Indiana Tribüne, Volume 29, Number 301, Indianapolis, Marion County, 14 August 1906 — Page 6

; - Jndiana Tribüne, in. August 19.

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Das ReformKlcld. Ewe Ehestandsgeschichte ron Erwin Rosen. Meine Frau war sehr nachdenklich in lehter Zeit. Sie hatte sozusagen einen perpetuell sinnenden Ausdruck" angenommen, der. meiner höchst unmaßgeblichen Ansicht nach, zu einem Zehntel ehrlich war, zu neun Zehnteln aber höchstwahrscheinlich mit rasfinirter Berechnung darauf ausging, mich zu einer theilnahmsvollen Erkundigung nach den diesmaligen Spezialschmerzen bezw. Spezialwünschen gewöhnlich kommt es auf das gleiche heraus meiner lieben ssrau zu verlocken. Wir sind zwar noch nicht lange verheirathet, aber gründlich! Wir haben unsere ganz peziellen Ansichten über die Ehe. die ?en lieben Leser gar nichts angehen. Nur möchte ich versichern, daß wir unverschämt glücklich dabei sind. Aus dem halben Hundert unserer Grundsätze sei jener hervorgehoben, der da festlegt, wir seien gute Kämeraden (dieses Gelöbniß des Gehörsams ist sowieso ein großer Schwindel!) und wir wollten die Entwickelung unserer Individualität gegenseitig durchaus nicht hemmen, sondern im Gegentheil fördern. Na also! Wenn meine Frau zu ihrer Jndividualität einen sinnenden Gesichtsausdruck und fragende" Augen durchaus nothwendig nöthig hatte, so ging mich das abmachungsgemäß weiter gar nichts an, und ich harrte mit vollkommener Gemüthsruhe und einer leisen Neugierde der Dinge, die da kommen sollten. Eigentlich fiel es mir ja schwer. Meine Frau wurde immer nachdenklicher. immer sinnender, immer fragender", und es erschien mir nachgerade als eine bodenlose Gemüthsroheit, angesichts dieser bedenklichen Symptome gemüthlich Redaktionsklatsch zu erzählen und mein Frauchen verliebt zu poussiren" jedoch das sind strikteste Privatangelegenhei ten. Eines Abends aber kam die Explosion. Ich erinnere mich, daß ich nicht besonders gut aufgelegt war. Bei unserem allabendlichen Plaudersiündchen auf dem Sofa, jener gemüthlichen Stunde, wo alles ausführlichst besprochen und so manches durchgehechelt wird, hatte nämlich Muckelin (sie heißt mich Muckel, ich nenne sie eornnio revanche Muckelin) ebenso kurz wie kategorisch irgend eine EHose, die ich an jenem Tage geschrieben, als höchst minderwerthig, bezeichnet. Voila die Prüfsteine ehelicher Liebe! Ich muß gestehen, ich war sehr, außerordentlich, ungeheuer verschnupft. Um ganz ehrlich zu sein, ich war wüthend! Meine Frau aber lehnte sich behaglich zurück und beguckte mit den erwähnten fragenden sinnenden Augen die Zimmerdecke. Plötzlich schmiegte sie sich liebevoll, zärtlich an meine unwürdige Wenigkeit und flüsterte süß: 25u, Muckel. weißt Du, Muckel. ich brauche nothwendig ein neues Kleid." Ach, du Grundgütiger! Das also war des Pudels Kern ... dies war die Maus, die der kreisende Berg geboren! Na. solche eine Aufführung hatte ich Muckelin effektiv nicht zugetraut. Komödie zu spielen wegen eines neuen Fähnchens wie irgend eine beliebige Luppenfrau", eine jener Puppen, die das Heim schmücken", aber sonst nichts werth sind Muckelin. wie sind' Ew. Liebden in meiner Achtung gesunken! Und sehr kühl sagte ich: Aber Herz, da bedarf es doch keizier langen Berathung. Du führst unsere Kasse, mit großem Erfolge, wie ich zugebe, und wenn Du gern 'was Hübsches möchtest und wir können es uns augenblicklich leisten aber selbstverständlich. Du mußt das ja am besten wissen. Also, avanti! Was soll es denn sein? I wo! Ich fühle mich gar nicht wohl in letzter Zeit!" meinte sie in ekgischem Tone. Nun bekam ich aber einen ganz gründlichen Schreck. Meine Frau ist allerdings kerngesund und sah an jenem Tage ganz besonders gut aus, aber mit Frauen kann man nie wissen ... Vielleicht gar Meine Augen müssen meine Gedanken verrathen haben, denn Muckelin schüttelte energisch das Köpfchen und flüsierte in dem Tone einer Märtyrerin: Irgend etwas ist nicht in Qrdnung. Nervöse Magenschmerzen, fürcht' ich Ich fühle mich immer so beengt!" Neuer Schreck! Förmlich in die Glieder fuhr mir die Angst. Ich sah meine Frau von der Seite an. Donnerwetter, sie sah doch famos aus. Und ihr Appetit war wahrhaftig ausgezeichnet! Aber trotzdem Schatz, das könnte doch höchstens eine momentane Unpäßlichkeit sein," meinte ich beschwichtigend. Nein, es ist nicht momentan," sagte meine Frau eigensinnig, es ist gar nicht momentan und es ist einfach abscheulich von Dir ..." Aber Herzlieb ..." wollte ich schüchtern erwidern. Du hast absolut kein Verständniß für mich," fiel mir meine Frau in's Wort, es ist nicht im geringsten momentan und ich fühle mich immer so beengt und Du bist ein Barbar und ich habe mich entschlossen, künftig nur noch Reformkleider zu tragen!!" Hopla! Tableau! Dieö war es. Fast hätte ich über meinen Schreck

und über meine diversen Besorgnisse gelacht. War doch des Räthsels LLsung gar so einfach: Muckelin hat den Reformrappel! Hopla! Da hieß es aber diplomatisch sein! Hm ja," meinte ich, weißt Du. Schatz, ich glaube, die fließenden Formen der Reformmode würden Deine schlanke Figur sehr gut kleiden." Nicht wahr?", sagte meine Frau entzückt mit einem, liebevollen Seitenblick, der süßen Lohn verhieß. Aber, weißt Du. ein kleines Vedenken habe ich doch," fügte ich, gleichsam vorsichtig tastend, hinzu. Es ist eigentlich nur rein wissenschaftlicher Natur. Was ich jetzt sagen werde, sind auch durchaus keine eigenen Ideen, sondmi nur ein Resümee des Standpunktes der modernen Wissenschaft. Sieh 'mal, mir persönlich ist meine Frau in Sackleinwand geradeso bewundernswürdig als im raffinirtesten Pariser Kostüm. Aber die Wissenschaft behauptet, daß die Mode unbewußt zwar, aber desto gründlicher, ihre Aufgabe stets von der praktischen Seite aufgefaßt habe. Das heißt, Zweck der Mode ist es, die natürlichen Züge der Frau, ihre weiblichen Schönheiten, hervorzuheben und zur Geltung zu bringen. Zum Beispiel das Korsett erfüllt die doppelte Aufgabe, die weiche Fülle der Hüftenrundung zu accentuiren und die Schönheit der Büste besonders hervorzuheben. Die hohen Absätze der Damenschuhe dienen im Grunde durchaus nicht dazu, die Gestalt um einige Eentimeter zu erhöhen, sondern sollen gleichfalls die Haltung so beeinflussen, daß " Aber Du ganz gelehrter Muckel," sagte meine Frau lachend, dazu brauche ich wahrhaftig keine Wissenschaft. Das habe ich schon als Backfisch genau gewußt!" So? Und Du willst Dich all' dieser Vorzüge der Mode begeben und zu den Reformern" übergehen? Wie gesagt, mir bist Du immer schön. Aber die Ehe schließt doch meines Wissens nicht den Wunsch aus, auch im allgemeinen schön und begehrenswerth zu erscheinen " Quatsch!" meinte Muckelin burschikos, ich bin fest überzeugt, daß mir ein Reformkleid ganz famos siehen wird!" Ich weiß doch nicht," sagte ich zweifelnd. Meiner Ansicht nach ist das Reformkostüm eine Art weiblicher Uniform. Es ist nicht persönlich. Es verallgemeinert eh kein Sterblicher kann wissen, was sich unter dieser weiten, versteckenden Hülle birgt " Na, wenn sie aber darauf nicht hereinfällt! dachte ich stillvergnügt. Helf', was helfen kann. Daß die Magennerven" ein ganz gewöhnlicher Schwindel waren, davon war ich fest überzeugt. Und wenn die Aussicht der Verallgemeinerung" sie nicht abschreckte, dann half überhaupt gar nichts mehr. Aber ich hätte meine Frau wirklich besser kennen sollen. Wenn sie sich einmal etwas in's kluge Köpfchen gesetzt hat. so ist die betreffende EHose todtsicher nach allen Seiten, Ecken und Richtungen von ihr überlegt und beklügelt worden und sie ist gegen alle Einwände gepanzert wie ein zusammengerollter Igel gegen einen Dachshund ... Also sprach meine Frau: Das ist es ja gerade. Ihr Männer seid aber auch ganz erschrecklich dumm. Freilich sehen viele Frauen in einem Reformkostüm aus. als ob sie in einem Sack stäken. Eben deshalb will ich beweisen, daß ich in einem Refrmigen" sehr gut aussehe. Man muß eine schlanke und doch ausgesprochene Figur dazu haben. Aber davon hast Du natürlich keine Ahnung! Ich finde meine Idee ganz entzückend. Es ist einmal etwas anderes, etwas Apartes. Du, ich freue mich so!" Erlaube 'mal, liebe Frau," sagte ich sehr kühl, mir kommt es vor, als ob Du ein wenig geflunkert hättest. Du machst mir alle möglichen Sorgen, stellst Dich auf den hygienischen Standpunkt, citirst nervöse Magenschmerzen schleunigst herbei, und jetzt löst sich die ganze Geschichte ebenso einfach wie echt weiblich dahin auf. daß Du modeperverses Persönchen eben einmal etwas Apartes haben willst! Du flunkernde Muckelin! Sollten Deine nervösen Magenschmerzen nicht in das Gebiet jener sagenhaften Krankheiten gehören, jener sprichwörtlichen Krankheiten, die eine Badereise nach Norderney oder nach Helgoland einem geplagten Hausvater plausibel machen müssen?" Jetzt war ich aber wirklich böse! Meine Frau setzte sich stramm aufrecht und sah mich mit flammenden Augen an: Du Du Du Ekel! Du Barbar! Nicht einmal nicht einmal nervöse Magenschmerzen will mir der abscheuliche Mensch gönnen ..." Ihre Augen sprühten Entrüstung, ihr ganzes Wesen athmete Verachtung. Ganz erbärmlich kam ich mix vor der reine Lump! Hopla! Da war nichts zu machen". Auf der ganzen Linie war ich geschlagen: Infantnie, Kavallerie. Artillerie alles beim Deibel! Das Neformige" war materialisirte Thatsache, ich war wieder einmal ein geschlagener Mann und mußte schandenhalber auch noch auf einen möglichst geordneten Ruckzug bedacht sein. .Aber Muckelin!" saate ich unalaub-

llcy sanst, Du mußt nicht so toioncu energisch sein. Es war wahrhaftig nur Scherz, ganz gewiß! Es ist meine bierehrliche Ueberzeugung, daß ein Reformkostüm Dich ausgezeichnet kleiden wurde. Na also! War alles nur Ulk ... Du weißt ja, welche ffreude mir solch' kleine Plänkeleien machen. Na also!" Meine Frau sah mich mißtrauisch an. Ich bekomme das Reformkleid?" fragte sie. mich mit scharfen Augen beobachtend. Statt aller Antwort hob ich die drei Schwurfinaer emvor. Wann?" meinte Muckelin weiter. Sie ist gerne präzise. Wann Du willst! Sofort!! Augenblicklich!!!" Muckel!" flötete meine Frau süß... Halt, eine Idee! Jetzt noch, knapp vor Thorschluß, eine Idee! Du, höre 'mal, Frauchen," sagte ich so ganz nebensächlich und apropos, es ist aber wirklich schade um die seidenen Blusen, in denen Du so reizend aussiehst. Heute beim Nachhausegehen sah ich Blusen ah, Blusen! Blusen, sage ich Dir! Fast hätte ich gleich eine mitgenommen. Jammerschade, jammerschade. Zu Reformkleidern kann man natürlich keine Blusen tragen ..." Meine Frau schmiegte sich zärtlich, o so zärtlich, an mich und sah mich mit traumverlorenen, glücklichen Augen an. Die trage ich auch noch," flüsterte sie. Man muß niemals einseitig werden. Weißt Du, Muckellieb, vielleicht werden später auch meine nerdösen Magenschmerzen wieder besser!" Da knickte ich zusammen. Ich klappte einfach zu. Eine geknickte Lilie war ein Geradehalter gegen mich Verklungene Töne.

Was wird aus den verklungenen Tönen? Ganz ist diese Frage noch nicht gelöst, obgleich sie von den Küstenbewohnern, namentlich von Fischern. Schisfern und Matrosen immer wieder aufgeworfen wird. Die Blaujacken sind sogar nicht abgeneigt, die verklungenen Töne", von denen hier die Rede ist, in das Gebiet des Gespensterhaften und nicht unter die Rubrik Akustik einzureihen. Vor noch nicht langer Zeit hat man auf einer Rettungsstation ganz deutlich Hilferufe zu hören geglaubt. Es war an der englischen Küste, kurz vor Hereinbruch der Nacht. Vom Meer klangen die Signalschüsse zur Station herüber. Sofort wurde ein Boot klar gemacht, und man steuerte der Richtung nach, von der die Laute zu kommen schienen. Vergebens! Weder Schiff, noch Mannschaft, noch irgend ein Ueberbleibsel des Schiffes war zu sehen. Das Boot kehrte unverrichteter Sache zur Station zurück, und dort erzählte man, daß inzwisch.'n ganz deutlich der Hilferuf einer ertrinkenden Mannschaft hörbar gewesen sei. Ebenso seltsam und geheimnißvoll ist das Verschwinden der Töne an Plätzen, wo man sie zu hören erwartet. Es kommt vor, daß Schiffe ununterbrochen Warnungszeichen abgeben, diese Warnungszeichen aber auch bei ganz kurzem Abstand unvernehmbar bleiben, während sie wiederum an anderer Stelle in weit größerer Entfernung gehört werden. So z. B. beobachtete man. daß die Kanonade der englischen Kriegsflotte auf der Rhede von Spithead gelegentlich deö Todes der Königin Viktoria in nächfter Nähe ungehört verhallte; an anderer Stelle aber hatte man sie ganz deutlich vernommen, ohne daß der Wind die Richtung der Schallwellen beeinflußt hätte. Der Sage von den Nebelschüssen, die jeder Küstenbewohner kennt, vorausgesetzt, daß sein Gestade häufig von Nebeln heimgesucht wird, dieser Sage weiß man heute noch nicht mit einer physikalischen Erklärung entgegcnzutreten. Innerhalb dichter Nebelmassen entstehen plötzlich Töne, die sogenannten Nebelschüsse, die denAbergläubischen erschrecken und den aufgeklärten Laien in Erstaunen setzen. Woher kommen diese Töne? Welchen Weg gehen sie? Auf diese Fragen giebt es heute noch keine Antwort. Es handelt sich hier eben um seltsame akustische Erscheinungen, und daß sie sich bis jetzt noch der menschlichen Berechnung entziehen, macht sie in unseren Augen besonders geheimnißvoll. Die Hauptsache. Wir können Ihr Buch noch nicht auf den Markt bringen", sagte der Verleger zu dem ehrgeizigen Schriftsteller. Aber", wandte der ein, es ist ge. druckt, illustrirt, und nun t einfach fertig, warum lassen Sie's denn nicht einbinden?" Sehen Sie. das ist eben die Sache. Die Mode-S:chverst,ändigen haben sich noch nicht darüber geeinigt, welche Farbenschattirung in diesem Monate modern sein wird, und wir wollen doch selbstverständlich nicht' das Risiko eingehen, dem Einbande eine Farbe zu geben, die nicht zu dem Kleide der Dame paßt, die eö liest. Haben wir da nicht recht?" Der Schriftsteller sah's ein und ging traurig nach Hause. Heirathögesuch. Ein er mer Teufel sucht einen reichen Engel.

cbensrcttung.

Humoreske von Max Feder. . Also mit Waldow geht es zu Ende?Absolut! Er hat mehr Schulden, als Haare auf dem Kopf, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als Amerika oder eine Kugel!" Na, soweit ich ihn-kenne, zieht er Amerika vor." Die beiden Offiziere, die, sich im elektrischen Wagen allein glaubend, dies Gespräch geführt hatte, traten hinaus und waren nicht wenig betreten, als sie an der Rückwand des Perrons ein junges Mädchen stehen sahen, das ihre Worte wohl hatte hören können. Da es aber gleichgültig vor sich hinschaute, waren sie beruhigt und verließen den Wagen. In der That aber war Erna Hofen nichts weniger als gleichgültig, sie zitterte innerlich wie Espenlaub. War denn das möglicö? Waldow Leutnant Waldow, der von ihrer Mutter, der brwitweien Gerichtsräthin Höfen, zwei möblirte Simmer gemiethet hatte, sollte vor diesen beiden schrecklichen Eventualitäten stehen? Nie fühlte sie mehr als jetzt, wie sehr der junge Mann sich in ihr Herz gestohlen hatte, und wenn jte auch kaum an eine Vereinigung dachte sie hatte wenig, er, wie sie jetzt hörte, gar kein Vermögen , so konnte sie nun doch einmal ihren Gefühlen keinen Zwang anthun. Sie mußte ihn sprechen, um jeden Preis peinliche Rücksichten wären jetzt lächerlich gewesen, und schließlich war sie doch durch eine dreijährige nähere Bekanntschaft dazu berechtigt. Kaum zu Hause angelangt, klopfte sie an die Thür des Leutnants. Keine Antwort! War er nicht zu Hause? Ihr Herz schlug hörbar. Leise drückte sie die Klinke nieder, die Thür ging auf, der Leutnant war nicht im Zimmer. Schon wollte sie die Thür wieder schließen, als sie auf dem Schreibtisch einen blitzenden Revolver bemerkte. Fast hätte sie vor Entsetzen laut aufgeschrieen, aber die Angst schnürte ihr die Kehle zusammen. Nein, nein, das durfte nicht sein mit einem raschen Griff hatte sie die Waffe an sich gerissen und floh hinaus. Die unangenehmen Folaen blieben nicht aus. Als der Leutnant nach Hause kam, reklamirte er sogleich seinen Revolver. Vor wenigen Stunden hätte er ihn erst gekauft, und, nun sei er verschwunden. Das ist mir aber ganz unerklärlich", sagte die Räthin bestürzt. Außer Erna und mir ist Niemand hier gewesen, das Stubenmädchen ist seit heute Mittag beurlaubt und kommt erst Abends nach Hause." . Und mein Bursche kann es auch nicht gewesen sein, er ist zum Schießen hinaus und noch nicht zurückgekehrt." ' Wenn er nur keinen neuen kauft", dachte Erna und revidirte am nächsten Vormittag, als Waldow auf dem Exerzierplatz war, wieder das Zimmer, ohne etwas Verdächtiges zu finden. Aber wie, wenn er einen neuen Revolver gekauft und ihn derschlössen hätte! Ju seinem Schreibtisch hatte sie einen Schlüssel. Er hatte einmal den seinen verloren, und da wurden alle Schlüssel des Hauses probirt, bis sich wirklich ein passender darunter fand. Sie fühlte wohl das Verbrecherische" ihres Treibens, als sie wieder den Schlüssel in die Schublade steckte, aber galt es nicht, ein Menschenleben zu retten? Rasch schloß sie auf, nichts als Papiere! Aber doch, da in der Ecke ein kleines Fläschchen diesmal stieß sie wirklich einen Ruf des Schreckens aus auf dem Glas klebte eine Giftetikette. Nun wollte er sich also vergiften! Unbedenklich ließ sie das Flaschen in ihre Tasche gleiten und schloß die Schublade wieder zu. Abermals entrüstetes Nachforschen des Leutnants! Diesmal also ein Einbruchsdiebstahl! Und dabei war ihm das Fläschchen sehr theuer geWesen, versicherte Waldow. Das glaube ich", dachte Erna, aber Du bist mir noch theuerer." Der Leutnant schloß jetzt, wenn er fortging, Alles ab, und wenn aufgeräumt wurde, geschah es nur in Gegenwart der Räthin selbst. Indessen spionirte Erna weiter, ohne wieder etwaö Verdächtiges zu finden. Gerade das aber machte sie nur um so ängstlicher. Er war jetzt auf seiner Hut und versteckte Waffe oder Gift um so besser. War sie dem Leutnant zuliebe auf die schiefe Bahn des Diebstahls" geschritten, so schreckte sie schließlich auch davor nicht zurück, durch das Schlüsselloch zu schauen. Und so kam sie eines Tages gerade zu rechter Zeit, um zu fehen, wie er den blanken Degen an seinen HalS setzte. Im nächsten Augenblick mußte er sich die Kehle durchschnitten haben. Ein Schrei, die Thür flog auf und Erna zu Waldow's Füßen. Ich bitte Sie, nur das nicht!" rief sie in herzzerreißendem Tone. Aber, gnädiges Fräulein !" stieß der Leutnant ganz erstaunt und entsetzt hervor. Sie sollen sich nicht das Leben nehmen!" Ein herzliches Lachen war die Erwiderung. Wie kommen Sie nur darauf?"

Sie setzten eben den Degen an die Kehle." Und wie haben Sie das gewußt Fräulein Erna?" Uebrigens hielt ich den Degen nur gegen das Licht, um zu sehen, ob wirklich ein Fleck auf ihm wäre, wie der Hauptmann heute beim Exerzieren behauptete." Und Sie wollen sich wirklich nicht das Leben nehmen?" Aber wie käme ich nur dazu?" Sie wollen mich nur beruhigen." Haben Sie schon gehört, daß ich einmal im Ernste die Unwahrheit sprach, gnädiges Fräulein?" Und zu welchem Zwecke hatten Sie denn Gift gekauft?" .Ich Gift?" Nun, das Fläschchen, das Sie im Schreibtisch aufbewahrten ". Sie also haben es mir wegge: nommen?" ,,Wett Gift darin war." Nur ein Giftetikett war' darauf. Ich batte für die Trau Majorin, bei der ich ein Vielliebchen verlor, eine Flasche bestes Rosenöl kommen las sen, das sie sich aewünscht hatte. Mein Äurscke ließ es fallen, wodurch das HlaL einen Sprung bekam, und so schüttete ich daö Parfüm vorläufig in ein Medizinfläfchchen, das früher Opium enthalten hatte." Und der Revolver?" Auch den haben Sie mir weggenommen? Ich kaufte ihn zu einer Uebung der Offiziere im Revolverschießen, und da die Waffe ziemlich theuer war, wollte ich bis zum nächsten Ersten warten, um mir eine neue anzuschaffen. Wie aber in aller Welt kommen Sie darauf, Fräulein Erna, daß ich mir das Leben nehmen

will?" Das junge Mädchen erzählte das Gespräch der beiden Offiziere, das st: belauscht hatte. Wieder lachte der Leutnant herzlich. Das waren Offiziere eines anderen Regiments, m dem es auch einen Leutnant Waldow - gibt." Erna glaubte in die Erde sinken zu müssen. Dann", Herr Leutnant", stotterte sie, bleibt mir nichts übrig, als Sie um Verzeihung zu bitten, und wenn Sie von uns wegziehen was Sie doch jetzt gewiß thun werden " Ich denke nicht daran", jubelte der junge Mann, ich bin ja erfreut, da ich nun weiß, daß ich auf Ihre Gegenliebe rechnen darf. Ja, w?nden Sie sich nicht ab Erna, ich wollte Deine Mutter ja längst um Deine Hand bitten, aber mein sehr reicher Onkel, von dessen Gnade un sere Familie abhängig ist, war dagegen. Nach langem Briefwechsel ist er endlich gewonnen worden ich wollte Dich zu Deinem Geburtstag damit überraschen aber nun es so gekommen ist, um so besser." An demselben Abend wurde die Verlobungsbowle getrunken. Nicht abergläubisch. Hausfrau (beim Engagement des neuen Dienstmädchens): Also, ich zahle Ihnen monatlich 12 Mar! Lohn! . . . Apropos stnd Sit abergläubisch?" Dienstmädchen: Nicht im geringsten, Madame! . . . Sie können mir ruhig, statt 12, 13 Mark Lohn geben!" Wie eine salfche TodesMeldung nachträglich doch noch wahr wurde, illustrirt der folgende, aus Jersey City gemeldete Fall: Von einem Gerüst, auf dem er arbeitete, stürzte der , 54 Jahre alte Zimmermann Henry Koch von Union Hill, nur ungefähr sechs Fuß tief zur Erde, wurde anscheinend bewußtlos aufgehoben und nach dem North Hudson Hospital gebracht, wo es sich jedoch herausstellte, daß er an einem Schlag, anfall gestorben war. Vor ungefähr drei Wochen wurden die Verwandten Koch's benachrichtiat, daß er, und zwar gewissenmaven auf dieselbe Weise wie jekt, umgekommen sei. Es hatte jedoch eine Verwechslung in der Person stattgefunden, denn der in einer Straßenbahn - Car am Schlagfluß gestorbene hatte einige Geschäftskarten Koch's in der Tasche gehabt. Als die Verwandten anlangten. klärte sich jedoch der Irrthum auf. Diskret. Warüm ist es denn in unserem Zimmer so dunkel?" In diesem Abtheil sind die Photographien älterer reicher Damen ausgestellt.Im Bilde geblieben. Na, Baron, nun doch verloben?" Muß! 'ö Wasser geht mir bis an den HalS. Verlobungsring also sozusagen Rettungsgurtel."

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