Indiana Tribüne, Volume 29, Number 308, Indianapolis, Marion County, 22 August 1906 — Page 3
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Breitet sich aus Cuba mit großer Schnelligkeit ans.
Mavchuriä" sitzt noch feft. Städtische Fleischgeschöfte eröffnet. - Große Kanone Bestellungen. Frankreich's Botschafter geht. GeneralVersammlung der Katholiken. Geldsammluugeu für die Nothleidenden in Chile. Große Verschwörung. Kaust eiu Schloß. Erdbeben nnd Sonnenflecken.
Cuba. Revolution schon in v o ll e m Gange. H a v a n a , 21. Auguft. Kaum ist gestern der AuSbruch von Ruheftö rungen durch Rebellen in der Nühe von Havana gemeldet worden, so treffen heute schon Depeschen ein, daß eine kleine Armee Insurgenten gegen die Hauptstadt marschirt. Kämpfe zwi schen den Regierungstruppen und den Aufständischen sollen gestern und heute bei Pinar del Rio stattgefunden haben, wobei die Regierungstruppen angeblich schwere Verluste erlitten. Die Regie rung hat die Verhaftung deS Generals Jose Miguel Gomez, deS Gegenkandi daten bei der Wahl des Präsidenten Palma, befohlen, weil derselbe in der Provinz Santa Clara eine Revolution organifirt hat. Mehrere Revolutio näre wurden gefangen genommen, in deren Besitz sich Dynamitbomben besän den. Die Regierung befürchtet, daß die Rebellen, dem Beispiele der russischen Terroristen folgend. eine Schreckensherrschaft auf der Insel Cuba durch Tödtung von Regierung, beamten vermittelst Dynamitbomben ausüben werden. ES ist Thatfache, daß die Revolution auf der ganzen Insel schon im Gange ist. und ungefähr 2000 Insurgenten, in kleinere Banden getheilt, im Lande herumziehen und rauben und plündern. Die Lage in der Provinz Pinar del Rio soll am bedenklichsten sein. Congreß Abgeordneter Guerra beabsichtigt, mit den Insurgenten die Stadt Pinar del Rio einzunehmen und dort das Haupt qurtier der Revolutionäre aufzufchla gen. Guerra hat 400 Rebellen unter seinem Kommando, und so bald er Verstärkungen erhält, wird er die Re gierungStruppen angreifen, die kaum 300 Mann stark find. General Emilio Nunez. Gouverneur der Provinz Havana. griff heute eine Bande Rebellen unter dem Befehle des Negergenerals Quentin Bandera auf der Santa Lucia Plantage, 25 Meilen von hier, an. Der Kampf dauerte zwei Stunden und die RegierungStrup pen mußten flüchten. Die Abficht der Revolutionäre scheint zu sein, solche Gewaltthaten und Ruhe ftörungen auf Cuba zu begehen, daß die Ver. Staaten gezwungen werden, in die inneren RegierungSverhülwiffe der Republik energisch einzugreifen. Aus diesem Grunde flüchten die ameri kanischen Plantagenbefitzer und alle auf dem L ande wohnenden Amerikaner nach den Städten, um nicht von den Rebellen gefangen genommen zu wer den. In den westlichen Provinzen Suba'S ist der Handel schon gänzlich brachgelegt, da man die Rebellen auf ihren Raubzügen fürchtet. Der neun Meilen von Havana auf dem Lande wohnende dänische Konsul hat heute einen schweren Verlust erlitten, indem die Rebellen seine Plantage überfielen und zwölf werthvolle Vollblut.Pferde und alles andere Vieh raubten. Sandwich Inseln. Manchuria- sitztnoch fkft. Honolulu, 21. Aug. Alle während des Tages unternommenen Anstrengungen, den in der vorletzten Nacht an der Nordküfte von Oahu an der Radbit Insel aufgelaufenen großen VaffaaierDamvfer ..Manchuria" der Pacific Mail DampfschifffahrtSgesell, schaft abzuschleppen, find gänzlich er folgloS geblieben; er ist gestern von dem heftigen Nordwinde noch weiter an'S Land getrieben und daS Riesenschiff bewegt sich nicht. Man hat die Absicht, von San Francisco große chleppdampser hier her zu schicken, um die .Manchuria" von der Sanddank abzuschleppen, aber es ist nur noch wenig Hoffnung Vorhan den, daß der Dampfer jemals wieder in offenes Basier bugftrt werden kann. Die klein Dampfer mit den 800 asiatischen Paffagieren der .Manchuria" find heute hier angekommen, und die Schiffbrüchigen wurden gelandet. Die
weißen 200 Kaiütenpassagiere find über Land ebenfalls hier eingetroffen, aber die Schiffsmannschaften find noch auf dem Dampfer geblieben und bedienen die Pumpen, da das Waffer tn großen Strömen in den Schiffsbauch einzuströmen beginnt. Unmittelbare Gefahr deS ZerfchellenS der Manchurialiegt nicht vor, jedoch verringert sich die Hoffnnng auf Abschleppung desselben stündlich, weil die Last deS OberschiffeS auf die unteren Schiffsrippen drückt und diese sich immer mehr dehnen. Der Dampfer Manchuria" fuhr am 14. Auguft von San FranziSco nach Honolulu mit 1.000 Paffagieren und einer werthvollen Ladung ab. Unter den Paffagieren befanden sich Newton W. Gillert von Jndiana und seine Braut, welche nach Manila reiften. Der Dampfer ..Manchur ia" scheint verloren zu sein. Honolulu. 21. Auguft. Die Lage deS großen Dampfers Man churia" wird immer gefährlicher, da er bis heute Abend nicht um einen Zoll weit von den zahlreichen Schleppern ge rückt werden konnte. Der Vorschlag ift gemacht worden, mit Hülfe von großen Seedaggern einen tiefen Kanal von der Manchuria" bis ins tiefe Waffer deS OceanS auszubaggern, jedoch ift eS sehr zweifelhaft, ob der DalNpfer nicht schon früher von den Wellen auseinander geschlagen wird, bevor ein genügend tiefer Kanal herge stell.' werden kann. Chile. Städtische Fleischgeschöfte eröffnet. Santiago, 21. Auguft. Das Militär mußte heute mit blanker Waffe einschreiten, um die Ruhestörungen an
den Schlachthäusern zu unterdrücken. Die Fleischer hatten den Preis des Fleisches bedeutend erhöht und eS kam zu unliebsamen Auftritten. Zuletzt beschloß die Bürgerschaft, kein Fleisch zu kaufen, bis die Preise wieder herab gesetzt sein würden. Der Mayor der Stadt hat energische Maßregeln gegen die wucherischen Fleischer ergriffen und mehrere Fleischgeschäfte wurden von der Stadtbehörde eröffnet, welche das Fleisch zu ton regulären Preisen ver kaufen. In den letzten Tagen find hier die Preise sür alle Nahrungsmittel be deutend gestiegen. Ekuador. Geldfammlungen für die Nothleidenden in Chile. G u a y q u i l, 21. Aug. Chile'S schreckliche ZrdbebenKataftrophe wird im ganzen Lande schmerzlich empfun den und Gelder zur Unterstützung der HülfSbedürftigen und Nothleidenden werden in allen Städten und Ortschaf ten der Republik gesammelt. Eine erste Geldunterftützung von $10,000 wurde heute von hier per Telegraph in Valparaiso angewiesen. Cine heftige Erderschütterung wurde heute in Quito verspürt. Die Bewoh ner flüchteten fich in großer Angst aus den Häusern, da man eine Wiederho lung deS Valparaiso Erdbebens de fürchtete. Kein großer Schaden wurde durch die Erderschütterung verursacht. Deutschland. Große Kanonen'Best el l u n g e n. Essen, 21. Aug. Ein hoher Beamter der Krupp'schen Riesenwerke informirte heute die Preffe. daß in der letzten Zeit von acht Regierungen Auf tläge zu? Anfertigung von 2700 Kano nen eingelaufen seien. Seit dem Be stehen der Krupp'schen Eisenwerke wa ren noch niemals so viele Bestellungen auf Kanonen zu derselben Zeit einge laufen. Frankreich'S Botschafte, geht. Berlin, 21. August. Von gut. unterrichteter Seite verlautet, der fran zöfische Botschafter am Berliner Hofe, Herr Bihourd, werde im Herbst von seinem hiesigen Posten zurücktreten. ES wird daS für höchst bedauerlich erachtet.
Bihourd hat Ifich in schwierigen Kon junkturen als ein Mann von großem Takt bewiesen. Während der lang wierigen MarokkoKrifiS übte er eine vermittelnde und beruhigende Thätig keit auS. Kriegsdenkmünze. Berlin, 21. Auguft. Eine Meldung, daß der Kriegsminister Ge neralleutnant v. Einem öie Entwürfe zur Herstellung einer Kriegsdenkmünze für die Kämpfer in Deutsch.Südweft afrika prüfe, wird allgemein als ein Anzeichen aufgefaßt, daß der eigentliche ttriegözuftand im Schutzgebiet bald sein Ende erreichen wird. Seit dem Be ginn der AufftandS Bewegung der HereroS und Hottentotten find dem nächst drei Jahre verfloffen, nnd die zahlreichen Opfer an Gut und Blut, welche der langwierige Feldzug gekostet hat. haben ein Gefühl großer Ver droffenheit erzeugt, daS sich oft Luft gemacht hat und durch die Kolonial, skandalEnthüllungen nur verschärft worden ift. Generalversammlung der Katholiken. Essen, 21. Auguft. Die53.Ge neralversammlung der 'Katholiken Deutschlands ift gestern hier mit einer glänzenden Vorfeier eingeleitet worden. Verbunden mit dieser Vorfeier war ein Umzug von katholischen Arbeitern, an dem ca. 40,000 Personen theilnahmen und der einen imposanten Eindruck machte. Nicht nur auS allen Gauen des deutschen Reiches ift die Betheili gung eine außerordentlich zahlreiche, auch das Ausland hat eine stattliche Anzahl von Vertretern zu der Tagung entsandt. Als Repräsentant deS Papstes PiuS X. ift der Kardinal bifchof Vannutelli erschienen und der RömischKatholische Central-Verein der Ver. Staaten wird durch Herrn Al phonö G. Koeldle aus New York als Delegaten vertreten. Die GefchäftSver fsmmlungen des Katholikentages wer den heute ihren Anfang nehmen und bis zum 25. d. M. dauern. Sie fin den in einer gewaltigen Halle statt, die mit einem Kostenaufwand von $15,000 eigens für diesen Zweck erbaut ift und welche Sitzplätze für 9000 Personen hat. Mutter der Kronprin zessin wohnt i mZHo tel. Berlin. 21. Auguft. Ganz plötzlich ift hier die verwittwete Groß Herzogin Anaftafia von MecklenburgSchwerin, die Mutter der deutschen Kronprinzessin, aus dem südfranzöft schen Badeorte Cannes eingetroffen. Ueber ihre anscheinende Apathie gegenüber dem freudigen Familienereigniß im Kronprinzen. Palais war bereits sehr viel gesprochen und geschrieben worden. Die lebensfrohe Dame hat in einem hiesigen Hotel Wohnung genom
men, anstatt fich im kgl. Schloß oder bei ihrer Tochter in Potsdam einzu quartieren. Die nichts weniger als innigen Beziehungen zwischen der Groß Herzogin und der kaiserlichen Familie find hier öffentliches Geheimniß. Sie hat heute das Kronprinzenpaar in Potsdam besucht und ihren kleinen Enkel in Augenschein genommen. Mexiko. Revolutionäre Agitation. Mexiko City, 21. Auguft. Einige Führer der guatemalischen Re Volution werden fich im nächsten Monat in New York treffen, um Pläne für ei nen neuerlichen Aufstand zu schmieden. General BarillaS weilt zur Zeit in San Francisco, General Eaftillo in Hon duraö, General Toledo in Nikaragua und Col. Pinedo befindet fich in New Orleans. Angeblich wohlinformirte Leute wollen wiffen, daß eine neuer liche Revolution, bei der eS fich um den Sturz der Cabrera Administration handeln soll, nur die Frage einer ganz kurzen Zeit sei. Diese Eingeweihten wollen auch wiffen, daß die Bevölke rung Guatemala'S mit der bestehenden Regierung unzufrieden ift und even tuell geneigt sein würde, mit den Re volutionären gemeinsame Sache zu machen. Rußland. Polizisten resignier n. St. Petersburg, 21. Aug. Seit dem Wiederaufleben des Terroris muS ift das Ministerium des Innern mit Schreibe von Polizeichefs aus allen Theilen des Kaiserreiches fast überschwemmt worden,' in welchen fich die Beamten beklagen, daß Polizisten in großen Mafien reftgniren, und sie ferner erklärten, daß. falls fich die Si tuation nicht bessert, die Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach durch Truppen
ersetzt werden muß. DaS Kabinett hat seine ganze Aufmerksamkeit auf die Si tuation in Polen gelenkt und beabfich tigt große Truppenverftürkungen nach dort zu senden, och ift diesbezüglich noch kein definitiver Entschluß gefaßt worden. Die monarchischen Organisationen, von welchen viele von den Liberalen als zum Schwarzen Hundert" gehörig klasfifizirt werden, wollen in Kiew einen National Congreß zusammenberufen, mit der Absicht, für die parlamentari schen Wahlen, welche, wie man jetzt an nimmt, im November stattfinden wer den, Candidaten aufzustellen. Bestrafung verlangt. St. Petersburg, 21. Aug. Premierminister Stolypin und Kriegs minister Rudiger erhalten andauernd Briefe, in welchen die Bestrafung der Offiziere und Soldaten verlangt wird, die an dem Durchpeitschen von Frl. Anna Smirnoff betheiligt waren. Die Zeitungen find mit Artikeln angefüllt, in welchen der Vorfall scharf kritifirt wird. Herr Stolypin hat eine Unter suchung angeordnet. Frl. Smirnoff befindet fich in einem Hospital und ihr Zustand wird als äußerst ernst be zeichnet. Schrecklicher Mord. S a m a r o w , 21. Auguft. Der Kommandeur des Borisiow. Regiments wurde heute in seiner Wohnung von mehreren Revolutionären angegriffen und getödtet. Die Mörder entkamen, nachdem sie den Leichnam deS Ermorde ten mit Alkohol begossen und in Brand gesteckt hatten. ZweiTerroriften ermordet. St. Petersburg, 21. Auguft Die Leichen eines elegant gekleideten Mädchens und eines Mannes in Stu dentenkleidern wurden heute im Park des kaiserlichen RefidenzschlosseS Peter. Hof gefunden. In den Taschen der beiden Leichen befanden fich Schrift stücke, aus welchen zu ersehen war, daß die beiden Terroristen waren und die Abficht hatten, General Trepoff und andere hohe russische Würdenträger zu ermorden. Wer die beiden Personen im Schloßpark getödtet hat, konnte nicht auSgefunden werden.
Frankreich. Große Verschwörung. Marseilles, 21. Auguft. Die hiesige Polizei verhaftete gestern einen italienischen Anarchisten, Na menS Eirrelo Francese, der in dem Verdacht steht, an einem Mordkom plott gegen daS Leben des Präsidenten FalliereS betheiligt zu sein. In seiner Wohnung sand die Polizei einen gro ßen Vorrath von Utenfilien jeder Art, die zum Herstellen von Bomben benutzt werden. Die Mitschuldigen Francefe'S find bis jetzt noch nicht ausfindig ge macht worden; doch man hofft ihrer habhaft zu werden, well es der Polizei gelungen ift, festzustellen, daß eS fich um eine weit verzweigte Verschwörung handelt, auf die auch daS Bomben attentat bei Gelegenheit der Hochzeit des Königs von Spanien zurückzufüh ren ift. Schweden. Kauft ein Schloß. Stockholm, 21. Auguft. Die einstmals berühmte Sängerin Chri ftine NilSfon. gegenwärtig Gräfin Mi randa, hat das alte Ritterschloß Wik angekauft. Sie gedenkt den Reft ihrer Tage daseldft zuzubringen. Großbritannien. Erdbeben und Sonnen flecken. London, 21. Aug. Sir Joseph Norman Lockyer. Direktor deS Solar physischen Observatoriums in Kenfing ton, wies in einem Interview auf die merkwürdige Thatsache hin, daß die Erdbeben in San Francisco und Val paraiso gleichzeitig mit einem Sonnen fleckMaximum stattgefunden und daß im Jahre 1894, in welchem viele schwere Erdbeden fich ereigneten, dieselben Ver hülwiffe obgewaltet hätten. ES wäre, wie Sir Joseph weiter sagte, noch nicht in vollem Umfang festgestellt, ob Gesetze hinsichtlich der Wiederkehr von Erd beben beständen. Diese Frage wäre gewiß einer Untersuchung werth, aber eine Untersuchung mache Geldausgaben nothwendig. Die Hauptthätigkeit auf diesem Gebiet läge zur Zeit in den Hün den von Deutschen. Bulgarien. Aus Staat .Unkosten. Sofia, 21. Aug. Das Kabinett hat beschlossen, auf StaatSUnkoften und noch vor Eintritt deS Winters alle Häuser in Ahiolu wieder aufbauen zu lasten, welch bei de kürzlich Küm vfen zwischen Griechen und Bulgaren zerstört wurden.
Nothwehr ?
Eine Iagdqeschichte von I. Werkl. .Hochwürd'n." sagte der Förster Turnike! zum Herrn Pfarrer, dem er zufällig begegnete, mir ham's schon wieda an Bock in der Schlingen g'fangt auf der Hinteren Leit'n. Ich werd noch ganz narrisch mit dne Malesizlumpen, mit dene ausg'schamten. G'rad z' Tod könnt man sich ärgern mit der Bagage. G'wiß is wahr, ich bring' noch amal einen um. Und ich mein allweil, daß es diesmal der Niederdepfer Toni war, der schlitzohrige Tropf. Der hat nämli neulich im Wirthshaus g'sagt, er möcht mich gern a mal steigen lassen, weil ich ihm keine Streu geben hab." .Ei, ei, ei, was Sie da sagen, Herr Förster, hm Ich kann's nicht recht glauben. Der Toni ist allerdings ein seltsamer Heiliger. Er redet nichts, er deutet nichts, ist verschlössen wie mit sieben Siegeln Was ich fragen wollte, haben Sie den Mann schon einmal lachen sehen?" Lachen? Nie. Der kann gar net lachen wie ein ehrlicher Mensch, der elendige Heimtucker." Aber daß er Schlingen legen sollte hm ich glaub's nicht und ich kenne doch die Pfarrkinder si ziemlich gut. Lieber Förster, ich meine, Sie irren sich dieses Mal." 3ch sag' Ihnen, Hochwürden, der hat's faustdick hinter den Ohren. Das ist der geriebenste Planer weit und breit. Aber ich krieg ihn, deu Burschen. Verlassen Sie sich darauf, Hochwürden. Auf den lauern wir und wenn's drei Tage und dreiNächte dauern sollte," Der Herr Pfarrer lächelte ein wenig überlegen, nahm auf eine besonders feierliche und erbauliche Weise eine Prise zwischen die Finger und sprach langsam und mit Nachdruck: Herr Förster, wenn Sie mir dafür den Beweis erbringen, so zahle ich 5ehn Maß Bier." Gilt," erwiderte der Forstmann, richten'ö nur a weN 's Geld her, den Durst spür' ich schon. Jetzt los ich meinen Gehilfen ab." Abends zwischen sieben und acht Uhr trafen sich die beiden in der Goldenen Gans". Der Förster schnitt ein Gesicht, als hätte erSauerampfer gegessen, und schweigt geraume Zeit hindurch. Endlich rückte er langsam mit der Sprache heraus. Ich sitz' also heut Nachmittag in der Nähe von dem gehängten Bock an. Ganz gut gedeckt. Auf einmal, wie ich so durch den Busch hindurchspekulire, sehe ich so auf einhundert Meter weit im Jungholz meinen Freund, den Toni. Na wart', Bürscherl, denk' ich mir, Du freu Dich, und lang gleich nach der Hundspeitschen hinter. Im selben Augenblick aber muß er mich auch eräugt haben. Er thut zwar so, als wie wenn er blind wär, geht aber natürlich nicht auf die Schlinge zu. sondern macht einen Mordsbogen nach liirks und setzt sich auf einen Baumstamm nieder. Da bleibt er hocken und sinnirt. Es dauert eine halbe Stunde. Ich rühr' mich nicht, er rührt sich nicht, ich besinn' mich, wie ich die Geschichte anpacken soll, damit ich nicht ausgelacht werd', und er denkt wahrscheinlich darüber nach, wie er seine Anwesenheit in dieser verdächtigen Gegend glaubwürdig motivtren und mich ausschmieren könnte. Es ist eine g'schlagene Swnd' 'rum und wir hocken noch am selben Platz. Es fangt schon an, dunkel zu werden und das wünscht er offenbar abzuwarten. Oder sollte er mich wirklich nicht gesehen haben? Ich sitz' wie auf glühenden Kohlen. Was thust jetzt da? Auf einmal fangt mir der Kerl zu lachen an. Lacht und lacht, daß die Bäume schier zum Wackeln beginnen, lacht grad naus wie ein hellichter Narr! Ich laß ihn kewe Sekunde aus den Augen, bei der geringsten Bewegung bin ich schon da er lacht in einem Trumm zu. Ha, ha, ha, ha, ha, ha. . Was hat denn der spinnende Teufel, denk' ich mir, ich sag' Ihnen, ich hab' noch nie einen Menschen so lachen hören. Weil's immer dunkler worden ift. steh' ich leise auf und birsch mich an ihn heran wie an einen balzenden Auerhahn und plötzlich tauch' ich vor ihm auf. Er thut so, als ob er erschrecken wollt'. Jesses." schreit er, der Herr Forfiner." Jetzt hab' ich's halt probit, ob ich ihm nicht vielleicht doch in der Ueberraschung ein Geftändniß abdrucken könnt und brüll ihn an: So, hab' ich Dich amal erwischt. Du Hallodri, Du miserabler, jetzt rathe ich Dir, mach' nur keine Tanz' mehr und keine Manf und g'steh's nur gleich freiwillig ein, sonst Wissen S', da hab' ich a bisserl mit memer Büchs g'spielt, damit die Sach' ein wenig ernster ausg'schaut hat. No," sagt er ganz kalt, ich hab' mir's eh scho' denkt, daß die Gaudi amal a dreckig's End' nimmt." Ich muß aufrichtig zugeben, dieses offene Geftändniß hat mich überrascht. Wenn er's einfach leugnet und mir erzahlt, er hätt' Schwammerl gesucht, hätt' ich auch nichts machen können. Na," sag' ich recht gemüthlich, wie lang treibst denn das Handwerk schon?" Met," brummt er, fett memer Jugend." Ärav," sag ich. Wirklich diese Aufrichtigkeit hat mich gefreut.
.Fetzt gehst hal: nachher a disscl mit mir. Toni, nachher nehmen wir ein kleines Protokolles auf, gelt? Es wird Dir nit rnes g'schehn." Ja. z'weg'n was denn?" sagte er, lach'n wirst scho' no' derfn, moanet i? Wenigstens im Wald." Wieso frag' in, weil ich ihn net verstanden hab'. No ja," sagt der unverschämte Kerl, ich lach' f Haus 's ganze Jahr net. Weil i so nöthig dran bin. erstens, und weil d' Leut mi allweil derblecken, wann i lach. Da sagen's glei allweil, 'H Toni schaugt's an. gieb fei' Acht, Toni, daß Dir d' Ohrwaschln net in's Maul einifall'n. Aber oan Mal im Jahr, an oanzigs Mal, muß i mi do ordentli' auslachen, sehg'n S', und da geh i halt allweil in's Holz außer. Dös werd wohl derlaubt sei'. Bisher hat mi' aa no koaner drüber dawischt." Mir sind gleich die Haar in die Höh' g'stiegen über eine solche Bombenfrechheit und einen Zorn hab' ich kriegt, net zum beschreiben. Ich Hab's doch gleich g'spannt. daß der Kerl mich bloß aufzwicken will. W hat die Schlinge drüben gelegt?" schrei ich ihn an. Lacht mir nicht der Erzplaner in's Gesicht! Entschuldigen S'." grinst er, nehmen 's mirs net in Uebel, aber i muß rein no a paar G'satzeln lach'n, weil i scho mal drin bin." Und dabei fangt er wieder zum Juchezen an, daß ich eine solche Wuth kriegt hab', daß ich nimmer weiß, was ich alles g'sagt hab. G'schimpft hab' ich ihn, was mir nur eing'fall'n is, und wenn er nicht ausg'rissen wär', ich glaub', ich hätt' ihn auf der Stell' umbracht, so heiß war ich. Wunder wär' 3 kein's, wenn man sich so frozzeln lassen muß von so einem Lumpen, von so einem verdächtigen." Ei, ei, ei," sprach der Pfarrer, nachdem er eine geraume Weile vor sich hin geschmunzelt hatte, das ift ja eine ganz verwickelte Geschichte. Ich glaub's schon selbst, daß es nur eine schlaue Ausrede war, aber Beweis ist keiner da, und es wird Jhnen gar nichts übrig bleiben, als daß Sie die zehn Maß in Gottesnameu auch noch zahlen." Das war aber dem guten Förster, der doch gar kein Freund vom Zahtot war, zu dumm. Seine Haare sträubten sich, so daß er wie einDackel aussah, dem von einer Katze träumt, und seine Augen sprühten Blitz auf Blitz. Er schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläftr tanzten. Beweis? Daß ich nicht lach'! Das hab' ich noch gar nicht erzählt, daß sie mir, während ick mit dem Toni mich herumgebalgt hab, hinter meinem Rücken den Bock aus der Schlinge gestohlen haben, die Bande. Wenn das kein abgekartete Komödie war, dann freß ich morgen em Ster Holz w Essig und Oel." Ah, so war die Sache! Die KerlS haben gewußt, daß der Bock gchütet wird und der Toni hat Sie weglocken wollen?" Infam ausschmieren und tratzen haben's mich wollen, das is derWitz." Na, den Toni würde ich doch anzeigl!" Der Förster kratzte sich bedenklich hinter den Ohren. Lassen S' mich mit 'm Gericht aus! Die haben oft Ansichten.... Sagen S' mal. Hochwürden, wenn mich einer offenbar bkamiren will, auaensichtlich verhonakeln. und ich wär jetzt bergegange und hätt' ihn recht sakrisch verhaut, aber schon so, daß er acht Tage lang den Mond für eine Baßgeig'n halt, sag'n S' mal aufrichtig, kann er mir da was machen? Ist das net Nothwehr?" Warum?" Der Pfarrer schaute ihn über die Brille hinweg fragend an. No ja, wie man halt so red't, mich thät's halt interessiren." Und dabei kniff er das linke Ange zu und über fein faltiges Antlitz zog em eigenthümliches Wetterleuchte von Befriedigung und angenehmer Erinnerung. Tr Pfarrer schmunzelte unwillkürlich. Er konnte sich sehr wohl einbilden, wie die Geschichte geendet hatte. Nun. in Anbetracht der Sachlage," meinte er, wird der Toni froh sein, daß er mit einem blauen Auge davon kam . . . ." Es tonnen auch zwei gewesen sein, Hoch würden." warf der Förster ein. Und in weiterer Erwägung, daß er vielleicht doch eingesperrt würde, wird er wohl seinenMund halten. Die Wette aber will ich bezahlen. Und zwar von Rechts wegen. Einverstanden?" .Ja. ja. Hochwürden, aber net wahr, die Sack bleibt unter unS? Schau'n S', ich könnt mich ja nimmer sehen lassen im Markt A so a Tropf, a so an elettdiga!"
Seine Anffassung. Der Violinvirtuose Staccati hat eine Einladung beim Kommerzienrath Beilchenfiengel ausgeschlagen, laßt sich aber dann durch das Angebot von tausend Mark umstimmen, erscheint und spielt ein Solo. Nachdem der Künstler geendet und der Beifall fich gelegt, wendet sich Veilcheirftengel an den Geiger: Herr Professor, waö haden Sie bezahlt for Ihr Pracht mfirnment?" Zwanzigtausend Mark." Gott, was for e' lukratives Kapital, das Ihnen trägt an einem Abend fünf Prozent!
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