Indiana Tribüne, Volume 29, Number 302, Indianapolis, Marion County, 15 August 1906 — Page 3
Jndianck Tibüne. RS. August 1906
Welthistorische
Begegnung von Wilhelm und Edward findet heute statt. Ter Czar ein gebrochener Mann. Päpftliche Befehle an Frankreich's Klerisei. Tentsch-Amerikanischer Zeitungsmann beim Kaiser. Eingeborene noch immer feindselig. Viele Menschenleben vernichtet. Gesetz gegen Ruffen-Einwandernng verschärst. Goldene Hochzeit. Staatssekretär Root großartig empfangen.
Teutschland. Erwartet seinen Onkel König Edward. C r o m b e r g , 14. Aug. Kaiser Wilhelm kam heute Abend auf Schloß Friedrichhof an und wurde von dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Heffen-Naffau und demKronPrinzen und der Kronprinzessin von Griechenland empfangen. In der Be gleitung des Kaisers befand sich em großer Hofstaat, darunter Graf Eulen bürg und der preußische Gesandte, FreiHerr von Jenisch und der StaatSsekre tür von Heffen Darmftadt , von Tschirschky. König Edward von England wird morgen früh um 8.45 von Frankfurt a. M. kommend, hier eintreffen. Sir Frank LaScelleS, Britischer Botschafter in Deutschland, und der GeneralKon sul Oppenheimer werden sich in der Begleitung des Königs befinden. Kaiser Wilhelm wird König Edward am Bahnhofe begrüßen und dann nach dem Schloß begleiten, wo ein Frühstück servirt wird. Beide Majestäten werden die Nacht von Mittwoch auf Donners tag im Schlöffe verweilen. Gesetz gegen RusseN'Ein Wanderung verschärft. Thorn, 14. Aug. Durch einen soeben erlaffenen Befehl deö preußifchen Ministeriums sind die Gesetze ge gen die russische Einwanderung an der russisch polnischen Grenze verschürft worden. Alle russischen Einwanderer, welche die preußische Grenze überschrei' ten. müffen einen Paß haben und außerdem müssen alle erwachsene.! EinWanderer $100 und Minderjährige wenigftenS $75 in ihrem Besitz haben, widrigenfalls sie sofort über die rufst sche Grenze zurück tranSportirt werden. Deuts chA merikanischer Zei tungsmann beim Kaiser. K a s s e l. 14. Aug. Nachdem Herr Herrmann Ridder, Geschäftsführer der New Yorker-StaatSzeitung. schon am Sonntag zur Audienz beim Kaiser Wilhelm 11. erschienen war, erhielt er heute nochmolö eine Einladung und hatte mit dem Kaiser eine längere Un terhaltung. Der Kaiser interessirte sich lebhaft für AlleS. war auf die Ver. Staaten Bezug hatte und äußerte, es fei sein Wunsch daS amerikanische Volk und seinen Präsidenten Roosevelt, dem er die höchste Achtung zollte, persönlich kennen zu lernen. Ferner sagte er zu Herrn Ridder, daß er AlleS waS in seinen Kräften stehe, thun wird, um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen aufrechtzuerhalten. Die erste Ausfahrt. Potsdam. 14. Aug. Die Krön Prinzessin fuhr heute mit ihrem Söhn chen zum ersten Male aus und wurde von der Bevölkerung auf das Wärmste begrüßt. Allgemein fiel ihr treffliches Aussehen auf. Die ihr dargebrachten Ovationen nahm sie mit herzgewinnender Freundlichkeit und fichtlich hoher Befriedigung entgegen. Die Zahl der Taufpathen deS Kronprinzensohnes wird eine sehr stattliche sein. Außer dem Kaiser Franz Joseph, dem König Edward und dem Zaren, welche be reitö namhaft gemacht wurden, werden noch König Viktor Emanuel und König Haakon von Norwegen zu den Pathen gehören, außerdem zahlreiche andere Monarchen und Fürsten, welche zum Hofe in mehr oder weniger nahen ver wandtfchaftlichen Beziehungen stehen. Hätte der Kronprinz selbst bei seiner am 11. Juni 1332 vollzogenen Taufe nicht weniger als einunddreißig Pathen, so dürfte sein Söhnchen deren noch mehr aufzuweisen haben. Fürftenvathen alS Para. d e g ä ft e. B e r l i n, 14. August. Der Kaiser hat den ersten September als den Tag. an welchem die diesjährige Herbftpa. rade des Gardekorps auf dem Tempel hofer Felde stattfinden soll, festgesetzt. Bietet die Parade der Elitetruppen deS preußischen Heeres schon unter gewöhn lichen Verhältnissen ein überaus glän
zendeS militärisches Schauspiel, so wird dies heuer noch viel mehr der Fall sein. Die Veranlassung hierzu ist die bevorstehende Taufe des KronprinzensohneS am 29. August. Auf besonders Einladung deS Kaisers werden nämlich alleFürftlichkeiten undVertreter fremder Regierungen, welche aus Anlaß dieses Ereignisses in der ReichShauptftadt weilen werden, an der Parade theilnehmen. Der Kolonial Skandal. Berlin, 14. August. Die unab. hängige Presse läßt in ihren Angriffen gegen den preußischen Landwirth schaftSminifter, Generalleutnant z. D. von PodbielSki, aus Anlaß von dessen Verbindung mit der in den Kolonial fkandal verwickelten Firma von Tip pelSkirche & Co. nicht locker. Die Er. klärung deS Ministers, daß er vor seiner am 1. Juli 1897 erfolgten Er Nennung zum Staatssekretär des ReichsPostamts sowohl dem Kaiser wie dem damaligen Reichskanzler Fürsten Hohenlohe seine Beziehungen zu der ge nannten Firma in vollcm Umfang dar gelegt und keiner von seiden in diesem Verhältniß ein Hinderniß gegen die Uebernahme des ReichSpoftamtS seinerseitS erblickt hätte, hat die erhoffte b? fchwichtigende Wirkung nicht gehabt. Im Segentheil, die Blätter weisen darauf hin, daß damals, vor neun Iah ren, niemand die Entwicklung der Dinge vorauszusehen im Stande gewe sen wäre. Auch bezeichnen sie sein Verkriechen in der unliebsamen Affaire hin ter eine höhere Autorität als unwürdig und ungerechtfertigt. Die gerichtlichen Erhebungen in dem Kolonialfkandal nehmen inzwischen ih ren Fortgang. Der UntersuchungSrich ter, welcher mit der Führung der Un tersuchung gegen den Major Fischer betraut ist, hat jetzt seine Aufmerksamkeit der Firma v. TippelSkirch & Eo. zugewendet. Er ist im Bureau der Firma erschienen und hat deren Bücher beschlagnahmt, worauf er diese vereidig ten Bücherrevisoren zur Untersuchung übergab. GoldeneHochzeit. C a r l S r u h e, 14. Aug. Mit reger Theilnahme sieht man in weitesten Krei sen in Deutschland den bevorstehenden Festlichkeiten anläßlich der goldenen Hochzeit deö badischen GroßherzogspaarS (am 20 September) entgegen. Allgemeine Genugthuung erregt die Kunde, daß dem Großherzog und seiner Gemahlin der längere Kuraufent halt zu Sankt Moritz im schweizerischen Kanton Graudünden, vortrefflich bekommen ist. so daß Beide für die un vermeidlichen Strapazen, welche die mehrwöchentlichen JubiläumSfefie mit sich bringen werden, gestärkt und gewappnet find. Nach einer Meldung bereitet die Regierung einen Amneftie-Erlaß vor, der bei den festlichen Ereignissen verkündet werden soll. Großherzog Friedrich von Baden, geb. am 9. September 1826 zu Karlsruhe, ist seit dem 20. September 1856 mit der Prinzessin Luise von Preußen (geb. 3. Dezember 1838), einer Tochter Kaiser Wilhelm deS Großen vermählt. Rußland. Der Ezar ein gebrochener Mann. St. Petersburg, 14. Aug. Trotzdem die Revolutionäre erst kürzlich durch das gänzliche Versagen deö von ihnen anbefohlenen Generalstreiks im ganzen russischen Reiche eine große Schlappe erhalten haben, find sie doch zuversichtlicher denn je und erklären, daß die allgemeine Erhebung deö ruf fischen Volke sofort nach der Ernte, also ungefähr im Monat October, be ginnen werde. Die Rothe Garde" in Finnland fabrizirt angeblich mit fieber haftem Eifer Dynamitbomben, und Waffen werden beständig in großen Mengen nach Finnland eingeschmug. gelt. In kurzer Zeit hoffen die Revolutionäre eine Armee von 60. 000 Mann kampfbereit auf den Beinen zu haben, wenn der entscheidende Schlag
gegen die Regierung geführt werden soll. Diese finnländische revolutionäre Armee soll sich zunächst der Peter und
'Paulöfeftung bei St. Petersburg bel mächtigen und mit derselben soll die fluchbeladene Dynastie Romanoff fallen. Wie aus Hofkreisen nach und nach an die Oeffentlichkeit kommt, ist der Czar dem völligen Zusammenbruch nahe. Er soll beständig vor der Rc volution und dem Tode zittern und in folge der fortwährenden Aufregung soll er an fast gänzlicher Schlaflosigkeit leiden. Oft erhebt er sich in der Nacht von seinem Lager in Schloß Peterhof und telephonirt an den General Tre poff. Erst wenn er von demselben die Versicherung erhält, daß AlleS ruhig in der Hauptstadt sei, legt er sich wieder in sein Bett. Noch größere Angst als vor den Revolutionären soll der Czar vor seiner Umgebung und der reaktiv nüren Hofkamarilla haben, die ihn mit allen möglichen Mitteln einzuschüchtern versuchen. Die einzige Persönlichkeit am rusfi schen Hofe, die Zutrauen und festes Auftreten zeigt, ist Premierminister Stolypin. Dieser ist zuversichtlich, daß es ihm gelingen wird, die nächsten Wahlen imFrühjahr zu kontrolliren und daß eine Mehrheit der liberalen RegierungSkandidaten gewählt werden wird. In allen Provinzen, in welchen die Radikalen und Revolutionäre die Ober Hand haben dürften, sollen kurz vor den Wahlen geoße Truppenmassen konzentrirt werden, um die umftürzlerischen Volkselemente, wenn nöthig, mit Ge walt niederzuhalten. RegierungSkommissäre werden in kurzer Zeit auf das platte Land zu den Bauern geschickt werden, um diesen die Sachlage des Reiches zu erklären. Gegen alle Agi tctoren und Aufwiegler wird fortan mit eiserner Strenge vorgegangen werden. Viele Menschenleben ver n i ch t e t. S y z r a n , 14. Aug. Seit dem großen Feuer, welches am 19. Juli fast die ganze Stadt einäscherte, werden 198 Personen vermißt, die vermuthlich bei dem Brande umgekommen sind. Von der wüthenden Bevölkerung find sieben Personen getödtet worden, weil sie im Verdacht standen, da Feuer angelegt zu haben. Direkte Dampfer-Ver-b i n d u n g e n. Odessa, 14. Aug. Der Dam pfer Jupiter der Russischen Schiff. fahrtS- und Handelsgesellschaft wird gegen Ende September von Odessa nach New Vork den direkten Verkehr von diesem Hafen nach den Ver. Staaten eröffnen. Dem ..Jupiter" wird Mitte November ein zweite? Schiff folgen. Die Fahrt nach New York wird zwanzig Tage dauern. Das Unternehmen steht noch im Versuchöftadium. Die Gesellschaft, welche den größten Theil deS AuSwandererverkehrS aus dem südlichen Rußland zu gewinnen hofft, wurde nach dem Vorbild der FreiwilligenFlotte, die einen Dienst von Libau nach New York eröffnet hat, gebildet. Falls das Unternehmen sich als erfolgreich erweift, werden die beiden Gesellschaften im nächsten Jahre regelmäßige Fahrten veranstalten. Beide Gesellschaften be ziehen von der Regierung Subven tionen. Frankreich. PäpftlicheBefehleanFrankreichö Klerisei. Pari 5, 14. Aug. Sin päpstlicher Kourier langte heute Morgen hier von Rom kommend an und überbrachte dem Erzbischof Richard daS Dokument, welcheS die Befehle des PapfteS an die französche Erzbischöfe und Bischöfe be treffö Verhaltens der Klerisei während deS Kulturkampfes in Frankreich enthält. Der Erzbischof machte bald da rauf den Inhalt des Dokuments be konnt uud sagte: Der Papst hat be fohlen und wir beugen unS demüthig und mit freudigen Herzen unter feinen Befehlen." Philippinen-Jnfeln. Eingeborene noch immer feindselig. Manila, 14. August. Gou verneur Jde kehrte heute von einer Reise nach der Insel Leyte hierher zu rück. In Takloban hatte er eine Be sprechung mit den Generälen Wood und Lee und mit fünfzehn DorfschaftSvor sichern über die Ausstände der Pulajanen. Die Dorfoderhäupter versprachen Herrn Jde feierlichst, bei der Unter drückung der Eingeborenen-Unruhen in jeder Weise behülflich zu sein. Die Ursachen der feindlichen Ueberfalle der Pulajanen werden darauf zurückge
führt, daß der Gouverneur der Insel Leyte die Entwaffnung der Munizipal Polizei anbefohlen habe. Argentinien. Staats - SekretärRoot großartig empfangen. Buenos Ayres, 14. Aug. Eine ungeheure Volksmenge erwartete heute Morgen die Ankunft deS StaatsSekretärs Root und seines Gefolges am Hafen. Herr Root wurde von den Ministern der Marine und des Aeu ßern und von dem amerikanischen Gesandten Beaupre, und seinem Sekretär aus'S Herzlichste begrüßt, während die Volksmenge in Hurrahrufe ausbrach. Die Straßen und die Häuser waren zu Ehren der Gäste mit amerikanischen Flaggen reich geschmückt. Nachmittags fuhr der StaatS-Sekretär mit der Es körte des 8. Kavallerie-RegimentS nach dem RegierungSpalaft und,wurde vom Präsidenten Alcorta empfangen. Heute Abend fand im RegierungSpalaft ein offizielles Bankett statt, an dem Herr Root und sein Gefolge theilnahm. Persien. GeordneteZuftände. Teheran, 14. Aug. Nachdem der Schah endlich die Reformforderun gen des Volkes erfüllt hat, haben die Flüchtlinge, welche den Schutz der bri tischen Gesandtschaft suchten, mit Aus nähme von zweihundert, welche perfön lich Ansprüche haben, das Gesandt schaftS . Gebäude verlassen, und die Mullahs, welche von Teheran geflüchtet waren, kehren zurück. Illuminationen zur Feier der neuen Ordnung der Dinge find im ganzen Lande angeordnet worden. Die Reformen, welche in einem vom Schah unterzeichneten und soeben ver öffentlichten Erlaß angekündigt werden, schließen die Bildung eine? StaaStrathS ein, der berathende Rechte hat. Die Körperschaft soll aus fünfzig Mitgliedern bestehen, die theilweise aus allen Klaffen, auch der Geistlichkeit, gewühlt werden. Doch find die Bauern aus geschlossen. Die Hauptstadt ist ruhiger, und die Läden werden wieder geöffnet. Niederlande. TuberkuloseKonfe r e n z. Haag. 14. Aug. Für die in der Zeit vom 6. 8 September im Haag stattfindende Internationale Tuberku lose Konferenz stehen die praktischen, wichtigen Fragen der Tu berkuloseBekämpfung auf der Tageordnung. Den Bestrebungen der In ternationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose entsprechend, welcher ge genwärtig 21 Länder angehören, wer den die in den verschiedenen Ländern gemachten Erfahrungen hierbei zum AuStrag gebracht werden. Es werden auf der Konferenz folgende Aerzte aus Amerika sprechen: Dr. Flick, Philadelphia; Dr. BriggS, New York und Dr. Walsh, Philadelphia. Marokko. Unruhe unter Eingebo. r e n e n. Fez, 14. Aug. An der marokkonischen Grenze in der Nähe von Oudja herrscht eine beträchtliche Erre gung, weil die Regierung von Algerien wegen der Weigerung der Vertreter deS Sultans von Marokko, die maurischen Kaufleute zur Erfüllung ihrer Handels Verbindlichkeiten zu zwingen, die Aus fuhr über die Grenze zeitweise verboten hat. Den Stämmen fehlen infolgedessen die Lebensmittelzufuhren und sie drohen, in Zukunft ihre Interessen Frankreich anvertrauen zu wollm, wenn die Beamten deö Sultans die algerifchen Forderungen nicht sofort er: füllen.
In England starb jüngst eir Kind infolge des Genusses von Pri meln. Venares in Ostindien besitz! 1454 brahmanische Tempel und 272 Moscheen. Schafe von Island, welche 14 Zoll groß sind, waren un längst in England ausgestellt. China ist der einzige größere Staat der Welt, welcher die Jnstitu tion der Konsulate noch nicht kennt. Zu Beginn des 19. Jahr Hunderts gab es in Deutschland bereits Frauenzeitschriften in Hüllk und Fülle. Fast jeder Haushalt ha! in Indien seinen Bhisti, seinen Wasserträger, der dem Haus das Wasser zuträgt und auch den Garten bewässert. Die Massachusetts State Federation of Women's Clubs" zählt gegenwärtig 223 Klubs mit insgesammt 33,284 Mitgliedern.
Industrielles Jubiläum.
In diesen Tagen hat in London eine internationale Jubiläumsfeier stattgefunden, die besonders für die Farben-Jndustrie von Interesse war. Die Feier galt William Henry Perkin, der vor 50 Jahren den ersten Theerfarbstoff entdeckte. Perkin war damals Assistent von August Wilhelm Hofmann, der seit dem Jahre 1845 am Royal College of London" lehrte. D Begründung dieses College ist auf die glänzenden Erfolge zurückzuführen, welche das Gießener chemische Laboratorium unter der genialen Leitung von Justus Liebig aufzuweisen hatte. Da die Mittel zur Errichtung eines chemischen Institutes in London vomStaate nicht zu erlangen waren, so wurden sie durch private Zeichnungen aufgebracht, und die Leitung des Laboratoriums übertrug man, obwohl in England an tüchtigen Chemikern kein Mangel war, August Wilhelm Hofmann, der als Assistent von Liebig mit den Forschungs- und Lehrmethoden des großen Meisters auf's innigste vertraut war. Als Hofmann nach England über.siedelte, hatte er bereits die Aufmerksamkeit der Fachgenossen durch eine Reihe bedeutungsvoller Arbeiten auf sich gezogen. Seine erste, im Liebig'schen Laboratorium ausgeführte Untersuchung beschäftigte sich mit der Untersuchung des aus Steinkohlenthr beim Erhitzen abdistillirenden Oeles, von welchem ihm die in Offenbach von Dr. Eugen Seil errichtete Theerdestillation, eine der ältesten deutschen Anlagen, ein Quantum zur Verfügung gestellt hatte. Er fand dabei, daß in diesem Oele kleine Mengen von Anilin enthalten sind; zur Darstellung von größeren Quantitäten desselben bot sich ein Weg durch die Beobachtung von Hofmann, daß die niedrig siedenden Bestandtheile des Theeröles Benzol enthalten, welches wie schon Zinin gefunden hatte, über das Nitrobenzol in Anilin sich verwandeln läßt. Zahlreiche Versuche mit Anilin hat Hofmann theils allein, theils in Gemeinschaft mit seinen Schülern ausgeführt. Das Anilin ist auch das Material geworden, aus welchem Perkin den ersten Theerfarbstoff darstellte. Perkin war mit 15 Jahren als Student in das Royal College eingetreten und zwei Jahre später Privatassistent Hofmanns geworden. Von der gleichen Begeisterung für die chemische Forschung beseelt wie sein Meister, benutzte er jede freie Stunde zu eigenen Untersuchungen und experimentirte Abends in einem kleinen, in seiner Wohnung eingerichteten Laboratorium. Das Ziel, das er sich gesteckt hat, ist ein hohes; er will das Chinin synthetistren und hofft, durch Oxydation das Allyltoludin dazu zu gelangen. Um die Wirkung von Oxydationsmitteln auf organische Basen kennenzulernen, wird zunächst ein Vorversuch mit dem ihm wohlbekannten und im Laboratorium vorräthigen Anilin unternommen. Hierbei entsteht ein schwarzer Niederschlag, ein wenig verlockendes Resultat, da die Bildung eines farblosen, dem Chinin ähnlichen Körpers erwartet worden war. Aber das schwarze Produkt enthüllt bald Eigenschaften, die den jungen Forscher, in welchem wissen schaftlicher Geist mit praktischem Blick sich vereinigt, veranlassen, die Beobachtung weiter zu verfolgen. Nachdem er in kunstgerechter Weise den Niederschlag gereinigt hatte, löst sich letzterer in Spiritus mit prachtvoll violetter Farbe auf und Perkin zogert nicht, einen Seidenstrang in die Lösung zu tauchen, welcher prachtvoll gefärbt dem Bade entnommen wird. Da ein Versuch in größerem Maßstabe. von einer Färberei ausgeführt, günstig ausfällt, so kehrt Perkin nicht mehr zu Hofmann ins Laboratorium zurück. Seine ganze Thatkraft und Energie ist nunmehr der technischen Ausgestaltung seiner. Erfindung gewidmet. Das Verfahren wird patentirt (1856) und ungesäumt der Bau einer Fabrik begonnen. Die Schwierigkeiten, welche sich dem jungen Unternehmen in den Weg stellten, waren groß. Es gab kein Vorbild für eine derartige Fabrik; alle Apparate, die die Übertragung von kleinen, im Laboratorium ausgeführten Operationen im technischen Maßstabe ermöglichen, mußten neu erfunden werden. Auf die Herstellung des zur Fabrikation von Anilin erforderlichen Benzol mußte die Theerdestillation sich erst einrichten. Alle diese Schwierigkeiten überwand der. junge Fabrikant, welchem sein Vater und Bruder helfend zur Seite standen, und das Unternehmen gedieh glänzend. Der Erfolg, der mit der Fabrikation dieses ersten als Manve oder Perkin-Violett" bezeichneten Produkts erzielt wurde, war so groß, daß auch von anderen Seiten das Problem der Gewinnung von Farbstoffen aus organischen Basen bearbeitet wurde. In Frankreich wird (1859) das erste Patent zur Darstellung des prachtvoll rothen Fuchsins genommen und von jetzt ab reiht sich Erfolg an Erfolg; Wissenschaft und Technik stehen sich helfend zur Seite und es entsteht eine neue Industrie, die bald auch in Deutschland festen Fuß faßte und gerade dort zu besonderer Mächtigkeit entwickelt worden ist.
Aerzte.
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