Indiana Tribüne, Volume 30, Number 22, Indianapolis, Marion County, 18 September 1906 — Page 7

Jndiana Tribüne, IS

September 1906

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Der Jlnü) .z. 5 drr bölrn Chat i 4 Ein T.oman aus drr groken KOtit von Gregor Svmarow - - : sFortfetzung.) Sind Sie dessen so gewiß, Gras Hakenstem?" fragte Jda lachend. Würde ich mit Herrn von Braunau ein Geheimniß theilen, so weih ich nickt, ob ich einen Dritten im Bunde dulden möchte. Man sagt ja uns Frauen nach, daß wir eigensüchtig und herrschbeg-erig sind, und einen Gegenstand, der uns gehört, namentlich wenn es ein Herz ist. am liebsten ganz allein für uns behalten." ..Hier würden Sie zwei Herzen geIrinnen," rief Braunau feurig, dorn ich weiß, daß Ezechiel auch der treue und aufrichtige Freund meiner Freunde ist. und eifrig daran arbeiten wird. Hindernisse aus dem Wege zu räumen, welche sich meiner Hoffnung, dr Sie mir ja erlaubt haben, entgegenstellen möchten." ..Nun so mag's drum fein." sagte Jda, indem sie Ezechiel noch einmal die Hand reichte. An Hindernissen." fuhr sie leicht seufzend fort, .wird es leider nicht gnz fehlen da ist ein treuer Verbündeter, viel werth, und auch jetzt schon hat uns Graf Hakenstein einen großen Dienst geleistet, indem er zu uns herantrat. Wären wir noch länger hier allein geblieben, so hätte man leicht vermuthen können, daß wir uns weiß Gott welche ganz außerordentlichen Dinge zu erzählen hätten." Und doch." rief Braunau. betraf unser Gespräch, zu welchem ein gütiger Schutzgeist uns die Gelegenheit gab, die einfachste natürlichste Sache von der Welt: die Anbetung der Schönheit und die herrlichste Belohnung der Liebe und Treue." Sie haben ihn zum Dichter gemacht. Komtesse." sagte Ezechiel lächelnd. und darauf dürfen Sie stolz sein, denn ich habe ihn bisher für ein ziemlich prosaisches Weltkind gehalte?t." So muß ich nur hoffen," erwiderte Jda mit einem Blick, der warm zu Braunaus Herz drang, daß meine Schöpfung Bestand hat und daß er dem Ideal treu bleibt, das er gefunden zu haben glaubt vielleicht auch in einer Aufwallung von dichterische: Phantasie." Das ich gefunden habe," betheuerte Braunau, und das die sonst so profaische Wirklichkeit diesmal schöner gestaltet, als Alles, was die Phantasie zu schaffen vermag." Der alte Graf Rothenfels kehrte zum Wagen zurück. Das letzte Rennen hatte begonnen, und die Tribünen fin gen an. sich zu leeren, da keine Reiter und Pferde von besonderem Interesse gestartet hatten. Der Graf war ein stolz und strena blickender Mann von fast fünfzig Iahren. das Musterbild eines vornehmen Kavaliers. Seine einzige Tochter Jda war nach dem früh erfolgten Tode seiner Gemahlin sein Stolz und seine Freude. Er widmete ihr eine zärtlich? Sorgfalt und ließ fast all' ihren Wün fchen und Launen volle Freiheit. Dennoch aber verlangte er auch von ihr. wenn er einmal seinen Willen aussprach, unbedingten Gehorsam, und beZ seinem großen Reichthum und seiner hoch angesehenen Stellung in der Gesellschaft war man allgemein übeneugt. daß er den künftigen Gemahl seiner Tochter nur unter den vornehmsten und glänzendsten Partien des Landes wah, len würde. Er grüßte Braunau mi verbindlicher, aber kalter Höflichkeit und reichte Ezechiel vertraulich die Hand. Nach einem kurzen Gespräch empfah len sich die beiden jungen Offiziere, während der Gras in den Wagen stieg, und der Zdutscher Zügel und Peitsche bereit hielt, um sie Jda zu reichen. Ich wünsche Dir Glück." sagte Ezechiel, Du scheinst ja vollkommen mit der Dame Deines Herzens einig zu sein..Gott sei Dank, ja!" sagte Braunau freudig, oh. Du glaubst nicht, wie glücklich ich bin und wie dankbar Dir. denn ohn- Deine Hilfe hätte ich woh! jede Hoffnung aufgeben müssen. Es wird wohl," fuhr er seufzend fort. noch schwer genua sein, zum Ziel zu gelangen. Was bin ich. der unbedeutende Leutnant ohne hervorragenden Namen, für den Grafen Rothenfels. dn sich nicht hinter die Fürsten zurückstellt?" Nun." sagte Graf Ezechiel. Du hast den besten Bundesgenossen: Das Herz seiner Tochter. Die Hin der niffe, die sich Dir entgegenstellen, sind bei Gott! nicht die schwersten. Auf meinen Beistand, soweit ich Dir helfen kann, darfst Du zählen. Doch jetzt lebe wohl! Ich bin wirklich etwas müde und bedarf einiger Ruhe. Du wirft wohl hier noch bis zum Schluß bleiben, so lange der Magnet Deines Herzens seine Anziehungskraft aus-übt.-Er drückte dem Freunde die Hand, winkte seinen Reitknecht mit seinem Pferde heran und ritt langsam der Stadt zu. Am Eingange der Tribüne hielt der Wagen des Barons Bärenstein. Ehiel sah, wie jener seiner GeniahIm m den Wagen half, und wie sie dann fröstelnd die Pelzdecke heraufzog und sich in die Kissen lehnte.

T5x gab seinem Pferde die Sporen und sprengte davon. Bald war das Rennen zu Ende, und die Zuschauer begaben sich auf den Heimweg. Gräfin Jda Rothenfels führte mit Anmuth und Sicherheit die Zügel ihrer feurigen Pferde, mit ihrer zierlichen Peitsche die zahlreichen Grüße ihrer Bekannten erwidernd. Braunau wagte es nicht, neben dem Wagen zu reiten, attx bald sein Pferd anspornend, bald wieder in langsamerer Gangart zurückhaltend, verstand er, sich doch immer, ohne daß es auffällig war, in der Nähe des Wagens zu halten. So oft er an demselben vorbei kam, oder ihn an sich vorüber fahren ließ, trafen sich die Blicke der Beiden, deren Herzen sich heute in süßem Verständniß zusammen gefunden, mit einem Gruß, den sie selbst nur verstanden und dci Graf Rothenfels, der kalt und g!cichgi!?ig auf die ihnen Begegnendcn blickte, nicht bemerkte. Graf Balduin war unmittelbar nach Beendizung des letzten Rennens schnell nach Hause geritten. Er fand seinen Diener, einen Menschen mit einem gleiten, fast immer verschmitzt lächelnden Gesicht, bereit, um ihm beim Wechsel der Toilette behilflich zu sein. Nun. Franz,"- sagte Balduin, seinen Ueberrock abwerfend, was hast Tu zu berichten? Du machst ein Gesicht, als ob Tu etwas Wichtiges entdeckt hättest." Jch glaube, daß es so ist," erwiderte der Diener mit einer leisen Stirnme, die ebenso glatt war. als seine Bewegunaen der Herr Graf wünschen zu wissen, was Ihr gnädiger Herr Bruder thut und treibt. Nun. ich habe mir Mühe gegeben. Ihren Wunsch zu erfüllen. Der Graf Ezechiel si id gleich, nachdem der Dienst vorbei war, mit dem Herrn Leutnant von Braunau nach der Altgasse gegangen und dort in das Haus eines gewissen Ehrenfried getreten, wo sie länger als eine halbe Stunde blieben, um dann sogleich zu Pferde zu steigen und nach der Nennbahn zu reiten." Ehrenfried?" sagte Graf Balduin. ich glaube, das ist ein AntiquitätenHändler, der in seinem Schaufenster, vor dem ich zuweilen stehen geblieben bin. verschiedene .Bric a brac' ausaestellt hat. Mein Bruder hat ja Neigung für solche Dinge, besonders für seltene alte Waffen." Herr Ehrenfried," erwiderte Franz, ist nicht nur Antiquitätenhändler. Man sagt und ich glaube auch mit Recht daß er zuweilen auch Geldgeschäfte mit jungen Herren macht, deren Name ihm die Bürgschaft für eine vortheilhafte und glatte Abwickelung bietet." Ah so.- rief Balduin. das ist seltsam. Sollte mein Bruder in Verlegenheit sein, er hat doch, so viel mir bcsannt, kein? kostspieligen Passionen." Ich würde es gewiß nicht wagen. so etwas vorauszusetzen." erwiderte Franz. aber -vielleicht könnte der Herr Leutnant von Braunau ein Geldbedürfniß gehabt haben. Der Herr Gras Ezechiel ist ein nobler und großmüthiger Herr und mit dem Herrn von Braunau sehr befreundet.Balduin stand einen Augenblick nachdenklich da. Braunau." fagte er, er hat sich lange und eifrig mit der Gräfin Jda Rothenfels unterhalten und Ezechiel kam dazu. Cohnfelo sprach recht in diskret von einer Spielschuld, welche Braunau bezahlt ja. ja. das ist ein Faden, der es werth ist. ihn zu verfolgen. An feinen und unsichtbaren M? den wird ja die Welt gelenkt, und je mehr man von solchen Fäden in der Hand hält, um so sicherer 'ührt man die Dinge dahin, wo man sie haben will. Tu baü Deine Sache qut Gemacht, Franz," sagte er. indem er ein Goldstück ans seinem Portemonnaie nahm und es dem schmunzelnden Diener reichte fahre fort, mir alles zu sagen, was Tu bemerkst, ich bin ein wenig neugierig und liebe es, die Leute damit zu necken, daß ich auch ihr? verborgenen Schätze kenne." Franz steckte mit ehrerbietigem Dank das Goldstück ein, reichte Balduin i?en Frack, und dieser begab sich mit zufriedenem Lächeln zu dem Familiendiner in dem kleinen Speisesaal neben den Gemächern seiner Mutter.

3. Kapitel. n weiter fruchtbarer und Waldreicher Ebene, von Bergen und Höhenzügen eingeschlossen, lag die Herrschaft des Grafen Hakenstein. Das Schloß, ein mächtig aufragender Bau von großen Dimensionen, mit verschiedenen Höfen und langgestreckten Flügeln, die sich an ein hohes, emporsteigendes, von einem starken Thurm überragtes Mittelsiück anschlössen, machte als großartiger Herrensitz einen fürstlich glänzenden Eindruck und bot. obgleich es keinen eigentlichen Baustil zeigte, sondern seine Entstehung und Entwickelung im Laufe der Jahrhunderte erkennen ließ, ein malerisch schönes Bild. Am Fuße einer langsam aufsteigenden, mit aiten Waldungen bedeckten Hügelreihe, breitete stch ein weit ausgedehnter Park mit prachtvollen sorgfältig gepflegten Anlagen aller Art rings umher aus, und bot all'', was ein vornehmes Leben auf dem Lande reizvoll machen kann, vorzügliche Reitwege. schattige Alleen für Fuhpromenaden. Spielplätze und lauschige Sitze. Die Gärtnerwchnuttgen. welche hier und

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dort zwischen den Baumgruppen sichtbar waren, gaben dem Ganzen eine anmuthige Abwechselung in kleinen geschlossenen Bildern, wie sie die englische Gartenkunst so meisterhaft zu schaffen weiß. Weiterhin sah man reiche und sauber gehaltene Dörfer und Borwerke mit den Wohnhäusern und WirthschaftsHöfen der oeschieoenen Güter, welche die Herrschaft Steinkirchen umfaßte, und so weit das Auge reichte, gehörte alles bis zu den in blauer Ferne aufsteigenden höheren Bergen dem Grafen Hakenstein. Weiterhin seitswärts in einer toah digen Höhe sah man zuweilen dunkle Rauchsäulen aufsteigen. Dort lagen die reichen Zinkbergwerke, welche der Graf entdeckt und aufgeschlossen hatte, und welche immer neue unerschöpfliche Schätze zu Tage förderten. Der Frühlinz war. die letzten Spuren des Winters mit seinem sonnigen Hauch verscheuchend, in das Land gezogen. Alles prangte in frischem Grün, auf allen Feldern sah man die Arbeiter beschäftigt, und in das Schloß, das so lange in winterlicher Ruhe dagelegen hatte, war ein neues buntfarbig bcwegtes Leben eingezogen. Die Kunst der Gärtner hatte in der unmittelbaren Umgebung des Schlosses alles vereinigt, was nur der Frühling an Blüthen aus der Erde hcrvorspriehen läßt, und alle Zonen hatten zu diesem schimmernden und duftenden Blumenflor ihren Beitrug liefern müssen. Auf der breiten Terrasse vor der Parkseite des Schlosses waren Zelte von buntgestreifter Leinwand mit vergoldenen Stangen ausgeschlagen. Ueberall sah man die Laksien in ihren glänzenden geschmackvollen Livreen, in den großen Höfen waren die Stallbeamten. Kutscher und Reitknechte mit der Pflege und der regelmäßigen Bewegung der Pferde in den Longirbahnen beschäftigt und auf dem großen Mittelthurm wehte ein dunkelblaues Banner mit dem gräflichen Wapven. Seit einigen Tagen war die Herrschaft in dem Schlosse wieder eingezogen, um, wie es in jedem Jahr geschah, hier den Sommer zuzubringen, und den Aufenthalt meist bis weit in die Jagdzeit hinein auszudehnen. Der Graf und die Gräfin hatten ihre Gemächer in dem einen Sciienflügel bezogen, welche mit den alten Prachtsälen des Mittelbaues zusammenhängen. In einem Pavillon, welcher den Schluß des Baues nach der anderen Seite hin bildet, befanden stch die Wohnungen der beiden jungen Grafen. Balduin hatte seine Eltern begleitet, Ezechiel konnte nur seltener auf kurze Zeit vom Dienst abkommen und pflegte erst nach den Manövern zu längerem Urlaub nach Steinkirchen zu kommen. Aber auch alle übrigen Zimmer in dem weit ausgedehnten Bau schienen bewohnt. Üeberall sah man verschiedenfarbige Marquisen zum Schutz für den Sonnenstrahl, denn alles war vorbereitet für den Empfang von Gästen, welche oft in großer Zahl in Steinkirchen erschienen und stets mit der vornehmsten Gastfreundschaft aufgenommen wurden je nach ihrem Alter und Rang in einfachen Fremdenzimmern oder in den mit reichem Luxus und geschmackvoller Behaglichkeit eingerichteten Apartements. Die Morgensonne war über die Hügelketten emporgestiegen und groß ihr Licht über die frühlinqsfriscke Natur, langsam die Thauperlen aufsaugend, welche auf den saftgrünen Blättern und den im Farbenschmelz leuchtenden Blüthenkelchen schimmerten. Im Schlosse war alles in lebhafter Bewegung, denn der Tag begann hier. wo man sich von den langen Abendacsellschaften und den durchdachten Ballnachten erholte, auch für die Herrschaften früh, und nur der dichte Wald. b?r seitwärts vom Park weithin sich ausdehnte, schien erst langsam seinen Tag zu beginnen, denn noch schweiften leichte weißliche Netelstreifcn über den Bäumen oder zogen am Rande des Gesträuchs über die Haide hin, welche die Waldung begrenzte. In einer weitab liegenden Ecke der Waldung, ron hohen Eichen und Buchen überdeckt, lag ein einsames Gehöft. Ein kleines, von rothen Backsteinen aufgemauertes und von einem Schieferdach überragtes Haus, war von einer starken Wcißdornhecke umgeben, deren Ausgang durch eine eiserne Gitterthür verschlossen wurde. In dem eingeschlossenen Raum befand sich ein Garten mit allerlei Küchengewächsen, einer Laube von Jasmin und einigen Blumenbeeten. Bänke von Eichenholz standen V5r dem Hause, durch dessen geöffnete Thür man in einen mit Steinfliesen ausgelegten Flur blickte, dessen hölzerne Wände mit Rehkronen und Geweihen geschmückt waren. Das ganze Gehöft war sauber, sau elegant eingerichtet und gehalten, und doch machte es in dem Schatten de hohen Baumkronen, durch welche die Sonnenstrahlen nur spärlich hindurchdrangen, einen düsteren Eindruck. Auf der Bank vor dem Hause saß ein großer, kräftig gewachsener Mann und war damit beschäftigt, ein schönes Jagdgewehr zu putzen. Seine Gestalt war hager und sehnig, sein Gestcht, mit kurzem schwarzen Bart und tiefschwsrzen Augen, war braun gefärbt und zeigte mit dem über die breite Stirn herabfallenden, leicht gekräuselten schwarzen Haar den südländischen Typus. Er trug eine grüne Joppe mit aufstehendem Kragen und hoch über die

Kniee heraufreichende Gamaschen von gelbem Leder. Aar dieser Anzug auch eigentlich keine Livree, so ließ er doch annehmen, daß der hagere sehnige Mann, der in seiner ganzen eigenarti,en Erscheinung an die Gestalt des Kaspar im Freischütz erinnerte, in dem Forstdienst dcö Grafen stand. Und in der That war dies auch der Fall. Bretislaw Frohmann war WaldHüter in der Forst von Stcinkirchen. aber trotz dieses geringen Amtes hatte er die dequcme und geräumige Dienstwohnung. welche ein Revierförstcr kaum lesser hätte beanspruchen können. Auch der Gehalt, den er bezog, aini weit über die einfache Waldhüterstellung hinaus, und doch leöte er in einer Wei''e. die noch über die Grenzen dieses Gehalts hinaus ging. Niemals fehlte es ihm an Geld, und zuweilen wollt? man in seiner Börse Goldstücke gesehen haben, wenn er in irgend einem Gast Hause der Gegend seine Zeche bezahlte. Er erfreute sich der besonderen Gunst des Grafen Hakenstein, der ihm das außerordentliche Recht gegeben hatte. Wi!! für seinen eigenen Bedarf zu schießen, von dem der so Begünstig!? freilich einen ganz bescheidenen und ganz in die Grenzen des korrekten jagdmäßigen Abschusses beschränkten c brauch machte. Dafür hielt er tat ganze Revier von den in jener Gegend häufig vorkommenden Wilddieben völlig frei. Diese fürchteten ihn mehr wie alle Förster. Er hatte die Fähigkeit, ihre Spuren mit außerordentlicher Sicherheit zu finden, und auch die verwegensten und trotzigsten Wilddiebe scheuten seine Begegnung, da er sein Gewehr mit einer wunderbaren Sicherheit führte und schon einmal einen Wilderer, der stch ihm entgegen stellte, schwer verwundet niedergestreckt hatte. Man schrieb ihm geheimnißvolle Kraft? zu. man flüsterte, daß er die Vogelspräche verstände, mit den Waldgeissern zu verkehren wisse und mit der Mün schelruthe die in der Erde verborgenen Schätze zu entdecken vermöchte. Aucb flüsterte man sich zu, daß er es verstände, Freikugeln zu gießen, denn noch niemals hatte man von ibm einen Fehlschuß gesehen. Die Bewohner der Gegend und auch die Bediensteten von Steinkirchen hatten eine Scheu vor ihm nnd suchten ihm auszuweichen, wo si: es konnten, was ihnen auch nicht schwer wurde, da er selbst wenig Gesellschaft aufsuchte und meist allein durch die Wälder strich, und wenn er auf den Vorwerken ?der bei den Zinkqrubcn er schien, so hatte er immer Briefe odc. Bestellungen des Grafen zu überbrin gen. die er kurz und ohne alle überflüsstgen Worte erledigte, denn er wurde ganz vorzugsweise zu Sendungen von seinem Herrn verwendet, bei denen er sich aber niemals wie andere zu Pferd? setzte, sondern immer zu Fuß ging. auch immer nur Richtwege einschlug, und, wenn man ihm begegnete, auf den Boden geneigt dahinschritt. Trotz der allgemeinen Scheu, wurde er aber überall mit der entgegenkommendsten Höflichkeit behandelt, sowohl wegen seiner besonderen Gunst, in der er bei dem Grafen stand, wie auch wegen der Furcht vor den ihm zuqefchriebenen Eigenschaften. Trotz seiner vorausgesetzten Verbindung mit geheimnißvollen Mächten, konnte man ihm in seinem Wandel nichts vorwerfen: er zeigte tcc stets als qur Katholik. besuchte regelmäßig die Kirche des nächsten Torfes und erfüllte pünktliä.' die Vorschriften seiner Religion. tx war mit dem Putzen sein. 's Ge wehrs fertig, und ""m im Vgitff, die Theile desselbl sorgfältig toieVT zusammenzusetzen, als vom ffia' der ein Mädchen auf das einfarre i'')aldwärterhaus zuging, das geschlossen? Gittertbor ifnete und in den (Wcnrff trat. Er blickte von seiner Ävbeit auf und erwiderte dcn ihm gebotenen Morgengrufz mit einem freundlichen Lächeln, daö fönst seinem ernsten Gesicht fremd war. Du bist schon früh ausgegangen. Lara," sagte er. ohne Dein Frühstück zu berühren was hast Tu vor gehabte Ich habe Kräuter gesucht," erwiderte das Mädchen, das muß ja in der frühen Morgenstunde geschehen, ehe der Thau verschwunden ist, und auch michtern muß man dabei sein, sonst verlieren die Pflanzen ihre Kräfte und der Blick trübt sich sie zu erkennen." Sie setzte stch ihm gegenüber auf die Holzbank und breitete eine Menge Kräuter der verschiedensten Art. theils Blüthen, theils mit dcn Wurzeln aus gezogene Pflanzen, auf dem Tisch aus. (frort etzung folgt.)

D i e sZarbenfavrtkatton aus Steinkohlentheer soll von allen das gesundheitsdienlich s : Gewerbe sein, da der Theer tonisch (stärkend) und die Gewebeanbildun unterstützend wirkt. Die durchschnitt liche Lebensdauer der Thcerarbcitcr beträgt 8fi ?!ahre. I u m u o s u r r e r tu 4asersiroh besser geeignet als Roggenstroh, weil es weicher ist und daher von den Thieren lieber gefressen wird; nur darf Haferstroh nicht zu reichlich an bis Kühe verabreicht werden, weil durch dasselbe die Milch leicht einen etwas bitteren Geschmack anninimt.

Moder. Du, Männchen, da las ich ,retrospektiv'; waö ist denn das?" Das weiß ich selber nicht, Schatz.- La muß ich doch gleich unser neues Dienst mädchen fragen."

Europäische Nachrichten.

!5rcvtnz Schleswig -Kolstetn. A l t o n a. Ein schweres BrandUnglück ereignete stch am Windsberg. Der Fuhrmann Feldmann war auf seinem dort belegenen Ackerlande beschäftigt, seine kleine Tochter spielte in der Nähe umher. Plötzlich blickte er auf und sah seme Tochter in Flckmmen stehen. Er sprang hinzu und ritz die brennenden Kleider dem Kinde vom Körpn; jedoch hatte das Kind so schwere Brandwunden erlitten, daß es bald gestorben ist; der Vater hat ebenfalls schwere Verletzungen erhalten. Dockenhuden. Die Eheleute Heinrich Penz stierten im Kreise ihrer Familie das Fest der goldenen Hochzeit, bei welcher Gelegenheit den betagten Jubilaren viele Ehrungen zutheil wurden. Propst Paulsen überbrachte die Glückwünsche der Kirchengemeinde. Lägerdorf. Die kürzlich in der Stör aufgefundene Leiche ist als die des Schirrmeisters KrVger von hier erkannt worden. Krüger, 57 Jahre alt, arbeitete in der Breitenburger Portland - Cementfabrik. Er hatte Selbstmordgedanken geäußert, war seit einigen Tagen verschwunden und hinterläßt eine Wittwe mit mehreren Kindern. N e u m ü n st e r. Em Unglücksfall ereignete stch hier auf der Bahnstrecke Wankendorf-Reumünster. Der hiesige Eisenbahningenieur Fleischmann befuhr mit dem Bahnmeister und zwei anderen Beamten auf einer Dräsine diese Strecke. An der Dräsine wurde eines der Räder defekt und alle vier Männer stürzten von dieser ab. Dabei erlitt der Ingenieur Fleischmann erhebliche Verletzungen und mußte sofort in ärztliche Behandlung genommen werden. Rendsburg. Aus Anlaß ihres 50jährigen Arbeitsjubiläums auf der Karlshütte erhielten die beiden Kesselschmiede Jönk und Ehlers das Allgemeine Ehrenzeichen. R y m ö l l s. Einen tödtlichen Unfall erlitt der Windmühlenbesitzer Jörgensen von hier. Er trat vom Laufaang durch eine der Thüren in das Innere der Mühle, um beim Setzen eines neuen Mühlsteins behülflich zu sein. Hierbei stürzte Jörgensen durch eine Oeffnung. Bei dem etwa 7 Meter tiefen Sturz traf der korpulente Mann so unglücklich auf, daß er einen Genickbruch mit Zerquetfchung des Rückenmarks erlitt. Nach kurzer Zeit trat der Tod des 66jährigen Mannes ein, der eine Wittwe und fünf Kinder hinterläßt. W a n g e l a u. Vor kurzem brannte hier das Wohnhaus des Hofbesitzers Ludwig Koch total nieder. In den Flammen fanden 3 Pferde ihren Tod. Die Entfiehungsursache ist unbekannt. W i l 8 b e k. Durch Großfeun wurde der große Hof des Hofbesitzers Peterfen vollständig ein Raub' der Flammen. Nichts wurde gerettet. Die Bewohner retteten mit Mühe nur daS nackte Leben. Provinz Ächteste. B r e s l a u. Die Straßenbahnschaffnersftau Anna Hellmann, Viktoriaftraße 4, kochte Kaffee und stand mit der gefüllten SpirituSkanne neben dem brennenden Kocher, als durch einen Luftzua die Flamme zu der Kanne geweht wurde, die dadurch ezplodirte. Die Nfrau erlitt schwere Brandwunden, die ihren Tod herbeiführten. Am 21. JuN feierte Hugo ?ltsck bier zualeich mit der SilberHochzeit das Wjährige Jubiläum seines Eintritts in das von feinem Schwiegervater Emil Müller bereits im Jahre 1860 begründete Agenturengeschäft der Garn- und Tertilbranche. Freiwaldau. In oen Schlestschen Dachstein- und Falzziegelfabrtken brach m einem Fabritgebäude Feuer aus, welches einen Theil der Fabrik, enthaltend vier Oestn mit darüber befindlichen Trockenanlagen, zerstörte. Gottesberg. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich im Sternbruche an der Friedenshöhe. Das 11 Jahre alte Töchterchen des Grubenarbeiters Scholz suchte in der Nähe des Steinbruches nach Blaubeeren. Dabei gerieth es zu nlhe an den Rand der abschüffigen Bruchwände und stürzte an einer Felswand in einer Höhe von 1E Metern ab. Das Mädchen blieb mit sehr schweren Verletzungen best nungslos liegen. K o n t o p p. Forstgehilfe Jakobi schoß auf dem Gehöft des Müllermeisters R. Müller ein neues Tesching ein. Dabei drang eine 5wgel durch die Bretterwand eines Schuppens und traf den dahintersitzenden 11jährigen Knaben Katzur so unglücklich, daß die 9 Millimeter starke Kugel dem Knaben den Kopf durchbohrte. Obwohl ärztliche Hilfe sofort zur Stelle war. ist der Knabe doch noch an demselben Tage an der erhaltenen Verletzung gestorben. R o s e n i g. Stellenbesitzer Seifert von hier, der sich von seinem Sohne, dem Kaufmann Seifert in Siegendorf, heimlich entfernt hatte, wurde in einem kleinen Busche bei Siegendorf erhängt aufgefunden. Anscheinend hat Schwermuth den Mann in den Tod getrieben. Schlegel. Berginspektor Bobisch, welcher 25 Jahre bei der Gewerkschaft der Neuroder Kohlen- und Thonwerke angestet ist. wurde für seine treue Dienstleistung m ehrender Weise.auS gezeichnet. Namens der Gewerkschaft erschien in der Wohnung des Jubilars

Graf Pilati. Generaldirektor' Werner und Bergwerksdirektor Daniloff. Nach einer herzlichen Ansprache wurde ihm eine goldene Uhr mit Kette überreicht. Auch die Beamten bereiteten ihrem verehrten Collegen eine schöne Feier. Schoosdorf. In einem Wasserbassin ertrank beim Spielen das 1 Jahr alte Söhnchen des Fabrikant sehers Ellger. W i l k a. Die bei dem Müllermeister Hansel Hierselbst in Diensten stehende 23jährige Lina Henkel war seit etwa acht Tagen spurlos verschwunden. Sie wurde als Leiche in der Mittag" vorgefunden. Ob Selbstmord oder em Unglücksfall vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. 'Zfrovinz osen. Posen. Kürzlich wurde die Tochter des Arbeiters Rychlowski von der Mutter in den Kelle? geschickt, um etwas zu holen. Das Mädchen ging mit dem Licht so unvorsichtig um, daß die Kleider in Brand geriethen. Das Krnd erlitt so schwere Brandwunden, daß es im Krankenhause gestorben ist. Birnbaum. Dem Präparandenanftaltsoorsteher Kropp wurde der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Bromberg. Hier hat der 22 Jahre alte Arbeiter Gustav Thiel seine Geliebte, die 40 Jahre alte Hettmann. mit einem Küchenmesser ermordet. Der Grund der That ist Eifersucht. Thiel wurde verhaftet. R a witsch. Dem Arbeiter WilHelm Schmidt und dessen Ehefrau Johanna, geb. Kornetzke, hierfelbst, ist zur Feier ihres 50jähriaen Ehestandes das kaiserliche Gnadengeschenk überwiesen worden. Mrotschen. Im Stalle des Kaufmanns Adolf Levy brach Feuer aus; es griff mit so großer Schnelligkeit um sich, daß trotz des kräftigen Eingreifens der freiwilligen Feuerwehr nicht allein die übrigen Hintergebäude des Levy, sondern auch sämmtliche Hintergebäude des Nachbars, Bäckermeisters Stanislaus Czeszewski, niederbrannten. Später brannte auch das Hintergehöft des Kaufmanns Julius Riesenburger bis auf die Umfassungswände nieder. Murowana-Goslin. Als ein Wirthssohn aus Pila mit zwei Wagen Klobenholz in der Rogasenerstraße fuhr, hängte sich das sieben Jahre alte Töchterchen des Einwohners Henckelmann an die Deichsel und fiel so unglücklich herunter, daß die Räder des zweiten Wagens ihm über den Leib gingen, so daß es nach kurzer Zeit starb. Schönlanke. Hier starb infolge von Bleivergiftung durch Erbsenkonserven der Gemeindebeamte Lelser. Schwarzen au. Vor kurzem inerte hier das Schuhmacher Johann Puchowicz'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Usch-Hauland. Hier ertrank der 13 Iah alte Knabe Richard Wegen. Er lbar mit anderen Schülern zum Konfirmandenunterricht gekommen und nahm in der Küddow ein Bad. wobei er ertrank. Wollstein. Der 26 Jahre alte Sohn des früheren Kreisgerichtssekretärs Krentscher wurde von einer Fliege im Gesicht gestochen. Es stellte sich alsbald Blutvergiftung ein. Krentscher starb im hiesigen Kreiskrankenhause. Provinz gxxchfen. Magdeburg. Die Leiche des am 5. Februar IM hier geborenen Arbeiters Gustav Götsch ist kürzlich am recyren User der Stromelde overyalv der Strombrücke gelandet und von dort nach der Halle der altstädtischen Krankenanstalt gebracht worden. Es liegt zweifellos ein Unglücksfall vor. Der dem Trunke ergebene Götsch wird sich, so wird angenommen, nach dem Nächtigen im Freien an der Elbe gewaschen haben und hierbei in deir Strom hineingefallen sein, in dem er ertrank. Gatersleben. Letztens wurde unmittelbar vor unserem Dorfe der frühere Knecht Gieseler ermordet. Derselbe ist, wie nunmehr festzustehen, scheint, nicht das Opfer einer Verwechselung geworden, sondern soll von dem ihn nach Hause begleitenden Schneidermeister Äegmann von hier in der Trunkenheit ermordet worden sein. Der Ermordete ist durch zwei Messerstiche aetödtet worden. Erfurt. Durch falsches Absprtngen von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn kam hier vieser Tage der Schneider Fischer aus Köln zu Fall und zog sich einen Schädelbruch zu, dem er alsbald im städtischen Krankenhaus erlegen ist. Desgleichen starb hier an den Folgen eines Stur zes von der Scheune der Landwirth Friedrich Knoll aus Bünstedt. Scherndorf. Der 17jährige Sohn des Landwirths Friedrich von hier wurde, als er auf einem Pferde seines Vaters von Sömmerda aus nach Hause ritt, unterwegs von dem plötzlich scheuenden Thiere abgeworfen und durch einen Hufschlag gegen den Kopf auf der Stelle getödtet. Schöne deck. Der Arbeiter Richard Zimmermann war bei einem Streite durch einen Messerstich so schwer verletzt worden, daß er nach Anlegung eines Nothverbandes von der hiesigen freiwilligen Sanitätskolonne nach dem Kaiser FriedrichKrankenhause gebracht wurde. Hier ist er fernen Verletzungen erlegen.