Indiana Tribüne, Volume 29, Number 299, Indianapolis, Marion County, 11 August 1906 — Page 4
c
Jndtana Tribüne, 11. August WOOl
Jndiana Tribüne. yauiAeden von der Gutnbrg TB. Indianapolis, Ind. ßarr) O. Thudium Präsident. SefchäftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELßPHONE SVS. nntrd at the Post Office ot Indianapolis a sccond claas matter. Datz China eine Million Soldaten ausbilden laßt, ' ist nicht wunderbar, wohl aber, was eZ mit denselben an fangen wird. Die friedlichen Ergebnisse der Pan Amerikanischen Kongresses werden wohl später in Südamerika durch verschiedene kleine Revolutiönchen gefeiert werden.
Auf einer der Aleuten'Jnseln im höchsten Norden bei Alaska wurden fünf japanische RoddM'Räuber von Amerikanern erschaffen, zwölf andere Japaner gefangen genommen und viele verwundet. Hoffentlich wird es deshalb keine Feindschaft mit dem Mikado geben. Japans ExpanfionSluft- er streckt sich nicht auf Robbenfelle, aber auf die Philippinen-Jnseln. Kaum hat man sich das Fleisch essen abgewöhnt und schwelgt in den Genüssen deS VegetarianiZmuS, da wird einem der Appetit auf'Z Neue ver darben durch die Entdeckung, daß die AppendicitiS meistens von Bazillen der anlaßt wird, die sich in Blumenkohl, Rüben, Wurzeln und anderen Gemüsen finden. Wie viel besser hatten eS doch unsere Vorfahren, die Alles aßen, was ihnen schmeckte, weil sie von Bazillen, AppendicitiS und Chicagoer Schlacht Häusern noch nichts wußten. Wenn Zwei das Gleiche thun, so ist eö nicht das Gleiche. Eine alle Ge. fchichte, die ewig neu bleibt. Der Zunge König von Spanien ritt letzthin die Treppen feines Schlosses hinauf bis in das Zimmer seiner Gemahlin, um eine Probe seiner Reitkunst zu geben. Die Zeitungen posaunen daZ in die Welt hinaus als einen neuen Beweis von dem ritterlichen Charakter dieses Königs. Wenn hier bei uns ein ge vöhnlicher Sterblicher eine gleiche Hel denthat versuchen wollte, würde er sich sehr bald unter der Anklage drunk and disorderly" auf der Nächsten Polizeistation gebucht sehen. In einem Punlte wird die repudlikanische Partei ihre Taktik ändern müssen. Wenn die Demokraten den Schutzzoll angreifen, wird von republi kanischer Seite erwidert, daß Freihandel d Ruin des Landes fein würde. Mit einer solchen Schilderung der Stel lung der Parteien zum Tarif werden die republikanischen Redner kein Glück und keinen Erfolg mehr haben. Sie können den Bürgern nicht mehr vor reden, daß aus demokratischer Seite die Abschaffung aller Zölle beabsichtigt wird; eö handelt sich lediglich darum, die übermäßig hohen Zölle, die blos den Monopolen nützen und dem Volke schaden, auf ihr gebührliches Maaß herabzusetzen. Politiker können keinen größeren Fehler begehen, als wenn sie das Volk für dumm halten. Der Leiter der Harvard - Stern warte, Professor Pickering. ift mit einem Plane hervorgetreten, dessen Ausfüh rung für die Förderung der HtmmelS künde von' weittragender Bedeutung wäre. Er bezieht sich auf die Grün, .dung einer Sternwarte mit einem Fern rohr allerersten! Ranges an einem Platze der südlichen Halbkugel. DaS Unternehmen soll einen internationalen Character tragen. Pickering meint, daß die Verhältnisse für die Anlage der Sternwarte am günstigsten wahrfchein lich in Südafrika westlich von Bloem. fontein oder in Peru sein würden. Außerdem hat Pickering mit möglichster Gründlichkeit die Frage erwogen, ob ein Refraktoroder ein Spiegelfernrohr von sieben Fuß Oeffnung und 45 Fuß Brennweite zu schassen wäre. Schon für 700,000 Dollars könnte nach seiner Angabe der Plan ausgeführt werden. Die Arbeit der neuen Sternwarte würde hauptsächlich auf photographischem Wege zu leisten sein, da fo die Ergeb Nisse einer größerer Zahl von Aftrono men oder Sternwarten zur AuZarbei tung übergeben werden könnten. Der Arbeitsplan soll durch einen Internatio nalen Ausschuß festgestellt werden, und jede Sternwarte soll berechtigt sein, Kopien der aufgenommenen Himmels Photographien zu beziehen.
Nie dagewesene Prosperität. Die Verkehrsleiter der großen CiskN' bahnen sind einstimmig der Ansicht, daß die größte Prosperität welche die Geschichte dieses Landes ausweist, in Sicht ift. Die Herren haben eine Versammlung in Chicago abgehalten und waren dabei unter Anderem zu der Ueberzeugung gelangt, daß wir in diesem Jahre die befte Weizenernte hatten. Auch wurde eine Statistik zusammengestellt, welche folgende überraschende Zahlen auf weift : Al.shel.) Weizen 754,000,000 Korn 2,750,000,000 Hafer 900,000,000 Gerste 165,000,000 Roggen 35,000.000 Kartoffeln 270,000,000 Baumwolle (Ballen).... 13,000,000 Heu (Tonnen) 62,003,000
Rindvieh (Köpfe) 53,000,000 Schweine 50,000,000 Der Gesammtwerth dieser Produkte Wird auf S6,734.250,000 gegen 6,. 663,225,000 deö Vorjahres veran schlagt. Somit eine Zunahme von 871,025,000. Geistesleiden und seine ttrfachen. Die BundeS'Statiftik über Geistes leiden weist eine große Zunahme der Irrsinnigen in den letzten Jahren aus. Das wird Denjenigen als eine Recht fertigung erscheinen, die Amerika für ein verrücktes Land erklären. Das wäre aber kein Urtheil, das auf wissenschaftliche Begründung Anspruch erheben könnte. Leider fehlt eS an dieser in dem öffentlichen Bericht, wüh rend eS doch im höchsten Grade teiln fchenSwerth fein muß, darüber nähere Auskunft zu erhalten. Doch fehlt eS nicht an gewissen Anhaltpunkten da für. In erster Reihe ift die verhält, nißmüßig große Anzahl von auSländi fchen Patienten in Jrrenasylen hervor zuHeben. Diese Erscheinung, die alten Datums ift, wird von Fremdenhassern als Argument gegen die Einwanderung angesührt. Wie sie da? aber motiviren, ift grundfalsch. Ihrer Behauptung zufolge werden Irrsinnige aus Europa systematisch nach diesem Lande abge schoben. Eine solche Erklärung kann nicht zutreffend sein, weil einigermaßen erfahrenen Aerzten solche Leute nicht entgehen können und sie demnach Pa tienten dieser Art an der Landung ver hindern würden. Der geistige Zu sammenbruch erfolgt in diesem Lande und zumeist in Folge t von Ent täuschungen über hochgespannte Er Wartungen, die an die Verbesserung deS LooseS durch die Auswanderung geknüpft werden. Unsere Verwaltung hat dabei ebenfalls v!:l auf dem Ge wissen. Der Chicagoer Bankkrach hat zwei Personen das Leben gekostet, die vor Schreck über ihren Verlust zusam menbrachen und aus den Depeschen ift ersichtlich, daß bei verschiedenen anderen die gleiche Ursache GeifteSgeftörtheit hervorgerufen Hut. Der Hauptgrund dürfte jedoch das angespannte Leben ohne entsprechende Abspannung sein. Wer Gelegenheit gehabt hat, dle Le benSweise der Menschen in puritani schen Gegenden zu beobachten, dem muß die Verwunderung gekommen sein, daß alle Menschen in einer solchen Gegend nicht überschnappen. DaS ift ein ewiges Einerlei ohne die mindeste Unterbrechung und Erholung, daß schließlich daS Gehirn unter diesem beständigen Druck versagen muß. Deutsche Gemüthlichkeit bei den Ameri kanern würde die Wirthshäuser mehr füllen aber dafür die Irrenhäuser ent leeren. m Der drahtlosen Telegraphie soll es nunmehr vorbehalten fein, SchissSzu fammenstöße im Nebel unmöglich zu machen. Unser Konsul Brittain in Kehl berichtet an daS StaatSdeparte ment über die neue Erfindung, die sich soeben ein Ingenieur in Berlin hat patentiren lassen. Sie besteht auö einem automatischen Apparate, mit welchem jedeS Schiff vcrsehen sein muß und welcher schon in Thätigkeit tritt. wenn das andere Schiff noch etwa eine halbe Meile entfernt ift. Der Appa rat schließt die Dampfröhre, welche nach der Schiffsschraube sührt. und bringt dadurch die Schiffsschraube und das Schiff zum Stillstände. Gottlieb Leukhardt,. Die gemüthliche Ecke,. Ecke Noble und Market Str.
Die Egoisten. Bon Ludwig Huna. Hans Wegelein saß in seinttStuoe und dachte darüber nach, wie man die Menschheit verbessern könnte. Er hatte schon 28 ich auf Buch geschrieben. Viele hun'.amstifche Versammlungen einberufen, viele Vorlesungen gehalten. Flugschriften, vollgepfropft mit seinen Besserung sideen. in alle Welttheile gesandt, aber die Menschheit wurde nicht besser. Nachdem er auf diese Weise acht Jahre seines Lebens diesen idealen Bestrebungen nutzlos geopfert, kam er zur Einsicht, daß die Menschheit ein viel zu großes Thier sei, dem man mit menschlichen Mitteln nicht beikommen könnte. Und so gab tx' auf, sich mit ihm zu befasse. Hie und da hatte er wohl noch altruistische Anwandlungen, setzte sich jedoch bald über dieselben hinweg, holte sein persönliches Ich aus seinem Brustkasien hervor, spielte und tändelte damit. fand langsam Gefallen daran.
und eines Tages wurde er mit Staunen inne, daß in dieser kleinen Stube mit den fein und geschmackvoll gezierten Wänden ein. richtiger Egoist saß mit sehr gesunden, kernigen Anschauungen. Die Frucht dieser Entwickelung war ein gereiftes Werk über den KünstlereaoiSmus, das merkwürdigerweise mehrAbsatz fand als seine weltbeglückenden Ideen. Wir haben also Hans Wegelein als einen gereiften, durch eine neue Lebensansckauun klärten Menschen vor uns, der jih sicherlich nichts mehr daraus gemacht hatte, wenn m nachster Zeit wieder eine kleine Aenderung seines Wesens eingetreten wäre. Denn schließlich so hätte er sich getröstet war Goethe ja auch nur einer einzVn Lebensanschauung getreu: der Veränderung, dem Wechsel. Und Veränderung ist Entwickelung bei halbwegs starken Kopsen. Hans Wegelein sollte nicht allzu lange darauf warten. In dem Hause gegenüber war seit einer Woche ein hübsches Mädchen eingezogen. Sie war Lehrerin. Das hatte Wegelein bald weg. Daß sie einsam und allein stand, war für ihn ungemein anziehend. Es machte sie in seinen Augen stark und frei. Trotz ihres pedantischen Berufes. Nachmittags um fünf Uhr konnte er sie regelmäßig beim Fenster bemerken, wie sie die Pelargonien und Fuchsien begoß. Da erfreute er sich an ihrer hochge wachsenen Gestalt, an ihrem geschmeidigen Gliederbau. Nur ihrem Gesichte konnte er nicht recht beikommen. Manchmal schien es ihm sonnig und weich, dann wieder hart und abstoßend. Es wechselte die Stimmung. Dabei blieben die Züge immer gleichmäßig schön. Dieses Mißverhältniß wurmte ihn und er mußte sich eingestehen, daß sein Vis--Vis eigentlich das erste Weib sei, dem er ein gewisses Interesse entgegenbrachte. Um sich aber zu vergewissern, daß dieses Interesse nichts weniger als Liebe sei. stellte er sich nach fünf Uhr, wenn das Fräulein aus der Schule kam, an'.s Fenster und wartete, bis sie ihre Blumen begoß. Da fühlte er genau, wie ruhig sein Herz schlug, wie nichts in ihm zuckte und er ruhigen Gewissens nach ein paar Minuten der Beobachtung an seine Arbeit gehen konnte. Dann sah er noch hie und da hinüber, gewahrte sie .bei den Schulheften sitzen und na. dann war eben alles wie zuvor, als hätte er sie nie geshn. Merkwürdig war nur, daß er täglich seine Beobachtung um einige Minuten verlängerte. So ertappte er sich denn nach circa zwei Wochen, daß er heute genau eine halbe Stunde beim Fenster gestanden und in ihre Wohnung hinüber gestarrt. Auch ging die Arbeit nachher nicht wie sonst vonstatten. Tagsüber, besonders nach dem Essen, sah tz häufiger auf die Uhr. Eines Tages glaubte er sogar bemerkt zu haben, daß das Mädchen länger bei den Blumen verweilte und ihre Blicke auffalliger denn je zu ihm herüberhuschten. Da wurde er etwas verwirrt, gab sich einen Klaps auf die Backe und sprach zu sich selbst: Hans Hans, ich denke,Du läßt diese Dummheiten den Menschen, denen sie gut stehen! Bleib klug wie bisher! Ich glaube gar ! Und er sah auf die Ubr: Eine Stunde und sieben Minuten! O verflucht, verflucht! murmelte er und ging an diesem Abend erst vom Fenster weg. als es schon tüchtig dunkelte. Er wollte nun der Sache ein Ende machen, um in Wahrheit den Beginn seiner Lieke zu konstatiren. Zu diesem Zwecke lauerte er eines Tages der schönen Lehrerin auf und redete sie folgendermaßen an: Mdn Fräulein, ich erlaube mir, Sie freundlichst darauf aufmerksam zu machen, daß Sie von nun an keinen Augenblick mehr in Ihrem Zimmer sicher sind. Ich beobachte jede Ihrer Bewegungen, " Aber, mein Herr!" m jeden Blick Ihres Auges, jede launische Miene Ihres strengen Gesichtes, jeden Federstrich, mit dem Sie eme Ihrer Schülerinnen unglücklich oder glücklich machen, jeden Gang durch Ihr Zimmer und jeden Gedanken auf Ihrer Stirn. Nichts entgeht mir mehr. Ich bin ein Detektiv deS Heizens, vor dem Sie sich hüten müffen, wenn Sie es nicht vorziehen, sich freiwillig seinen Handen auszuliefern. Das ist fo ziemlich alles, waö ich auf dn Herzen habe, und eS bleibt mir nur mehr übrig, Sie zu bitten,
von nun an in Ihrem Zimmerchen ri i -,tZ . . r
Zyr ueoenswuroignens nenq: auszusetzen, denn Sie glauben gar nicht. Wie stimmungöoll und anregend dies auf den lieben Mitmenschen wirkt. Ich suhle mtch doppelt stark bei der Arbeit, wenn ich andere ebenso freudig schaffen sehe. Nun bitte ich noch um einen klein - kleinwinzigen Hänbedruck zum Zeichen, daß Sie mich verstanden und daß Sie meine Bitte erfüllen werden." Er sah ihr zuversichtlich in's Auge. Das Fräulein hatte das Gefühl vollständiger Ueberrumpelung. Außer dem ziemlich gewöhnlichen Aber, mein Herr!" vermochte sie nichts Rechtes herauszubringen. Sie standen beim Hausthor, und das Beste wäre es wohl gewesen, direkt darin zu verschwinden. Aber sie fühlte, daß sie dadurch einen Abbruch der beginnenden Beziehungen herbeiführen könnte und blickte daher ein wenig verwirrt zu Boden, während ihre Schirmspitze zwischen den großenSteinen spielte. Ich soll mich also hüten? Und vor wem, wenn ich bitten darf?" .Sie sah ihn neugierig an und vergaß, zu erröthen. Vor Hans Wegelein." Q Sie sind V Nun blickte sie halb erschreckt zu ihm auf. Haben Sie am Ende auch schon ein paar Exemplare meiner trefflichen Anschauungen verdaut? Kennen Sie meine Werte?" Leider ja.' lächelte sie. Das gefiel ihm außerordentlich. Er lachte sie derb an und fragte: Haben Sie meinen früheren Menschen oder den jetzigen genossen?" Den jetzigen. Ich habe gehört. Sie waren früher sehr wie soll ich sagen sehr menschenliebend " Das bin ich immer noch, mein Fräulein. Besonders den eigenen liebe ich außerordentlich." Er lächelte sie wieder an und forschte nach dem Eindruck seiner Schalkhaftigkeit. Das ist's ja eben, mein Herr," versetzte sie sehr ernst. Egoisten sind alleinstehende Naturen, die den Mitmenschen vielleicht interessiren. aber ihm nie und nimmer gefallen können. Es sind die härtesten Charaktere, reif für das Leben und unreif für die na, sagen wir's nur getrost für die Liebe. Ich meine natürlich für die Menschenliebe im Allgemeinen Natürlich konnte sie nur die meinen. Die Schirmspitze drehte sich rasend schnell zwischen den Steinen. Woher wissen Sie denn das alles?" fragte Wegelein überrascht. Aus eigener Erfahrung. Ich bin selbst Egoistin." Sie brachte es sehr leise heraus. Pfui, das ist häßlich," entgegnete Hans, , der Egoist. 'Ja, nicht wahr, bei den anderen ist so was immer häßlich. Nur bei sich selbst nicht. Sie sehen also, daß wir gar nichts gemein haben, als unseren Egoismus. Sie interessiren mich, aber Sie gefallen mir absolut nicht. Dazu sind Sie mir zu wenig gegensätzlich. Trösten Sie sich. Kein Mensch gefällt. Nur ich. Und nun leben Sie wohl!" . Sie neigte ihm leicht ihr Köpfchen entgegen. Noch ein Wort, Fräulein. Wie ist es möglich, daß Sie bei solchen Ansichten Lehrerin sind?" Sehr einfach," erwiderte sie etwas verwirrt. Weil ich diese Ansichten in der Zeit von 8 bis 11 Uhr und von 2 bis 5 Uhr unterdrücke und in diesen Stunden nur -an meine Kleinen denke. Aber vielleicht antworte ich Ihnen am besten mit einer Frage. Wie kommt es. daß Sie bei Ihren Ansichten sich noch für ein zweites Wesen für mich interessiren, mich beobachten, mich verfolgen?" Sehr einfach. Weil ich diese Ansichten, von 5 Uhr Nachmittag angefangen, unterdrücke und in diesen Stunden nur an Sie denke." Hans Wegelein stand totV ein Triumphator da. Das Mädchen wurde roth und suchte nach Worten. Dann fand sie etwas, was sehr sonderbar klang. Ich bin also in der Zeit von 5 bis 8 Uhr Ihre heimliche Geliebte ? Und in der übrigen Zeit bin ich eine qroße, schone Null?" Ihre rechte Fußspitze tippte nervös auf dem Pflaster. Da antwortete Hans ruhig und überlegt: Ja." Im nächsten Augenblick stand er allein - vor dem geschlossenen Hausthor. Aber t: fühlte sich sehr glücklich und innerlich erregt, wie Jemand, der soeben eine Partie Schach glänzend gewonnen. Er wußte seine Gegnerin voll und völlig matt. Einen Augenblick sann er nach, was nun zu thun wäre. Dann ei!'; er seine Treppe hinauf, ging mit großen Schritten zum Fenster und blickte hinüber. Da sah er etwas E:-Htz-liches. Das Fräulein ließ das fouleaux herab und zündete die Lampe an. In den Straßen aber lag Heller Sonnenschein O weh." lächelte Hans. Armes Kind, ruinirt ihre Augen um meinetwillen, verschwendet Licht um meinetwillen, sperrt sich in ihre Stube ein um meinetwillen. Drolliges, süßes Geschöpf mit der kostlichen Eingebung und den reizenden Capricen! Ich glaube, von morgen an werden Deine Schülerinnen allen Grund haben, mit Dir unzufrieden' zu sein. Denn Du wirst auch von L bis 11 und von 2 bis 6 Uhr nicht an
it denken. Du wirst nur an Mq denken, kleine, eingebildete Egoistin, und während Du Dich suchen wirst, wirst Du mich finden. ' Und ergeht mir's denn besser? Ich Tropf und Einfaltspinsel! Wohin entwickelst Du Dich wieder. Hans? Zurück zur allgemeinen Menschenliebe und zum Missionöpredigcr der Tugenden und der ewigen Wahrheiten? Willst Du .rieder Bücher schreiben über dieWeis heiten der Menscben, die sie nicht verstehen? Oder stößt plötzlich eine kleine, kleine Zelle in Deinem Herzen den Keim ab. aus dem ein wunderickö ner. Dir noch nie bekannter Blüthenbäum treiben soll? Willst Du den erkennen, ihn Pflegen, hüten, veredeln lernen? Und ist Dein Beginnen nicht vermessen, wird nichtReue früher oder später Dein Herz zerfressen? Wirst Du nicht die Stunde verfluchen, in der Du zum ersten Male an die Liebe geglaubt, anstatt sie rundweg zu negiren und Deinem Selbst em Prosit zuzutrinken? Hans. Hans, pack Dein Ränzel und wandere aus. In eine stille Gasse wie einst, hoch hinauf, wo Dich Niemand kennt, wo Du Niemand beobachten kannst als die Spatzen, wenn sie Toilette machen." . Einige Tage darauf kündigte er seine Wohnung. Dann setzte er sich hin und schrieb folgendes Billet an sie: Mein verehrtes Fräulein! Ich möchte Sie nicht gerne beleidigt haben. Auch möchte ich nicht gerne schuld haben an all den kleine? Opfern, die Sie sich um meinetwillen auferlegen. Ich werde Sie von morgen an nicht mehr beobachten und habe bereits meine Wohnung gekündigt. In Verehrung Hans Wegelein." Er lächelte traurig, als er das Couvert schloß. Am nächsten Morgen erhielt er ein reizendes Schreiben: Teufel Sie! Unverschämter! Hier schicke ich Ihnen die Rechnung über das Petroleum, das ich Ihretwegen verbraucht, da ich den Tag zur Nacht machen mußte, um von Ihnen nicht belästigt zu' werden. Auch beanspruche ich als Egoistin Ersatz für die kostbare Zeit, die ich Ihretwegen in meinem Zimmer zubringen mußte; denn ich wagte mich nicht auf die Straße. Weiters 'beanspruche ich als Egoistin , iaft Sie mir meine gute Laune, die ich in den letzten Tagen Ihretwegen verloren, wiedergeben. Wie Sie das machen, ist Ihre Sache. Dann beanspruche ich als Egoistin , daß Sie Ihren egoistischen Trieben vollkommen entsagen und sich nur mit dem Egoismus der anderen Menschen, besonders aber mit dem meinen befassen. Endlich beanspruche ich als Egoistin , daß Sie mir mehr denn je Ihre Beachtung schenken. Ob Ihre eztradumme Wohnungskündigung diesem Zwecke entspricht, mögen Sie selbst beurtheilen. Alles dies fordere ich für mich, hören Sie, nur für mich! Danken Sie Gott, daß ich nicht mehr verlange. Ich werde heute bei offenem Fenster arbeiten. Nesty Bartenegg. X. B. Dieser nasse Fleck in der rechten Ecke stammt von ganz gewohnlichem Wasser; nicht daß Sie glauben, von einer Thräne." Als Hans Wegelein mehrmals den Brief gelesen, bemerkte er, daß sich die nassen Flecke auf dem Papier dermehrt hatten, und daß die Buchstben im Wasser schwammen. Wie schade, daß es kein gewöhnliches Wasser ist." seufzte Hans und küßte den Brief. Hm! Diese Entschiedenheit! Diese Entschlossenheit, alles auf's Spiel zu setzen! Ich werde heute bei offenem Fenster arbeiten! Das kling! wie bei dem alten Dorio: ich werde heute Nacht ohne Leibwach: schlafen. Mädel, Mädel! Ich glaube, ich werde verrückt!" Damit stürzte er zur Thür hinaus, klopfte bei seiner alten Vermietherin an und fragte stürmisch: Kann ich meine Wohnung wieder haben?" Vedaurc. Herr Wegelein. Heute früh, eben als Sie Ihren Morgenspaziergang machten, habe ich die Wohnung vergeben," erwiderte die alte Matrone lächelnd. Unselige " Ein Fräulein nahm sie, das heißt, sie bat sich Bedenkzeit bis heute Nachmittag aus." Ein Fräulein?" Es flog "nur so heraus. Die da drüben wohnt, im zweiten Stock. Eine Lehrerin." Ha!! Die alte Frau erinnerte sich', noch niemals so flinke Beine gesehen zu haben. Nachmittags waren die Rouleaux bei der kleinen Egoistin merkwürdigerweise doch heruntergelassen. Und Hans Wegelein stand auch nicht bei seinem Fenster. Aber nicht einmal die alte Matrone in der grünrri Stube zerbrach sich den Kopf darüber, wo er wohl stecken konnte. Sie lächelte nur still in ihre Stickerei hinein. E i n w a n d. Frau: Hast Du den Mann auch gefragt, ob er den Entschluß reiflich überleai hat, unsere Tochter zu heirathen?" Rann: Nein, wenn der sich's überlegt, heirathet er ja unsere Tochter nicht." Im gleichen Fall. Richtn: Jch bin überrascht, Sie wieder hier zu sehen." Einbrecher: Ja. wär' i' net aa überrascht worden, sähten S' mi' net."
Europäisches areurent. Wechsel, Kreditbriefe, Postanweisungen, auf alle Städtc Europas.
Schrffsscherne von und nach Europa. An und Verkauf ausländi scheu Geldes. j No. 35 Süd Meridian Str. Merchants National Bank. Ganze Familie durchgebrannt. Als dieser Tage ein Ignatz LavendoZli in Menomiuce. iüi-tch., von der Arbeit Heim kam, fand er zu seiner Ueberraschunz sein Haus leer. Seine Frau war mit den Kinh?n und einem gewissen Stephcn Foranre, der bei der Familie gewohnt hatte, verschwunden. Siebzig Anklagen niedcrgeschlagen. VundeZanwalt Nasch in Helena, Mont.. hat im Bundesgerichtshofe bekannt gegeben, daß er ermächtigt worden sei. 70 Fälle fallen zu lassen, in welchen Personen beschuldizt worden waren. Meineide abgelegt zu haben in Verbindung mit den West-Montana-Landbetrugsfällcn. Schlangen melken Kühe. Auf einem Stück Weideland der Goodrich'schen Farm in Hinsdale, Mass.. kommen Schlangen, welche man für Ringelnattern hält, in so großer Anzahl vor, daß sie die Milch von den weidenden Kühen trinken. Der Farmer Touchet bemerkte kürzlich, daß seine ganze Heerde von 15 Kühen der Milch beraubt worden war. Er bewachte den Weideplatz und da ergab sich, daß die Schlangen in Zwischenräumen von etwa einer Stunde an den Beinen der Kühe hinaufkrochen und die Milch wegtranken, wobei sie sich durch den Widerstand der Thiere nicht stören ließen. Der Schatz im Waschkorb. Eine Angestellte einer Wäschere! in Wellsville, N. Y.. entdeckte beim Sortiren der zum Reinigen abgegebenen Wäschestücke einer dortigen wohlhabenden Familie einen verborgenen Schatz in Banknoten und Checks im Betrage von $1540. Das Geld war an einer Unterjacke mit Stecknadeln befestigt und die vergeßliche Hausfrau hatte das Kleidungsstück zur Wäscherei gesandt, ohne an die darin verborgenen Spargroschen zu denken. Die glückiche Finderin wurde reichlich belohnt. Wäre das Kleidungsstück mit dem Gelde in die Wäschereimaschine gerathen, so würde von den Banknoten und den Checks wohl wenig übrig geblieben sein. M it drei Kindern verb r a n n t. In der Nähe von Middleton. Jda., verbrannte neulich ein Charles A. Justus mit drei Kindern seiner Schwester, einer Frau Samuel Moudy. Letztere lag krank in einem Hospital darnieder, und ihr Gatte weilte zur Zeit des Unglücks bei ihr. Justus hatte während der Abwesenheit der Eltern die Obhut über die sieben Kinder übernommen. Die vier älteren Kinder entkamen beim Ausbruch des Feuers. Justus stürzte sich in das brennende Gebäude, um die jüngeren Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren zu retten. Bald nachher wurde ein Schuß gehört und weder Justus noch die Kinder wurden lebend wieder gesehen. Hunde auf Soldaten gehetzt. Sechs bissige Bulldoggen lieferten jüngst in Chicago zehn Nationalgardisten einen unblutigen Kampf, der für die Köter siegreich endete. Die Soldaten waren nach dem Hause John Farsons im Oak Park abgesandt worden, um einen Kämeraden, welcher bei Farson im CivilVerhältniß als Chauffeur thätig ist, wegen ' Urlaubsüberschreitung zu verhaften. Der Verhaftung wurde siiller Widerstand entgegengesetzt und als das Kommando mit Gewalt sich des Chauffeurs bemächtigen wollte, ließ Farson die Hunde au die Soldaten los. Diese erblickten m der Vorsicht den besseren Theil der Tapferkeit, rissen aus und erstatteten ihrem Kapitän Meldung. Der Kapitän begab sich hierauf persönlich zu Farson. eine freundliche Auseinandersetzung folgte, und dem Chauffeur wurde gestattet, .im Hause seines Brotherrn zu bleiben. Ein chinesischer, Mörder bat vor seiner Hinrichtung in Vatavia. man möge ihm ein Bahnbillet nach Singapore besorgen, damit er es nach seinem Tode bei sich habe. Sein Wunsch wurde erfüllt. Der Name Sekt kommt von dem Worte seco," womit man in Spanien den rrvckenen- Sherry be-zeichmt.
Mm
mm
