Indiana Tribüne, Volume 30, Number 11, Indianapolis, Marion County, 5 September 1906 — Page 6

Jnd.ana Tribüne, S September 1906

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(Lrspaische Nachrichten.

Provinz Sachsen. Magdeburg. Dem technischen Eisenbahnsekretar a. D. Willert wurde der Rothe Adlerorden 4. Klasje, dem Eisenbahnbetriebssekretär Hermann Woldeck der Kronenorden 4. Klaffe verliehen. Anna bürg. Der hiesige Müllermeister Voigt gerieth beim Befieiaer. eines Wagens unter die Räder, die ihm den Brustkasten zerquetschten, so daß der 75jährige Mann nach zweitägigem Schmsrzenslager an den erlittenen inneren Verletzungen starb. B e l s d o r f, Der Knecht Konrad Stoetmann stürzte beim Strohabladen vom Wagen und trug so schwere Verletzungen am Kopfe davon, daß er dem Helmstedter Krankenhause St. Marienberg zugeführt werden mußte. D r o y ß i g. Sein 40jähriges Dienftjubiläum feierte dieser Tage der Müller Julius Forkmann auf der nahen Fürstlichen Mühle Pötewitz. Der Jubilar wurde von dem Prinzen Schönburg durch Verleihung eines Diploms und durch ein anschnliches Geldgeschenk ausgezeichnet. Halle. Ew schweres Automobilunglück ereignete sich in der Merseburgerstraße. Ein Kraftwagen überfuhr die Frau Veeskow, die eben die elektrische Bahn verlassen hatte. Die Unglückliche erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und muhte nach dem Krankenhause BergmannStrost" gebracht werden, wo sie ihren Verletzungen erlag. K ö n n e r i tz. Ein Mann Na. mens Jakob, der verheirathet und Vater von zwei Kindern ist, stürzte vom Hause des Gutsbesitzers Thenerkauf hier herab und erlitt so bedeutende Verletzungen, daß man für sein Leben fürchtet. Mers eburg. Die achtjährige Tochter des Arbeiters Karl Schröter goß Petroleum in glimmendes Feuer. Alsbald erfolgte eine Explosion, und das Kind trug so schreckliche Brandwunden davon, daß es starb. Osterburg. Auf dem Zimmerplatz des Zimmermeisters Drebenstrdt brach Feuer aus. Der Brand griff schnell um sich; das Kesselhaus, da? Vorrathshauö, eine Scheune und größere Holzvorräthe wurden vernichtet. Man vermuthet Brandfiiftung. Das ist der zweite Zimmerplatz, der innerhalb weniger Wochen niederbrannte. Provinz Kcrnnover. Hannover. Ein Doppeljubiläum feierte der Dekorationsmaler Franz Booke. Es find 30 Jahre verflössen, seitdem er verheirathet ift,und außerdem betreibt er sein Geschäft seit 30 Jahren selbständig. Der Jubilar und seine Ehefrau, die nebenbei bemerkt schon 27 Jahre in dem Hause Volgersweg 3a wohnen, wurden von den zahlreichen Bekannten an dem Jubiläumstag vielfach geehrt. Gbergötzen. Der Tochter des Landwirths W. Jütte wurde von den durchgehenden Pferden eines hiesigen Salzhändlers die Deichsel des Wagens in den Rücken gerannt. Das bedauernswerthe Mädchen wurde eine Strecke weit geschleift und schwer verletzt. F r e p s u m. Selbstmord verübte der Arbeiter H. Wehlermann, indem er sich mit ernem Rasirmesser den Hals durchschnitt. Haste. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich zwischen Hohnhorst und hier, indem der Bahnwärter Röhler auö Reherwiehe von einem von Minden kommenden Personenzug überfahren und getödtet wurde. Röhler wurde 20 25 Meter weggeschleudert und erlitt hierbei Bein- und Armbrüche. Der sofort herbeigerufe ne Arzt konnte nur den Tod festste!len. Münden. Verunglückt ist hier der ca. 20 Jahre alte Zimmermonn Bilse. wohnhaft auf der Blume, durch Abstürzen beim Richten eines WohnHauses im Vogelsang, ußer einigen äußeren Verletzungen zog sich Bilse schwere innere Verletzungen zu. Ronnenberg. Einen schweren Unfall erlitt der im Schacht der Kaliwerke Ronnenberg beschäftigte Häuer Korn aus Roloven durch einen Fehlschuß. Der Verunglückte wurde so schwer getroffen, daß er außer einem Beinbruch noch schwere Verletzungen an der Brust und am Kopfe davontrug. S t a d e. Auf einer Weide vor dem Salzthor fand man die Leiche des Arbeiters W. Willruth aus Twielenfleth. Willruth war ein starker Trinker, der Tod wird infolge AlkoHolvergiftung eingetreten sein. Wi lhelmshaven. Im Betriebe der hiesigen kaiserlichen Werft blickten auf eine 26jährige Thätigkeit zurück: Mechaniker-Vorarbeiter Veith, Segelmachcr Karl Freyse, Vorarbeiter Christian Bahr und Bureaugehilfc Wilelm Wiewesick. 'Arovinz Westfcrren. Münster. Im Rennen um den Preis von Buldern kam der Jockey F. Hacku.ack mit dem Pferde Santa Anna so unglücklich zu Zall. daß er nach wenigen Minuten semen Geist aufgab. B e t h e l. Die 17jährige Arbeiterm Petzschka von hier, die seit einigen Tagen aus dem Elternhause verschwunden war. wurde in einem Teiche bei Hebron als Leiche wiooergefuNden.

Da diese auf der Brüst Wunden zeicrte.

alaubt man. daß ein llederfall oder SeiMnord vorliegt. Dortmund. Die 8jährige Ilse Schäfer ist auf freiem Felde von einem Manne cgirch einen Schnitt am Halse sowie mehrn e Messerstiche schwer verletzt worden. Der muthmaßliche Thater. ein Bergmann, ist flüchtig. Glsenkirchen. Streckeiwärter Wackermann wurde, als er beim Beyehen seiner Strecke einem Perlonenzuge auSwich. von einem hinter ihm kommenden Geräthewagen erfaßt und zur Seite geschleudert. Er erlitt einen Schädelbruch, dem er alsbald erlag. Haspe. Auf dem hiesigen Hochofenwerke war der 23jährige Maschinist I. Jenrsch mit der Reinigung von Gasröhren beschäfgt. Durch Platzen eines Ventils vranqen plötzlich Gase des Hochofenqeblcrses heraus und Jentsch stürzte von seinem Standorte in eine ca. 4 Mter tiefe Grube. Trotzdem er sofort hervorgeholt wurde, waren die vom Arzt angestellten WiederbelebungFversuche ohne Erfolg. D Tod war infolge Gasvergiftung eingetreten. Jseringhausen. Ein Blitzschlag traf das Haus der Wittwe Heinrich Viedenz und setzte es sofort in Brand, der alsbald mit so großer Schnelligkeit um sich griff, saß noch drei weitere Häuser Feuer fingen, nämlich diejenigen der Witrwe Schmidt, Joseph Schmidt und Adam Valperz. Sämmtliche vier Häuser brannten bis auf den Grund nieder. Paderborn. Das schöne Fefi der goldenen HochIQt feierten die bei ihrem Sohne, dem Zmasterzeichner Graf, Fürsrenweg 2, wohnenden Eheleute Oekonom Jul. Graf und GemahIm, Marie, geb. Klumb, beide 75 Jahre alt und geistig und körperlich frisch. Recklinghaus en. Beim Feueranmachen goß die 13jährige Tochter des Bergmanns Pietsch Petroleum in's Herdfeuer. Es erfolgte eine Explosion, wodurch da$ Kind so schwere Brandwunden erlitt, daß es wenige Stunden später im Krankenhause starb. Wanne. Dieser Tage ist der Nachtschutzmann Weusthoff auf einem !touillenamg durch Rej)olverschüsse tödtlich verletzt worden. Der Zcharer wurde verhaftet. Ptzeinprovinz. Köln. Im Frühjahr war Vrinzessin Viktoria Luise mit dem Dampfer Deutscher Kaiser" der Preußisch - Rheinischen DamvfschaffahrtsGesellschaft von Mainz biö St. Goar gefahren. Jetzt sind aus dem Kabinett der Kaiserin für den Kapitän Schütz und Condukteur Koch werthvolle Andenken (Busennadeln) hier eingegangen, welche den Bedachten durch Direktor Schaufuß überreicht worden sind. Aachen. Geheimer Regierungrath Professor Dr Wüllner beging sein 30jähriges Doktorjubiläum. Der Regierungspräsident v. Hartmann überbrachte dem Jubilar im Namen des Kaisers den Stern zum Kronenorden zweiter Klasse. Barmen. Von einem Radfahrer wurde der 62 Jahre alte Fabrikarbeite? Gustav Wülfrath, Friedhofstraße wohnhaft, in der Waisenstraße angefahren und derart verletzt, daß der Tod kurz darauf eintrat. Der Radfahrer, dem ein Verschulden an dem Unfall nicht beigemessen werden kann, ist der Anstreichermeister Richard Bäcker aus Herzkamp. E l b e r f e l d. Georg Rauchenecker. ein beliebter Lieder- und Operncomponist, ist im Alt-.' oo 62 Jahren gestorben. Er wac r in den letzten Jahren als städtischer Kapellmeister thätig. Euskirchen Im benachbarten Kleinbüllesheim ließ der Gutsbesitzer Schorn. der auf seinem Gutshof in Oberweiß (Eifel) weilte, durch seinen Sohn seine Frau, eine Tochter und eine Nichte, Frau Kolb, die ihn zu besuchen kamen, mit einem Wagen abholen. Unterwegs scheuten die Pferde. Frau Schorn, Mutter zwölf unmündiger Kinder, wurde aus dem zertrümmerten Wagen todt hervorgezogen. Sohn und Tochter erlitten je einen Arm- und Beinbruch. Frau Wittwe Kolb. Mutter sieben kleiner Kinder, erlitt eine Gehirnerschütterung und innere schwere Verletzungen. L e i ch l i n g e n. Vor längerer Zeit hat sich der Landwirth Hübeler von hier von seiner Familie entfernt, wie angenommen wurde, um sich das Leben zu nehmen. Die Annahme hat sich jetzt bestätigt. Der in den 40er Jahren stehende Hübeler, bei dem sich Spuren geistiger Umnachtung bemerk bar gemacht hatten, wurde in einem Walde zu Dürscheid bei Schlebusch mit durchschnittenem Halse als Leiche aufgefunden. Neben der Leiche, die schon stark in Verwesung übergegangen war, lag das zur That gebrauchte Messer, das Eigenthum des hübeler war. Nach den seitens der Polizeibehörde gemachten Feststellungen liegt zweifellos Selbstmord vor. Ein Netz für den Sardin e n f a n g kann, obgleich es über 1 Million Maschen zählt, mit der Maschine in einem halben Tage hergestellt werden. Von den 49 Offizieren und 1661 Mann, die Mecklenburg zur Großen Armee" stellte, kamen nur 14 Offiziere und 20 Mann aus Rußland zurück.

Sin kritischer Tag.

Bon E. G. Glück. Herr Achilles Roulain, ein kleiner, korpulenter Herr mit rothem, apoplektischem Gesicht, -vollem, trotz seiner 50 Jahre kaum ergrautem Haar und sanften, etwas philiströsen Manieren, hatte seinen Kaffee getrunken. Jetzt entfernte er sorgfältig die Brotkrümchen von seinen Beinkleidern, schüttelte sein Jackett, auf welchem die wollige Serviette weiße Spuren hinterlassen hatte, und machte sich zum Ausgehen fertig. Schon mit dem Hut in der Hand, näherte er sich seiner besseren Hälfte, um ihr ein liebevolles Auf Wiedersehen" zu sagen. als die würdige Gattin mit tragischer Miene und in ängstlichem Tone fragte: Achilles. Du denkst doch nicht im Ernst daran . . . ?" Woran, meine Theure ?" Du willst doch nicht etwa heute spazieren gehen 1" Warum denn nicht. Liebchen? Selbstverständlich will ich das! Du weißt, der Arzt hat mir ausdrücklich befohlen, nach dem Frühstück zwei Stunden spazieren zu gehen." Er hat Dir nicht befohlen. Dich an einem solchen Tage hinauszuwa-gen!-Unsinn !" Du bist so klein, Achilles! Wenn ich Dich wenigstens noch begleiten könnte . . . !" Und Madame Roulain konstatirte mit einem gewissen Wohlgefallen im Spiegel ihre gewichtige Korpulenz und ihre respektable Größe. Adelaide!" erwiderte Herr Rou lain, sich in die Höhe reckend. Erinnere Dich, daß Napoleon nur sechs Centimeter größer war als ich!" Ja, aber der saß auch meistens zu Pferde, während Du Gott, wenn ich denke, Du könnest in den Strudel der Menge gerissen, zertreten, erstickt werden!" Adelaide, Du bist sehr ungeschickt. Was Du mir soeben gesagt hast, zwingt mich, erst recht meinen gewohnten Spaziergang zu machen. Du könntest sonst gar auf den Gedanken kommen, ich habe Furcht." Nicht doch! Ich würde nur sagen. Du bist vorsichtig! Nein, ich würde sicherlich in Deimr Achtung sinken und auch in der meinigen." Du liebst mich nicht! Was soll aus mir werden, wenn Dir ein Unglück zustößt?" Mir wird kein Unglück zustoßen. Uebrigens ist es meine Pflicht, mich heute auf der Straße zu zeigen. Ich bin ein Bürger! Dreißig Jahre ununterbrochene Arbeit in der Hosenträaerbranche haben mir zu meinem Vermögen verholfen Heute, am 1. Mai. werden sozialdemokratische Horden lärmend die Straßen erfüllen, um durch Schreien und Schimpfen gegen Macht und Besitz, gegen die bestehende Ordnung zu protestiren. Ich bin kein Feigling! Ich bin keine Memme! Ich scheue mich nicht, meinem erbittertsten Gegner gerade in die Augen zu blicken!" Nach dieser, von pathetischen Gesten begleiteten, volltönenden Rede umarmte Herr Achilles Roulain seine Frau und verließ festen Schrittes das Zimmer. Seiner Gewohnheit gemäß wandte er sich nach den Boulevards. Dort herrschte ein ungewohntes Leben und Treiben. Eine kompakte Menge erfüllte lärmend die Trottoirs, und die Nationalgardisten und Polizeibeamten hatten die größte Mühe, die Schaulustigen zurückzudrängen und den Fahrweg freizuhalten. Herr Roulain fragte Jemand nach der Ursache dies?: Menschenansammlung. Man erwartete eine Kundgebung. Arbeiterabordnungen sollten mit wehenden Fahnen vorbeidefiliren, und man fragte sich ängstlich - neugierig: Was wird passtren?" Am Abend vorher hatten verschiedene Zeitungen in dunklen, orakelhaften Worten angedeutet, man müßte sich für diesen 1. Mai auf ganz besondere Ueberraschungen gefaßt machen. Kein Wunder, daß das gesammte müßiggängerische Paris auf den Beinen war Das kann heute ein heißer Tag werden!" erklärte vielsagend ein weißhaariger Greis, der in seinem langen Dasein schon viel gesehen haben mochte. Herr Roulain zuckte die Achseln. Er bemitleidete diese Leute. Er zürnte ihnen, weil sie d..i Verkehr hemmten. Gestoßen von dem einen, wieder gestoßen von einem anderen, bahnte er sich, so gut es ging, einen Weg. Aber dieser langsame, jedenAugenblick durch unfreiwillige Pausen unterbrochene Spaziergang machte ihm kein Vergnügen und war auch durchaus nicht im Sinne seines Arztes, der ihm ein langsames, aber stetiges Tempo für diesen Spaziergang vorgeschrieben hatte. Er beschloß also kurzerhand, umzukehren und nach Hause zu gehen. Im nächsten Augenblick aber fiel ihm Madame Roulain ein, die nun natürlich triumphiren würde. Er sah im Geiste ihr ironisches, etwas verächtliches Lächeln. Er hörte sie rufen: Siehst Du? Was habe ich Dir gesagt?" Vielleicht würde sie sogar wieder so undelikat sein, wieder von seiner kleinen Gestalt zu sprechen. Daö verletzte ihn stets aufs tiefste. Er litt unsäglich darunter, daß er trotz besonders hoher Absätze eine nicht an-

nähernd normal große Ftgur yar. Nein, nun gerade nicht! Er fetzte seinen Spaziergang fort. Aber dann kam ein Moment, wo es ihm einfach unmöglich war, einen Schritt vorwärts zu thun. Er versuchte umzukehren ebenso unr.löglich. Wohl oder übel mutzte er ut der Stelle stehen bleiben. So verstrich eine halbe Stunde. Herr Achilles Roulain begann sich zu langweilen und eine gewisse Müdigkeit zu spüren. Wie lange würde er wohl noch so stehen müssen? Plötzlich nahte sich ihm der Rettungsengel in Gestalt eines Hüters der Ordnung, der die Menge ziemlich unsanft und rücksichtslos theilte. Achilles rief ihn an und fragte sehr höflich: Würden Sie wohl die LiebensWürdigkeit haben und mir dabei behilflich sein, nach dem gegenüberliegenden Trottoir zu gelangen? Eine dringliche Angelegenheit ruft mich." Der Mann des Gesetzes nickte. Wenige Sekunden später befand Achilles sich auf dem Fahrdamm. Er hatte ohne jeden triftigen Grund darauf spekulirt, daß die andere Seite des Boulevards weniger überfüllt sein würde als diese. Er hatte sich getäuscht. Das ist aber Pech! Mein komme ich in diesem Gewühl doch nicht fort." erklärte er feinem Leibwächter. Ich wäreJhnen sehr verbunden, wenn Sie mich bis zu jener kleinen Nebenstraße bringen würden." Das ist auch gerade mein Weg," antwortete der Beamte. Er setzte schon einen Fuh auf das gegenüberliegende Trottoir, als ihn ein Wachtmeister anrief: He, Ledru!" Herr Wachtmeister! Ich muß Sie leider verlassen," wandte sich der Beamte zu Roulain. Aber ich werde schon für Sie " Er winkte einem C-:llegen, einem rothhaarigen, unnatürlich breitschulterigen Koloß. Heda! Schlapingerhaus! Ich vertraue Dir diesen Herrn hier an. Führe ihn!" Er stürzte davon, zu seinem bereits ungeduldigen Vorgesetzten, so daß Roulin nicht Zeit fand, ihm ein Wort des Dankes zu sagen. Kommen Sie!" forderte Schlapingerhaus unsern Helden auf, mit einem Dialekt, der seinen Straßburger Ursprung nur zu deutlich verrieth. Und er bahnte dem kleinen Herrn Roulain eine breite Passage. Sobald sie aus dem Gedränge heraus waren, bezeigte Herr Roulain ihm in honigsüßem Tone seine Dankbarkeit. Danke!" sagte er zu Schlapingerhaus, indem er ihm die Hand reichte. Danke! Sie haben mir einen wirklichen Dienst geleistet!" Und er wollte sich verabschieden. Aber die Rechte Schlapingerhaus' legte sich wichtig auf seine Schulter. Wohin?" fragte der Behelmte. Na nach Hause, lieber Freund! Rue des Petits - Champs." Ich glaube wirklich, Sie wollen sich in aller Gemüthsruhe aus dem Staube machen!" Wie?" Na, vorwärts, vorwärts! Nach der Wache!" Nach der Wache?" Ja." Warum?" Darum!" Warum aber?" Machen Sie hier keine Redensarten! Das wissen Sie ja besser als ich!" Aber ich bitte Sie! ES ist..." Keine Widerrede! Sie verschlimmern damit nur Ihre Sache." Was thue ich?" Ich sage, Sie verschlimmern nur Ihre Sache." Widerstand wäre unnütz gewesen. Herr Roulain ergab sich also in sein Schicksal und folgte, übrigens nur mäßig beunruhigt, dem Hüter der Ordnung nach der Wache. Der Herr Commissär war dienstlich abwesend. An seiner Stelle nahm der Sekretär Herrn Roulain in Empfang. Dieser Sekretär war berühmt wegen seiner Arroganz und seiner ewig schlechten Laune. Er musterte Herrn Roulain von oben bis unten, was bei der Größe desselben nicht lange dauerte, und schrie, bevor der Jnhaftirte auch nur ein Wort hatte sagen können: Schweigen Sie! Lassen Sie den Beamten sprechen!" Schlapingerhaus meldete: Dieser Manu ist mir von Ledru übergeben worden. Ledru hat mir gesagt, ich soll ihn führen." Was hat er verbrochen?" Das weiß ich nicht. Aber Ledru muß es wissen, weil er mir gesagt hat, ich soll ihn führen." Gut Was haben Sie zu Jhrer Vertheidigung vorzubringen?" fragte der Sekretär in trockenem Tone Herrn Roulain. Lächelnd trotz dieses Empfanges, mit einem gewissen gutmüthigen Humor, erzählte Herr Roulain sein Mißaeschick. Der Sekretär hörte ihn an, ohne eine Miene zu verziehen. Als Roulain geendigt hatte, blinzelte der Herr Sekretär verschmitzt mit den Augen und sagte in ironischem Tone: Ich atulZre Ihnen, mein Herr! Sie besitzen viel Phantasie!"

Wie? Sollten Ste etwa an mtu nen Worten zweifeln, mew Herr?" Gott beyüte!" Also bin ich frei?" Würden Sie sich noch ein wenig gedulden?" Aber ich hab's eilig!" Ich bin untröstlich, jedoch " Mew Herr!" erklärte Achilles, dem die Galle in's Blut stieg. Mein Herr! Ich ersuche Sie, mich freizulassen, auf der Stelle freizulassen. Ich habe gute Freunde in der Dresse, ich will Ihnen das im Voraus mittheilen!" Diese Worte verwandelten die Jronie des Herrn Sekretärs in heftigen Zorn. Ah! Sie kennen Journalisten! Na schön! Dann sagen Sie doch diesen Journalisten, sie möchten kommen und Sie von hier befreien! Rufen Sie sie doch zur Hilfe!" Im Ernst, mein Herr! Sie beabsichtigen doch nicht etwa, mich hier zu behalten?" Allerdings beabsichtige ich das! Sie werden hier bleiben bis zur Ablösung des Schutzmanns Ledru, der über Sie Auskunft zu geben vermag." Das ist ja eine schöne Geschichte'" Das Arrestlokal steht zu Ihrer Verfügung, falls Sie den Aufenthalt darin meiner Gesellschaft vorziehen." Achilles Roulain hielt es für gerathen, nichts zu erwidern. Er schwieg. Eine Stunde verfloß, eine zweite. Achilles sah nach der Uhr. Sie ging auf fünf. Sonst war er um diese Zeit schon bei seiner Frau. Er dachte daran, welch trüben, verzweifelten Gedanken Adelaide sich ohne Zweifel hingeben müsse. Es schlug 7 Uhr. Herr Roulain, den der Hunger zu quälen begann, wagte eine Frage. Können Sie mir vielleicht sagen, ob Herr Ledru bald kommen wird?" Nein, das kann ich Ihnen nicht sagen." Eine Weile später bat er von Neuem: Herr Sekretär, lönnten Sie mcht meine Identität feststellen lassen? Ich wohne Rue des Petits - Champs 23. Ich war dreißig Jahre lang in diesem Viertel etabllrt " Dazu habe ich keine Zeit. Warten Sie, bis Ledru heimkommt!" Um zehn Uhr kam ein Theil der Beamten zurück. Sie trugen die Spuren von Kämpfen an sich und brachten mehrere Arrestanten. Sie meldeten, ein heftiger Zusammenstoß habe stattgefunden. Einer von ihnen. Ledru, sei umgestoßen, von den Manifestanten mit Füßen getreten worden. und man hatte ihn in sehr be denklichem Zustande in's Hospital gebracht. Herr Roulain wurde ohnmächtig.. Er blieb die Nacht auf der Polizeiwache. Am nächsten Morgen kam Madame Roulain, ganz in Thränen aufgelöst, ihn von dort abzuholen. Er veranlaßte keine Preßcampagne, er strengte keine Klage an: der Herr Sekretär hatte ihn vollständig mürbe gemacht. Aber er bekam die Gelbsucht. Die Autorität, die er bis dahin in seinem Hause genossen hatte, ist verloren. Wenn er jetzt nach dem Frühstück den Wunsch hat, eine kleine Promenade zu machen, frägt er Adelaide um Rath: Glaubst Du, meine Theure, daß ich meinen Spaziergang . . . ?" Dann sieht Adelaide nach dem Himmel, nach dem Barometer, und je nachdem sie guter oder schlechter Laune ist, ertheilt oder verweigert si die Erlaubniß. Alte Ltiefel-zum Ehrengedächtniß Wenn man in China einem vesonders ehrlichen, gewissenhaften und verdienstvollen Beamten seine Anerkennung bezeugen will, so überreicht man ihm einen Ehrenschirm. Das ist gewöhnlich ein großer rother Schirm aus Seide, auf dessen langen Bändern die Namen der Geber verzeichnet sind. Dieser Brauch findet seine Erklärung in dem Klima des Landes, in dem der Schirm eine große Rolle spielt. Seltsamer ist eine andere Sitte: daß man sich von dem Scheidenden ein Paar alte Stiefel erbittet, die zum Andenken in dem Stadtthorbogen aufgehängt werden. In mancher chinesischen Stadt hängen unter dem riesigen Stadtthorbogen oft ein Dutzend Paar alte Stiefel, verstaubt, zerrissen und verschrumpft, zum Andenken an treffliche Beamte. Vielleicht will der Brauch besagen, daß die Nachfolger eines tüchtigen Mannes dieselben Wege wandeln sollen, um sich die Liebe und Achtung des Volkes zu erwerben, damit ihre alten Stiefel auch zum ewigen Angedenken und zum leuchtenden Vorbild im Stadtthorbogen aufgehängt werden können Berechnend. Protz (zur Tochter): Was fällt Dir ein. ich werd' Dir kaufen ä Bild for achttausend Mark, wenn ich da noch ä paar tausend Mark dazu gebe, da kriegst schon den ganzen Male? selr1" Schlagfertig. Lehrer (zum Oberförster): . . . WaS werden Sie aber sagen, Herr Oberförster, wenn Sie eines Tages in der Hölle aufwachen?" Oberförster: Na guten Morgen. Herr Lehrer! werd' ich halt saatttl"