Indiana Tribüne, Volume 29, Number 309, Indianapolis, Marion County, 23 August 1906 — Page 3
Jndianck Tibünr, ss. August 19.
Rebellen
Ans Cuba erobern eine Stadt und nehmen Regierungstrnppen gefangen. Giftmord'Bersnch. San LuiS von Rebellen eingenommen. Sosaken-Re' guaeut meutert. Manchuria" liegt noch unbeweglich. Erdbebea vorüber uud Feuer gelöscht Hülfsgelder bewilligt. Mimsler llebt feft. Tittoui schwer erkraukt. Kretas euer Gouverneur. Kugeln für Streiker. Metropolitan verantwortlich.
Tuba. Rebellen bis jetzt immer siegreich. H a v a n a, 22. Auguft. Major Laurent griff heute Abend mit einer Abtheilung von 300 RegierungSsolda ten die von den Rebellen eroberte und besetzte Stadt San LuiS an. Der Kampf dauerte mehrere Stunden und die Rebellen verloren mehrere Todte und Verwundete und drei derselben wurden gefangen genommen. Ader zuletzt wurden die Regierungstruppen zurückgeschlagen und mutzten fliehen. Leutnant Azcay, der mit einer Com pagnie Soldaten zur Unterstützung des Major Laurent von Pinar del Rio abmarschirt war, wurde heute Rachmit tag von einer Bande Rebellen auf dem Marsche angegriffen und seine Solda ten faft alle getödtet oder gefangen genommen. Azcay soll in Gefangen schaft der Rebellen gerathen sein. Nur neun Soldaten konnten sich nach Pinar del Rio flüchtm. San LuiS von Rebellen eingenommen. H av a na , 22. Aug. Spät Nach mittags traf hier die Nachricht ein, saß die Stadt San LuiS von den Rebellen erobert worden sei. Die Banden deS Pino Guerra griffen die Stadt des Morgens an und ein heftiger Kampf entspann sich mit den RegierungStrup pen. bei dem viele Personen auf beiden Seiten getödtet und verwundet wurden. Nachmittags mußten die Truppen zu rückweichen und die Nebellen besetzten die Stadt und nahmen 50 Soldaten gefangen. Guerra ift jetzt der uneinge schränkte Beherrscher mehrerer Provin zen und zieht eine ansehnliche Rebellen macht zusammen, um einen Haupt schlag gegen die Regierung unterneh men zu können. Behörden sind thätig den Aufstand zu unterdrücken. Havana. 22. Aug. Außer den hohen Offizieren, welche schon im Lauf des gestrigen Tages auf die Anschuldi gung verhaftet wurden, an einer Ber schwörung gegen daS Leben des Prüft dentm Palma dtheiligt zu sein, find noch gegen folgende HaftSbefehle er lasten worden: Gen. Demetrio, Gen. Duiny Eaftillo, die Obersten Pino Guerra, Arturo ASbert, Miguel Lia rma. Edarifto Eatenoz, Juan Gilberto Gomez und zahreiche andere. Die Be hörden entwickeln große Energie. Alle Zollbeamten wurden mit Waffen der sehen und daS Schatzamt wird scharf bewacht. Die Gendarmen, Polizei und die Artillerie haben genaue Jnstruk tionen erhalten. ES wurden zahlreiche Aufrufe, welche zum Aufstand reizten, veröffentlicht. Ma behauptet, daß den Aufständischen seitens nach dem Ausland gesandter Agenten große Geld betrüge zur Verfügung gestellt wurden; namentlich sei dies seitens deS gegen würtig in New Vork weilenden Orestes Ferrara der Fall gewesen. Rußland. Giftmord. Versuch. Et. Petersburg, 22. Aug. Große Aufregung verursachte heute daS Gerücht, daß ein Versuch gemacht wor den sei, General Trepoff, Commandeur des KaiserpalafteS, zu vergiften, da der General plötzlich heftig erkrankt ift. Der Koch in der Haushaltung des Generals Trepoff und drei andere Bediensteten beneiden find verhaftet worden. Kosaken. Regiment meutert. St. Petersburg. 22. Aug. Die Mannschaften des 24. Kosaken . egi mentS baden heute in Eamarkaxt am Ural ick asiatischen ußland gemeutert und die Offiziere gefangen genommen. Der Kommandant der Garnison von E amarkant hat energisch die Unterm er fung der Meuterer gefordert und um seinem Befehl mehr Nachdruck zu geben, die Geschütze der Artillerie auf einem Hügel auffahren und dieselben auf die Kasernen der Meuterer richten lassen.
In der Stadt Eamarkand herrscht wilde Panik, da man große Blutver gießen befürchtet. -Blutige revolutionäre Thaten. Warschau, 22. Auguft. Graf Kernow. Oberst im Generalftabe und Adjutant des General Gouverneurs Von Rusfisch.Polen. wurde heute von Terrroriften in der MarschalkowSky Straße durch mehrere Revolverschüffe tüdtlich verwundet. Die Terroristen flohen, nachdem sie zehn Schliffe auf den Grafen abgefeuert hatten und entkamen. Eine MilitSr.Patrouille bog gerade in die Straße ein, als htt tödt lich Verwundete zu Boden stürzte. Die Soldaten schaffen eine 'Salve auf die Paffanten ab und tödteten einen un schuldigen Menn und verwundeten mehrere. Bon Timferopol kommt die Nach richt, daß der reiche Großgrundbesitzer M. OrloffSky auf seinem Schlöffe von revolutionären Bauern ermordet wor den ift. Kugeln für Streike?. Warschau, 22. Auguft. In den Bergwerken von Wjatka sprengten gestern zwei Schwadronen Kavallerie eine Versammlung streikender Gruben arbeite?. ES kam zu einem blutigen Kampfe und im Verlaufe desselben gaben die Truppen fünf Salven auf die mehrere Tausend Köpfe zählende Men schen menge ab, die sich angesammelt hatte. Ungefähr zwanzig Personen wurden getödtet und nahezu hundert verwundet. Später wurden achtzehn der Anführer der Streiker verhaftet. Sandwich'Jnseln. Manchuria" liegt noch
unbeweglich. Honolulu. 22. Aug. Der vor drei Tagen gescheiterte Dampfer Man churia" liegt noch unbeweglich auf der Klippe, wo er auflief. Mehrere Ver suche wurden heute noch von kleineren Dampfern mit kraftvollen Maschinen angestellt, um den großen Dampfer ab' zuschleppen, cber er rührte - sich nicht. Der Manchurei" ift mit Waffer ange füllt worden, um daS Heben und Sen ken desselben durch die Wellen zu ver hindern; er liegt jetzt feft auf dem Grunde und ftößt nicht mehr auf. Von San Francisco find schon meh rere große Schlepper nach hier unter wegö, um bei dem Abschleppen deS Manchuria- mitzuhelfen. Die Ber gung desielben hängt ganz von dem Wetter ab. Bleibt eS schön und ruhig bis die großen Schlepper von San Francisco eintreffen, so ift eS möglich ihn wieder flott zu machen; sollte aber stürmische Wetter vor Ankunft der Schlepper eintreten, dann würden die Wellen der starken Brandung den Rumpf des .Manchuria" in wenigen Stunden auseinanderschlagen. Sämmtliche Paffagiere des Dam pfers find hier eingetroffen und werden bei nächster Gelegenheit mit anderen hier eintreffenden Dampfern weiter de fördert werden. Auf dem ..Manchuria" befindet sich noch die ganzeSchiffSmann fchaft, dc eine unmittelbare Gefahr nicht vorliegt und das ganz in der Nähe liegend Land in wenigen Minuten er reicht werden kann. Chile. Erdbeben vorüber und Feuer gelöscht. Valparaiso, 22. Aug. Die Erdstöße im ganzen Erdbebenrevier ha den aufgehört; die FeuerSbrünfte find gelöscht und die Behörden der durch da Erdbeben in Mitleidenschaft gezogenen Städte gehen lin systematischer Weise vor, um die Noth zu lindern, für die Verwundeten zu sorgen und die Todten zn begraben. Die Periode der Hülfe leiftungen hat überall begonnen. Die Furcht vor weiteren Erschütterungen ift durch eine Bekanntmachung des Ob servatoriumS beseitigt worden. ES ift jetzt möglich geworden, eine syfiema tische Durchsuchung der Ruinen nach Todten zu begwnen. Die größeren Städte Chile's reichen
den nothleidenden Echwefterstädten die Hand zu, Hülfe. Gelder. Kleider und LebenSmittel werden überall gesammelt und die Stadtverwaltungen sorgen für alle Flüchtlinge auö den zerstörten Städten, die bei ihnen Zuflucht suchen. Die Regierung unterdrückt alle Plün derungen und Ausschreitungen und all mklig tritt wieder Ruhe ein. Außer der seitens der Regierung von Chile in Angriff genommenen Hülfsaktion, wird auch der chilenische Kongreß um die Be willigung von Geldern zum Wieder aufbau on Valparaiso angegangen werden. Die Regierung von Argen tinien wird zu dem gleichen Zweck grö ßere Geldsummen bewilligen. Bulgarien. Metropolitan verant w o r t l i ch. Sofia, 22. Auguft. Der grie chische Metropolitan und vierzig andere Griechen und Bulgaren find als Ur. Heber der Ausschreitungen von Ahiolu in Haft genommen worden. Die Re gierung erklärt, die vom Ministerium deS Innern anbefohlene Untersuchung thue dar, daß der Metropolitan Haupt sächlich für den Auöbruch verantwort lich war. Deutschland. Fürst von Bülow'S amt . liche Entlastung. Berlin. 22. Aug. Die jüng ften Konferenzen des Kaisers mit dem Fürsten v. Bülow auf Schloß Wil helmhöhe liefem noch immer den Stoff zu allen möglichen Mußmaßungen. Gerüchtweise verlautet heute, Fürst Bü. low habe mit dem Kaiser auch über feine amtliche Entlastung gesprochen, die schon gleich nach der Erkrankung deö Fürsten für dringend nothwendig er achtet worden war. Angeblich ift Herr von Radowitz. derzeitiger deutscher Bot schafter in Madrid, dazu auSersehen, den Posten deS Minifterprüftdenten zu übernehmen und die innere Politik Preußens zu leiten, womit dem Fürsten eine ansehnliche Bürde abgenommen wäre. DaS Gerücht erhält dadurch einen glaubhaften Anstrich, daß Herr von Radowitz gleichfalls vor we nigen Tagen auf Schloß WilhelmShöhe eintraf und mit dem Kaiser wie mit dem Kanzler längere Unterredungen hatte. Minister klebt feft. Berlin, 22. Aug. Die Frage, ob und wann der preußische Land schaftSMinifter, Generalleutnant z. D. v. PodbielSki, aus dem Amte scheiden wird, deffen er sich nach allgemeinem Dafürhalten durch feine Beziehungen zur Firma v. TippelSkirch & Co. un werth gemacht hat, gestaltet sich äußerst räthfelhaft. Die heutigen Morgen blätter, selbst diejenigen agrarischer Observanz. behandeln den Rücktritt deS Ministers als etwas ganz Selbftver stündliches, als die unweigerliche Kon fequenz des Rattenkönigs von Ent hüllungen im Kolonialskandal. Sie legen den direkten Widerspruch dar. welcher zwischen den Aeußerungen des Generals v. PodbielSki und der mehr erwähnten offiziellen Mittheilung in der Norddeutschen Allgemeinen Zei tung", welche vom Reichskanzler Für ften von Bülow veranlaßt wurde, be fteht. Eingeweihte erörtern nun zwei Mög lichkeiten. Entweder verbleibt Pod bieSki vorläufig im Amt, womit dann der Anschein gewahrt würde, daß nicht dem Drängen der Presse nachgegeben sei. Oder aber PodbielSki trägt einen Sieg über den Fürsten Bülow davon, der die Demission deö schwer kompro mittirtm Ministers für unerläßlich hält, und dann würde eine Krise im Kabinett zweifellos die unmittelbare Folge fein. Griechenland. Kreta'S neuer Gouver ' n e u r. Athen, 22. Auguft. Herr Zaimi, der im Jahre 1901 griechischer Premierminister war, ift als Rachfol ger des Prinzen Georg von Griechen land zum Gouverneur von Kreta er nannt worden. Brasilien. Hulfögelder bewilligt. Ri o d e I a n e i ro . 22. Aug. Der brasilianische Kongreß bewilligte heute die Summe von 666,000 als Unterstützung für die Nothleidenden und Hülfsbedürftigen beim Erdbeben in Valparaiso und Umgegend. In allen Städten Brasiliens find Hülfs comiteS organifirt worden, welche Bei träge zur Unterstützung der Verarmten bei der SrdbebenKataftrophe in lkhile sammeln.
Italien. Tittoni schwer erkrankt. Rom. 22. Aug. Der Minister dS Aeußeren, Tittoni, ift heute wüh rend eines Besuches beim Deputtrten Suardi Giamforte in Eaftel TreScore schwer erkrankt. Im Hinblick auf daS Gehirnleiden deS Ministers im Jahre 1904 ruft feine Erkrankung ernste Be sorgnisse hervor. Signor Tittoni, der im Jahre 1354 als Sohn armer Eltern geboren wurde, hat seit dem Jahre 1875 in der italie Nischen Politik eine hervorragende Rolle gespielt. Er vertrat im Jahre 1880 Rom im Parlament. Im Jahre 1390 wurde er Prüfekt der Provinz Neapel, wo er sich die Freundschaft des dama ligen Kronprinzen, jetzigen Königs Viktor Emanuel erwarb. Zum ersten Male trat er im Jahre 1903 unter dem Premier Zanardelli als Minister deS Auswärtigen in das Kabinett und das selbe Amt bekleidete er in anderen Mi nifterien. Er war auch eine kurze Zeit italienischer Botschafter in London. Großbritannien. Wil. JenningS Bryan auf der Heimreise. Gibraltar, 22. August. Auf dem Lloyddampser Prinzeß Irenehat sich Wm. I. Bryan gestern Nach. mittag in Begleitung setner Gattin nach der Heimath eingeschifft. Bor seiner Abreife erklärte der berühmte amerikanische Staatsmann, daß er auf feiner zweijährigen Reise um die Welt sehr viel gelernt und sich vorzüglich amüfirt habe, aber froh sei, wieder ein mal amerikanischen Boden betreten zu dürfen. Seinem Empfange in New York sieht er mit großer Spannung und unverhohlener Freude entgegen. ase-Vall. American Association. MinneapoliS, 22. Aug. MinneapoliS. ..0 0001000 1 Indianapolis. .0 000000000 Batterien Cadwell und Vaeger; Cronley und Holmes. St. Paul, 22. Aug. Ct. Paul 2 0 00 000 00 2 Louisville 00003502 212 Satterien Elagle und Drill; El liott und Shaw. National'Liga. Eincinnati, 22. Aug. Eincinnati....00 1 200001 4 Brooklyn 0 0104200 07 Batterien Weimer, Fräser und Schlei; Scanlon und Berger. PittSburg, 22. Aug. PittSburg 0000 1 0 00 1 2 New York 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 Batterien Willis und Gibson; Mathewson und Bowerman. St. LouiS, 22. Aug. St. LouiS....02 000 0 10 3 Boston 10100000 02 Batterien Karger und Marshall; Voung und Needham. Chicago, 22. Aug. Eoicago 8 Philadelphia 6 Batterien Taylor! und Kling; SparS und Dooin. Schiffsnachrimten. Hamburg: Deutschland" nach New York. Plymouth: Großer Kurfürst- nach New York. New York: Madonna" von Mar seilleS, Neapel und Ponta Del gada; Eitta di Palermo" von Genua u. f. w.; Teutonic" nach OueenStown u. Liverpool; Sta tendam" nach Boulogne und Rot terdam; Sicilia" nach Genua; alabria" nach Neapel und Mar seilleS. Cherbourg: Graf Waldersee" von New Z)ork, via Plymouth; Krön Prinz Wilhelm" nach New York. Bremen: Rhein" von Baltimore. Montreal: Mongolian" vonGlaSgow. Immer im Beruf. Dame: -. .Sie haben ja eine Menge Kinder! Wfr vier sind's denn eigentlich?" Kaufmann: Bei der letzte Inventur wcrrens vierzehni" Auszeichnung. Fräulein: Herr Leutnant, denken Sie auch oft an mich?" Leutnant: Auf Ehre mein einziger Civilgedanke!" Romanphrafe. Eduard begleitete ferne Angebetete zuerst öf terö nach Hause, dann eimgemale auf dem Klavier und zuletzt durch's 2e den.
XU frctgrspromcttc atlcnmSr dcriu. Vor vierzehn Iahren heirathete der Privatbeamte Pail Biawtzkurßky in Budapest die um einige Jahre ältere Viktoria Tomcsak. Die Ehc war un fangs glücklich, bis eines Tages die Gefühle des Mannes zu seiner Frau zu erkalten begannen. Die Frau vemerkte dies, und von da ab verfolgte sie ihren Mann mit ihren Eifersüchteleien, besonders, als der Mann einem Mibichen Mädchen aus Salzburg den Hof macyte und von seiner Scheidung sprach. Die Frau begann, zu drohen, zu weinen und zu bitten, doch Bialotzkurtzky erklärt daß er bei seinem Entschlüsse, sich von ihr scheiden zu lassen, bleibe. Dies war auch am 14. März der Fall. Ihr Gasse wies sie barsch ab, worauf sie in die Küche hinauslief und ein scharfgeschliffenes Messer hereinbrachte, das sie auf den neben dem Bette stehenden .Tisch legte. Noch einmal versuchte sie. mit gütlichem Zureden auf ihren Mann einzuwirken, doch als ihre Worte nichts fruchteten, stieß sie ihm mit voller Wucht das Küchenmesser mehrmals in die Brust. Paul Bialoßkurtzky gab nach wenigen Minuten den Geist auf. Darauf brachte sie sich selbst mit dem Messer eine Verletzung bei, doch war diese nicht gefährlich. Der furchtbaren Familienszene wohnte der kleine Sohn des Ehepaares bei. Am anderen Morgen wurde die Frau verhaftet. Wegen Verbrechens des Gattenmordes hatte sie sich dieser Tage vor dem Geschworenengerichte zu verantworten. Die Zeugen stellten der Angeklagten das beste Leumundszeugniß aus. Während der Revlik des Staatsanwaltes fiel die Angeklagte in Ohnmacht. Nach dem Resümee des Vorsitzenden fällten die Geschworenen ihr Verdikt, demgemäß die Angeklagte des Verbrechens der vorsätzlichen Tödtung wohl für schuldig rkannt wurde, doch bejahten die Geschworenen die Zusatzfrage, daß die That in unzurechnungsfähigem Zustände begangen wurde. Auf Grund dieses Verdiktes sprach der GerichtsHof Frau Bialoßkurßky frei. mn Titel auö alter Zeit. Es gibt in Frankreich noch Lieutenants de louveterie", Leutnants für die Wolfsjagd, die ein vom Staate verliehenes Ehrenamt bekleiden, einen blauen Rock ä la fran'aise mit Metallknöpfen, auf denen ein Wolfskopf sigurirt, gemslederne Hosen, einen Dreispitz und Stulpstiefe! tragen. Die Lieutenants de louveterie" sind immer vornehme Herren. Der ..Figaro" nennt einige, die fast alle im Wappenbuch des französischen Adels stehen. Sie haben die offizielle Aufgabe. Wölfe auszurotten. Das thun sie aber nicht; im Gegentheil sind sie auf deren Erhaltung bedacht. Es thäte ihnen leid, wenn die Art ausstürbe, und daS ist begreiflich. Denn die louvetiers" sind immer leidenschaftliche Jäger. Die Wolfsjagd ift vielleicht die schönste Parforcejagd. Wenn es keine Wölfe mehr gäbe, so kämen die Herren um ihren Lieblingsspork. In Poitou gab es vor Jahren einen Lieutenant de souverterie", der Herr de M . . . hieß. Er war ein liebenswürdiger Mann und hielt offene Tafel für seine Jagdgenossen. Als die Herren eines Tages im Speisesaal Zusammensahen, sagte einer: dies Jahr haben wir in der Gegend nickt viele Wölfe gehabt. Wird diesen Herbst die Jagd wohl reichlicher ausfallen? Herr de M . . . antwortete: ..Dafür habe ich schon gesorgt. Sie dürfen sich auf mich ver lassen. Ich habe dieses Frühjahr drei kleine Wolfsfamilien aus Rußland kommen lassen, sie aufgezogen und ihnen dann den Laufpaß in die Wälder gegeben. Sie haben sich schon an die Schafe der nahen Pachthöfe heranqemacht. Die Pächter beschweren sich darüber, aber was liegt mir daran? Wir werden diesen Winter süchtige Jagden haben." Die Jäger gaben laut ihren Beifall zu erkennen, und im Walde von Moulieu, der unter der Oberaufsicht des Herrn de M . . . . stand, fiel die Jagd jenes Jahr unge mein lustig aus. Ein fizilisches Brigantcnstülk. Auf dem Gute Draffu in de, Provinz Caltanisetta. das dem Besitzer Cucurullo gehört, erschienen zwei bewaffnete Räuber und befahlen dem Ochsenhirten, seinen Herrn zu rufen, der sich gerade bei einem Nachbarn befand. Dieser erschien alsbald mit einem Revolver bewaffnet an dem von den Briganten bestimmten Ort. oegleitet von dem Ochsenhirten und dem Knecht Salvatore Mulone. einem Verwandten des Briganten Failla Mulone. Die Räuber zwangen die Begleiter Cuourullos und noch andere Personen. die neugierig herbeigeeilt waren, zurückzubleiben u. behielten nur Cucurullo bei sich. Was zwischen diesem und den Räubern vorging, weih man nicht. Plötzlich hörte man aber zwölf Schüsse fallen. Erst am nächsten Tage wagte man sich auf die Suche nach Cucurullo zu begeben und fand seinen von Kugeln durchbohrten Leichnam und einen Brief Salvatore Failla Mulones. in dem der Brigant der Polizei mittheilte, er sei der Urheber des Mordes gewesen. Weiter stellten die Carabmieri fest, daß dieselben Briganten auf Pferden, die sie dem Baron Lombards auf Grasta raubten, indem sie ihre abgetriebenen Gäule zurückliehen, das Weite gesucht hatte. Der Ochsenhirt und der Knecht wurden unter dem Verdacht, daS Verbrechen begünstigt zu haöen. verhaftet.
Sniq cokra rvfcssvr. Ungeheures Aufsehen erregt in Wissens dwhtcljen Kreisen des europäischen Nordens ein Konflikt zwischen der schwedischen Akademie" und deren Proteltor, König Oskar von Schweden. Die altberühmte Akademie (de aderton") zählt nur 18 lebenslänglich gewählte Mitglieder und rekrutirt sich bei Todesfällen durch Wahl. Der Akademie anzugehören, ist einem schwedischen Gelehrten die höchste Auszeichnunz; eine praklischeVedeutung hat die Korporation unter anderem durch ihre Berufung zur Mitwirkung an der Verleihung des NobelschenLiteraturpreises gewonnen. Im Vorjahre nun starb ein Mitglied der Akademie, der hochbetagte Literaturhistoriker Professor Ljunggren. und man wählte geraume Zeit später mit großer Majorität zu seinem Nachfolger den sehr bekannten Henrik Schück, Prosessor der Literaturgeschichte an der Universität Upsala; nur 5 der 17 Stimmen entfielen auf einen anderen Kandidaten, den Historiker Professor Skavenow - Gothenburg. Professor Schück war also gewählt und so dazu berufen, unter den berühmten ach:zehn" Platz zu nehmen. Zum allgemeinenErstaunen aber hat König Oskar dieser Wahl seine Sanktion verweigert. Seit dem jahrhun dertelangen Bestehen der Akademie ist es bisher noch nicht vorgekommen, daß ihr königlicher Protektor sich seines Vetorechtes bediente. Man fragt sich darum neugierig nach König Oskars Gründen für sein auffälliges Auftreten, und nicht wenig Kopfschütteln er regt da die überraschende Entdeckung, daß ProfessorSchück sich gegen die liebe nationale Geschichtsschreibung" versündigt hat, indem er in seinem berühmtenWerke über König Gustav III. hier und da von der althergebrachte offiziellen politischen Auffassung dieses Schwedenhelden abzuweichen wagte. So unvorsichtig war Herr Schück. de? ja offenbar seine möglÄe Berufung in die Akademie und namentlich die Nothwendigkeit der königlichen Sanktion nicht im Auge gehabt hat. und er war sogar unbedacht genug, seine hin und wieder nidht ganz streng nationale Weisheit vor ihrer Veröffentlichung in Schweden schon im Auslande", nämlich an der Kopenhagener Universität, öffentlich zu doziren wenn auch unter begeisterter Bewunderung aller seiner Hörer. Man ist gespannt, was die Akademie auf das königliche Veto antworten wird.
Theure Svitze. Ein ziemlich bejahrter Rechtsan.valt aus einer thüringischen Residenzstadt hatte mit seiner jungen Frau eine Reise durch die Schweiz unternommen. In Luzern waren es die herrlichen Spitzen, welche die junge Frau immer und immer wieder anlockten. Wiederholt bat sie ihren Mann, ihr einige zu kaufen, da sie weit billiger als in Deutschland seien. Der Mann muht: dem Drängen seiner Frau mit Er folg zu begegnen, indem er ihr vorhielt, dah der Grenzzoll so hoch sei. daß dadurch die scheinbare Billigkeit vollständig aufgehoben würde. So reiste denn das Paar ab. An de? Grenze wurden die Koffer und Taschen revidirt und nichts Steuerbares darin gesunden. Um nun seiner Frau einen kleinen Schreck einzujagen und sie für die Zukunft gegen den Schmug gel zu immunisiren, raunte der Mann dem Steuerbeamten ins Ohr: Die Dame hat Spitzen." Der Beamte nabm sie nun ins Verhör, die Dame wies diese Unterstellung sehr höflich zurück, der Beamte wurde immer energischer, die Dame immer ernster, und schließlich muhte sie sich der Untersuchunq durch eine beamtete Frau unterwerfen. Das Resultat war, dah bei der Dame wirklich Spitzen gefunden wurden, die sie hinter dem Rücken des Mannes gekauft hatte. Eine theure Lehre; denn die Zollstrafe, die der Notar zu erlegen hatte, bclief sich auf etwas über 200 Mark. eneral allifet, fo schreibt man uns aus Paris, geht zwar auch gelegentlich einmal unter die Journalisten, aber er liebt eö nicht, wenn sie zu ihm kommen. Auch andere Besuche sind ihm nicht immer willkommen. Er hat nun ein originellesMittel gefunden, ungebetenenBesuch abziehen zu lassen, ohne sich auf Erörterungen und Entschuldigungen einzulassen. Durch einen schattigen, mit Blattpflanzen gezierten Hof gelang: man zur Eingangsthür der Wohnung des alten Eisenfressers. Ehe man aber sein Glück versucht, liest man unwillkürlich den Vierzeiler, der auf diese Thür geschrieben ift: Klopf einmal, klopf zum zweiten Male dreist; Vielleicht läht diese Thür dich, Fremdling, ein. Doch wenn Du dreimal klopfen muht, das heiht: Man will hier heute nicht zu Haufe fein! Wenigstens weih man dann Bescheid. Gallifet soll aber einst, als er noch ein junger Offizier und durch galante Siege berühmter als durch kriegerische Eroberungen war. sehr unter den Manichären zu leiden gehabt ha den. Da hätte ihm auch wohl diele: Zauberspruch über der Schwell wenig geholfen!
