Indiana Tribüne, Volume 30, Number 27, Indianapolis, Marion County, 24 September 1906 — Page 3
Jndimt Tibüne, September 1906.
Luft-Torpcdoboot
Wird eine vollständige UWälzung des zukünftigen Krieges belvirlcn. Ne Kampfmethode. Stürmisch Wetter herrscht noch. Tast Vesfimfftisch Ratten als Peftttäger. Alles hängt noch in der Schwebe. Geld oder Widerspruch. Maß befolgt werden. Situation sehr ernk. Wahlgesetz-Reform UnterdrScknng des Opiumhandels. Nur zu deu Mauöveru.
Deutschland. Höllenmaschine der Lüfte. B k r l i n, 23. Sept. Große? Aufsehen erregt in militütischen Kreisen die Meldung, daß e einem französischen Ingenieur Namen Xoudy gelungen ist, ein Luft'Torpedoboot zu bauen, da, wenn e sich bewährt, eine voll, ftündige Umwälzung in der Krieg Zunft bringen mag und die furchtbarste jemals vom iMenfchengeift erdachte Mordmaschine sein soll. Das Fahr zeug ist angeblich selbst beim stärksten Winde lenkbar, vermag mit großer Schnelligkeit auf und nieder zu steigen und kann mehrere Tage ununterbrochen in den Lüften bleiben, sowie au schwindelnder Höhe mit absoluter Treff ficherheit Sprengstoffe schleudern. Der Erfinder behauptet, daß er sich mit sei nem Luftschiff Hunderte von Kilometen weit aus'S Meer hinaus wagen und in einem Seekrieg die größte Flotte ver nichte könne. Auf Anordnung des französischen Kriegsministers sollen mit der unheimlichen Maschine sofort um sagende Versuche angestellt werden. Rußland. Neue Kampfmethode. St. Petersburg, 23. Sept. Die Terroristen bedienen sich jetzt in ihrem Kampfe gegen den Ezaren und gegen die Autokratie als neuestes HülfS Mittel des Automobils. Schon mehrere Male war ein solches mysteriöses e führt von der Polizei bei verschiedenen Gelegenheiten beobachtet worden, das sich durch sein schnelles Kommen und Verschwinden verdächtig gemacht hatte. Am Samstag wurde in der Nähe des Palastes des Großfürsten NickolauS in Peterhof dasselbe Fuhrwerk, zwar neu angestrichen, gesehen und von der Polt zei beschlagnahmt. Die j Insassen desselben waren bis an die Zähne bewaff. net und wurden, da sie sich nicht genü gend legitimirm konnten, verhaftet und in 'S Gefängniß gebracht. Bor einigen Tagen hat dieses Automobil, welches eine sehr stark gebaute Maschine hat, den eisernen Zaun deS Schloßparkes in Peterhof durchbrochen, um dann wieder schleunigst davonzufah ren. Wahrscheinlich war die nur eine Probe für ein auf den Ezaren geplanteS Attentat, das bei der Rückkehr des russischen Herrschers aus den finnischen Gewässern ausgeführt werden sollte. Die Polizei hat eine neue Berschwö rung gegen das Leben deS Ezaren ent deckt. Die Einzelheiten des Komplotts werden aber von den Behörden geheim gehalten, doch wurde bekannt, daß in Folge der Verschwörung vierzehn sozia. liftische Führer, die den Mordplan aus. geheckt haben sollen, verhaftet wurden. Im ganzen russischen Reiche ist von den Terroristen ein Manifest verbreitet worden, in welchem dem Ezaren ange kündigt wird, daß er mit der ganzen Eltque heimtückischer, mörderischer Stützen der Autokratie" zum Tode der. urtheilt worden ist. Wahlgesetz. Reform. Et. Petersburg, 23. Sept. Das .permanente Bureau des Son greffeS des hohen Adels" hat eine BerÄnderung der Wahlgesetze vorgeschla gen, weil die Mitglieder desselben von der Anficht ausgehen, daß, wenn die Wahlen für das neue Parlament unter dem jetzigen Wahlgesetz abgehalten wer den, die Majorität der Radikal noch viel größer werden muß, als sie im letz, ten Parlament war. Die Zeitung Obiednient-, die in den legten Tagen in vielen Tausendm von Exemplaren unter Soldaten und Polizisten vertheilt worden ist, enthält einen Aufruf an die Soldaten, für jeden ihrer Kameraden, der von Terroristen ermordet wird, zehn von den Aufständischen zu erschießen. China. Stürmisches Wetter herrscht noch. Hongkong, 23. September. Die Europäer und Amerikaner haben $2000 und die Chinesen 825.000 zum UnterftützungSfond für die durch den Taifun in RothGerathenen beigesteuert.
Das noch herrschende stürmische Wetter erschwert sehr die Rettung und Ber gungSarbeiten im Hafen. Das stark beschädigte Torpedoboot .FranceSque" soll morgen zur AuSdes serung, in' Dock gebracht werden. Der Leichnam deS Bischofs Hoare konnte bisher nicht gefunden werden. Unterdrückung deSOpium Handels. Peking. 23. Sept. Die interes. sante Nachricht, daß der Kaiser von China auf Empfehlung der Studien kommission, die kürzlich von einer ausgedehnten Reife durch die Ber. Staaten und Europa nach Peking zurückkehrte, ew Edikt erlassen hat, welches be stimmt, daß der Ohiumhckndel, dieser größte Fluch deS Reiche? der Mitte", innerhalb der nächsten zehn Jahre un ter druckt werden soll. Der Erlaß ver urtheilt daS Opiumrauchen bitter und weift den Staatsrath an, einen Gesetz entwurf auszuarbeiten, durch welchen der Geiuß des GifteS. sowie die Mohn, zucht zu einem strafbaren Vergehen ge stempelt wird.
Euba. Alles hängt noch inder Schwebe. Havana. 23. Sept. Allem An. schein nach ist in den Bemühungen der amerikanischen Brrmittler zur Lösung der cubauischen Wirren eine Krise de vorstehend. Die Anzeichen deuten da rauf hin, daß Sekretär Taft nicht im Stande sein werde, die Verhältnisse zu regeln, ohne zu einer definitiven ameri kanischen Intervention seine Zuflucht zu nehmen. Wie man hier erfährt, hat Sekretär Taft Präsident Roosevelt einen pesfimi' ftischen Bericht über die Lage auf Euba zugesandt, des Inhalts, daß ihm aus dem Innern zugekommenen Nachrichten zufolge fast auf der g mzen Insel ein an Anarchie grenzender Zustand herrscht, wovon nur die Küstenstriche auSgenom men find. öS wird ferner bekannt, daß Sekre tär Taft beschlossen hat. unter keiner Bedingung mit bewaffneten Aufftändi schen zu verhandeln. Man nimmt die als Zeichen dafür an, daß amerikanische Intervention und amerikanische Okku pation zweifelsohne der Auögang aus den gegenwärtigen Wirren fein wer den. Diese, Beschluß Taft'S dürfte theilweiweise auf den Standpunkt der cubanischen Regierung zurückgeführt werden müssen, welche von VerHand lungen mit den Rebellen selbst durch Vermittlung der Ber. Staaten nichts wissen will. Taft pessimistisch. Havana. 23. Sept. Sekretär Taft kommt mit seinen VermittlungS bemühungen ni ht recht vom Platze und eine Krisis ist offenbar nahe. Die schwierige Aufgabe der amerikanischen FriedenSkommiffäre wird durch die un versöhnliche Haltung der Insurgenten führer sehr erschwert, und alle Anzei gen deuten darauf hin, daß eS ihnen nicht gelingen wird, ein Kompromiß zu Stande zu bringm. Gen. Pino Guerra. der mit 8500 Mann nur 25Meilm von der Hauptstadt steht, besteht mit ande ren Bandenführern darauf, daß Präs. Palma mit feiner ganzen Regierun abdankm soll und die Ber. Staaten Garantien für die Abhaltung ehrlicher Neuwahlen geben. Nur unter dieser Bedingung wollen die Ausständigen die Waffen niederlegen. Vorder-Jndien. Ratten als Peftträger. La höre, 23. Sept. Der der muthete enge Zusammenhang zwischen Ratten uud Beulenpefi gilt für nachge wiesen durch den außerordentlichen Erfolg in der Verringerung der Seuche, die durch die Ausrottung der Ratten in 60 Städten des Punjab zu Wege' ge bracht worden ist. Die Arbeit ist noch unvollständig, aber man mißt im Hin blick auf die Thatsache, daß in Punjab allein eine Million Menschen an der Seuche gestorben find, dem Experimmt die höchste Bedeu.ung bei.
Wunder der Chirurgie.
Übertragungen von Blutgefäßen und Orzanen. Stuttgart, 23. Sept. Pro fessor Garre, Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik der Universität Bnölau, erstattete in der zur Zeit hier stattfindenden 78. Versammlung deut scher Naturscher und Arzte Bericht über die Ergebnisse der Versuche, welche er auf dem Gebiet der Transplantation von Blutgefäßen und Organen von ei nem Körper auf einen anderen gemacht bat. Dieser Gegenstand erregte schon auf der Tagung der British Medical Association-, welche im ve,flossenen August in Toronto stattfand und auf welcher Dr. A. Garrell von der Uni versität Ehicago eine Abhandlung über ähnliche Experimente zur Verlesung brachte, sehr großes Interesse. Professor Garre gab eine eingehende Darstellung von dem Fall eweS vier ährigen Knaben, der an Kretinismus itt und auf dessen Milz ein Theil der Schilddrüse seiner Mutter tranöplan irt wurde. Nach neun Monaten be gann das Kind sich geistig zu entwickeln. Jetzt kann eS gehen und sprechen. Die Transplantation der Schilddrüse ist einfach, da ei Theil davon ohne Ge ahr einem lebenden Menschen entnom men werden kann. Professor Garre berichtete ferner über erfolgreiche Ver uche bet der Transplantation von Blutgefäßen von einem Thier auf ein anderes. Es gelang ihm, zwei und einen halben Zoll lange Blutgefäße einem lebenden Thier zu entnehmen und diese zu tranöplantiren. Er voll zog auch die Transplantation von Blut gefäßen von Thieren, die bereits eine und eine halbe Stunde todt waren, auf lebende Thiere. Des Ferneren gab Professor Garre eine Darstellung der Transplantation der Niere von einem Thier auf ein anderes, mit dem Erfolg, daß das durch die Operation ergänzte Organ vollkommen funktionirte. Frankreich. Ulh oder Widerspruch. P a r i S, 23. Sept. Die echtsdei stünde des Grafen Boni de Eaftellane haben in dem von der Gattin ihres Klienten gegen diesen angestrengten Ehescheidungsprozeß zwar noch keine bestimmten Schritte gethan, aber die klägerische Seite erwartet von dem Ver. klagten entweder Verschleppung 3 versuche oder sehr hohe Geldforderungen. DaS französische Recht giebt ihm dazu ver schieden? bequeme Handhaben, nament ltch wenn er Anspruch auf die Kinder erhebm sollte. ES wird jedoch er wartet, daß der Verklagte der Scheidung sich nicht widersetzen wird, fall? seine Gattin die Forderungen seiner Gläubi ger regelt und dadurch daS Beschlag nahmeverfahren endet. In diesem Falle würde das Scheidungsdekret in dem auf den 17. Oktober zur VerHand. lung anberaumten Termin bewilligt werden. Spanien. Muß befolgt werden. M a d ei d, 23. Sept. Der Bischof von Eordova hat an die Geistlichen seiner Diozöse ein Rundschreiden erlas sen, in dem er das königliche Edikt, laut welchem Civilehen die gesetzliche Anerkennung ertheilt wird, aufs schürf fte verurtheilt. Trotz aller Rundschrei den kirchlicher Prälaten und trotz dem Wühlen der katholischen Geistlichen ist Juftizminifter, Graf RomanoneS, fest entschlossen, darauf zu sehen, daß die Bestimmungen deS Civilehegesetzes prompt befolgt werden. OefierreichUngar. Nur z u den Manövern. Wien, 23. Sept- Die nfamm lung einer großen bulgarischen Trup penmacht westlich von Koftendil, im südwestlichen Bulgarien, und ta der Richtung von Palanka, einem Ort jen seit der Grenze in der europäischen Türkei, wie gestern in einer Depesche au Saloniki gemeldet, ist lediglich die onzentrirung zu den jährlichen Ma növern. Mit Rücksicht auf die Em pfindlichkeit der Türkei wurde der Schauplatz der Manöver diesmal von der südmazedonifchen Grenze, wo sie ursprünglich abgehalten werden soll ten, nach jenem südwestlichen Distrikt verlegt. Die jetzigen diplomatischen Schwte rigkeiten zwischen der Türkei und Buk garien, welche auö den chronischen Wirren in Mazedonien entstanden sind, dürften nach hiesigem Dafürhalten keineswegs ernste Folgen nach sich ziehen.
Marokko
Situation sehr ernst. T a n g e r, 23. Sept. D'e Situa tion ist so ernst, daß fte das Einschni. ten der Mächte erfordert. Die intetnationate Polizei, deren Organifirung letztes Frühjahr auf dem Kongreß von AlgericaS beschlossen wurde, genügt angeblich nicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Der vor einigen Wochen mit Verstärkungen nach Mogador ge schickte Kommandant der RegierungS truppen ist unter der Beschuldigung verhaftet worden, mit dem Banditen führer Raisuli unter einer Decke zu stecken. Raisuli selbst liegt schwer krank darnieder. ES soll ihm angeblich von einem Agenten deS Auswärtigen Amtes deS Sultans Gift beigebracht worden sein. In ASbury Park baden täglich Hunderte im Ozean und an verschiede nen Plätzen find die Lebensretter unv Badebedienftete noch nicht entlassen worden. DaS Baden im Ozean soll jetzt angenehmer sein, als in den Mo naten Juli und August. In Youngwood, Pa., hat sich der noch im Knabenalter stehende David Suttlemyer erschossen, weil er unbeab ftchtigter Weise einen seiner Kameraden durch einen Schuß auf den Tod verletzt hatte. T. Edward Hambleton, ehemals Ehef des Bankhauses Hambleton & Eo. in Baltimore. Md., der als Multi Millionär galt, der Bater des Schnell verkehrSyftemS von BalUmore, ist in seinem Sommerheim nahe der genann ten Stadt im Alter von 78 Jahren mit dem Tod abgegangen. Im Alter von 101 Jahren starb im Armenhause zu Eadiz. Ohio. Frau Mary MyerS. Die Verstorbene war 50 Jahre Insassin deS Armenhauses. Der Passagierdampfer Prinz Adalbert" mit dem betrügerischen Chi caqoer Bank Präsidenten Paul O. StenSland an Bord, war heute bis Sonnenuntergang nicht im New Yorker Hafen angekommen. StenSland wird morgen Vormittag erft gelandet wer den. .,,, Schiffsnachrichten. Siasconett. Mass. : Minnetonka" von London wird Montag Morgen um 10.30 in New York an kommen. Eave Race, N. F.: ..Kronprinz Wil Helm" wird am Dienstag Morgen um 7.30 in New York ankommen. New ork: Ultonia" von Trieft. Liverpool: Bohemian" nach Boston; .Vtctoriania" von Montreal ; Ciioton" von Montreal. OueenStown : ..Umbria- nach New York. Couthampton : Bremen" nach New Aork. Plymouth: Großer Kurfürst- von New York; Kaiser Wilhelm 11. von New York. Couthampton: St. Paul" von New York. Moville: Eolumbia" nach New York. Liverpool: .Umdria" nach New York. Havana: LaProvence" nach NewYork. Ein Theater für Kinder. In Rio de Janeiro soll jetzt ein Theater gebaut werden, das ausfchliehltch der Unterhattuna der Kinder Die nen soll. Die Stücke, die in diesem Kmoertbeater zur Ausfuhruna getan qen sollen, werden in der Mehrzahl nach den Märchen der Brüder Grimm und von Andersen bearbeitet sein. Die Stadt wird den Bau des Theaters und oxt Aufführungen unterstutzen. Per Telephon getraut wurde dieser Tage ein Paar in Pearlington. Miss. Infolge des schlechten Zustandes der Landstraßen konnte der Geistliche das Haus nicht errreichen. in dem die Trauung stattfinden sollte. Nach einer längeren Unterredung übet's Televkon erklärte sich der Pastor endlich damit einverstanden, die Trauungsceremonre per Drftanz unter BeNutzung des Telephons vorzunehmen. Au denr TisctilerKandwcrK A.: Sie sind ein ungehobelter Mensch!" B.: Und Sie ein lackirter Affe."
ehetmnißvoNe Geschöpfe.
Große Aufregung verursachte kürzlich eine Nachricht aus Montreal in Canada. Danach hatte der Steward Fournier im Dienste der französischen Pelzhändler NevillZon Frres einen Ausflug nordltch der Hudsonba: gemacht und hatte dort einen riesenhaften Menschen erblickt und verfolgt, aber nicht erreichen können. Ein abgegebener Schuß verfehlte sein Ziel. Drei ähnlnhe Unholde hatten den Versuch gemacht, ein Mädchen zu entführen. Die Geschöpfe Haber, nach Fourniers Beschreibung riesige Köpfe und lange Arme und ähneln am Unterkörper den Bären. Die Eskimos haben schon oft von solchen Wesen erzählt, man hat ihnen aber nicht geglaubt. Jetzt schreibt der bekannte Astronom Walter Maunder von der Greenwich-Sternwarte, die Nachricht aus Montreal sei ein verspätetes Echo emes Vorganges, der sich am Nordwestriverposten der HudsonbaiCompagnie einige Tage vor der Ankunft der vorjährigen Sonnenfinsternih - Expedition, mit der Maunder nach Nordamerika reiste, ereignet hatte. Die kleine Niederlassung befindet sich an der Mundung des Nordweftriver. wo er sich in den Melvillesee ergreßt, und von ihren Bewohnern sind nur drei unzweifelhafte Weiße, Cottar, ein englischer Canadier, Fournrer, ein französischer Canadier, der Capitän (nicht Steward) des Schuners der Frres Revlllion. und der Faktor Duclos. Als die astronomische Expedition in der Ansiedlung eintraf, war man dort in größter Aufregung über die (Entdeckung von Fußspuren, welche denen eines Menschen glichen, aber an den Zehen Klauen aufwiesen. Drei Individuen waren an der Ansiedlung vorübergegangen, denn die Fußspuren waren in drei Größen vorhanden, und eine davon war so tref eingedrückt, daß sie von emem entsetzlich schweren Ge schöpf herrühren mußte. Capitän Fourmer schätzte nach der Tiefe der Fußspuren, daß das Geschöpf 700 Pfund wiegen müsse. Die Beunruhi gung erreichte ihren Höhepunkt, als ein Trapper Namens Michael, der zwanzig englische Meilen flußauf wärts eine einsame Hütte bewohnte. mit Frau und Kindern in die Ansiedlung kam nd erzählte, seine Tochter habe einen riesenhaften schwarzen Mann gesehen, der ihr ge winkt habe, sie solle mit' ihm kommen. Sie sei in die Hütte geflüchtet und habe sich eingesperrt. Als der Vater heimkehrte, hielt er es für das klügste, mit seinen Leuten zur Niederlassung zu gehen. Capitän Fournrer trommette die Trapper zusam men, und gemeinschaftlich nahmen sie die Verfolgung auf. Sie kamen den geheimnißvollen Wanderern bald auf die Spur und entdeckten, wovon sie sich nährten. Ganz Labrador wurde damals toon Feldratten überschwemmt, die sich nicht vor den Menschen fürchteten und sich mit der Hand fangen ließen. Von diesen scheinen sich die Wanderer genährt zu haben, man fand, zu Hunderten Ko pfe, Füße und Schwänze der Ratten. die sie weggeworfen hatten. Capitän Fournier fand ein Nachtlager der Verfolgten und blieb eine aanze Nacht auf einem Baume auf der Lauer. Obwohl er sie schnattern und die Knochen der Ratten beißen hörte. zeigten sie sich keinen Augenblick. Sie wurden nicht mehr gesehen, so lange sich die Expedition auf dem Nord Westflusse aufhielt. Der englische Astronom bemerkt zu diesem Berichte, daß er keinen Zweifel hegt, daß es sich um nichts anderes handelt, als um wahnsinnig gewordene Indianer, die von ihren Stammen ausgestoßen werden, wei man glaubt, sie seien von bösen Geistern besessen. In diesem Zustande zeigen die unglücklichen Geschöpfe kannibalische Neigungen. In Labra dor nennen die Indianer sie Wendigoes . Ausdauerndes Rothwild. Wenn vielleicht alle anderen Gattungen Rothwild bei uns verschwunden oder in die entlegensten Grenzgebiete der Civilisation zurückgewichen sein werden, so dürfte doch der sögenannte wetßschwänzige Hirsch noch allenthalben im Reiche der Cultur munter weitergedeihen, falls nicht geradezu ein Vernichtungskrieg gegen ihn gefuhrt w,rd. Er hat die Wurdigung, welche ihm neuerdings der bekannte amerikanische Sportsmann und Schriftsteller Ernest Thompson Seton widmet, vollauf verdient. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man dieses Thier, bei allem Respekt vor sonstigen Gattungen Rothwild, den amerikanischen Hirsch der Bergangenheit und der Gegenwart nennt. Diese Rothwild-Svecies, die schon von den ersten weißen Siedlern unseres Landes inmitten des damaligen Wildreichthums hochgeschätzt wurde, ist die einzige, welche infolge ihrer ungemein große Anpassungsfähigkeit selbst in den kleinsten noch, übrig gebliebenen Resten des Dickichts zufrieden leben kann manchmal zu großer Ueberraschung des Cultur, menschen unvermuthenb auftauchend und sich vom Gekreische der Fa-brik-Dampfpfeifen und von den vielen sonstigen Civilisatwnsklänoeu ringsum nicht stören laßt!
Dabek hat aber dieser Hirsch ein ehr feines Ohr für Alles, was für hn von besonderem Interesse ist, und
kann durch all' dieses Getöse hindurch z. B. stets das verdächtige Knacken auch nur des kleinsten Zweiaes unterscheiden, welches das Herairnahen irgend eines Feindes bedeuten mag. Hört er irgend ein für ihn be deutliches Geräusch, so schleicht er vorsichtig witternd in Bogenwegen herum, bis er die Ursache und Ruchtung des Geräusches ergründet hat. und schließlich huscht er katzengleich durch das Gestrüpp nach erner wert abliegenden Zufluchtsstätte davon, ohne daß er einen Versuch gemacht hat, den Feind auch nur in Sicht zu bekommen, geschweige denn ihm eine Gelegenheit zum Schießen gegeben hat. Selbst der beste Rothwildjäger hat daher ihm gegenüber kein leichtes Spiel. Einestheils ist der weißschwänzige Hirsch der am wenigsten wanderhafte, sozusagen konservativfte, auch nicht sehr in Vrelpaarung lebende der Rothmildfamilie, anderntheils aber ist er der schnellste. charfsichtigste, klügste. scheuest, ruchtbarste und Ganzen erfolg reichste. Ja, er ist der einzige, der sein Tummelfeld sogar noch erweitert hat! Er hat vielfach rm Norden und Westen den Siedler geradezu begleitet oder ist ihm in neu eröffnete Theile Neuenglands und Canadas gefolgt. Er wird höchstwahrscheinlich sich niemals durch den Siegeslauf des Pfluges vertreiben lassen, so lange wir halbwegs zulängliche Jagd- und Schonzeitgesetze haben, und die Landbauthätigkeit selbst, an deren Früchten er gelegentlich knobbert, hat eine gewisse Anziehung für ihn. Doch kann man nicht sagen, daß er zum Gemeinschaden werde; so zahlreich ist er denn doch keineswegs. Aber noch in anderer Beziehung hat der weißschwänzige Hirsch eine bedeutsame geschichtliche Rolle gespielt. Er hat durch die Jagd auf ihn nicht wenig dazu beigetragen, die amerikanischen Revolurionsheere auszubilden, gerade wie die Antilope des südafrikanischen Veldt die Buren ausgebildet hat! Es gibt Leute, welche es für möglich halten, daß seim Rolle in dieser Hinsicht noch nicht für immer ausgespielt ist. Junge Weiße Elefanten. Das Volk von Birma ist in Artfregung, und die benachbarten Siamesen nehmen theil an der Freude; denn das Land ward beglückt durch die Geburt von zwei weißen Elephanten. die fast zu gleicher Zeit nicht weit von Chiermai das Licht der Welt erblickten. Der eine von beiden kam freilich etwak unvorschriftsmäßig zur Welt, in einer Umgebung, die seiner nicht würdig war, d. h. in der Heerde eines einfachen Hokhändlers. Da nach dem Glauben oer Birmanen ein HolzHändler aber die hohe Auszeichnung nicht genießen darf, einen weißen Elephanten zu besitzen, so wurde daö Elephantenbaby einfach einem Tiger zum Fraße vorgeworfen und so das Vorrecht der Könige und Häuptlinge gewahrt. Der andere weiße Elephant war in der Wahl seiner Eltern etwas vorsichtiger; er kam in der Heerde des Gouverneurs von Lakam zur Welt, und seine Ankunft wurde im besten birmanischen Stil durch einen Traum geweissagt. Der Gouverneur selbst, der so begnadet wurde, träumte, daß zahllose Buddhastatuen ia seinem Gemach umherwanderten und sich schließlich auf seinem Kopfe nieverließen. Dann träumte er weiter, daß er den heiligen Bobaum, unter dem der Gautama erleuchtet wurde, mitfammt dem Throne, auf dem der Heilige saß, zu tragen habe. Am nächsten Morgen rief er seine Wahrsager zusammen und legte ihnen seinen Traum zur Deutung vor. Die alten Herren standen gerade da und rieben sich die Nase oder sahen gedankenvoll zur Decke, ohne daß ihnen die Erleuchtung kommen wollte, als plötzlich ein Bote athemlos in's Zimmer stürzte mit der Meldung, daß in der Heerde deö Gouverneurs ein weißer Elephant geboren wäre. Jetzt wußten die Wahrsager auf einmal, was der Traum des Gouverneurs zu besagen hatte, und daß dieses Wunderzeichen darauf hindeute, daß der Herr des weißen Elephanten noch große Macht und unsterblichen Ruhm erwerben werde. Der weiße Elephant aber wurde mik einem weihen Sonnenschirm geschützt und unter königlicher Prachtentfaltung in die Stadt geführt; sein Geleit bildeten Schaaren von Reitern auf Elephanten und Pferden, während eine Musikkapelle spielte und das Volk zu Hunderten zur Seite marschirte. Das weiße Elephantenbaby ist ein Prachtexemplar seiner Gattung. Seine Haut", heißt es in einer Schilderung, hat die Farbe hellen Strohs; sein Haar ist weiß wie Silbernadeln, sein Gaumen und seine Zunge sind vollkommen roth, und seine Augen gleichen Rubinen von reinstem Wasser. Er ist ein vollkommen weißer Elephant." Butter hält sich am besten, wem sie mit 3 bis 5 Prozent Salz vermischt wird.
