Indiana Tribüne, Volume 30, Number 6, Indianapolis, Marion County, 30 August 1906 — Page 3

Jndianck Ttbüne, 30. August 1906

Terroristische

Mordthaten haben die rnsstschc Nation in Angst und Schrecken versetzt. Mord, Raub und Brennen. Weihevoller Taufakt. Annektirung nicht geplant. Bestellt Geschütze m Japan. Kriegsschiffe zur Flotten revue. Graf Witte vom Kaiser nicht empfangen. Grenzftreit beigelegt. Hunderte von Verschwörerinnen. Föhren keinen Krieg gegen Kinder. Premier Stolypin vollständig gebrochen.

Rußland. Hunderte von Verschwörerinnen. St. Petersburg. 29. Aug. Die Polizei hat festgestellt, daß die sozialistische Kampforganisation eine aus mehreren Hundert jungen Mädchen bestehende Liga der Rache" organifirt hat. Die Mädchen haben sich mit einem furchtbaren Eide verpflichtet, alle Offiziere aus dem Wege zu räumen, welche ihnen von den revolutionären Führern bezeichnet werden. Sie wollen jeden Reaktionär, vom Ezaren ange sangen, in's Jenseit? befördern und ihr Leben opfern, um der Freiheit eine Gaffe zu bahnen. Diese weiblichen Terroristen find kühner als die Männer und auch ge fährlicher, als fie sich ihren Opfern leichter zu nähern vermögen. Diktatur wieder in An regung gebracht. St. Petersburg. 29. Aug. Die offene Kampagne der sozialistischen Revolutionäre gegen die Regierung, die die beiden Morde und das Attentat zeitigte, hat i Peterhof einen solchen Unwillen erregt, daß eine Diktatur in den Bereich der Möglichkeit gekommen ist. Die Regierung, so wird behauptet, könne sich jetzt nur noch auf die rohe (Bemalt zur Bekämpfung der Terroriften verlaffen, denn die Preffe, von der man erwarten sollte, daß fie gegen das Hinschlachten von Hunderten von unschuldigen Personen beim Versuche, eine mißliebige Persönlichkeit aus dem Wege zu schaffen, energischen Protest er heben würde, verhalte sich ganz gleich gültig. Man lasse sogar durchleuchten, daß der Plan der Terroristen, Schrecken zu verbreiten, sehr willkommen sei. Nur die .Nowoje Wremja" und die amtliche Rosfija verurtheilen die Ter roriyen als Feinde der Gesellschaft. Führen keinen Krieg gegen Kinder. St. Petersburg, 29. Aug. Die hiesigen revolutionären Führer wiederholten heute ihre Drohung, daß die nächste Bombe, die geschleudert wer den soll, den Zaren treffen werde. Sie betonen jedoch, daß fie das kleine Söhn chen des Herrschers unter allen Umftün den schonen würden, da fie keinen Krieg gegen Kinder führen. Premier Stolypin voll ständig gebrochen. St. Petersburg. 29. Aug. Premier Stolypin ist seit dem gräß' lichen Ereigniffe in seinem Hause voll ständig gebrochen. Er jammert und klagt beständig und die Aerzte befürch ten, daß sein Verstand unter seiner furchtbaren Aufregung leiden wird. Seine unglückliche Tochter, der bekannt lich beide Beine abgerissen wurden, lebt immer noch, kann jedoch kaum mit dem Leben davonkommen. Die Zahl der Opfer der Ruchthat ist jetze auf sechsunddreißig angewachsen, denn in den letzten 24 Stunden find zwei weitere derVerwundeten gestorben. Unter den Getödteten befindet sich der Fürst Nakaschidge, der kürzlich ein Panzer Automobil erfunden hatte, das von den Truppen im Kampfe gegen die aufrührerischen Bauern benutzt werden sollte. Mord, Raub und Aren n e n. St. Petersburg, 29. Aug. Am Czarenhof ist man allem Anschein nach getheilter Meinung darüber, wie dem Morden, Rauben und Brennen der Terroristen begegnet werden soll. Premier Minister Stolypin und sein Kabinett nehmen indeß gegen Unter drttckungö Maßnahmen in solchem Grade, daß hierdurch die ganze Bevöl kerung Rußlands in die Anne der Re Volution getrieben würde, entschieden Stellung ein. Die Minister wollen fich nicht so weit einschüchtern laffen, daß fie gezwungen werden, das Reform Programm aufzugeben. Sie wollen einen Unterschied machen zwischen re gierungStreuer Opposition und dieje

nigen. welche mit Wort und That ein fach die Zerstörung der Regierung an streben. Von verschiedenen regierungsfreund' lichen Seiten wird vorgeschlagen als einen Ausweg aus den Scheußlichkeiten der schlimmsten Seite des Bürgerkriege" dem Minifterkabinett die volle Befugniß zur Ausarbeitung einer Ver faffung zu geben, welche die Hoffnung der gemäßigten Liberalen ver wirklichen werde. Aber vorläufig dringt die reaktionäre Partei am Hofe deS Czaren auf das Eifrigste auf die Er Nennung einer Diktaturherrschaft und auf Veranlagung dieser Kamarilla wird auch in dieser Woche in Schloß Peterhof unter Vorfitz des Czaren eine außerordentliche Eonferenz des Raths für nationale Vertheidigung einberufen werden, um die Ernennung eine? Wohlfahrts.AuSfchuffeS, mit einem Diktator an der Spitze, anzubahnen. Die Leichenbegüngniffe der 34 Opfer, die bei dem Bombenattentat in der Wohnung des PremierMinifterS Sto lypin umgekommen find, haben heute Bormittag unter militärischem Geleite stattgefunden. Deutschland. Graf Witte vom Kaiser nicht empfangen. Berlin, 29. August. Volle Würdigung findet jetzt erst ein Akt des Kaisers, der anfänglich nur wenig be achtet worden war, aber heute von der Preffe auf das Lebhafteste besprochen wird. ES handelt fich um den nicht erfolgten Empfang deS ehemaligen ruf fischen Minister Präsidenten, Grafen Witte, während der Kaiser jüngst auf Schloß Friedrichshof bei Kronberg weilte. Wie nun von beftunterrichteter Seite verlautet, hatte das Unterbleiben einer Audienz des Grafen Witte beim Kaiser eine klare und nicht mißzuverftehende Bedeutung. Indem der Kaiser eS ab lehnte, den russischen ExPremier zu empfangen, wollte er vor aller Welt darthun, daß er nicht den Gedanken zu nähren beabsichtige, als mische er sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands ein. Eine solche Auslegung würde ja das Ereigniß zweifellos wieder gefun den haben. Deutschfeindliche Elemente in Rußland hatten in der letzten Zeit den Kaiser wiederholt mit reaktionären Maßnahmen der inneren Politik Ruß landS in Verbindung gebracht. Tro) der bündigsten Dementis tauchte immer wieder die Meldung von Vorschlügen deS Kaisers an den Zaren oder von Versprechungen für den Fall deS Aus brucheS offener Revolution auf. Der nicht erfolgte Empfang Witte'S gilt deshalb als eine sehr wirksame Abferti gung aller derartigen tendenziösen Er findungen. Kriegsschiffe zur Flotten Revue. Berlin, 29. August. Neuer dingS ist an maßgebender Stelle nun doch beschlossen worden, deutsche Kriegsschiffe an der Flottenrevue theilnehmen zu lassen, welche anläßlich der Jubi läumSauöftellung in JameStown, Va., stattfindet. Wahrscheinlich werden die Schiffe der amerikanischen Station das Deutsche Reich bei der festlichen Gele genheit vertreten. Sie dürften zu An fang des Monats Oktober am Beftim mungSorte eintreffen. China. Bestellt Geschütze in Japan. Peking, 29. August. Die chi nefische Regierung hat Auftrüge für Geschütze an japanische Fabriken verge den. Auch wird die chinesische Armee RadfahrerRegimenter einführen, die schon bei den nächsten Manövern in Dienst gestellt werden sollen. Präsident Roosevelt hat die kürz lich über Ober Leutnant Sydney Smith vom 16. Jnfanterie.Regiment aus den Philippinen kriegsgerichtlich verhängte Strafe der Entlassung aus der Armee in einen Verlust von 25 Punkten in der AvancementLifte um gewandelt.

Kaifers Enkel getauft.

Weihevoller Tausakt. Potsdam, 29. August. In der als Kapelle umgewandelten Jaöpis Gallerie im Neuen Palais wurde heute dte Taufe des am 4. Juli geborenen Sohnes des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Gegenwart der ganzen deutschen Kaiserfamilie mit großer Pompentfaltung vollzogen. Von ausländischen Fürstlichkeiten wohnten der Feier bei : der Kronprinz von Griechenland, als Vertreter der Königin von Griechenland; Prinz Christian von SchleSwigHolftein. als Vertreter des Königs von England; Großfürst Vladimir, Vertreter des Czaren; Erzherzog Joseph. Vertreter des Kaisers von Oesterreich und der Herzog von Genua, als Vertreter deS Königs von Italien. Außerdem waren noch bei dem Tauf akte anwesend Fürst v. Bülow, sümmt liche deutsche Minister. daS diploma tisch: KorpS und viele höhere Offiziere der Armee und der Marine. Der Täufling wurde Wilhelm, Fried rich. Franz. Joseph. Christian. Olaf benannt. Als Taufpathen fungirten der Kaiser und die Kaiserin von Deutschland. Prinz Eitel Friedrich und Prinz Heinrich von Deutschland, der Prinzregent von Braunschweig, der Großherzog von Baden. Prinzessin Feodora von SchleSwig.Holftein, der Kaiser von Oesterreich, der König von Italien, der Czar von Rußland, der Kronprinz von Dünemark. Herzogin Karl Theodor und Prinzessin Ruprecht von Baiern. der König von England, der König von Norwegen, Prinzessin Adolf von Schaumburg Lippe, die Großherzogin Wittwe von Mecklen burg-Schwerin, Großfürst Michael von Rußland und die Königin von Grie chenland. Nach der Taufe fand im Marmor Saale des Schlosses ein Dinner statt, bei dem der Kaiser Wilhelm II. den ersten Toast auf seinen getauften Groß söhn ausbrachte. Die Straßen, die Häuser und die öffentlichen Gebäude in Potsdam und Berlin waren zu Ehren der Taufe des deutschen Kaiser in der dritten Gene ration mit prächtigem Blumenschmuck, Guirlanden und Flaggen herrlich de korirt und in den Straßen bewegte fich eine animirte, fröhliche Volksmenge, die nach Hunderttausenden zählte. Korea. Annektirung nicht geplant. Söul, 29. August. Ein Zei tungS'Korrefpondent hatte heute hier eine Unterredung mit dem japanischen General Präsidenten MarqulS Jto. Letzterer theilte dem Korrespondenten mit, daß viele Japaner Koreas Annektirung durch Japan wünschten, daß aber der Kaiser von Japan und er selbst (Jto) Koreas Unabhängigkeit, so bald daS Land fich selbst zu schützen stark genug wäre, wiederherstellen woll ten. Japan, fügte der Marquis hinzu, könnte nicht zugeben, daß eine andere Macht das Uebergewicht in Korea erlange, aber alle Völker sollten von der Politik der offenen Thür profitiren. Dann erklärte MarquiS Jto, er hoffe, im Verlaufe der Zeit in Korea Verhältnisse zu schaffen, welche alle Länder befriedigen würden. Frankreich. Grenzftreit beigelegt. Paris. 29. August. In der Schlichtung des Streites zwischen der Türkei und Frankreich in Betreff der an die französische Sahara stoßenden Grenze von Tripolis ist ein entschiede ner Fortschritt zu verzeichnen. Eine heute Abend bekannt gegebene amtliche Note theilt mit. daß die Türkei in Gemüßheit mit Frankreichs For derung die Räumung von Djanet oder, falls die Besetzung deS letztgenannten OrteS noch nicht erfolgt fein sollte, die sofortige Rückkehr der dorthin mar schirenden Truppen angeordnet hat. Der Status quo ante, heißt eS in der Note weiter, wird wiederhergestellt, bis ein Uebereinkommen hinsichtlich Fest legung der Grenze jener Oase und oen französischen Besitzungen getroffen werden kann. Fünfprozentige Schuldverschrei bungen der Republik Cuba, welche am ersten Tage, als die Unruhen ausbrachen, an der New Yorker Börse auf 106 stiegen, wichen gestern um 2i Punkte auf 104, ein Beweis, daß man in Finanzkreisen die Lae auf der In sel für bedrohlich hält.

MI, Die Rebellen dringen nördlich vor. H a v a n a , 29. August. Die Re Volution in der Provinz Pinar del Rio breitet fich über das Gebirge bis zur Nordküfte aus und die Stadt CabanaS befindet fich in den Händen der Rebel len. Auch die Stadt Bahia Honda soll von starken Jnsurgentenbanden ernstlich bedrohl sein. Oberst AvaloS hat die Stadt Pinar del Rio heute ver. lassen und marschirt mit seiner Abtheilung RegierungStruppen auf GuanaS. um dasselbe aus den Händen der Re bellen zu befreien. Alle Telegraphen leitungen find unterbrochen. General Pino Guerra bedroht wieder die Eisen bahnen, und eS soll ein gepanzerter Zug errichtet werden, um Soldaten nach den Revolutionsdistrikten schicken zu können. Canada. Großer Dampser ge strandet. West Selkirk, Manitoba, 29. August. Nachrichten trafen heute Abend hier ein, daß der Dampfer Prinzeß", der größte Passagier und Frachtdampfer auf dem Winnipeg'See in der letzten Nacht an de Georges Inseln gestrandet ist. Kapitän HaweS und sechs Passagiere sollen von den Wellen über Bord gespült worden und

ertrunken sein. I I 81 i b a in Algerien hat Prinz Ouanilo, der älteste Sohn des Exkönigs Bekanzin von Dahomct), einen Selbstmordversuch gemacht, indem er eine Abkochung von Cchwefelhölzchen trank. Durch ein wirksames Gegengift wurden die Vergiftungserscheinungen rasch paralysirt. Der Prinz hatte in einem Briefe an die französische Regierung ausführlich dargelegt, was ihn zum Selbstmord treibe: Ihm gehe, schrieb er, das Schicksal seines Vaters zu Herzen, der in Blida hinsieche und gern wieder nach dem sonnigen Dahomey zurückkehren möchte. Er selbst könne es in Blida auch nicht aushalten, da es dort gar keine Abwechslung gebe. Der Abschiedsbrief läßt also vermuthen, daß der Prinz aus Mangel an Zerstreuung und Vergnügen aus der Welt gehen wollte. Nach dem Mattn" dürfte jedoch der SelbstMordversuch auf ganz andere Gründe zurückzuführen sein. ..Behanzin," schreibt das Boulevardblatt, hat, obwohl seit dem Quartalsanfang bereits acht Tage verflossen sind, von der französischen Regierung noch immer nicht den fälligen Ruhesold erhalten. Der alte Exkönig, der schwer leidend ist. besitzt keinen Pfennig Geld mchr und hat kaum etwas zu essen, da ihm die Kaufleute von Blida nichts mehr borgen wollen. Es ist unerfindlich, weshalb man diesem Mann, der keiner Fliege mehr schaden könnte, nicht den letzten Wunsch erfüllt: er will in der Heimath sterben, und die franzöfische Regierung ist nicht sehr großmüthig. wenn sie einem besiegten, am Boden liegenden Gegner diesen letzten Wunsch versagt." Ein originelles Stranderlebniß, das einem iinrgen, auf Novderney am Kurtheare? enyarrirten Berliner Schauseler passirt ist. wird von dort berichtet. Ich wanderte, so erzählt der Gewährsmann, wie allabendlich nach Schluß deö Theaters, um tfie empfangenen Eindrücke zu fanrmeln, in stiller Nacht, als die eleb trischen Oampen auf dem Kni bereits erloschen waren, an dem nur von martan Mondlicht beleuchteten Strande. Plötzlich kam mir ganz aufgeregt der jugendliche Liebhaber des KurthearerS entgegen: Nein, Doktorchen, sehen Sie nur." raunte er mir zu, jsolch erne Unverschämtheit! Da läuft schon seit einer halben Stunde solch ein neuariger Mensch einem Pärchen nach! Den müßte man eigentlich zur Rede stellen. Laßt doch den Leutchen ihren Spaß! Ich hätte große Luft, dem Manne meinen Stock zwischen die Beine zu werfen." Wie er mir die Sache schiwerte. fand ich es auch recht ungehörig, ein Paar Mcklicher Menschentinder neidisch zu verfolgen. Ader da ich durchaus kem Freund vom Einmischen in anderer Leute Angelegenheiten bin, rfeth ich ihm ab, sich weiter um das Pärchen zu kümmern. Etwas beruhigt durch meine Worte, meinte der tugendliche Bonvwant schließlich: jtfxx sehen möchte ich doch, wer der aufdrinFliche Mensch ist." Da bog das Pärchen plötzlich in die Sndftnche ein, von dem Aufdrinyltchen weiter verfolat. 3ch will ihnen nachgehen.sagte ich, da nrewe Neuchr mm auch rege geworden war. Das Pärchen Mnkte alswld dk Mir mt Villa Fresena auf. Nun mußte ich an mich halten, um nicht laut loszumachen, denn ich hatte deö Räthsels Lösung gefunden. WS vermeintliche Liebespä?. chen war Niemand arrderS als unser Reichskanzler Fürst Bitkow un fern Gemahlin, und der aufdringÄche Mensch entpuppte sich schließlich als ein dem FÜrstenpaare stets in anmessemr Entfernung fokgender Buttner Krem inaldeam ter.

dm Innern Australiens.

Fruchtbare Striche mit tropische, Vegetation und Fauna. Irrige nficht-Ungheures daral sü, ulturzwecke - Typische ufttavandschaft, Grohcr ineralreichihum kgang de, Pc?lftschire,-Ureinwoher. Es dürfte wenige Gegenden der Erdt geben, die so wenig bekannt sind, wn die ungeheuren Striche des inneren und nördlichen Australiens, zehnmal sc groß wie das Deutsche Reich und von kaum 20.000 Menschen bewohnt besser durchstreift." Wer vor etwa 5C Jahren eine Karte des australischen Festlandes betrachtete, fand nur einen schmalen Küstenstreifen im Süden unt Osten mit Namen ausgefüllt, alles axidere war weiß, die große Wüste." Ein Grauen kam jeden an. der sich an da Geschick des kühnen Forschers Ludwig Leichhardt erinnerte, den die groß; Wüste sammt seiner vielköpfigen Expedition lautlos verschlang und bis zum heutigen Tage begraben hält, ohne auch nur durch die geringste Spur des großen Grabes Stelle zu bezeichnen. IM bis zur Gegenwart gewöhnte man sich den bei weitem umfangreichsten Theil des Erdraumes als wasserlose, unermeßliche Einöde zu bezeichnen, in de: die wenigen Urbewohner mit Mühe ihr jämmerliches Dasein fristen. Es ist aber ein großer Irrthum, ganz Australien alö eine wasserlose Wüste zu bezeichnen. Jüngst hielt H. F. Lewis, der 20 Jahre im Hinterlande zugebracht und den Erdraum mehrmals durchkreuzt hat. einen Vortrag in Agelaide, folgenden Inhalts: Er ist der Ansicht, daß das Innere Australiens, über das selbst in Gelehr tenkreisen ganz falsche Ansichten verbreitet sind, keinem anderen Theile des Erdraumes an Werth nachsteht. Ter Strich zwischen Alice Springs und Tennants Creek, etwa vom 19. bis 24. Grad südlicher Breite, mit seinen weiten Strecken von Mulga-Scrub bildet eines der besten Weideländer Australiens. Als ich mich 1885 mit Dr. Chewings auf einer Reise zur Erforschung der Quellen des Finkeflusses befand, sammelte ich in Centralau stralien 50 verschiedene Arten nahrhafter Gräser, während das vielgerühmte Westqueensland kaum ein halbes Dutzend aufzuweisen hat. Wir besitzen im Norden ein ungeheures Land, das nur zugänglich gemacht zu werden braucht, um es für Viehzucht gewinnbringend werden zu lassen. Wer Mittelaustralien eine Wüste nennt, kennt es eben nicht." Ebenso unbekannt wie das Innere ist der mit dem Namen Nordterritorium" benannte Theil des Festlandes. Das ganze ungeheure Gebiet ist von etwa 4000 Menschen bewohnt (von den Schwarzen abgesehen); die Hälfte sind Chinesen, ein weiteres Viertel Japaner und Malaien, der Rest Weiße. Das Nordterritorium steht allein und abgesondert unter allen Ländern gleicher Breitengrade da; es bietet im ganzen das einförmige Landschaftsbild, das Australien eigen ist, offene EukalyptusWälder, wechselnd mit undurchdringlichem Busch. Wasserreiche Flüsse münden in den Indischen Ozean; leider sind sie ihrer zahlreichen Stromschnellen und fortwährend wechselnden Sandbänke wegen für größere Schiffe nicht befahrbar. Känguruh, Emu und das Krokodil, das im Süden aanz fehlt, sind die Vertreter der größeren Thiere; an der Küste finden sich riesige Schildkröten in Massen. In den Wäldern am Ufer der Flüsse hausen ungeheure Schaaren buntfarbiger Papageien, das hohe Gras bietet Tauben und Rebhühnern willkommene Schlupfwinkel, die endlosen Steppen sind von großen Büffelherden bevölkert. die von der ersten Ansiedlung Fort Dundas herstammen, und in den Seen und Flüssen treiben unzählige Schaaren von Enten, Gänsen und WasserHühnern ihr Wesen. Ganz besondere Wichtigkeit hat das Nordterritorium durch seinen Mineralreichthum, dessen Ausbeutung auf das Zehnfache gesteigert werden könnte. Im Jahre 1905 wurden für fast $500,000 Metalle gewonnen, zumeist Gald. Silber. Kupfer und Wolframerz. Die Perlfischerei an der nordaustralischen Küste hat ganz erheblich an Bedeutung eingebüßt. Schließlich noch einige Bemerkungen über die Ureinwohner, um das Bild zu vervollständigen. An den Küsten sindet man eine Menge Mischlinge, die aber wenig brauchbar sind. Im Innern wohnen noch echte Australneger in ziemlich bedeutender Zahl; sie stehen in ihrer Entwicklung höher als die Stämme im Innern; ihre Waffen sind verschiedenartiger, ihre Kampfweise grausamer, ihre Tänze und Lieder anmuthiger. Anderseits ist ihr Charakter tückischer und hinterlistiger. Eine beneidenswerthe Ortschaft ist die belgische Gemeinde Cerfontaine in der Provinz Namur. Die 1700 Bewohner des Dorfes brauchen nämlich keine Steuern zu bezahlen. Die kleine Gemeinde hat aus Waldungen. Feld-. Jagd- und Gebäudepachten ein Einkommen von 70.000 Francs (etwa $14,000). Sie verwendet jährlich 10.000 Francs für die Armen und liefert außerdem den Bewohnern den ganzen Bedarf an Brennholz. Cerfontaine hat sich aus seinen Ueberschüssen eine neue Kirche und ein neueö Schulhaus gebaut.

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