Indiana Tribüne, Volume 30, Number 10, Indianapolis, Marion County, 4 September 1906 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
gxoxiz$ sommern. Stettin. Sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Militärkapellmeister konnte der kömgl. Musikdirektor Henrion vom Gren.-Regt. No. 2 beqehen. Henrion gehört zu den voksthümlichsten, beliebtesten Kapellmeistern nicht nur der preutzischen, sondern der deutschen Armee. Alt d am. Erschossen hat sich der pensionirte Beamte der Germania" G. Arndt hier. Ursache dürfte ein langjähriges quälendes Nervenleiden sein. Deep. Der frühere Kaufmann, jetzige Rentier Hermann Davidsohn hierselbft beging kürzlich bei guter Gesundheit sein 50jähriges Bürgerjubiläum. Groß - Bolz. Im hiesigen See ertrank ein Zjähriges Kind des Deputanten Klanien beim Spiel. G u m m i n. Beim Angeln ertrunken ist der 7jährige Knabe des Streckenwärters Ohm von hier. Heinrichsdorf. Der Knecht Budde Hierselbst ist im Buschberg bei Alt - Wilhelmshof erhängt aufgefunden worden. Er soll aus Aerger darüber, daß er seinen Anzug nicht bekommen hatte, seinem Leben ein Ziel gesetzt haben. Nadelitz. Die Eigentümerin Frau Albert Fell von, hier ist in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden worden. Die Ermordete war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Nase war abgeschnitten, die Augen ausgestochen, die Wangen ausgehöhlt. Der That verdächtig soll sich der Ehemann der Verstorbenen gemacht haben, der mit seiner Frau eine unglückliche Ehe führte und geflüchtet ist. S t o l p. Kürzlich entstand tn dem Haufe des Fischers Reinhold Pagel auf Vietzker Strand einBrand, der so schnell um sich griff, daß die aus dem ersten Schlafe geweckten Bewohner nur das nackte Leben retten konnten. Der Besitzer, der zur Rettung einiger Werthsachen in daö brennende Haus nochmals eindringen wollte, erlitt bei diesem Versuche schwere Verletzungen. Drei Kühe sind in den Flammen umgekommen. Provinz Schleswig -Kokstein. Schleswig. Verliehen wurde: dem Postsekretär a. D. Ludolph Stegelmann Hierselbst der Kronenorden 4 Klasse; dem Architekten Wilhelm Voigt zu Kiel der Rothe Adlerorden 4. Klasse. Altona. DaS Zweitälteste Mitglied des Magistrats, der im Jahre 1866 auf Lebenszeit gewählte Senator Knauer, feierte kürzlich feinen 80jährigen Gebu5tstag in voller geiftiger und körperlicher Frische. Gaarden. Von einem schweren Geschick ist die hier wohnende Familie Trademann betroffen worden. Der 2V2lährige Sohn hatte im Werftpark aespielt; er -kam im vollen Lauf von dem abschüssigen Weg herunter und lief direkt gegen den von der Kaiserstratze nach Ellerbek fahrenden Straßenbahnwagen, der dem Kinde über den Brustkorb hinwegging, so daß es nach kurzer Zeit starb. Lauenburg. Hier siel die 2jährige Tochter des Schlachtermeisters Stolleis so unglücklich in eine Wanne, die mit ausgelassenem heißen Talg gefüllt war, daß sie sich bedeutende Brandwunden zuzog. Der Tod hat das "evauernswerthe Kind von seinen Schmerzen erlöst. M e l d o r f. Das seltene Fest dec goldenen Hochzeit feierten hier der Arbeiter P. Mahler und Frau. Die Hochzeit wurde öffentlich in der Ditmarsia gefeiert. O l d e i I o t. Thierarzt Drews von hier hatte kürzlich das Unglück, in der Hagenstraße mit seinem Motorrad zu stürzen und kopfüber auf das Straßenpflaster geschleudert zu werden. Ein sofort herbeigeholter Arzt legte dem anscheinend schloer Verletzten, der längere Zeit ohne Bewußtsein war, einen Nothverband an und lieh ihn sodann mittelst Krankenwagens in seine Wohnung befördern. Tating. Kürzlich feierten die Eheleute Elas Peter Hans hierselbft das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Der Mann, schon seit zwei Jahren blind, ist 76 und die Frau 73 Jahre alt. Wilster. Die Eheleute Peter Holm und Frau hier begingen die goldene Hochzeit. rovin Schkesten. Breslau. Am Ohlauer Stadtgraben wurde daS 6 Jahre alte Mädchen Marie Hooek, Tochter eines Feuerwehrmannes, durch eine Taxameterdroschke überfahren und so schwer verletzt, daß durch einen Arzt nur nocy ver sofort eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Dies Tage feierte Klempnermeister Paul John, Nikolaistraße 4960, die 25, Wiederkehr deS TgeS, an dem er als Meister in die hiesige Klempner-Jn nung aufgenommen tdurde. AntonienhÜtte. Tödtlich verunglückt ist auf Gottessegengrube der 32jährige Läuer Schampera. Er wollte den BremÄrg heraufgehen, als ihm die Lampe ausaing. Im selben Augenblicke wurde ein Forderfasten heruntergebremst, der ihm ein Bein abquetschte und außerdem noch verschiedene schwere innere Verletzun gen beibrachte. Schampera starb aus
dem Transport nach dem Kranken
Hause. Deutsch -Rasselwitz. Beim Abputz der städtischen Turnhalle in Neustadt fiel der 66 Jahre alte Maurer Robert Pelzer von hier aus einer Höbe von fünf Metern von der Rüstung. Besinnungslos wurde er in's Kloster der Barmherzigen Brüder gebracht, wo er infolge eines Schädelbruches starb. GerSdorf. Gärtner Lange, welcher sich nebenbei mit dem Kuriren von Vieh beschäftigte, hatte bei dem Impfen eines an Rothlauf erkrankten Schweines daS Unglück, daß ihm ein Tropfen des Gifte's in eine kleine ssingerwunde kam. Es trat Blutveraifitung ein und in kurzer Zeit war der bedauerns werthe Mann, welcher Familienvater ist, eine Leiche. K t t t o w i tz. Der 20jährige Maurer Josef Lamla stürzte vom Gerüst am Bahnhofsneubau in den Keller hinab und erlitt schwere innere und äußere Verletzungen. Langenbielau. Prokurist Ernst Jacob feierte mit seiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. Zfrsvinz goet. Posen. Bei Ausführung von Ausbesserungsarbeiten stürzte der Dachdecker Teiche! von einem drei Stock hohen Gebäude in den gepflasterten Hof, wo er schwer verletzt besinnungslos liegen blieb. In dem städtischen Krankenhause, wohin Teichel geschafft wurde, ist er infolge der erlittenen inneren Verletzungen gestorben. Alerandrowo. Vor einiger Zeit starb hier die in Argenau geborene und lange Jahre hier wohnhaft gewesene Wittwe Kwiatkowski in dem hohen, durch Taufschein bezeugten Alter von 104 Jahren. B r o m b e r g. Der Großkaufmann Rosenthal, welcher erst einige Zeit verheirathet ist, stürzte von einem Spaziergange mit seiner Frau heimkehrend, todt zur Erde. Ein Herzschlaa hatte seinem Leben ein jähes Ende gemacht. Gluwuo. Die Restaurateursfrau May warf beim Aufräumen des Lagerkellers ein brennendes Streichholz weg, wodurch ein Spiritusfaß ezplodirte. Der Keller stand sofort in Flammen. Frau May erlitt lebensgefährliche Verletzungen, ebenso ihr zu Hilfe eilender Mann und ein gewisser Matkon?ski. Das weitergreifende Feuer entzündete auch eine im Restaurationslokale stehende Kohlensäureflasche, die mit furchtbarem Knall explodirte. DaS Lokal wurde dadurch demolirt. An dem Aufkommen der Frau May wird gezweifelt. Kolodziejewko. Die fünfjährige Tochter des Ansiedlers Gertz lief dem Vater entgegen, als er mit einer Fuhre mit Sand angefahren kam. ohne daß er daö Herannahen des Kindes merkte. Hierbei kam das Kind unter die Räder und wurde überfahren, so daß es nach zwei Stunden starb. Meseritz. Unter großer Betheiligung aller Bevölkerungskreise wurde der im 80. Lebensjahre verstorbene Oberwachrmeister a. D. und vachmalige Kommunalkassenrendant August Fick zur letzten Ruhe bestattet. Dem Vorstande des Landwehrvereins hat er viele Jahre als Kassirer angehört. O st b u r g. Der Lehrer Woinke von hier ist nach 38jähriger Thätigkeil in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlaß wurden ihm mannigfache Ehrungen zutheil. Eine Lendoner Dame ist durch die stets wachsende Dienstmädchennoth auf eine eigenartige Idee gekommen, d bereits in nächster Zeit zur Durchführung gelangen soll. Sie will eine ganze Schaar kleiner Knaden, in erster Linie Waisenkinder, kaserniren und in der Ausführung von Hausarbeit, ausschließlich Kochen, unterrichten lassen. Diese Knaben sollen gegen bescheidene Bezahlung ausgeliehen werden. Die Bezahlung würde sich nach der Art und nach der Dauer der Arbeit richten. Die kleinen männlichen Dienstboten erhalten eine dunkelgrüne Uniform mit silbernen Knöpfen. Ueber einen Unfall in der österreichischen Marine wird aus Pola berichtet: Das Thurmschiff Erzherzog Karl schleppte an einem 1000 Meter langen Seil in der Höhe von Lissa einen schwimmenden Schießstand, gegen den das Thurmschiff Habsburg" mit einem Geschütz von 7 Centimeter Kaliber auf eine Entfernung von 4 Kilometer schoß. Infolge einer leichten Abweichung des Habsburg" trafen einiae Geschosse am Bug des Erzherzog Karl, wobei mehrere Matrosen verletzt und ein Boot zertrümmert wurden. Ferner wurde ein Heizer im Kohlenraum v schüttet und getödtet. Wlr end einer Trauu n g in der katholischen Pfarrkirche zu Siemianowitz in Oöerschlesien erschien die frühere Geliebte des Bräutigams in der Kirche, riß ihm die Myrte vom Rock und drückte ihm einen Besen in die Hand. Als Dank dafür versetzte ihr der Verlegene eine schallende Ohrfeige, Als auch dann die Verlassene handgreiflich wurde, mußte sie schließlich mit Gewalt aus der Kirche entfernt werden. Erst dann konnte der Geistliche den Trauakt vor, nehmen.
Kedlichkett.
HumoreSK von Reinhold Ortmann. Der junge Rechtsanwalt Paul Hilbert war ein Mann von festen Grundsätzen und von unerschütterlicher Redlichkeit. Darüber, daß diese pedantische Ehrlichkeit seinem Fortkommen vor der Hand nicht gerade förderlich war, durfte er sich nach den Erfahrungen des ersten Jahres seiner Praxis allerdings keine Illusionen mehr machen. Er hatte eme Anzahl von Mandaten abgelehnt, weil ihm die in Frage stehenden Sachen nicht reinlich genug waren. Und es schien, daß die Tugend Wirklich ihren verdienten Lohn finden solle. In einer Gesellschaft machte der junge Rechtsanwalt die Bekanntschaft eines sehr liebenswürdigen Herrn, des Privatiers Rheiubergu, der sich ihm eigens hatte vorstellen lassen, um ihm zu sagen, daß er von verschiedenen Seiten die schmeichelhaftesten Dinge über seine Tüchtigkeit wie namentlich über seine Gewissenhaftigkeit gehört habe, und daß er sich freuen würde, diese so schätzenswerthen Eigenschaften des Herrn Doktors im Interesse eines ihm nahestehenden Herrn, seines Schwagers Fritz Meyer, nutzbar gemacht zu sehen. Er deutete an, daß es sich dabei um eine auch für den Rechtsanwalt sehr vortheilhafte Vereinbarung, nämlich um die Uebernahme der juristischen Berathung eines neu zu gründenden industriellen Unternehmens von großer Bedeutung handeln würde, und als er sich der grundsätzlichen Geneigtheit Hilberts versichert hatte, kam er auch 'it näheren Angaben heraus. Mein Ss,wager, der augenblicklich noch in Frankfurt am Main seinen ständigen Wohnsitz hat, ist ein Mann von großartigem Unternehmungsgeist. Er hat Fabriken und Eisenbahnen gebaut, Bergwerke angelegt und Badeorte aus Sandwüsten geschaffen. Diesmal aber wird er ohne Zweifel den gewaltigsten Erfolg seines Lebens davontragen. Er hat im Verein mit mehreren anderen Großkapitalisten ausgedehnte Terrains in der Lüneburger Heide erworben, die nach dem Gutachten der bedeutendsten Sachverständigen ungeheure Petrolumlager in ihrem Schooße bergen, und er ist eben im Begriff, eine Gesellschaft zur Ausbeutung dieser natürlichen Schätze zu konstituiren. Weil dabei viele ffragen rechtlicher Natur in Betracht kommen, hat er mich ersucht, ihm einen tüchtigen Juristen als Berather zu empfehlen." Für den an magere Liquidationen gewöhnten Rechtsanwalt waren das natürlich höchst erfreuliche Aussichten, aber sie bedeuteten nicht das einzige freudige Ereigniß dieses Abends. Herr Rheinverger hatte ihn um die Erlaubniß gebeten, ihn seiner Nichte Jda, der Tochter eben jenes erfolgreichen Großunternehmers, vorstellen zu dürfen, und nie zuvor hatte ein weibliches Wesen so tiefen Eindruck auf Paul Hilbert gemacht, wie diese reizende junge Dame, die sich seit einiger Zeit besuchsweise im Hause ihres Oheims aufhielt, und deren äußere Anmuth augenscheinlich noch übertroffen wurde durch die LiebensWürdigkeit ihres Wesens und durch die bezaubernde Herzensgüte, die der Rechtsanwalt deutlich aus ihren schönen dunklen Augen leuchten zu sehen meinte. Er hatte den Vorzug, Fräulein Jda zu Tisch zu führen, und als man sich von der Tafel erhob, war er bereits bis über beide Ohren in s verliebt. Daß auch er dem Gegenstand seiner Anbetung nicht mißfallen hatte, durfte er ohne Ueberhebunq aus allerlei kleinen, aber kaum mißzuverstehenden Anzeichen schließen. Die Ankunft des Herrn Fritz Meyer in der Hauptstadt sollte in etwa einer Woche erfolgen, und Paul Hilbert sah diesem entscheidenden Ereigniß natürlich mit nicht geringer Spannung entgegen. Aber er war nicht der Mann, um der bevorstehenden günstigen Wendung seines Schicksals willen die Pflichten seines Berufes zu vernachlässigen. Nach wie vr erschien er auf die Minute pünktlich in seinem Bureau, und jeder Klient, der ihn da aufsuchte, mochte seine Sache noch so geringfügig sein, fand ein aufmerksames Ohr. Unter diesen Rathsuchenden befand sich eines Tages auch ein Mann Namens Kleinschmidt, der in einer Straffache den Beistand des Rechtsanwalts suchte. Er berichtete, daß er das Unglück gehabt hatte, durch allerlei geschäftliche Transaktionen, die er selber natürlich für durchaus harmlos gehalten, das Interesse des Staatsanwalts zu erregen, er sprach von einem großen Waarenlager, von der Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und von zahlreichen anderen Dingen, die er so verwirrt durcheinander mischte, daß es dem Anwalt beim besten Willen unmöglich war, ein klares Bild von der Sache zu gewinnen. Schließlich förderte er noch eine Menge von PaPieren zutage, in die Dr. Hilbert Einsicht nehmen sollte, und erklärte, er wolle lieber am nächsten Tage seinen Vetter und Soziu, einen ebenfalls unter Anklage gestellten Herrn Meier, schicken, weil dieser eine größere Gewandtheit in der Darlegung tomplizirter Verhältniße habe als er.
Der junge Rechtsanwalt saß den ganzen Abend über den Papieren der Firma Kleinschmidt und Meier, und es war nicht eben der günstigste Eindruck, den er daraus von dem geschäftlichen Gebahren dieser Firma gewann. Als ihm am nächsten Morgen sein Bureauvorsteher Herrn Meyer" mel dete. zeigte er dem Eintretenden auch ein sehr ernstes Gesicht. Der aber schien den frostigen Empfang gar nicht zu bemerken, trat vielmehr mit der zuversichLichen Sicherheit eines vollkommenen Weltmannes auf und lehnte sich so behaglich in den ihm mit einer Handbewegung angebotenen Sessel, als wäre er zu einem gcmüthlichen Plauderstündchen gekommen. Ich höre von meinem Schwager, daß er mit Ihnen bereits über die Sache gesprochen hat", eröffnete er in beinahe herablassendem Tone die Unterhaltung. Da werden wir also, wie ich hoffe, rasch zu einer Verständigung gelangen. Sie sind doch bereit, uns Ihren Beistand zu leihen?" Das kommt ganz auf die Umstände an", erwiderte Dr. Hilbert sehr kühl. .Uebrigens hatte ich geglaubt, der Herr sei Ihr Vetter, aber das ist ziemlich gleichgültig. Ich habe mich inzwischen näher über die Sache informirt, und ich muß Ihnen gestehen, daß ich vorläusig noch sehr ernste Bedenken habe, mich damit zu befassen." Herr Meyer machte ein erstauntes Gesicht. Und dars ich vielleicht fragen, worauf sich diese Bedenken gründen?" Das sollten Sie sich eigentlich selbst sagen können. Ich wiederhole, daß ich mich sehr eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt habe, und daß ich manchen Angaben Ihres Verwandten mit gelinden Zweifeln gezenüberstehe. Meine erste Bedingung würde also sein, daß Sie mir vollkommen reinen Wein einschenken und nicht auch mir gegenüber Ihr Heil mit allerlei Winkelzügen versuchen." Das Erstaunen des Besuchern schien sich bis zu wirklicher Verblüfftheit gesteigert zu haben. Ein paar Sekunden lang sah er den jungen Rechtsanwalt schweigend an. dann aber schlug er ihn plötzlich mit eineni jovialen Lachen auf's Knie und rief: Sie gefallen mir, Doktor! Das ist die Sprache eineö aufrichtigen Mannes. Und ich glaube selbst, daß wir am schnellsten zum Ziele kommen werden, wenn wir nicht lange Verstecken? miteinander spielen. Ihrer Diskretion kann ich mich doch selbstverständlich versichert halten?" Es bedarf in dieser Hinsicht keiner besonderen Versicherung, da ich schon durch meinen Eid zur Verschwiegenheit verpflichtet bin. Kommen wir also zur Sache. Die riesigen Lager, von denen Ihr Verwandter mir gesprachen hat sie sind in Wirklichkeit gar nicht vorhanden, nicht wahr?" Na, ganz so schlimm ist es nun wohl nicht. Etwas ist schon da. wenn wir auch selbstverständlich ein bißchen übertreiben müssen. Anders ist eben heutzutage kein Geschäft zu machen. Und ich freue mich aufrichtig, daß Sie das Ding von vornherein richtig ansehen. Mundus vult decipi und Verdienen" wird mit einem großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Haben wir unsere Gesellschaft erst einmal unter Dach und Fach, so brauchen wir uns um daS Weitere nicht mehr zu kümmern Paul Hilbert runzelte die Stirn. .Sie denken also im Ernst daran, diese Gesellschaft in's Leben zu rufen?" uno oo tch Daran denke: Die Sache ist ja schon so gut wie fertig. Es kommt nur eben darauf an, sich für alle Fälle den Nachweis der Gutgläubigkeit zu sichern und die nöthige Anzahl von Hinterthürchen offen zu halten. Und das ist es, was wir von Ihrer Gerissenheit erwarten, Herr Rechtsanwalt! Mein Schwager hatte mir gesagt, Sie müßten mit Vorsicht behandelt werden, und mn dürfte Ihnen nur ganz allmählich beibringen, was Sie für uns zu thun haben. Aber er ist kein Menschenkenner das habe ich ihm immer gesagt. Er sieht in jedem Menschen, der eine ehrbare Miene aufzusetzen versteht, einen unbestechlichen Heiligen. Ich aber wußte schon in den ersten zwei Minuten, woran ich mit Ihnen war." ' Jetzt war die Reihe des Verblüfftseins an dem Doktor. Er starrte den Menschen, der ihm so unverschämte Dinge zu sagen wagte, an. als ob er seinen Ohren nicht trauen wolle. Und mühsam nur zwang er sich zu einer noch halbwegs höflichen Erwiderung. Es scheint mir denn doch noch nicht ganz sicher, Herr Meyer, daß sie sich in diesem Fall als der bessere Menschenkenner erwiesen haben. Ich gestehe, daß mir eine Zumuthung wie die Ihrige bisher noch von Niemandem gemacht worden ist. Der Andere lächelte verschmitzt. Ich verstehe, Doktorchen ich verstehe vollkommen. Sie meinen, so was müsse vor allen Dingen angemessen bezahlt werden. Afo Sie können, waö daö anbetrifft, ganz beruhigt sein. Bei uns heißt es: Guter Rath ist Goldes werth. Und t kniffllcher die Dinge sind, die wir von Ihnen verlangen, desto glänzender
werden wtt Sie natürlich aucy zahlen. Gerade daß Sie bei aller Welt in dem Rufe stehen, ein Mann von pedantischer Rechtschaffenheit zu sein, macht Sie ja für uns fo unschätzbar. Einen Berather, der sich schon öfter mit ähnlichen Sachen kompromittirt hat, hätten wir von vornherein nicht brauchen können." Nun aber war es mit Paul Hilberts Geduld endgültig vorbei. Und nie in seinem Leben hatte er ein so unwiderstehliches Bedürfniß gefühlt, sacksiedegrob zu werden, als in diesem Augenblick. Nun ist's genug, und ich will Ihnen 'mal etwas sagen, mein sehr ehrenwcrther Herr Meyer! Wenn Sie mir hier eine Million auf den Tisch legten, fo würde mich das nicht einen Augenblick hindern, Ihnen die Thür zu weisen. Denn was Sie mir da ansinnen und sich unterstehen, mir mit dürren Worten zu sagen, ist eine unerhörte Beleidigung. Sehe ich aus wie ein Helfershelfer und Spießgeselle von Schwindlern?" Herr Meyer fuhr auf, als wäre er von einer Schlange gebissen worden. Von Schwindlern? Herr Rechtsanwalt das hat mir noch Niemand gesagt." Nun, so sage icrs Ihnen. Verklagen Sie mich, wenn Sie wollen. Aber machen Sie jetzt gefälligst die Thür meines Sprechzimmers von draußen zu!" Unerhört! Daö mir, einem Maune, der sich hundert solcher armen Schlucker kaufen kann, wie Sie einer sind. Und mein Schwager, dieser Esel, wollte mir einreden. Sie wären in meine Jda verliebt." Paul Hilbert hatte die angenehme Empfindung eines Menschen, dem Jemand unversehens einen Kübel eiskalten Wassers über den Kopf geschüttet hat. Ihre Jda? Sie sind also " Ich bin ihr Vater natürlich. Haben Sie das vielleicht nicht gewußt? Na. Einer von den Schlauen sind Sie jedenfalls nicht, mein werther Herr Rechtsanwalt. Einen Menschen, der sich solchen Verdienst und solche Partie verscherzen kann ohne jeden vernünftigen Grund bloß aus sogenannter Rechtschaffenheit, den hätten seine Eltern Dichter oder Kassenbote werden lassen sollen, aber nicht Rechtsanwalt. Guten Morgen, Herr Doktor, und der Himmel erhalte Ihnen Ihre fromme Einfalt!" Hinaus war er, schnaubend vor Wuth. Paul Hilbert aber, dem es erst so spät zur Erkenntniß gekommen war, daß er nicht den Schwindler Meier mit i, sonndern den Schwindler Meyer mit y vor sich gehabt habe, stützte den Kopf in die Hand und versank in tiefsinnige Betrachtungen über den Werth der Redlichkeit, die sich ihm wieder einmal als eine zuzeiten recht verhängnißvolle Tugend erwiesen hatte. Seine goldenen Aussichten und seine sonnigen Liedeshoffnungen alles war mit einem Schlage dahin, und in seiner Seele dämmerte eS auf wie die betrübliche Erkenntniß, daß er vielleicht wirklich besser gethan hatte, ein Dichter zu werdan, obwohl es ihm keineswegs ganz außer Zweifel war, daß man es gerade in diesem Beruf mit der Ehrlichkeit sonderlich weit bringen könne.
um d man to Hus! Ein drolliger Moment so erzählt eine Mecklenburgern: erheiterte die zahlreichen Zuschauer beim letzten Dobberaner Rennen. Den letzten Theil des Programms bildete wie alljährlich ein Bauernrenne. Recht keck und fidel trabten jedesmal die fünf bis sechs Reiter. Landleute aus der Umgegend, in die Bahn; und der jeweilige Sieger, der sogar demGroßherzog vorgestellt wird, ist dann der Stolz seines ganzen Kreises. Mit gespannter Erwartung starrte auch eine vierschrötige BauernSfrau ihrem Manne nach, der gerade mit an der Reihe war. Siegesgewiß sah sie schon auf die umstehende Gevatterschaft herab, da welch bittere Enttäuschung: als letzter in seiner Tour hinkt ihr Krischan auf seinem Gaul den andern nach! Da packt die Enttäuschte die Wuth. Mit erhobenem Regenschirm stürmt sie ihrem Eheliebften nach, nicht achtend, daß gerade der GroßHerzog und Gefolge von der Tribüne herabsteigen, den Sieger zu begrüßen, mitten hinein in die Bahn stürzt sie: Kumm du mi man to Huö! Kumm du man to Hus!" Kannibalismus: In einem Unterstützungsgesuch, m welchem u. a. erwähnt wird, daß der Vater der Bittstellerin die Kriege 1864, 66 und 70s71 mitgemacht bat. findet sich zur Begründung der Bitte folgender niedlicher Satz über den Vater: Die Verdienste von 1870 1871 weiß ich noch er stand auf Vorposten beobachtete den Feind die dunkele Nacht von der Granate hellen Schern in Tageslicht verwandelt die übers Haus einschlug erkannte er nicht weit die Eisenbahn er rettete seinen Hauptmann und sämmtliche Offiziere aus dem Weinhaus und brachte sie unverzehrt hinter die Sisenbahn." War das nicht schön und menschlich edel von dem Manne?
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