Indiana Tribüne, Volume 30, Number 15, Indianapolis, Marion County, 10 September 1906 — Page 3

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Betrunkene

Soldateska ermordet Juden und Christen, plündert, raiibl und setzt Stadt in Brand.

Jesmten'General vom Papste empfangen. Will selbst sehen. Englischer Konsul bedroht. 3000 Sonnenstichsälle dem Manöver. - Ungewißheit herrscht wieder. Bennrvhigende Nachricht. Offene Revolution. Stätte des Unheils. - Rückkehr zur Alma Mater. - Heftiger Gewitterstürm. Rebellen greifen Regiernngsttnppen an.

Ruhland. Judengemetzel, Raub und Mord. W a r s ch a u , 9. September. Eine Anzahl Terroristen tödtete gestern Abend zwei Wachtposten vor einer Staat. EchnapSbrennerei in der blühenden Stadt Siedlice. Sin Detachement Infanterie schoß auf eine Volksmenge und tödtete zwei Personen und verwundete zwei andere todtlich. Später rotteten sich betrunkene Reservisten, Soldaten und Polizisten zusammen und griffen die Juder quartiere an, so bei während der ganzen Nacht gemordet und geplün dert wurde. Während des heutigen Tage wurden alle Civilisten, Christen oder Juden, von den betrunkenen Sol baten angegriffen, beraubt und ermor det, ohne daß dabei irgend ein Unter schied gemacht wurde. Ueber 600 Per. sonen sollen getödtet oder verwundet sein, und die Häuser an drei der beleb testen Straßen in Siedlice find auSge raubt und verwüstet. Nach den neueften Nachrichten soll die Stadt in Klam men stehen. Soldatm haben den Ort umzingelt und versperren den Zutritt zu demselben. Der General Gouverneur hat sofort an den Kommandanten von Deila eine Depesche abgeschickt, welche den Befehl ertheilt noch heute Nacht ein Regiment Infanterie nach Siedlice zu schicken und Ruhe und Ordnung daselbst wie der herzustellen. Die hiesigen Juden zittern vor Angst, da alarmirende Berichte über ein ge plante Jvdenmaffacre in Warschau und den Vorstädten überall cirkuliren. Englischer Konsul bedroht. B a k u. 9. Sept. Der englische Kon sul Leölie Urquhart entging in der letz ten Rächt, wie durch ein Wunder dem Tode. Er fuhr in einer der belebtesten Straßen der Stadt, als plötzlich ein Schuß fiel und die Kugcl dicht beim Kopfe des Konsuls vorbeipfiff. Sieben weitere Schöffe fielen und Herr Urqu hart stürzte leicht getroffen aus dem Wagen auf die Straße und blieb be flnnungslos liegen. Das Attentat ist wahrscheinlich von Terroristen verübt worden, die den englischen Konsul töd ten wollten, um internationale Schwierigkeiten zur Entwickelung zu bringen. Bon den Angreifern auf den Konsul konnte bisher Niemand verhaftet wer. den. Rückkehr zur Alma Mater. St. Petersburg. 9. Ceptbr. Die Wiedereröffnung der Universitäten gilt jetzt als gesichert. Auf Bersamm lungen von Studenten und Vertretern verschiedener Hochschulen sind die glet chen Ansichten, wie gestern seitens der revolutionären Studenten von St. Petersburg, ausgesprochen worden, dahin gehend, daß das Fallenlaffen jeder Obstruktion und das Wiederauf. nehmen der Studien zu empfehlen wäre, anstatt die Universitäten zum Mittelpunkt der revolutionären Bewe gunz zu machen. UedrigenS hat die Regierung die Absicht, eine Anzahl angesehener Professoren wegen ihrer Thätigkeit für die Sache der Liberalen abzusetzen. Heute wurde amtlich be konnt gemacht, daß die Professoren Etchepkin und GrodeSkul. zwei der lei. tenden Mitglieder des aufgelösten Par. laments, ihrer Funktionen in Odeffa bezw. Kharkow enthoben worden wären. Professor Etchepkin ist nicht nur durch feine politische Thätigkeit, sondern auch al eine der ersten Autoritäten in der napoleonischen Geschichte bekannt. Italien. JesuiteN'General vom Papste empfangen. Rom. 9. Sept. Der neuerwählte Jesuiten. General, Father Wernz, begab sich heute in Begleitung des General. BikarS Father Freddie des JesuitenordenS nnd des FatherS Alfred Mär tenS nach dem Batican und wurden vom MajordomuS des BaticanS, Mgr. BiSlati, empfangen. Der Papst rat pfing Father Wernz an der Thüre sei

neS Arbeitskabinetts und als der neue Jesuiten.General in die Kniee sank und den Pantoffel Er. Heiligkeit Zügen wollte, hob der Papst ihn auf, umarmte ihn herzlich und küßte ihn mehrere Male auf die Backen. Der Papst hatte mit Father Wernz eine längere freund schaftliche Unterhaltung, worauf Letz terer höchst gnädig entlassen wurde. Die päpstlichen Schweizergarden salu tirren tm Batican, als der Jesuiten General bei ihnen vorbeiging. Deutschland. 3000 Sonnenftichfälle beim Manöver. B r e S l a u , 9. September. Die ganz außerordentliche, gegenwärtig in Schlesien herrschende Hitze hat in Ber bindung mit den Manöverftrapazen unter den übenden Truppen in dieser Provinz bis jetzt die ungeheure Zahl von 3000 Opfern durch Hitzschlag gefordert. Die Soldaten stürzten zu Hunderten in den Feldern und längs der Marschftraßen nieder, und die Feld lazarethe sind mit Leidenden überfüllt. Will selbst sehen. Berlin, 9. Sept. Der neue Direktor des KolonialamteS, Herr Dernburg, wird sich persönlich nach den Kolonien in Afrika begeben, um die Situation zu fiudiren und die Wege ausfindig zu machen, wie sie zur Blüthe gebracht werden können. Die Reife nach Deutsch - Oftafrika wird Herr Dernburg wahrscheinlich im Monat November antreten. Perften. Ungewißheit herrscht wieder. Teheran, 9. Sept. Die Ge schäfte find hier wieder geschlossen, und Viele suchen in der britischen Botschaft Schutz, weil ste befürchten, daß eS hier zu neuen und sehr ernsten Unruhen kommen wird. Die Geistlichkeit hat nämlich die von dem Großwesfir ihnen unterbreitete Verfügung betreffs baldiger Durchführung der versprochenen Reformen zurückgewiesen und ste in amendirter und dadurch vollständig veränderter Form dem Schah vorlegen lassen. Doch dieser hat bis jetzt mit keiner Silbe erklärt, was er betreffs der Verordnung zu thun gedenkt. ES ist von Geistlichen und GefchäftSleuten eine Versammlung abgehalten wor. den. die gut besucht war und in welcher der Schah wegen seines ZögernS scharf kritiftrt wurde. Die Geistlichen befür. warteten, daß man noch länger warten solle, doch die Geschäftsleute erklärten, daß ihre Geduld jetzt erschöpft sei, und daß fie deshalb ihre Geschäfte sofort schließen und sich nach der britischen Gesandtschaft begeben werden, bis der Schah die ihm von der Geistlichkeit Überwiesen? Verordnung unterzeichnet und den früheren Großwesfir sowie alle anderen hohen Staatsbeamten, die sich der Durchführung von Reformen wi versetzten, in d!c Verbannung schickt. Marokko. Offene Revoluti. i.

Tanger, 9. Sept. In äkago. Vor, an der atlantischen Küste Marok koö, herrschen kritische Zustünde. Die rebellischen Stämme greisen die Stadt an. Der hiesige französische Gesandte hat den Kreuzer GalUee" nach dem Schauplatz der Wirren gesandt, und die Vertreter der anderen Mächte haben um sofortige Zusendung von Kriegs schiffen an ihre Regierungen gekabelt. Der hiesige Vertreter des Sultans. Mohammed t TorreS, miethet alle verfügbaren Dampfer, um Truppen nach Mogador zu. befördern. Die Wirren wurdm durch das eigen mächtige Borgehen von AnflooS Kaid verursacht, welcher auswärtige Stämme in dem Verlangen unterstützte, daß Juden, welche in Mogador wohnhaft find, nach Mellah. dem jüdischen Bier tel, zurückkehren, widrigenfalls ihre Häuser geplündert werden würden. Diese Juden haben viele Jahre in der Stadt gewohnt, aber das maurische Gesetz erheischt, daß fie in Mellah woh nen. AnflooS hatte keine Autorität zu seiner Handlungsweise.

JndianR Tibüne.

Beim Grotzherzog. Badens überreichen Ehrengabe. Karlsruhe, 9. Sept. Von Konstanz her traf Morgens die badische Deputation aus Amerika auf der Insel Mainau ein, um dem Großherzog Friedrich die von seinen Landeskindern jenseits des Oceans zu seinem 80. Ge burtStage und seiner goldenen Hochzeit gestifteten Ehrengabe, eine künstlerisch ausgeführte Adresse in prächtiger Kaf. fette, zu überreichen. Die amerikani fchen Gratulanten wurden von dem großherzoglichen Paare in überaus herzlicher Weise empfangen. In setner Erwiderung auf die UeberreichungSrede des Präsidenten I. Hönninger gab der greise Jubilar mit vor Bewegung zit ternder Stimme seiner Freude darüber Ausdruck, daß Badens Söhne in Glück und Wohlstand in der Ferne die Hei. math nicht vergessen und ein Band warmer Freundschaft Deutschland und die Vereinigten Staaten umschlingt. Jedem einzelnen der Gratulanten schüt. telte der Großherzog warm die Hand, für Jeden hatte er ein paar freundliche Worte. Mit Präsident I. Hönninger sowie den übrigen Führern der Depu tation. VicePrüsident Theodor Hen ninger, Schatzmeister H. Adelmann und Sekretär Louis Haimbach, unter, hielt er sich lünzere Zeit angelegentlich. Nach der Audienz wurde die ganze Reisegesellschaft glänzend bewirthet, worauf fie nach Konstanz zurückkehrte, wo große Festlichkeiten zu ihren Ehren veranstaltet wurden. Die Reise der amerikanischen Gäste durch ihr Heimathlündchen hat sich zu einem förmlichen Triumphzuge geftal tet. Wo immer sie Halt machten, wetteiferten die Behörden und die Bür. ger, sie zu ehren. Besonders großartig gestaltete sich der Empfang in Donau eschingen und Konstanz, wo die Bür germeifter, die Stadtrathsmitglieder und alle anderen städtischen Beamten nebst zahlreichen Vereinen und Taufen den von Bürgern fie enthusiastisch am Bahnhofe begrüßten. Grokbritannien. Beunruhigende Nach, richt. London, 9. September. Eine Depesche aus Tanger an eine hiesige Nachrichtenagentur besagt: Da? Kon. sularkorps in Mogador hat dem hiesi. gen spanischen Gesandten telegraphirt, daß AnflooS Kaid mit 300 Mann in die Stadt eingedrungen und von ihr Besitz ergriffen hat. Der Gouverneur hält mit ein paar Wachen KaSbah, welches AnflooS anzugreifen beabsichtigt." Sandwich Inseln. Stätte des Unheils. Honolulu, 9. Sept. Der aufgelaufene Dampfer .Manchurialiegt noch immer auf dem Felsenriff, es ist aber ermittelt worden, daß er bis jetzt wenig Schaden erlitten hat. Da. gegen ist das Baggerboot Pacistc" während seiner Thätigkeit in der Nähe des gestrandeten Schiffes selbst auf ein Riff gerathen und hat so schwere Ha. varie erlitten, daß eö seine Bergearbei ten vorläufig hat einstellen müssen. Der gleichfalls gestrandete TranS portdampfer ..Sheridan" hat jetzt 24 Fuß Wasser im Raum, aber während der Kapitän ded Schiffes Peadody. schon alle Hoffnung auf Rettung des Fahrzeuges aufgegeben hat, vertritt der hiesige Marinekommandeur Hum phrey die Ansicht, daß der Sheridan" schließlich glücklich wieder flott werden wird. nba. Rebellen greifen Regie rungStruppen an. Paso Real, 9. Sept. Der ge. panzerte Zug der Western Bahn mit Schnellfeuergeschützen und Regierung, truppen gerieth in der Samstag Nacht 2 Meilen östlich von Cansolacion del Sur au dem Geleise und wurde so fort von mehreren hundert Rebellen umzingelt und angegriffen. Der Zug wäre ohne Zweifel in die Hände der Rebellen gefallen, aber Oberst AvaloS mit 400 Soldaten traf noch rechtzeitig ein und vertrieb nach einem heftigen Kampfe dieselben. Von Havana ist heute eine Kolonne, bestehend aus drei Schnellfeuergeschützen und 290 Mann Kavallerie, zur Unterstützung des Ober ften Avelo abmarfchirt. Mexiko. Heftiger S ewitter fturm. San LouiS Potosi, 9. Sept. Bei ewem heftigen Gewitterfturm in der letzten Nacht wurde das Wohnhaus der Familie Meltion umgeworfen und drei schlafende Kinder in demselben ge tödtet. wahrend Frau Meliton tödtlich verletzt wurde. Zwei Ardeiter wurden von einem Blitzstrahle getroffen und getödtet.

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Allerlei kleine Depesche. 9. September. König Edward beendete heute seine Kur und reifte von Marienbad nach London ab. Gestern traf Erzbischof Farley von seiner Reise nach Rom wieder in New York ein. In Tacoma. Wash., wurden die Gebäude der Northwestern Woodwork Factory durch Feuer zerstört. Scha den 5200,000. In Seagirt, N. I., wnrde gestern mit dem Pistolen Weltschieben der Bundesarmee begonnen. Herr W. I. Bryan erklärte heute, daß er große Luft habe, die nach Pa nama und Südamerika geplante Reise aufzugeben. In Frankfurt, a. M' haben Zu. hälter und anderes Gesindel Straßenkramalle veranlaßt, bei denen es dlu tige Köpfe abgesetzt hat. In Boise, Jdaho, wurde gestern Gouverneur Chamberlain von Oregon zum Präsidenten deS nationalen Be rieselungS-EongreffeS gewählt. In Chicago haben 35 CollektionS. agenten eine Union gegründet und beschloffen, eine schwarze Lifte" von säumigen Zählern anzufertigen. Unter einem HolzgerSft bei Trout Lake in der Nähe von Sault Ste. Marie wurde gestern ein menschliches Skelett gefunden. Eine FrachtbootLinie von Kan sas Eity. Mo., nach St. Louis, soll noch in diesem Monate hergestellt wer. den. Zwei neue Dampfer und zwei neue Barken, jede von 1.000 Tonnen Tragfähigkeit, find in Bau gegeben worden. Drei Personen getödtet und 12 schwer verletzt wurden heute Abend kurz nach neun Uhr bei einem Zusa. menftoß eines elektrischen Straßenbahnwagen mit einem Omnibus in Balti more. Md. Im Omnibus befand ftch eine höchst luftige Gesellschaft von Aus flüglern, als das Unglück pasftrte. John D. Rockefeller und die Be amten der Standard Oel-Gesellschaft müssen bis zum nächsten Dienstag in Findlay, O., dem Gericht ihre Ant. warten einreichen lassen. Richter Banker schlug alle Antrüge der Advo. katen der Gesellschaft, die Anklagen fallen zu lassen, nieder. Der Kaiser Franz Joseph beton e tschechischen Abgeordneten persönlich die Nothwendigkeit, daß der nationale Friede gewahrt werden müsse. Der Monacch fügte hinzu, daß gute Ansätze zu dem Ende gemacht seien, aber man dürfe nicht stehen bleiben, sondern müsse auf dem betretenen Wege weiter fort schreiten. Vase-Vall. Die gestrigen Spiele resultirten wie folgt: American Association. Toledo, 9. Sept. Toledo 00000 0000 0 Indianapolis. .1 100000002 Batterien Fisher und Kahoe; Camnitz und Abbott. Milwaukee, 9. Sept. Milwaukee 2 0102000 5 KansaS Sttv. ..1 00000 1 0 1 3 Batterien Beville und Bateman; Durham und I. Sullivan. EolumbuS. 9. Sept. olumbuö 00000003-3 LouiSville 00200000 02 Batterien Robertaille und Blue; Elliott und Shaw. St. Paul, 9. Sept. St. Paul 0 02 0 0 7 0 0- 9 MinneapoliS. ..00000000 0 Batterie Msrgan und Drill; Thomas und Shannon. National.Liga. St. LouiS, 9. Sept. Erstes Spiel. St. Loui. ...0 0000000 00 Incinnotl 11001001 0 4 Batterien Beebe und Noonan; Hall und McLean. Zweites Spiel. St. LouiS 1 0 0 0 0 0 0 1 Eincinnati 010 010 13 Batterien RhodeS und Marshall: Fräser und Schlei. Chicago, 9. Sept. Chicago 00000070 7 Pitttburg 0 000002002 Batterien Brown, Pfeifter und Moran; PhelpS, Leever und Lei ! field.

Ein Tuberkulös? Mnseu. Eine für die Förderung der Volk? cohlsahrt und Gesundheitspflege auLeroröentlich wichtige Neuerung ist ! .lt dem Tuberkulose - Museum zu Darmstadt zur Einführung gelangt. Tas eigenartige Unternehmen ist von dem Vorsitzenden der hessischen an Versicherungsanstalt, Geheimen Regierungsrath 2)r. Dietz, unterMitwirkung des Generalsekretärs der Fürsorgestelle für Lungenkranke in Berlin, Dr. Kayserling und unter weitgehen der Förderung des kaiserlichenGesundheitsamtes, des Reichsversicherungsamtes und der hessischen Ministerialabtheilung für öffentliche Gesundheitspflege in's Leben gerufen worden und verfolgt in erster Linie den Zweck, die weiteren Kreise der Bevölkerung über die Gefahren, welche die Mitmenschen durch die Tuberkulose bedrohen, aufzuklären und Jedermann über die Mittel zu belehren, 'die nach gründlicher Erprobung zur Bekämpfung der verheerenden Infektionskrankheit zur Anwendung gebracht werden müssen. Das Museum enthält eine sehr reichhaltige Sammlung von Tabellen, statistischem Material und Uebersichtkarten der verschiedensten Art und ist so eingerichtet, daß die Ergebnisse der medizinischen Wissenschaft in einer auch für den Laien klar verständlichen Weise vor Augen geführt werden. Die Ausstellung soll als eine Art Wandermuseum in allen größeren Städten des Landes dem Publikum gezeigt werden, und das Ministerium hat angeordnet, daß sämmtliche beamteten Mediziner auf Wunsch für größere Vereine und Gesellschaften die Führung durch die Ausstellung übernehmen, erläuternde Vorträge halten u. s. w. Im Mittelgang der Ausstellung wird z.B. dem Besucher durch eine plastische Darstellung gezeigt, daß jeder dritte Todesfall im erwerbsfähigen Alter ldurch die Tuberkulose bedingt wird. Doch wird sich jeder auch die dann folgenden Sätze in'ö Gedächtniß einprägen: Die Tuberkulose ist eins heilbare Krankheit. Je früher die Tuberkulose erkannt wird, desto leichter ist sie heilbar. Darum laßt Euch rechtzeitig vom Arzt untersuchen. Luft und Licht sind zur Heilung der Tuberkulose erforderlich." In einer anderen Abtheilung der Ausstellung wird eine interessante Belehrung über die Urfache 'der Tuberkulose gegeben, und der winzig kleine, 1882 von Robert Koch entdeckte Tuberkelbazillus dargestellt. Dann werden alle die zahlreichenMaßnahmen und Vorschriften vorgeführt, durch welche die Ansteckung von Mensch zu Mensch verhütet werden kann, und auch die Heilbehandlung der Tuberkulose durch Darstellung der beiden hesfischen Lungenheilstätten vor Augen gestellt. Die Ausstellung, die in einer besonderen Abtheilung auch die verheerende Wirkung des Alkoholmißbrauchs darstellt, wird zweifellos weit über die hessischen Grenzpfähle hinaus Beachtung finden und zur Nacheiferung anspornen; denn sie ist wie kaum ein anderes Mittel geeignet, Aufklärung und Belehrung über die gefährliche Volkskrankheit in den weitesten Krei. sen zu verbreiten. Ein GestSndnitz auf dem Sterbebett. Vor etwa 40 Jahren befand sich aus dem' Grundstück Brant 12 in Ebers walde die Heese'sche Herberge, darin wohnte auch der Fuhrmann Lumpe, der eines Morgens in seinem Stall erhängt aufgefunden wurde. Allgemein glaubte man, daß er freiwillig aus dem Leben geschieden sei, obgleich keine Ur fache hierzu ersichtlich war. Jetzt, nach 40 Jahren, hat sich, wie der Pr. Stadt- und Landbote" berichtet, her ausgestellt, daß Lumpe einem Morde zum Opfer fiel. Von Gewissensbissen gepeinigt, legte kürzlich einer der Thä ter auf dem Sterbebette das Geständniß ab, mit einem Komplizen in der Heese'schen Herberge einen Mann er schlagen zu haben. Als sie die Leiche des Ermordeten im Dung verscharren wollten, sei Lumpe hinzugekommen, der gedroht habe, das Verbrechen zur Anzeige zu bringen. Sie hätten nun beschlossen, den unbequemen Mitwisser zu beseitigen, seien in seine Wohnung eingedrungen, hätten ihn in den Stall gsschleppt und aufgeknüpft. Infolge des sensationellen Geständnisses sinö bereits Nachkommen Lumpe's vernommen und dürften die weiteren Recher chen jelxnfalls den Sachverhalt völlig aufklären und Gewißheit darüber brim gen. ob das Geständmß den Thatsachen wirklich entspricht. Gedankensplitter. Etn besiegter Feind ist der gröhte tzeind. Man halt manchen für den Besten, der alle zum besten hält. Mancher zieht stch dann erst von der Welt zurück, wenn sich die Welt von ihm zurück gezogen hat. Eine vernünftige Ehe ist einer Vernunft ehe immer vorzuziehen. Die Eommerfrische ist die einzige ffrische. zu der eS mancher modern Mensch noch bringt. ES gibt keine Schuld, die nur die deS Schuldigen wäre. Wenn da KSlbchen gestreichelt wird, schmunzelt die Kuh. In Südauftralien erlaubt das Gesetz, die Emkommenfteuern und sonstigen Abgaben von Konzertsängern und reisenden Schauspielern täglich oder wöchentlich einzuziehen, wenn nicht vorauszusetzen ist. daß die Künstler wenigftms ein Jahr lang an demselben Orte bleiben.

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Wohltnätigfcitctn rfen. Einer Anregung der Großherzogin Luise zufolge ist nach dem Muster der Marken des schwedischen Nationalvereins gegen die Tuberkulose von dem Zentralkomite des badischen FrauenVereins eine Wohlthätigkeitsmarke hergestellt worden, die als Verschlußmarke Verwendung finden soll. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Marke soll den vom Frauenverein ins Leben gerufenen Anstalten und Einrichtungen zugute kommen. Sie wird in den nächsten Wochen zur Ausgabe gelangen, und zwar in doppelter Form: die eine Sorte trägt das Bild der Großherzogin und die andere dasjenige desGroßHerzogs. Die Marken, von denen jede 5 Pf. kostet, werden einzeln, zu zweien oder mehreren als Briefverschluß benutzt. In den Ober-Postdirektionsbe-?irken Karlsruhe und Konstanz hat stch die Post bereit erklärt, den Ankunftsstempel thunlichst auf den Marken anbringen zu lassen. Ferner werden zur Feier der goldenen Hochzeit des badischen Großherzogspaares Erinnerungsdenkmünzen als Zwelund Fünfmarkstücke in beschränkter Anzahl in Silber hergestellt und Mitte September zur Ausgabe gelangen. Die Denkmünzen sind geschmückt mit dem Doppelbildniß des badischen FürstenPaares. Die Prägung wurde ausgeführt nach den Entwürfen des bekannten Medailleurs Prof. Rudolf Meyer in Karlsruhe. Macht der Finfterniß. Eine Entsetzen erregende Episode beim Brande der russischen Stadt Sysran schildert ein St. Petersburger Korrespondent: Nach und nach bringen die russischen Provinzblätter diese oder jene Einzelheit vom furchtbaren Brande, bei dem an zweihundert Mervschen ihr Leben eingebüßt und 30,000 ihr Eigenthum verloren haben. Bei dem Brande selbst traten die wilden Instinkte der Menge und die im russischen Volk herrschende Macht der Finsterniß so recht zutage. Das Feuer hatte die Maschinenabtheilung einer Dampfmühle erfaßt, und es kam keinem der sich um die Mühle drängenden zahlreichen Leute in den Sinn, daß die Kessel der Mühle auffliegen könnten. Nur ein Student dachte daran, und forderte die Menge ruhig zum Auseinandergehen auf. Plötzlich erfolgte eine dumpfe Detonation; die Menge ergriff eine Panik, da tönte eine Stimme in der Menge: Der Student hat eine Bombe geworfen! Das war genug. Hunderte von Armen reckten sich nach dem unglücklichen Swdenten, der die Leute gewarnt hatte, sie faßten ihn trotz verzweifelter Gegenwehr und warfen ihn in die Flammen. Keine Hand hob sich, um dieses Opfer einer blinden Volkswuth zu retten . . . Win Gpker der Kri,rrinalwissen sä) äst. Aber, lieber Freund, Du hast ja ein ganz schmutziges Gesicht!- Ja, da hat mir einer vor 14 Tagen im Dunkeln eine Ohrfeige gegeben, und nun darf ich mich auf Anordnung der Kriminalpolizei nicht waschcn. bis der Thäter durch die Finaerabdrücke fesigestellt ist." yer ernannte DettzpreUer. He. Kellner, wo ist denn mein Hur hingekommen?" ,.Jbr rt? Weiß nicht, wo der ist! Wird sich wohl wieder finden, wenn Sie bezahlt haben!" Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! IA Züge zwischen Indianapolis und lT Cmcinnati. 10 Züge zwischen Jndianapolt und II X )ayton. 6 6 4 Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. Züge zwischen Indianapolis uns Spnngsield, Illinois. Part Waggon an allen Tage, nd Gcklas maggon an allen Nacht Zügen . Indianapolis Office!: Union Bahnhof und 8. Nord JllinoiS St. R. P. lgeo, D. P. . im. ERIE & WESTERN N. I tdt?i tket.Office : 1 Oft Washington tr . Phones Stl. .... Fahrzeit der Züge . . . fahrt llkunst Cm. kokdo. h,ca,o dchiganrxreß.t 7.1b tifcli Rm. Ste. oleoo. errott und dcag tlLSO m. vttchiga, trtz. Stattete n.Latav'tteSpl..s .60 f9.t T Täglich, genommen Gonotag.

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