Indiana Tribüne, Volume 29, Number 295, Indianapolis, Marion County, 7 August 1906 — Page 6
Jndiana Tribüne, 7. August 1906
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Zlie Zlrsel vom Zvnder. Cine Blüthenhistorie von Hans LieZ.
Welcher Berliner kennt nicht d!e Baumvluthe von Werder? Welcher fremde, der sie noch nicht sah, möchte es der märkischen Reichsstreusandbüchse" zutrauen, daß sie dort, auf den Sandbergen an der Havel, in ledern Frühjahr ein Bluthenwunder sondergleichen ereignet? In der That, wenn sonst noch in diesen Breiten die itnotpen an den Obstbaumen derschlössen dem Lenz entgegenträumen, schimmert auf den Werder schen Bergen, so weit das Auge reicht, ein einziges, weites, welliges Blüthcnmeer, rieselt um Häuser und Höfe, und schäumt in schneeweißen Kaskaden zu den dunklen Wassern herab, welche die Havel hier In stolzer Breite vorüberführt. Wie ist solch ein Frühlingswunder möglich? Die trotz des Sandes günstigen Bodenverhältnisse erklären es allein nicht. Birne. und Kirsche und Apfel wachsen bei uns nicht wild. Ihre Großkultur bei Werder, die uns heute zur Zeit der Baumblüthe in Erstaunen und Entzücken versetzt, muß einen Anfang gehabt haben. Und dieser Anfang liegt weit zurück, über zweihundert Iahe. Ein Zufall half ihn begründen, ein einzelnes Menschenkind, ein armes, in seiner schier hoffnungslosen Liebe verzweifeltes Mädchen, die Ursel vom Werder. Sie war Waise. Einer epidemischen Krankheit, wk sie zu jener Zeit häufiger als heute das Land heimsuchten, waren Vater und Mutter kurz nacheinander zum Opfer gefallen. Der einzige Brude? war schon vor dem Tod der Eltern in der Havel ertrunken. Kaum achtzehn Jahre alt, stand Ursel ganz allein auf der Welt. Sie hatte Niemand und nichts, als ein wetterschwaches Häuschen am Berg, in welchem sie geboren und groß g?worden war, einen Verschlag daran als Stall für ihre Ziegen, ein Stück Land, dem sie in harter Arbeit einige Gemüse und Feldfrüchte abrang, und vor dem Häuschen zwei große Kirschbäume. Die waren ihr Stolz und ihre Freude, das eigentliche Vermächtniß ihres Vaters, der sie einst als schwanke Stämmchen aus der Stadt mitgebracht hatte, um damit die Mutter zum Geburtstage zu überraschen. Wunderbar weiß und dicht prangten die Blüthen an diesen Bäumen im Frühjahr, wunderbar groß und süß waren ihre Früchte im Herbst. Von ihnen schickte Ursel jedesmal ein Körbchen voll ihrem Vormund in die Stadt. Ein Schisfer, der stromab fuhr, machte den Boten und brachte dann ein umständIiches Tankschreiben, ein paar Schürzen oder dergleichen Kleinigkeiten zurück, oder der Herr Aktuarius erschien auch mal selber, um nach seinem Mündel in der Berghütte am Werder zu sehen. Sonst kümmerte sich auf Gottes weiter Welt kein Mensch um Ursel. Aber sie war darüber auch gar nicht traurig. Im Gegentheil, sie liebte ihre Einsamkeit, ihre Freiheit und Selbständigkeit und machte sich jeden Morgen mit Aufgang der Sonne frohzemuth an ihre Arbeit. Oft konnte man ihren hellen Gesang in den Fischerhütten unten am Werder hören, und kam mal Jemand an ihrem kleinen Anwesen vorüber, dann mußte er sich über den rastlosen Fleiß des frischwangigen Naturkindes wuniem. Jungfer Ursel, Ihr arbeitet Euch -noch zu Tod?." hieß es dann wohl. Erst das Leben, dann der Tod." schallte die Antwort prompt zurück und ein lustiges, schwer zu deutendes Lachen dazu, während der Spaten doppelt eifrig in die lockeren Schollen fuhr. Ursel selbst wußte, warum sie lachte.' Ab und zu hielt sie in der Arbeit inne und blickte hinunter zum Flußthal, zu der kleinen Insel, die ein schmaler Wasserarm von ihren Bergen trennte, zu den armseligen Fischerhütten, die auf der Insel weltvergessen träumten, zu den Kähnen, die hier und dort den breiten Fluß belebten. Es waren einfache, bettelarme Leute, die da ihrem Handwerk nachgingen, aber zu ihnen gehörte der lange Peter, ein Hüne von Gestalt, blond und blauäugig, der an sie im Winter vorm Jahr, als sie mal in der Schänke unten tanzten, eine ernste Frage gestellt hatte. Sie hatte nicht ja und nicht nein gesagt, aber wenn es auch zum Leben zu wenig und zum Sterben zu 'viel war, was sie zusammen besaßen, so war sie ihm seitdem doch gut, und was nicht heute war, das konnte morgen werden. Da fiel ein Schatten in ihr junges, frisches Leben, ein Schatten, den Ursei schmerzlicher empsand als selbst ien Tod der Eltern. Wie war es möglich? War er wirklich beim frischen ertrunken, der lange Peter? Schon zwei Wochen suchte man dergebens die Ufer nach seiner Leiche ab. Hatte er sich heimlich davon gemacht, ohne ein Wort, der Andeutung, ohne Abschied, ohne jeden Grund? So sehr sie das eine füchtete, so wenig konnte sie sich das andere denken, und ias Resutet alles Fragens und Sinnens war und blieb ein namenlos toeher Schmerz. Sollte sie heute wieder zu dem alten Fischer gehen, wieder umsonst? Der gutmüthige Alte, bei dem ihr Peter lm Dienst gestanden hatte, konnte ihr ia nichts mehr sagen, als er ihr schon
hundertmal gesagt hatte. . Nichts als der Kahn und die Ruderstangen waren am jenseitigen Ufer gefunden worden und zu des armen alten Fischers Glück auch die Netze, die der lange Peters frühmorgens ausgelegt hatte. Der Winter kam, der Winter ging, Peter blieb verschwunden. Als der Frühling in's Land zog, fand Ursel in der Feldarbeit Ablenkung, nicht Vergessen. An Peters Tod konnte sie nicht glauben, der Fluß hätte sonst seine Leiche wiedergegeben. Aber auch den Gedanken, daß er sie treulos verlassen haben könnte, wies sie immer wieder von sich. Wo in aller Welt war er hingekommen? Und wieder saß Ursel nach Feier abend vor ihrem Häuschen und schaute traurig über die hübsche Landschaft zu ihren Füßen, auf das breite Flußthal und die kleine Insel, um welche die Nebel aufzusteigen degan nen. Herrlich waren die Knospen an den Kirschbäumen vor ihrer Thür aufgesprungen, fast noch früher und schöner als sonst. So wundervoll wie diese reichen, unschuldsweißen Blüthen, so wundervoll war auch der ffrühling in ihrem Herzen gewesen, die Liebe zu Peter, ihrem unvergeßlichen Peter! Nein, verlassen hatte er sie nicht! Noch am Abend vor seinem rüthselhaften Verschwinden hatten sie am Ufer unten zusammengesessen, an der Ecke da, wo man von der Insel nicht gesehen werden konnte, und sie hatten zum soundsovielten Mal nachgerechnet, ob ihre Spargroschen schon bald zu einem Kahn und zu Netzen reichten. Die Nacht war da, als sie zum letzten Mal sich auf die Fußspitzen gereckt hatte, um ihrem Peter die Lippen zum letzten Kuß zu bieten, und er in den Handkahn gestiegen und zur Insel hinübergerudert war .... Voll unendlicher Trauer blickte sie in die Ferne, wo der Wald drüben den dunstigen Horizont besäumte und weiter fußabwärts, wo jenseits der nun schon ganz dichte und dunkele Nebel über der schönen Stadt lag, von der die Fischer und der Vormund erzählten, und das prächtige Schloß, wo der König und die Königin Hof hielten. Ihre hübschen großen Augen hatten sich langsam mit Thränen gefüllt und nun stützte sie den schweren Kopf in die Hände und weinte bitterlich. Aber
plötzlich hob sie ihn wieder empor und sann ein paar Augenblicke dem Gedanken nach, der ihr da wie ein leuchtender Blitz gekommen war. Ja! Weiß es Niemand, wohin ihr Peter verschwunden war, er, er mußte es wissen! Er war ja der König! Hurtig sprang sie von der Thürschwelle auf, aber gleich ließ sie den Kopf wieder hängen. Wie sollte sie sich Zugang zum König verschaffen? Durch ihren Vormund? Ach. der durste ja Um Sterbenswortchen von der ganzen Sache wissen! Und wie sollte sie den König anreden und seine Gunst gewinnen? Nun, käme sie erst zum Fragen, dann würde er ihr's auch sicher sagen, wo ihr Peter sei, des war sie gewiß. Und in einem jähen, überwältigenden Glücksgefühl schlug sie die Hände gegen die Brust zusammen und hob die Augen zum Himmel auf, von dessen dunkelblauer Wölbung sich die Blüthen zu ihren Häupten in leuchtender Weiße abhoben. Und mit euch lieben Zweigen will ich armes Ding des Königs Gunst gewinnen! Ursel wartete nicht die nächste Gelegenheit ab,- mit einem Fischerkahn zur Stadt zu fahren, schon am näch sten Morgen machte sie sich in aller Frühe zu Fuß auf den Weg nach Potsdam. In ihrem Sonntagskleid und im Arm ein großes Bündel der schönsten Blüthenzweige lief sie. als trüge sie die Wünschelruthen, mit denen man an der rechten Stelle das Glück hervorzaubern kann. Nach wenigen Stunden' hatte sie die Residenz erreicht. Je näher 'sie der Stadt kam, die sie noch nie gesehen hatte, desto beklommener wurde ihr um's Herz. Zaghast näherte sie sich über die lange Brücke dem Schloß, dessen große Steinfiguren auf dem Dach und an den Säulen sie merkwürdig anzublicken schienen. Fest preßte sie das Blüthenbllndel an die pochende Brust und klemmte sich in eine Ecke am Hofportal. Leute kamen und gingen. Was sie nur hatten? Alle sahen sie ganz verwundert an. Ein buntbetreßter Lakai. der die Nase gar hoch trug, wies sie barsch zur Seite. Ursel rührte sich nicht vom Fleck. Da bekam sie aber einen Schreck. Himmel, war das auch ein Mensch? Ein Mohr des Königs war an ihr vorübergehuscht. Ein Hofherr fragte im Vorbeigehen: Ei, schönes Kind, wo will sie mit den wunderhübschen Blüthen hin?" Urfel blieb stumm wie der stummste Fisch daheim am Werder. Nur die Zweige drückte sie noch fester an's Herz. Ein Trupp Soldaten marschirte zum Hofthor herein, andere kamen von anderen Seiten, alles Niesen von Gestalt, in rothen Röcken, hohen Gamaschen und mit weißen Puderperrücken, die unter den hohen blanken Helmtöpfen in komisch kurzen Zöpfen endeten. So groß war ihr langer Peter auch, dachte Ursel stolz und derwundert über das militärische Schauspiel. Die Soldaten schlössen sich in Re!
hen zusammen und nicht lange dauerte es, da erschien ein ganzer Schwärm von Offizieren und Hofbeamten aus dem Inneren des Schlosses. Wieder sahen all die Herren verwundert zu ihr hin und wieder fuhr ein nasehoher Bedienter sie an: He, junges FrauenZlimmer, scheren sie sich mit ihrem blühenden Straußbesen zum Teufel! Oder der allergnädigste König wird sie mit höchstdero Stock allerhöchstselder von da vertreiben, wenn er sogleich hier vorüberkommt!" Ursel stand wie mit dem Boden verwachsen. Den König wollte sie ja gerade und polterte er auch, sie hatte ihm ja nichts zuleide gethan. Aber da sah sie auch schon einen ziemlich beleibten älteren Herrn in straffer Uniform mit einem großen silbernen Stern an der Brust eilig daherkommen und gleichsam wie überrascht plötzlich einige Schritte vor ihr stehen bleiben. Was hat die Jungfer da?" hörte sie den Herrn in befehlerischem Ton zu seiner Umgebung rufen und sah zugleich, wie er den Stock kräftig auf die Erde stieß. Ursel durchfuhr ein gewaltiger Schreck. Um alles in, der Welt hätte sie jetzt keinen Ton über die Lippen gebracht oder auch nur ein Glied gerührt. Das ist der König! Das war alles, was sie denken konnte. Und da stand er auch schon dicht und mit großen Augen vor ihr. Wer ist sie?" fragte er kurz und scharf und sah bald Ursel ln die klaren Augen, bald auf die BlüthenPracht in ihrem Arm. Die Ursel vom Werdn," brachte sie endlich, kaum hörbar, heraus. Und wo hat sie das her? Solche Blüthen in dieser Jahreszeit?" Herr König," antwortete Ursel, schon etwas zuversichtlicher und streckte ihm mit einem Kniefall die Zweige entgegen, das bring' ich Euch, sagt mir, wo ist mein Peter?" Des Königs Augen wurden noch größer, aber es war Ursel, als glitte daraus ein gutmüthiges Lächeln über seine ernsten Züge. Ihr Peter? Steh'n Sie auf, Jungfer. Heda?" EinLakai kam angesprungen. Bring' er das in's Schloß zur Königin." Der Lakai eilte mit dem Vlüthenbündel davon. Aus Werder? Was ist mit ihrem Peter?" Ursel traten die Thränen in die
Augen, aber sie erzählte muthig darauf los und der König hörte geduldig bis zu Ende. Und ich soll wissen, wo ihr langer Peter steckt?" fragte der König fast belustigt. Herr König. Ihr und Gott, Ihr beide wißt alles!" Friedrich Wilhelm, der Erste seines Namens, sah das naive Landkind mit einem langen, ernsten, durchdringenden Blick an. Dann stieß .. er ein paarmal seinen Stock kräftig auf die Erde und rief einen der Offiziere beim Namen, die derScene halb neugierig, halb lachend in respektvoller Entfernung zugesehen hatten. Was die beiden anderen sprachen, verstand Ursel nicht, da der König ihr den Rücken zugedreht hatte, aber als er sich ihr wieder zukehrte, da wußte sie, daß sie sich nicht getäuscht hatte. Ihr wißt's?! Er lebt?!" rief sie ganz außer Etikette. Der König hatte eine sehr ernste Miene angenommen und sagte schnell und mit Nachdruck: Jungfer, mach' sie mir keine Ungelegenheiten. Mal sehen, wo ihr Peter steckt, dann bekommt sie Nachricht. Mach' sie jetzt, daß sie nach Hause kommt. Hier hat sie ein Weggeld." Und damit gab er ihr drei blitzblanke Dukaten und eilte mit den anderen Herren zu den Soldaten, die unter Trommeln und Pfeifen Honneur machten. Einige Tage später überbrachte eine Estafette Ursel ein Schreiben mit dem großen königlichen Siegel. Ein ausgedienter Schulmeister, der auf seine alten Tage unter die Fischer gegangen war, buchstabirte den Inhalt zusammen. Da stand zu lesen, daß Peter bei des Königs Leibgarde war und nach drei Jahren frei sein würde. Jungfer Ursel solle sich so lange gedulden und ihres gnädigen Königs gehorsame Tochter" sein. Wer war glücklicher als Ursel! Drei Jahre sollte sie zwar noch warten. aber was ist das für ein junges Blut! Die Hauptsache war, daß sie sich in dem König nicht getäuscht hatte und daß ihr lieber langer Peter lebte und gesund war! . Und wie er Soldat geworden war,das erfuhr sie später auch. Sie hatte nichts von der Vorliebe Friedrich Wilhelms I. für die langen Kerle" gewußt und fand es nicht gerade sehr schön, daß des Königs Werber, die in ganz Europa hinter den Männern von sechs Schuh und darüber her waren, an dem verhängnißvollen Morgen auch den langen Peter aufgehoben und ohne viel Umstände nach Potsdam gebracht hatten. wo er sich monatelang nicht zu mucksen getraute. Aber der König erwies sich doch in der That als ihr gnädiger König." Bald nach dem Brief schickte er ihr durch seinen Hofgärtner einige Dutzend junger Obstbäume zum Einpflanzen, und als ihr Peter nach drei Jahren frei kam, gab der König, was noch fehlte, um den Hausstand zu begründen. . .v . Ja, Ursels Blüthenbü'ndel wurde zur Wunschelruthe deS Glücks für die
ganze Werdergegend. Ausgediente
oioa:en uno andere brauchbare Leute wurden auf Geheiß des für allesPraktische schnell bereiten Königs an den sonnigen Havelbergen beim Werder zur Obstzüchterei angesiedelt, und so entstand da ein Ort und eine Kultur, die auf sonst wenig fruchtbaren Boden zur Zeit der Baumblüthe noch heute ein wahres Frühlingswunder in die herbe märkische Landschaft zaubert. Das ist die Geschichte der Ursel vom Werder. Sie steht in keinem Historienbuch, aber wer wollte leugnen. daß er so gewesen sein könnte. Fliegende Schlangen. Die Eingeborenen der Insel Borneo erkennen drei Arten von Schlangen ihres Heimathgebietes die Fähigkeit des Fliegens zu, nämlich zwei Arten der Sattung Erosopolaea, die zu den Nattern mit gefurchten Zähnen gehört und wie alle Vertreter dieser Familie für höchst giftig gehalten wird, und eine Art der Baumschlange (Dendrophis), die auch als Glanznatter und in Indien als Schokari bezeichnet wird, zu den glattzähnigen Nattern gehört und ein orientalischer Verwandter der Ringelnatter ist. Alle drei Schlangenarten von Borneo haben auf dem Bauch Schuppen, zu jeder Seite eine Naht und eine Art von Scharnier. Durch eine Muskelzusammenziehung können diese Schuppen nach innen gezogen werden, so daß die ganze Bauchfeite der Schlange völlig konkav wird und die Schlange selbst das Aussehen eines BambusstockeS annimmt, der in der Längsrichtung aufgeschnitten ist. Der englische Zoologe Melsord, der über die fliegenden Schlangen von Borneo einen Vortrag vor der Londoner Zoologischen Gesellschaft gehalten hat, berichtet darin auch über Versuche, die er mi! einer Chrysopelaea angestellt hat und die eine Erklärung für die abergläubische Vorstellung der BorneoLeute geben. Wenn die Schlange nämlich aus einer größeren Höhe sallen gelassen wird, so windet sie sich dabei nicht in Spiralen ab, sondern sie hält den Körper ganz steif und starr, und zwar so, daß er immer einen gewissen Winkel gegen die Fallrichtung bildet. Es ist wohl anzunehmen, daß die Schlangen sich selbst oft in dieser Weise von den Bäumen herunterfallen lassen, weil sonst die Eingeborenen schwerlich die Gelegenheit zur Beobachtung des Vorganges gehabt hätten. Dabei gebrauchen die Reptilien die erwähnte Bauart ihrer Bauchschuppen in der beschriebenen Weise und erzeugen so aus der Unterseite des Körpers einen Hohlraum, der wie ein Fallschirm wirkt und den Fall verlangsamt, so daß sie sich dabei nicht schaden können. Daß eine Verlangsamung des Falles thatsächlich eintritt, wird damit bewiestn, daß ein in der Länge durchgeschnitten Bambusstab auch langsamer fällt als ein unzerschnittener von gleichem Gewicht. Standeöbewukt. Aus Zwolle, der Hauptstadt der holländischen Provinz Overyssel, wird folgende heitere Geschichte gemeldet. Ein in dieser Stadt wohnender Baron erhielt von der Gemeindebehörde eine Quittung für Schulgeld zugestellt; da aber versäumt worden war, auf dem Zettel dem hohen Herrn seinen vollen Standestitel zu geben, so gab er ihn dem Gemeindediener mit der Bemerkung zurück, daß er nichts bezahlen werde, so lange auf der Quittung nicht auch sein Adel anerkannt fei. Jetzt war guter Rath theuer. Die Quittung war ganz toudt, sie war eine beglaubigte Abschrift aus dem von der städtischen Behörde und dem Gemeinderath vereinbarten Steueranschlag, der auch die Genehmigung des Ausschusses der Provinzialstaaten erhalten hatte. Veränderungen, auch wenn sie nur im Geringsten von der einmal festgesetzten Form abwichen, durften bei Strafe der Ungiltigkeit nicht vorgenommen werden, und so blieb nur des Ausweg übrig, daß die städtische Behörde dem Gemeinderath vorschlug, das Protokoll der SteuerUmlage derart abzuändern, daß der von dem Baron zu zahlende Betrag darin gestrichen, gleichzeitig aber ein Zusatzprotokoll entworfen wurde, worin der adelige Titel des Barons genannt war. Der Gemeinderath gab seine Zusiimmung und auch der Staatenausschuß, der deshalb gehört . werden mußte, hatte nichts einzuwenden, und so machte die Quittung wieder durch alle Instanzen den Rückweg, bis sie dem Baron schließlich dargereicht wurde, der sich jetzt nicht länger sträubte, zu bezahlen. Es wird nicht gemeldet, ob der Adel dieses standesbewußtcn Steuerverweigerers ein alter oder ein sogenannter neugebackener ist, jedenfalls aber werden die über dieseFrage gewechselten Schriftstücke im Gemeindearchiv aufbewahrt werden und dem späteren Geschlecht melden, daß man keineswegs nach Spanien oder Ostelbien zu gehen braucht, um über Auswüchse des Standesbewußtsei?s zu spotten. Viel schlimmer. Ehemann: ... Ich kann nur so viel sagen: Ich hab' manches Haar in der Ehe gefunden!" LeidenSgenosse: .Komisch und ich. hab' alle Haare in der Ehe verloren!" . ..
Europaische Nachrichten.
Vllaß'Lothringen. Straßburg. Hofrath Profes sor Chiari, der berühmte patholoai sche Anatom der Prager deutschen Universität, hat eine Berufung an Stelle des in den Ruhestand getrete nen Professors v. Recklinghausen nach hier angenommen. A p a ch. Im Sägewerk des Herrn Pauly brach auf bisher unaufgeklärte Weise Feuer aus. Das ganze Werk siel den Flammen zum Opfer. Colmar. Bor einiger Zeit ver starb, noch nicht 50 Jahre alt, in Freiburg der frühere Bürgermeister von hier, Landgenchtsrath a. D. Riegelt, der seit zwei Jahren von schweren Luden heimgesucht war. Erlenbach. Kürzlich schofe der jüngste Sohn des Winzers Senft seinem Zweitältesten Bruder aus einem Revolver eine Kugel in die Brust, welche den alsbaldiaen Tod desselben zur Folge hatte. Dieser That gmg eine Famlltensttne voraus, in welcher der Thäter den Getödteten beschuldigte, zu Hause müßig zu gehen und dem Alkohol zu huldigen, während er selbst den ganzen Morgen gearbeitet habe. Zll eck ken bürg. Schwerin. In unserem Großherzogthum konnten dieser Tage nachstehende Personen das Fest der goldenen Hochzeit feiern: Färbermeister Mariens und Frau in Waren, ErbPächter Johann Seelig und Frau in Diemitz und Büdner-Altentheiler Städing und Frau in Karst bei Wittenburg. Der Großherzog erfreute die Jubelpaare durch ein Glückwunschschreiben. Außerdem erhielten die Ehepaare Mariens und Seelig das Bildniß des Landesherrn, das Ehepaar Städing ein Geldgeschenk. Güstrow. De? Großherzog hat den am 8. Dezember 190 vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurtheilten Schnitte? Adolf Teske aus RussischPoien, welcher am 12. Oktober 1904 zu Breesen bei StavenHagen die Schnitterin Wiczorek ermordete und beraubte, zu lebenslangltcher Zuchthausstrafe begnadigt K a r o w. Auf der hiesigen Bahnstation sind die Schlosser Schüldt und Stüwe, die im Gasschuppen einige nothwendig gewordene Arbeiten aus führen sollten, durch eine Gasexplosion um's Leben gekommen. Schüldt hinterläßt außer seiner Witwe schon erwachsene Kinder, während Stüwe erst seit wenigen Jahren verheirathet war. M a r k o w. Auf dem hiesigen Gute erhielt der Schmied Finck, als er den Füllen die Hufe ausschnitt. von einem unruhigen Thier einen Schlag in's Gesicht, wodurch ihm beide Kiefer zerschmettert wurden. Neustadt. Der Zimmerlehrling Adolf Witt von hier stürzte beim Aufbringen des sogenannten Hahnenbalkens von einem Scheunen-Reubau in Dreenkrögen ab. Er schlug mit dem Kopfe auf einen auf der Erde liegenden Balken und erlitt schwere innere Verletzungen. Hldenburg. Oldenburg. Das schöne Fest der goldenen Hochzeit feierten Obermedizinalrath Dr. Wicke und Gemahlin. Bant. Das Fest der Silberhochzeit feierte der Amtrentmeister H. Middendorf nebst Gemahlin. Von der vorgesetzten Behörde, von früheren und jetzigen Amtskollegen und von Bekannten von nah und fern wurden dem Jubelpaar zahlreiche Aufmerksamkeiten zu Theil. Damme. Die Strohhülsenfabrik von H. Leiber ist in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Z?reie Städte. Hamburg. In einer im Nordersandfleet. hinter Norderelbstraße 7981 liegenden Barkasse entstand kürzlich ein kleines Feuer. Es brannte Benzin. Da das Feuer von verschiedenen Seiten gemeldet wurde, rückten die Feuerwehr, sowie drei Löschdampfer zur Brandstelle ab. Das Feuer wurde in kurzer Zeit gelöscht. Der Barkassenführer H. Hansen, wohnhaft Vorsetzen 10, zweite Etage, erlitt schwere Brandwunden an beiden Händen und am Hals. Ein dreifaches Jubiläum unter ihrem Personal konnte letztens die Firrya C. Adler Lithographische Kunstanstalt und Buchdruckerei G. m. b. H. begehen, und zwar waren der Oberfaktor Eduard Naumann, der Maschinenmeister Theodor Hammer, die jeder fünfzig Jahre in der Firma thätig sind, fern dn Steinschleifer Christian Iöraensen. der fünfund zwanzig Jahre der Firma treu ae dient hat, die Jubilare. Beim Versetzen eines Krahns gerieth der Arbeiter Lachmann mit dem linken Fuß unter daö Rad deS Krahnes. Sämmtliche Zehen wurden ihm hierbet abgequetscht. Der Verunglückte fand Aufnahme im HafenkrankenhauS. Bremen. Ew Ehedrama ereignete sich hier auf offener Straße. Die Frau des Arbeiter Koch verließ vor einiger Zeit ihre Wohnung und vertrieb sich die Zeit in Gesellschaft anderer Manner. Letztens traf Koch seine Frau w der Weizenkampstraße
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