Indiana Tribüne, Volume 29, Number 306, Indianapolis, Marion County, 20 August 1906 — Page 3
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Trümmerhaufen,
Wo ciuft blühende, volkreiche Städte, Ortschaften und Weiler standen.
Das Crdbeben-Centrnm.-Nme Lift der Revolutionäre. -Beschlöffe gegen die griechische Grenelthaten Nnr noch brennende Trümmerhanfen. Die Bevölkern war sinnlos vor Angst Wilden Thieren gleich -Staatssekretär Root in Gefahr. Regiernng bleibt fest Panamerikanischer (fön greß Brasilien verschnupft.
Chile. Rurnoch brennen oeTrüm merhaufen. Valparaiso. 19. Nug. Im Verhältniß war die Erdbeben Rita ftrovhe hier größer und verderblicher als die in San FranziSko. Diese Stadt und die benachbarten kleineren Ortschaften sind nur noch brennend Trümmerhaufen und im ganzen Acon cagua Thale giebt es faft kein Haus, das as Wohnung fkir Menschen be nutzt werden kann. Im südlichen Theile von Chile wurden in den Städten Talcapuano, Conception, Zalca und Zone ebenfalls heftige Erd ftöke verspürt, aber der verursachte Schaden ist dort nicht bedeutend. Ja mehreren Stadttheilm herrschen noch größere Brände, aber Niemand giebt sich die Mühe, dieselben zu löschen, da die Wasserleitung geplatzt ift und das Feuer dadurch nicht energisch bekämpft werden kann. Die Bevölkerung war sinnlos vor Lngft. Santiago, 19. August. Se nor Gray ift heute hier von Valparaiso angekommen und berichtete eingehend über das grauenhafte Unglück. Beim ersten Erdstöße floh die Bevölkerunq aus den Häusern auf die Straßm und in die Parks, und Schreien, Wehklagen und Weinen wurde überall vernammen. Beim zweiten gewaltigen Erdstöße stürz ten fast sämmtliche Häuser zusammen undFlammen züngelten bald darauf aus Hunderten der eingestürzten Gebäude ge gen den dunkeln Himmel empor. Das Elend und die Angst in den ersten Stunden nach den Erdstößen waren grauenerregend- Alle flüchtete sich, mit wenigen Habseligkeiten beladm, in'0 Freie, und Jeder wollte der Erste auf der Flucht sein, wobei eö zu widrigen, wilden Szenen kam. Der Schaden an Eigenthum ift ganz enorm. Das ErdbedeN'Centrum. Valparaiso, 19. Aug. Der Schauplatz der in den letzten Tagen der vergangenen Woche stattgehabten Erd erschütterungen bildet das Centrum eines gewaltigen Gebietes, das seit Jahrhunderten von Zeit zu Zeit von seismischen Störungen heimgesucht wird. In Chile kommen, namentlich im Ge birge, Erdstöße häufig vor. Erdbeben find hier aber selten und haben bisher nur geringen Schaden verursacht. Valparaiso ist. nächst San Iran ciSco, die größte und bedeutendste Ha fenftadt an der Westküste von Nord und Südamerika. Ihre Industrie er streckt fich besonders auf den Bau von Maschinen und Wagen, Zuckenaffine rim, Brauereien und Alkoholbrenne' reien. In dem mit eisernen Hafen dämmen und Docks versehenen Hafen liefen vom Auslande im letzten Jahre 641 Schiffe, davon 345 Dampfer, mit 995,371 Tonnen; im Küftenhandel 613 Schiffe mit 521,271 Tonnen ein. Es verkehren hier die Dampfer des Hamburger RoSmoS" und der Harn burger Pacific Gesellschaft, außerdem englische, darunter die Pacific Eteam Navigation Comp. Die Stadt zählte vor dem Erdbeben übn 150,00 Ein wohner, darunter über 11,000 Fremde. DaS Erdbeben hat fast alle Gebäude zerstört oder schwer beschädigt. Der verursachte Schaden ift enorm; man schätzt, daß zwischen 250,000,000 und $300,000,000 Werth vernichtet worden find. Nach konservativer Abschätzung sollen außerdem wenigstens 2000 Men schen getödtet und 5000 mehr oder weniger verletzt worden sein. Die Städte Bin Del vkar, drei Meilen von hier gelegen , mit einer Bevölkerung von 10.000; Quirlhue, 225 Meilen südlich, mit 2500; Salto Limache, 15 Meilen nordwestlich, mit 6,500; Quillote, 25 Meilen nordwestlich, mit 10,000 Ein wohnern und vieleOrtschaften und Wei ler in der Umgegend von Valparaiso und längst der Küste find gänzlich zerstört. Der meiste Schaden wurde durch Feuer verursacht, welche bald nach dem Beginn des Erdbebens an vielen Plätzen ausbrach.
Die ganze Bevölkerung des Erdbeben-Distrikts schläft und kampirt auf den Bergen, den ParkS und auf den Straßen. NahrungMittel find sehr knapp; so z. V. kostet ein Quart Milch zwei chilenische Dollars, und dabei ist es fast noch unmöglich genügende Quan titäten davon für den hohen Preis zu bekommen. Die Eisenbahnen und alle öffentlichen Beförderung Fazilitäten find zerstört. ES herrscht ein entsetz. licheS Elend überall, wo man hin kommt. Die Nächte find kalt und win dig und die im Freien schlafenden Menschen haben große Unbequemlich leiten auszustehen. Nukland. Neue Lift derRevolu t i 0 n ü r e. Warschau, 19. August. Die Revolutionäre haben eine neue Lift er sonnen, den General'Gouvernkur, der fich sonst verbirgt, auS seinem Palast zu locken. Am Samstag ging ein als Offizier verkleideter Revolutionär in das deutsche Konsulat und ohrfeigte den Konsul. Der General Gouverneur wurde dadurch gezwungen, im deutschen Konsulat vorzusprechen und dem Kon sul sein Bedauern über den Vorfall auszusprechen. Auf dem Wege zum Konsulat warf ein blondes junges Mädchen drei Dynamitbomben nach dem Wagen des Gouverneurs, die aber ihren Zweck nicht erfüllten. Obgleich alle blondhaarigen Mädchen in der Nachbarschaft des deutschen Konsulats von der Polizei verhaftet wurden, ift eS doch nicht gelungen, die Bomdenwer ferin zu ermitteln. Wilden Thieren gleich. Moskau, 19. Aug. Im Haupt
quartier der Gendarmerie traf heute die Nachricht von einem abermaligen Zusammenstoß zwischen Kosaken und Bauern in der Provinz Penza ein. Bei dieser Affaire bekundete das Volk eine solche Entschlossenheit und Wuth, daß die 3 nippen zum Rückzug gezwungen wurden und mehrere der Ihrigen schwer verwundet vom Kampfplatz fortschaffen mußten. Fünf Bauern wurden ge tödtet und mehrere Dutzend verwundet. Eine Abtheilung von dreißig Ko saken war auS der Stadt Penza behufs Verhaftung von zwei Agitatoren nach einem benachbarten Dorf gesandt wor den. Die Dorsbewohner wurden dnrch Läuten der Kirchenglocke alarmirt, wo rauf fich fünfhundert Bauern, die mit Sensen usw. bewaffnet waren, zusam menrotteten und behufs Befreiung der Gefangmen auf die Kosaken loSgingen. Durch die Knutm und Säbel der Ko saken nicht im Geringsten eingeschüch tert, attackirten die Bauern und zwan gen die Kosaken, hinter einer Mauer Zuflucht zu suchen. Selbst eine Salve aus den Karabinern der Kosaken der mochte die Bauern nicht aufzuhalten und schließlich mußten die Kosaken fliehen. Die Bauern sollen mehr wie wilde Thiere als wie Menschen ge kämpft haben. In ihrer Wuth er griffen sie einen Popen, der den Ber mundeten Beistand leistete, und prü gelten ihn bald zu Tode, ehe die Frau eine kranken Bauern, dem er Hülfe gebracht hatte, ihn erkannte und be freite. Frankreich. Regierung bleibt fest. Pari, 19. Aug. In der ge fingen Sitzung des KabinetS in Rambouillet wurde die KtrchentrennungSfrage weidlich diskutirt und beschlossen, unter allen Umständen die Beftimmun gm deS Gesetzes zur Ausführung zu bringen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Barthou, erklärte später, daß durch den Beschluß der Regierung an dem bestehenden Zustande nichts geün dert werde und daß dem Gesetze Ach tung verschafft werden wird. Zwangsanleihe geplant. St. Petersburg, 19. Aug. Die von dem aufgelösten Parlament behufs Linderung der Hungersnoth bewilligte Summe von 17, 500, 000 ist
JndianR Tibüne. o August 1906.
beinahe vollständig verausgabt und die mit der Revision des Budgets betraute Kommission hat die letzten Kopeken be Hufs Aufbringung von 110,000,000 zusammengescharrt. Angesichts dieser bedrängten Lage soll die Regierung, wie e heute Nachmittag hieß, beschloß sm haben, zu einer inneren Anleihe von 027.500.000 ihre Zuflucht zu nehmen, um die Nothleidenden vor dem Hunger tooe zu bewahren und Getreide zurAuS saat zu beschaffen. Diese Anleihe wird von den StaatSSparbanken gezeich net" werden, d. h. in anderen Worten, die Regierung erhebt in Wirklichkeit von diesen Anstalten Kontributionen zur Deckung der Bedürfnisse de Staate. La Plata Staate. Staatssekretär Root in Gefahr. Bueno AyreS, 19. Aug. Als Staatssekretär Root am Samstag in Begleitung mehrerer Herren, die zum großen Theil hohe Staatsbeamte Argentinien waren, von einem länge ren Ausflug zurückkehrte, warfen meh rere Streike?, die beim Herannahen deö Zuges heftig zischten und laute Ber wünschungen auSftießen, große Steine, zerbrachen mehrere Fenster verschiedener Waggons und brachten dem Landwlrth schaftöminifter, der fich in Root's Nähe befand, mehrere sehr schmerzhaste Wun den am Halse bei. Außerdem wurden mehrere andere Herren, die fich in der Gesellschaft befanden, leicht verletzt. Merkwürdiger Weise ift bis jetzt noch Niemand verhaftet worden; aber die Polizei ift dabei, die Angelegenheit zu untersuchen und wird dafür sorgen, daß die Schuldigen strenge bestraft werden. Brasilien. Panamerikanischer Con greß. Rio de Janeiro, 19. Aug. In der gestrigen Sitzung des Drago Comites des panamerikanischen Confe renz wurde beschlossen, der Conferenz zu empfehlen, die DragoDoktrin der Haager FriedenSConferenz zur Crwü gung vorzulegen, und zwar nicht nur betreffs der gewaltsamen Eintreibung öffentlicher Schulden, sondern auch be züglich Ansprüche pekuniärer Natur irgend einer Art. Das Comite für Patente, Handels marken und Copyright hat fein Werk mit der Annahme eines Vorschlages be endet, welcher die Bildung einer ameri kanischen Union für Patente, Handels marken und Copyright mit Regiftri rungsBureauS in Havana und Rio de Janeiro vorsteht. Diese beiden Bu auS wurden der Competmz halder bestimmt, doch soll durch einen jeden Monat stattfindenden Austausch der Regiftrationen der beiden Bureaus das Werk thatsächlich zu einem einheitlichen gemacht werden. ES wurde die fernere Empfehlung gemacht, daß ein jedes der beteiligten Länder den übrigen Län dern allmonatlich eine Lifte der von ihm gewährten Patente, HandelSmar ken und Copyrights zusenden soll. Brasilien verschnupft. RiodeJaneiro, 19. Aug. Die brasilianische Regierung ift gegm Argentinien stark verschnupft und eS mag zu diplomatischen Auseinander setzungen kommm. In Buenos AyreS werden nämlich offiziell Pamphlete vertheilt, welche eine vergleichende Sta tiftik der landwirtschaftlichen und kommerziellen Verhältnisse von Brafi lien und Argentinien enthalten, die stark zu Ungunften Brasiliens aus füllt. Deutschland. Nach der Zusammenkunft mit König Edward. Kassel, 19. Aug. Al der Kaiser Wilhelm II. von Schloß Fried richöhof nach Wilhelmshöhe zurückge kehrt war, hatte er eine längere Be sprechung mit dem Reichskanzler Für ften von Bülow, der von Rorderney zu dem besouderen Zweck fich eingefunden hatte. Dann konferirte der Kaiser mit dem Chef des Geheimen CivilkadinettS, Dr. v. LucanuS, dem Staatssekretär des Aeußem von Tschirschky und dem Chef der Reichskanzlei von Löbell. Außer der soeben stattgehabten Zusam mmkunft deS Kaisers mit KönigEdward bildete hauptsächüch die Kolonialpolitik mit den unerquicklichen Enthüllungen der jüngsten Zeit den Gegenstand der Erörterungen. X)aö wuno erbarste aller Schweine der Erde ist der auf der Insel Celebes heimische Babirusa (Hirscheber), bei dessen Männchen die oberen Eckzähne sich oben durch das Fleisch des Gesichts bohren, um bei der Stirn im Bogen wieder die Haut zu berühren.
Bulgarien.
Beschlüsse gegen die grie chischen Grenelthaten. PhillipopoliS, IS. August. Eine großartige Massenversammlung, an der fich 20,00 Bürger der Stadt und 190 Delegaten von mazedonischen Bereinen aus allen Theilen Bulgariens betheiligten, fand heute hier statt. Re solutionm wurden angenommen, welche gegen die von den Griechen verübten Greuelthaten vroteftirten und welche die Regierung ersuchten, die strenge Durchführung des Artikels 23 des Ber liner Abkommens durchzuführen, um den Status quo auf dem Balkan auf rechtzuerhalten. Brach das Rückgrat ohne e zu wissen. Boston, 19. Aug. Im hiesigen städtischen Hospital liegt ein Fall vor, in welchem ein Unglücklicher erst acht Stunden nach dem Unfall zu dem Be wußtsein gekommen ist. daß er da Rückgrat gebrochen hat. Der Betref sende ift Fredrrick Bahe au South Boston, welcher am Abend nachdem er sein Diner eingenommen, an einem Fenster deö zweiten Stockwerkes ein schlief und auf da Straßenpflafter fiel. Ohne irgend welchen Schmerz zu füh len. ging er wieder hinauf in seine Wohnung und legte fich in der An nähme zu Bett, daß er bei dem Sturz keinen Schaden genommen. Erst am Morgen wurde konftatirt, daß er das Rückgrat gebrochen hat und seine Wiederherftellung ift sehr zweifelhaft. ase-all. American Association. Kansa City, 19. Aug. Kansa City.. 013010100000001 8 Indianapolis .003010102000000 7 Batterien Durham und Leahay; Fisher und Holme. Milwaukee, 19. Aug. Milwaukee....01101110 5 LouiSville 0000 01 000 1 Batterien CurtiS und Roth; Dun kel und Stoner. Mrnneapolis, 19. Aug. MinneapoliS ...1 0100010 3 SolumbuS ...000010000 1 Batterien Thomas und Veager; Berger und Blue. Ct. Paul, 19. Aug. Erstes Spiel. St. Paul 1 601 01 00 9 Toledo 0 10000100 2 Batterien Rodebaugh und Sugden; Chech und Land. Zweites Spiel. St. Paul 50001000 6 Toledo 2 0001000 25 Batterien Slagle und Drill; Far rell und Land. National. Liga. St. Louis, 19. Aug. Erstes Spiel. Ct. LouiS.... 0 0 1 00 00 0 0 1 Philadelphia. ..10400100 06 Batterien Karger, Higgin und Marshall; Richte und Dooin. Zweite? Spiel. Ct. LouiS 20 1 002 5 Philadelphia 0 0 0 0 0 0 4 4 Batterien Beebe und Noonan; Do novan und Duggleby. Chicago, 19. Aug. Chicago 000000 000 0 New York 20000005 7 Batterien Taylor und Kling; Wiltse und BreSnahan. Cincinnati, 19. Aug. ErfteS Spiel. Cincinnati.... 2 01 1 0500 9 Boston 201 01 0000 4 Batterien Ewing und Schlei; Dor ner und Brown. Zweites Spiel. Cincinnati 0000020 2 Boston 0000 103 4 Batterien Hall und Livingfion; Pfeffer und Needham. GedankmsplMer. ES ift besser, die Menschen an fich heran kommen zu lassen, al ihre Gesellschaft zn suche. Da? Leben würde manchem erft recht zur Laft, wenn es ihm seine Laften abnähme. Ter Jugend lächeln die Illusionen, dem Alter grinsen sie. Mancher verheimlicht seine Wohlthaten, um nicht für dumm gehalten zu werden. Die Ansichtskarte ift auch ein gutes Mittel, um mit einer eis recht protzen zu können!
Das ftt itferu, Heute kommen reichlich drei Fünf tel allen Mels. welcher in der Welt georoert wrrl), von demBergwerke im Nordwesten der kanadischen Provwz Ontario, in der Umgegend von Sud bury. Und doch sind eö erft etwa zwanzig Jahre her. daß man überHaupt etwas von diesen Minen wrstz! Das Metall, welches im verflössenen Jahr aus diesen Bergwerken erlangt wurde, hatte allein einen Werth von über 13 Millionen Dollars, oder ungefähr doppelt so viel, wie die Goldproduktion der Aukon-Region im selben Zeitraum betrug. Dies ift wieder ein Beispiel dafür, daß gewohnliche Metalle manchmal größere bergbauliche Sensationen bieten, als Edelmetalle. Uebrigens sind die Nickellager in dieser Gegend, obwohl schon jetzt die größten der Erde, noch keineswegs vollständig in Ausbeutung genommen worden, und man erwartet daher noch erstaunlichere Ergebnisse in der nächsten Lukunft. Aber keinen plötzlichen oder sogleich entschiedenen Erfolg hat der Bergbau hier zu verzeichnen gehabt; vielmehr erzählen noch heute allerlei Ueberbleibsel von einer ganzen Reihe Mißerfolge der ersten Metallsucher, die sich in dieser Region zu schaffen machten. Und was später erzielt wurde, war nur die Frucht monatelangen geduldigen Suchens und Versuchens, unter vielen Strapazen und Entbehrungen, in diesen Wildnissen, welche man seit einigen Jahren auch mit dem Namen Neu-Ontario" bezeichnet und natürlich in inniger Verbindung mit der großen Welt gebracht hat. Wild genug ist es aber hierherum doch noch. Ein Canadier hat diese Mineral schätze zwar zuerst entdeckt; aber es waren Amerikaner aus Ohio. welche sie entwickelten und den Betrieb auch jetzt in der Hauptsache controlliren. Heute sind die Canadier nicht mehr ganz so langsam oder kurzsichtig in der Ausbeutung ihrer eigenen Naturreichthümer. Der Entdecker dieser Minen war ein Ortsrichter Namens McNaughton. Selbiger pflegte einen großen Theil seiner freien Zeit ganz allein im Busch" zu verbringen. Eines Tages war er sogar bei Einbruch der Dunkelheit noch nicht wieder aufgetaucht. Man glaubte, er habe sich verirrt, und zu früher Morgenstunde schon wurden Suchpartien organisirt. Eine derselben fand ihn aus einer kleinen Erhöhung sitzend und in tiefes Nachdenken versunken; er hatte ein gelbliches Metall freigelegt, das ungefähr wie Kupfer aussah, und konnte sich von der Untersuchung desselben gar nicht trennen. Dies war, soweit fich feststellen läßt, die erste Nickel - Entdeckung in Canada überhaupt, und an der Stätte, wo Richter McNarghton saß, wurde später das Murray - Bergwerk angelegt. Bald wurden noch an vielen anderen Stellen Spuren solchen Metalls entdeckt, und die Gegend füllte sich mit Prospektoren. Aber die Cana dier versäumten es nicht, die GelegenVeit am Schöpf zu fassen. Wohl besuchte 1886 eine Partie Canadier, welche eine hervorragende Rolle im politischen und Finanzleben der Dominion spielten, darum Sir John A. MacDonold und Sir Chas. Tupper, diese Feld und sprach auch nicht ungünstig von den Aussichten. Indeß, die Sache war wohl zu neu; Canada hatte biö dahin ja gar keinen Nickel - Bergbau gehabt. Wie dem auch sei, kanadisches Kapital beeilte sich jedenfalls nicht, anzubeißen. Und während noch hin und her verhandelt wurde, gelangten die reichen Minerallager in die Hände Ohio'er Kapitalisten, welche kurz nachher den Distrikt besuchten und sein metallurgifchen Möglichkeiten prompter zu würdigen verstanden. Sie haben schon viele Millionen aus diesen Minen gezogen, und die einzige Spur, welche jener Besuch canadischec Regierungs- und Fmanzherren hintnließ. besteht in dem Namen des Lady MacDonald - Bergwerkes. Paris als utomobitftavt. Ein Pariser Plauderer schildert die Seinestadt als die am weitesten vorangeschrittene in Bezug auf Kraftwagen - Beförderung, wie folgt: Was ist nicht alles auf Automobil, betrieb eingerichtet in Paris? Jedes halbwegs auf sich haltende GeschäftsHaus hat seinen Automobilwaaen. wenn nicht eine ganze Reihe solcher; die Postillons sind längst in Chauffeurlivreen gesteckt, die kranken Hunde und Katzen werden im Automobil abgeholt, die riesigen Kremser sogar, in denen die vergnügungssüchtigen län der zur Besichtiaüng der MerkWürdigkeiten in Paris herumgefahren werden, sind von Motoren getrieben; und nun hat auch für den Omnibus die Stunde geschlagen. Wo eines der unzähligen Lurusautomobile zu Schaden kommt und heirvon telephonisch Mittheilung gemacht wird, rückt ein sonderbares Automobil aus, das, mit Arbeitern und Werkzeugen versehen, ewe Art selbftrollendk Werkftätte ist. Selbstverständlich ist es ferner, daß auch bereits das Rothe Kreuz auf Motorwagen flattert, in. dem nämlich die Herren Automobilfahrn, die bei Unfällen sich verletzen, wie auch andere Kranke oder overa
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tonSbedürftige Personen vermittels der zahlreich bestehenden Automobil Rettungswagen in'S Spital befördert werden. Es gibt fast schon keine anderen Ambulanzen. Mit einem Wort. Paris ist derart zur Auwmobilftadt geworden, wie man es sich nicht hätte träumen lassen. Wn lacht heute nicht, wenn er an die Zeit denkt, in der man Furcht hatte, von den Pferden eines Wagens zerstampft zu werden? Wer kümmert sich jetzt um die Radfahrer, die lange das Publikum in Schrecken setzten und deren Zahl durchaus nicht abge nommen hat im Gegentheil, eben jetzt feierte der Touring-Club" das Anwachsen seiner Mitgliederzahl auf hunderttausend. Es gibt aber noch zehnmal so viel Radfahrer in Paris, die nicht Mitglieder des Vereins sind. Der Automobil Omnibus, der nach und nach auf allen Linien eingeführt werden soll, ift das Automo bil für alle". Ohnedies sollen ja olle, nämlich auch die kleinbürgerlichen Klassen, ihr eigenes Auromobil" erhalten. Die Reichen haben es bereits sämmtlich. Ich hörte es aus dem Munde des Marquiö de Dion, daß in seiner Fabrik keine Automobile über dretßigtausend Franken mehr gemacht werden, wofür aber im Gegentheil darauf hingezielt wird, Motorwagen zum Preise von wemgen tausend Franken herzustellen und auch die Betriebskosten möglichst zu verringern. Nun, nxt sich kernen Renaultquarante chevaux bestellen kann, verschwöre lieber zum Automobil - Omnibus! Kostet sechs, be ziehungsweise drei Sous die Tour. Im Innern hat man einigermaßen die Vorstellung, wie man sich in einem Auto" fühlt. Oben aber ift es fürchterlich! Das heißt, man sitzt ganz schön, und überdies am sicherften da oben, auf dem Dache; aber unheimlich ist es, besonders da man den Wagenlenker yicht sieht, mit welcher ungewohnten Ravidität neuzrtia.e OmnihuZ sich in s Ge wühl stürz:, und' wie Unglaublich rasch er trotz aller Stationen seinen Weg zurücklegt in weniger als einer Vieltelstunde vom Faubourg-St. Germain bis hinter die Butte Montmartre. Der Pferde - Omnibus brauchte die sechsfache Zeit. Ach. er fährt zu schnell, als daß man von der Jmperiale gemächlich allen Leuten in die Fenster gucken könnte. Das war so nett, besonders, wenn an den Fenstern hübsche Frauen weilten! So langsam fuhr der Omnibus; und damit ist's leider bald ganz auö. Aber, wie die Franzosen sehr richtig sagen: man kann nicht alle Welt zufrieden stellen und seinen Vater." Wie man von ver Luft lebt. Die schwere Kunst, von der Luft zu leben, durch welche sogleich die soziale Frage gelöst wäre, haben, wenn auch nicht ganz, so doch annähernd zwei deutsche Professoren ausgebildet, die auf Kabakon, einer kleinen Insel in Bismarck - Archipel in der Südsee, ein höchst einfaches Leben führen und sich nur von Kokosnüssen nähren, blos mit einem Lendenschurz bekleidet sind und sich damit unterhalten, in der See zu sitzen, den Tänzen der Eingeborenen zuzusehen und zu lesen. Ein Engländer, H. M. Robson. der eine Vergnügungöreise r.k& Kabakon gemacht hat, erzählt von dieser gemüthlichen Niederlassung zweier deutscher Gelehrten allerlei in einem englischen Blatt. Die Entdeckung, wie man von de Luft leben kann", hat Professor Engelhart zuerst gemacht, der seit seiner Jugend an einer schweren Krankheit litt und neun Jahre lang in Deutschland es mit einer Diät, bei der er nur ein paar Früchte zu sich nahm, versuchte. Er gelangte aber zu der Ueberzeugung, daß die in Europa zugänglichen Früchte nicht sehr geeignet für eine solche Diät wären und ging daher im Jahre 1901 nach Ceylon. Nach weiteren Experimenten ließ er sich schließlich auf Kabakon nieder, nachdem er herausgefunden hatte, daß die Kokusnuß die ursprüngliche und daher zuträgl'ste Nahrung des Menschen sei. Zu dem Professor gesellte sich dann noch ein College. Dr. A. Bethmann, und nun lebe-: sie beide nur von Kokosnüssen, sodaß sie für ihre Nalzrüng nicht einen Pfennig auszugeben brauchen, und genießen in halkyonischer Behaglichkeit die Freuden der Natur und ver Enthaltsamkeit. Auch Robson hat an der Kokosnuß - Diät theilgenommen und jtch außeroroent-" lich wohl dabei befunden. Die Kokosnüsse sind sehr verschieden von denen, die man bei uns sieht, sie sind frisch und weich und werden mit einem Löffel gegessen wie Butter. Die Swß ist voll füßer, wohlschmeckender Mich und .das ift zugleich das einzige Getränk der beiden vergnüten Asketen. Die Insel ift ein Land ewigen Frühling; sie ist dicht mit iippir Vegetation bedeckt, nur zwei Meilen lang und eine breit, und ein idealer Aufenthalt zur Erhofema und Erouickung. Robson empfiehlt dien Leuten, die Zeit dazu haben, dem Verspiel der beiden Professoren gu folgen. Sie werden gut aufgenom men werden und die einzigen Kosten sind die für die Reise, denn dortselbst .lebt man von der 2nfta
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