Indiana Tribüne, Volume 30, Number 16, Indianapolis, Marion County, 11 September 1906 — Page 5
Jndiana Tribüne, 11. September 1906
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Jntermban Zeit-Tabelle. ------ I. U. T. System. 'I, Kraft Sonntag, den 2. Mai 1906.; Züe verlaffm Indianapolis. M un cie & Marion Division. Lawrence, Fortville, Pendleton. nderson. Voritown, Muncie, Middletomn. lexandria. Gummitville, Fairmount, Gas Citn, Jones loro und Marion.
4 00 5 06 6 00 7 05 8 00 9 05 10 00 11 00 11 05 12 00 Vm. Vm. Bm. Vm. Vm. Bm. Vm. Bm. Vm. Mttgs. 1 05 Nm. 2 00 iim. 3 05 Nm. 4 00 Nm. 6 00 Nm. 5 05 Nm. 6 00 Nm. 7 06 Nrn. 8 00 Nm. 9 05 m. 11 30 Nm. Limited. LoganSport & Peru Division. Tarmel, NobleSville, Cicero, rcadia, Atlanta, Tipton, Kokomo, Galvefton, Walton, LoganSport, Miami, Bunker Hill,
Peru und Elwood. 5 00 Bm. 1 45 Nm. 5 45 Bm. 3 00 Nm. 7 00 Bm. S 45 Nm. 7 45 Vm. 6 00 Nm. 9 00 Bm. 5 45 Nm. 46 Bm. 7 00 Nm. 11 00 Vm. 7 45 Nm. 11 45 Vm. 00 Nm. 1 00 Nm. ,11 30 Nm.
Limites. er Zug um 11:30 bendS der Jndiana, yt-LoganSport !Dioifion geht nach Peru Natt LoganSport. eue spezielle Bedienung nach Ft. ??ayne. Aüge verlassen Indianapolis um 7:00 und 11:00 Uhr Vormittags und. 3.00 und 7:00 Uhr Nachmittags, machen die Fahrt nach st. apne in 4 Stunden und 40 Minuten. euer Zug Marion Flyer Verläht Marion 7:66 Bormittags und 1:65 Nach ittagS ; Verläßt Indianapolis 11:00 Bor nttags und 5:00 Nachmittags ; hält bloS in nderson und lezandria an. Anschließende Linien erreichen Davto, Ohio, Ft. Wayne, Huntington, Wabash. fontaine, Swayzee, Greentown. Hartford Giry, Montpellier, luffton, Winchester, Union Etty. Greenville, O., und Zwischen Rationen. Uracht und Passagier. Office Termin Wartezimmer. Telephon M 176. Indianapolis & Eaftern. untted Züge sür'Siichmond und allen untten in Ohio, welche verbunden find mit ektrischen Linien, um 8:10 und 11:10 Bor Mags, 2:10 und 5:10 Nachmittag und V:10bendS. Locale Züge für Richmond nd Zwischenftationen von 6:00 Uhr Vor ittagS an und dann jede Swnde. auSge onnnen die Limited Zeit, bis 9:00 Abend 7tf0 Uhr Abends ausgelassen). Letzter Zug ach Gremfield um 11:30 Uhr bmd. In nanapolis & MarttnSville. Erste MorgnuCar um 5:10 Uhr Morgen. Dann von 6:30 Uhr Morgens jede Stund ot 11:30 Uhr Abends ausgenommen die runden 830 und 10:30 Uhr Avends. Indianapolis Eoal Tractio Co. Aüge laufen stündlich von Indianapolis ach Blainfield von 5:00 Uhr Morgen bis 11:00 Uhr Abend ; ausgenommen die tun den 8:00 und 10:00 Uhr Abend. Indianapolis & Northwestern. Auge laufen stündlich von 5rtX) Uhr Mor, gen bi 9:00 Uhr Abends. Anschluß in Lebanon sür Thorntomnund.CramfordSville. Der Zug um 10:00 Uhr.Abend fährt blo bis nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr bendS fährt bis nach Frankfort, Anschluß in Lebanon für ErawfordSville ; derselbe fahrt in der Sonn tag Nacht bloS bis nach Lafayette. Limited Züge für Lafayette fahren ab um 8:10 und 11:10 Uhr Morgen, und 2:10. 5:10 Nachmittags und 7:10 Abend. Für krawfordSville um 10:45 Vormittags und 4:26 Nachmittag. INDIANAPOLIS BREWIN6 CO. Düsseldorfer... Da Bier, welche auf der Weltausstellung zu St. LouiS den Preis erhielt al Der Welt Standard Für Vollkommeuheit I Ptnts und Quarts, laschen Tev't. Tel. 578 und 690. Indianapolis Brewlng Co. EDWAKD W. MESSMEK. 1025Madifon Ave. ixlL Alleiniger gent der berühmten Williams Pumpen "NO TRIX' "TO FIX". arannri etne Holzpumpe ans Giftn gemacht.' Rtvaraturen an Pumpen werden prompt und billig gttktnrt. Reparatur n Hausern wie lege vener innen oder nlnrraae nenn lbflntzr schien au Zmn der galvaniftrte Gts den jede Aeit gemacht.!
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Der traurige Passagier. Skizze von Adelheid Weber. Der Stellwagen fuhr das Eggenthal herauf. Der Julimorgn war herrlich, noch etwas verschlafen; den ffelsen hingen noch die Nebelfetzen wie aufgegangene Schlafhauben um die Köpfe; unten in den Gebüschen hockte der Nebel noch silberweiß und dicht. Im Hotel Adler waren zwei Passagiere eingestiegen, ein Herr und eine Dame, beide jung, die Dame kaum 18 Jahre. Sie setzten sich auf die letzten Sitze des Wagens nebeneinander. Die Dame, nicht eigentlich hübsch, hatte ein eigensinnig pikantes Gesichtchen mit neugierig aufgewipptem. feinem Naschen, großen, schwargen Augen und einer Masse wuschliger, schwarzer Haare, die in zerzausten Wellen den zierlichen Kopf umgaben. Sie trug über Bluse und Covertcoatrock einen eleganten, gelblichen Reisemantel von etwas extrem schickem Schnitt. Ihr Begleiter hatte ein kluges, regelmäßiges blondes Gesicht und trug seine große und schlanke Figur sehr strack. Man sieht dir den norddeutschen Regierungsassessor auf tausend Schritt an," hatte seine Cousine ihm eben mit schnippischem Näschen versichert. Betrachtest du das als Schande?" fragte er gutlaunig. Es ist fad," entgegnete sie. Der Stellwagen nahm eben neue Passagiere ein. Weißt du flüsterte der Assessor seiner Dame zu, während die neuen Ankömmlinge mit mehr oder weniger Grazie au? die Sitze kletterten, was die Leute von uns denken werden, wenn du mir fortgesetzt solch böses Gesicht machst?" Die Angeredete antwortete nur durch ein stärkeres Krausen des Näschens. Sie werden uns für Hochzeitsreisende nach dem ersten Zank halten", flüsterte er. Ich habe derartige Situationen oft beobachtet; immer hat der junge Ehemann konciliant gelächelt und die junge Frau das Naschen gekraust." Die junge Dame zuckte die Achseln. jl! je! Daß ich mt lach", entgegnete sie nun. Aber nun sag mir nur, Käthjjjj u Ich heiße Stella Aber Käthchen paßt so gut zu dir. Denk an Shakespeare Aber mittelalterige Zähmungen gibt's heute nicht mehr Aber Zähmungen doch? Indessen, was ich sagen wollte: warum hast du mich eigentlich, seit ich gestern Abend vor dich trat, so ausgesucht schlecht behandelt? Unvorbereitet, wie ich mich darauf hatte, hat das mein Selbstbewußtsein auf's tiefste erfchüttert. Ist das der Lohn für fünf Stunden Ttellwagen herunter und wieder herauf, nur um dein liebreizendes Persönchen von deiner Mama zu meiner Mama zu chaperouiren!" Ich habe dich nicht darum gebeten im Gegentheil!" Im Gegentheil aha!" Ich soll mich womöglich noch dafür bedanken, daß du dich dazu hergibst, mich wie eine Gefangene zu eskortiren! Ui je! Ui je! 's U schon ein Vergnügen, Gcheimrathstochter zu sein. Nicht sieben Stunden geben sie einem Freiheit, sich auszuleben!" Der Assessor musterte mit schnellem Blick die Mitreisenden und sah sehr befriedigt aus. Wollen einen Pakt machen, Käthchen", sagte er. Du betrachtest mich als Luft und lebst dich deinen vollen sieben Stunden aus. Fang nur gleich damit an." Und was verlangst du für deine Diskretion?" Für Käthchen, wenn wir nun beide Studenten wären, müßt ich dir einen dummen Jungen aufbrummen und dir morgen dein Nasenspitzchen absäbeln!" Laß meine Nase in Ruhe. Aber du, wenn du mich immer ansiehst, kann ich keine Kartenkunststückchen machen." I Käthchen. über das Geniren sind wir modernen Seelen doch hinaus!" Du bist gar keine moderne Seele." Nu, wie dem auch sei. ich bin augenblicklich Luft nur Luft. Käthchen." Abgemacht. Aber nun sieh bloß den Fluß an! Der ist ja wohl ganz toll!" Sie hatte das in ihrer Lebhaftigseit laut gerufen. Das ist der Eisack. mein Fraulein, und der Ort da oben ist Kardaun", sagte die Dame, die den beiden gegenüber auf dem Rücksitz saß. Danke!" erwiderte Stella und sah sich nun erst ihre Reisegefährten recht an. Es waren außer einem Herrn in Wadenstrümpfen, der sich gleich zum Kutscher gesetzt httte und dieserhalb sowie wegen seiner Salontirolerei für Stella nicht mitzählte. drei Personen, die allesammt den Sitz Stella und ihrem Vetter gegenüber eingenommen hatten, eine Dame und zwei Herren. Die Dame hatte graue Haare und ein rothbraun verbranntes Gesicht und trug ein sehr kurzgeschürztes, gänzlich korsettloses, graugrünes Lodenkleid, das ganz ohne Rücksicht auf ihre Kor-
' pulenz geschnitten war und sie dem-
gemäß kleidete. Sie schien sich in ihrem uneleganten Anzug ungemein wohl zu fühlen und sprach mit ihrem Sohn, der neben ihr sah, immerfort von Pässen, Jochen, Gebirgskämmen und Bergspitzen, die sie in den letzten Wochen erklettert batten oder in den nächsten erklettern wollten. Jetzt eben kamen sie von der Mendel und wollten über den Karerseepaß nach Vigo gehen. Der Sohn war in demselben Maße kurz, wie die Mama lang, ebenso blaß wie sie roth, aber von gleicher Begeisterung für die Kraxelei erfüllt. Stella mußte nicht recht, sollte sie die Registratorin und den Primaner, wie sie die beiden bei sich taufte, wegen ihrer Begeisterung belachen oder beneiden, gerieth aber gleich in eine so vergnügliche Unterhaltung mit ihnen, daß sie lange nicht dazu kam, den dritten Reisegefährten, der Georg gegenüber ganz stumm dasaß, eingehender zu mustern. Eben als er eine etwas heftige Bewegung machte, sah sie ihn an. Eben flog eine Bremse von seiner Nase fort; er rieb sie ein paar Mal, und Stella mußte lachen. Da blickte er sie einen Moment lang an, er hatte kohlschwarze, mandelförmig geschnittene Augen mit ausnehmend langen, schwarzen Wimpern und breiten, schweren Lidern, und sein Blick war so melancholisch, daß Stella erröthete. als habe sie sich der Verspottung eines großen Unglücks schuldig gemacht. Im nächsten Moment senkte er die dunklen Lider halb über die schwarzen Augen und starrte theilnahmslos in's Leere. Stellas Blicke huschten immer wieder zu ihm hin. Er hatte ein klassisch geschnittenes Gesicht. Die Stirn unter dem breitrandigen Hut war niedrig, die Nase. deren schmaler Rücken sich unter der Wirkung des Bremsenstiches leider röthete, blieb dennoch fein gerade und edel; der Mund unter dem Schnurrbärtchen war fast zu schön für einen Mann; der südlich blasse Teint erhöhte die melancholische Schönheit des schmalen Gesichts. Die Hand, wenn sie mit ein?? seelenmüden Bewegung ab und zu über die Nase strich, blendete Stella sörmlicli, nicht nur durch das Funkeln des prachtvollen Brillanten am kleinen Finger, sondern mehr noch durch ihre Weiße und ihre schmale, feine FoTm. Wie ein Byronscher nein, ich hab's, wie Oskar Wilde!" flüsterte sie Georg zu. Georg zog die Brauen hoch. Bischen geistreicher!" flüsterte er zurück. Wer?" Oskar Wilde." Spricht ja kein Wort!" Eben!" Unterdessen bog der Stellwagen i
die Karneidschlucht und fuhr zwischen den zerklüfteten, starr aufragenden Felsen dicht am Karneidbach entlang. Das sind ja tolle Felsen!" rief Stella. Ach, und das entzückende Räubernest da oben!" Alle lachten; aber in ihrem Lachen war die gleiche Bewunderung für die große Szenerie. Nur der traurige Passagier sagte nichts und lächelte nicht, blickte auch nicht um sich, sondern mit demselben müden Gesichtsausdruck und denselben verschleierten Augen immer geradeaus in's Leere. Muß der aber unglücklich sein!" dachte Stella und stieß Georg an, mit den Augenwimpern auf den Traurigen deutend. Georg antwortete nur mit einem Lächeln. Für Stella aber stand es fest, daß das große Erlebniß da sei, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte, und daß sie diese Stunden benutzen müsse, den unglücklichen Mann aus seinem Hinbrüten zu erlösen und ihn sanft auf das farbige Leben hinzuweisen. Ihre mitleidigen, tröstenden Blicke sah er nicht, da er die Lider ja halb gesenkt hielt. Nun aber fuhr der Wagen durch den schönsten Theil des Eggenthales. Hoch über ihnen spannte sich die Felsenbrücke, und darunter schoß der Karneidbach in die Tiefe, sein Wasser in tausend blitzenden Tropfen versprühend und sich mit übermüthigem, dickem, silbernem Schwall köpfüber auf den Felsengrund stürzend. Dazu lachten unten die Tannen in die Sonne hinein, die jetzt ihre Nadeln mit Silber umrandete, daß der ganze Behang wie Silbertroddeln blitzte. Und oben standen die Porphyrfelsen grau mit 'rothem Geäder in starren Formen da. Stella bog sich impulsiv zu dem -traurigen Passagier herüber. Das ist doch schön!" sagte sie mit milder Ueberredung. Er öffnete ein wenig seine halbgeschlossenen Lider und blickte sie müde an. O ja!" murmelte er und ließ die Lider schon wieder sinken. Die Schweiz kann unmöglich schöner sein als Tirol", beharrte Stella. Er sah wieder müde zu ihr hin. Sie ist anders", murmelte er. O wirklich!" rief sie. Jn welcher Weise anders?" Es sind mehr Engländer und mehr elegante Hotels darin", erwiderte er. Stella erröthete. Hatte sie diese doch unstreitig ironische Antwort verdient? Wie unglücklich mußte der Fremde sein, ihr harmloses, aber
doch immer anziehende Perflnchen
mir loicyer Geringschätzung zu behandeln! Aber es mußte einen Weg geben, ihn aus seinem Brüten zu erwecken, dem Leben wieder zu geben! Eben tauchten die Dolomiten vor ihnen auf. Sie neigte sich gegen den Fremden. Was für Berge sind das?" Latemar, Rosengarten, Rothwand. Rieterjoch", zählte er murmelnd auf, sah aber nicht die Berge, fondern Stella an. immer mit dem gleichen müden Blick seiner verschleierten Augen. Kann man diese schroffen Felsen auch besteigen?" Wenn man will", murmelte er. Aber nicht ohne Führer", rief die freundliche Dame dazwischen. Und dann auch nur, wenn Sie eine geübte Bergsteigerin sind. Die Dolomiten haben's in sich. Wir machen sie morgen, nicht wahr. Udo?" Freilich. Wundervoll!" rief der Primaner. Ich wollt', ich dürft's auch", sagte Stella gegen die fröhlichen Pas. sagiere und dann ermunternd zu dem traurigen: Steigen Sie gern?" O nein!" antwortete er, zum ersten Mal lebhafter, als verwahre er sich gegen eine unberechtigte Zumuthung. Sie sind wohl schon so viel gereist, daß Sie wenig mehr bewundern". meinte Stella. Na, erlauben Sie mal", rief die unternehmende Mama, wer Augen hat. findet immer Schönes und Schöneres auf der Welt, fo viel er auch schon gesehen haben mag." Ich nicht! Es ist überall dasselbe", sagte der traurige Passagier. Dann thun Sie mir leid", schloß die Dame kurzab. Welche Geistesgröße!" flüsterte Stella Georg zu. Aber der Abscheuliche platzte mit einem Lachen heraus, das er nur mangelhaft unter einem ertemporirten Husten versteckte. Stella warf ihm einen vernichtenden Blick zu und versank nun auch endgültig in Schweigen. Uebngens fühlte sie jetzt fortwährend die Augen des traurigen Passagiers auf sich ruhen, und das ängstliche Vergnügen, das sie darüber empfand, verkürzte ihr den Weg auch ohne Rede beträchtlich. Aber nun fuhr sie doch aus ihrer Versunkenheit auf. Der Wald lichtete sich auf der rechten Seite, und nun leuchtete etwas unter den Tannen auf war es ein riefengroßer Smaragd? Oder war es ein Saphir? Ein unglaublich intensives Grünblau leuchtete, funkelte, schimmerte, strahlte ihnen entgegen. Was ist das? Um Gottes willen. was ist das!" rief Stella. Das ist ein See!" sagten die beiden Enthusiasten freundlich lächelnd. Ein See! Aber das ist ja unmöglich! Solche Farben gibt es ja gar nicht!" rief Stella. Jetzt trat der Weg dichter an den Rand des Waldes, und unter ihnen lag der See wie ein schimmerndes Wunder. Dicht hinter den Tannen an seinem Rand stiegen die Zinnen des Latemar vielgezackt und drohend in die Wolken. Sie schwiegen alle, so lange sie das Wunder sehen konnten. Der Erste, der wieder sprach, war der traurige Passagier. Da ist das Hotel!" sagte er. Stella schrak zusammen. War wirklich eine so lebhafte Befried!gung in seiner Stimme, wie sie sie herauszuhören glaubte? Unmöglich konnte doch der luxuriöse Riesenbau, der das Modetreiben in das große Schweigen der Berge brachte, seine melancholische Seele ergötzen? Er war unruhig geworden, fühlte an sich herum, sah unter den Sitz, zog endlich eine Plaidrolle hervor, und kaum daß der Kutscher vor dem Hotel hielt, stand er auf und kletterte vom Wagen. Er zog nur flüchtig den Hut gegen die Mitreisenden, sah Stella noch einmal an. rief dem Kutscher zu: Mein Koffer!" würdigte die Diener, die vom Hotel zum Wagen eilten, des ersten musternden Blickes, den er heute versandte, und nahm dann dem Kutscher den Koffer ab. den der Mann vom Verdeck gehoben hatte. Ohne sich umzublicken, stieg er rasch die Freitreppe zum Hotel hinauf. Die Reisenden sahen sich an. Was war das für ein sonderbarer Mensch!" sagte die enthusiastische Mama. Ungeheuer stumpfsinnig", ließ sich Georg vernehmen. Stella hatte an einer dumpfen Enttäuschung geknabbert. Jetzt fuhr sie auf. Stumpfsinnig!" rief sie. Wie kannst du das sagen! Er hat kaum ein Wort gesprochen, ich glaube, kaum etwas auf dem ganzen Weg gesehen!" Eben drum!" wiederholte Georg seinen früheren Ausspruch. Er kann auch in seine eigenen Gedanken versunken gewesen sein", gab der Primaner weise zu bedenken. Oder schrecklich unglücklich sein!" sagte Stella tiefsinnig. Georg hatte wieder sein fatales Lächeln. Für einen Unglücklichen interessirte er sich merkwürdig lebhaft für Hotels, meinte er. Ctella anrwortete nicht mehr.
Eine halbe Stunde später waren sie in Rothenfels. Stellas Begrüßung durch die Tante, der Mama sie für acht Tage anvertraute, wuche zu ihrer Erleichterung durch eine Erkennungsszene unterbrochen, die die Registratorin, die sich nun als Rittergutsbesitzerin und Jnstitutsfreundin der Tante entpuppte, mit dieser feierte. Georg war auf sein Zimmer geaanaen. und Stella konnte unaestört 'Ordnung in ihre verworrenen Gefühle bringen. Sie hatte aber eine unbestimmte Furcht vor der aufdämmernden Erkenntniß, wanderte j unruhig den Dolomiten zu, in die es hier schon hineinging, und schritt wieder zurück, weil ihr das Felsgeftein doch zu unwirthlich, fast drohend entaeaenstarrte Äls sie nach Hause kam, bat die Tante sie, rasch ein wenig Toilette zu machen; sie wollten unten im Hotel diniren. Stellas Hände flogen so, daß sie mit ihnen kaum ihr Haar regelrecht zerzausen konnte, und daß sie die lichtblaue SHjdenbluse und den schwarzen Sammtrock überhaupt zu bekam, war ihr selbst ein Räthsel. Als sie sich aber nach gethanem Werk im Spiegel musterte, kam ihr doch ein wenig Ruhe zurück. Sie sah so hübsch aus, daß sie sich gegen alle Eventualitäten gefeit fühlte . . . Sie gingen nun alle die beiden Enthusiasten eingerechnet durch den herrlichen Wald zum Hotel hinunter. Die unglaubliche Pracht seiner himmelhohen Tannen, strotzenden Buchen, kniehohen Gräser, Farne und Blumen machte Stella noch ruhiger, und Georg, der fast immer neben ihr ging, bezeigte sich so tadellos, unbefangen, anspielungslos und herzlich, daß sie sich ordentlich wie unter seinem Schutz vorkam. Sie nahm unwillkürlich seinen Arm, als sie sich dem luxuriösen Hotel näherten. Sie war doch ein wenig blaß geworden, und ihre Augen schweiften halb ängstlich, halb erwartungsvoll umher. Die Gäste des Hotels strömten vom Garten, vom Lawn-Tennisplatz. von den Treppen und den Gastzimmern herab zum Diner herbei. Aber die schlanke Gestalt des traurigen Passagiers war nicht unter ihnen. Auch in den Vorzimmern war er nicht. Aber nun, da sie den ungeheuren Speisesaal betraten, zuckte Stella zusammen. Am Anrichtetisch, auf dem die Kellner die Speisen absetzten, stand er. Er setzte zweien der Bedienenden eifrig etwas auseinander und gab ihnen Anweifingen, wie aus den nach dem Ehtisch deutenden Handbewegungen hervorging. Er war es wirklich: Es war die schlanke Gestalt, es war das vornehm blasse Gesicht, und es waren die dunklen Sammtaugen. Aber sie waren weder müde mehr noch traurig, sie sahen mit scharfen Blicken umher, und die seelenmüden Hände machten energische Bewegungen. Die Nase aber ach, die schöne, klassische Nase war vom Bremsenstich in eine rothe Rübe verwandelt worden! Jetzt sah er die Reisenden und kam mit einer Verbeugung auf sie zu. Haben die Herrschaften schon Plätze?" erkundigte er sich sehr höflich, und als Georg verneinte, rief er einen Kellner heran und gebot ihm, ihnen die besten unter den nicht reservirten Plätzen an der Tafel anzuweisen. Damit das gnädige Fräulein eine angenehme Erinnerung an unser Hotel mitnehmen", fügte er mit einer sehr höflichen Verbeugung gegen Stella hinzu. Stella sah den so gänzlich Verwandelten, ja Ausgetauschten mit fast fassungslosem Erstaunen an; Georg kam ihr zu Hilfe, indem er sich an den Höflichen wandte: Sie sind also hier zu Hause, wie icb sehe?" Zu dienen; ich bin der Inspektor des Hotels; ich fahre jeden zweiten Tag nach der Stadt herunter " Ja, darum interessirt Sie die Gegend auch nicht mehr!" sagte Georg. Ich bitte Sie, mein Herr, was sollte ich daran wohl sehen? Ich werde an den Bergen wohl an die zweitaufendmal vorübergefahren sein. Am liebsten ist es mir schon, wenn ich den Weg verschlafen kann." Und daran habe ich Sie heute fortwährend gehindert", lachte Stella und lachte frei und herzlich. Entschuldigen Sie nur; ich will's gewiß nicht wieder thun." Sie verbeugte sich leickt und zog Georg mit sich fort zur Tafel. Georg neigte sich zu ihr. Ich habe ihm Unrecht gethan dumm ist der nicht", sagte er. Nein", sagte Stella und sah ihm lächelnd in die Augen; die Dumme war ich." Des Zeuge Thätigkeit. Bei einer vor dem Wiener Landesgerichte durchgeführten Verhandlung verlangte ein Zeuge nach seiner Vernehmung eine Zeugengebühr. Vors.: Was verdienen Sie denn täglich? Zeuge: Das is net gleich, manchmal mehr, manchmal weniger, jetzt is ein bis! z'fammg'fchmolzen. Vors.: Ja, was sind Sie denn eigentlich? Zeuge: Schneeschaufler. (Allgemeine iterkeit.) Vors.: Jetzt im August sind Sie wohl Straßenkehrer? Zeuge: W mit so an gewöhnlichen Mist gib x mi net ab. (Heiterkeit). Vors.: Dann kann ich Ihnen auch nichts anweisen. Resignirt entferntc sich der Schneeschaufser.
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