Indiana Tribüne, Volume 30, Number 14, Indianapolis, Marion County, 8 September 1906 — Page 6

Jndiana Tribüne, September 1906

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Europäische Nachrichten.

MecKkenvrg. C r i v i tz. Rittmeister Hegeler auf Neuhof beging unlängst den Tag, an dem er vor 25 Jahren das Gut als Besitzer Übernahm. Der Domsühler Kriegerverein, dessen Vorsitzender Rittmeister Hegeler seit langen Iahren ist, brachte dem Jubelpaar ein Ständchen und überreichte nach einer Ansprache des Pastors Kühnke-Gar-Witz, die mit emem Hoch auf die Familie Hegeler schloß, werthvolle Geschenke. Hegeler, sichtlich erfreut, dankte mit bewegten Worten und brachte ein Hoch auf das Blühen und Gedeihen des Krieqervereins aus. Finkenthal. Das früher in Stubbendorf, jetzt hier wohnende ErbPächter Fr. Wulff'sche Ehepaar feierte kürzlich ia' seltener Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Der Lehrer , unseres Ortes brackte mit seinem , Schulerchor dem Jubelpaare w Ständchen. Von nah und fern wurde das Paar durch Geschenke und Aufmerksamkeiten erfreut. Güstrow. Das Jubiläum ihre 800jährigen Bestehens feierte kürzlich die hiesige Glaserinnung. ' , ? I Neuftrelltz. Der Schuhmachermeiste? Fritz Meyer Hierselbst feierte kürzlich sein 50jäHriges Meifterjubiläum. Die Mitglieder der Schuhmacher - Innung Hierselbst ließen Meyer durch den Obermeister Neu ihre Glückwünsche aussprechen und ihn zum EhrenmitgNede der Innung ernennen. Parchim. Musikdirektor Scharfenberg, der langjährige Dirigent des hiesigen Trompeter Corps des 2. Mecklenburgischen Dragoner - Regtmentö No. 18, wird zum kommenden Herbst nach fast vierzigjähriger Milltärdienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand treten. Riep. Vor einiger Zeit beging der hiesige Männergefangverein sein 80jährigeS Bestehen durch ein Gesangfeft, zu dem auch die Vereine von Carlow und SelmSdorf erschienen waren. R ö b e l. VmtSgerichtsrath Hermann Hacker Hierselbst tritt demnächst in den Ruhestand, nachdem der ver diente Beamte aus eine 30jährige Dienstzeit zurücksieht. Hldenvrg. Oldenburg. Der Großherzog bat den Regierung sasseffor Thorade in Oldenburg auf sein Ansuchen zum 10. August auS dem Staatsdienst entlassen. Altengroden. DaS seltene Fest der goldenen Hochzeit begingen in voller Rüstigkeit Proprietär J.O. Tiarks und Gemahlin Hierselbst. G a n d e r k e s e e. In der Nacht ist das Wohnhaus des Herrn D. Grundmann in Knick abgebrannt. Ireie Ktüdte. Hamburg. Die Hebamme Frau Helene Fenstel, geb. von Hacht, beging dieser Tage ihr LSjähriges Berufsjubiläum. Als die dreijährige Bertha Kraus, wohnhaft Alter Teichweg 118, den Fahrdamm am Marktplatz in Barmbeck überschreiten wollte, kam ein Straßenbahnwagen in voller Fahrt daher. Noch bevor der Führer den Wagen zum Stehen bringen konnte, war das Kind bereits erfaßt und zu Boden geschleudert worden. Das Kind erlitt eine schwere Kopfverletzung. Die elektrische Stadt- und VorortSbahn, deren Bau der Firma Siemens & Halske in Berlin übertragen wurde, wird einen Kostenaufwand von nahezu 42,000,000 Mark erfordern. Kürzlich hatte der hier wohnende Kutscher Behnken in Steinbek das Unglück, von seinem Wagen herunterzufallen. Er gerietb unter die Räder des mit Steinen beladenen Wagens und erlitt so schwere Verletzungen, dak der Tod alsbald eintrat. Der Pri vatkutscher Christian Johst feierte bitt sein 40jähriges Jubiläum im Dienste von Frau Dr. Joh. Beit, Harvestehnderweg 13. Der Schauermann A. F. Heitmann gerieth beim St. Pauli Markt mit dem linken Fuß zwischen den anlegenden Dampfer Brunsbau sen" und den Anleqeponton. Der Fuß wurde unterhalb des Knöchels total zermalmt. Der Schwerverletzte wurde bewußtlos nach dem Hafenkrankenhaus transporhrt. Bremen. Kürzlich wollte der frühere Maschinist Wilhelm Reinken sich von der Llordagentur seine monatliche Pension holen. Als er auf dem Weg: vom alten Lloyddock eben über die Schiebebrücke des Neuen Vorhafens angelangt war. fiel er, vom Schlage gerührt, um. Ein Zollbeamter und ein Maschinenbauer, die den Vorfall bemerkt hatten, legten ihn so lange in das Zollhäuschen, bis der Sanitätswagen den Mann nach seiner Woh nung fuhr. Dort angelangt, gab der 60 Jahre alte Reinken seinen Geisl auf. Das Fest der diamantenen Hochzeit feierte unlängst ein hiesiges Ehepaar. Namens Addicks. wohnhaf Gr. Johannlsstraße 174. Es ist ge wrß ein sehr seltenes Vorkommniß, 60 Jahre in ungetrübter Ehe nebeneinan der gelebt zu haben. Schweiz. A l t ft ä t t e n. Major Kollreuter von hier ist kürzlich bei Appenzell in die hochgeschwollene Sitte, gefallen. Er wurde eine Strecke weit geschwemmt, konnte aber trotz seiner Anstrengungen nicht gerettet werden. Die Leiche ist geborgen worden.

B i r r w y l. Vor Kurzem ertran-

ken im Hallwilersee zwei Arbeiter, die eine Bootfahrt von -Brestenberg nach hier unternommen hatten. Die Ertrunkenen heißen Fritz Sigrist von Seengen und'Wyß, Portier aus Luzern. Ein dritter Theilnehmer konnte gerettet werden. Genf. Der o. Professor der Ehemie an der hiesigen Universität, Charles Graebe. der seit 1878 hier thätig ist, hat seine Demission einge reicht, die von der Regierung unter dem Ausdruck des Dankes für die ge "steten Dienste in allen Ehren ange. t nommen wurde. Graebe ist zum Honorarprofessor ernannt worden. Er in rTf O.!.. ßm K tn nKn vstMA ist 65 Stafire alt und ein geborener Frankfurter. N e ß l a u. Kürzlich ertrank in der Lutern, nahe bei deren Einmündung in die Thur. der 31jährige Arbeiter Hässig, der mit Kiesfahren beschäftigt war r Bergba starken Gewitters lM Santlsgebiet so L-I'J L1 : JL. vc we. V tt. urptogticq vaqcr, oay uie unoercu Arbeiter nur mit knapper Noth an's Ufer springen konnten, Hässig dagegen von der daherbrausenden Fluth fortgerissen wurde. Zürich. In einer Wirthschaft an der Wildbacherfiraße geriethen letztens zwei italienische Handlanger in WortWechsel, weil jeder von sich behauptete, der bessere Arbeiter zu sein. Der Streit wurde immer heftiger, schließlich zog der 33jährige Handlanger Onerato ffrigieri das Messer und versetzte seinem Landsmann, dem 43jäh rigen verheiratheten Natale Vacodio aus Fierano, sechs Stiche in den Leib. Der Getroffene sank sofort bewußtlos zusammen und wurde von der Sanitätspolizei nach dem Kantonshospital übergeführt, wo er bald darauf starb. Der Thäter hatte sich schleunigst geflüchtet, wurde aber energisch verfolgt und einige Zeit spater in seiner Wohnung verhaftet. Er leugnet die Thäerschaft. gxxxetnbuxQ. Luxemburg. Herr Ernst Hamelius. Direktor der Staatssparkasse und der Grundkreditanstalt, hat das Offizierkreuz und Herr Arthur Herchen, Professor am hiesigen Athenäum. das Ritterkreuz des belgischen Leopoldordens erhalten. R o d i n g e n. Hier fiel der Arbeiter Franz Weyland beim Zusammenstoß mehrerer mit Minette beladenen Waggons von einem Wagen herab; er aog sich dabei schwere Arm und BeinVerletzungen zu. Sassenheim. Durch einen Embruch wurde der Tagelöhner Josef Thiry schwer geschädigt. T e t r n g e n. Die Grrdarmerie verhaftete den Arbeiter Josef Schöner. der auf der Straße den Heizer Wolff angegriffen und durch Messerstiche schwer verletzt hatt. HesterreicH .ngarn. Wien. Der Mchsenmacher Josef Koranka, Ottakring. Hubergasse No. 11 wohnhaft, probirte kürzlich seinen Revolver. Plötzlich aina ein Schuß los, die Kugel drang dem 7jährigen Sohn des genannten Büchsenmachers, Oskar Koranka. in die rechte Handflache, durchbohrte dieselbe und durchsetzte dann den Unterleib des Burschen. Letztens hat der 18jährige Schlossergehllfe Leopold Rieß seine 16 Jahre alte Geliebte, die Krawattennäherin Hermine Engel, welche die Beziehungen zu ihm losen wollte, erschossen. Rieß wollte fluchten, wurde zedoch festgenommen und verhaftet. Vor Kur zem wurde nächst Theben die Leiche eines jungen Madchens aus dem Donaustrom gezogen. ES wurde festaestellt, daß die Todte die 18jährige Magd Stephanie Silenöky, Leopoldstadt, Gabelsbcrgergasse 5 wohnhaft gewesen, ist. Das Mädchen ist vor längerer Zeit unterhalb der Aspernbrücke gegenüber . der Ulrichsgasse in's Wasser gesprungen und ertrunken. B r ! r e n. ffrau Anna Pranter. welche mit ihren beiden Töchtern Anna und Alwina im Nockergebirge bei Latz fons mit Blumensuchen beschäftigt war, stürzte auf dem Ruckwege über einen überhängenden Felsen 30 Meter tief ab und wurde spater von ihren Kindern als vershimmelte Leiche auf gefunden. Budapest. Der bekannte Oe denburger Früchtehändler David Kerpen ist verschwunden. Er ließ seine Frau und Kinder im größten Elend zurück. Wiener Firmen sind durch das Verschwinden Kerpens mit 60.000 Kronen geschädigt. Einen furchtba ren Tod erlitt die 26iahrige Inge nieursqattin Lydia Neumann hier selbst. Die Dame pflegte zur HaarPflege Petroleumather zu verwenden. Dabei explodirte der Apparat und die Unglückliche stand sofort in Flammen Mit schweren Brandwunden wurde sie in ein Sanatorium gebracht, wo sie alsbald den Verletzungen erlag. Ein Dienstmädchen, das der Frau zu Hilfe gekommen war, hatte gleichfalls erhebliche Brandwunden erlitten. Innsbruck. Am Arlberq fan den Touristen 150 Meter abseits von der Straße die stark verweste Leiche des 39 Jahre alten Bäckergesellen Jo hann Zeidler aus Wildstein in Böh men, der vor längerer Zeit trotz tiefen Schnees über den Arlberg aing und sich dabei verirrte. Bei der Leiche wur den 160 Kronen Baargeld gefunden. Leo den. Kurzlich wurde der verunglückte Hochschüler Thaler unter der Pichlerroute zerschmettert aufge 'unden.

?er Heizer.

von M. Sindier. Nach dem Französische von L Lind. L Am Eingangsthor zur Fabrik wurde ein Plakat angeschlagen es entstand ein Drängen: die sechzig Arbeiter der Firma Viraux wollten wie die neugierigen Kinder all zugleich lesen, was da bekannt gemacht wurde. Nur den Heizer Amblard hielt die Pflicht auf seinem Posten fest. Sein 'cacyoar, ludest. apfenloch - Bohrmaschine zu besorgen Vlt durch d erste Walze der linksstehenden Transmission in Bewe- . . TP Y TV rt fia ung geletzt wurde, theilte ihm mit, um was es sich handelte: in Anbetracht der dringenden Aufträge sollte mit Ueberstunden gearbeitet werden. Währenddessen war auch schon der Meister an den Heizer herangetreten, um ihm genaue Instruktionen zu geben: Um halb sieben Uhr Feierabend wie immer um acht Uhr wird die Arbeit wieder aufgenommen bis elf Uhr." Amblard war ganz blaß geworden. Das geht nicht das geht nicht!" Wieso?" entqegnete der Aufseher, der schon gereizt war, ganz kurz. Das hält der Kessel nicht aus sechzehn Stunden hintereinander unter demselben Druck kann er nicht arbeiten es ist etwas daran nicht ganz in Ordnung ich kann mir nicht darüber klarwerden, was es ist ich habe Sie schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, daß Gefahr dabei ist, wenn der Kessel nicht reparirt wird der kann nicht mehr weiter arbeiten er kann einfach nicht!" Ach was: Sie mit Ihrem ewigen Kessel das wird einem ja wirklich i! fir tart.rt A i , rr t t über h wuvc tncn oen qz ... : . v . ... " w chicren mit dem können Sie sich darüber verständigen." Nach fünf Minuten stand Herr Diraux neben dem Heizer. Nun, Amblard. was arbt's denn?" Ich ich wollte Sie nur fräsen. I ov es 5yre Aoncyl in, oay yeute Abend Ihre Fabrik und alle Arbeiter durch eine Explosion zugrunde gehen? Ich k'k V 1 ' .3 V.. W r jr i ri l . m.J . I p-ye iur nicyrs. Herr Gott. Amblard. Sie sind wirklich unausstehlich mit Ihrer Litart wegen des Kessels ?kck habt hnen schon gesagt, daß er in sechs ochen grundlich nachgesehen werden ll. Augenblicklich lieat so viel Arlt vor jede Stunve. in der die Maschine steht, bedeutet einen großen w..aZfi : jt rr . r ? auuu iiu micy. ivti Allsirag rur das Haus Mulaner rst fällig. Jeder Tag später als die festgesetzte Ablieferuna wird mit hundert Francs Strafe bezahlt die wollen Sie doch nicht für mich bezahlen?!" Das kann ich allerdings nicht aber es ist doch sehr riskant ist ge fährlich, wenn der Kessel bis elf Uhr unter Druck gehalten wird Herr Vi raux, Sie müssen nur denken, ich kenne doch meinen Kessel elf Jahre bediene ich ihn nun sorge für ihn letzten Sonntag, als ich ihn gereinigt habe, bin ich hineingekrochen und habe einen Riß gesehen." Das haben Sie mir ja schon gesagt ein Riß über der Normallinie des Schwimmers das bedeutet doch keine unmittelbare Gefahr!" Die Stöpsel sind nicht mehr gebrauchsfähiq die Dampfpfeife funktionirt nicht mehr das Dampfrohr ist nicht dicht; zeden Augenblick kann em Unglück Passiren." Na, also nächsten Sonntag soll dann nachgesehen werden." Und manchmal schlagen auch ganz kuriose Stichflammen heraus. Was mick aber am meisten beunruhigt, ist ein Pfeifen, was ich Morgens höre wenn der Druck steigt bevor ich die Maschine in Bewegung setze." Na ia, Amblard. Sonntag soll der Inspektor Alles im Einzelnen nachsehen, und was nöthig ist, wird dann geschehen. Jetzt heißt eö aber: Arbeien! Vorwärts kommen!" II. Vorwärts kommen!" brummte der Heizer hinter dem Chef her, sobald der sich umgewandt hatte. Aber das war ja unglaublich, vermessen! So eigensinnig zu sein! Das hieß ja mit offenen Augen, sehend, ein Unglück herbeiführen wollen und was für ein Unglück! Am blard hatte als ?unger Lehrling mal eine solche furchtbare Katastrophe mit durchgemacht. Ein alter Kessel, gerade so wie seiner, war zehn Minuten vor zwölf explodirt, wenige Minuten vor der Mittagspause. Herr Gott, war das ein tosendes Geräusch gewesen! Alles war auSeinander gesprengt die Maschinentheile flogen durch die Luft, die Fenster waren zersplittert, die Mauern geborsten, in sich zusammengestürzt. Und dazu das Jammern, das verzweifelte Schreien der Verwundeten bis auf die Dächer der nächstcelegenen Häuser waren die in der Fabrik Arbeitenden geschleudert worden! Er selbst, Amblard, war wie durch ein Wunder entkommen aber sein Leben lang würde er den fürchterlichen Anblick nicht vergessen Vorwärts! Jetzt heißt eS arbeiten!" Amblard murrte gegen den Befehl, er konnte sich ihm nicht fügen. Er hatte bei der Marine als Hetzer gedient, hatte dort seinen Mann gestanden. Nun war er schon über zwanzig Jahre in der Privatindustrie beschäftigt

noch nie hatte er sich in all' den langen Jahren irgend etwas zuschulden kommen lassen. Er war ruhig, folgsam, nüchtern und püirktlich bei der Arbeit. Aber jetzt diesmal widersetzte sich der alte Amblard! Arbeiten! Vorwärts kommen! Sehr einfach und leicht gesagt aber furchtbar, wenn man an die groe.

drohende, nahe Gefahr denkt wenn man die Verantwortung für sechzig Kameraden auf sich hat! Jawohl! Sechzig Menschen, sechzig tüchtige Ar. beiter, vie waren im dem Fabrikraume beschäftigt der eine mit Walzen, der andere mit Falten dort ein dritter stand an der Bohrmaschine, und auf jenen schien gerade das röthliche Licht des Blasebalgs und alle verließen sich auf ihn vertrauten ihm vollständig! Lauter gute Kerle waren es und gute Menschen, und doch drohte ihnen jeden Augenblick, jede Sekunde Gefahr. Seit nahezu zwei Monaten trug der Heizer diese Angst um den Kessel mit sich herum. Seit zwei Monaten, wenn er Morgens die Dampfmaschine in Gan setzte, fragte er sich angstvoll: Wird's heute jein?" Und nun sagte er sich: Heute Abend passirt es!" Seine Ueberzeugung stand felsenfest. Er kannte doch den Kessel! Der war für ihn kein todtes Wesen kein Kessel aus Kupfer und Eisen, der in ein Mauerwerk eingelassen war! Sein Kessel lebte! Ganz jung hatte er ihn gekannt. Wie er mit vollen ZUgen d Hitze verschlang, die ihm die 800 Kilo Kohlen, täglich auf den Rost geschüttet, zuführten. Und um so besser wußte Amblard auch, wie sein Kessei allmählich alt geworden war. Die letzte Reinigung hatte ihm davon die volle Gewißheit gegeben. In gutem Zustande," lautete der Bericht des Inspektors. Na ja! Er, Amblard, besorgte ihn ja auch aber nichtsdesto weniger war der 5ssel verbraucht hatte keine Kraft mehr und wartete nur auf ein geringfügiges Etwas, um zu bersten. Und der Kessel sollte noch sechzehn Stunden hintereinander den Druck von sechs Atmosphären aushalten? Kein Gedanke! Wenn wenigstens mit geringem Druck gearbeitet würde aber nein! Die 150 Pferdekräfte genügten gerade nur. wo jetzt in der Fabrik alle Maschinen in Betrieb waren! Die große Zapfenloch - Bohrmaschine brauchte für sich allein ja zwanzig Pferdekräfte! Was nun thun? Arbeiten? Vorwärts weiter arbeiten? Und das mit der Ueberzeugung, daß man seinen Kameraden das Grab bereitet, daß Wittwen und Waisen zurückbleiben Trauer und Jammer und Wehklagen sich einstellen werden? Amblard konnte das nicht thun! Nein, er konnte es nicht! in. Die Feierabendstunde kam heran. Plötzlich öffnete Amblard hastig die Klappe zum Feuerloch, und gleich danach schaufelte er ebenso hastig und mit fast jähzornigen Bewegungen vier Schubkarren voll Kohlen hinein. Während er dies that, sagte er halblaut für sich: Haha! Gearbeitet soll werden, vorwärts soll's gehen! Schön! Arbeiten oder ervlodiren! Es wird sich ja auswerfen, was du eigentlich werth bist, während der anderthalb Stunden Ruhe muß es sich ja zeigen, so nimm doch noch! Und das auch noch! Nun hast du ja ordentlich was im Leibe! Mit sechs Atmosphärenspannen glühst du schon, ich werde dich auf acht treiben darin liegt für meine Kameraden und für mich die Garantie haha! Menschenfleisch möchtest du haben?! Mit meinem Willen bekommst du es nicht! Das Läuten einer Glocke wurde vernehmbar. Die Arbeiter strömten aus dem Thor, zerstreuten sich in den umliegenden Straßen. Amblard wohnt in nächster Nähe der Fabrik: wie ein Trunkener kommt er nach Haus. Das Essen, das seine Frau ihm vorsetzt, stößt er zurück. Die Ellbogen stützt er auf den Tisch und ganz heiser, mit pfeifender Stimme, sagt er: Du, Marie, heute sind Ueberstunden in der Fabrik angesetzt, aber ich glaube nicht, daß es dazu kommt!" Warum denn nicht?" Warum nicht? Weil der Dampfkessel nicht mehr funktionirt! Zwei Monate hab' ich's jetzt schon dem Oderaufseher und dem Chef gesagt und sie darauf aufmerksam gemacht; die aber denken, ich red' dummes Zeug zusammen heute Abend noch habe ich's Herrn Viraux wieder gemeldet, jawohl! Hat sich was! Es soll gearbeitet werden, sagt er, begreifst du das? Mit einem Kessel soll gearbeitet werden, der jeden Augenblick explodiren kann! Da habe ich nach eigenem Ermessen gehandelt ich hab' ihin so viel Kohlen in den Leib gesteckt, daß er auf acht Atmosphären kommt wenn er das aushält dann bin ich ein Faselhans, ein Lügner!" Herr Gott noch mal Mann! Hast du das wirklich gethan?" Ja, ich hab's gethan und ohne GeWissensbisse. Eins von beiden gibt's ja nur: entweder platzt der Kessel, während alle zu Hause sind, oder e, widersteht, und dann sind die Kämeraden außer Gefahr! Das Jnven tar? Was kümmere ich mich darum! Der Cbef ift ia versichert und alleL

was tn ver Fabrik steckt, ist zusammen noch nicht so viel werth wie e i n Menschenleben!" Amblards Frau schüttelte den Kopf. Sie gab keine Antwort. IV. Eine Stunde verging. Zusammen standen sie am Fenster. Stumm, angstvoll, unter der Ahnung dessen, was da vor ihnen geschehen würde, ihnen gegenüber dort in dem großen Fabrikgebäude, das wie ewe schwarze, dunkle Masse mit sei. nen Gebäuden in ein Ganzes ver schwamm. 5m Äinterarunde bvb sieb dn Schornstein ab. Wie ein Mast nahm er sich aus. der in die Wolken ragt. Donnerwetter nichts nichts?!" Der Heizer sah auf seine Uhr. Zwanzig Minuten vor acht Drei, viertel acht Zehn Minuten bis voll! Kalter Schweiß trat ihm aus die Stirn. Die Frau zitterte. Werd' wohl hingehen müssen!" Ganz still und menschenleer war die Straße. Sekunden verflossen. Eine furchtbare Angst erschwerte Mann und Weib das Athmen. Sie wagten nicht, die Augen zu erheben das Blut sauste ihnen vor den Ohren. Endlich ballte der Heizer die Hand zur Faust, und mit dumpf - grollender Stimme stieß er hervor: Der verfluchte Kessel! Jetzt wird er sich an mir rächen!" Amblard nahm seine Laterne, die Frau klammerte sich an seinen Arm. Geh' nicht geh' nicht " jam. merte sie. Ich muß! Dienst ist Dienst! Ich bin gerade zum ersten Glockenzeichen da! Lebewohl, wenn du mich nicht wiedersiehst, so " Amblard stürzte hinaus hinüber in die Fabrik, und als er im Hof war. schwankte er vor Erregung. Wenn nun seine Kameraden in di Falle gingen, die er seinem Kessel ge stellt hatte? Wenn der Kessel gerade :n dem Moment platzte, wo alle die Arbeit wieder aufnahmen? Wenn der Tod die alle holte, die er hatte ret-

ten wollen? Sein Leben mocht's doch draufgehen aber alle anderen An sich dachte Amblard nicht. Der Heizer biß die Zähne aufein. ander. Er gab sich einen Ruck und und stieß die kleine Thür auf, die ne ben dem Hauptthor lag. Flackernd fiel der Schein seiner Laterne auf die Umrisse einer halbmontirten hydrauli. schen Presse Weiter fort, dem Innern zu. war alles dunkel Und ganz im Hintergrund ganz hinten da war er! Seine Augen sahen ihn, kannten ihn, den schweigen den, unsichtbaren Dampfkessel. Dd nr Kar rTr?h' Iiirui lv i jjiiu.'. -frilft alles nicht ich muß hinein! Muß hin! Das erste Signal hätte schon gegeben werden müssen!" Amblart that einen Schritt vor noch einen und noch einen den Hauptgana binab und plötzlich er dröhnte alles unter der Explosion wie unter furchtbaren Donnerschlä. gen V. Dubest, der die große Zapsenlochma. schine zu bedienen hatte, fand Amblard. Er lag ohnmächtig auf dem Dache eines niedrigen Schuppens, der un. mittelbar an das Fockrikgebäud grenzte. Unter der Wucht der Explosion war der Heizer dorthin geschleudert worden. Im Krankenhause kam er wieder zu sich. Und die Anderen?" Kein einziger ist verwundet nur du - Da erst bemerkte Amblard, daß ihm der rechte Arm vollständig glatt abgeschnitten war, in halber Höhe, am Ell. bogen. Oh ich " Amblard sagte t flüsternd und fast mit dem Anflug ei nes Lächelns. Mir fehlt ja nur ein Arm ist doch noch ein Glück, daß der verdammte Kessel nicht mehr von mir gewollt hat!" Auch in Sammler. Eine sonderbare Liebhaberei hatte der Prediger Dagg, der Anfang des vorigen Jahrhunderts in Schöneiche. einem stillen Dorfe ungefähr drei Meilen östlich von Berlin, seinem Amte und seiner Muße lebte. Er behauptete nämlich, jeder Mensch müsse etwas sammeln. Da ihm nun zu einer Sammlung von Gemälden. Kupfern. Münzen und dergleichen werthvollen Dingen die Mittel fehlten, sammelte er alle deutschen Eigennamen, die auf die Endung mann ausgingen. Sc erhielt er nach und nach aus Zeitungen. Büchern und mündlicher Mitthei. lung eine Sammlung von Aegen 30.. 000 Namen, die er alphabetisch ordne, te und mit den gehörigen Beweisstel. len versah. Als ihm ein Knabe zufäl lia den Namen eines Mitschülers ? Zillemann nannte, schlug er sofort in einem Register nach und war sehr verwundert, ihn noch nicht zu haben. Er trug ihn sorglich noch ein mit dem Vermerk: Pillemann, Schüler der Hartungschen Bürgerschule in Ber. lin." WaS nach deö Predigers Tod, aus der Sammlung worden ist. die vielleicht als Onomastikon für di Etymologie der deutschen Eigennamen werthvoll gewesen wäre, ist unbe-Kumt.