Indiana Tribüne, Volume 30, Number 16, Indianapolis, Marion County, 11 September 1906 — Page 3
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Jndianck Tibüne, 11. September 1906
Nahrungsmittcl-Gcsctze
Verursachen bei allen Fabrikanten von Eßwaaren große Auftegung.
Bekannter deutscher Schauspieler gestorben. 8'Amerika Esperantifto". Eifersucht führt zum Mord. Baumwollen Pflanzer bilden eine Affociatioa Amerikaner in Houduras beleidigt. Streikbrecher erhalten andere Arbeit. Dn:tsche Yacht erhält den Roosevelt'Becher nicht.
Aufregungdei den Candy Fabrikanten. Washington. D. E., 10. Sept. Große Aufregung herrscht unter den Candyfabrikanten deS Landes über die Verfügung des AckerbauminifterS, wo nach um dem mit 1. Januar in Kraft tretenden Nahrungsmittelgesetze gerecht zu werden, der Gebrauch von Anilin in der Herstellung von Zuckerwerk, unter sagt wird. Die Fabrikanten erklären, unter Protest gegen diese Vorgehen, daß solches Verbot ihrem Geschäfte unendlichen Schaden zufügen würde, wäh nd medizinische Autoritäten behaupten, daß Genuß von Anilin höchst schädlich auf Nieren und Eingeweide wirke. Bekannter deutscher Schau s p i : l e r gestorben. N e w Y o r k. 10. Sept. Fritz Hi tzirath, seiner Zeit ein gefeierter Schau, spiel, allezeit ein allgemein beliebter und geachteter Mensch, ein llebenSwür diger Gesellschafter, ist in seiner Wohnung im Bronx einem langen Leiden erlegen. Friedrich Wilhelm Hitzigrath war vor 65 Jahren in Königsberg geboren und ftudirte dort Jurisprudenz, ging aber zum Militär und machte als Ar tillerieoffizier die Kriege von 1364, 1866 und 13701371 mit. Bei Gra velotte wurde er schwer verwundet und er mußte seine militärische Laufbahn aufgeben. Er wurde Schauspieler und erzielte besonder in Berlin, Köln, Wiesbaden und Mainz große Erfolge. In Berlin trat er mehrere Jahre lang im BictoriaTheater auf. Dort gab er z. B. den PhineaS Fox" in Dfc Steife um die Welt in 30 Tagen", während Julius Ascher die olle des Paffapar. tout" spielte. Bor etwa 23 Jahren kam er mit Gustav Amberg hierher und machte besonder? als Bonvivant Fu rore. Dann ging er nach dem Westen und wurde Direktor deS Deutschen Theater? in San Francisco. .L'Amerika Esperantist o". Oklahoma Eitv, Okla., 10. Sept. Hier hat man mit der Veröf fentlichung der ersten Esperanto Zeitung in Amerika begonnen. Esperanto ist bekanntlich die von einem deutsch russischen Arzte erfundene neue Welt spräche. In Europa extftiren 40 Zei tungen in diesem neuen Idiom. Die neue Zeitung in Oklahoma City heißt L'Amerika ESPerantifto". Eifersucht führt zum Mord. Bay SprinaS, Miff., 10. Sept. Durch Eifersucht zu Wahnsinn getrie ben, erschoß heute morgen der zehn Meilen von hier wohnende Pflanzer John Russin sein junge Weib. Als Rachbarn, durch den Knall herbeige lockt, das Haus betraten, fanden sie den Mörder neben der Leiche kniend und bitterlich weinen. Sr ließ sich freiwillig abführen. Baumwollen Pflanzer bilden eine Association. Hot Spring S, Ark., 10. Sept. Das Executiv.Komite der Southern Eotton Association nahm heute einm Beschluß an, wonach die Gesellschaft in eine mit Charter versehene Corpora tion umgewandelt werden solle, mit einem Kapital von $100,000,000, der Antheilschein zu 85 zu dem Zwecke, Baumwolle zu kaufen, zu verkaufen und zu lagern. Schnelle Justiz. E u l l e d o n, Sa., 10. Sept. Charles Miller, ein Reger, der ein 12 Jahre altes Mädchen angriff, wurde von einem Mob dem Sheriff abgenommen und durch Schüffe getödtet. Sekretär Shaw in In i lina. S a l i 8 d u r y, N. E., 10. September. Sekretär Shaw langte heute hier an und wurde durch den Reprü sentanten Blackburn einer etw 15.000 köpfigen Menge vorgestellt. In seiner Rede sprach er ausschließlich über Tarif fragen.
Amerikaner in Hondu ras beleidigt. New Orleans, La., 10. Sept. In Ceiba, in Honduras, ist ein Auf stand auSgebrochen wegen der ErklS' rung des Dr. Robinson, EhesS des Ver. Staaten Flottenhospltals daselbst, daß das britische Schiff Joseph Bacarro" aus New Orleans keinen Gesundheitspaß erhalten sollte. Dr. Ro. binson wieS angeblich nach, daß drei verdächtige ffiebersülle an Bord waren, die später als gelbes Fieber erkannt wurden. Infolge dieser Erklärung deS amerikanischen ArzteS wu. den die los a len Beamten so erbost, daß sie den Dr. Robinson mit dem Tode bedrohten. Der örtliche GesundheitSrath erklärte die Fälle für Malaria und klagte Dr. Robinson an, daß er darauf aus sei, die geschäftlichen Beziehungen von Hon duraS mit den Ber. Staaten zu schädi gen. Viele andere Beamte schlössen sich dieser Ansicht an, und Dr. Robinson schwebte in unmittelbarer Lebengefahr. Streikbrecher erhalten andere Arbeit. San Francisco, Eal., 10. Sept. Ungefähr 250 Männer, welche als Streikbrecher hierher gebracht ur den, sind heute wieder auf Kosten der Straßenbahn Gesellschaft nach wren resp. Heimathen im Osten zurückge schickt worden. Mehr als 600 Männer, die auch als Streikbrecher hier an kamen, aber in Folge der Beilegung des Streiks keine Anstellung bei der Straßenhahn erhalten haben, sind hier geblieben, da ihnen andere Arbeit von verschiedenen Seiten zugesichert wor den ist. Zwei todt, drei verwundet. Norfolk, Neb., 10. Sept. Lee Bailey und Charles Dmynn, welche schon seit langer Zeit in Feindschaft lebten, trafen sich heute Abend in einer Wirthschaft. Fünf Schüsse wurden abgegeben. Bailey ist todt, Dwynn kann nicht die Nacht durchleben. Drei andere Leute wurden durch Fehlschüsse verwundet. Streikbrecher gesteinigt. San Francisco, 10. Sept. Ein Aufiauf, der die Dimensionen eines Aufruhrs annahm, fand heute Abend statt, als 150 Streikbrecher die Stadt verließen. Bewaffnete Wächter und Polizei deckten den Rückzug. Hohnrufe und Steine wurden den Männern nachgesandt. Die Wächter verloren den Kopf und schössen, und etwa ein Dutzend Leute liegen im Ho. spitale. 20 der Wächter find verhaftet worden. Die Polizeivftürkungen unterdrückten später den Aufruhr. Aehnlicye Scenen wiederholen sich auf der ganzen Reihe der geängftigten Streikbrecher. Amerikanische Yacht al Sieger. Marblehead, Mass.. 10.Sep. Der Roosevelt'Becher, ein Geschenk des ..Caftern Yacht CludS", gestiftet, um Yachtwettfahrten zwischen Deutschen und Amerikanern zu fördern, wurde von der amerikanischen Yacht Bim" gewinnen. Kommodore T. C. Clark vom American Yacht Club in NewYork ist der Eigenthümer derselben. Die ist der dritte Sieg der Bim-, derselbe giebt dem Eigenthümer außer den Be cher auch dieChren das beste allaround Fahrzeug unter den sechs gehabt zu ha
ben, welche vor einer Woche die Wett, fahrten aufnahmen. Die amerikanische Yacht An!" lan d,te als zweite und die deutsche Yacht Wannsee" kreuzte als dritte die Linie, über 11 Minuten hinter der siegreichen Bim-. Der Tag war nicht besonders günstig, des dichten Nebels halber. Präsident Rooseoelt als Befürwor. ter deS Roosevelt'BecherS. um welchen Amerikaner und Deutsche rangen, wird eine Delegation repräsentativer deut scher und amerikanischer YachtenKefttzer auf der Mayflower in Oyfter Bay em vfangen.
Zug.Collision in Kali
fornien. Santa Barbara. Cal., 10. September. Der zwetteZTHeil deS füdweftlch fahrenden Zuges No. 1 der Southern Pacific Coaft Linie entgleiste auf einem Seitengeleise und 27 Personen wurden verletzt. Einige Theile der Lokomotive hatten fich loSge. löst und waren auf die Schienen gefallen. Zwei der Verletzten befinden fich in lebensgefährlicher Lage. Bryan spricht zuArbeitern. Omaha, Neb., 10. Sept. Wm. I. Bryan hielt heute beim Carnival der Central ArbeiterUnion eine lange Rede. Er erwähnte die Politik mit keinem Worte und beschränkte sich aus schließlich auf Arbeiter.Problerne. Um 6:30 Uhr reiste er nach St. LouiS ab. Vom Zuge getroffen. M u S c a t i n e, Ja., 10. Sept. Lafayette Sylvester und Joseph Keck wurden vor Augen ihrer Familie vom Zuge überfahren und sofort getödtet. Allerlei kleine Depesche. 10. September. In Troy, N. , vergiftet hat fich heute Abend Arthur R. tteefe, Schalterbeamter der Security Trust Co. eine Belege stimmten nicht. Die Western Sugar Refinery hat gestern in San Francisco für Roh zucker. der aus den Philippinen im portirt wurde, 197.876 an Zöllen be zahlt. Auf der Straße in Eau Claire, WiS., erschoß ein unbekannter Mann seine Gattin, die ihm vermuthlich Hör. ner aufgesetzt, und ihren Begleiter. Dann beging er Selbstmord. Die Flagge der kubanischen Re publik entfaltend, ging der Dampfer Maria Herera", beladen mtt Waffen und Munition für die kubanische Re gierung von New York in See. Dreißig Anthracit Kohlender werke der Phil. & Reading Co. in dem Schuylkill.Revier inPennsylvania wur den heute wieder in Betrieb gesetzt und 30,000 ttohlengrüber erhielten Arbeit. Oberst C. S. Sniffen wurde heute zum General Zahlmeister für die Bundesarmee ernannt an Stelle von Brigade General FranciS S. Dodge, dessen Amtstermin Dienstag abläuft. In Wien hat der berühmte Phyfiker Professor Dr. Ludwig Holymann Selbstmord begangen. Ein unheilbares Nervenleiden soll den verdienten Ge lehrten zu seiner traurigen That getrieben haben. Alfred Hansen und Henry Frank verbrannten gestern in Beffemer, Mich., in einem Wagen der Northwestern Eisenbahn, in dem sie schliefen, und welchen sie im Schlaf mit ihren Pfeifen selbst angesteckt hatten. Der heutige Ausweis der Clea ring House Banken in New York er weift, daß an den gesetzlich verlangten Reservefonds $6.577.920 fehlen. ES ist dieses das größte Deficit seit 1893. Damals war eS nöthig, zur Deckung desselben, Bank - Certifikate auSzu geben. Die Amnestie, welche der Kaiser vor acht Tagen zur Feier der Taufe seines Enkels für MajtftktSbeleidiger erließ, hat fich als eine Enttäuschung erwiesen. Sie kam im Ganzen nur sechzehn Berurtheilten . meistens Re. datteuren, zu Gute, und gegen sieben derselben find von eifrigen Staats anwälten bereits neue MajestütsbeleigungSProzeffe anhängig gemacht worden. Wie aus Paris gemeldet wird, hat der berühmte Brasilianer SantoS Dumont mit dem ballonlosen- Luft schiff mit welchem er seit längerer Zeit experimenttrt, einem riesigen von Mo toren getriebenen Aeroplan, einen so erfolgreichen Versuch gemacht, daß er glaubt, das Problem der Lustschifffahrt gelöst zu haben. Auf der Hudson Fluß.Brücke von New York nach Brooklyn stießen heute zwei Straßenbahnwagen mit großer Heftigkeit zusammen und zwölf Per. sonen wurden schwer, darunter eine Frau tödtilch. verletzt. In jöhzomiger Aufwallung schnitt FranciS Surtin, ein junger Bursche, im Streit über das Baseball, spiel einem gewissen Robert S. Jar. dine mit einem Rafirmesser den HalS in Hartford, Sonn., ab.
Tie Äurkostcn des Tcrricrs.
Man erzählt, daß einst eine in ?ms zur Kur weilende vornehme englische Lady schleunigst nach dem ersten A?zw deS Badeortes schickte. Als der Geheime Hofrath und Pro fessor dann herbeieilte, präscntirte sie ihm als Patientin ihr Schoß Hündchen, das einen kleinen Hühner knochen im Halse stecken hatte und am Ersticken war. Ter berühmte Medici ner machte gute Miene zum bösen Spiele, zog das Knöchelchen mit ei ner Pinzette heraus, rächte sich aber, indem er für diesen etwas an ßerhalb seiner gewohnten Praxis liegenden chirurgischen Eingriff eins ganz gehörig gepfefferte Rechnung schickte, die die Lady im übrigen, ohne mit der Wimper zu zucken, be glich. Ebenso vernarrt in chren süßen Köter, nur weniger zahlungsfreudig scheint eine andere Englände, rin gewesen zu sein, die sich, wie aus London berichtet wird, dort vor Gericht wegen einer Klage zu verant Worten hatte, die ein bekannterThier. arzt gegen sie eingereicht hatte. Ter Veterinär verlangte die Kleinigkeit von $75 für die Behandlung und Pflege, die er dem Foxterrier der Dame hatte angedeihen lassen, und die Tame weigerte sich, diese Sum me herauszurücken, die sie als die! zu hoch bezeichnete. Sie drang da mit aber nicht durch. Denn der Thierarzt wies nach, auf welche m gewöhnliche und kostspielige Art er. dem Wunsche der Serrin folaend. den Hund habe kuriren müssen. Erst wurde der Terrier an einem gedroche nen Schenkel operirt und dazu mit Cbloroform richtig narkotisirt. Tann bekam er, um einer Lungenentzündung vorzubeugen, Senfpflaster aufgelegt. Und während seiner ganzen Krankheit erhielt er täglich eine Kost ersten Ranges, die hauptsächlich aus guter, kräftiger Bouillon, Eierspeisen und einem Quantum alten, abge lagerten Whiskys bestand! Angesichts dieser Umstände, und sichtlich von der Qualität des zurHundemedizin erniedrigten edlen Whiskeys impressionirt, erklärten die gelehrten Richter den Anspruch des Thieracz. tes für durchaus angemessen und fällten ihr Urtheil zu seinen Gunfien. Wettmarsch der Dickuffe. Ein Wettmarsch der Dicken wurde auch in diesem Mit unter aroner Betbeiliauna der Kuraesellsckaft und der Bevölkerung von der Kurstadt der übermäßigen Leroessulle, Marienbad in Böhmen veranstaltet. Der Marsch, der um 7 Uhr früh begann, führte vom Start bc:mRettenverger Denkmal über bt Promenade, die Wawquelle. das Mafthal. die Forstwarte, das RübezhlCaf. oaS Panorama wieder zur Waldquelle und zur Promenade zurück. Das Mindestgewicht für Herren betrug bis 170 Zentimeter 9 Kiloaramm. von mehr als 170 Zentimeter 100 Kilogramm, fiir Damen 90 Kilogramm. Für t 5 Kilogram über das Minimalaswicht erhielt der Wettgehende eine Minute Vorgabe. Am Wettmavsch betheiligten sich insgesammt elf 5erren. von denen, wie davorherige Abwiegen am Start ergab, keiner als ..u leicht befunden wurde. Damen nahmen diesmal wegen der großen Hitze am Wettmarsch nicht theil. Es waren vier Preise ausgesetzt. Den ersten Breis crewann Herr Lohsen aus Düsseldorf. Älter: 30 Jahre. Ge. wicht: 106.04 Kq., Rejuttat: 1 (stö. 5 Sek.; den zweiten Preis Herr Kierski aus Breslau. Alter: 34 Jahre. Gewicht: 94.35 Kg.. Resultat: 1 Std. 8 Min. 58 Sek.; den dritten Preis Herr Damhofer aus Reichenhall, Alter: 50 Jahre. Gewicht: 98,30 Kg.. Resultat: 1 Std. 9 Min.. 25 Sek.; de vierten Preis Herr Witzmann aus Wien. Alter: 48 5tahre. Gewicht: 102,50 Kg.. Resultat: 1 Std. 14 Min. 45 Sek. Dre übrigen sieben Konkurrenten leaten den Marsch in einem Zeitraum von 1 Std. 16 Min. bis zu 1 Std. 47 Min. 41 Sek. zurück. Die Preisvertheilung fand im Laufe des Nachmittags bei der Waldquelle statt. Die Herren Dickusse werden nach dem Marsch wohl etliches Gewicht Fett heruntergeschwitzt haben. Kabel kränge liegen auf dem MeneSgrun insaesammt etwa 226.000 Meilen, welche einen Werth von $225,000,000 repräseniiren, da sich die Kosten der Herstellung und des Legens eines Kabels pro Meile auf etwa $1000 stellen. Die Zahl der auf unterfeeischem Wege vermittelten Depescken beträgt Pro afp eiwa 6.000,000. somit durchschnittlich 15,000 pro Tag. Im Zarenpalaste von P e t e r b o f soll sich ein Speisezimmer für du Sommerzeit befinden, das so eingenchtet ist, daß kein Diener während der Taftl gegenwärtig zu sein braucht. Nach Beendigung jedes Gerichtes wird nur tlnt Klingel gezogen, darauf versinkt der Tisch mit allem, was darauf steht, durch den Fußboden, und an semer Stelle steigt ein anderer empor, auf dem das nächste Gericht aufgeragen ist. Das N e u s i l b e r hat mit dem wirklichen Silber gar nichts zu thun. Es wurde schon vor Jahrhunderten in China erfunden und bildet eine Legtrung auö minderwerthigen Metallen, in der Hauptsache aus Kupfer und Nickel.
E: deutsches Konsulat in Mukden. Gleich England und den Ver. Staaten soll nun auh Deutschland in Mukden ein Konsulat zum Schutze und zur Förderung seiner Hände lsinteressen errichten. Die Mandschurei bietet in ihrem südlichen und südöstlichen Theile noch immer das Bild des Landes, das von einem harten und verwüstenden Kriege heimgesucht wurde. Jnsbesondere hat das große Schlachtfeld von Mukden seine traurige Physiognomie behalten. Da und dort liegen Reste von zerschmetterten Wagen, zerrissene Draht- und Stachelgitter durchziehen das gelbbraune Feld, die verderbenbringenden Wolfslöcher gähnen hungrig. Man hat noch nicht aufgeräumt". Die Weltgeschichte aber zieht schon mit kräftigem Schritt über das Schlachtfeld, und bald wird die Kulwr wieder menschenfreundliche Früchte zeitigen. Die japanische Regieruna fördert den ökonomischen Aufschirmn im Lande nach besten Kräften. Die Sperre, die eine Zeitlang für Handelstransporte durch die Mandschurei verhängt war. ist aufgehoben, da die Japaner nunmehr die rückziehung ihrer Truppen und ihres KriegsMaterials beendet haben und den Kaufleuten wieder den nöthigen Schutz für Waaren und Menschenleben bieten k'önnen. Nur Dalny bleibt noch bis auf Weiteres für den ausländischen Handel verschlossen. Die Japaner haben bisher etwa 50.000 Menschen in der Mandschurei cmgesiedelt. Unter den neuen Bewohnern sind alle Berufe und Propuktionsarten vertreten. Die neue Kultur wird japanisch sein, so wie das Land, offiziell eine chinesische Provinz, dennoch in der Gewalt der Japaner ist. Die Kolonisten arbeiten und erwerben. Aber sie klagen über Mangel an Frauen. Vorerst war es ihnen verboten, Frauen mitzunehmen. Jetzt, wo es ihnen gestattet ist. ist der Zuzug von Frauen ein überaus spärlicher, und die Ansied ler leiden schwer darunter. In Mukden kommen auf 2000 männliche AuöWanderer 500 Frauen, in Fusan 300 Frauen auf 600 Männer, in Tidin 800 auf 3000. in Anhing 1000 auf 4000, in New Chanq 2000 .auf 6000. Man hofft jedoch, diesem Uebelftand so bald abhelfen zu können, als man bequemere Leben svedingungen geschaffen haben wird. Et ungewaschener Mann. Ein Mann, der sich nie gewaschen hat, ist der Italiener Federigo Cervorn. Er hat es fertig gebracht, 75 Jahre alt zu werden, und sich seit 65 Jahren nicht zu waschen. Federigo Cerboni wohnt in Gelsomina bei Florenz, Via Grecchi No. 18. Er ist Apotheker von Beruf, also ein Mann, der nahe von Krankheit und Gesundheit wohnt und der Bescheid weiß m der Nachbarschaft. Einem Zeiwngsmann, der ihn interviewte, gab er rU gende Auskunft: Ich bin lebhaft und heiter, habe nie Kopfschmerzen gehabt, habe einen vorzüglichen Appetit, schlafe königlich, obgleich ich mich nie wasche, auch das Gesicht nicht, wenn ich des Morgens aufstehe. Das einzige Handtuch, das sich in meinem Besitz befindet, und oaö mir meine Cousine vor fünf Jahren gefchenkt hat, ist noch unberührt und hängt im Spind. Ich habe, feit ich zurückdenke, nie ein Bad genommen. Nie habe ich mich freiwillig gewaschen, und seit meinem fünften Lebensjahre hat es meine Umgebung aufgegeben, mich zu dieser Prozedur zu zwingen. Wenn ich bedenke, wie viel Geld das Toilettezimmer einem Haushalt kostet! Bäder, Duschen, Waschbecken, Seife, Mundwasser, Handbürsten, Wasserkrüge, Spiegel, Kämme, ZahnPasten und Parfumerien und noch eine Unzahl von derlei überflüssigem Kram! Und was ist der 5iutzen davon? Sind die Menschen deshalb gesünder, friedlicher, gütiger? Essen sie besser, schlafen sie ruhiger? Und nun schauen Sie mich an!" Der Interviewer folgte dieser Aufforderung und erhob den Kopf. Dann sagte er: Ich spüre einen so sonderbaren Geruch!" Fürchten Sie nichts, mein Herr." rief Federigo mit Ueberzeugung. hier sind gar keine Gerüche! Ich gebrauche keinerlei Parfümerien. keinerlei künstliche Wohlgerüche, keine Eau de Coloqne. Es ist eine Sinnestäuschung, die Sie befangen hat." Der Interviewer lieh den Kopf wieder sin?en. Eine Stunde später saß der Mann in einer wohltemperirten Badewanne und suchte zu vergessen. Der Interviewer natürlich. Robert Tchnmann und S?enisfi mns. Als Schumann in den Iuhren. da seine Bedeutung noch nicht allgemein anerkannt war, seine Gattin auf ihren Kunstreisen begleitete, ereignete sich ein eigenartiger, komischer Zwischenfall, der sehr leicht böse Folgen haben konnte, wenn das Eheleben der beiden Künstler nicht ein so harmonisches gewesen wäre. Nach einem Hofconcerte in einer kleinen Residenz sagte Serenissimus, den Claras Herrliches Spiel entzückt hatte, der Klaviervirtuosin viele Artigkeiten und wandte sich dann an den ihm ebenfalls voraeftellten Gatten derselben, der damals fast schon alle seine un sterblichen Werke geschaffen hatte, mit der huldreichen Fage: Sind Sie auch mustkalis. Serr Schumann?"
Tod der PrinzessZ'i (sttinln Die Nachricht vom Tode d?r geschieden! Fürstin Chiinay, der Freundin des Geigers Rizo, beruht auf einer Verwechselung. Ein jünzeier Bruder des Fürsten Jose' v. Ehimay, dessen Ehe mit Klara Ward seit 1897 getrennt ist. der Prinz Pierre de Ehimay ist es. der seine Gattin durch den Tod verloren hat. Der Prinz gehörte der belgischen Diplomatie an und hat lange Jihre den Posten eines Lezationsraths bei der belgischen Gesandtschaft in Paris inne gehabt, wo seine Gemahlin zu den gefeiertsten Erfcheinunaen der vornehmen Gesellschaft ae-
hörte und ihre Schönheit des Oefteren von Künstlerhand dargestellt wurde. Die Prinzessin Pierre de Ehimay hat mz ein Alter von 35 Jahren erreicht. Mit ihrem Mädchennamen hieß si: Marthe Werle. sie war eine Tochter des aus Ehlingen in Württemberg stammenden und vom Vatikan zum Grafen gemacht Herrn Alfred Werle, des Hauptinhabers der Sekt(firma Veuve Clicquot Ponsardin", aus dessen Ehe mit Mathilde Lannes de Montebello. einer Schwester des Herzogs von Montebello. So stammte die Prinzessin de Chimay. da einige der Nachkommen des tapferen Marschalls Lannes sich bekanntlich gleichfalls der Eektindustrie zugewandt haben, sowohl von vÄerlicher wie von mütterlicher Seite von der Reimser Cihampagnerariswlrarie" ab. Das AuSgeizen der Weinreben erfordert die Kenntniß und Beachtung mancherlei Umstände. Der Geiz entwickelt sich aus dem Blattwinkel eines einjährigen Triebes. An der Entwickelungsstelle steht ihm gegenüber ein schlafendes Auge, welches erst im nächsten Jahre zur Entwickelung kommen soll. Während der Wachsthumsperiode des Triebes hat das über dem Auge stehende Blatt die Aufgabe, das schlafende Auge mit Nährstoffen zu versehen. Der Geiztrieb wird nur anfangs von dem Blatte ernährt, bis er durch eigene Blätterentwickelung dieses überflüssig macht. Durch das fortschreitende Wachsthum des Geizes wird aber viel Saft unnütz verbraucht, fo daß das schlafende Auge schließlich Mangel erleidet und bis zum nächsten Jahre nicht das gewünschte Fruchtauge liefert. Das einfachste wäre nun wohl, den Geiztrieb zu entfernen. Doch auch dieses hat seine Schattenseiten, indem dann leicht das schlafende Auge vorzeitig austreibt. Der richtige Weg bleibt nur die Einkürzung des Geiztriebes auf etwa drei Blätter. Steht der Geiztrieb übe? einem Fruchtansatz, dann ist das Einkürzen auf zwei Blätter rathsam. well diese den Saftzulauf zur Traube begünstigen und die älteren Blätter unterstützen. Schwächliche Geiztriebe entfernt man ohne Bedenken ganz. Bei starkem Wachsthum muß das Einkürzen der Geiztriebe wiederholt werden. Zu den bemerkenswert h e st e n Photographien zählt ein Porträt, das jüngst durch einen Zufall im Marine-Observatorium in Washington, D. C.. entstand. Das Bild zeigt einen zerplatzenden Meteor. der just in dem Augenblicke, als der Photograph nach neuen Sternen Ausschau hielt, quer über den Horizont wanderte. K a m e e l e verlassen nicht selten des Nachts ihren Lagerplatz und suchen den schlafenden Reiter auf, um ihn zu erdrückn oder todt zu beißen. Die gewitziaten Beduinen legen daher häufig des Nachts ihre Mäntel in die Nähe der Kameele, damit die Thiere, wenn ihre Bosheit plötzlich erwacht, nicht auf ihren Reitern, fondern auf den Mänteln herumtreten. Drr zurrtet? endo Crunö. So. jetzt trink' ich meinen Schnaps." Hast Tu denn Durft?" Nein, aber Schnaps." Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! A Züge zwischen Indianapolis und If Cmcinnati. 19 Zuge zwischen Indianapolis und L Dayton. 6 Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. 6 Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischm Indianapolis no Spnngsield, Illinois. Parlor Waggon an alea Tage, nd Gckias maggon an allen Nacht rügen . Indianapolis Offices: Union Bahnhof und 8 Nord Illinois St. R. P. lgeo, D. P. . UKE ERIE & WESTERN R. R. tdt?i eket.OfS : 1 Oft ashmgton Str . Phone, 271 . . . Fahrzeit der Züge . - bfabrt nkunst m. koled. h:cao und Mchigan rpreß. 7.15 ti0.lt Rm. Nm. Koltdo, Scttoit and dung St HS.SO t S-M Rm. 9li i0)!gau Ttty, Vninc u.ua?ay'Ne?l..s e.&o T9.ii , t Täglich. aaenovlmen Sonntag
