Indiana Tribüne, Volume 29, Number 304, Indianapolis, Marion County, 17 August 1906 — Page 7

t Tyrann Ehre 1 X l o xrt a n X cS K. lubowski X

(Fortsetzung.) Ein Blitz der Erkenntniß loderte von den satten Tönen auf der Leinwand in Tarenbergs Herz. Wilde Angst war plötzlich in ihm. Wenn es ihm erginge, wie jenem? Wenn ein Anderer ihm zuvor käme? Da hatte er es ihr denn gesagt. Auch von dem Wartenwollen" und Nochnichtwürdigsein," von seiner Qual und Sehnsucht und von vielem andern, das er jetzt nicht mehr wußte. Ganz allein waren sie gewesen. Die Uebrigen tanzten längst wieder im Saal und tranken Eislimonadcn. Sie hatte ihn lange und fest angesehen, und das schöne, junge Hauvt stumm geneigt. Es war gewesen, als wenn ihr das Glück den Athem nahm. Und dann hatte er sie geküßt! Sie war die erste Frau, die er, außer seiner Mutter, in den Armen gehalten hatte. Nun gehörte sie ihm. Er athmete tief auf und schloß da? Fenster. Einen Augenblick brauchte er noch, um sich in die Wirklichkeit zurecht zu finden dann ging er in sein Schlafzimmer, um das übliche Morgenbad zu nehmen und den Dienstanzug anzulegen. In demselben Augenblick erklang mit schrillem, anhaltendem Läuten die elektrische Nachtglocke. Er wandte sich zum Fenster zurück und sah auf die Straße hinab. 61n Telegramm für Leutnant von Tarenberg schallte es durch die Nacht. Langsam und schwerfällig stieg Hans Weddo die Treppenstufen hinunter, um dem Boten zu öffnen. In seinen Gliedern war ein sonderbares Zittern und an der Stelle, wo sein Herz lag, ein Gefühl, als wenn eine eiskalte Hand das Feuer des Glückes auslöschte. Auf dem Tisch mit den leeren Gläsern und der Schale grauweißer Cigarrenasche lag jetzt die geöffnete Depesche. Taren berg hielt die Augen starr auf das Blatt gerichtet, ohne fernen Inhalt recht zu begreifen. Er berührte ihn wie ein Klang, der viel zu unwahrscheinlich tönt, als daß man seinen Worten glauben könnte. Kommen Sie sofort. Ihrer Mutter geht es sehr schlecht. Dr. Manke

2. K a p i t e l. ls er ihn endlich erfaßte, hatte "I er die nämliche Empfindung ' wie damals, als blutjunger Fähnrich. Seine Batterie war zum ersten mal in dem Jahr zum Scharfschießen ausgerückt. Ihm fehlte noch die reckte Vorstellung von der AbWicklung des Ganzen. Ent wenig neugierig und ein gut theil sorglos versah er seinen Posten als Geschützführer. Da war es losgegangen. Donnernd polternd krachend! Wie eine Faust, die ihm hart in's Genick fuhr, den Athem verlegte und in sein Gehirn den Widerhall des Schusses hineinschlug, er hatte sich kaum auf sich selbst zu besinnen vermocht. Sein: Direktion und sein Wille waren geschwunden. Heute begegnete ihm das gleiche. Die Erinnerung an seinen Vater war allmälig verblaßt. Er war damals ein scheuer ängstlicher Junge gewesen, als sie ihn an das Sterbebett führten.

Seine Kindheit wurzelte einzig in der Mutter. Durch sie wurde er seelisch

und körperlich zu einem starken, gesun

den Manne, der vor allem Unreinen

ein Ekelgefühl empfand. Sie umfaßte für ihn. bis er Adda kennen lernte, all

das. was man unter Keuschheit und Frauenwürde versteht. Und das wollte

man ihm nehmen, einfach fortschicken

aus seinem Leben. Er mußte sich doch

dagegen wehren Widerstand leisten

kämpfen!

Der dumpfe Druck wich von seinen

Schläfen und sein starrer SIü? würd: klar und zielbewußt. Er sprang auf

und drückte auf den Knopf der elektri

schen Klingel, die zu des Burschen Schlafkammer führte. Dann ging er zum Schreibtisch. Wenige Minuten später war das Gesuch um Urlaub zu Papier gebracht. Für alle Fälle erbat

er acht Tage. Nun legte er das Tele

gramm hinein und versah das Schreiven mit dem Umschlag. An den Regimentskommandeur Herrn Oberst von

Wachenhusen." Das waren schon toi?

der die alten sicheren, steifen Buckstaben, die eckig und trotzig, wie tn

unbeugsamer Wille, anmutheten. Nun

noch eine kurze Nachricht an Adda! Er

fann nach. An diesen Fall hatte cr vo:

nfftm rnsfi mrfi hntrr fnnnim

. . V " r . . I . l . Oberst kannte seine Handschrift genau

Es war nicht ausgeschlossen, daß er durch irgend einen Zufall den an sein: Tochter gerichteten Brief in Emvfan nahm. Die Folge davon würde ein Fragen. Verleugnen und Erfinden die Antwort sein müssen. Das widerstrebte seiner geraden Natur. Sie hatten beschlossen, alle Zeichen, die ein ösfentlicher Brautstand in Anspruch nahm, zu vermeiden. Dar war die Erledigung wichtiger Mittheilungen durch den schriftlichen Verkehr gar nicht von ihnen in Betracht gezogen. Er würde am besten an Jürgen den Brief richten und eine Einlage für Adda hineinlegen.

j Als er auch damit fertig war, kam sein

Bursche herein. Seme Stimme tlang

ganz rubig, als er ihm die nöthigen

Befehle für die Reisevorberenungeu gab, so daß ihr auch ein feineres Ohr alZ das des treuherzigen Schlesiers

nicht mebr die gehabte Aufregung an-

hören hätte können. Stümecke nahm

die Hacken zusammen und verschwand, während Tarenberg das wenige er-

le.te, was ihm noch zu thun übng

blieb.

Nun saß cr im D-Zuge und dampfte

dem Heimaihsgut Hohcn-Litzen entcr.tn, das seine Mutier nach des Va-

terö Toe und dem Verkauf der leiden Nebengüter, als Wittwensitz zurück be-

halten litte. Es stellte sich dabei beraus. daß der Todte den Werth seines seit huoert Jabren in der Familie ge-

weiencn Grundoeues viel zu niedrig veran'.'-,':t hatte. Zweimalhundert-

taufend Mark waren allein beim Ver-

kauf b'rausc?ekommen und die gleiche

Buvr.t reprasentirt? der Werth von

H-n. Der Vater selbst schätzte

sem ge.ammtes Vermögen nur auf

circa dreimalhunderttausend Mark

insgesammt ein. Tarenl'ergs Gedan-

ken kraipften sich verzweifelt an diesen nüchternen Zahlen fest. Er wollte nicht

an den Zweck der ahrt und an die

blasse Mutter denken. Um ihrer Ruhe willen, mutzte er stark sein. Er zwang

seine Gedanken in die Kindheit zurück,

wie sonderbar eigentlich, daß sie ihm

so wenig vom Vater gesprochen hatte.

Bei seiner Großjähriakeit erfuhr er aus

ihrem Munde die Höhe des Vermögens

und die nothwendigen Aufklarungen

über die Anlage des Kapitals, wie sie

bei solchem Lebensabschnitt jedem er-

wachsenen Wenn zu theil werden. Das.

wa) sonst dem erwachsenen Sohn als bleibende Erinnerung an den todten Vater gegeben werden mag, war ihm nicht geworden. Er dachte heute zum ersten mal über das warum nicht" nacb. In dieser Stunde, in der er um

das Leren deriemqen, die seme Kind-

heit bebütet und seine Männlichkeit rein

erhalten hatte, bangte, sehnte er sich

nach seinem Vater.

Und immer noch raste der Zua weiter? Die Minuten wurden ibm zu Swnden. die Stunden jfl quälenden Er?ia!eiten, die in seinem Hirn brenner:s.' Glutben entzündeten. Endlich kam die sechste Stunde der ?c!pr und mit ibr die Endstation Raain, an der irrn der Hohen-Jitzencr Schlitten erwarten würde. Von dem Fenster seine? Abtbeils aus sah er bereits das leicht? Eefabri. deen feine, mit Goldlernen versierte Täfelung bell im Sonnenfckein aufleuchtete. Au? dem Bock salz kerzengerade der alte Johann, fast veraraben in dem zottigen Fuchspelz. Ohne sich zu rübren, saß er da. die Augen starr auf die Trakehner gerichtet. Mit einem Satz sprang Tarenberg heraus und überließ dem Diener die Besorgung des Gepäcks. Er stürzte auf den Schlitten zu und faßte den Alten, der seit fechsundzwanzig Jahren in Tarenberg'schen Diensien stand, hart am Arm. Johann, wie geht es meiner Mut-ter?"

E soll heilte besser sein, gnädiger

Herr!"

Sprichst Tu die Wahrheit, Alter?" Zu Befehl. Doktor Manke hat es

gesagt." Und was meinst Du. Johann?"

Der Wh verzog keine Miene. Der lanäbrige Drill hielt ihn scharf im

Zaum. Sein glattrairtes Gesicht sah

unben-e-Iich in die Weite.

..Hast Du meine Mutter in den letz-

ten Tagen geihen. Alter." begann Ta-

renberg von neuem zu fragen. Es lag ein erschütternder Ausdruck der Qual und Angst in seinen Auaen. die dem Mann, der seinen jungen gnädigen

Herrn von Kindesbeinen an kannte,

an's Herz griff.

Zu Befehl, gestern." sagte er leise und die Leine in seiner Hand zuckte da-

bei. Die starke Hand krallte sich

förmlich in seinen Aerme! hinein!

Und wie sah sie da aus? So sprich doch, ließ sie Dich

rufen?"

.New. Ick habe sie und ihr Bett in da5 hol-e Thurmzimmer tragen hel-

fen. in dem die viele Sonne ist." ..Und tofe fandst Du sie?"

Da sank das steife Haupt de? Alten tief auf die Brust herab und ein ver-

grämtet, schmerzvolles Gesicht sah Ta

renbcrg an. Die Maske ließ sich nicht

länger festbalten. Zwei helle Thränen

rannen in den Fuchspelz.

Da wußte Hans Weddo. daß es

todernst stand. Er sprang auf den $od

und nahm dem A!t:n die Leine aus

den Hied?n. Dann ging d'e ??ab,r:

los. So haftig und vorbereiwnslos.

daß dem junz?n Diener nichts anderes übrig blieb, als auf die Sammetpolster

des Fond zu springen.

Die Schwarten gaben ibr Bc'tes.

Die Hnfk klappten in rasendem Takt auf der glatten Barn. ES war wie

ein einziger dunkler Strich in der licht-

erfüllten Winteriust. so oft sich die

schlanken Beine hoben und senkten. Ter

alte eobann saß wieder aufrecht und

gcraoe neven seinem jungen Herrn unc

hatte hie Maske angethan. Er hatte vor sechsundzwanzig Jahren di selbe Strecke in einer Stunde geschafft, da-

mals als der, der sie heute in fünfzig

Minuten fahren wurde, gedoren wer

den sollte. Fahr' ?u, Johann, und

wenn die Biester gleich dabei kapu:

gehen," hatte sein damaliger Herr be-

fohlen, sie brauchen blos sv lange aus

zuhalten, bis Du den Professor hierher

gebracht hast." Und sie hatten ausge

halten! Die blauen Striemen um dic

Handgelenke, um die er sich zuletzt die Leinen geschlungen hatte, weil die Hände das wilde Rasseölut nicht mehr zu bändigen vermochten, waren noch zu seben gewesen, als der Junge den ersten Schrei ton sich gab. Er hatte hundert Thaler von seinem Herrn gekriegt und sie hatten ihm gesagt, daß er der sckönen gnädigen Frau das Leben gerettet habe, denn es hätte keine Viertelstunde mehr dauern dürfen. Die Fahrt heute würde sie nicht mehr retten. Das wußte er genau! Nun war Hans Weddo vcn Tarenberg bei seiner Mutter. Er kniete an ihrem Bett und hatte den Kopf auf ihe schmalen, durchsichtigen Hände gelegt! Sie sollte seine Thränen nicht seben. Aber Mutterliebe bedarf der Augen nicht. Sie fühlt mit der Tiefe und Stärke jener unaussprechlichen Zartheit, die in der Seele ihres Kindes zu Hause ist. Noch bin ich ja bei Dir." tröstete sie leise. Vorläufig zwinge ich den Tod noch so lange, bis ich Dir gesagt habe, was gesagt werden muß." Tu sollst nicht sprechen. Mutier. Komm, ich trage Dich in den großen Lehnstuhl, dicht an's Fenster, damii Tu in die Sonne stehst! Du hast sie immer so sehr geliebt." Ach ja mein Kind. Ti? Sonne! Es ist mancher da, der sie sucht, ohne doch ihr Licht vertragen U können."

Still. Mutter. Ich will Dir erzäb-

len. Du sollst Dich doch ganz ruhig

verhalten."

Sie lächelte. Laß das jetzt. Hans Weddo! Wer.

wie ich. vor dem dunklen Abhang steht,, der kennt das Wort .Sollen' nicht

mehr! Er will nur noch. Ich will auch. Du bist so lange mein Kind, mein beschütztes und behütetes Kleinod gewesen, fortan sollst Du mein Beschützer sein!"

Hat das. was Du mir zu sagen

hast, nicht Zeit bis morgen, mein Mut-

ting?"

Nein, es hat schon viel zu lange Zen

gehabt. Es ist sehr lang und sehr traurig. Ich muß damit beginnen, so

lange die Sonne noch scheint. Sonst

fürchtest Du Dich zu sehr vor all dem Dunkel."

Ta stand er auf und setzte sich zu

ihr auf den Rand des mächtigen Himmelbettcs. Ten rechten Arm schob er unter ihr Haupt, das die Fülle der schweren Flechten kaum mehr zu tragen vermochte. Sie sah ihn mit ihren ernsten, wunderschönen Augen bittend an.

Nimm Deinen Arm fort, mein

Junge. Es ist besser so für uns beide.

Ich könnte es nicht ertragen, wenn Tu

ihn mir entzögest, nachdem Du weißt. Und nun höre mich an. Ich muh weit

zurückgreifen, damit Du alles verstehst.

Meine Eltern starben, als ich zwei

Jahre zählte. Ich fand im Hause mei-

nes Onkels, des Mazors von Wittgenstein, einen Unterschlupf. Es ist ein

häßliches, hartes Wort, das ich damit für meine Aufnahme gebrauche. Aber

es entspricht dem, was ich dort empfing. Ich habe die Bedeutung des

Wortes ,Armuth' täglich, stündlich er

klären hören. Mit heimlichen Thränen und offenem Grollen, mit ohnmächtiger

Wuth gegen das Schicksal und grau

same Härte. Ich habe ein Grauen vor jener Welt des Scheins mit ihrer endlosen Lüge mitbekommen. Und doch

fiel meine L:ebe auf emen Mann, wel

cher derselben Welt entstammte. Er liebte mich auch. Und das war das

Bitterste und zugleich das Schönste

Wir saßen beide im Paradies des ersten goldenen Traumes und spannen die

Faden der Hoffnung. Aber sie warer,

zu spinnwebenfein, um halten zu kön-

nen. Sie mußten zerreißen. Wir waren ja beide so arm. Ta kam Dein

Vater zum ersten ma! in des Onkels

Haus. Bald kam er täglich. Und nicht lange, dann warb er um mich. Ich

wehrte mich wild. Ich liebte den An

dcrn zu tief. Es half mir nichts. Ter

Onkel drohte mich aus dem Hause zu jagen, wenn ich mich noch länger widersetzte, und wo hätte ich dann bin

sollen? Ich hatte ja nichts gelernt, um

mir ein Stuck Brot verdienen zu kon nen. Und doch blieb ich noch stark

Ich wandte mich an Deinen Vater, an

seine Gromuth und Barmherzigkeit?

Ich habe vor ihm auf den Kmeen et

legen. Aber er hat nicht abgelassen

von mir. Er hat mich aufgehoben und

getroizet! Und als die Kraft meine

Widerstands gebrochen war, wurde ick

sein Weib! Er ist immer gut und nach-

sichtig zu mir gewesen und ich babe kein

schlechtes Leben an seiner Seite gehabt

Nur ein innerlich armes. Ich iict:

den Andern immer noch. Begegnet bin

ich ihm in der Zeit unserer Ehe nicht

Ta' babe ich meinem Herrgott in hei-

ßem Gebet abgerungen. Nach zire Jahren unserer Ehe wurdest Du gebo ren. Ich war dadurch viel ruhiger ge

worden, beinahe glücklich. Als ick

dann nach einiger Zeit hörte, daß auch

er sich verbeiralhet habe, bin ich es

wirklich gewesen, so lange, bis nach

vier Jahren seine Frau tta.ro. a vegann mein altes Leid wieder! Dein

Vater hat seines Namens vor Mir nie

mals Erwähnung gethan, und doch

stand er hindernd zwischen uns. Die

Vergangenheit schlief, und dennoch

zehrte sie an ihm. Als sie ihn mir an

jenem Ungluäsabend vom Jagddiner

beim Grasen Ellernbnnk, vom Schlag fluß gerührt, nach Hause brachten, ha

ben mir die Fieberreden der nachfolgenden Nacht von seinem seelischen Leiden

erzählt. Am nächsten Tage ft er

Es war an meinem achtundzwanzigsten

eounstag.

Wenige Tage nach seiner Beisetzung

ging ich mit Dir auf Reisen. Justizrath Brankmann erbielt eine General-

vollmacht für die Erledigung meiner

gesummten Angelegenheiten. Ich habe

niemals etwas von Geschäften verstan

den und war froh, einem alten be-

währten Freunde das alles übertragen

zu können. Bald nach der TestamentsVollstreckung ging mir die Mittheilung zu. daß die Abschrift in Brankmannö

Hauz zu meiner Einsicht bereit läge. Nach acht Monaten kehrte ich wieder

nach Hohen-Litzen zurück. Tu kamst

in Pension. Meine Mutterliebe brachte

Teinem Jugendrecht dies Opfer mit

heißen Thränen. Tu solltest im Krei,e

von Altersgenossen aufwachsen.

Kurz nachher begegnete ich ihm. dem

mein Herz immer noch gehörte. Ich

habe wieder mit mir gerungen und ge-

ämvft. ebenso heiß wie damals. Nur

viel bewußter und ernster. Es half

nichts. Die alte Liebe, die auch in seinen Augen stand.schrie um ihr Recht.

Bls da Trauerjahr zu Ende war.

habe ich mich noch gegen sie auflehnen

können. Und auch dann noch blieb ick

schwankend. Ich wollte Dir keinen

Stiesoater geben. Er aber hat mir das Jawort" abgezwungen. Weniae 2öoc?cn später sollte unsere Hochzeit sein.

Torher begab ich mich zu meinem

Freund und Rechtsbeistand. Ich wollte

nunmehr endlich meine Vermögenslage

mit ihm erörtern und Einsicht in das

Testament nehmen! Nun kam das

Ungeahnte das Schreckliche."

Ein Schauder flog jetzt durch Frau

von Tarenbergs Körper. Ihre Hände

griffen wild in der Luft umher. Die

Fieberröthe auf ihren Wangen und der

leuchtende Glanz der Augen wurde von

der qualvollen Erinnerung ausgelöscht! Keuchend und stoßweise ging der Athem von ihren Lippen. Das war einer jener

Krampfanfälle, vor deren Wiederkehr

Doktor Manke zitterte. Hans Weddo

hob die Mutter in feinen starken Armen empor und gab ihrem Oberkörver

eine erhöhte Lage. Endlich glättete sich

der verzerrte Ausdruck ihres Gerichts

und das Blut begann langsam unter der durchsichtigen Haut zu pulsiren.

Höre auf, Mutter, flehte Hans

Weddo in Todesangst.

Sie schüttelte matt den Kopf. Ich bin nun ja bald am

Ende. Wo war ich stehen geblieben''

Ach so das Testament. Hier un-

ter meinem Kopfkissen ruht es schon zehn Tage, damit es zum Lesen bereit

wäre, wenn ich Dich rufen mußte. Lies es, mein Kind!"

Hans Weddo faltete den großen, et.

was vergilbten Bogen auseinander und überflog dert Inhalt mit den Augen:

Schlon Hohen-Litzen. d. 1. Dezember 1886. Ich bestimme: . Mein gesummtes Vermögen bestehend aus dem Hauptgut HohenLitzen und den Nebengütern Tratten und Linde fällt zu gleichen Theilen meiner Ehefrau Hildegard geb. von Keltern und meinem rechtmäßigen Sohn Hans Weddo zu. Die Güter Tratten und Linde sollen nach meinem Ableben verkauft werden. Sie haben kalten, moorigen Boden und rentiren sich nicht. Hohen-Litzen soll der Familie erhalten bleiben. Jw Falle mein Sohn vor seiner Mutter sterben sollte und meine Schwester Agnes verehel. Gräfin Beeskow oder deren Kinde? am Leben sind, bestimme ich, daß einhunderttausend Mark an diese fallen. Ueberlebt mein Sobn seine Mutter, so soll er den uneingeschränkten Besitz meines ganzen Vermögens haben. Geht meine Ebefrau nach meinem Tode eine neue Ehe ein. so follen die eben zum Ausdruei gebrach! en Bestimmungen Platz ergrei fen. Ausgenommen sie heiratbet den (hier war ein Name sorgfältig ausgekraut). In diesem Falle setze ich meinen Sohn auf das Pflichttheil und meine Ehefrau enterbe ich. Sie kann hiergegen den Schutz des Gerichts anrufen. Das übriae Vermögen fällt

dann sofort meiner Schwester zu oder

deren Erben. Ich weiß, daß ich damit fehr hart

bin. Aber ich will es auch sein. Ich

habe zu viel in der Ehe unter diesem Mann aelitten. als daß ich ihm ein

Glück gönnen könnte. Ich weiß, daß sie ihm nicht begegnet ist. Aber wenn es so

gewesen wäre dann weiß ich auev

daß ich abseits bei dem Mahl, das für

mich bereitet wurde, stehen und hun oern hätte müssen. Sie hat nicht auf

gehört an ihn zu denken. Und dafür will ich mich rächen. Ebenso für all

das. was ich entbehren mußte und ge-

litten babe. trotz ihres Besitzes:

Mit meiner Verfügung apvellire ich

an die Mutterliebe, die dem Sohn Das

iticht nehmen wird, was ihm von Got tes und Rechts wegen zukommt. Ta mit boffe ich sie zu zwingen.

Wenn mein Sohn dereinst zum

Manne gereift sein und hiervon Kennt

niß erlangen wird, versteht er mich

sicher iii diesem Gefühl des Hasses.

zuerzetven wirö er nm erst dann voll

ständig können, wenn er eine Frau sindet. die er mehr liebt wie sein Leben und seine Seligkeit die ihm gehört

und doch nicht mit dem Innersten sein

ist. Tatz er vor diesem .erzeiyenmuisen' bewahrt bleiben möge, ist das Ein-

zige. was ich jemals von meinem Goti

erbeten habe. Gezeichnet

Eckehart Freiher v. Tarenberg.

Gisenbuim - 7 anspürn.

vandalia lme.

Abgang St. LoniS Spcl., tägl ed.. 1 508m Kapital Expreß tägl d . 7 053m St Soui Ac tägl ... 7 3035m Effingham Acc, nur Sonnt. . 7 3093m Ät olliß 8im täglich d fc bl0 3023m Eh St S Skpreß täglich du.it o9tm St Lom, Expreß tägl . . 3 15 THäc Effinghsm Aec tägl. 4 00 Nm St ö Faft Mail täglich . . 8 10 St Louiö Special täglich ..11 3692m

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(Fortsetzung folgt.)

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Chicago, Indianapolis & lonisville R7. lNonon Route.) Abgang Nnknnst Ehie ight Expreß tägl .... 2 48 Eincinnati Best tägl ....... 4 12V Fast Mail täglich 7 00 Fa Mail täglich 7 60V Ehi Expreß, nnr Sonpck..11 60V VtononAee, 9 00 Eh; Sc Mich Eity Best dp.. I 25 Eincinnati Veft täglich dp. 4 52 Mosou See 5 15 Via H. k D. y., (West) nb sa chdale Tbieags Expreß p 11 50V Eincinnati Expreß p.. 2 Sv

Indianapolis & Southern R y. Mixed 8 00 Mixed 5 20N Bloomington Accom., c tügl 4 50 Indianapolis Accom., c tgl.10 00Bm

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