Indiana Tribüne, Volume 30, Number 9, Indianapolis, Marion County, 3 September 1906 — Page 6

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Enrapaische Nachrichten.

zrovinz Wrandenourg. Berlin. Schwer verunglückt ist der Pionier Krüger von der Betriebsabtheilung der Sisenbahn-Bri-gade. Krüger fuhr auf einem Zweirade die Kolonnenstraße in Schöneberg entlang und muhte dort einem vor ihm fahrenden Fouragewagen ausweichen. Der Soldat beachtete dabei nicht, daß in demselben Augenblick, ein Straßenbahnwagen vorbeifuhr, und sauste mit der Maschine gegen die Seitenwand des Motorwagens. DaS Zweirad stürzte um, und Krüger schlug mit dem Kopf gegen den eisernen Achsbuchsdeckel. Er erlitt einen schweren Schädelbruch. Im St. Hedwlgskrankenhause lag seit einigen Wochen der 43 Jahre alte Eisendreher Ernst Ebel aus der Adalbertstraße 82 an einer unheilbaren Krankheit. Kürzlich benutzte er einen unbewachten Augenblick, um Nch aus einem Fenster des zweiten Stockes auf den Hof hinabzustürzen. Mit zerschmetterten Gliedern blieb er todt liegen. Der Goldschnittmacher Gustav Körner feierte sein 25jähriges Jubiläum in der Album- und LederWaarenfabrik von A. Dittmar, Berlin S. 42, Prinzessinnenftratze 29 80. Der Jubilar wurde von seinen Ehefs und Mitarbeitern durch Ansprachen, ein namhaftes Geschenk und reiche Ehrengaben ausgezeichnet. An zwei Tagen hintereinander erhielten die Stallleute Albert Neubauer, ein 28 Jahre alter Mann auö der Wattstraße 4 5, und der 44 Jahre alte Emil Schmerling aus der Hussitenftraße 17 auf dem Hof der )mnibusgesellschaft in der Usedomstraße 24 25 einen Hufschlag vor den Leib. Beide wurden nach dem Lazaruskrankenhaus gebracht und sind dort an Darmzerreißung gestorben. Zum Krüppel gefahren wurde der 23 Jahre alte Kutscher Heinrich Singer aus der Magdeburgerfiraße 5. Er gerieth am Königsplatz mit einem Postwagen zusammen, und dieser ging ihm über beide Beine, so daß die Knochen förmlich zersplittert wurden. Der 35 Jahre alte Arbeiter Hermann Hirsch, Nostizstraße 45 wohnhaft, ist bet Abbruch eines Leitergerüftes in der Lindenstraße 5 infolge Durchbrechens einer morschen Sprosse 12 Meter hoch nach dem Nachbarhofe Lindenstraße 7 abgestürzt. Er erlitt eine Schädelverletzung und einen Beinbruch und ist auf dem Transport nach dem UrbanKrankenhause verstorben. Potsdam. Auf der Chaussee von Beelitz nach hier wurde der Brauereikutscher August Horn todt aufgefunden. ES handelt sich um keinen Mord, sondern um einen Unglücksfall. Horn war vom Bock gefallen und so unglücklich unter die Hufe seiner Pferde gerathen, daß er bald darauf gestorben ist. Sein Geld wurde bei ihm gefunden. Die Leiche des Kutschers wurde von der Gerichtscommission sofort zur Beerdigung freigegeben. Bornstedt. Auf dem Grabe des Hofgartendirektors Lauche wurde auf dem hiesigen Friedhofe ein älterer elegant gekleideter Mann vergiftet aufgefunden. Bei der Leiche lag noch ein geladener Revolver, auch fanden sich Papiere vor, aus denen sich ergab, daß der Selbstmörder ein Bruder des verstorbenen Lauche war. Vereinsamung scheint ihn in den Tod getrieben zu haben. P a n k o w. Vor einiger Zeit hat sich am Bahndamm der Nordbahn der 20jährige Schuhmachergeselle Robert Klöße durch einen Schuß in die Schläfe ledensgeftihrlich verletzt. Klöße kam aus der Lausitz und hoffte, in Berlin Arbeit zu finden. Als ihm dies nicht gelang, wollte er Nach Magdeburg weiterwandern, doch übermannte ihn unterwegs die Verzweiflung. Schöneberg. Ein schwerer Unfall ereignete sich kürzlich auf dem Tempelhofer Ranglrbahnhofe. Beim Umleiten mehrere? Güterwagen gerieth der 27 Hahre alte Rangirer Emil Bornhoff aus der Monumentenstraße 7 hier unter die Maschine und wurde überfahren. Der Bebausrnswerthe erlitt schwere Verletzungen. S t e g l i tz. Durch einen Straßenbahnwagen überfahren und tödtlich verletzt wurde am Karmerplatz Hierselbst der vierjährigeKnabe Bruno Haak aus Groß - Lichterfelde. Vieritz b. Rathenow. Hier ist das Mitglied des Herrenhauses Major a. D. Hans v. Katte, Rechtsritter des Johanniterordens, nach langemLeiden im 81. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war auf Präsentation des Verbandes des alten und des befestigten Grundbesitzes im Landschaftsbezirke Herzogthum Magdeburg durch Erlaß vom 24. November 1884 auf Lebenszeit in das Herrenhaus berufen worden. 'Arovinz Hstprcußen. Königsberg. Arbeiter August Behrendt schlitzte seinem Bruder Johann Behrendt im Streit mit einem Messer den Unterleib auf. Der Attentäter flüchtete nach Begehung der That über Hecken und Gräbern, wurde aber von der Polizei verfolgt und verhaftet. Der Schwerverletzte wurde mit dem Unfallwagen nach dem Krankenhause gebracht.

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Biscbostein. I dem dem Tischlermeister Klein gehörigen Wohnhause auf dem sogenannten Ziegelberge brach Feuer aus, das sich mit großer Geschwindigkeit weiter verbreitete. Niedergebrannt sind acht Wohnhäuser nebst den dazu gehörigen Stallqebäuden. 26 Familien sind obdachlos. Der Sachschaden ist groß, da nur wenig versichert war. G i l g e. Der 18jährige Besitzersöhn George Loleit von hier ist im Haff ertrunken. Er befand sich mit seinem Vater im Zwiebelkahn auf der Fahrt nach Memel. In der Nähe von Schwarzort stürzte er beim St?rn aus dem Fahrzeug und versank sofort vor den Augen des Vaters, der ihm vergebens ein Ruder zur Rettung zureichte. Seinrickswalde. Einen blutigen Abschluß hcte der kürzlich hier abgehaltene Jahrmarkt. Gegen 10 Uhr Abends fanden die Gendarmen Kellotat - Hetnrichswalde und Ussat-Gr. Skaisgirren auf dem Pferdemarkte den Knecht August Wenskat aus An der Kurve besmnungsks vor. Nach Ueberführung des Schwerverletzten mittels einer Droschke nach dem Kreiskrankenhause wurde festgestellt daß Wenskat von dem Arbeiter Kring-Adl. Heinrichswalde mit einem Stein in bestialischer Weise zugerichtet war. Ihm war die Oberlippe gespalten und mehrere Zähne auseschlagen. K ü h n o r t. DaS zweijährige Töchterchen des Eigenthümers Reck fiel vom Steg in den Teich und ertrank. Löwen ha gen. Ein Güterzug überfuhr hier den Hilfsweichensteller Schipper. Dem Verunglückten wurden ein Bein abgefahren und mehrere Rippen gebrochen, auch hat er am Kopf lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Die Schuld ist dem Verletzten selbfi zuzuschreiben. Marggrabowa. Der 23 Jahre alte Lehrer Dill vom hiesigen Ballnur'schen Waisenhaus ist in dem Torfbruch neben dem Preß'schen Abbau als Leiche gefu-a. Ob der Unglückliche sh selbst ein Leid zugefügt oder auf welche Weise er in den Törfbruch gerathen und erunken ist, konnte nicht festgestellt werden. Pillau. Beim Baden in der See ist der Heizer Schmidt vom Torpedoboot 8 125" ertrunken. Obgleich ein Deckoffizier noch Rettunaöversuche unternahm, gelang eö ihm nicht, den Verunalückten den Wellen zu entreißen. Die Leiche ist geborgen. Sieden. Durch Blitzschlag wurden die Gehöfte der Besitzer Palluck und Kochan eingeäschert. Verschiedenes Vieh und Geflügel ist mitverbrannt. Von den Wirthschaftsgeräthen ist fast gar nichts gerettet worden. 'Arsvinz Westprtßen. D an zig. Durch Huffchwg eines Pferdeö erlitt der Kanonier Hiegedann von der 4. Batterie des hiesigen FeldartillerieregimentS No. 72 eine Queischung des Unterleibes mit Darmzeneihung. Er ist seinen VerletzuAgen erlegen. Erschossen hat sich ein im 87. Lebensjahr stehender, sehr geachteter und beliebter Bürger unserer Stadt, Schmiedemeister Buduovski. Durch Neubauten entfiandene pekuniäre Schwierigkeiten und mißliche Verhältnisse haben dem strebsamen Manne die Waffe in die Hand gedrückt. D i r f ch a u. Ertrunken ist beim Ba-n in der Weichsel der Schlosserlehrling Joseph Matthias von hier. Er ging mit einigen seiner Kameraden an die Weichsel bei Zeisgendorf, wo er von den dort lagernden Traften nach Entkleidung in die Weichsel sprang. Alö seine Kameraden durch Hilferufe auf ihn aufmerksam wurden, sprangen sie ihm sofort zu Hilft. Es war jedoch bereits zu spat, er verschwand vor ihren Augen und kam nicht mehr zum Vorschein. Elbing. Feuer zerstörte die Bäckerei und das Wohnhaus des Bäckermeisters Schönberg. Kürzlich spielte das 5jährige Töchterchen des am Schiffsholm wohnhaften Arbeiters Hermann mit mehreren älteren Kindern am Elbingflutz. Während sich diese auf einen Augenblick entfernten. stürzte das Mädchen in den Fluß und ertrank. Erst später konnte die Leiche geborgen werden. K r a j e n c z y n. Das 14 Jahre alte Kind des Besitzers Karnowski ist im naheliegenden Bruch in einem unbewachten Augenblick ertrunken. N i ck e l s w a l d e. Zwei Knaben im Alter von 10 und 11 Jahren. Söhne des Fischers Krönke. find beim Baden in der Ostsee, unweit deZ Weichesldurchstiches. so weit in See gegangen, dan sie vor den Augen ihrer mitbadenden Spielkameraden von den Wellen erfaßt uttd vom Strande getrieben wurden. Obwohl die in der Nähe beschäftigten Fischer sofort mit einem Boot herbeieilten, konnten die Knaben nicht gerettet werden. P r e ch l a u. Der 14jährig? Dienfiknecht Petzntck von hier wollte seine in Schönthal wohnenden Eltern besuchen. Unterwegs hat er jedenfalls ein Bad nehmen wollen, denn da er bei sehten Eltern und aus sewer Dienststelle nicht eintraf, wurde nach ihm gesucht und man fand seine Kleider an der Brahe und im Fluß seine ÜaUkm

3. September ßV4

D atzet. Von A. Koerth. Nun ivand're ich auf alten Wegen, Die ich vor vielen Jahren ging; Wo ich als übermüty'ger Knabe Haschte nach jedem Schmetterling. Es duften rings dieselben Blumen, Die ich zum kleinen Strauß gern wand' Den ich mit hochbeglücktem Herzen Legte in meiner Liebsten Hand. $ch streck' ins hohe Gras mi nieder Und lausche froh der Lerche Stell ES gibt die Heimath mir den Frieden. Der in der Fremde mich stets mied. Der Zeinfchmecker auf Zreiersfußen. Humoreske von Adolf Thiele. Teller, Gläser, Assietten alles, was auf der Tafel zu fünf Personen stand, bewies feinen Geschmack, und zwei Vasen mit prächtigen Blumen verschönten das anmuthende Bild. Mr brauchen uns da nichts vorzumachen," sagte die Hausfrau, die Gattin tos Kaufmanns Wollin, zu ihren beiden Töchtern, die zum zehnten Male einander vom Spiegel verdrängten, um ihren Liebreiz einer fundamentalen Prüfung zu unterziehen. Ihr wißt, daß unser Gast an's Heirathen denkt. Er hat wenig Damenbekanntschaften, er ist mit Eurem Vater befreundet, und so steht einer von Euch eine glänzende Partie offen." Wir hätten auch nichts gegen ihn einzuwenden." bemerkte Emmy. Er ist allerdings kein glänzender Kavalrer, ist sogar etwas langweilig Mit seinen volkswirtschaftlichen urid sozialen Studien," fiel Julie ein. Gewöhnlich," bemerkte die-erfahrene Mutter, gewöhnlich gibt sich ein Mädchen, das einen Mann fesseln will, den Anschein, als interessirte sie sich ungeheuer für seine Mitteilungen." Das kannst Du aber hier nicht verlangen," rief Emmy, und Julie stimmte zu. Er hat nun bekanntlich," fuhr die Mutter fort, noch eine Leidenschaft, die er mit Eurem Vater theilt, das gute Essen, er ist ew Feinschmecker. Vielleicht könnt Ihr ihn auf dieser Seite fassen. Wir haben iroch dreiviertel Stunden Zeit, geht also in die 5küc!he, sucht dort mitzuhelfen und versäumt nicht. Euer Gesicht recht roth zu machen, damit er denkt, Ihr hättet selbst gekocht!" Seufzend folgten die Töchter dem guten Rath. Im Grunde liebten sie nichts als schöne Kleider, chic, modern, das bißchen Musik, Malen, Theaterbesuch und Romanlesen nebenbei trieben sie nur, weil eö einmal zum guten Ton gehörte. Beide sahen im Geiste vor sich die prächtigen Stoffe, von der ersten Schneiderin vear-oeitet, mit dem sie der reiche Freiersmann leicht auf zeitlebens hätte versorgen können. So brachten sie denn das Opftr und begaben sich in die Küche. Das Resultat, das sie hier erzielten, war geeignet, das Mutterherz zu erfreuen, denn nach einer halben Stunde kehrten die jungen Damen mit hochgerötheten Gesichtern zurück. Ihr kommt zu bald," sagte jedoch Frau Wollrn. Es dauert noch eine Viertelstunde, bis er kommt, bis dahin werdet Ihr wieder blaß." Dies leuchtete den Töchtern ein, und mit einer sonst bei ihnen seltenen Folgsamkeit stürzten sie sich nochmals in das Reich des Bratengeruchs. Punkt 1 Uhr erschien Herr Karl Histermann, Chef der großen Firma Histermann & Eo. Herr und Frau Wollin begrützien ihn freundlich, jedoch, wie eS rünftigen Schwiegereltern ziemt, nicht allzu freundlich; die Abficht dürfte nicht zu deutlich hervortreten. Wie z?wei fchämige Tulpen standen die beiden jungen Damen da, ihr rothgekochtes Antlitz trug eine diplomati-. sche Kühle zur Schau. Der Gust wechselte zunächst mit dem Hausherrn einige Worte über Vorgänge auf handelspolitischem Gebiete, die ungewollt seine große Kapazität erkennen ließen und von Wollin mit aufrichtiger Bewunderung aufgenommen wurden. Dann aber überließ sich der Gast seiner Leidenschaft, er musterte mit Kennerblick die Speisekarte. Das Diner wurde mit einer kalten Pastete von Rorhwild eröffnet, die der Gast vorzüglich fand. Darf ich ftagen," äußerte er in verbindlichem Ton, welche Künstlerin dieses kleine Meisterwerk geschaffen hat?" Die Mutter wies mit Stolz auf die schamhaft auf den Teller blickende Emmy. Mein Kompliment, gnädiges Fräulein! Alle Gewürze. Basilikum, Thymian, in der richtigen Mischung! Wie lange, bitte, haben Sie die Pastete backen lassen?" Emmy mußte antworten. Sie hatte keine Ahnung und sagte: Drei Stunden!" Wie?" rief der Gast erstaunt, faßte sich jedoch schnell und fuhr fort: Sehr schö gerathen; auch der Aspik ist köstlich!" Histermann war. als richtiger Hagestolz, mit der Zeit sehr mißtrauisch geworden, er hatte auf dem Gebiete der selbstkochenden" jungen Damen manches erlebt. Eme vortreffliche Königin - Suppe sote, die auf Juliens Konto gesetzt wurde. Der Examina-

wr fragte, indem er den feinen Geschmack rühmte, so ganz unter der Hand, wie die Kochkünftlerin" denn den feinen süßen Geschmack herausbekommen habe. wO, ds ist nicht schwer." flüsterte Zulte, etwas Zucker, natürlich vom besten " Die Mutter entsetzte sich über diesen faux pas, und fie machte unter dem Tische einen .jaa auf den Fuß der Tochter, die wie vom Blitz gelähmt verstummte. Der Gafd, der recht wohl wutzte, daß der zarte süße Geschmack' durch Rahm und Mandeln erzielt wird, schwieg, was die welMndige Mutter entsetzte. Nun folaten prillirie Zanderschnitten; damit der Antheil der Töchter an den Kochleistunaen nicht so regelmäßig abwechselte wie Schwarz und Weiß auf dem Damenbrette, schob die Mutter die Zanderschnitten in Juliens Schuhe. Ein komplizirtes Verfahren erfordert dieses großartige Gericht!" äußerte der Ehef von Histermann &

Co., nachdem er mit einem Gespräch über einige bedeutendere Literaturerscheinungen bei den modelustigen Da men kein Glück gehabt hatte. Literatur ist nicht der Geschmack der beiden Engel!" sagte er sich und forschte nun nach dem Gewicht des verwendeten Zanders. Ich weiß wirklich nicht, was er wog," flötete Julie. Vielleicht acht Pfund?" frage Histermann listig. Ja, ich glaube, acht Pfund!" Mit diesen Worten fiel die junge Kochkünstlerin" in die gelegte Falle. Das muß ja ein wahres Mammuth von Zander gewesen sein!" dachte Histermann. aber er dachte es nicht laut. Die gefüllten Lammschultern, die nun auf der Tafel erschienen, begerfterten den Hausherrn derart, daß er, alle Vorsicht vergessend, plötzlich ausrief: Das hat Therese wieder einmal großurtiy gemacht!" Ein jäher Schrecken durchzuckte Mutter und Töchter. Doch mit der Energie, mit der eine Löwin um ihre Jungen kämpft und eine Mutter ihre Tochter zu verheirathen strebt, faßte sich die Hausftau schnell und sagte: Was willst Du? Therese bat nur ein bißchen mitgeholfen, gebraten hat es Emmy!" Histermann & Eo. lachte innerlich, was seiner Verdauung sehr förderlich war, und fagte nltt verbindlichem Lächeln: Kein Zweifel nach der prächriaen Pastete von vorhin! Besonders die Farce von Hühnerfleisch ist J?hnen vortrefflich gelungen!" O bitte!" säuselte Emmy. In der Mutter des Hauses tobte ein furchtbarer Sturm. Die Farce war natürlich von Kalbfleisch, und die Hausfrau, die mmerhin einen Dunst vom Kochen hatte, ahnte, daß der Feinschmecker dies wohl wußte; wenn er nun von Hühnerfleisch sprach, so geschah es sicher nur, um die an der Farce total unschuldige Emmy aufs Eis zu führen. Beignets von Vanille - Creme bibdeten den Schluß des Mahls, das Histermann in hohem Maße entzückte. Diesen erlesenen Genuß," bemerkte er mit einem Blick auf das Backwerk, haben wir gewiß Ihrer kunstfertigen Hand zu danken, gnädiges Fräulein?" Julie neigte verschämt lächelnd das kunstvoll ftisirte Pupvenköpfchen. Gestatten Sie mir eine wissenschaftliche Frage," fuhr er dann fort. Wie viel Stangen Vanille haben Sie verwandt?" Sechs Stangen!" erwiderte Julie entschieden. Sechs Stangen würden für einen Halbzug Soldaten hinreichen!" entgegnete Histermann. der Vorsicht halber sprach er diese Entgegnung jedoch nicht aus. Die Mutter des Hauses sah, daß die Schlacht verloren war. Grimme Wuth stig in ihr auf. und diese wandte sich gegen die unschuldige Ursache der Niederlage. Mit liebenswürdigem Lächeln wandte sie sich an den Gust. Mr sind sehr erfreut." sagte sie sanft, wenn unsere bescheidene Kochkunst Ihnen Geschmack abgewonnen hat. Meine Töchter sind leider ein wenig verwirrt gemacht worden durch unsere Köchin, ein ungeschicktes Ding, das nichts versteht, und die ich nächstens fortschicken muß!" Aber erlaube mal!" wandte der Hausherr ein. der den finsteren Plan seiner Gattin nicht gleich durchschaute und dessen natürliches GerechtigkeitSgefühl sich plötzlich geltend machte. Nun, ist es nicht so?" fuhr Frau Wollin sanft fort, und nun begriff der Gatte und schwieg. Beim Kaffee, der ebenfalls den Gourmet entzückte, versuchte dieser, dir Töchter des HarrfeS auf verschiedene geistige Gebiete hinüberzulocken, aber mit der schönen Konsequenz modebegeisierter Damen schlugen sie seine Versuche siegreich ab. Einige Tage später, in kühler, nüchterner Morgenstunde, hatte Histermann in seinem Privattontor eine Unterredung mit dem Kommissionär Finde?lee, einem ebenso diskreten, w gewandten Manne. Ein durchaus arrständiges Mädchen," sagte dieser, dabei auch fchr hübsch Weiß ich - habe sie gesehen," fiel Htstermann ein.

Tochter eineS früh verstorbene, ehrenwerthen Beamten." fuhr jener fort, besuchte sie die Kochschule und bildete sich weiter aus. Zu einem einzelnen Herrn will sie jedoch nicht ziehen, sie fühlt sich in ihrer jetzigen Stellung recht wohl, da der Hausherr ihre Kunst und ihren Charakter schätzt und da sie frei schalten kann. Frau und Töchter stören sie nicht." Das habe ich gemerkt," erwiderte Histermann. ODO Gnädige Frau verzeihen." sagte einige Wochen später Fräulein Therese Hermann zu ihrer Madame , tu, muß meine Stellung kundigen; ich heirathe." So, wen denn?" fragte die GnSdige mit ungnädiger Miene. Mein Bräutigam bittet mich, eS noch nicht mitzutheilen." So! 3ta, da wünsche ich Ihnen viel Glück!" erwiderte Frau Wollin mit unglückdrohender Stimme. Sie Beneidenswerther!" fagte einige Monate später Herr Wollin zu

Histermann & Co. Haben sich em solches kulinarisches Genie aus Lebenszeit gesichert: und dabei hat sie, waS ich stets an ihr geschätzt habe. Charakter und Feingefühl!" Stimmt!" schmunzelte der Großkaufmann mit glücklicher Erinnerung an sein heutiges Mahl. Stimmt! Beides hat meine Therese in vollem Maße, wie könnte sie sonst so vorzüglich kochen?" Ei Minister, der nicht denchel Will. Mit Bezug auf die Verweigerung des Ordens der Ehrenlegion an Sarah Bernhardt richtete Gustav Simon als Sohn von Jules Simon an den Pariser Figaro" ein Schreiben, worin er mittheilte, daß auf Veranlassung seines Vaters, der damals Minister des öffentlichen Unterrichts und der schönen Künste war. der berühmte Schauspieler Regnier (F. I. Regnier, langjähriger Sekretär der ComÄ)ie Franaise") im Jahre 1872 das Kreuz der Ehrenlegion, allerdings nach heftigem Widerstreben von Thiers, erhalten habe. Als Simon dem Präsidenten den Vorschlag machte, rief dieser: Woran denken Sie? Ein Komodiant!" Aber ein großer, ein sehr großer," erwiderte Jules Simon. Unmöglich." Ich bestehe darauf." Wir wollen uns nicht um ein Ordenskreuz herumstreiten." Und Sie werden mir nicht Ihre Unterschrift verweigern." Ich verweigere sie", sagte Thiers höflich, aber mit Entschiedenheit. Gut", sagte Simon, ich bestehe auf meiner Ansicht, und wenn Sie auf Ihrer Weigerung bestehen eh bien." Sie Haben den Schädel eines Bretonen." Ich Habe ihn nicht umsonst, aber wenn Sie aus Ihrem Willen beharren. . . ." Thiers unterbrach den Minister: Gut. mein lieber Freund, Sie sollen den Ihren haben!" Und mit seiner zarten Stimme fügte er hinzu: So unangenehm es mir auch ist. so werde ich das Dekret unterzeichnen, aber unter einer Bedingung. . ." Bedingungslos", warf Simon ein. Unter der Bedingung, daß Sie Reginer als Professor des Conservatoriums auszeichnen." Das ist eine Heuchelei," rief Simon, dazu biete ich nicht meine Hand!" Der Streit dauerte scdon zwanzig Minuten, da sagte Stmon endlich: Gut, Sie werden das Dekret unterzeichnen, Sie werden Regnier als Professor des Conseroatoriums auözeichnen, und -ich werde das Kreuz dem Schauspieler geben und ihm sagen. . ." Was werden Sie ihm sagen?" Sie werden schon sehen; ich werde nicht heucheln." Als nun die Preisvertheilung der Schüler des Conversatoriums stattfand, wurde Regnier von Simon aufgerufen. Der Minister heftete ihm das Kreuz an und sagte, daß jedermann im Saale es hören konnte: Das Dekret verleiht den Orden dem Professor, ich aber gebe ihn dem großen Künstler im Namen der Republik." Im darauffolgenden Ministerrath fürchtete Simon, der Präsident werde übler Laune sein, aber ThierS drückte seinem Minister lächelnd die Hand. Die Sonne bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilomelern die Sekunde aus einen Punkt der südlichen Milchstraße hm. Ihre Bewegung muß vorläufig noch als geradlinig gelten. Alsgrößter Geizhals war der kürzlich verstorbene Vater"'Aeby von Bern in der Schweiz bekannt, der täglich nicht mehr als drei erbettelte Cents ausgab und ein Vermögen von ZS0.000 hinterließ. Die Riesenkrabbe lMacro. chesia Kämpfen), die an der japanischen Küste in der Tiefsee lebt. klaf. tert von einer Scheerensvitze bis zur anderen 10 Fuß.

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