer, beide von vollkommener Schönheit und unschätzbarem Werthe. Ebenso wie es farbige Diamanten aibt, gibt es farbige Perlen: graue, schwarze und rosa. Die letzteren sind die seltensten. Alexarer der Große besaß ein besonders werthvolles Stück dieser Gattung. Heutzutage ist der Radschah von Borneo der glückliche Besitzer der schönsten Sammlung von rosa Perlen. Er besitzt ein Halsband von fünfzig gleich großen rosa Perlen, eine in der Welt einzig dastehende Sammlun. Erinnerung en a Jakob Brk tzardt. Die Freunde des großen Basler Historikers Jacob Burkhardt hatten ihm wiederholt nahe gelegt, sich photographiren zu lassen. Endlich besiegten sie seinen hartnäckigen Widerstand mit der Versicherung, sie wollten al13 an Ort und Stelle vorbereiten und er brand sich nur an einem bestimmten Tage beim Photographen einzustellen. Sir festgesetzten Stunde erschien der kleine, unscheinbare Mann in seinem schlichten AnKUg im Atelier und erklärte bescheiden den Zweck seines Besuchs. ES thut mir leid," erwiderte der Photograph, das geht jetzt nicht an; ich erwarte nämlich eine europäische Berühmtheit." So? Da will ich gewiß nicht stören," meinte, die Schultern in seiner eigenen Weise emporziehend, der Gelehrte und trollte sich davon. Ein andermal wurde Burckhardt von einem seiner College befragt, warum er nicht mehr die periodischen Vereinigungen der Fachgenossen, Hiftoritertage und dergleichen besuche. Man lernt sich so gegenseitig verachten!" erwiderte Meister Jacob treuherzig in seinem Basler-Deutsch. Argentinien soll ein Areal von 150,000,000 Acres haben, welches zur Anpflanzung von Baumwolle geeignet ist.
Mia Warowsky. Novelle von Curt Julius Wolf. Diese . . . nein ... die für ihn verschollen war wie unbegreiflich war dieses Wiedersehen! Alles andere hätte er eher erwartet auf der Ferienreise, als da so verschwitzt und bestaubt von der Landstraße in das Nest kommen ... an den Mauerecken rothe Zettel: Heute Abend TheaterVorstellung im Schützenhaus" . . . hingehen, vom geheimnißvollen Duft der Schmiere angelockt, und dann Mia Marowsky sehen als Gretchen in Goethes Faust" zum Erbarmen! Daß sie Schauspielerin war. wußte er freilich schon von Georgenstadt her. wo seine und ihre Eltern lebten, und wo auch das kleinste Geschehniß sozusagen durch alle Häuser ging. Und wer überhaupt die Marowskys kannte, der konnte sich denken, wie es gekommen war. Kieme Leute, arm, gedrückt, das Rest voller Kinder. Der Mann Agent, immer unterwegs in Geschäften von räthselhafter Ertragsfähigkeit, die Frau Friseuse, eine ehemalige Schönheit, gan ohne
Zweifel, aber dick und entsetzlich schwatzhaft geworden. Ueberall zu treffen mit ihrem Ledertäschchen, ihrem Stadtschnack und den goldenen Ohrringen unter den schwarzen polnischen Locken. Die Kinder, zumal die Mädchen, auffallend hübsch; aber, nicht weniger polnisch wie die Mutter, d. h. ungleich zerfahren hatten sie alle etwas Blindgeborenes. Nur daß Mila als Schauspielerin nicht weiter gekommen war und offenbar boffnungslos an der Schmiere klebte, wunderte ihn eigentlich am meisten. Wo sie doch starkes, natürliches Talent besaß. Schon als Kind, als Mädchen war ihm das aufgefallen, hatte sie immer etwas, was sie von anderen unterschied, etwas Tragisches, in der Haltung ja selbst im Klang der Stimme. Er sah sie vor sich scheu, aufgeschossen, die Augen brennend und immer wie auf dem Sprunge: Rühr' mich nicht an. Er erinnerte sich auch, wie er ihr einmal begegnet war, als er d Ferien zu Hause verlebte und gespannt, mit dem Gefühl akademischer Würde, in Couleur spazieren ging. Sie kam mit Briefen von der Post, erkannte ihn. ihr Auge blitzte ... da sah er sich vorsichtig um, ob es bemerkt würde, wenn er, Fritz Paulsen, bei Agent Marowskys Tochter auf der Straße stehen blieb. Und Ma hatte ihn sofort durchschaut und war vorübergegangen mit einem Ausdruck, mit einem Gesicht, vor dem er heiß erschrak, am meisten über sich selbst. Sie hatte ihn sicher auch an diesem Abend erkannt. Er saß ja ziemlich vereinzelt, gleich vorn in der zweiten Stuhlreihe, in der Hauptsache natürlich sehr belustigt durch diese komödiantenhafte Faustdarstellung und die zum Theil so überaus schlanken und beweglichen Darsteller, die in ihren großen Perücken und schlotternden Kostümen einen dürren und unreifen Eindruck machten. Bis eben dann Mia Marowsky als Gretchen auftrat und ihn lähmte mit ih rer bleiernen Mattigkeit. Es war gewiß nicht leicht, sich als Mensch von ihrem Gepräge mit den fliegenden Existenzbedingungen der Schmierenkomöde abzufinden. Er hatte eigentlich immer ein stark her vordrängendes 3jjjie::ss? für sie empfunden. Ob er ihr aber helfen konnte? Ob sie sich überhaupt von ihm helfen lassen wollte? Es war schwer, eine Entscheidung zu treffen. Aber nur jetzt nicht etwa noch ein aufre gendes Wiedersehen, lange, peinliche Auseinandersetzungen! Er war so müde von seiner Tageswanderung fast zwölf Stunden über die Berge, d': helle sonnige Straße entlang. Als er ins Gasthaus kam, ging er gleich in sein Zimmer hinauf. Er wollte liegen und schlafen. Oben brannte er nicht einmal die Kerze mehr an, der Mond schien hell durch Scheiben und Gardinen. Er öffnete die Fenster und lehnte sich hinaus, um fürs erste noch dem Dielengeruch des alten Hauses zu entgehen. Unter ihm im Mondenschein lag der Markt mit seinen bleichen Scheinen und einem dunklen Geäder von Moos und Gras. Der Röhrenbrunnen in der Mitte stand einsam mit glitzerndem Wasserstrahl und einem breiten, schrägen Schlagschatten hinter sich. Mia? Morgen vielleicht . . . Er war schon halb im Traum, nickte schlaftrunken zum Fenster hinaus und murmelte Gute Nacht", während er die Stiefel von den schweren Füßen streifte. O ch So viel stand fest für ihn am andern Morgen: er würde bleiben, bis er Mia begegnet war. Das Zimmer ließ er sich für den Abend referviren. zahlte im Voraus und machte sich gleich nach dem Frühstück auf die Streife durch die kleine, alterthümliche Stadt. Einmal in einer Seitenstraße stieß er auf ein bekanntes Gesicht. Es war der Schauspieler, der am Abend vorher den Mephistopheles gespielt hatte. Er kam hemdärmelia aus dem Metz- ! gerladen, etwas Eingewickeltes un:er dem Arm und sprang lachend m grölen Sätzen quer über die Straße.
Die Pantoffeln klatschten dabei an
seinen Füßen. Es war ihm unmöglich, den Mann anzusprechen und nach Mia zu ftagen. Zweimal auch ging er bis ans Schützenhaus. Er' kannte eö kaum wieder. Am Abend hatte er in unbestimmten Umrissen ein langgestrecktes Gebäude gesehen, ein Musenhaus im Stile von Alt-Weimar. aus dessen hohen Fenstern die Saallichter schimmerten und die Stimmen der Zuschauer wie aus einer Versenkung aufstiegen unter dem zarten Wispern der Lindenbäume. Jetzt am Tage lag es mit seinen w'ißen Mauern glatt und sauber in d?r Sonne, gleichsam in Nüchternheit zusammengeschrumpft. Mia Marowsky fand er endlich auf einer Bank in den Anlagen längs des Flüßchens, das die Stadt im Bogen umströmte. Sie saß ihm abgekehrt, m sich versunken. Er ging ganz langsam auf sie zu; als er aber zum Sprechen kam. hatte er Mühe, seiner Stimme über das Klopfen des Herzens hinweg einem recht unbefangenen Klang zu geben, Guten Tag, Fräulein Marowsky wie geht es Ihnen?" Sie fuhr herum und starrte ihn an mit demselben brennenden Ausdruck, der vielleicht nur etwas düsterer und hilfloser geworden war. Auch sah er sogleich, daß sie geweint hatte. Er glaubte nicht anders, als daß sie aufstehen und sich, ohne ein Wort zu sagen, entfernen würde, aber sie blieb, fiel wieder in sich zusammen. Diese willenlose Ergebenheit, die er an ihr nicht kannte, ergriff ihn und hielt ihn fest. Er glaubte ihr Zeit lassen zu müssen und fetzte sich neben sie. Von der Seite betrachtete er ihr Gesicht, eine seltene Scheu überwindend und mit einem brennend schmerzlichen Interesse nach den Spuren ihres Lebens forschend. Allmählich fühlte sie diesen forschenken Blick bis unter die Haut, sie rückte unruhig auf ihrem Sitz und erröthete plötzlich ganz heiß. Was sehen Sie mich an?" sagte sie bitter, und die Stimme, die tt hier in der leuchtenden Frische des Sommermorgens hörte, schien ihm fremd und rauh überflogen. Was wollen Sie? Warum halten Sie sich mit mir auf? Was bm ich Ihnen? Oder haben Sie etwa Mitleid mit mir? Es wäre besser, Sie gingen Jhres Weges und lachten mich aus. Sie haben doch bemerkt gestern Abend, welch ein schrecklich überflüssiges Ge schöpf ich bin. O, ich ich " Ihre Stimme erstickte; sie preßte das Tuch vor die Augen und brach in Schluchzen aus. Die Sonne schien golden auf ihren Hals, an dem der Flaum in feinen blassen Strähnchen schimmerte. Er sah die zusammengesunkene Gestalt vor sich, die das Schluchzen erschlltterte, und wieder strömte sein Herz über von Mitleid und einem heißen Drang, zu helfen, zu schützen. Er legte wie beschwichtigend die Hand auf ihren Nacken, obschon er fürchtete, daß sie es nicht dulden würde. Und als sie es gar nicht zu beachten schien, fing er an. leise liebkosend ihren Rücken zu streicheln, wobei er die spitzen Schultern fühlte und die von der Sonne hervorgerufene Wärme unter der Bluse von verblaßtem Satin. Er hatte die sich nähernden Schrit te gar nicht gehört; er sah erst auf. als jemand stehen blieb und Mia beim Namen rief. Sie fuhr erschrocken zusammen. Da stand wieder der Mensch, der Schauspieler mit den scharfen Zügen, der am Abend den Mephistopheles gespielt hatte und am anderen Morgen in Pantoffeln über die Straße geklappert war. Nun. wie ist's?" fragte er der. traulich, kommst Du mit zur Probe. Mia?" Sie war oanz bestürzt und kehrte in ihrer Verlegenheit das Gesicht zur Seite. Sie erhob sich mechanisch, wie um zu folgen; aber dann blieb sie stehen und stemmte den Fuß auf. Nein, ich will nicht." stieß sie hervor, ..ich kann nicht heute " Der Schauspieler zuckte die Achseln und schien zu warten, bis sie zur Vernunft gekommen sei. Plötzlich glitt ein unverschämtes Grinsen über sein Gesicht. Freilich." meinte er anzüglich, wenn man sich in so guter Gesellschaft befindet!" Mia wich einen Schritt zurück; sie ballte die Hände vor Scham und Empörung. Auch in Paulsen brach der Aerger durch. Sie haben doch gehört," rief er unwillig, daß Fräulein Marowsky nicht will, das genügt doch. Auf was warten Sie noch?" Der Schauspieler maß ihn kaltlächelnd von oben bis unten. Sie haben nicht das Wort, mein Herr. Ueberhaupt was fällt Jhnen ein. sich in Angelegenheiten zu mischen, die Sie absolut nichts angeh:n?" Das ist sehr schnell erklärt, mein Herr. Wenn Sie denn also gefälligst davon Notiz nehmen wollen: Fraulein Marowsky ist nicht Ihre Angelegenheit. Fräulein Marowsky ist meine Braut haben Sie mich derstanden?" Er hatte das Gefühl als träfe er den anderen mitten auf den Kopf.
In ver Tyar entfern ncy ver Schauspieler, höhnisch lachend und mit einem unverständlichen Gunurmel seinen Rückzug deckend. Mia war ganz verwirrt. Sie tonnte nicht ruhig auf eine Stelle sehen, wurde abwechselnd roth und blaß und lief endlich wie getrieben von der Bank fort in der Richtung nach der Stadt. Er holte sie ew und mäßigte ihre ungestüme Gangart, indem er seinen Arm in den ihren schob. Nun, nun," meinte er begütigend, es soll ja nur so heißen, um Sie besser schützen zu können, um überHaupt der widerlichen Siwation ein Ende zu machen." Mehr sprachen sie nicht davon; dennoch blieb dieses herrliche Wort wie ein Glockenton über ihnen, wie der Schimmer einer unsichtbaren Krone, die Mia auf dem Haupte trug. Vor der Stadt angelangt, spürte keines von ihnen Lust, in die heißen, sonnigen Straßen zu treten. Statt dessen gingen sie über die Brücke und jenseits des Flüßchens durch die Gärten zur Höhe hinauf. Später, als sie Hunger spürten, verließen sie den Wald und fanden am Höhenrand, seitlich der Straße, die von der Stadt heraufkam, ein Gartenrestaurant mit hellen, luftigen Glaskolonnaden, durch die man
einen hübschen Blick hatte auf die im Flußthal eingebettete Stadt. Hier kehrten sie ein, bestellten das Essen in den Garten und setzten sich im Schatten ausgewachsener Ahornbäume mit gutem Appetit zu Tisch. Nach dem Essen wurde Mia wieder stiller, einsilbiger; sie bekam plötzlich' heiße, feuerrothe Backen und hatte Mühe, ein hartnäckiges Gähnen zu unterdrücken. Offenbar war sie müde nach einer schlaflosen Nacht. Er schlug ihr vor, ein wenig zu ruhen. Er war für eine Hängematte, im Schatten des Gartens zwischen zwei Obstbäumen aufgehängt, unter der er sitzen und lessn konnte, während Mia schlief, hin und wieder einmal von ihm geschaukelt. Eine Hängematte aber war nicht aufzutreiben. Dafür empfahl der Wirth ein kühles Hinterzimmer mit einem Sofa für das Fräulein. Es stand da noch ein alter Flügel. den er probirte, und auf dem er noch ein wenig spielte, um ihr die verdrießliche Zeit nach Tisch zu verkürzen. Sie lag dabei mit dem Geficht auf der Seitenlehne und fah mit großen, glänzenden Augen zu ihm herüber. Einmal drehte er sich rasch um, um nach dem Eindruck einer Barkarole zu forschen da waren die großen Augen geschlossen; ihr Athem ging hörbar, sie schlief. Ein frohes, warmes Gefühl stieg in ihm auf; es war ihm angenehm, zu wissen, daß sie ihm vertraute, daß sie sich wohlfühlte und erholte unter seinem Schutz. AlS er dann aber auf den Fußspitzen näher schlich und, über den Tisch gebückt, in ihr stilles Gesicht sah, das hier im kühlen Stubenschatten mit den rothen Wärmeflecken auf den Backen wieder fein müdes, abgehärmtes Aussehen bekam, überwog wieder das Mitleid, und er bedachte kopfschüttelnd, wie sie nun schon seit Stunden sorglos in den Tag hineingelebt hätten, und daß doch eigentlich noch gar nichts ernsthaft besprochen und beschlossen sei. Nein, gewiß, er durste hier nicht länger stehen und sich in ihren Anblick vertiefen. Es galt, sich aufzuraffen, zu handeln. So schrieb er denn auf einen Zettel, sie möge sich über seinen Verbleib keine Gedanken machen und ruhig warten, bis er wiederkomme. Er legte den Zcttel so, daß er ihr beim Erwachen in die Augen firf. Dann ging er in die Stadt hinunter, um für Mia zu handeln aus seinem Gewissen heraus. Sie war längst munter und wartete, als er wiederkam mit dem guten und wohl auch etwas eitlen Lächeln eines Boten, der mit einer frohen Kunde geizt. Wo er aber gewesen und was er ausgerichtet das sagte er nicht. Er meinte nur wie zur Entschuldigung, daß ihn die Sache doch etwas länger aufgehalten. Sie faßen dann wieder im Garten, um ihren Kaffe zu trinken, und blieben hier im Geplauder, bis die Hitze nachließ und die Goldtönung. die süße Traurigkeit des Sommerabends über der Landschaft lag. Mia war wieder unruhig gewo?den, wie unter einem Druck, der aus ihrem Herzen wuchs. Endlich meinte sie. sich seufzend zusammenraffend, daß es Zeit wäre, aufzubrechen, und daß sie doch auch nun wieder daran denken müsse, sich für den Abend auf ihre Pflichten vorzubereiten. Anfangs hörte er ruhig zu in seinn zögernden Art. Dann meinte er mit dem warmen und hätschelnden Lächeln, mit dem man ein kostbares Geheimniß ausplaudert, was sie wohl dazu sagen würde, wenn sie frei, ganz frei von diesen Pflichten wenn das nun alles quasi hinter ihr läge. Sie sah ihm beinahe erschrocken ins Geficht. Ich weiß nicht, wie daö gemeint ist. Ich hoffe ja nichts, ich bin ja so gewöhnt an mein Joch!" Nun rückte er mit der Sprache hn
rrrrs. ist yaoe aijo zuerst irrn vcm Direktor gesprochen, und Dieser alte Geizkragen habe sie nach einigem Zögern freigegeben unter der Bedw gung. daß sie auf die Gage verzüchte. Das sei wohl aber kem allzu großer Verluff. Wenn es ihr übrigens doch Ungelegenheiten bereite, möge sie sich ruhig seiner Börse bedienen. Mia Marowsky hörte gar nicht darauf. Wilde Freude schäumte in ihr auf, dann drückte sie ihr Gesicht auf seinen Arm und weinte, dankbar und glücklich wie ein Kind. Auf dem Rückweg gingen sie wieder den Waldsaum entlang. Die Luft war warm und roch würzig nach der Ausdünstung der Tanne. Im Grase machten die Grillen ihre schrille Musik, und aus dem Rauch der Herde, v!r breit und bläulich über die Stadt hinzog, klang die Abendglocke, eilfertig und zitternd hell. Mia hatte den Hut abgenommen und trug ihn in der Hanb. Ihre Stirn war klar, ihr Auge leuchtete; f schien das Leben in vollen Zügen z:: trinken wie etwas Neugeschenktes, wie jungen Wein aus einem koftbaren Kelch, nach dem man jauchzend die Arme ausstreckt und vor dem man doch in Demuth die Stirn senkt. Sie wollte immer weiter schreiten so in die Ferne, ins sinkende Licht nur nicht stille stehen, nur nicht umkehren, nur nicht nach Haus!
Aber er meinte, daß wes nun wohl geboten sei. Ohne Zweifel werde sie noch zu packen haben. Auch sei es gut, wenn sie einmal zeitig zur Ruhe gmge und am anderen Morgen ausgeschlafen hätte. Es ginge beizeiten fort. Wohm? fragte sie selig und sehnend aus ihren Träumen heraus. Nun, doch nach Hause, zu den Eltern; er habe ja auch schon depeschirt, daß sie komme. Wie?? . . Sie glaubte nicht recht gehört zu haben; es wurde ihr dunkel vor den Augen. Aber was ist Ihnen denn? Was aben 5it? Nichts!" stieß sie hervor und zwang sich und hob mechanisch den Fuß und ging so weiter, von einer starken und plötzlichen Gewißheit erdrückt, kämpfend zwischen Schmerz und Auflehnung. So kehrten sie neben einander in die Stadt zurück, ohne ein Wort zu sprechen, ohne sich anzusehen und zu verstehen. An der Hausthür fragte er noch einmal, bevor sie sich trennten, ob sie sich denn gar nicht ein bischen freue, wieder nach Georgenstadt zu kommen, zu Eltern und Geschwistern. Aber die Antwort darauf blieb sie ihm schuldig; sie sah an ihm vorbei mit ihrem bohrenden Blick, kein Fältchen, keine Wimper zuckte, und so stieg sie, undurchdringlich wie ein Steinbild, nach einem kurzen Gutenachtgruß die Treppe hinauf. Sie war doch ein seltsames Geschöpf! Noch lange beschäftigte ihn der starre, bohrende Blick, wo doch ein bischen Freude und Anerkennung so wohl gethan hätten! Etwas in ihm lehnte sich auf gegen diese Kälte des Gemüths, die ihm unbegreiflich war. und er fragte sich allen Ernstes, ob es ein anderer wohl besser und gewissenhafter hätte machen können wie er. Gleichwohl war er nicht ganz zufrieden mit sich, und als er im letzten Abendschein noch ein wenig vor das Städtchen ging und sah die Liebespaare, die dort scherzend im Duft der Lindenblüthe promenirten. schlich leise Trauer in sein Herz, das Gefühl der Einsamkeit und stilles Bedauern wie um versäumtes Glück. Wieder suchte er bei Zeiten sem Gasthaus auf; aber diesmal hatte et eine schlechte Nacht. Er wälzte sich unruhig, von häßlichen Träumen gequält. Einmal, als er erschrocken aus dem Bette sprang und am Fenster in die Nacht hinaus lauschte, glaubte er. sich entfernend, eine klagende Stimme zu hören, die ganz im Weiten noch einmal aufzitterte und verscholl. Ganz in der Frühe erschien er in Mias Wohnung, ganz ernstlich besorat um sie. Sie war am Abend noch einmal fortgegangen und dann nicht wiedergekommen. Ein paar Stunden später zogen sie ihre Leiche aus dem Fluß. Das NUKeitmittel. Schaffner," sagte die eine nervöse alte Dame in der Parlor-Car, öffnen Sie das Fenster Die zweite Matrone hüllte sich sofort in einen bis an die Hüfte wallenden SchuUerkragen: Schaffner, wenn Sie dieses Fenster öffnen, erfriere ich. und Sie können mich als Leiche hinaus tragen." Und wenn das Fenster geschlossen bleibt, muß ich ersticken," erklärte die Erste. Der Schaffner machte verlegene Bewegungen. Guter Rath war theuer. Aber er kam von einem Geschäftsreifenden. Schaffner." entschied dieser. Jhre Pflicht liegt klar vor Ihnen. Oeffnen Sie das Fenster, bis die eine Dame erfroren ifi. Und dann schliehen Sie es, damit die andere erstickt." -
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