Indiana Tribüne, Volume 29, Number 305, Indianapolis, Marion County, 18 August 1906 — Page 3

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Erdbeben

Bcrwüstct die voltteichstc Stadt au der Westküste Süd-Amerika's.

Freche chinesische Banditen. Arbeiter und Soldaten im Handgemenge. Sttenge Maßregeln gegen Stteiker. Der mnthige" Czar gebraucht sein Söhnchen als Schild. Der kleine Peter. Riesen schwindet. Ermäßigter Mehlzoll. Mozart's Gedenken. Amtliches Schweigen.

Chile. Erdbeben verwüstet eine volkreiche Stadt. Valparaiso, 18. Aug. Hef. tige Erdstöße verursachten heute hier und in der Umgebung sehr großen Schaden. Fast jedes Gebäude in der Stadt ist durch das Erdbeben beschädigt und an vielen Stellen in verschie denen Stadttheilen ist Feuer auSge brachen. Die Telegraphenkabel nach den südlichen Ländern Südamerikas find durch die Erdstöße unterbrochen worden und nur ein Kabel nach Liffa bon, Portugal, kann benutzt werden. Der angerichtete Schaden ist ungeheuer groß, aber Menschenleben find, soweit man in Erfahrung bringen konnte, nicht vernichtet worden, jedoch find viele Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Valparaiso ist der befestigte See Hafen von Chile und der wichtigste kommerzielle Hafen an der Westküste von Eüd'Amerika. Die Stadt liegt 75 Meilen weft-nordweftlich von San tiago und hat eine Bevölkerung von ungefähr 150;000 Personm. La Plata Staaten. Unzuverlüßige Nachrich t e n. Buenos AyreS, 17. August. Alle Nachrichten, die hier über das Erdbeben in Chile eintreffen, find nur Muthmaßungen, da alle Telegraphen, kabel außer Ordnung gerathen find. Beamte der Pacific Eisenbahn haben die Nachricht erhalten, daß der in Val paraiso angerichtete Schaden nicht so bedeutend ist, als anfänglich angenom men wurde. Dagegen soll die Stadt Los AndoS, Chile, gänzlich durch das Erdbeben zerstört und mehrere hundert Menschen getödtet worden seien. China. Freche chinesische Ban d i t e n. Harbin, Mandschurei, 17. Aug. Die chinesischen Banditen vollführen mit unglaublicher Frechheit die gewag testen Räubereien und find meiftentheilS auch erfolgreich. Gestern überfielen sie einen russischen Proviantzug, der von zwölf Soldaten begleitet war, tödteten zwei derselben und schlugen die anderen zehn Soldaten in die Flucht, nachdem dieselben meiftenStheilö schwer verwun' det waren. Vor einigen Tagen wurde ein Offizier mit seinem Burscben vor den Thoren der hiesigen Stadt von diesen Banditen ermordet. Eine starke Abtheilung Militär ist ausgeschickt worden, um alle chinesischen Banditen ein zufangen oder zu tödten. Rußland. Arbeiter und Soldaten im Handgemenge. Et. Petersburg, 17. August. In der Vorstadt ttrolepino kam es heute zwischen Arbeitern der Regie rungS'Gewehrfadrik und Soldaten zu großen Ruhestörungen, bei denen etwa hundert Personen auf beiden Seiten sehr schwer verwundet wurden. Sieben Soldaten waren mit einer Anzahl Arbeiter in Streit gera.n, der bald in Thätlichkeiten ausartete. Als die Sol. säten Hülfe bekamen, stürzten Hunderte der Ardeiter aus der Fabrik und halfen ihren Kameraden. Der Kampf wurde mit Steinen, Knüppeln und Ge Wehrkolben ausgefochten, aber es fiel kein Schutz. Strenge Maßregeln gegen S t r e i k e r. Riga, 17. Lug. Der General Gouverneur hat eine Proklamation heute erlaffen, in der er die Streiker benachrichtigt, entweder an die Arbeit zu gehen, oder die Baltischen Brovin zen zu verlassen. Die Anstifter des StraßendahnftreikS sollen sofort ver haftet und prozesfirt werden. Alle streikenden Ardeiter, welche nicht sofort an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, sol len per Polizeischub aus den. Baltischen Provinzen entfernt werden.

Der muthige" Zar ge braucht sein Söhn chen als Schild. St. Petersburg, 17. Aug. Ungeachtet der kürzlichen Schießerei der Soldaten bei den Manövern auf den Großfürsten Nikolaus, weilt der Zar mit seiner Familie und dem größten Theile seines Hofstaates doch seit eini gen Tagen in KraSnoje Selo im Lager der russischen Gardesoldaten. ES find außerordentliche Maßregeln zur Sicher heit der Zarenfamilie getroffen und kein Civilist erhält eine Fahrkarte auf der Bahn nach dem Militärlager, ehe er nicht einen vollen Ausweis über seine Person und sein Vorhaben in KraS noje Selo gegeben hat. Die Bahnfta tion wird außerdem von einer starken Milttärabiheilung stets bewacht. Die heutige Parade der Garde-Regi-menter verlief ohne jeglichen Zwischen fall. Der Zar ritt mit seinem kleinen Söhnchen, den am letzten Samstag zwei Jahre alt gewordenen Thronfolger AleriS, im Arme, ihn gewissermaßen als Schild vor sich haltend, durch die langen Reihen der in Parade aufge stellten Truppen.

Er wurde lebhaft mit Hochrufen be grüßt, aber viele Soldaten lachten überlaut; denn der Anblick, den der Zar mit dem zappelnden und schreienden kleinen Großfürsten auf dem Arme bot, war im höchsten Grade komisch. Der kleine Großfürst erfüllte jedoch sei nen Zweck; denn die Parade verlief für den Zaren gänzlich gefahrlos. Die Zarin fuhr mit der Königin Olga von Griechenland furchtlos durch die Trup penreihen und begrüßte mit großer L ie benSwürdigkeit die verschiedenen aufge stellten Regimenter. Der Zar schien sich sehr unbehaglich zu befinden, denn er war höchst nervös. Die brutale Behandlung, welcye hier einer jungen Dame, Fräulein Smir now, von den Offizieren eines Garde KavallerieRegimentö zu Theil gewor den ist, hat bei der Bevölkerung den größten Unwillen hervorgerufen. Als eine Schwadron dieser Gardereiter gestern eine Straße entlang ritt, machte Fräulein Smirnow die laute Bemer kung: Die find so vergnügt, als Hütten fie Port Arthur zurückerobert". Der Kommandeur der Schwadron gab Be fehl, mit den Reitpeitschen auf die Pas santen einzuhauen. Fräulein Smir noff, die inzwischen in eine Seitenstraße eingebogen war, wurde verfolgt und auf Befehl eine Offizier mit Gewalt in eine Droschke gehoben, welche nach der Kaserne zum Obersten Stenbock ffermor suyr. xu yumose junge Dame wurde dann in den Kasernenhof geschleppt, wo ihr in Gegenwart meh rerer Offiziere von Soldaten 27 Knuten. hiebe verabfolgt wurden. Die Kleider der Unglücklichen wurden von den Drähten der Knuten wie mit scharfen Messern zerschnitten und die Haut von den Schlägen entsetzlich zerfleischt. Die Civilbehörden find von der Rohheit der Soldateska benachrichtigt worden und der Zar wird ebenfalls von dem Vor falle Kenntniß erhalten. Revolutionäre' Hauptauar tier ausgehoben. Moskau, 17. August. Die Be hörden messen der Gefangennahme zahl' reicher Revolutionäre in Moskau und Umgegend während der letzten Tage große Wichtigkeit bei. Sie glauben. daß fie da Hauptquartier der Revo' lutionären Kampforganisation aufge hoben und alle Führer verhaftet haben ES gelang der Polizei nicht bloß die Ge Heimdruckerei zu ermitteln und einen großen Borrath an Bomben und Sprengstoffen, mit Einschluß von SchimosePulver, zu beschlagnahmen, sondern auch die sorgfältig auSgearbei teten Kriegspläne der Revolutionäre in ihre Hand zu bekommen. Lösung deS A g r a r P r o . b l e m s. S t. P e t e r S b u r g, 17. August. Fürst Basfilchikoss, der neue Ackerbau Minister, sagte heute bei seinem Amts antritt in einer Rede an seine Unterge

denen, daS agrarische Problem müffe auf BafiS der Unverletzlichkeit deS Ei' genthumS gelöst werden. Die Regie rung, sagte er, werde den Landhunger der Bauern soweit als möglich durch Verkeilung der Kronländereien. sowie der Güter, deren Eigenthümer zu ver. kaufen Willens find, mit Unte,fiützung deS Schatzamtes und der Bauernban. ken zu befriedigen suchen. Riesenschwindel. TomSk, 17. Aug. Die hier ge führte amtliche Untersuchung der Miß Verwaltung und der Unterschlagungen auf der Sibirischen Bahn während des oftafiatischen Kriege ist ihrem Abschluß nahe. Soweit hat sich herausgestellt, daß 1500 Bahnwagen spurlos der schwunden find und daß der Fiökuö auf einer einzigen Bahnstation um $350, 000 beschwindelt worden ist. Serbien. Der kleine Peter. Belgrad, 17. August. Immer beunruhigender gestalten fich die Ver Hältnisse in Serbien. Der Geist der Revolte gewinnt unter der Armee die Oberhand, und seitens der Regierung find schärfste Vorkehrungen gegen einen beabsichtigten Sturz der jetzigen Dyna ftie getroffen. Ja soweit ging die Re gierung in ihren Vorsichtsmaßregeln, daß fie sämmtliche, über zehn Jahre

dienende Unteroffiziere, weil dieselben vermuthlich zu tief und zu lange in al ten Armee Komplotten stecken könnten, verabschiedete. Brasilien. Ermäßigter Mehlzoll. R i o d e I a n e i r o, 17. August. Brasilien? Ankündigung der Herab, setzung des Zolles auf Zolles amerikani sa)e Mehl hat in Argentinien große Be ftürzung hervorgerufen. Die Depe schen aus Buenos AyceS sagen, Argen tinien treffe Anstalten zur Ermäßigung deS Zolles auf brasilianische Produkte um 20 Procent, in der Hoffnung, von Brasilien einen Zollsatz auf Mehl zu erlangen, welcher die amerikanischen Müller hindert, den brasilianischen Mehlmarkt zu monopslifiren. Weizen und andere Getreidearten, welche zu Brodftoffen benutzt werden, baut auch Argentinien in großem Maßstabe und auch die Mühlenbetriebe dehnen fich be ständig aus, so daß von dem producir ten Mehl bereits ein großer Theil nach Rio de Janeiro und anderen brafiliani schen Hasen exportirt wird. Oefterreich'Ungarn. Mozart'S Gedenken. Wien, 17. Aug. In Salzburg, wo des unsterblichen Mozart Wiege stand, hat das große Mufikfeft seinen Anfang genommen, welches dem Ge denken der 150. Wiederkehr seines Ge burtötageö gewidmet ist. ES ist ver anstaltet von der internationalen Stif tung Mozarteum", und als Protektor fungirt Erzherzog Eugen. Die erste Feftaufführung im Stadt theater brachte Don Juan", der in glänzender Besetzung über die Bühne ging. Einftudirt war das Werk von Frau Lilli Lehmann und den Dingen tenftad führte Revnaldo Hahn von Paris. Ein erlesenes Auditorium füllte das Theater. Mit dem Erzherzog Eugen waren General Musikdirektor Felix Mottl von München, Dr. Carl Muck, erster Hofkapellmeifter von Berlin, und der Pariser Komponist Eamille Saint SaenS zugegen. Sowohl Mottl wie Muck dtrigiren in Feft-Konzerten. Das Mufikfeft erreicht am 20. August fein Ende. Großbritannien. England fordert Auölie f e r u n g. London, 17. Aug. Die Re gierung hat beschlossen, die AuSliefe rung von William Eann, Schatzmeister der Wohlthätigkeit Gesellschaft von Poftangeftellten, welcher kürzlich unter Hinterlassung eines Defizits von $145,. 000 nach den Ver. Staaten verduftete, nachzusuchen. Eann floh nach Texas, wo er im April ermittelt wurde, aber sein jetziger Aufenthaltsort ist unbe kannt. lAmtlicheS Schweigen. London, 17. Aug. Die hiefi gen amtlichen Kreise bewahren Hinsichtlich der Gegenstände, welche etwa zwi schen König Edward und Kaiser Wil Helm bei deren Zusammensein auf Schloß Friedrichshof zur Sprache ka men, tiefes Schweigen. Bis zum letz ten Augenblick wurde nicht einmal zu gegebm, daß Sir Charles Hardinge, der permanente Untersekretür des Aus

würtigen Amts, den König begleiten würde. Er befand fich auf Urlaub außerhalb und mußte diesen unterbre chen. um fich der königlichen Gesellschaft anzuschließen. Seine Anwesenheit bei der Zusammenkunft war für diese von Bedeutung, denn der permanente Un tersekretür ist in Wirklichkeit der Mann, welcher die Auöwürtegen Geschäfte des Landes besorgt. Daß gerade er den

König begleitete, giebt hier zu der Annabme Anlak, hofe di, N,lt,r-n w i iii jpy -w w j V , W Y "yl H zwischen den beiden Monarchen eine weitgreifende war. Deutschland ist augenblicklich in Per fien unmittelbar mehr interesftrt, als irgend ein anderes Land, und man glaubt hier, daß eö auf den Besitz etneS Hafens am Perfischen Meerbusen, als Endpunkt der Bagdadbahn aus ist. Zweifelhafte Depeschen. L o n d o n, 17. Aug. ZMehrere hie fige große GeschüftSfirmen, welche in Balparaiso, Chile, ihre Vertreter ha den. wurden wie folgt benachrichtigt: Starkes Erdbeben. Handel gänzlich unterbrochen. Die Stadt brennt." Nichts Bestimmtes. L o n d o n, 17. Aug. Eine Depe sche um Mitternacht an die Reuter Te legraph Comp. von Buenos AyreS sagt: Die Telegraphenleitung mit Chile ist gänzlich unterbrochen. Santiago und Valparaiso find abgeschnitten. Die Pacific.Kabel können nur von Jquigua gebraucht werden. ES ist sicher, daß ein heftiges Erdbeben in Chile ftattge un den hat. Die Stadt Los Andes scheint am schwersten gelitten zu haben. Dänemark. Besuch deS DänenkönigS. Kopenhagen, 17. Aug. ES wird bekanntgegeben, daß KönigZiFriedrich Anfangs Oktober den deutschen Kaiser besuchen und sich dann nach London zum Besuch König Edwards begeben wird. Deutschland. Barfuß. Tänzer ilninEhe fesseln. Berlin, 17. August. Eine inte ressante Depesche besagt, daß die be kannte amerikanische BarfußTänzerin Jsadora Duncan seit mehreren Wochen in den Sheseffeln schmachtet. Die Dame soll fich mit einem Sohne der bekannten englischen Schauspielerin lEllen Terry verheirathet haben und gegenwärtig irgmdwo in Holland ihre Flitterwo chen verleben. Die Künstlerin, die bekanntlich seit Jahren in Deutschland lebt und hier eine Schule für klassische Tanzkunst er richtet hat, machte in der letzten Zeit viel von fich reden. Sie gerieth wie derholt in thätlichen Konflikt mit Ge richtSvollziehern und prügelte mehrere dieser würdevollen Beamten höchsteigen händig durch. Wegen Widerstands ge gen die Staatsgewalt und Bedrohung vor'S Gericht citirt, erschien fie erst dann, als es ihr paßte. H a m d u r g, 17. Aug. Eine Hamkurzer Exportfirma hat eine Depesche erhalten, daß zahlreiche Distrikte !n Chile theilweise oder vollständig durch das Erdbeben zerstört seien. Balpa raiso soll gänzlich ruinirt sein; viele Schiffe untergegangen und über 100 Personen sollen getödtet und viele hun dert verletzt sein. Argentinien. Allianz mit Schwester r e p u b l i k e n. Buenos AyreS. 17. Aug. Auf dem Bankett, daS Präsident Al corta ihm gab, betheuerte StaatSsekre tär Elihu Root im Verlaufe seiner Rede, baß daS Volk der Ver. Staaten fich der Errungenschaften der Republik Argentinien freue und stets fein Wohl wollen ihr bewahren würde. Keine politische Frage, kein Groll störe das gute Einvernehmen zwischen den beiden Ländern. Getrieben nur von dem Wunsche, das Freundschaftsgefühl wei ter zu entwickeln, verbinde er mit fei nem Besuche keinen anderen Zweck. Der traditionellen Politik der Ver. Staaten widerstrebe eS, Bündnisse ein zugehen. Anders jedoch verhalte es fich mit einer Allianz mit allen Schwe fterrepubliken, welche durch gegenseitige Hülfsbereitschaft der Sache der Frei heit und Gerechtigkeit dienm wollen. RichtSsagendeKabelDe p e s ch e n. N e w Z o r k, 17. Aug. Kurz vor Mitternacht traf eine Kabel Depesche im Bureau der Western Union Tel? graph Co. ein, welche besagt, daß daS Telegraphenamt bis morgen früh um 7 Uhr in Valparaiso, Chile, geschloffen bleibt. Die Depesche enthalt sonst kein Wort der Aufklärung.

Von den Bluthunden. Ihre Heimat!, nd Verwend im Tientt: der Pflanzer. Zu dem äußerst komplizirten großartigen Apparat des modernen Militarismus gehören neuerdings auch sögenannte Kriegshunde." Freilich scheinen fie ziemlich harmloser Art zu sein, dressirt zum Aufsuchen von Verwundeten, zur Unterstützung von Schlldw.chen auf entlegenen Posten, um m Dunkel der Nacht etwa Heranschleichende Feinde rechtzeitig zu wittern, und für ähnliche Zwecke. Auch schon in früheren Jahren hatte man Kriegshunde, aber das waren Bestien der allergefährlichsten Art, nämlich die kubanischen Bluthunde. Auf der Insel Kuba scheint nämlich ihre Rasse ursprünglich entstanden zu sein, und die dortigen Pflanzer brauchten sie zuerst zum Aufspüren flüchtiger Sklaven. Wenn die bösartigen Thiere einen solchen unglücklichen Flüchtling aufspürten und stellten und dieser sich dann nicht ganz regungslos verhielt, bis die menschlichen Verfolger ankamen und ihn festnahmen, so .stürzten sich dic Hunde auf ihn und rissen ihn in Stücke. Zuweilen ließ ein solcher Sklave, wenn er überhaupt eine Waffe besah, in seiner Verzweiflung es auf einen Kamps ankommen, in welchem aber in der Regel die vietbeinigen Bestien Sieger blieben. 'Von Kuba wurden solche Hunde nach anderen westindischen Inseln gebracht, um auch dort ihre unheimlichen Dienste zu leisten, zuerst nach San Domingo und Jamaika, später auch nach dem spanisch-amerikanischen Festlande. Nach Europa gelangten nur einmal kubanische Bluthunde. Bretonische Schiffer brachten im Jahre 1720 einige dieser Thiere nach St. Malo, der alten nordfranzösischen Hafenstadt, wo derzeit Handel, Schifffahrt und zu Kriegszeiten auch Kaperei in höchster Blüthe standen. Viele Diebe trieben aber auch da ihr Wesen und beraubten nächtlicherweile die Waarenspeicher und Magazine am Hafen, plünderten auch zuweilen die Schiffe. Zur besseren Bewachung des Hafens benützte man nun des Nachts die Bluthunde und züchtete Nachwuchs von ihnen. Sie befanden sich unter Aufsicht eines Wärters, der sie einigermaßen zu leiten verstand, und zwar, wie von einem Chronisten gemeldet wird, durch Trompetensignale, deren verschiedene Bedeutung sie angeb lich sehr wohl begriffen. Nachdem einige Schiffsräuber von den Hunden angefallen und unschädlich gemacht worden waren, hörten die Diebereien endlich auf. weil die Spitzbuben sich nicht mehr zur Nachtzeit am Hafen bücken zu lassen wagten. Dre furchter lichen Hunde wurden so berüchtigt in Frankreich, daß damals rn den Ver brecherkreisen die sprichwörtliche Re densart entstand: ..Hüte Dich vor den Hunden von St. Malo!" Das dauerte bis zum Jahre 1770. Da wurde tn einer sturmischen Okto bernacht am Hafen ein hoher Offizier von den Hunden angefallen. Vergebens bemühte er sich, mit seinem Degen sich der Bestien zu erwehren, vergebens un ternahm es der Wärter, ihm zu helfen. denn mit unbegreiflicher Wuth liehen die Hunde von ihrem Opfer Nicht ab, sie zerfleischten den Offizier und zer rissen ihn in Stücke. Nach sch tragt schem Vorfall verzichtete man fortan auf die sonderbare Art von Haftnbewachung, und auf Anordnung der Behörde wurden zu St. Malo sämmtliche 21 großen Wachterhunde erschossen. Neue RekrntirungS-Borschriften. Das Kriegsdepartement hat dieser Tage einen Generalbefehl erlassen, welcher an den Rekrutirungsvorschriften verschiedene wesentliche Veränderungen vornimmt. Fortan wird die Annahnie der Rekruten nicht in den regulären Rekrutirungsbureaus in den Städten und Ortschaften erfolgen, wo sich Agenturen befinden, sondern nach der Zulassung werden die Leute zur Untersuchung seitens der " Armeeärzte nach den Militärposten gesandt werden, ehe sie definitiv angenommen werden. Werden die Leute dort abgewiesen, so erfolgt ihre Rücksendung nach ihrem Wohnort auf Kosten der Bundesregierung. Durch die Neuerung will man dem Uebelstande abhelfen, daß Rekruten kurz nach ihrer Einstellung wegen irgend welcher physischer Mängel entlassen werden müssen. Die Rekrutirungsoffiziere werden auf solche Weise auch nicht mehr pekuniär den angenommenen Rekruten haftbar sein, wenn ein Mann nachträglich dienstuntauglich befunden wird, es sei denn, daß sie sich grober Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Häufigkeit derselben Namen. Es gibt wohl kaum ein Land auf dem europäischen Kontinent, das eine so geringe Anzahl verschiedener Familiennamen aufweist, wie Dänemark. Namentlich sind es einzelne Namen, die ungezählte Male vorkommen und einzeln ganze Spalten, z. B. des Kopenhagener Adreßbuchs, ausfüllen. Wer also etwa an einen Herrn Andersen, Hansen, Jensek, Madsen, Petersen. Rasmussen Dänemarks Hauptstadt zu schreibe r. hat. der thut gut daran, sich der größten Akkuratesse beim Adressiren des Briefs zu befleißigen, da es nicht zu den Seltenheiten gehört, daß in einem größeren Wohnhause Kopenhagens mehrere Familien mit einem der genannten, am meisten vorkommenden Namen wohnen.

Aerzte.

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