Indiana Tribüne, Volume 30, Number 1, Indianapolis, Marion County, 24 August 1906 — Page 3
an Tibüne, 2. Angust 1906
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Resolution
Breitet sich weiter aus uud die Regierung ist fast Hülflos. Emfte Krisis für die junge Republik. Noch iu derselbe Lage. Große Ländereien kommen znr Bcrtheilnng. Wink an China. Bürger krieg in Sicht.-Tansendjähriges Jnbilänm.-Wichtige FlottenManöver. Unter ernfter Anklage verfolgt. Jüngere Beamten w Front. Des Sultans ThronfolgePläne. Strategische Bahnen.
, Cuba. Ernste Krisis für die junge Republik. H a v a n a , 23. August. Die Re. pudlik Cuba befindet sich in einer ern ften Krisis. Die Zahl der ufftändl. schen betrügt jetzt schon wenigstens 2000. Viele bekannte Politiker und Militär? haben sich ihnen angeschlossen und die Treue vieler RegierungSsolda ten wird stark bezweifelt. Die Land wachen find nicht im Stande, mit den Insurgenten fertig zu werden, und werden bei jedem Angriffe mit gro ßen Verlusten zurückgeschlagen. Die Sigarrenmacher find allgemein an den Streik gegangen; man vermu thet, daß er von den Politikern ange stiftet wurde. Präsident Palma bleibt in seinem Paläste, der stark von Trup pen besetzt ist. Die Stimmung ist hier gedrückt und das Geschäft liegt darnie. der. Der Minister des Aeußeren und der Justiz, O'Farrell, hat abgedankt, weil ihn der Präsident dafür rüfs.te, daß er keine Fühlung mit den Revolutionären hatte und nichts von dem Aus bruche der revolutionären Bewegung wußte. General Montalvo ist zum Minister der öffentlichen Arbeiten er nannt worden und ihm ist auch die Leitung zur Niederwerfung der Jnsur. genten übertragen. Er hat sich im Unabhängigkeitskriege rühmlichst aus gezeichnet und war zuletzt Verwalter des Staats Zuchthauses. Ein Dekret des Präsidenten ordnet die Verstärkung der Landwachen um 4000 Mann an. Es ist verboten worden, daß Automo bile die Stadt verlaffen; man befürch tet, daß sie den Rebellen in die Hände fallen. Der berühmte Negergeneral Quentin Bandera griff heute Morgen mit einer starken Bande ewe größere Abtheilung der Landwachen an und eö kam zu einem scharfen Kampfe, wobei der Negergeneral getödtet wurde. Die Landwachen wurden zurückgeschlagen und mußten fliehen. General Ban dera war 60 Jahre alt und übte auf die Negerbevölkerung HavanaS und der ganzen Insel einen großen politischen Einfluß auS. General Guerra. der gestern mit einem großen Haufen Nebellen die Stadt San Luis erobert und besetzt hat. telegraphirte heute an den Gene ral-GeschäftSführer der Western Bahn, Livesey. und theilte ihm mit, daß die Nebellen sämmtliche Brücken, Station. Häuser und Viadukte mit Dynamit in die Luft sprengen würden, wenn die Bahn ReglerungStruppen befördern sollte. Herr Livesey brachte die Te pesche dem Minister deS Innern zur Einficht. Die Western Bahn gehört einem Konsortium englischer Kapita listen. Eine größere Anzahl Landwachen, verstärkt durch Freiwillige, find heute von CienfuegoS i der Provinz Santa Clara abmarfchirt, um 300 Rebellen unter dem Kommando des Obersten Guzman, Mayor der Stadt Las LajaS, anzugreifen und wenn möglich, zu der Nichten. Schnellfeuer. Geschütze gegen Revolutionäre. H a v a n a , 23. August. Die cu banische Regierung hat durch ihren Gesandten in Washington, D. C., die Regierung der Vereinigten Staaten er suchen lasten, ihr acht Schnellfeuerge schütze und die nöthigen Bedienung? Mannschaften zu schicken, um die sich immer mebr ausbreitende Revolution auf der Insel schnell unterdrücken zu können. Anm. d. Red. Aus Washington wird gemeldet, daß ein derartiges Ge such der kubanischen Regierung bis heute Mitternacht nicht bei der Bundes, regierung eingetroffen, und auch nicht vom Gesandten EubaS gestellt worden sei. Sandwich Inseln. Noch in derselben Lage. Honolulu, 23. August. Der gestrandete Dampfer Manchuria" liegt in ruhiger See. Der Steuerkut.
ter Manning" liegt dicht neben dem Manchuria", um bei Eintreten eines plötzlichen Sturmes die Besatzung. Mannschaften sofort än'S Land zu bringen. Der Dampfer ist noch in guter Verfassung, nur die Maschine, rien scheinen außer Ordnung gekom men oder beschädigt zu sein. AlleS ist in Bereitschaft gesetzt, um die Schiffs, ladung ausladen zu können. Alles hängt vom Wetter ab und vom zeitigen Eintreffen der großen Schlepper von San Francisco. Japan. Wink an S h i n a. Tokio. 23. Aug. Die vereinig, ten diplomatischen Vorstellungen der Ver. Staaten. Großbritanniens und Japans haben zur Folge gehabt, daß China versprochen hat, Zollhäuser an der russisch chinesischen Grenze zu er richten. Erst wenn dies zur vollen deten Thatsache geworden, fügt die Depesche hinzu, werde Japan zur Errich tung von Zollhäusern in Dalny und Antung seine Zustimmung geben. Chile. Unter Kriegsrecht gestellt. Valparaiso, 23. August. Fernandez Blanco, Gouverneur der Provinz Valparaiso, hat heute eine Proklamation erlassen, in welcher er die Stadt Valparaiso unter Kriegs, recht stellt. Gleichzeitig hat er den Marine. Kapitän Gomez Carrino zum höchsten Executivbeamten der Stadt er. nannt. Der Polizei.Prüfekt hat für die Bevölkerung Lebensmittel zu besor gen und dieselben auszutheilen. Wer die Wasserleitung zerstört, soll sofort todtgeschossen werden. Das Bureau des MayorS ist jetzt in einem Zelte auf dem Victoria Square, neben dem Zelte des Gouverneurs, er öffnet worden. Die Anzahl der begrabenen Leichen war bis Dienstag, den 21. August 648. Die Hauptpoftanftalt ist wieder eröffnet worden. Brod und Fleisch sind sehr knapp in der Stadt. Das Fleisch wird jetzt an die Bewohner von den Beamten portionsweise vertheilt. Die Material Waarengeschäfte, die durch daS Erdbeben
nicht zerstört sind, haben keine Vor räth: mehr zum Verkauf; hauptsächlich fehlen Fleisch in Büchsen, Sardinen, kondenfirte Milch und BiScuitS. DaS Wetter ist anhaltend unfreund. lich. Vier bis fünf leichtere Erdstöße werden noch täglich verspürt. Dle Rothe Kreuz" Gesellschaft unterstützt täglich Tausende Personen. Rußland. Große Ländereien kom men zur Vertheiln g. S t. P e t e r S b u r g, 23. Aug. Eine böchftwichtiae Konferenz wurde heute Abend im Schloß Peterhof abge halten, in der die Frage der fofertigen Vertheilung der Kronlündereien an die Bauern lebhaft erörtert wurde, um die revolutionäre Landbevölkerung zu be ruhigen. ES wurde der Beschluß ge faßt, daß innerhalb vierzehn Tagen 4.500.000 Acker Kirchenlündereien, zehn Millionen Acker Kronlündereien und fünf Millionen Acker Land, welches erst von den Großgrundbesitzern durch die Bauembank angekauft werden soll, zur Vertheilung an die landhungrigen Bauern kommen sollen. Der Czar schenkt die Kronlündereien nicht den Bauern, sondern er verkauft dieselben an die Bauernbank und erhält eine gewiffe Anzahl Schuldverschreibungen, die durch Amoriiftrung in einer be. stimmten Zeit bezahlt werden. Die Schuldverschreibungen der Bauernbank sollen im ganzen russischen Reiche Marktwerth haben und als gesetzliches Zahlungsmittel benutzt werden können. StrategischeBahnen nach China und Indien. St. Petersburg, 23. Aug. Im offiziellen Regierungöboten" wurde h?ute angekündigt, das die Re. gierung die Abficht hat, die mehrer. wähnten strategischen Eisenbahnen an der chinesischen und indischen Grenze zu
bauen. Der Ei send ahn Minister hat zwei Gruppen von Ingenieuren ent
sandt, um Linien von UrarSk durch den Pamir nach der indischen Grenze und von Ormburg durch das Gouverne ment Turgia nach der YarkandGrenze von China, südlich vom Balkash'See. Die Ankündigung ist verspätet, da Vermessung des russischen Ende der Linien schon vor längerer Zeit erfolgte. JngenieureZwaren damals, wie von der Associirten Presse" vor mehreren Mo. naten gemeldet wurde, östlich durch die KirgiseN'Steppen nach der Yarkand Grenze thätig. Diese Eisendahn . Unternehmungen haben besondere Bedeutung im Hinblick auf die russischen Bestrebungen im nördlichen China, da eö nur ein Schritt von Yarkand nach Kuldor ist, wo Ruß. land bereits eine militärische Abthei. lung, als ttonsularwache" befitzt. Der Regierungsbote räumt ein, daß beide Linien hauptsächlich strategische Zwecke haben. Italien. Der Papst will die Erd beben fortöeten. R o m , 23. Aug. ES wird berich tet, daß der Papst, auf welchen die Häufigkeit der Erdbeben in der neuen Welt einen tiefen Eindruck gemacht hat, die Absicht habe anzuordnen, daß jede? Mal nach der Messe besondere Gebete um Befreiung von ähnlichen Heim suchungen gesprochen werden. Der Erzbischof von Santiago, Chile, meldete dem Papste durch daS Kabel, wie viele Geistliche durch das Erdbeden um. gekommen find und letzterer kabelte seinen apostolischen Segen, die Ver ficherung. daß Gebete gesprochen werden würden und seine tiefe Theil nähme. Deutschland. Tausendjähriges Jubi l ü u m. Stuttgart, 23. Aug. Unter großartigen Feierlichkeiten hat die gewerbfleißige Bevölkerung von Weilburg im Oderlahnkretse des preußischen Re gierungsbezirkS Wiesbaden das Jubi lüum des eintausendjührigen Bestehens der Stadt begangen. Der Zuzug von Fremden war ein unerwartet großer, und die offiziellen Feftvorftellungen ver liefen in der schönsten Weise. Durch. schlagenden Erfolg hatte die Auffüh. rung des historischen FeftsplelS DaS Testament von Weilburg", dessen Ver. fasser der Hofrath und Stadtarchivar Dr. Spielmann von Wiesbaden ist. Daran schloß sich der historische Feftzug, welcher einen vorzüglichen Eindruck machte. Er bestand aus elf Gruppen und umfaßte die Zeit vom zehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Kreisstadt Weilburg liegt ober. halb der Mündung der Weil in die Lahn, ist zum größten Theil (Altstadt) auf einem von der Lahn umflogenen Bergkegel erbaut und zählt rund 3800 Einwohner. Die dortige Schloßkirche enthält die Familiengruft des Nassau ischen HauseS. Zu Weilburg wurden die deutschen Könige Konrad I. und Adolf von Nassau geboren; seit 1195 gehörte eö zu Nassau und war 1355 1816 Residenz der Fürsten von Nassau Weilburg. Unter ernfter Anklage verfolgt. Straßburg, Elsaß. 23. Aug. Der ehem alige sozialdemokratische Reichs tagsabgeordnete Ferdinand Bueb wird steckbrieflich verfolgt. Er wird beschul digt, Unterschlagung verübt und Sitt tichkeitSverbrechen begangen zu haben. Die Behörden nehmen an, daß er sich nach Amerika gewandt hat. (Bueb stammt aus Mühlhaufen im Elsaß und gehörte dem Reichstag von 18981903 als Mitglied an. Er steht im einund vierzigsten Lebensjahre). Türkei. Des Sultans Thron f o l g e p l ä n e. K o n st a n t t n o p e l, 23. Ang Die Gesundheit des Sultans, obwohl im Augenblick gebessert, geht schritt weise zurück und sein Ableben kann in Kurzem stattfinden. ES wird hinzu gefügt, daß Abdul Hamid seinen Zu stand vollkommen kennt und den Wunsch hat. einen Nachfolger zu sichern, welcher seine Politik fortsetzen wird. Er hält wie eS heißt, den voraussichtlichen Thronfolger, seinen Bruder Muham med Reschad, für zu liberal, welche An ficht auch von der Umgebung des Sul tanö getheilt wird. Die Bekanntmachung besagt ferner daß ein Komplott im Gange ist, an welchem Abdul Hamid'S Rathgeber und i oie inigiuicn qess ocr Aluyammeoa t, i. r : . : x r irt.ti w nm ner betheiligt sind. Darnach wird an
geblich Muhammed Reschad wegen Krankheit von der Thronfolge auSge schloffen werden und wird der Sultan sein siebentes Kind. Mehmed Vurhan rtdi geboren am 19. Dezember 1335, zum Nachfolger ernennen. ES wird hervorgehoben, daß der Letztere mit der Politik seines Vaters völlig einverftan den ist. was laut Behauptung der Re sormer eine Fortsetzung deS jetzigen Schreckens, und Massakre.Regime be deuten würde." China. Berathung betreffs ei ner Konstitution. Peking, 23. Aug. Die Kaise. rin.Wittwe von China beabsichtigt eine Konferenz von hohen Beamten, darun. ter mehrere Vizekönige, einzuberufen, um über die Annahme eine? Konftitu tion zu berathen. Die chinesischen ttom. missäre, die kürzlich die Ver. Staaten und Europa bereiften und nach China zurückgekehrt find, empfehlen einen all. mähligen Uebergang zu einer konfti tutionellen Regierung. Sie find der
Anficht, daß zehn bis fünfzehn Jahre köthig sein werden, um das Volk hier, ür zu erziehen. Großbritannien. Jüngere Beamten zur Front. London, 23. Aug. Nach einer Depesche aus Odessa an eine hiesige Nachrichten Agentur wird von maßge bender Seite gemeldet, daß die russische Regierung durchgreifende Aenderungen in d.'r Besetzung der Gouverneursämter des südlichen und südwestlichen Ruß. andS beabsichtigt, und zwar wegen der beunruhigenden Zunahme der Anar chie. Die neuen Gouverneure werden jünger sein als die jetzigen und aus reichendende Vollmacht erhalten, um die Politik unbarmherziger UnterdrÜ ckung der Agitation durchzuführen. Wichtige Flotten-Ma. n ö v e r. A l t o n a, 23. Aug. In Militär. und Marine.Fachkreisen sieht man mit größter Spannung den umfassenden Landungömanövern entgegen, welche die aktive Schlachtflotte im Kampfe mit dem neunten Armeekorps (Altona) in'S Werk setzen wird. Die Operationen nehmen am Donnerstag ihren Anfang von Kiel aus, wo die Schlachtflotte konzentrirt ist. Brasilien. Letzte Geschäftssitzungen. Rio de Janeiro, 23. ug. Der Panamerikanische Congreß hielt heute seine letzte Geschüftssitzung ab und er ledigte die Fragen über Gesundheitö Vorkehrungen, Handels Beziehungen, Patente und Verlegerechte, die Pan amerikanische Eisenbahn und Gut heißung der Internationalen Gesetze. Am Sonntag den 26. und am Montag den 27. August werden noch zwei Sitzungen, um gewisse Einzelheiten noch näher zu besprechen, abgehalten. worauf der Panamerikanische.Congreß sich vertagen wird. Hayti. Bürgerkrieg in Sicht. Cape H aytien , 23. Aug. Hier eingelaufene Berichte aus Guaya bin, Santo Domingo, besagen, daß General Guellito an der Spitze von 4000Revoltionären von Dajabon auf gebrochen ist, um zu den Truppen des Generals Navarro zu stoßen und einen Angriff auf Monte Christi zu machen. Die Regierung von Santo Domingo hat 1200 Mann von Moca aus gegen die Revolutionäre abgeschickt und man hält einen heißen Bürgerkrieg für be vorstehend. Ausland-Dexeschen. Polizei . Kapitän Agatow wurde in einem Dorfe in der Nähe von Sebafto pol getödtet, als er drei revolutionäre Agitatoren verhaften wollte. Prof. Reuben Andrea kehrte heute von einem längeren Ausflüge in die Provinz mit einer Handvoll ungeschlif fener Diamanten, die er irgendwo im Lande gesunden hat, nach Winnepeg, Canada, zurück. Die Diamanten, er klärte der Professor, strahlen in den hellsten Wasserfarben. Bei Moczki an der russisch.preußi schen Grenze in der Nähe von Kata vitz, Schlesien, wurde in der letzten Nacht die russische Grenzstation von Terroristen anaeariffen und der Hauptmann und mehrere Soldaten ge tödtet. Zwölf Grenzsoldaten flüchteten sich bewaffnet über die preußische ! Grenze.
Das Deutsche in Italien. Wiener eUer als Lerl-reiter der deutsche Sprache Caullan6. Die Kenmniß dc Deutschen hat in Italien in letzter Zeit in beschleunigtein Tempo zugenommen. Hauptfachlich ist das natürlich der Fall in den großen Städten, in Oberitalien aUx ist diese Veränderung bis in die tleineren Badeorte und Sommerfrischen wahrnehmbar. Sicher hängt das mit dem immer größeren Strom der Deutschen zusammen, der sich übe? die Alpen ergießt, und der vom Januar bis Tezember jetzt kaum eine Unterbrechung erleidet. Mailand und die Nordwestecke des Königreichs (Turin) ausgcnommen. wo der französische Einfluß von jeher spürbar war, sieht man Deutsche in ganz Nord- und MittelItalien an der Spitze der Fremden kolonien. Einen großen Aufschwung haben auch dem Verkehr nach Italien die deutschen Schifffahrtsgesellschaften in Bremen und Hamburg gebracht, die erst seit 10 oder 15 Jahren die italienischen Häfen anlaufen und die mit jeder ihrer Mittelmeerfahrten Hunderte
von deutschen Reisenden an die Kusien Hesperiens ausschütten. Alle diese Ursachen haben den Italiener bewogen, den deutschen Reisenden von heute materiell höher einzuschätzen als früher, und da er im Grunde eine durchaus realistische Natur ist! auch seiner Sprache aus praktischen Gründen näher zu treten. Die große durchschnittliche Jntelligenz des italienischen Volkes, sein Entgegenkommen dem Fremden überhaupt gegenüber unterstützen es dabei. In Städten wie Florenz und Rom kann man heute an Geschäften deutsche Inschtiften seyen, wo man früher auschließlich englische sah (du ftanzösichen treten zurück): der Verkauf deutscher Zeitungen in Venedig allerdings fast nur ösrerreichischer das Angebot deutscher Bücher hat in Oberund Mittelitalien sehr zugenommen. Daß die Hotels fast immer emen oder zwei Angestellte haben, die Deutsch können, ist selbstverständlich. Außer den unvermeidlichen Virrerias Lö wenbräu (oder Spatenbrän) die man fast überall findet, und m denen die Teutschen schaarenweise zusammensitzen, gibt es deutsche 5wfftehäuser in lorenz und anderswo. Zu den machgsten Aposteln für die Verbreitung des Deutschen gehören die Wiener Kellner. Die trifft man wie überall, so auch tn Italien zahlreich, und sie tragen zur Verbreitung deS Deutschen ganz besonders viel bei. Ew Deutscher konnte heut:, wenn er sich nicht von den Hauptreiserouten entfernt, sehr wahrscheinlich die ganze Halbinsel bis Rom durchreisen, ohne du frunoe Sprache brauchen zu müssen. Arbciterfxeundlicke Einrichrnng. Eine nachahmenswerthe Einrichtung hat die Dampf-Marzipan-Fabrik L. C. Oetker in Alwna-Bahrenfeld aetroffen. Ihre Arbeiter erhalten nach vier Jahren ununterbrochenen Dienstes eine Dienstalterszulage von 52 Mark jährlich, die Arbeiterinnen eine solche von 26 Mark. Diese Dienstalterszulagen .sind von den bei der Firma sonst Üblichen Lohnvnhältnissen unabhängig. Arbeiter und Arberterrnnen erhalten weiter im Falle einer ArbeitsUnfähigkeit nach fünfjähriger ununterbrochener Thätigkeit eine lebenslangliche, monatlich im voraus zahlbare JahreSrente von 200 Mark, die bis zu 500 Mark bei 20jähriger Dienstzeit steigt. Ferner erhält derjenige, der zehn Jahre ununterbrochen bet der Firma thätig war. für die Dauer seiner weitern Thätigkeit bei der Firma bis zum 20. Dienstjahr am Schluß eines jeden Jahres eine jährliche Sparkasseneinlage von 100 Mark, die sich nach 20jährigem Dienste für jedes weitere Jahr auf 500 Mark erhöht und deren Zinsen dem Kapital zugeschlagen werden. Die Sparbeträge sollen den Zweck haben, einen weitern Rückhalt für den Fall der Arbeitsunfähigkeit zu gewähren. Demgemäß ist der Empfanger berechtigr. nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit außer der borgesehenen Jahresrente jährlich die Zinsen sowie 10 d. H. des gesparten Kapitals abzuheben. Beim Tode des Empfängers ist die Spareinlage feinen Erven auszuzahlen. Bisher sind diese Ver günstigungen bereits 20 Arbeitern der Firma zugute gekommen. v j-. ztL, vr.w iC . Schwer best rastet Ka pitän. Im Juni d. I. strandete auf der Sudküste von Island der Bremer havener Fischdampfer Nordstern" und wurde total wrack. Ein Boot des zu H'.lfe gekommenen Fifchdampfers Hanseat" kenterte in der Brandung und die vier Insassen ertranken, wah rend die Mannschaft des .Nordstern" sich an Land retten konnte. Die jüngst in Bremerhaven abgehaltene Seeamts - verbandluna eraab. dan der llnalücks fall vor auem drrrauf zurückzuführen stt, daß Kapitän und Mannschas übermüdet gewesen waren. Sie hatten, wie dies b:i der Jslandfischere Brauch ist. seit der Ankunft auf den Fanggründen volle vier Tage und Nächte ununterbrochen gefischt und kaum ewige Stunden aeschlafen. Der Kapitän war schließlich, als er die Wache hatte, eingeschlafen und das führerlose Schiff war auf Strand gelaufen. Das Seeamt entzog dem KPttän daS Schifferpatent.
Dpiumfucht der Chinesen. Entsetzliche Wirkung der !7piumlcid:ichat ans das ganz d. Die Einfuhr ausländischen Opiums nach China erreichte im Jahre 1888 ihren Höhepunkt mit etwa 10,000,000 Pfund im Werthe von 32,000,000 Taels (1 Tael etwa 50 Cents), die der Regierung eine Steuer von 9.000,000 Taels einbrachten. Seit 1891 ist der Anbau der Mohnpflanze in China selbst erlaubt und die Einfuhr fremder Waare daher in stetigem Sinken begriffen, aber auf den Verbrauch im Lande selbst hat diese Maßregel natürlich höchstens fordernd eingewirkt. Ter Opiumgenuß, der anfangs wie unser? erste Cigarre ein mehr oder weniger starres Unbehagen nach sich zieht, führt einen körperlichen Erregungszustand von kurzer Dauer herbei; ihm folgt allmälig eineUebergangsperiode träumähnlicher Bewußtseinstrübung und dann nne schwere Erschlaffung aller körperlichen und seelischen Funktionen, die stundenlang anhält und nur durch neue Zufuhr des Giftstoffes beseitigt werden kann.
Wie außerordentlich groß bei vielen Kranken die Menge des täglich verbrauchten Opiums ist, dafür finden sich in den Berichten ausländischer Aerzte in China zahlreiche Beispiele. Dr. Park in Sutschou berichtet von einem Raucher, der es auf eine Tages dosis von 226 Gramm (beinahe Pfund) brachte. Der Mann starb freilich schon im Alter von 24 Jahren an Herzschwäche. Wer jemals Gelegenheil hatte, einen Morphiumsüchtigen zu beobachten. kann sich vorstellen, welche entsetzlichen Wirkungen eine solche epidemisch verbreitete Leidenschaft auf das ganze Land haben muß. Die Kranken werden rücksichtslos gegen ihre Familie und ihn Umgebung, verlogen und hinterlistig, ferg und arbeitsscheu. Um sich den heiß ersehnten Genuß zu derschaffen, verkaufen sie Frauen und Tochter. HarrS und Hof, und sinken schließlich zu Vagabunden und Tagedieben hinab, die in völliger Gemüthsund Verstandesstumpfheit dahinvegetiren. bis ern früher Tod sie aus dem Wege schafft. Bei den Frauen gilt der OpmmSelbstmord als das angenehmste und beliebteste Mittel, nm der bösen Schwiermutter oder dem zürnenden Gatten einen letzten Streich zu spielen. Wie groß auch m dieser Hinsicht das Schulökonto des gefährlichen Saftes ist, geht daraus hervor, daß allein für die Provinz Kanton die Zahl der Opiumvergiftungen auf etwa 18,000 jährlich berechnet wird. Allerdings verschließen sich auch m China die Opium- und Morphiumsüchtigen nicht der Einsicht, daß ihre Leidenschaft ohne Behandlung zu einem schlimmen Ende führt, und die Krankenhäuser beherbergen daher fast stets eine größere 2t zahl von Patienten, die sich freiwillig einer Entziehungskur unterwerfen. Man laßt sie unter Verwerthung der chinesischen Geldgier zunächst eine ziemlich beträchtliche Summe hinterlegen, um auf diese Weise ihr Interesse an de? Durchführung der Kur zu wecken. Aber selbst dieses Mittel führt nicht in allen Fällen zu dem gewünschten Erfolge; ein Theil der 5dranken wird vielmehr bald rückfällig und geht nnrettbar zugrunde. Elsässer Heidelbeeren. In den Vogesen werden in verschiedenen Gegenden von einem Theil der ärmeren Bevölkerung und zwar fast ausschließlich von Frauen und Kindern Heidelbeeren gesammelt. Da die Waldstellen, wo diese Beeren in Massen vorkommen, oft weit von den Wohnorten der Sarmnln entfernt liegen, gehen diese schon am Nachmittag von daheim fort und übernachten draußen im Gebirge unter Felsvorsprüngen oder sonstigen geschützten Unterschlüpfen, um den andern Morgen bei Tagesgrauen mit dem Sammeln zu beginnen. Viele bedienen sich dabei eines eigens dafür gefertigten Holzkammes, wodurch die recht mühsame Arbeit wesentlich erleichtert wird. Am Abend werden dann die gefüllten Körbe nach Hause getragen und den nächsten Morgen auf den oft auch noch stundenweit entfernten Markt gebracht. Da aus Heidelbeeren auch ein feiner zu den Edelschnäpsen zählender Branntwein erzeugt wird, werden nuch zu diesem Zweck viele Heidelbeeren gesammelt. Der Liter dieses Branntweins, der sozusagen zur Hausapothete" des Gebirglers zu rechnen ist, wird mit S bis 7 Mark bezahlt. .Muster ohne Wirth. In Solingen. Rheinprovinz, war es Sttte geworden, daß einzelne Messer oder Scheeren oder sonstige ErzeugNisse der heimischen Arbeit an die Besteller als Muster ohne Werth versandt wurden, wodurch der Postverwalwng ein nicht unerheblicher Einnahmeausfall entstand. Es ist daher vom ReichsPostamt entschieden wor.den. daß Sen düngen an Privatpersonen, insbeson den alle Sendungen der Etnzelvsandigeschäfte, alö Muster- bezw. Waareuproven nicht mehr angenommen werden. Dagegen werden Mutter von Messern. Scheeren und dergleichen alö Mustersendungen angenommen, wenn in jedem Einzelfalle erkennbar ist. daß de Gegenstand auch wirklich als .Muster" verschickt werden soll. Die Schönheit und damit ncrruraemLß der Werth des Brillanten mzen von semer Farbe, sewer Rein heit und seinem Feuer ab.
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